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Fraunhofer-Studienbericht zu Cybersecurity, Digitalen Zwillingen und Nachhaltigkeit in der Produktion

Wie lassen sich digitale Methoden dazu nutzen, bestehende
Produktionsprozesse neu zu gestalten und zu optimieren? Für viele
Unternehmen ist nicht deutlich, wie sie Industrie-4.0-Technologien zu
ihrem Vorteil nutzen können. Der aktuelle Studienbericht des
»International Center for Networked, Adaptive Production ICNAP« bietet
Einblicke in die Umsetzung von Digitalisierungstechnologien in der
Industrie. Der Studienbericht gibt einen umfassenden Überblick über die
praxisnahe Forschung zu Themen wie Datensicherheit, Nachhaltigkeit und
Digitalem Zwilling und steht ab sofort zum kostenlosen Download bereit.

Die digitale Vernetzung im Sinne von Industrie 4.0 verspricht,
Prozessketten effizienter, flexibler und nachhaltiger zu gestalten. Für
viele Unternehmen stellt sich dabei die Frage, was dies für die eigenen
Fertigungssysteme bedeutet. Das Potenzial von Industrie 4.0 ist immens,
doch wie können digitale Aspekte in bestehende Produktionsprozesse
integriert werden?

Um diese Frage zu beantworten, wurde das International Center for
Networked Adaptive Production (ICNAP) gegründet. Daran beteiligt sind drei
Fraunhofer-Institute mit Sitz in Aachen sowie Expertinnen und Experten aus
mittlerweile 27 Industrieunternehmen. Vorrangiges Ziel des ICNAP ist es,
in Zusammenarbeit mit Unternehmen die Umsetzung von Digitalisierung und
Industrie 4.0 in der Produktion zu untersuchen und gestalten. Durch diese
Forschung kann das ICNAP Unternehmen auf ihrem Weg der Digitalisierung
unterstützen. Auch im Jahr 2022 haben die Fraunhofer-Forscherinnen und
-Forscher in enger Kooperation mit industriellen Partnern wieder fünf
einjährige Forschungsprojekte durchgeführt. Die Ergebnisse stehen in
komprimierter Form interessierten Unternehmen in einem kürzlich
veröffentlichten Studienbericht kostenlos zur Verfügung. Das
Themenspektrum der fünf Arbeiten reicht von Nachhaltigkeit der digitalen
Produktion über die Technologien des Digitalen Zwillings bis zum sicheren
und profitablen Umgang mit Daten in produzierenden Unternehmen.

Anwendungen zur Prozessoptimierung mit dem Digitalen Zwilling

Für viele Anwendungen, die grundsätzlich dafür geeignet erscheinen gibt es
bis heute noch keine Lösungen zur Nutzung Digitaler Zwillinge, da die
erforderlichen Echtzeitfähigkeiten fehlen. Eine der fünf ICNAP-Studien
ergab jedoch, dass die erforderliche Infrastruktur auch für
Echtzeitanwendungen des Digitalen Zwillings in vielen Unternehmen bereits
vorhanden ist: Mit Hilfe konkreter Anwendungsfälle aus der Produktion
haben Fraunhofer-Forscherinnen und -Forscher analysiert, wie der Digitale
Zwilling in die Fertigung integriert werden kann, um die praktische
Anwendbarkeit des Digitalen Zwillings zur Prozessoptimierung zu belegen.

Digitale Produktion nachhaltig gestalten

Digitale Infrastrukturen werden bei der Gestaltung der zukünftigen
Industrie immer wichtiger. Gleichzeitig ist auch die Nachhaltigkeit in der
Produktion ein wichtiges Anliegen. Deswegen geht eine weitere der fünf
ICNAP-Studien des aktuellen Berichts der Frage nach, wie digitale
Infrastrukturen zu einer nachhaltigeren Produktion beitragen können.
Zusätzlich zeigt diese Studie anhand aktueller Regelungen, Vorschriften
und Technologien, wie die Digitalisierung der Industrie auf nachhaltige
Weise stattfinden kann.

Den Umgang mit Daten sicher und profitabel gestalten

Industrieunternehmen werden heute immer häufiger Opfer von Cyberangriffen,
bei denen Daten verändert oder gestohlen werden. Viele Unternehmen stehen
im Augenblick vor der Aufgabe, geeignete Datensicherheitskonzepte
auszuwählen und umzusetzen. Die dritte der fünf ICNAP-Studien befasst sich
deshalb mit dem Speichern von Daten und bietet einen Überblick über
wirksame Schutz- und Sicherheitskonzepte sowie über die erforderliche
digitale Infrastruktur. Eine weitere Studie zeigt das besondere Potenzial
von Datenräumen, um Daten effektiv speichern oder übermitteln zu können.
Auch können datenbasierte Serviceangebote für viele Unternehmen lukrativ
sein, wenn diese wissen, wie sie sie verwalten können. Zu diesem Zweck hat
die letzte der fünf Studien verschiedene Preismodelle für datenbasierte
Angebote produzierender Unternehmen untersucht, die interessierten
Unternehmen einen Überblick über die aktuellen Industriestandards bietet.

Der Studienbericht steht zum kostenlosen Download bereit unter:
www.ipt.fraunhofer.de/icnap-study-report-2022-en

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Deutscher Rheumatologiekongress in Leipzig: Neue Therapieansätze aus dem Immunsystem

Um den Therapieerfolg bei rheumatischen Erkrankungen weiter zu verbessern
und schwere Verläufe zu verhindern, ist eine frühzeitige Diagnose
entscheidend. Der Deutsche Rheumatologiekongress 2023 erweitert mit
interdisziplinären Ansätzen den Blickwinkel auf rheumatische Erkrankungen
und vermittelt Wissen über Ursachen und Begleiterkrankungen für eine
zielgerichtete Behandlung. Die Tagung findet als Hybridveranstaltung vom
30. August bis 2. September 2023 im Congress Center Leipzig statt. Auf dem
Programm stehen neue Forschungsansätze zur Früherkennung und moderne
Behandlungsmethoden, die aktuelle Erkenntnisse über das Immunsystem
aufgreifen.

Chronische Schmerzen und Entzündungsgeschehen begleiten eine Vielzahl
rheumatischer Erkrankungen. Dabei spielt das Immunsystem eine wesentliche
Rolle. Denn bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich die körpereigene
Abwehr gegen eigene Gelenke, Gewebe und Organe. Doch es gibt weitere
Einflussfaktoren: Studien zeigen, dass auch das autonome Nervensystem auf
das Immunsystem und damit auch auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen
wirkt. „Es ist von besonderem Interesse, derartigen Wechselwirkungen auf
den Grund zu gehen und herauszufinden, inwiefern unser Immunsystem
konditioniert, das heißt „trainiert“, werden kann“, so Prof. Dr. med.
Christoph Baerwald, Kongresspräsident der DGRh. Daraus gewinnen
Expert:innen wichtige Erkenntnisse über Krankheitsprozesse und
Therapieansätze.

Schließlich lebt etwa jede vierte Person in Deutschland mit einer
rheumatischen Erkrankung. Je früher eine solche erkannt wird, desto besser
sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung oder einen milden
Krankheitsverlauf. Belegt ist jedoch auch, dass sich das Immunsystem im
Laufe des Lebens verändert. Man spricht dann von der sogenannten
„Immunoseneszenz“. „Die Alterung eines Menschen birgt viele Veränderungen,
die sowohl in der Therapie als auch in der Krankheitsentstehung oder deren
Verlauf eine wichtige Rolle spielen“, erläutert Prof. Dr. med. Ulf Wagner,
wissenschaftlicher Leiter des Kongresses. Es bestehe weiterer
Forschungsbedarf, um derartige Zusammenhänge künftig besser zu verstehen
und diese langfristig zugunsten der Therapiemöglichkeiten nutzen zu
können.

Der diesjährige Rheumatologiekongress in Leipzig beleuchtet zudem
innovative und zielgerichtete Immuntherapien sowie aktuelle
Forschungsansätze aus der Prävention. Die Expertinnen und Experten
informieren über aktuelle Einflussfaktoren auf rheumatische Erkrankungen
und greifen dabei ein breites Spektrum von der klinischen Praxis bis hin
zur experimentellen Rheumatologie auf.

Gemeinsam mit der DGRh setzen die Deutsche Gesellschaft für Orthopädische
Rheumatologie (DGORh) und die Gesellschaft für Kinder- und
Jugendrheumatologie (GKJR) folgende Schwerpunkte für den gemeinsam
veranstalteten Kongress: Toleranzinduktion – von der Grundlagenforschung
zur Therapie, Neuroimmunologische Interaktion bei rheumatischen
Erkrankungen und genetisch bedingte Inflammasom-Aktivierung. Sie bilden
die Basis eines vielfältigen Programms, welches das breite Spektrum der
Rheumatologie abbildet. Mitgestaltet wurde das Sitzungsprogramm von Prof.
Dr. med. Sebastian Seitz, Kongresspräsident seitens der DGORh sowie Dr.
med. Maria Fasshauer, Kongresspräsidentin seitens der GKJR. Die Sitzungen
im Plenarsaal (Saal 1) und Saal 6 laufen während der gesamten Kongresszeit
parallel als Live-Stream für Online-Teilnehmende.

Eine breite Zielgruppe erreicht der Kongress zudem mit Angeboten für die
Rheumatologischen Studien- und Fachassistent:innen. Auch der medizinisch-
wissenschaftliche Nachwuchs wird durch das Studierendenprogramm der DGRh
unterstützt. Am Samstag, den 2. September, sammelt die Deutsche
Rheumastiftung im Rahmen eines Charitylaufs Spenden. Jeder gelaufene
Kilometer unterstützt das Ziel: „Rheuma heilbar machen“. Begleitet wird
das Kongressprogramm von einem vielfältigen, kulturellen Angebot der
Musik-, Sport- und Buchstadt Leipzig.

– Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. –

Terminhinweise:
Vorab-Pressekonferenz
Termin: 23. August 2023, 11.00 bis 12.00 Uhr
Online, Link zur Anmeldung:
https://attendee.gotowebinar.com/register/5452111357329858651

Kongresseröffnung
Termin: 30. August 2023, 18.00 Uhr
Ort: Congress Center Leipzig, Seehausener Allee 1, 04356 Leipzig
Mit anschließendem Get-Together.

Kongress-Pressekonferenz
Termin: 31. August 2023, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Seminarraum 13/14 und online (Link zur Anmeldung:
https://attendee.gotowebinar.com/register/7411399296782935896)

Charitylauf der Deutschen Rheumastiftung: „Joining For Joints“
Strecke: 5 km
Termin: 2. September 2023, 06.30 Uhr (Siegerehrung: 07.30 Uhr)
Ort: Start und Ziel: CCL-Leipzig

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Universität Vechta in Netzwerk „Transformative Skills für Nachhaltigkeit" aufgenommen

Die Netzwerkinitiative „Transformative Skills für Nachhaltigkeit“
unterstützt nun 20 Hochschulen in Deutschland, die konkrete
Herausforderungen bei der Entwicklung neuer Lern- und Lehrkonzepte für die
Vermittlung von Nachhaltigkeitskompetenzen definiert haben. Die
Universität Vechta ist eine von ihnen. Der Stifterverband, die Carl-Zeiss-
Stiftung und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sind die Initiatoren der
Initiative und stellen einen Projektförderfonds in Höhe von insgesamt
200.000 Euro bereit.

„Der Bedarf an Qualifikationen im Umgang mit Nachhaltigkeit ist in den
vergangenen Jahren enorm gestiegen. Hochschulen entwickeln – auch als
Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen – nach und nach Konzepte zur
Implementierung des Themas Nachhaltigkeit in die Hochschullehre und
bereiten ihre Studierenden damit immer besser auf das Leben und Arbeiten
in einer sich transformierenden Welt vor“, schreibt der Stifterverband.
„Allerdings erreichen die disziplinenübergreifenden Angebote noch zu
wenige Studierende.“ Ziel der mit dem Projekt etablierten „Community of
Practice“ sei es, dass Transformative Skills für Nachhaltigkeit eine
möglichst hohe Zahl von Studierenden unterschiedlichster Fächer erreichen.
Die Hochschulen werden mit dem Vorhaben unterstützt, neue Lehrmodule zu
konzipieren oder bestehende weiterzuentwickeln, die sich der Vermittlung
von Nachhaltigkeitskompetenzen widmen. In der Netzwerkarbeit werden
Herausforderungen thematisiert und unter den teilnehmenden Hochschulen
diskutiert.

„Es freut mich sehr, dass wir die Möglichkeit haben, in dieser Community
of Practice mitzuwirken“, sagt Marco Rieckmann, Professor für
Hochschuldidaktik. „Wir werden viel neue Anregungen für Bildung für
nachhaltige Entwicklung an der Universität Vechta mitnehmen und uns – aber
auch mit unseren Erfahrungen und innovativen Ideen – einbringen können“,
so der Projektleiter des Vorhabens an der Universität Vechta. So soll an
der Hochschule der Schwerpunkt auf der Frage: „Wie können wir trotz
geringer zeitlicher Ressourcen von Studierenden und Mitarbeitenden Themen
einer nachhaltigen Entwicklung an der Universität Vechta in die Breite
tragen und transformative Skills fördern?“ liegen. Ziel sei es, gemeinsam
mit Studierenden in einem Projektseminar sogenannte „Nachhaltigkeits-
Spots“ für den Campus der Universität Vechta zu entwerfen. „Diese kurzen,
innovativen Lehr-Lernformate sollen allen Universitätsangehörigen die
Möglichkeit bieten, sich mit Themen einer nachhaltigen Entwicklung und
ihren eigenen transformativen Fähigkeiten auseinanderzusetzen“, erklärt
Ann-Kristin Müller. „Zentraler Aspekt dieser Nachhaltigkeitsspots ist es,
zeitliche Ressourcen möglichst effektiv zu nutzen und die Entwicklung
transformativer Skills beispielsweise beim Warten in der Mensaschlange,
vor dem Vorlesungsaal oder an der Bushaltestelle zu fördern“, so die
wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Analysen des Stifterverbandes aus Gesprächen mit Experten und Expertinnen
im Nachhaltigkeitsbereich an Hochschulen und Unternehmen zeigen, dass es
in der Vermittlung übergreifender und fachspezifischer transformativer
Skills für Nachhaltigkeit einen starken Entwicklungsbedarf an Hochschulen
gibt. Zu den Transformativen Skills für Nachhaltigkeit gehören
beispielsweise ein Verständnis von naturwissenschaftlich-technischen
Grundlagen für nachhaltige Lösungen sowie die Fähigkeit zur Kommunikation
wissenschaftlicher Erkenntnisse. „Durchhaltevermögen, organisatorische
Kompetenzen und die Fähigkeit, komplexe Systemlogiken zu verstehen und
anzuwenden, werden künftig genauso benötigt wie strategisches Denken beim
Aufbau neuer Kooperationsformen oder für politische Kampagnen. Neben
diesen übergreifenden Skills braucht es auch weitere
fachgebietsspezifische Kompetenzen, wie beispielsweise Recyclingmethoden,
Energy Literacy und CO2-Bilanzierung“, so der Stifterverband.

Die Jury hat folgende 20 Hochschulen ausgewählt, die in die „Community of
Practice“ aufgenommen werden:

•       Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
•       Otto-Friedrich-Universität Bamberg
•       Ruhr-Universität Bochum
•       Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
•       Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
•       Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
•       Frankfurt University of Applied Sciences
•       Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
•       Hochschule Fresenius Heidelberg
•       Pädagogische Hochschule Heidelberg
•       Hochschule Heilbronn
•       Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Hildesheim/Holzminden/Göttingen
•       Universität Konstanz
•       Rheinische Fachhochschule Köln
•       Hochschule München
•       Ludwig-Maximilians-Universität München
•       Hochschule Pforzheim
•       Universität Regensburg
•       Universität Vechta
•       Julius-Maximilians-Universität Würzburg

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Kulturwissenschaftliche Tagung: Erzählen vom Wandel unserer Welt

Der Lehrstuhl für Europäische Ethnologie an der Uni Würzburg lädt Anfang
August zu einer internationalen Konferenz zur kultur- und
sozialwissenschaftlichen Umweltforschung.

Wie erzählen Menschen einander von Artensterben und Klimawandel, wie von
sozialen Krisen? Welche Rolle spielen nicht-menschliche Lebewesen in
diesen Erzählungen? Und: Welche Geschichten über Hoffnung und
Zukunftserwartungen teilen wir? Diese Fragen aufgreifen will die
internationale Konferenz „Erzählen von der Multispezies-Welt“ vom 3. bis
5. August an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg.
Organisiert wird sie vom Lehrstuhl für Europäische Ethnologie von
Professorin Michaela Fenske.

An drei Tagen gibt es knapp 15 Beiträge aus der kultur- und
sozialwissenschaftlichen Umweltforschung. „Wir wollen zeigen, auf welche
Weise Menschen einander von unserer wandelnden Welt erzählen“, erklärt
Fenske. „Und wir wollen Geschichten finden, die Hoffnung machen – gerade
in der heutigen Zeit, in der viele Menschen Verunsicherung und
Zukunftsängste spüren.“

Zu verstehen, welche Narrative und Erzählformen in Gesellschaften präsent
sind, das liefere der Kulturwissenschaft wichtige Informationen, sagt
Fenske. „Zum Beispiel darüber, wie Menschen ihre Umwelt wahrnehmen, was
sie antreibt und warum sie sich auf diese oder jene Weise positionieren zu
Themen wie Klimawandel, Kriegen oder anderen sozialen und ökologischen
Krisen.“

Tagung legt Fokus auf die Multispezies-Welt

Wichtig ist es den Organisatorinnen und Organisatoren der Konferenz, den
Teilnehmenden ganz konkret aufzuzeigen, wie verschiedene Formen des
Erzählens ihr tägliches Leben beeinflussen. „Das Erzählen von Krisen
betrifft jeden und jede“, weiß Fenske, „wir alle tun es, egal ob beim
Plausch über den Gartenzaun oder beim Gespräch in der Kaffeepause.“
Für eine ganzheitliche kulturwissenschaftliche Betrachtung sei es zudem
wichtig, den Blick auch auf das Zusammenspiel zwischen Menschen und nicht-
menschlichen Lebewesen zu richten. „Unsere Konferenz nimmt ausdrücklich
die Multispezies-Welt in den Fokus“, so Fenske. „Überall leben Menschen
nicht allein, sondern verbunden mit Pflanzen, Tieren und Kleinstlebewesen.
Dadurch haben diese Lebewesen auch einen Effekt darauf, wie Menschen
einander von ihrer Umwelt erzählen.“ So berichtet beispielsweise die
Ethnologin Gurbet Peker von der Universität Uppsala von Erzählungen über
Schafe auf der schwedischen Insel Gotland.

Die Tagung thematisiert Herausforderungen der Jetztzeit, die vor allem
junge Generationen und deren zukünftige Lebensumstände betreffen. Wegen
des jungen Zielpublikums ist die Veranstaltung bewusst ans Ende des
Sommersemesters gesetzt worden – Studierende (ebenso wie Erwerbslose)
nehmen kostenfrei teil. Zudem werden viele Vorträge von Forschenden auf
einer frühen Karrierestufe gehalten. Das Event wird unter anderem aus
Berufungsmitteln des Freistaats Bayern finanziert.

Lehrstuhl Europäische Ethnologie

Der Lehrstuhl Europäische Ethnologie an der Universität Würzburg, geleitet
von Professorin Michaela Fenske, beschäftigt sich mit der Erforschung von
Alltagskulturen in Europa. Ein Fokus liegt dabei auf der Untersuchung von
materiellen und immateriellen Aspekten der Gegenwart und der Geschichte,
etwa von Werten, Traditionen und sozialen Praktiken. Zu den
Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Studien zu Mehrspezies-
Beziehungen, die Anthropologie des Ländlichen, die Untersuchung von
Erzählkultur sowie Historische Anthropologie.

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