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Mit dem Laser für mehr Nachhaltigkeit

Von der Energieforschung bis zur Metallbearbeitung: Überall bietet der
Laser Möglichkeiten, um mehr für eine nachhaltige Zukunft zu tun. Schon
heute werden Batteriezellen für die Elektromobilität mit dem Laser
besonders effizient geschweißt. Mit dem Laser lassen sich Schadstoffe in
der Atmosphäre messen und mit ihm wird das Quanteninternet aufgebaut.
Diese und weitere Innovationen zeigte das Fraunhofer-Institut für
Lasertechnik ILT auf der diesjährigen LASER World of PHOTONICS und der
World of QUANTUM in München.

Die LASER-Messe in München feierte in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag.
Mit über
40 000 Besuchern lag sie gut 30 Prozent über dem Vor-Pandemie-Niveau, ein
klares Zeichen für die wirtschaftliche Relevanz des Themas Lasertechnik.
Am gleichen Ort fanden die Fachmessen automatica und die World of QUANTUM
statt. Das zeigt einerseits, wie stark Lasertechnik und Maschinenbau heute
vernetzt sind, andererseits forcieren neue Themen wie die
Quantentechnologien das Innovationstempo.

Wie eng die Lasertechnologie mit der Grundlagenforschung verknüpft ist,
zeigte sich auf dem World of Photonics Congress. Dr. Tammy Ma von der
National Ignition Facility des Lawrence Livermore National Laboratory und
Prof. Constantin Häfner, der Direktor des Fraunhofer ILT, sprachen dort im
Plenary Talk über das Potenzial lasergetriebener Trägheitsfusion. Das
Thema hat große Erwartungen als zukünftige Energiequelle geweckt – es wird
aber auch einen Entwicklungsschub in der Lasertechnik bewirken.

Laserschweißen für extreme Bedingungen

Ein Schneemobil gehört sicher zu den ungewöhnlichsten Exponaten auf einer
Lasermesse. In diesem Jahr zeigte das Fraunhofer ILT ein elektrisches
Schneemobil des finnischen Fahrzeugherstellers Aurora Powertrains auf
seinem Stand. Es nutzt kältefeste Batterien mit äußerst hoher
Energiedichte, die für arktische Temperaturen entwickelt wurden. Die
Fügetechnik für die IP67-klassifizierten Batterien wurde in Aachen
maßgeschneidert.

Zum Einsatz kommen Lithium-Ionen-NMC-Pouch-Zellen mit 0,2 mm dünnen
elektrischen Kupfer- und Aluminium-Kontakten. Geschweißt werden sie mit
einem 1 kW- Single Mode Faser-Laser, dessen Steuerungselektronik die
Leistung örtlich moduliert. »Wir haben die Idee evaluiert, die ersten
Muster gefertigt und das finnische Startup bei der Weiterentwicklung
begleitet«, erklärt Dr. Alexander Olowinsky, Abteilungsleiter Fügen und
Trennen am Fraunhofer ILT. »Jetzt unterstützen wir sie bei der Umsetzung
für die Großserienfertigung.«

Robuste Laser für Schadstoffmessungen aus dem Weltall

Expertinnen und Experten des Fraunhofer ILT setzen den Laser bereits seit
mehreren Jahren für die Klimaforschung ein. LIDAR-Systeme (Light Detection
and Ranging), eine Form des dreidimensionalen Laserscannings, ähnlich dem
Radar, leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Es gibt erdgebundene,
helikopter- oder satellitengestützte Systeme. Auf der LASER World of
PHOTONICS wurden Exponate zu diesen drei verschiedenen Varianten
präsentiert. Eine davon ist das satellitengestützte LIDAR-System der
deutsch-französischen Klimamission MERLIN (Methane Remote Sensing LIDAR-
Mission).

Methan ist eines der gefährlichsten Treibhausgase. Es ist wesentlich
umweltschädlicher als CO2. Eine Untersuchung, wo genau es emittiert wird
und wo es verschwindet, ist entsprechend wichtig für das weitere
Verständnis des Klimawandels. Im Rahmen der Klimamission MERLIN entwickeln
Forschende aus Aachen ein robustes LIDAR-System. Dieses soll schließlich
an Bord eines Satelliten die Methankonzentration in der Atmosphäre messen.

Es wird Tag und Nacht Laserstrahlen in die Atmosphäre schicken und aus den
rückgestreuten Signalen die Methanverteilung berechnen. Im Gegensatz zu
herkömmlichen Methanmessungen mit optischen Spektrometern, für die
Sonnenstrahlung erforderlich ist, können mit dem MERLIN-LIDAR auch Werte
auf der Nachtseite der Erde gemessen werden. Auch sind damit Messungen in
kleinräumigen Wolkenlücken möglich. Der Laser muss über einen
Temperaturbereich von -30 bis +50 °C die volle Leistung bringen. Am
Fraunhofer ILT wurden dafür spezielle Mountingtechnologien entwickelt, die
inzwischen auch für andere Satellitenprojekte angewandt werden.

Quantenfrequenzkonverter für das Quanteninternet

In verschiedenen Förderprojekten werden derzeit Systeme für das
Quanteninternet entwickelt. Sie sollen eine abhörsichere Kommunikation
ermöglichen, später auch die Vernetzung von Quantencomputern. Übertragen
werden bei der Kommunikation via Quanteninternet einzelne Photonen, die in
speziellen Lichtquellen erzeugt werden.

Dabei gibt es ein Problem: Die Lichtquellen arbeiten meist im sichtbaren
Spektralbereich, die Übertragungsfasern haben ihre niedrigsten Verluste
jedoch im nahen Infrarot. In einer Kooperation mit QuTech, einer
gemeinsamen Forschungseinrichtung der Technischen Universität Delft und
der niederländischen Organisation für angewandte naturwissenschaftliche
Forschung TNO, hat ein Team vom Fraunhofer ILT einen
Quantenfrequenzkonverter (QFC) entwickelt, der das Problem löst. Er ist
inzwischen in Delft im Einsatz, wo drei verschiedene Knoten zu einem
ersten Quanteninformationsnetzwerk zusammengeschlossen werden.

An dem QFC wurden schon eine Effizienz von rund 50 Prozent (fiber in/fiber
out) und ein ultraniedriges Rauschen von 2 Hz/pm gemessen. Mit dem QFC
lassen sich jetzt in Aachen verschiedene Komponenten für den Aufbau von
Quantennetzwerken testen. Im Rahmen des Förderprojektes N-Quik können
Partner aus Industrie und Wissenschaft so neue Produkte und Anwendungen
entwickeln und das volle Potenzial des verteilten Quantencomputings
erschließen.

Beschichten und Zerspanen in einem Arbeitsgang

Hochfeste Schutzschichten können einiges ab. Je besser sie schützen, umso
schwieriger sind sie allerdings zu bearbeiten. Das Problem löst ein neues
Verfahren, das am Fraunhofer ILT entwickelt wurde. Dafür werden zwei
Fertigungsverfahren kombiniert: Die Beschichtung wird mit dem Extremen
Hochgeschwindigkeits-Laserauftragschweißen (EHLA) aufgebracht und
zeitgleich mechanisch bearbeitet. Die Schicht ist da noch heiß und deshalb
wesentlich besser zerspanbar.

Das Verfahren wird englisch Simultaneous Machining and Coating (SMaC)
genannt und spart signifikant Zeit, Energie und Material ein. »Mit SMaC
können wir korrosions- und verschleißbeständige Beschichtungen
wirtschaftlich aufbringen. Wir erzielen sehr hohe Oberflächenqualitäten in
kürzerer Zeit und mit potenziell höheren Werkzeugstandzeiten als mit der
üblichen, sequenziellen Bearbeitung«, erklärt Viktor Glushych, Leiter der
Gruppe Beschichtung LMD und Wärmebehandlung am Fraunhofer ILT. Je nach
Anforderungsprofil und Beschichtungswerkstoff kann die Prozessdauer um
mehr als 60 Prozent reduziert werden.

Das Verfahren lässt sich sehr breit anwenden, von der Energiewirtschaft
und der gesamten Mobilitätsbranche reicht das Spektrum bis zur chemischen
Industrie und dem Bergbau. Überall, wo hoch belastete,
rotationssymmetrische Bauteile zum Einsatz kommen sorgt SMaC für
Einsparungen bei wichtigen Ressourcen.

Laserscanner mit 90 Prozent weniger Bauvolumen

Eigentlich sind Laserscanner schon recht optimierte Baugruppen. Dennoch
ist es einem Team des Fraunhofer ILT gelungen, durch eine Fusion von
Scannerantrieb und Spiegelsubstrat deutlich kleinere Baugrößen zu
realisieren. Der planare Galvo-Scanner spart gegenüber konventionellen
Systemen bis zu 90 Prozent Bauvolumen.

Mit der besonders kompakten Bauform von nur 50 cm³ wird auch sehr viel
Gewicht eingespart, was ganz unterschiedliche Möglichkeiten in der
Anwendung eröffnet. So können zum Beispiel handgeführte Systeme noch
leichter werden oder mehrere Scanner nebeneinander in einem
Bearbeitungskopf eingesetzt werden. Der Miniscanner nutzt eine kommerziell
verfügbare, modellbasierte Regelungselektronik. Damit ist die Integration
in bestehende Maschinen unter Verwendung standardisierter
Kommunikationsprotokolle möglich.

CAPS: Hochleistungslaser für Secondary Sources

Die Strahlzeiten an den Beamlines von PETRA III am Deutschen Elektronen-
Synchrotron (DESY) in Hamburg sind meist überbucht. PETRA III produziert
brillante kurz-gepulste Röntgenstrahlung. Mit dieser Strahlung werden
beispielsweise Schweißvorgänge an Batteriepacks genauso untersucht wie
molekularbiologische Proben. Für viele dieser Messungen (oder auch
Strahlentherapien) wäre eine dezentrale Lösung eine große Vereinfachung.

Unter anderem daran arbeiten jetzt mehrere Teams der Fraunhofer-
Gesellschaft. Im Fraunhofer Cluster of Excellence Advanced Photon Sources
CAPS haben sich 21 Fraunhofer-Institute zusammengeschlossen, um neue
Hochleistungslaser für ultrakurze Pulse zu entwickeln. Schon heute stehen
diese Laser mit kW-Leistungen in Applikationslaboren in Jena (Fraunhofer
IOF) und Aachen (Fraunhofer ILT) Anwendern zur Verfügung. Mit Hilfe einer
neu entwickelten Multipass-Kompressorzelle lassen sich die Pulse der kW-
Laser auf unter 20 fs komprimieren. Die komprimierten Pulse der kW-Laser
können damit in Röntgen-, Terahertz- oder MIR-Strahlung umgewandelt
werden, was den Weg zu dezentralen Secondary Sources (also Quellen
sekundärer Strahlung) eröffnet.

Die nächste LASER World of PHOTONICS findet vom 24. bis 27. Juni 2025 in
München statt.

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Erstes deutschsprachiges Handbuch zur Flucht- und Flüchtlingsforschung veröffentlicht

Die Flucht- und Migrationsforscherin Prof. Dr. Birgit Glorius von der TU
Chemnitz gehört zu den Herausgeberinnen und Herausgebern

Das Themenfeld „Flucht und Migration“ begegnet uns seit einigen Jahren
fast täglich in unterschiedlichen Zusammenhängen. Flucht vor Krieg und
Zerstörung, Flucht vor repressiven Regimen, Flucht vor den Folgen des
Klimawandels – um nur einige Beispiele zu nennen. Zu den renommiertesten
wissenschaftlichen Stimmen, die sich auch öffentlich immer wieder mit
Einordnungen zu diesen komplexen Themen äußern, gehört Prof. Dr. Birgit
Glorius, Inhaberin der Professur Humangeographie mit dem Schwerpunkt
Europäische Migrationsforschung an der Technischen Universität Chemnitz
(TUC), Leiterin des Wissenschaftlichen Beirats des Forschungszentrums des
BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) und seit diesem Jahr auch
Mitglied des Sachverständigenrates für Integration und Migration (SVR).

Gemeinsam mit drei weiteren Forscherinnen und Forschern gehört sie zu den
Herausgeberinnen und Herausgebern des ersten deutschsprachigen Handbuchs
der Flucht- und Flüchtlingsforschung, das jüngst im Nomos-Verlag
erschienen ist. Das Werk versammelt 83 Beiträge von 130 Autorinnen und
Autoren, die zu diesem aktuellen und hochrelevanten Themenfeld geforscht
haben.

„Anlass seiner Entstehung war die enorme Erweiterung des Forschungsfeldes
im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren, mit einer Vielzahl
neuer Forschungsprojekte und Erkenntnisse“, erklärt Glorius. Während in
der angloamerikanischen Forschungslandschaft das „Oxford Handbook of
Refugee and Forced Migration Studies“ bislang als internationales
Referenzwerk diene, soll das neue Handbuch der Flucht- und
Flüchtlingsforschung internationale Forschungsperspektiven mit der
deutschsprachigen Forschungstradition der Flucht- und Flüchtlingsforschung
verbinden – und gerade auch die Forschungsentwicklungen der vergangenen
Jahre reflektieren.

Beitrag zur fundierten Meinungsbildung über Flucht und Migration

Das Handbuch richtet sich sowohl an Studierende als auch an
Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler, die Öffentlichkeit sowie
Politikerinnen, Politiker und Praktikerinnen sowie Praktiker im
Forschungsfeld „Flucht und Migration“. Mitherausgeberin Glorius hoffe,
dass die Lektüre des Handbuchs zu einer informierteren Debatte über Flucht
und Flüchtlingsaufnahme beitragen könne: „Ich wünsche mir, dass viele
Menschen, die bei diesem Thema mitreden wollen, diese Chance nutzen. Durch
die Lektüre des Handbuchs kann man tiefer in den Entstehungskontext von
Begrifflichkeiten, Phänomenen oder Politikansätzen einsteigen und auf
dieser Basis auch informierter mitsprechen.“ Gerade auf einem thematischen
Gebiet, auf dem sich die Ereignisse scheinbar überschlagen und selten in
größere Zusammenhänge eingeordnet werden, sei dies wünschenswert.

Starker Anwendungsbezug zur Einordnung aktueller Diskussionen

Das Handbuch ist in vier Teile gegliedert, in denen in kurzen
Begriffseinträgen wissenschaftliche, forschungspraktische und
anwendungsbezogene Perspektiven auf das Thema „Flucht“ erläutert werden.

Jeder Eintrag beginnt mit einer Herleitung des Begriffs, gibt anschließend
einen Überblick über das Phänomen und diskutiert offene Fragen und
mögliche zukünftige Entwicklungen. Dabei sind viele Begriffe eng mit der
politischen Praxis verknüpft und werden daher auch ständig im öffentlichen
Diskurs genutzt, wie Glorius erläutert: „Derzeit wird beispielsweise viel
über die Reformen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems diskutiert,
insbesondere die Frage der Verlagerung von Verfahren an die Außengrenzen,
die Kooperation mit Drittstaaten bei der Abschiebung von Asylsuchenden,
über Seenotrettung oder über die Verantwortungsteilung innerhalb der
Europäischen Union“, so Glorius. In sehr kurzen Artikeln könne man sich in
dem Handbuch zu den genutzten Schlagworten wie zum Beispiel
„Externalisierung“, „Abschiebung“, „Seenotrettung“ etc. informieren.
„Daraus entsteht eine solide Wissensbasis, auf der man den aktuellen
Diskurs viel besser einordnen kann“, betont Birgit Glorius.

Weitere Teile des Handbuchs befassen sich mit Begriffen aus dem Kontext
der Aufnahmepraxis – zum Beispiel „Wohnen“, „Arbeitsmarkt“, „Sprache“ und
erläutern hier vor allem die konkrete Praxis und deren Regulierung in
deutschsprachigen Ländern.

Großer Gewinn für Forscherinnen und Forscher verschiedener Disziplinen

Ein gerade für Forschende wichtiger Bereich des Handbuchs ist die Rubrik
zu Forschungsansätzen und -methoden: „Hier werden die verschiedenen
disziplinären Zugänge zu dem Forschungsfeld erläutert. Fluchtforschung ist
ein sehr interdisziplinäres Feld und es ist wichtig, sich die
verschiedenen Zugänge und die konzeptionellen Schnittstellen zu dem
jeweiligen Fach – wie etwa Rechtswissenschaften, Psychologie oder
Humangeographie – deutlich zu machen“, so Glorius.
Besonders wichtig seien auch die Beiträge zu Methoden und zur
Forschungsethik: „Forschungsethische Fragen sind insbesondere in der
Fluchtforschung von Bedeutung, da wir es hier mit sehr vulnerablen Gruppen
zu tun haben“, erklärt Glorius. „Die Einträge erklären die
Herausforderungen und erläutern Lösungen für eine ethisch verträgliche
Forschung, insbesondere auch in neueren methodischen Bereichen wie
beispielsweise Big Data oder digitale ethnografische Methoden.“

Eine weitere Rubrik beschäftigt sich mit verschiedenen Regionen der Welt
und gibt vertiefende Einblicke in Flucht, Flüchtlingsaufnahme und
entsprechende Forschungen in anderen Erdteilen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Birgit Glorius, Inhaberin der Professur Humangeographie mit dem
Schwerpunkt Europäische Migrationsforschung an der Technischen Universität
Chemnitz, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.z.de

Originalpublikation:
Handbuch Flucht- und Flüchtlingsforschung. Handbuch für Wissenschaft und
Studium. Hg. v. Tabea Scharrer, Birgit Glorius, J. Olaf Kleist und Marcel
Berlinghoff. Baden-Baden 2023. (https://www.nomos-shop.de/nomos/titel
/flucht-und-fluechtlingsforschung-id-97223/
)

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Alkohol – Gift für Kinder, Gefahr für Jugendliche

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die akuten und nachhaltigen
Risiken des Alkoholkonsums in jungen Jahren

Es mag komisch klingen, aber die Corona-Jahre hatten trotz allem Ungemach
auch einen positiven Effekt: Während der Pandemie mussten weniger Kinder
und Jugendliche mit einer Alkohol-Vergiftung in einem Krankenhaus
behandelt werden, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer
aktuellen Stellungnahme.

Doch die Freude währte nur kurz. Das Ende der Abstandsregeln in der
Öffentlichkeit, in Schulen und Gaststätten, bei Feiern und Veranstaltungen
hatte offenbar eine unerfreuliche Kehrtwende zur Folge: Nach den neuesten
Auswertungen von Krankenkassen nimmt die Zahl der wegen Rauschtrinkens in
eine Klinik eingelieferten jungen Menschen bereits wieder zu.

Zuvor schien die Situation von Jahr zu Jahr besser zu werden: Im Jahr 2021
landeten noch rund 11.700 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren
wegen akuten Alkoholmissbrauchs in der Notaufnahme. Das waren zwar immer
noch erschreckend viele, aber doch 4,4 Prozent weniger als im Jahr 2020
(12.200 Fälle) und sogar 42,3 Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019
(20.300 Fälle). Zum Vergleich: Die höchste Zahl an alkoholbedingten
Klinikeinweisungen in dieser Altersgruppe gab es 2012 mit rund 26.700
Behandlungsfällen. Das bedeutet: In jenem Jahr mussten jedes Wochenende
513 Kinder und Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung in ein
Krankenhaus eingeliefert werden!

Fast jede(r) Zehnte greift zum Glas oder zur Flasche
Insgesamt gesehen ist jedoch der Alkoholkonsum bei jungen Menschen in
Deutschland seit mehreren Jahren rückläufig, berichtet die Stiftung
Kindergesundheit. Der Großteil der Jugendlichen trinkt nicht regelmäßig
Alkohol und betrinkt sich auch nicht bis zum Rausch. Doch bei einer
Befragung im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
(BZgA) gab fast jede(r) Zehnte der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen (8,7
Prozent) an, regelmäßig, also mindestens einmal wöchentlich, Alkohol zu
trinken. In der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen waren es sogar rund 30
Prozent.

Während sich viele Erwachsene lediglich wegen der Folgen eines übermäßigen
Alkoholkonsums wie wegen des drohenden Katers oder des Verlusts des
Führerscheins Sorgen machen, sind bei Kindern und Jugendlichen
ernsthaftere Konsequenzen für die Gesundheit zu befürchten, unterstreicht
die Stiftung Kindergesundheit.

Was Alkohol im Körper anrichtet
Die akuten Folgen einer Alkoholintoxikation sind unter anderen:

o       eine Entgleisung im Säure-Base-Haushalt mit der Folge von
Hirnschwellungen und Nierenversagen;
o       ein Kaliummangel, der zu Störungen des Herzrhythmus führen kann;
o       Unterzuckerung;
o       Unterkühlung;
o       Erbrechen in Verbindung mit Reflexlähmungen und der möglichen
Folge eines Todes durch Ersticken;
o       epileptische Anfälle und Hirninfarkte.

Auch Langzeitschäden sind nicht auszuschließen.

Alkohol verändert Verhalten und Denkvermögen
„Kinder und Jugendliche reagieren sehr viel empfindlicher auf die
schädlichen Wirkungen des Alkohols als Erwachsene, weil sich ihre Organe
und vor allem ihr Gehirn noch entwickeln“, betont Professor Dr. Dr.
Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitätskinderklinik
München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Wegen ihres
geringeren Körpergewichts steigt der Alkoholgehalt in ihrem Blut schneller
an. Der Abbau von Alkohol erfolgt dagegen langsamer, weil ihr Körper das
dafür benötigte Enzym Alkoholdehydrogenase noch nicht wie bei Erwachsenen
produzieren kann.
„Je früher Kinder Alkohol trinken, desto größer ist ihr Risiko, eine
Schädigung zu erleiden“, unterstreicht Professor Koletzko. „Alkoholkonsum
kann die Funktionen des Gehirns beeinträchtigen. Insbesondere das
Rauschtrinken verursacht Veränderungen der grauen und weißen Hirnsubstanz.
Durch die Einwirkung des Alkohols kommt es zu Störungen des Denkvermögens,
der Konzentrationsfähigkeit und des Gedächtnisses bis zum Blackout. Auch
die räumliche Wahrnehmung wird in Mitleidenschaft gezogen, die Kontrolle
des Verhaltens sowie die Leistungs- und Lernfähigkeit beeinträchtigt“. Da
die Organe von Kindern und Jugendlichen noch wachsen, ist auch die
krebserzeugende Wirkung des Alkohols von hoher Bedeutung, dies gilt
insbesondere beim gleichzeitigen Rauchen, so der Münchner Kinder- und
Jugendarzt.
Besonders wichtig: Je früher Jugendliche ihr erstes alkoholisches
Getränk zu sich nehmen, desto größer ist ihr späteres Risiko, als
Erwachsene vom Alkohol abhängig zu werden. Wer bereits vor dem 15.
Lebensjahr mit dem Trinken beginnt, hat eine rund viermal höhere
Wahrscheinlichkeit später abhängig zu werden, im Vergleich zu jemandem,
der erst mit 20 Jahren mit dem Alkoholkonsum beginnt.

Es steht fest: Das Vorbild sind die Eltern
Der wichtigste Wegweiser für Kinder im Umgang mit Alkohol ist und bleibt
das Elternhaus, betont die Stiftung Kindergesundheit. Kinder orientieren
sich an dem, was in ihrer Familie üblich ist. Der Leitsatz lautet: Statt
Verbote auszusprechen, sollten Eltern selbst Vorbild sein.

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt:

o Eltern sollten ihr Kind in sachlicher, nicht dramatisierender Form
darüber informieren, dass der Alkoholkonsum mit Risiken verbunden ist,
aber auch darüber, warum Alkohol getrunken wird. Sie sollten deutlich
machen, warum es sinnvoll ist, wenig Alkohol zu trinken.
o Wenn ihr Kind ohne ihr Wissen Alkohol getrunken hat, sollten Eltern sich
Zeit nehmen für ein Gespräch in ruhiger Atmosphäre. Sie sollten das Kind
nach den Gründen fragen und ihre eigene Sorge formulieren.
o Sie sollten ihre eindeutige Haltung zu dem Vorfall zum Ausdruck bringen
und konsequent die Einhaltung verbindlicher Regeln verlangen.
o Auch wenn ihre Tochter oder ihr Sohn mit dem für dieses Alter typischen
Protest reagiert, sollten Eltern dem Kind klarmachen: Alkohol ist nichts
für Kinder.

Eine nachlässig „lockere“ Haltung von Eltern kann zu allzu frühem und
schädlichem Alkoholkonsum ihrer Kinder führen, betont die Stiftung
Kindergesundheit. Die Risiken des Alkohols sollten deshalb auf keinen Fall
verharmlost werden.

Mehr Fakten und Infos im Internet
Hier bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA
Informationen über Alkohol für Kinder und Jugendliche im Internet:

http://www.null-alkohol-voll-power.de (für Jugendliche von 12 bis 15
Jahren)

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Interaktiver Insekten-Campus Mainz: Studierende engagieren sich für Insektenschutz

Biologie-Studierende organisieren eigenständig einen Info-Trail zum Natur-
und Artenschutz auf dem Gelände der Campus-Uni in Mainz

Mit dem Interaktiven Insekten-Campus Mainz setzen sich Studierende für
mehr Natur- und Artenschutz auf dem Campusgelände der Johannes Gutenberg-
Universität Mainz (JGU) ein. Dazu arbeiten Studentinnen und Studenten
aller Studiengänge der Biologie selbstorganisiert daran, das Gelände in
der Mainzer Oberstadt insektenfreundlicher umzugestalten und damit einen
aktiven Beitrag für den Natur- und Artenschutz vor Ort zu leisten. Mit
Unterstützung durch das Projektteam vom Institut für Organismische und
Molekulare Evolutionsbiologie (iomE) haben sie in den vergangen zwei
Semestern über den Campus verteilt verschiedene Stationen wie zum Beispiel
Hochbeete mit Blühpflanzen errichtet. Auf dem Info-Trail werden zudem
Informationen und interaktive Elemente präsentiert, damit sich Studierende
anderer Fächer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Besucherinnen und
Besucher mit den Themen Insekten und Insektensterben auseinandersetzen
können. Das Campusgelände der Uni Mainz umfasst rund 70 Hektar und verfügt
über viele Frei- und Grünflächen. Gerade diese Campusflächen außerhalb des
Botanischen Gartens sollen mit dem Projekt umgestaltet werden.

Bachelor- und Masterstudierende am Projekt I²-CAMPUS beteiligt

Was macht die Männchen der Langhornbienen so besonders und fast
unverwechselbar? Was genau ist Flächenversiegelung? Und was sind
Neophyten? Die Themen des Interaktiven Insekten-Campus Mainz (I²-CAMPUS)
drehen sich nicht nur um die artenreiche Klasse der Insekten selbst –
angefangen bei Käfern über Schmetterlinge bis zu Wanzen –, sondern auch um
ihre Lebensräume und die Umweltbedingungen wie etwa die
Lichtverschmutzung. Die Themen werden anhand von vielfältigen, ganz
unterschiedlichen Mitteln veranschaulicht und vor Ort erfahrbar gemacht.

Dazu hatten 51 Studierende des Studiengangs Bachelor of Education im
vergangenen Wintersemester damit begonnen, Multimedia-Produkte für den
Info-Trail zu erarbeiten. Entstanden sind Infotafeln, Podcasts,
Erklärvideos und interaktive Steckbriefe von Insektenarten, die auf
Dreibeingestellen präsentiert werden. Im aktuellen Sommersemester
beteiligten sich dann 30 Studierende im Studiengang Master of Education an
der Aufstellung von Hochbeeten, der Konzeption von Infotafeln und dem
Aufbau einer Insektenspirale. Für September/Oktober 2023 plant die AG
Didaktik der Biologie um Prof. Dr. Daniel Dreesmann und Dr. Laura Christ
ein Wahlpflichtmodul, in dem Master-Studierende eine interaktive
Insektenpause entwerfen – ein multimedial geleiteter Rundgang über den
Campus, für dessen Besuch eine 30-minütige Mittagspause genutzt werden
könnte.

Speziell für Studierende im Studiengang Bachelor of Science entsteht
gerade ein Konzept für eine Lehrveranstaltung, das von der AG Chemische
Ökologie und Biotische Interaktionen um Privatdozent Florian Menzel und
Umweltwissenschaftlerin Katharina Wittmann entwickelt wird. Auch hier soll
das Thema Insektensterben und Insektenschutz aus unterschiedlichen
fachlichen und gesellschaftlich relevanten Perspektiven betrachtet werden.
Zudem betreuen sie Abschlussarbeiten, die die Insektenvielfalt auf dem
Campus näher untersuchen und wichtige Informationen für die Projektarbeit
liefern.

Arbeiten am Interaktiven Insekten-Campus laufen noch während zwei
Semestern

„Wir planen im nächsten Sommersemester eine gemeinsame Lehrveranstaltung
für Studierende der Science- und Education-Studiengänge in unserem
Fachbereich“, erläutert Daniel Dreesmann die Grundidee des Projektes.
„Dabei wollen wir die vielfältigen Fach- und Vermittlungskompetenzen
unserer Studierenden nutzen und ein wichtiges Thema auf dem Campus
gemeinsam möglichst gut vermitteln.“ Deshalb werden weitere Elemente von
den Studierenden im kommenden Winter- und Sommersemester erarbeitet,
sodass der I²-CAMPUS voraussichtlich im August 2024 vollständig
fertiggestellt werden kann.

„Wir freuen uns sehr über das Engagement, das unsere Studierenden in den
vergangenen zehn Monaten an den Tag gelegt haben, um diesen Info-Trail zu
gestalten“, sagt Laura Christ, die das Projekt intensiv begleitet. „Und
natürlich sind wir auf die Ideen und Vorschläge gespannt, die in der
zweiten Hälfte des Projekts von den Beteiligten eingebracht und umgesetzt
werden.“ Die Stationen und weitere Details des Interaktiven Insekten-
Campus Mainz sind auf https://i2campus.de/ zu finden. Die Informationen
hier werden entsprechend dem Fortschritt des Projekts laufend ergänzt und
aktualisiert.

Das Lehrprojekt Interaktiver Insekten-Campus Mainz ist Teil von ModeLL-M,
ein Projekt für digital erweitertes Lehren und Lernen, und wird durch die
Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert.

Bildmaterial:
https://download.uni-
mainz.de/presse/10_iome_didaktik_insekten_campus_mainz_01.jpg
Master-Studierende haben im Sommersemester eine Insektenspirale gebaut,
bepflanzt und regelmäßig gegossen. Mittlerweile blühen die verschiedenen
Stauden und bieten vielen Insektenarten eine Nahrungsquelle.
Foto/©: Laura Christ / AG Didaktik der Biologie

https://download.uni-
mainz.de/presse/10_iome_didaktik_insekten_campus_mainz_02.jpg
Die Dreibeingestelle im Forum und an der Muschel informieren Menschen auf
dem Campus über Schmetterlinge, Wanzen und Käfer auf verschiedenste Art
und Weise: entweder direkt am Standort oder interaktiv über das Aufrufen
der Projektwebsite mittels QR-Code.
Foto/©: Laura Christ / AG Didaktik der Biologie

https://download.uni-
mainz.de/presse/10_iome_didaktik_insekten_campus_mainz_03.jpg
Die Station „Insektenspirale“ gegenüber dem Alpinum zeigt eine schöne
Möglichkeit, geeignete Stauden für Insekten anzupflanzen, und informiert
gleichzeitig über die Bedeutung einer solchen Insektenspirale.
Foto/©: Laura Christ / AG Didaktik der Biologie

https://download.uni-
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Eine von vier Hochbeet-Stationen des Info-Trails, hier am Philosophicum
zum Thema „Diversität auf kleinem Raum“: Verschiedene Blühpflanzen locken
vielfältige Bestäuber an.
Foto/©: Laura Christ / AG Didaktik der Biologie

Weitere Links:
https://i2campus.de/ - Interaktiver Insekten-Campus Mainz
https://hummeln-helfen.de/ – Projekt „Hummeln helfen! Rhein-Main“
https://modell-m.uni-mainz.de/ - Mainzer Modelle für digital erweitertes
Lehren und Lernen (ModeLL-M)

Lesen Sie mehr:
https://presse.uni-mainz.de/von-der-erkenntnis-zur-umsetzung-naturschutz-
aus-sicht-von-schuelerinnen-und-schuelern/
- Pressemitteilung „Von der
Erkenntnis zur Umsetzung? Naturschutz aus Sicht von Schülerinnen und
Schülern“ (24.11.2022)
https://presse.uni-mainz.de/praxistest-bestanden-mit-bingo-und-quartett-
lassen-sich-schuelerinnen-und-schueler-fuer-den-wildbienenschutz-
begeistern/
- Pressemitteilung „Praxistest bestanden: Mit Bingo und
Quartett lassen sich Schülerinnen und Schüler für den Wildbienenschutz
begeistern“ (19.07.2022)
https://presse.uni-mainz.de/schuelerinnen-und-schueler-haben-kaum-
kenntnisse-ueber-artenvielfalt-bei-bienen/
- Pressemitteilung
„Schülerinnen und Schüler haben kaum Kenntnisse über Artenvielfalt bei
Bienen“ (31.03.2022)
https://presse.uni-mainz.de/umweltfreundliches-verhalten-von-
schuelerinnen-und-schuelern-kann-gefoerdert-werden/ - Pressemitteilung
„Umweltfreundliches Verhalten von Schülerinnen und Schülern kann gefördert
werden“ (30.06.2021)
https://presse.uni-mainz.de/hallo-hummel-lebende-hummeln-im-klassenzimmer/
- Pressemitteilung „‘Hallo Hummel!‘ – Lebende Hummeln im Klassenzimmer“
(20.05.2019)
https://presse.uni-mainz.de/schueler-haben-nur-geringe-kenntnisse-ueber-
hummeln/
- Pressemitteilung „Schüler haben nur geringe Kenntnisse über
Hummeln“ (17.05.2018)

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