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Neue Hypertonie-Leitlinien: Was bedeuten sie für die Bluthochdruck- Behandlung?

Zielwerte, individuelles Risikoprofil, Krankheitsstadium: Herzstiftungs-
Experte ordnet Neuerungen der neuen Leitlinien für Betroffene mit
Bluthochdruck ein

Bluthochdruck ist einer der wesentlichen Risikofaktoren für Herz- und
Gefäßerkrankungen. So kann ein dauerhaft unzureichend oder nicht
behandelter Bluthochdruck zu Herzerkrankungen wie Herzschwäche und
Vorhofflimmern oder zu schwerwiegenden Komplikationen wie Gehirnblutung,
Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenversagen führen. Über 20 Millionen
Menschen haben in Deutschland einen hohen Blutdruck, etwa jeder dritte
Erwachsene. Zwar ist die gesundheitliche Gefahr, die von dauerhaft
erhöhten Werten ausgeht, hinlänglich bekannt. Dennoch ist die Zahl derer,
die ihren Blutdruck kontrollieren und ihre Werte kennen, vergleichsweise
gering. In Deutschland schätzen Experten, dass das etwa bei jedem fünften
Erwachsenen der Fall ist. Neue Leitlinien der Europäischen Gesellschaft
für Hypertonie (ESH) [1], die im Juni 2023 vorgestellt wurden,
berücksichtigen die individuellen Aspekte einer Hochdrucktherapie, z. B.
die Einteilung nach Krankheitsstadien des Bluthochdrucks oder eine
Vereinfachung der Blutdruckzielwerte, die es den Patienten erleichtert,
therapeutische Maßnahmen für ihren Schutz vor Komplikationen besser
nachzuvollziehen und zu akzeptieren. „Das ist wichtig. Denn zum einen
verursacht Bluthochdruck zunächst einmal keine Beschwerden, Stichwort
,stiller Killer‘. Zum anderen, sind Patienten oft verunsichert, wenn sie
die Diagnose Bluthochdruck erhalten“, betont Prof. Dr. Thomas Voigtländer,
Vorstandsvorsitzender der Herzstiftung und Ärztlicher Direktor des
Agaplesion Bethanien-Krankenhauses Frankfurt am Main, in einer Einordnung
der neuen Hypertonie-Leitlinien unter https://herzstiftung.de/leitlinie-
hypertonie-2023
„Die neuen Leitlinien geben konkrete Antworten auf häufige
Fragen wie: Ab welchen Blutdruckwerten sollte ich tatsächlich Medikamente
nehmen? Und auf welchen Wert muss mein Blutdruck möglichst sinken, damit
das Herz effektiv geschützt ist?“

Pragmatische Zielsetzung erleichtert die Kommunikation
Insgesamt ähneln die neuen Empfehlungen den bisherigen. Doch die
Blutdruckzielwerte wurden zum Beispiel vereinfacht. Ganz pragmatisch gilt
nun offiziell die Empfehlung, dass jeder Patient, jede Patientin im Alter
zwischen 18 und 79 Jahren auf Werte unter 140 mmHg systolisch und 90 mmHg
diastolisch (mmHg: Millimeter-Quecksilbersäule) eingestellt werden sollte.
Diese Empfehlung gilt auch für Patienten über 80 Jahre, wenn das vertragen
wird. Denn damit könnte die bluthochdruckbedingte Gesundheitsgefahr
insgesamt deutlich verringert werden, betonen die Leitlinien-Autoren. Die
Empfehlung kommt somit der Behandlungsrealität nahe und dient als eine Art
Zielkorridor, der Anpassungen an die individuelle Situation eines
Patienten durchaus zulässt. Denn das heißt nicht, dass niedrigere Werte
nicht gut wären. Als bestätigt gilt ein Bluthochdruck im Allgemeinen, wenn
bei mindestens zwei bis drei Praxisbesuchen in Abständen von ein bis vier
Wochen erhöhte Werte ab 140/90 mmHg vorliegen oder eine deutliche
Blutdruckerhöhung (≥180/110 mmHg) beziehungsweise hohe Werte bei bereits
bekannter Herzerkrankung.
Eine Senkung auf Werte unter 130/80 mmHg ist in der Regel mit noch
besseren Therapieergebnissen verbunden, vor allem bei Patienten mit
bereits bestehender Herzerkrankung – ist aber für manche Patienten auch
mit unerwünschten Effekten verbunden. Schwindel oder verstärkt
Nebenwirkungen der Blutdrucksenker bei intensiver Therapie sind möglich.
„Das bestätigt, was auch die Deutsche Herzstiftung immer geraten hat. Eine
Blutdrucktherapie nutzt nur, wenn sie auch vom Patienten vertragen wird
und die Medikamente regelmäßig eingenommen werden“, so Prof. Voigtländer.
„Wichtig ist auch, dass klargestellt wird: Werte unter 120/70 mmHg sollten
bei einer Blutdrucktherapie vermieden werden.“

Bei Hochbetagten mehr Spielraum für Therapiebeginn – „individuelle
Entscheidung“
Für Patienten über 80 Jahre gilt entsprechend der neuen Leitlinien eine
spezielle Empfehlung: Während generell eine medikamentöse Therapie ab
einem beim Arzt gemessenen durchschnittlichen systolischen Wert über 140
mmHg und einem diastolischen Blutdruckwert über 90 mmHg ratsam ist, kann
bei den Älteren auch ein systolischer Wert bis 160 mmHg toleriert werden.
Zielwert ist dann ein systolischer Blutdruck wenigstens zwischen 140-150
mmHg, er darf aber auch niedriger sein. Vorsicht ist dann geboten, wenn
bereits sehr niedrige diastolische Werte unter 70 mmHg vorliegen. „Die
Entscheidung, ab welchem Blutdruck bei Hochbetagten mit einer Therapie
begonnen wird, ist immer eine individuelle Entscheidung. Dabei spielen vor
allem die allgemeine Gebrechlichkeit und weitere Begleiterkrankungen eine
wichtige Rolle“, erläutert Voigtländer. Ebenfalls wichtig: Eine schon
früher begonnene Blutdrucktherapie sollte auch bei Hochbetagten möglichst
fortgesetzt werden.

Medikamente: Kombinationstherapie effektiver als Monotherapie
Die Empfehlungen zur medikamentösen Therapie sind im Wesentlichen
unverändert. „Eine Zweierkombination aus ACE-Hemmer oder Sartan plus
Kalziumantagonist oder Diuretikum ist hier in der Regel der erste Schritt
zur Blutdrucksenkung“, erläutert der Frankfurter Kardiologe. Reicht das
nicht, sollte eine Dreierkombination aus diesen Wirkstoffklassen versucht
werden. Auf der dritten Stufe kommen weitere Substanzen ins Spiel. Wie
bisher sind die Aldosteron-Antagonisten (Spironolacton/Eplerenon) als
wichtige Substanzklasse bei der Behandlung der schwer einstellbaren
Hypertonie genannt. Neu ist bei diesen Patienten der Einsatz des
Kombinationspräparates aus Neprilysinantagonist und Sartan (ARNI,
Angiotensin-Receptor-Neprilysin-Inhibitor) als Empfehlung zur
Blutdrucksenkung. Wenn dieses Kombinationspräparat eingesetzt wird, müssen
allerdings der ACE-Hemmer beziehungsweise das Sartan aus der bisherigen
Therapie abgesetzt werden. Bei Patienten, die bereits Nierenschäden
aufweisen, wird die Therapieempfehlung zudem um Wirkstoffe aus der Gruppe
der sogenannten SGLT-2-Inhibitoren (Gliflozine) ergänzt wie Empagliflozin.
„Wir haben inzwischen ein neues Verständnis, wie der Bluthochdruck
reguliert wird beziehungsweise durch eine Funktionsstörung aus vielen
Mechanismen entsteht, bei der verschiedenste Faktoren ineinandergreifen.
Das erklärt auch, warum wir mit der Kombination von Medikamenten, die ganz
unterschiedlich wirken, den Blutdruck viel effektiver senken können als
durch eine Monotherapie“, so Voigtländer.
Bei Patienten mit niedrigem bis mittlerem kardialen Risiko und mit einem
Blutdruck im hohen Normalbereich (130-139 mmHg systolisch und 85-89 mmHg
diastolisch) besteht die Empfehlung, keine blutdrucksenkende medikamentöse
Therapie einzuleiten. Bei diesen Patienten sollte sich die Intervention
vorerst auf eine Lebensstilberatung beschränken.

Regelmäßige Blutdruckmessung kann Hypertonie aufdecken
„Zu begrüßen ist auch, dass in den Leitlinien nochmals auf die Wichtigkeit
einer regelmäßigen Blutdruckkontrolle verwiesen wird. So wird betont, dass
bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf das Vorliegen eines
Bluthochdrucks gescreent werden sollte“, so der Herzstiftungs-Vorsitzende.
„Bei Menschen über 40 Jahren heißt das: Lassen Sie sich einmal pro Jahr
beim Hausarzt den Blutdruck checken.“ Risikopatienten wird dieses Vorgehen
bereits in jüngeren Jahren empfohlen. Hier werden in den neuen Leitlinien
auch Frauen nach der Menopause und Frauen mit einer Vorgeschichte von
Schwangerschaftsbluthochdruck und Schwangerschaftskomplikationen wie einer
Präeklampsie hervorgehoben.
Voigtländer rät: „Wer an sich gesund ist und nicht zum Hausarzt muss,
sollte zumindest die Gelegenheit nutzen, sich immer mal wieder in der
Apotheke den Blutdruck messen zu lassen. Das kann ebenfalls einen Hinweis
auf einen bisher unentdeckten Bluthochdruck liefern.“ Je früher ein
Bluthochdruck entdeckt wird, desto besser lassen sich die genannten Folgen
für Herz und andere Organe wie Gehirn und Nieren vermeiden.

Neue Stadieneinteilung anhand von Organschäden
Sinnvoll ist ebenfalls, dass neben der bisherigen Einteilung nach
Blutdruckwerten (z.B. optimal, normal, hochnormal) drei Krankheitsstadien
des Bluthochdrucks systematisch hervorgehoben werden. „Denn damit lassen
sich besser die fortschreitenden Schäden an Organen wie Herz, Hirn und
Nieren bei einem unbehandelten Bluthochdruck vor Augen führen“, wie Prof.
Voigtländer betont. „Wir möchten Patienten im Gespräch keine Angst machen.
Dennoch unterschätzen viele die Folgen ihres Bluthochdrucks – bis es zu
spät ist und zum Beispiel ein Herzinfarkt eingetreten ist oder die Nieren
schwer geschädigt sind“, so der Kardiologe. Das ist die Einteilung:

- Stadium I: unkomplizierte Erkrankung, bei der noch keine merklichen
Organschäden vorliegen (gilt auch bis zu einer Nierenerkrankung Grad 1 und
2)
- Stadium II: leichte Organschäden sind erkennbar, etwa der Beginn einer
chronischen Nierenerkrankung (Grad 3), oder das zusätzliche Vorliegen von
Diabetes mellitus
- Stadium III: es liegen bluthochdruckbedingte kardiovaskuläre
Erkrankungen vor oder eine fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung
(Grad 4 und 5)

„Die Stadieneinteilung kann in der Kommunikation helfen, dass Betroffene
die Notwendigkeit von Lebensstiländerungen und gegebenenfalls einer
medikamentösen Behandlung verstehen und akzeptieren“, so der Kardiologe
und Intensivmediziner.
(ne)

Service-Tipp:
Bluthochdruck durch Schlafstörungen, Migräne und Lärm – Yoga und Kalium
als natürliche Senker? Was in den Hypertonie-Leitlinien noch neu und
wichtig ist, stellt der Herzstiftungs-Beitrag mit einer Experten-Einordung
durch Prof. Voigtländer unter https://herzstiftung.de/leitlinie-
hypertonie-2023 vor.
Infos rund um Bluthochdruck bietet die Herzstiftung kostenfrei telefonisch
unter 069 955128-400, per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder auf
der Homepage unter: https://herzstiftung.de/bluthochdruck

Video „Wie messe ich meinen Blutdruck richtig?“ mit Prof. Dr. Thomas
Voigtländer: https://www.youtube.com/watch?v=6cQZaQskJJc

Quelle:

[1] 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. The
Task Force for the management of arterial hypertension of the European
Society of Hypertension Endorsed by the European Renal Association (ERA)
and the International Society of Hypertension (ISH). J Hypertens. 2023 Jun
21. doi: 10.1097/HJH.0000000000003480. Epub ahead of print. PMID:
37345492.
https://journals.lww.com/jhypertension/Abstract/9900/2023_ESH_Guidelines_for_the_management_of_arterial.271.aspxv

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Der digitale Produktpass für transparente Lieferketten und zirkuläre Produkte

Wer beim Kauf eines Elektronikgeräts Informationen über das Produkt
benötigt, ist aktuell oft noch auf Anleitungen in Papierform oder
aufwendige Recherchen angewiesen. In einem aktuellen Projekt arbeitet ein
Konsortium aus Forschung und Wirtschaftsverbänden jetzt im Auftrag der EU-
Kommission an einem einheitlichen digitalen Produktpass. Dieser soll im
Rahmen einer EU-Verordnung z.B. über einen QR-Code alle
Produktinformationen entlang der Wertschöpfungskette verfügbar und
dezentral abrufbar machen.

Absolutes Must-have im Reisegepäck ist für die meisten in der Regel ein
Personalausweis oder ein Reisepass. Diese sind international anerkannte
Dokumente zur Angabe von Daten über die eigene Person. Dieser für uns
selbstverständliche Vorgang soll bald auch für Elektronik- und
Textilprodukte sowie Batterien Realität werden. Da Handys, Tablets und Co.
selbstverständlich keinen haptischen Reisepass bei sich tragen, sollen
ihre „persönlichen Daten“ in Zukunft mittels eines digitalen Produktpasses
über einen QR-Code oder RFID-Chip an jeder Stelle der Wertschöpfungskette
abrufbar sein.

Verbraucher*innen sollen so beim Kauf von Textilien, Elektronikprodukten,
aber auch Möbeln und Spielzeug mehr Möglichkeiten erhalten, sich über
wichtige Produktinformationen wie die Energieeffizienzklasse, die
Herstellungsbedingungen oder die Reparierbarkeit zu informieren, um darauf
aufbauend eine versierte und nachhaltige Kauf-entscheidung treffen zu
können. Aber auch für andere Beteiligte z.B. bei der Reparatur oder dem
Recycling ergeben sich enorme Potenziale: Bisher kann es bei hoch
miniaturisierten Elektronikprodukten schwer herauszufinden sein, welche
Rohstoffe oder toxischen Bestandteile im Produkt enthalten sind und wie
diese voneinander getrennt werden können. Damit diese Informationen immer
auch der richtigen Zielgruppe zur Verfügung stehen, sollen
nutzungsspezifische Zertifikate den Zugang reglementieren.

Die Gesamtheit der im Produktpass enthaltenen Informationen ist zum
jetzigen Zeitpunkt noch nicht endgültig geklärt. Im Projekt CIRPASS
erarbeitet die Gruppe um Eduard Wagner am Fraunhofer IZM aktuell, welche
gesetzliche Informationspflicht bereits existiert und welche weiteren
Informationen für den Produktpass interessant sein könnten. Am Ende soll
eine Informationsarchitektur aufgebaut werden, in der geklärt wird, welche
Informationen für die Beteiligten der Wertschöpfungskette einen Mehrwert
haben und mit welchem Aufwand sie bereitgestellt werden können. Ein
Reparaturindikator, der angibt, wie gut sich ein Produkt reparieren lässt,
ist beispielsweise in Frankreich seit 2021 verpflichtend*¹ und kommt für
den digitalen, gesamteuropäischen Produktpass ebenfalls in Frage. „Auch
die Angabe der Energieeffizienzklasse ist mittlerweile vorgeschrieben.
Doch diese Informationen müssen jetzt noch einzeln ermittelt werden, und
bei anderen Werten gibt es noch keine europaweite Anzeigepflicht. Hier ein
Höchstmaß an Einheitlichkeit zu schaffen, ist ein wichtiges Ziel des
Produktpasses.“ sagt Nachhaltigkeitsexperte Eduard Wagner.

Damit 2026 die ersten Produktpässe verfügbar sind, gilt es also, viele
Akteur*innen abzuholen und einen Konsens zu den wichtigsten Informationen
zu finden. „Im Projekt haben wir 23 Stakeholder-Gruppen identifiziert, für
die wir die jeweiligen Bedürfnisse abfragen. Und das für alle drei
Sektoren“, erklärt Wagner. „Bei uns sind Materialproduzent*innen,
Elektronikhersteller*innen- sowie Reparateur*innen und Recyclingverbände
an Bord.“ Die Ergebnisse dieser Konsultationen werden dann an die EU-
Kommission weitergegeben und dienen den aktuellen politischen Aktivitäten
als Orientierung, welche in Zukunft die gesetzlichen Anforderungen
hinsichtlich des Produktpasses festlegen. Besonders berücksichtigt und
gefördert werden sollen hier auch kleinere und mittlere Unternehmen, für
die die Bereitstellung zusätzlicher Informationen einen hohen Mehraufwand
darstellen kann.

Über das Projekt:
Das Projekt CIRPASS (Collaborative Standardization of a European Digital
Product Passport for Stakeholder-Specific Sharing of Product Data for a
Circular Economy) wird von der Europäischen Union mit 2 Millionen Euro
über 2 Jahre gefördert und läuft vom 01.10.2022 bis 31.03.2024. Die
Projektleitung obliegt der French Alternative Energies and Atomic Research
Commission (CEA). Weitere Projektpartner sind neben dem Fraunhofer-
Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM die SLR Consulting,
das Wuppertal Institut, Chalmers Industriteknik, DKE, GTS, +ImpaKT, F6S,
European Research Consortium for Informatics and Mathematics (GEIE ERCIM),
E Circular Aps, GS1 in Europe, Politecnico Milano, circular.fashion,
DIGITALEUROPE, EIT InnoEnergy, TUDelft, TalTech, Veltha, energy web, BAM,
Sync Force, The Innovalia Association, Textile Exchange, the Responsible
Business Alliance, Wordline Mint, RISE Research Institutes of Sweden,
iPoint, the Global Electronics Council™ (GEC), atma.io und The Global
Battery Alliance (GBA).

(Text: Niklas Goll)

*(1) https://www.umweltbundesamt.de/themen/reparierbarkeit-von-
elektrogeraeten-bessere

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Stellungnahme zu Alzheimer-Wirkstoff Donanemab

Der Pharmakonzern Lilly hat gestern neue Daten aus der
Phase-3-Studie TRAILBLAZER-ALZ 2 zum experimentellen Alzheimer-Wirkstoff
Donanemab vorgestellt. Die Studienergebnisse waren mit Spannung erwartet
worden, nachdem der Pharmakonzern bereits im Mai erste Studienergebnisse
veröffentlicht hatte. Diese haben eine moderate Wirksamkeit von Donanemab
bei Alzheimer-Patient*innen im Frühstadium belegt. Die neuen Daten wurden
auf der Alzheimer-Konferenz Alzheimer's Association International
Conference in Amsterdam präsentiert und in der Fachzeitschrift „JAMA“
veröffentlicht.

Dr. Linda Thienpont, Leiterin Wissenschaft der gemeinnützigen Alzheimer
Forschung Initiative, bezieht wie folgt Stellung:
Die aktuellen Ergebnisse bestätigen die erfreuliche Wirkung von Donanemab
erneut, allerdings auch die bedenklichen Nebenwirkungen. Donanemab
entfernt die schädlichen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und verlangsamt
den Krankheitsverlauf. Die aufgetretenen Nebenwirkungen wie
Hirnschwellungen und Hirnblutungen sind weiterhin besorgniserregend und
erfordern im Falle einer Zulassung, eine engmaschige medizinische
Betreuung. Erfreulich ist, dass die Proband*innen auch nach dem Absetzen
des Wirkstoffes von der Wirkung profitierten.

Bei fast der Hälfte (47 %) der Studienteilnehmer*innen im frühesten
Krankheitsstadium, die Donanemab erhielten, kam es nach einem Jahr zu
keiner klinischen Verschlechterung mehr. Das bedeutet allerdings auch,
dass es bei der anderen Hälfte (53%) trotz Donanemab-Gabe, dennoch zu
einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs kam. Klar ist, dass
Donanemab nicht für alle Alzheimer-Patient*innen das Mittel der Wahl sein
wird.

Die drei Todesfälle, die bereits im Mai vom Hersteller Eli Lilly genannt
wurden, gelten nun als behandlungsbedingt und werden demnach der
Behandlung von Donanemab zugeschrieben.

Weitere Informationen zu Donanemab
http://www.alzheimer-forschung.de/forschung/aktuell/donanemab/

Kostenfreies Fotomaterial
http://www.alzheimer-forschung.de/presse/fotos-videos/

Weitere Informationen zur Alzheimer-Krankheit
http://www.alzheimer-forschung.de/alzheimer

Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger
Verein, der das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt.
Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte
engagierter Alzheimer-Forscherinnen und –forscher stellt kostenloses
Informationsmaterial für die Öffentlichkeit bereit. Bis heute konnte die
AFI 360 Forschungsaktivitäten mit 14,5 Millionen Euro unterstützen und
über 925.000 Ratgeber und Broschüren verteilen. Interessierte und
Betroffene können sich auf http://www.alzheimer-forschung.de fundiert über
die Alzheimer-Krankheit informieren und Aufklärungsmaterial anfordern.
Ebenso finden sich auf der Webseite Informationen zur Arbeit des Vereins
und allen Spendenmöglichkeiten. Botschafterin der AFI ist die Journalistin
und Sportmoderatorin Okka Gundel.

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ifaa-Meta-Studie Mitarbeiterbindung: Geld allein macht nicht glücklich

„Studien belegen, dass zufriedene Beschäftigte eine höhere Leistung und
Produktivität aufweisen,“ so Amelia Gahmann, wissenschaftliche Expertin
des ifaa. Im Zuge des Fachkräftemangels ist es für Unternehmen
überlebenswichtig herauszufinden, welche Faktoren für die
Mitarbeiterbindung wichtig sind und was sie konkret tun können. Gahmann
fasst zusammen: „In unserer Auswertung haben wir festgestellt, dass über
alle Umfragen und vor allem über alle Generationen hinweg flexible
Arbeitszeitmodelle, die Gesamtvergütung und eine gute Beziehung zur
Führungskraft die Grundlagen für die Zufriedenheit sind.“ Zur Auswertung*:
www.arbeitswissenschaft.net/zdf-beschaeftigtenwuensche

Maßnahmen die Arbeitszufriedenheit zu steigern und das Engagement zu
fördern gibt es einige. Dazu gehören beispielsweise:

- variable, erfolgsabhängige Gehaltskomponenten
- flexible Arbeitszeitmodelle,
- Weiterbildungsangebote,
- Mitarbeitergespräche und
- ein positives Arbeitsumfeld.

„Diese Maßnahmen sollte jedes Unternehmen individuell auf sich angepasst
umsetzen,“ so Gahmann.

Die richtige Maßnahme für jede Generation?

Es scheint wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen der
Beschäftigtengenerationen zu berücksichtigen und spezifische Maßnahmen für
jede Generation zu ergreifen. Für ältere Beschäftigte ist die
Altersvorsorge und das Gehalt wichtiger als für die jüngere Generation.
Studien, die sich speziell mit der Bindung von Leistungsträgern
beschäftigen, zeigen auf, dass Unzufriedenheit mit der Vergütung, zu
wenige Entwicklungsmöglichkeiten, schlechte Vorgesetztenbeziehungen und
mangelnde Verantwortung die Wechselmotive dieser Zielgruppe sind.

Über alle Generationen hinweg erachten die Beschäftigten flexible
Arbeitszeiten und die ausgewogene Work-Life-Balance als besonders wichtig,
gefolgt von der Vergütung und einer angenehmen Arbeitsatmosphäre.

*Insgesamt wurden 25 Untersuchungen, davon 14 Beschäftigtenbefragungen
ausgewertet.

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