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Joint Technology Lab“ in der LOK21 eröffnet

Im Gespräch: Prof. Dr. Andreas Mai und Prof. Dr. Ulrike Tippe bei der Eröffnung des Joint Technology Lab  Franziska Wegner  IHP 2023
Im Gespräch: Prof. Dr. Andreas Mai und Prof. Dr. Ulrike Tippe bei der Eröffnung des Joint Technology Lab Franziska Wegner IHP 2023

Mitte Juni wurden „Joint Technology Lab“, kurz JTL, in der LOK21 in Wildau
eröffnet. Das JTL setzt neue Möglichkeiten für die fachübergreifende
Zusammenarbeit an der TH Wildau und führt die erfolgreiche Arbeit des
Joint Lab zwischen der TH Wildau und dem IHP - Leibniz-Institut für
innovative Mikroelektronik fort. Die räumliche Grundausstattung wird unter
anderem durch das Team von HyPhoX im Rahmen eines BMWK EXIST-Projektes
genutzt.

Besprechungsräume, acht Arbeitsplätze, eine Werkstattlinie für Hardware-
Prototypen und ein 3D-Drucker – Das ist ein Teil der Erstausstattung des
„Joint Technology Lab“, kurz JTL, in der LOK21 in Wildau. Mitte Juni
wurden die lichtdurchfluteten Räumlichkeiten in der alten Lokhalle
offiziell übergeben. Fünf Professorinnen und Professoren aus dem
Fachbereich der Ingenieurs- und Naturwissenschaften (INW) der TH Wildau
arbeiten dort interdisziplinär zusammen, um die Ausbildung des
wissenschaftlich-technischen Nachwuchses praxisnaher zu gestalten und
gleichzeitig den Transfer innovativer Ideen und Konzepte aus der Forschung
in die Wirtschaft zu forcieren. Das JTL setzt neue Möglichkeiten für die
fachübergreifende Zusammenarbeit an der TH Wildau und führt die
erfolgreiche Arbeit des Joint Lab zwischen der TH Wildau und dem IHP –
Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik fort. Die räumliche
Grundausstattung wird unter anderem durch das Team von HyPhoX genutzt. Sie
gewannen mit ihrer Startup-Idee bereits den Leibniz-Gründerpreis und
entwickeln ihre Unternehmensstruktur und ihr Produkt eines universellen
Analysetools für Flüssigkeiten im Rahmen der seit April laufenden EXIST-
Förderung des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) nun
auch unter Nutzunng des JTL in der LOK21 weiter.

„Wir haben hier in der LOK21 ideale Bedingungen geschaffen, um die
Ausbildung an der TH Wildau in Zusammenarbeit mit dem IHP weiter zu
verbessern und auch die Zusammenarbeit der Bereiche ‚Physikalische
Technologien & Energietechnik‘, ‚Photonik‘ und des ‚Digital Engineering‘
von Frau Prof. Dina Hannebauer zu intensivieren“, sagte Prof. Dr. Andreas
Mai bei der Eröffnung. Ergänzt wird dies durch die Expertise des IHP, die
seit über 15 Jahren in die gemeinsame Ausbildung im Joint Lab zwischen dem
IHP und der TH Wildau einfließt. Als Leiter des Joint Lab und Mitgründer
des neuen JTL ist Prof. Dr. Andreas Mai die Praxisnähe der Ausbildung
besonders wichtig. „Hier in der LOK21 können wir den ‚Entrepreneurship
Spirit‘ für unsere Studierenden etablieren und fördern. So werden
innovative Ideen und Entwicklungen schneller in die Wirtschaft
transferiert.“

Dass diese Form der Zusammenarbeit erfolgsversprechend ist, zeigt das
StartUp-Vorhaben HyPhoX. Das interdisziplinäre Team, bestehend aus
Technologen, Chemikern und BWLern wird künftig die Räumlichkeiten des JTL
nutzen. „Unsere Idee eines Schnelltests für die Wasseranalyse ist im
Rahmen des Joint Lab geboren. In Wildau wollen wir nun in enger
Zusammenarbeit mit dem IHP wachsen, als erstes Transferprojekt mit EXIST-
Förderung der Hochschule“, sagt Mitbegründer Dr. Patrick Steglich. Die
entwickelten Mikrochips werden am IHP gefertigt und anschließend mit einem
Mikrofluidiksystem verbunden. „Aktuell ist das meistens Handarbeit, aber
wir nutzen ein vollautomatisiertes Verfahren aus der Mikroelektronik. Mit
dieser patentierten Lösung können wir schneller und kostengünstiger
Schnelltests produzieren – Das ist ein echter Game-Changer“, ist sich der
Technologe sicher.

Bei der Eröffnung am 23. Juni 2023 lobte die Präsidentin der TH Wildau,
Prof. Dr. Ulrike Tippe, die gute Zusammenarbeit. „Als Hochschule für
Angewandte Wissenschaften sind uns die anwendungsorientierte Lehre sowie
Forschung und Transfer wichtig. Hier im Joint Technology Lab wird ein
breites fachliches Spektrum verbunden und die Chancen und Möglichkeiten
des Gebäudes LOK21 und des Campus werden bestmöglich genutzt, um durch
eine flexible Raum- und Arbeitsgestaltung die Kommunikation bestmöglich zu
fördern. Unter diesen Bedingungen hoffen wir, dass ‚HyPhoX‘ ganz schnell
buchstäblich ‚durch die Decke geht‘.“ Der wissenschaftlich-technische
Geschäftsführer des IHP, Prof. Dr. Gerhard Kahmen, pflichtete ihr bei:
„Allein das Gebäude ist schon inspirierend. In Wildau wird pragmatisch
zusammengearbeitet und Potenzial gebündelt.“ Das seit 2006 bestehende
Joint Lab mit dem Fokus auf gemeinsame Lehre und Forschung begeistere
fortwährend junge Menschen für die technische Ausbildung, um dem
Fachkräftemangel entgegenzuwirken. „Durch den Transfer kommt die
gemeinsame Forschung letztlich dann auch bei allen anderen Menschen an,“
fasst Prof. Kahmen zusammen.

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Mögliche Folgen der Krankenhausreform für die Gesundheitslandschaft

Prof. Dr. Christine von Reibnitz ist Hochschullehrerin an der International School of Management (ISM) und Studiengangleiterin des M.Sc. Health Care Management  -  ISM
Prof. Dr. Christine von Reibnitz ist Hochschullehrerin an der International School of Management (ISM) und Studiengangleiterin des M.Sc. Health Care Management - ISM

In den Verhandlungen zur großen Krankenhausreform
wurde zwischen Bund und Ländern noch keine Einigung erzielt. Die
Herausforderungen für die Krankenhäuser bleiben nach Einschätzung von ISM-
Professorin und Studiengangleiterin in Health Care Management, Dr.
Christine von Reibnitz, selbst mit Reform groß. Im Personalbereich sei
kurzfristig nicht mit einer Entspannung zu rechnen. Ebenso bleiben bei der
Finanzierung viele Fragen offen – ein Überblick.

Die Kosten für die Krankenhäuser sind in den letzten Jahren kontinuierlich
gestiegen, wie auch Daten des statistischen Bundesamts belegen. Die Gründe
dafür sind vielfältig, wie Professorin Dr. Christine von Reibnitz von der
International School of Management (ISM) erläutert: „Haupttreiber für die
steigenden Kosten der Krankenhäuser ist der Fachkräftemangel in Medizin
und Pflege. Die Krankenhäuser können aufgrund dessen nicht mehr so viele
Behandlungen durchführen; eine Beschränkung bei den Kapazitäten ist die
Folge. Aber auch die Unterhaltungskosten, insbesondere die hohen
Energiekosten, machen den Krankenhäusern schwer zu schaffen.“

Geplante Neuerungen der großen Krankenhausreform

Die Gesundheitsökonomin von Reibnitz teilt die Einschätzung vieler
Gesundheitsexperten, dass unter diesen Umständen das bisherige
Krankenhaus-System nicht mehr funktionieren kann. „Eine Vielzahl von
Krankenhäusern engagieren sich für gute Qualität der Leistungen, doch
zeigen sich Qualitätsunterschiede in der Versorgung. Die vom
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vorgeschlagene Krankenhausreform
zielt darauf ab, Konzentrationsprozesse im spezialisierten Bereich, zum
Beispiel in der Onkologie, zu ermöglichen. Dieser Schritt ist notwendig,
um trotz weniger Kapazitäten eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung
für die Patienten zu gewährleisten,“ fasst Prof. Dr. Christine von
Reibnitz die Stoßrichtung der neuen Reform zusammen.
Geht es nach den Plänen des Bundesgesundheitsministers, sollen konkret
rund 60 Prozent der Kosten nicht mehr über Fallpauschalen, sondern über
Vorhalte- und Pflegepauschalen gedeckt werden. Dadurch sollen die
Krankenhäuser mehr Planungssicherheit für die Grundversorgung erhalten.
Neben Änderungen im Vergütungssystem wird zudem darüber nachgedacht, die
deutschen Krankenhäuser in drei Versorgungslevel aufzuteilen. Dies soll
eine gezieltere Behandlung in Abhängigkeit der Komplexität der Erkrankung
ermöglichen.

Ein großer Mehrwert des neuen Systems sieht die ISM-Professorin für Health
Care Management in der Förderung ambulanter Behandlungen, gerade auch mit
Blick auf das Personal: „Die Vermeidung unnötiger stationärer Aufenthalte
könnte einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des medizinischen
Fachpersonals leisten. Denn ein Krankenhaus kann sich nur verändern, wenn
auch der ambulante Bereich oder die Altenvorsorge neu gedacht und
strukturiert wird.“

Wer bezahlt für ein gut funktionierendes Gesundheitssystem?

Eine zentrale Frage bei den Verhandlungen um die Krankenhausreform
betrifft die Zuständigkeiten von Bund und Ländern. „Die Länder sehen ihre
Mitwirkung bei der Gestaltung der Leistungsgruppen, das BMG hingegen baut
auf bundesweit einheitliche Qualitätsvorgaben,“ erklärt die
Gesundheitsökonomin von Reibnitz. So werden auch zukünftig die Kosten
aufgeteilt. Während die Behandlungskosten größtenteils von den
Krankenkassenbeiträgen finanziert werden, liegen die Investitionskosten im
Zuständigkeitsbereich der Bundesländer. „Die Bundesländer sind gesetzlich
dazu verpflichtet, die Kosten für Investitionen der Krankenhäuser in
tatsächlicher Höhe zu tragen. Dazu gehören zum Beispiel Investitionen in
Gebäude, Medizintechnik, Digitalisierung und Klimaschutz. Gerade
Digitalisierung und klimagerechter Umbau stellen die Krankenhäuser in den
kommenden Jahren vor große finanzielle Herausforderungen,“ so die ISM-
Professorin.

Die Neustrukturierung der Krankenhäuser hin zu einem modernen, qualitativ
hochwertigen Gesundheitssystem kostet demnach viel Geld. „Eine Erhöhung
der Krankenkassenbeiträge wird die Finanzierungslücke alleine nicht
schließen - hier bedarf es weiterer Lösungsansätze, wie zum Beispiel, dass
der Staat mehr Verantwortung für versicherungsfremde Leistungen übernimmt
- und die Beitragszahlerinnen und -zahler hier entlastet,“ gibt von
Reibnitz zu bedenken.

Herausforderung Personalmangel durch die Krankenhausreform nicht gelöst

Mit der Krankenhausreform allein ließe sich die größte Herausforderung des
deutschen Gesundheitssystems, der Fachkräftemangel, noch nicht bewältigen.
„Krankenhäuser müssen dringend in eine gut strukturierte Personalakquise
und ein modernes Personalmanagement investieren. Dabei müssen die
Behandlungsprozesse genau unter die Lupe genommen werden, damit das knappe
medizinische Fachpersonal an den richtigen Stellen eingesetzt wird,“ so
von Reibnitz.

Ein Blick auf das vielzitierte Beispiel Dänemark zeige zusätzliches
Entwicklungspotenzial, wenn es um den Mangel an medizinischen Fachkräften
geht. „Mit Blick auf Dänemark wäre beispielsweise denkbar, dass
Pflegefachkräfte selbst auch heilkundliche Tätigkeiten in der
Grundversorgung ausüben dürften, um Ärzte zu entlasten. Dies wird in
Deutschland schon lange diskutiert – nur noch nicht angemessen umgesetzt.
Dadurch würde auch der Beruf als Pflegefachkraft attraktiver werden,“ so
das Fazit der Expertin.

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Opernhaus Zürich Turandot Première vom 18. Juni, besucht von Marinella Polli

Sondra Radvanovsky als Turandot und Piotr Beczala als Prinz Calaf am Ende der Vorstellung Foto Marinella Polli
Sondra Radvanovsky als Turandot und Piotr Beczala als Prinz Calaf am Ende der Vorstellung Foto Marinella Polli

Besetzung
Musikalische Leitung Marc Albrecht Inszenierung Sebastian Baumgarten Bühnenbild Thilo Reuther Kostüme Christina Schmitt Lichtgestaltung Elfried Roller Video Philipp Haupt Choreinstudierung Janko Kastelic Choreografie Sebastian Zuber Dramaturgie Claus SpahnTurandot Sondra Radvanovsky  Altoum Martin Zysset Timur Nicola Ulivieri
Calaf PiotrBeczała Liù Rosa Feola Ping Xiaomeng Zhang
Pang Iain Milne Pong Nathan Haller Ein Mandarin Jungrae Noah Kim
Philharmonia Zürich Chor der Oper Zürich Chorzuzüger Zusatzchor des Opernhauses Zürich

Turandot: Nicht nur ‘Nessun dorma’

Turandot Szenenfotos von  Monika Rittershaus
Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Wir alle wissen, dass ‘Nessun Dorma’, die grosse Arie des Prinzen Calaf, der absolute Hit in Puccinis Oper ‘Turandot’ ist; für alle Opernliebhaber, aber nicht nur. Wir wissen anderseits ebenfalls, dass auch die ganze Oper eine der meistgespielten in allen Theatern der Welt ist. Vielleicht weil sie zu einem Genre gehört, das schwer zu definieren ist: eine dunkle Liebesgeschichte, eine involvierende Seifenoper, ein Thriller, ein Märchen, ein Gender-Drama, das den ewigen Kampf zwischen Mann und Frau beschreibt. Jedenfalls eine Mischung, die jedem Opernhaus Erfolg und dem Publikum Genuss sichert.

Eine Prinzessin und ihre Rätselfragen

Turandot Szenenfotos von  Monika Rittershaus
Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Das Libretto von Giuseppe Adami und Renato Simoni nach einer Fragment-Fassung von Carlo Gozzi erzählt von der schönen Prinzessin Turandot, welche die schreckliche Gewohnheit hat, all jene zu töten, die in sie verliebt sind, jedoch nicht imstande sind, ihre drei Rätselfragen zu lösen. Eines Tages gelingt es Calaf die richtigen Antworten zu finden ………. Aber wir wollen ja nicht die ganze Geschichte erzählen….

Die neue Zürcher Produktion

Turandot Szenenfotos von  Monika Rittershaus
Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Wir möchten nur berichten, dass am letzten 18. Juni eine neue Produktion von Giacomo Puccinis Publikumsliebling auch am Opernhaus Zürich Première feierte, auf welche Weise und wie. Marc Albrecht erstmals am Pult des Opernhauses und Regisseur Sebastian Baumgarten hatten ein überaus interessantes Opernspektakel versprochen, und ihr Versprechen wird gehalten: die neue  Operninszenierung ist bestimmt eines der grossen Kulturevents dieses Zürcher Sommers. Der Deutsche Maestro zeigt seine Liebe zu den Klangfarben des Italienischen Komponisten, und leitet mit Enthusiasmus die ‘Philarmonia Zürich‘ durch die schillernde Partitur. Präzis folgen ihm die Musiker sowie die Sänger: alle, ohne Ausnahme, begeistern von Anfang bis zum Schluss das zahlreiche, aufmerksame Publikum.

Eine hochkarätige Besetzung

Turandot Szenenfotos von  Monika Rittershaus
Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Zum Erfolg der Vorstellung trägt relevant die Sopranistin Sondra Radvanovsky bei, zum ersten Mal in der kurzen aber äusserst schwierigen Titelrolle. Mit ihrer atemberaubenden, ausdrücklichen Stimme, aber auch mit grossem Einfühlungsvermögen, interpretiert sie eine durch die Traumata ihres Vorlebens verunsicherte Frau, eher als die düstere, mordlüsterne Prinzessin. Sehr glaubwürdig Piotr Beczala, der auch gerade in dieser Produktion sein Rollendebüt als mutiger Prinz Calaf gibt: an der Première war er stimmlich nicht immer makellos, aber es ist nach wie vor ein grosses Vergnügen den polnischen Star-Tenor zu hören und zu sehen. Sehr gut, aber unserer Meinung nach vor allem szenisch, Rosa Feola, als getreue Dienerin Liù. Natürlich waren die Zuschauer besonders nach „Tu, che di gel sei cinta“ berührt. Mit diesem Einsatz feiert sie ebenfalls ihr Opernhaus-Debüt. Zum Cast gehören auch Martin Zysset, tadellos als Imperatore Altoum, Nicola Ulivieri als Timur, Xiaomeng Zhang als Ping, Iain Milne als Pang, Nathan Haller als Pong und Jungrae Noah Kim als ein Mandarin. Gewaltig auch die Leistung des von Janko Kastelich meisterhaft vorbereiteten ‘Chor der Oper Zürich’ (zusammen mit Chorzuzügern, Zusatzchor, SoprAlti und Kinderchor des Opernhauses Zürich).

Science-Fiction, Bienen und Kriegsbilder

Turandot Szenenfotos von  Monika Rittershaus
Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus
Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Für diese ‘Turandot’ konnte das Opernhaus den Berliner Sebastian Baumgarten verpflichten, dessen Regiekonzept sicher alles andere als konventionell ist. Ohne jenes orientalische Kolorit, das fast alle Turandot-Produktionen charakterisiert, kann Baumgartens Inszenierung von Puccinis letzter Oper gefallen oder nicht, aber sie ist sicher einzigartig. Dem Regisseur und seinem hochkarätigen Team gelingt es voll und ganz, das Werk aus Umfeld und Zeit eines wenig plausiblen Chinas loszulösen. Sowohl mit Thilo Rheuters Bühnenbild, mit Christina Schmitts Kostüme, mit Sebastian Zubers etwas zu sehr im Takt mit der Musik stehenden Choreographien als auch mit Philipp Haupts Videos, wird das Publikum hingegen mit Science-Fiction einerseits, mit Kriegs- und Machtbildern, mit faschistischen Uniformen und Strukturen im Vorder- und Hintergrund konfrontiert. Dazu mit einem Bienenstock, wo die ‘Bienenkönigin’ Turandot wohnt und ihre Rache vorbereitet.

E qui il Maestro è morto

Opernhaus Zürich Turandot Première vom 18. Juni, besucht von Marinella Polli
Opernhaus Zürich Turandot Première vom 18. Juni, besucht von Marinella Polli

Ohne zu sprechen von den nicht sehr verständlichen Projektionen auf einem Blatt Papier (eines Kalenders? Einer Agenda? Eines Notizbuchs?) und von Texten, die eingeblendet werden zwischen den einzelnen Akten. Eine Verbindung zwischen der Oper und Puccinis Biografie, welche wirklich nicht notwendig ist. Mit anderen Worten, eine überladene Bühne, mit allzu vielen Verzierungen, Einfällen und Assoziationen. Viel zu viel; “Troppa carne al fuoco” würden die Italiener sagen. Und am Schluss noch ein letzter Satz in grossen Buchstaben “Hier endet die Aufführung, da der Maestro an diesem Punkt verstarb”,  jene Aussage, mit welcher Toscanini 1926 die Uraufführung der Oper nach Liùs Tod beendete. Franco Alfanos nachkomponierter Schluss wurde in der Tat erst in späteren Aufführungen von ‘Turandot’ gespielt. In Zürich endet die Vorstellung ebenfalls an dieser Stelle, das heisst nach Liù Selbstmord: die Dienerin stirbt und Calaf und Turandot bleiben stumm zurück und schauen sich tief in die Augen.

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus
Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Anlässlich der Première reagierten die zahlreichen Zuschauer gegenüber allen anderen Künstlern mit Enthusiasmus, während das Regieteam ein paar Buhrufe erntete. (Bis zum 8. Juli, jedoch auch noch 4 Aufführungen im Jahr 2024)

Text: https://marinellapolli.ch/

Fotos: Monika Rittershaus www.opernhaus.ch 

Homepages der andern Kolumnisten:  www.gabrielabucher.ch  www.herberthuber.ch  www.maxthuerig.ch www.leonardwuest.ch

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

Turandot Szenenfotos von Monika Rittershaus

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HSBI-Absolvent Jonathan Dertenkötter will mit seiner Firma aktiv den Ausbau erneuerbarer Energiesysteme vorantreiben

Mehr Sonnenstrom für OWL – dieses Ziel verfolgt Jonathan Dertenkötter mit
seinem 2022 gegründeten Unternehmen „SE Solutions GmbH“. Ein
praxisintegriertes Elektrotechnik-Studium, der Master Integrierte
Technologie und Systementwicklung (ITSE) und weitere Angebote der
Hochschule Bielefeld (HSBI) erleichterten ihm den Weg zur Gründung.

Minden/Bielefeld (hsbi). SE Solutions steht für Sustainable Energy – unter
dieser Firmierung bietet Jonathan Dertenkötter mit seinem Team Lösungen
für nachhaltige Energiesysteme an. Konkret konzipiert, plant und baut der
Ingenieur der Elektrotechnik, der am Campus Minden der HSBI studiert hat,
Photovoltaikanlagen bis 1000 kW und nimmt diese in Betrieb. Auf Wunsch
auch direkt mit der neuen Wärmepumpe, einer Ladestation und dem
entsprechenden Energiemanagementsystem. Und das sowohl für Ein- oder
Mehrfamilienhäuser als auch für Gewerbebetriebe oder eine Mischung aus
beidem. Gewerbliche und öffentliche Auftraggeber berät er zudem auf dem
Weg zu ganzheitlichen, nachhaltigen Energielösungen.

Strom aus Sonnenergie zu gewinnen, ist nicht erst seit dem Ukraine-Krieg
stark nachgefragt. Für immer mehr Privathaushalte und Unternehmen sind
Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit ebenso wichtig wie eine auf Dauer
kostengünstige und unabhängige Energieversorgung. Die Bundesregierung
setzt zudem im Rahmen der Überarbeitung der EEG-Einspeisevergütungssätze
und des Jahressteuergesetzes 2022 sowie mit Förderprogrammen auf Bundes-,
Landes- und kommunaler Ebene hohe Anreize für den Wechsel von Gas- oder
Ölheizungen zu Wärmepumpen in Verbindung mit Photovoltaik oder
Solarthermie. Und die aktuelle Heizungsdebatte um das Verbot von Öl- und
Gasheizungen ist in aller Munde.

Photovoltaiknutzung selbst vorleben

„Die Technologien sind da, wir müssen sie nur endlich nutzen“, so der
28-Jährige. Und weil es momentan auch an den Fachleuten zur Umsetzung
fehlt, hat er sich für die Gründung von SE Solutions entschieden. „Mit
einer PV-Anlage macht dann auch ein Elektrofahrzeug richtig Spaß“,
berichtet der überzeugte Teslafahrer. „Wir haben unseren Fuhrpark rein
elektrisch aufgebaut, mit aktuell zwei Nutzfahrzeugen und fünf PKW als
Vertriebsfahrzeugen. Es gibt entsprechende Fördermittel und wir stehen zu
100 Prozent hinter unserer Mission. Ich kann nicht mit dem Diesel zum
Kunden fahren und etwas über erneuerbare Energiesysteme und
Ladeinfrastruktur erzählen, es aber selbst nicht vorleben“, so
Dertenkötter.
Ein Weg mit vielen Wendungen

Der Weg zur Gründung des Unternehmens war jedoch einer mit einigen Stopps
und Wendeschleifen: Nach der Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton
beim Südwestfunk verschlug es den gebürtigen Thüringer auf der Suche nach
einem dualen Elektrotechnik-Studium zur Bielefelder Firma Goldbeck und zum
Campus Minden der HSBI. Im dortigen praxisintegrierten Studium wechseln
sich zwölfwöchige Theoriephasen an der Hochschule mit elfwöchigen
Praxisphasen im Unternehmen ab. „Das Konzept hat mich überzeugt, weil
Theorie und Praxis ideal ineinander greifen“, so der junge Familienvater.

Während des Studiums warf ihn ein tragischer Kletterunfall aus der Bahn,
Dertenkötter ist seitdem querschnittsgelähmt. „Immerhin kann ich
inzwischen wieder an Krücken ganz gut gehen“. Trotz langer
Krankenhausaufenthalte, zahlreicher Operationen und Rehas beendete er das
Studium 2020 als Jahrgangsbester. Dann schrieb er sich in den Master
Integrierte Technologie- und Systementwicklung (ITSE) ein, ebenfalls am
Campus Minden. Hier wählte er immer wieder Themen, bei denen es um
erneuerbare Energien und intelligente Energiesysteme ging.

Als die Kommunikationsabteilung der Hochschule über ein von ihm
mitentwickeltes Tool zur wirtschaftlichen Bewertung und richtigen
Auslegung von Ladeinfrastruktur, erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen,
Speichersystemen und Netzanschlüssen recherchierte, fragte die Redakteurin
ihn, ob er nicht ein Unternehmen gründen möchte. Darüber hatte er auch
schon nachgedacht, ihm fehlte es aber an Know-how und Risikobereitschaft
zum Gründen. Da empfahl ihm die Redakteurin das Center for
Entrepreneurship (CFE) der HSBI, das Gründungsinteressierte begleitet und
coacht.

Unterstützung durch Professoren und das CFE

Gesagt, getan: Schnell hatte der Masterstudent eine starke
Beratungskompetenz im Rahmen des CFE-Inkubator-Programms vermittelt
bekommen. In Kombination mit dem ITSE-Master entwickelte er seine Gedanken
rund um die dezentrale Verwaltung und Steuerung von erneuerbaren
Energiesystemen weiter. „Im Modul Engineering von Informationssystemen
haben wir eine Energieanlagenregelungssoftware als verteiltes System für
Gebäudekomplexe auf Mittelspannungsebene konzipiert und auf den Stand
eines Proof-of-Principles gehoben“, so Dertenkötter. Unter Proof of
Principle kann man ein sehr detailliertes Konzept verstehen, das aber noch
nicht in der Praxis umgesetzt wurde. Im Sommer 2022 stellte er einen
Antrag in der EXIST-Forschungstransfer-Förderung des Bundesministeriums
für Wirtschaft und Klimaschutz mit dem Vorhaben, diese Software
kommerziell weiterzuentwickeln und im Rahmen eines Proof-of-Concepts, also
der tatsächlichen Umsetzung, in den Praxiseinsatz zu bringen. „Das war
eine Hochrisikogeschichte, denn Softwareentwicklung bindet viele
Ressourcen und hätte uns nur für die ersten zwei Jahre rund 1,5 Millionen
Euro gekostet.“ Einen solchen Antrag zu stellen, geht im Übrigen weit über
das Ausfüllen von Formularen hinaus. „Ich musste das gesamte Vorhaben
genauestens umschreiben. Das war ein immenser Aufwand“, so der Gründer.
„Die Professoren vom Campus Minden, insbesondere Prof. Wetter, Prof. von
Uthmann, Prof. Wette und Prof. Battermann haben uns neben dem CFE in
endlosen Sessions unterstützt, wo es nur ging. Ohne diesen fachlichen
Support wäre das unmöglich gewesen.“

Der Antrag wurde jedoch nicht bewilligt, „mit Argumenten, die wir mit
Blick auf die Förderrichtlinie nicht hätten abbilden können. Dafür hätten
wir noch zwei Jahre Vorlauf und ein quasi fertiges Produkt gebraucht – und
dafür wäre dann auch der Sinn der Förderung in Bezug auf den
Entwicklungsstand nicht mehr gegeben gewesen“, so sein Resümee.

Dertenkötter schloss vorerst mit dem Thema Forschungstransfer-Förderung ab
und entschied sich, die SE Solutions GmbH zu gründen. Im September 2022
offiziell gegründet und eingetragen, lag das Auftragsvolumen Anfang 2023
bereits im siebenstelligen Bereich, „und das nur über Mundpropaganda und
dank erster Referenzprojekte, die wir schon im Voraus über einige
Kooperationen realisieren konnten“, so der Jungunternehmer.
Die hohe Nachfrage gab Jonathan Dertenkötter recht und er holte sich mit
Tim Sperlich, HSBI-Absolvent des Bachelors Regenerative Energien, einen
Kompagnon in seinen Betrieb, der die perfekte Vorerfahrung durch seine
vorgelagerte Ausbildung gepaart mit einigen Jahren Berufserfahrung im
operativen Projektgeschäft bei einem etablierten Hersteller von
Ladeinfrastruktur- und Backendlösungen mitbringt. Auch andere studentische
Wegbegleiter haben Interesse gezeigt und sind mittlerweile fester
Bestandteil des Teams von SE Solutions. Zusammen wollen sie nun
durchstarten und für mehr Sonnenstrom in OWL und Thüringen sorgen, und
bestimmt auch bald darüber hinaus.

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