Gelber Rasen muss nicht sein
Pflanzenforscher Norbert Kühn gibt im Interview Tipps, wie Gärten und
Balkone an den Klimawandel angepasst werden können
Die vergangenen heißen und trockenen Sommer haben auch Privatgärten stark
zugesetzt. Gelbe Rasenflächen, hängende Blätter an Büschen und
vertrocknete Beete machen Gartenbesitzer*innen zu schaffen. Doch wenn sie
ihren Garten klimaresilient gestalten und richtig bewässern, profitieren
Gärtner*innen nicht nur selbst von sattem Grün, sondern die Pflanzen
tragen durch ihre Verdunstung sogar für eine leichte Kühlung des
überhitzen Stadtklimas bei.
Felsenbirne, Manna-Esche oder Goldregen
In einem klimaresilienten Garten sollte laut Norbert Kühn so wenig Boden
wie möglich versiegelt sein, das Regenwasser aufgefangen werden und sich
Sonnen- und Schattenplätze abwechseln. Wer neue Bäume zur Beschattung
pflanzen möchte, sollte darauf achten, dass sie aus dem submediterranen
Bereich kommen. „Interessanter Weise sind auch die meisten Obstbäume
relativ hitzetolerant“, so Kühn. „Felsenbirne, Manna-Esche oder Goldregen
kommen mit dem sandigen und durchlässigen Brandenburger Boden auch in
Trockenperioden gut aus.“
Pflanzen der trockenen Freifläche
Bei Pflanzen sollte man auf hitzetolerante Stauden achten, die zum
Beispiel aus der sogenannten „Trockenen Freifläche“ kommen. Aber auch
Pflanzen mit ätherischen Ölen wie Lavendel, Oregano oder Salbei eignen
sich gut, da sie tiefe Wurzeln haben. Vom Diptam, dem brennenden Busch rät
der Pflanzenforscher jedoch ab. Sie ist zwar extrem hitze- und
trockenheitsverträglich, sodass man ihr Öl sogar an heißen Tagen anzünden
kann, aber weil die Pflanze auch phototoxisch ist, kann sie Hautauschläge
hervorrufen.
Blühende Wiese anstatt vertrockneter Rasen
Ein grüner Rasen erfordert nicht nur viel Pflege, sondern muss auch
intensiv bewässert werden. In Zeiten zunehmender Trockenheit sollten sich
Gartenbesitzer*innen daher gut überlegen, wieviel Rasenfläche sie wirklich
brauchen und ob eine Wiese eine Alternative sein könnte. Wiesen sind
pflegeleicht, müssen nur ein- oder zweimal im Jahr gemäht werden, brauchen
keinerlei Bewässerung und sind für viele Pflanzen und Tiere interessant.
„Es bietet sich auch an, eine Wiese mit Rasenwegen zu durchschneiden“, so
Norbert Kühn. „Das sieht sehr schön aus, weil man im Vordergrund den
grünen Rasenteppich hat und dahinter die hohe Struktur der Gräser, die ein
bisschen naturalistischer aussieht, das kann einen sehr schönen Kontrast
bilden und eine ästhetische Qualität besitzen.“
Lesen Sie das ganze Interview mit weiteren Themen zum richtigen
Gießverhalten, Balkonbepflanzung und Versickerungsbeeten:
<https://www.tu.berlin/go22839
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