Studie: Europäische Batterie-Kreislaufwirtschaft braucht neue Geschäftsmodelle

Die Technologie, um Rohstoffe aus Elektrofahrzeugbatterien
zurückzugewinnen, ist ausgereift. Trotzdem verliert Europas
Recyclingindustrie beim aktuellen Prozess Ressourcen. Die Hauptursachen:
teurer Gefahrguttransport, aufwendige Demontage und unsichere
Materialrückgewinnung. Das zeigt ein Zwischenbericht der HHL Leipzig
Graduate School of Management im EU-Forschungsprojekt SAFELOOP, in dem 15
Institutionen aus 11 Ländern an einer neuen Generation sicherer und
nachhaltiger Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge arbeiten.
Verkauft ein Recyclingbetrieb die aus einem Batteriepack zurückgewonnenen
Rohstoffe zu Marktpreisen, bleibt nach Abzug aller Kosten ein Verlust von
rund 1,90 Euro pro Kilogramm Batteriepack. Ein wesentlicher Grund: Da
ausgebaute Lithium-Ionen-Batterien als Gefahrgut gelten, ist ihr Transport
im Schnitt 16-mal teurer als der eines normalen Frachtguts. Hinzu kommt:
Unternehmen, die sich ausschließlich auf Batterierecycling spezialisiert
haben, wirtschaften der Untersuchung zufolge deutlich schlechter als
breiter aufgestellte Firmen.
Kommende EU-Verordnung wird Batteriepacks verteuern
Diese Verluste bleiben nicht ohne Folgen für den Batteriepreis: Ab August
2031 schreibt die EU-Batterieverordnung vor, dass ein Mindestanteil der in
neuen Fahrzeug-, Industrie- und Starterbatterien verwendeten Rohstoffe aus
Recycling stammen muss. Das Forschungsteam berechnet modellhaft: Geht man
von einer Recyclingquote von 20 Prozent aus und legt die Verluste der
Recyclingbetriebe eins zu eins auf diese Pflichtmenge um, würde ein
Batteriepack um rund 6 Prozent teurer.
Zweites Leben schafft Wert – nur nicht für die, die dafür zahlen
Ein Ausweg liegt im zweiten Leben der Batterie. Wird zum Beispiel ein
Batteriepack aus einem Elektrobus nach dem Fahrzeugeinsatz als stationärer
Stromspeicher weiterverwendet, steigt sein wirtschaftlicher Gesamtwert
über die Nutzungsdauer um 64 Prozent. Von diesem Mehrwert profitieren der
Untersuchung nach jedoch vor allem Fahrzeug- und Speicherbetreiber – nicht
die Hersteller, die die höheren Kosten des Recyclings tragen müssen. Der
Bericht legt damit ein Verteilungsproblem offen, das die
Kreislaufwirtschaft ausbremst, obwohl sie sich wirtschaftlich lohnen
würde.
Hinzu kommt: Second-Life-Batterien müssen im Handel mit
Stromspeicherkapazität strenge kommerzielle Anforderungen erfüllen – etwa
wettbewerbsfähige Kosten, lückenlose Daten zum Batteriezustand und
langfristige Garantien. Acht Expertengespräche zeigen:
Durchschnittskosten, Sicherheitsbedenken und die Risikoeinschätzung von
Investoren bremsen die Verbreitung zusätzlich.
Lösungsvorschläge senken Kosten um 34 Prozent
Der Bericht empfiehlt sicherere Batteriedesigns, kürzere Transportwege,
mehr automatisierte Demontage, stärker spezialisierte Recyclingbetriebe
und verbindliche Transportstandards. In Kombination sollen diese Maßnahmen
die Recyclingkosten um rund 34 Prozent senken. Aus dem aktuellen Verlust
von 1,90 Euro pro Kilogramm Batteriepack würde ein Gewinn von 13 Cent pro
Kilogramm. Doch solange der Mehrwert der Kreislaufwirtschaft vor allem bei
Fahrzeug- und Speicherbetreibern landet, fehlt vielen Akteuren der
wirtschaftliche Anreiz, in genau diese Verbesserungen zu investieren.
Um das Verteilungsproblem zwischen Herstellern, Betreibern und Recyclern
zu lösen, schlägt das Forschungsteam neue Koordinationsakteure vor:
Unternehmen, die Batteriepacks über beide Lebensphasen hinweg verwalten
und so Kosten und Erträge gerechter zwischen den Beteiligten verteilen.
„Europa braucht bessere Geschäftsmodelle für Zirkularität“
„Solche Akteure würden die Batterien und die darin enthaltenen Materialien
besitzen. Sie könnten Marktdruck für Innovationen in vorgelagerten
Prozessen aufbauen und gleichzeitig den Wert aus dem zweiten Leben der
Batterie fair umverteilen“, erklärt Studienleiter Dr. Dima Smirnov,
Postdoktorand am Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship
an der HHL. „Europa braucht deshalb nicht nur bessere Batterieprozesse,
sondern marktbasierte Geschäftsmodelle, die Zirkularität wirtschaftlich
tragfähig machen.“
SAFELOOP
ist ein von der Europäischen Union gefördertes Verbundprojekt zur
Entwicklung sichererer und nachhaltigerer Batterietechnologien für
Elektrofahrzeuge. Das Projekt betrachtet den gesamten Batterielebenszyklus
und will durch neue Lösungen in Materialversorgung, Entwicklung, Nutzung
und Recycling zu mehr Sicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit
beitragen. Das Projekt startete 2024, läuft über 36 Monate und verfügt
über ein geschätztes Budget von 4,7 Millionen Euro. An der HHL wird das
Projekt von Prof. Dr. Dr. Kelvin Willoughby geleitet. Weitere
Informationen unter https://www.safeloop.eu/
Die HHL Leipzig Graduate School of Management
ist eine universitäre Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht.
Laut Financial Times-Ranking zählt sie zu den führenden internationalen
Business Schools und erreicht global Top-Platzierungen in den Bereichen
Karriereberatung, Alumni-Netzwerk und Gehalt nach Graduierung. Ziel der
ältesten betriebswirtschaftlichen Hochschule Deutschlands ist die
Ausbildung unternehmerisch denkender, verantwortungsbewusster und
leistungsfähiger Führungspersönlichkeiten. Die HHL zeichnet sich aus durch
exzellente Lehre, klare Forschungsorientierung und praxisnahen Transfer
sowie hervorragenden Service für ihre Studierenden. Der Stifterverband für
die Deutsche Wissenschaft hat die HHL 2025 zum siebten Mal in Folge als
Gründerhochschule Nummer 1 in Deutschland ausgezeichnet. Aus der HHL sind
in den letzten 30 Jahren über 530 Unternehmensgründungen hervorgegangen
mit mehr als 30.000 Mitarbeitenden. Als erste deutsche private Business
School wurde die HHL durch die international renommierte AACSB
akkreditiert und erlangte diesen Qualitätsstatus seither fünf Mal in
Folge. Mehr Daten zur HHL unter https://www.hhl.de/de/die-hhl/
