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Modernisieren vor Kürzen: Die Gesundheitstechnologien bieten Perspektiven für die Gesundheitsversorgung

Titelblatt "Modernisieren vor Kürzen: Innovative Gesundheitstechnologien für ein besseres Gesundheitssystem  Copyright: acatech
Titelblatt "Modernisieren vor Kürzen: Innovative Gesundheitstechnologien für ein besseres Gesundheitssystem Copyright: acatech
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Vorschläge zu Reformen des Gesundheitswesens fokussieren vor allem auf
Effizienzsteigerungen, Kürzungen und Mehrbelastungen. Vielfach
unterschätzt wird die Rolle der Medizintechnik, konstatiert das acatech
Themennetzwerk Gesundheitstechnologien und entwickelt Vorschläge. In einem
Hintergrundpapier von acatech – Deutsche Akademie der
Technikwissenschaften entwickelt die Expertengruppe Optionen, wie
Deutschland aus dem Innovation Valley of Death herausfindet und
tiefgehende Innovationen realisiert.



Die Kosten im Gesundheitswesen steigen. Gleichzeitig verstärkt sich der
Fachkräftemangel. Politisch diskutierte Reformen zielen hauptsächlich
darauf ab, die steigenden Kosten im System zu decken – durch Kürzungen,
Prozessoptimierungen oder durch Mehrbelastungen. Was nach Einschätzung des
acatech Themennetzwerks Gesundheitstechnologien fehlt: tiefgehende
medizintechnische Innovationen und damit verbundene Systemänderungen.

„Die Medizintechnik spielt in der Diskussion um die Zukunftsfähigkeit des
Gesundheitssystems nur eine untergeordnete Rolle“, konstatiert die
interdisziplinäre Autorengruppe um Olaf Dössel, Karlsruhe Institut für
Technologie (KIT) und Doris Heinrich, Institut für Bioprozess- und
Analysenmesstechnik an der TU Ilmenau.  „Dabei kann sie ein Hebel sein,
mit dem durch vergleichsweise kleine Ausgaben große Wirkungen erzeugt
werden können.“

Medizintechnik umfasst Anwendungen wie bildgebende Verfahren und
Plattform-Technologien, die in unterschiedlichen Bereichen genutzt werden.
Innovative Medizintechnische Geräte generieren Daten, die eine
datengetriebene, individualisierte und präventive Medizin ermöglichen. Mit
neuen zellbiologischen Techniken lassen sich Krankheiten früher und
präziser erkennen, krankhafte Prozesse lassen sich korrigieren,
krankhaftes Gewebe kann durch gesundes ersetzt werden. Der genetische Code
von Zellen lässt sich heute derart kostengünstig bestimmen, dass die Tür
zu einem neuen Level personalisierter Präzisionsmedizin weit offensteht.

Raus aus dem Innovation Valley of Death

Die Medizintechnik bringt neue Methoden in den klinischen Alltag, doch
dieser Weg ist in Deutschland lang. Das Themennetzwerk
Gesundheitstechnologien unterstützt deshalb die Ziele der Hightech Agenda
Deutschland (HTAD) im strategischen Forschungsfeld Gesundheitsforschung,
insbesondere die Ausrichtung an einem lernenden, prädiktiven und
präventiven Gesundheitssystem. Zu ergänzen sind aus Sicht der
Expertengruppe die Aspekte Resilienz und Kosteneffizienz. Noch
weitergehende Optionen bringt die Verbindung von Medizin,
Ingenieurwissenschaften, Informatik, und Biotechnologie: Innovation findet
vor allem in den Überschneidungsbereichen dieser Fachgebiete statt.

Deutsche Laboratorien sind international führend im Bereich der Forschung
(Technologiereifegrad TRL 1 bis 3) – doch der Transfer (TRL 4 bis 6)
gelingt nicht gut genug. Förderinitiativen sollten diese Transferlücke
berücksichtigen und Vorschläge zur Überwindung dieses Innovation Valley of
Death unterstützen. Die Expertinnen und Experten unterstützen das Konzept
der sogenannten Reallabore (Living Labs oder Sandboxes), in dem
Forschungsteams, Medizintechnikunternehmen, Kliniken und regulatorische
Expertinnen und Experten zusammenarbeiten. Auch medizinische KI-Systeme
sollten in Sandboxes (AI-Act §57) getestet und validiert werden können,
noch bevor sie zugelassen werden.

Gesundheitstechnologien wirkungsvoll unterstützen: Vier Kernfragen

Das Themennetzwerk Gesundheitstechnologie formuliert vier Leitfragen,
anhand derer sich die Einführung innovativer Gesundheitstechnologien
ausrichten und beschleunigen lässt:

Welche Technologien können heute und in Zukunft welche Probleme im
Gesundheitssystem lösen? Das Themennetzwerk empfiehlt eine Bedarfsanalyse,
die medizinischen und strukturellen Problemen technologische Lösungen
gegenübergestellt und mögliche Verbesserungen der Gesundheit und der
Kosteneffizienz integriert betrachtet.

Wie kann die Translation von der Grundlagenforschung über die Entwicklung
und die klinische Prüfung in die Gesundheitsversorgung verbessert werden?
Die Frage zielt auf den Abbau regulatorischer Hürden, aber auch auf
wirkungsvolle Ansätze, die Entwicklung neuer Gesundheitstechnologien zu
beschleunigen. Beispiele sind sich selbst steuernde Laboratorien oder
Plattformen zur Beschleunigung der Material- und Bauteileentwicklung.

Wie kann neue Technik Prozessinnovationen ermöglichen und begleiten und
das Personal entlasten? Über die Digitalisierung etablierter Prozesse
hinaus müsse untersucht werden, wo Digitalisierung neue Prozesse und
Strukturen ermöglicht und das Personal entlastet. Zudem sollte die
Vermeidung von Erkrankungen stärker in den Fokus rücken: KI, Apps und
Smartphones versprechen neue Impulse für die Gesundheitsprävention.

Wie können diese Technologien effektiv in den Markt und damit auch in den
Versorgungsalltag gebracht werden? Ausgehend von dieser Frage sollen Wege
zur Umsetzung entwickelt werden, etwa über Roadmaps. Ebenso sollen
mögliche Änderungen in den Erstattungsstrukturen sowie ein moderner und im
Sinne der Innovationsfähigkeit gestalteter Evidenzbegriff bedacht werden.

Generell konstatieren die Expertinnen und Experten des acatech Netzwerks
Gesundheitstechnologie: „Unser Gesundheitssystem sollte mehr Anreize für
die Erhaltung der Gesundheit zum Beispiel durch Prävention setzen. Dabei
spielen innovative Gesundheitstechnologien eine wichtige Rolle.“

Weiterführende Informationen

Das Hintergrundpapier des Themennetzwerks Gesundheitstechnologie ist
verfügbar auf: www.acatech.de/themennetzwerk-gesundheitstechnologie