Teodor Currentzis mit musicAeterna Foto Alexandra Muravyeva
Teodor Currentzis mit musicAeterna Foto Alexandra Muravyeva

Teodor Currentzis und musicAeterna werden nächsten Februar in Luzern ein völlig neues Projekt vorstellen: die erste internationale Residenz. Dies zeigt, wie beispiellose Hingabe und totales Eintauchen in die Musik zu einem originellen, non-Mainstream Projekt führen können. Die Residenz von musicAeterna ist mehr als nur ein Konzertprogramm. Es ist ein kreatives „Labor“, das es dem Publikum ermöglicht, die Musiker bei der Erforschung der Kunstmusik und anderer Bereiche der Kunst zu begleiten. Die Aufführungen des musicAeterna Orchesters und Chors reichen von Barockmusik bis hin zu modernen Stücken. Sie werden von einem Bildungsprogramm begleitet, das alles enthält, was man braucht, um das Repertoire vollständig zu verstehen: von Meisterklassen in Barockem Tanz bis hin zu Podiumsdiskussionen. Das KKL Luzern, das zu den Top 10 der weltbesten Konzerthallen zählt, ist musicAeternas Partner in diesem richtungsweisenden Projekt.

 

Oft beschrieben als „grossartig“, „einzigartig“ und „ungemein koordiniert“ ist musicAeterna eines des weltweit gefragtesten Musikensembles. Es hat sich als Ensemble den Ruf erworben, mit jeder Art von Repertoire, seien es klassische Meisterwerke oder experimentelle Werke von modernen Avant-garde Komponisten, problemlos umgehen zu können. Im Jahr 2004 von dem griechischen Dirigenten Teodor Currentzis in Novosibirsk gegründet, besteht das Ensemble seit 15 Jahren als einzigartige Kunstgemeinschaft – ein Team gleichgesinnter Visionäre, die sich mit absoluter Hingabe dem Erreichen einer perfekten Klangqualität widmen.

 

Im Herbst 2019 wählten Teodor Currentzis und musicAeterna St. Petersburg als Hauptstandort ihrer Tätigkeit. Der Hauptsitz wurde im historischen Stadtzentrum im alten Dom Radio Gebäude gegründet, von wo aus im Herbst 1941 Tschaikowskis Sinfonie Nr. 5 und im August 1942 Schostakowitschs Sinfonie Nr. 7 ausgestrahlt wurden. Hier – in diesem Labyrinth endloser Korridore, in Galerien aus der Zeit vor 1900, in den schwach beleuchteten Sälen der Sowjetära – finden die Proben des Orchesters und Chors statt, erschaffen junge Komponisten ihre neuen Musikstücke, und angesehene Meister und Philosophen teilen ihr Wissen mit den Zuhörern. In experimentellen Studios folgen die Künstler ihrem Geschmack und ihrer Intuition, um Werke zu schaffen, die sich nicht an populären Trends und Meinungen orientieren.

 

Portrait Teodor Currentzis Foto Alexandra Muravyeva

Portrait Teodor Currentzis Foto Alexandra Muravyeva

Ab Februar 2021 werden die besten Projekte, die an dem musicAeterna Hauptsitz entstanden sind, auf der ganzen Welt präsentiert. Das Ensemble richtet seine Residenzen in Städten ein, in denen die kreative Energie besonders hoch und Kunst sehr gefragt ist: in Moskau, Wien, Paris, Berlin, Luzern, New York, Tokio und London. Indem sie häufig auftreten, Bildungsprogramme durchführen und sich auf alternative Projekte in Musik und Theater konzentrieren, werden das musicAeterna Orchester und der Chor in diesen Städten zu einem integralen Bestandteil des kulturellen Umfelds. Die Residenzen zielen darauf ab, Künstler, Visionäre und Zuschauer aus der ganzen Welt anzuziehen, die von neuen Phänomenen der modernen Kunst fasziniert sind.

 

Luzern wird die erste internationale Residenz der musicAeterna werden. Vom 18. bis 20. Februar werden Teodor Currentzis und seine Musiker gemeinsam mit dem Publikum die Kunstmusik und andere Bereiche der modernen Kunst erkunden. Das Ensemble wird ein Repertoire vom Barock bis in die Gegenwart präsentieren. Alle drei Musiktage werden von einem Bildungsprogramm begleitet. Offene Proben, Meisterklassen, runde Tische laden das Publikum dazu ein, gemeinsam mit den Musikern die in der Musik verborgenen Bedeutungen und Ausdrucksmöglichkeiten zu erforschen und gleichzeitig den kulturellen und historischen Kontext der aufgeführten Stücke zu entdecken.

 

Die Residenz wird am 18. Februar mit Meisterklassen des musicAeterna Konzertmeisters Afanasy Chupin und dem Cellisten Alexey Zhilin eröffnet. Die beiden Musiker, die viele Jahre mit Teodor Currentzis zusammenarbeiten, werden ihre beruflichen Erfahrungen teilen und einen Einblick in die kreativen Methoden und in die Philosophie von musicAeterna geben.

 

Am selben Tag spielt das Orchester Mozarts Grosse Messe in c-Moll – eines der grandiosesten Werke seines Genres, das die archaische Feierlichkeit einer geistlichen Messe mit der lebendigen, beredten Schönheit einer italienischen Oper meisterhaft verbindet. Das Programm wird zum ersten Mal von musicAeterna durchgeführt. Bevor das Publikum das Endergebnis hört, hat es die Gelegenheit, die Nuancen von Currentzis‘ Interpretationen bei der offenen Probe mitzuerleben.

 

Am 19 Februar wird sich die Residenz auf moderne akademische Musik konzentrieren. Im Auftrag von Teodor Currentzis produziert und vom Chor musicAeterna aufgeführt, wird „Tristia“ – Hersants chorale Oper nach Texten von Gefangenen (ein Experiment, das Sozialarbeit mit Kunstformen verbindet) – eine der Höhepunkte des Programms sein. Wie Philippe Hersant es ausdrückt: „Tristia ist anders als jede andere Musikform, die es gibt. Auf den ersten Blick mag sie wie eine Reihe von kurzen Liedern aussehen, kleine, in sich geschlossene Formen, die getrennt aufgeführt werden könnten. Die Lieder unterscheiden sich stark voneinander – musikalisch, rhythmisch, lyrisch – und können sogar kontrastierend wirken. Aber sie sind alle auf einer subtileren Ebene mit einander verbunden: sie haben gemeinsame musikalische Themen.“

 

Die Podiumsdiskussion zu dem Thema „Glaube, Freiheit und Licht“ wird nach der Aufführung als öffentlicher Vortrag mit Gast-Experten und interessierten Zuhörern fortgesetzt. Später wird auch Teodor Currentzis sich mit dem Publikum treffen, um Fragen zu beantworten.

Die Residenz endet am 20. Februar mit einem der Highlights im Repertoire von musicAeterna: mit der Aufführung von „Sound of Light“, eine Sammlung ausgewählter Vokal- und Instrumentalstücke des französischen Barockmeisters des 18ten Jahrhunderts, Jean-Philippe Rameau. Raffinesse, Drive, feine Klangfarben, exquisite komplexe Rhythmen, durchdachte Dramaturgie und freie Improvisation – all die wesentlichen Merkmale von Rameaus Musik werden in der Darbietung von musicAeterna sorgfältig bewahrt.  Die New York Times nahm die Rameau-Anthologie 2014 von musicAeterna (erschienen bei Sony Classical) in  ihre Liste der besten Musikaufnahmen des Jahres 2015 auf, während The Times die Aufnahme als ein großes Geschenk für jeden musikliebenden Intellektuellen bezeichnete, der auf der Suche nach frischen Eindrücken ist. Nach Teodor Currentzis‘ eigenen Worten ist Rameaus Musik „die beste Art, jemandem, der noch nie die Sonne gesehen hat, den Begriff Licht zu erklären.“ Zuvor sind alle zu einer Meisterklasse für Barocktanz von Tanya Skok, der slowenischen Choreografin und Tanzpädagogin, eingeladen. Mit ihrer Hilfe wird das Publikum mit den Grundfiguren des barocken Tanzes vertraut gemacht und erhält einen besseren Einblick in die rhythmische Struktur, die Rameau in seinen Partituren festgeschrieben hat.

musicAeterna Residenz in KKL Luzern : https://lucerne.musicaeterna.org/

Das Orchester und der Chor musicAeterna wurde 2004 in Novosibirsk von dem Dirigenten Teodor Currentzis gegründet. Für den in Griechenland geborenen Currentzis ist Russland seit Anfang der 1990er Jahre seine Heimat. Damals begann er sein Studium des Dirigierens am Sankt Petersburger Konservatorium unter Ilya Musin.

 

Von 2011 bis 2019 war musicAeterna das Orchester und der Chor der Permer Oper, deren künstlerischer Leiter zu dieser Zeit Teodor Currentzis war. Im Jahr 2019 begann musicAeterna eine neue Phase seiner Entwicklung als privat finanzierte unabhängige Institution und verlagerte sein Hauptquartier nach Sankt Petersburg.

 

Die Musiker des Orchesters und des Chors kommen aus 20 russischen Städten und aus 12 Ländern, darunter Deutschland, Spanien, Italien, Griechenland, Schweiz, Belarus und Kasachstan. musicAeterna ist eines der wenigen Ensembles, das in der Lage ist, Musikstücke verschiedener Genres und verschiedener Epochen aufzuführen. Das Repertoire reicht von weltberühmten Meisterwerken der Alten Musik über Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert bis hin zu experimentellen zeitgenössischen Kompositionen.

 

Das Orchester und der Chor musicAeterna gehen regelmäßig auf Tournee um die Welt und traten an zahlreichen renommierten Häusern auf, darunter die Berliner Philharmonie, die Philharmonie de Paris, das Wiener Konzerthaus, die Elbphilharmonie, das Festspielhaus in Baden-Baden, die Mailänder Scala, das Auditorio in Madrid, The Shed in New York und die Royal Albert Hall in London. musicAeterna hat eine langjährige Beziehung zu angesehenen internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Lucerne Festival, der Ruhrtriennale, dem Klara Festival und dem Festival von Aix-en-Provence. Teodor Currentzis und musicAeterna arbeiten eng mit den renommiertesten Bühnenregisseuren zusammen, darunter Robert Wilson, Romeo Castellucci und Peter Sellars.

 

Teodor Currentzis und musicAeterna gehören zu dem Kreis der exklusiven Sony Künstler, deren Aufnahmen von Werken von Mozart, Tschaikowski, Strawinsky, Rameau, Mahler und Beethoven viele positive Kritiken und namhafte Musikpreise erhalten haben, wie den ECHO Klassik (2014, 2016, 2017), Edison Klassiek (2017, 2018, 2019), Japan Record Award (2017, 2018) und der BBC Music Magazine’s Opera Award (2017). Anlässlich der Verleihung des International Opera Awards im Jahr 2018, wurde der Chor offiziell als „weltbester Chor“ bezeichnet.