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Lucerne Festival an Ostern 2012: The King’s Consort und The Choir of The King’s Consort

 

Der Kingsconsort

 

Es war ein wunderschöner Frühlingsabend, Schiffe  glitten majestätisch aus dem Hafen Richtung See, das Abendlicht tauchte die Gebäuden auf der anderen Seeseite in ein warmes Gelb, die Sonne schien schräg ins Foyer des KKL, malte weisse Kringel auf den schwarzen Boden, verfing sich für Sekundenbruchteile im Rot eines Schals, im Türkis eines Kleides, eigentlich nicht die richtige Stimmung, um sich zwei Totenmessen anhören zu gehen. Im Saal kam aber dann schnell eine gewisse Ernsthaftigkeit auf, wohl auch ausgelöst durch die Klänge der Orgel, welche dem Orchester beim Einstimmen half.

Was danach folgte, waren zwei Stunden puren Genusses. The King’s Consort und The Choir of The King’s Consort unter der Leitung von Robert King führte an diesem Abend das Requiem c-Moll MH 155 von Michael Haydn und das Requiem d-Moll KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart auf.

In nur zwei Wochen komponierte Johann Michael Haydn das Requiem in c im Dezember 1771 anlässlich des Todes seines ersten Salzburger Dienstherren, Fürsterzbischof Sigismund Graf Schrattenbach. Das Werk entstand aber auch unter dem Eindruck der persönlichen Trauer: Haydns einziges Kind, Aloisia Josepha, starb im Januar 1771 noch vor Vollendung des ersten Lebensjahres. W. A. Mozart seinerseits arbeitete an seinem Requiem bis kurz vor seinem Tod am 5. Dezember 1791. Er konnte das Werk nicht selber fertigstellen, es wurde unter anderem von seinem Schüler Franz Xaver Süssmayr vervollständigt. Haydn und Mozart waren Musiker-Kollegen und Freunde, Mozart stellte sich sogar dem Freund als Ghostwriter zur Verfügung, als dieser krankheitshalber einen Auftrag nicht ausführen konnte. So liest man dann auch häufig, dass Mozarts Requiem beeinflusst sei von Haydns Vertonung. Überhaupt ranken sich so einige Geschichten um die beiden Requiems.

Eine Analyse der beiden Werke würde mir als simple Musikgeniesserin nicht zustehen.  Geniessen liess sich aber bereits bei den ersten Takten. Wie sich der Chor aus lediglich 26 Sängerinnen und Sängern langsam, Stimme um Stimme zuerst mit dem Orchester verwebte, um sich dann daraus herauszuheben, mit einer unglaublichen Präzision und Klangfarbe und einem wunderschönen Volumen war schlicht grossartig. Langsame, eindringliche, anklagende Passagen wechselten sich ab mit einer teilweise überraschenden Leichtigkeit, düster rhythmische Themen folgten auf weiche, eindringliche Partien, immer nuanciert, nie aufdringlich, nie schwülstig. Auch die Solisten überzeugten: Auch die Solisten überzeugten: Lenneke Ruiten Sopran (anstelle von Lucy Crowe), Diana Moore Alt (anstelle von Hilary Summers), Andrew Tortoise Tenor und David Wilson-Johnson Bass  interpretierten die relativ kurzen Soli-Stellen souverän. Wunderschön auch wenn sie gegenseitig dieselben Themen aufnahmen, sie sich zu eigen machten, sie weiterspannen um sich am Ende wieder in wunderschönen Akkorden zu finden.

Der Abend war wie ein einziger, wunderschöner Klangteppich, eine perfekte Einheit zwischen Chor, Orchester und Solisten unter einer dezenten aber souveränen Führung des Dirigenten Robert King. Das begeisterte Publikum dankte es mit Bravo-Rufen und verliess den Saal unter dem Eindruck der letzten versöhnenden Akkorde „qui pius es“ – denn du bist reich

Text: Gabriela Bucher – Liechti, Bilder Lucerne Festival und Kings Consort

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irène hubschmid:rezension: orchestre national de france, 20. märz 2012 im kkl luzern

 

KKL Konzertsaal

Am 20.3.012 spielte im KKL  das Orchestre National de France unter der Leitung von Daniele Gatti.

Solist:  Antonio Meneses (Violoncello)

Als erstes beglückte unser Ohr die Suite für Orchester op.80 „Pélleas et Mélisande”, Gabriel Fauré (1845-1924). Besonders der Ohrwurm „La Sicilienne”. Dem Lauscher schmeichelte der Flötist  mit seiner hervorragenden Interpretation. Im Gegensatz zu Maurice Ravel und Claude Debussy, die der nachfolgenden französischen Komponistengeneration angehören, ist Fauré im internationalen Musikleben weitaus weniger präsent. Er wird auch der „französische Schumann” genannt.

Dann folgte das Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-Moll op.33 von Camille Saint-Saens (1835-1921). Grösste Bewunderung gilt dem Solisten Antonio Meneses. Mit seinem Violoncello ist es ihm gelungen in einer Virtuosität wie ein Schmetterling über die etwa hundertköpfige orchestrale Untermalung zu fliegen. Der Cellist umarmte beim Musizieren sein Instrument als ob er mit ihm verwachsen wäre.

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Konzert der tschechischen Philharmonie, Rudolfinum in Prag, 26. April 2012

Blickrichtung Prager Burg


 

Konzert der tschechischen Philharmonie unter der Leitung des Gastdirigenten Osmo Vänskä.   Ein bisschen seltsam und ungewohnt war die Stimmung schon am Ende des Konzertes.

 

Gestartet wurde in einer Kleinformation in der der Dirigent selbst zur Klarinette griff, das Publikum war gut eingestimmt durch dieses Intro und feierte die Protagonisten entsprechend. Der erste Konzzertteil beinhaltete Werke von Dvoràk und Liszt, gewohnt souverän interpretiert vom tschechischen Vorzeigeorchester, unauffällig geführt durch Vänskä und brillant ergänzt mit dem deutschen Solopianisten Gerhard Oppitz. Im zweiten Teil dann Gewagteres: Vänskä liess die Symphonie Nr. 7, die sogenannte Insektensymphonie, seines finnischen Landsmannes Kalevi Aho (*1949) interpretieren. Das Orchester auf dem immer hohem technischen Standard, engagiert und gestenreich geleitet durch den Dirigenten. Für mein persönliches Gusto ein etwas wirres Werk. Ebenso hatte ich den Eindruck, dass auch den meisten andern Anwesenden diese Art skandinavischer Zoologie nicht unbedingt zusagte, deshalb wohl auch die anfangs erwähnte ungewohnte Stimmung am Ende der Darbietung. Dazu kommt vielleicht auch, dass ich unbewusst Konzerte in Prag irgendwie immer mit den grossen osteuropäischen Komponisten verbinde und so etwas auf dem falschen Fuss, bzw. auf dem falschem Ohr, erwischt wurde. Es war ja keinesfalls eine Enttäuschung, sondern eine ungewohnte und neue Erfahrung im Rudolfinum für mich. So werde ich bei der Planung eines nächsten Pragbesuches bestimmt das Konzertprogramm der tschechischen Philharmonie etwas genauer anschauen und gegebenenfalls den Reisetermin entsprechend anpassen.   Foto unten: Rudolfinum (Stammhaus der tschechischen Philharmonie) bei Nacht

 Das Rudolfinum (Stammhaus der Tschechischen Philharmonie) bei Nacht


 

 

http://www.ceskafilharmonie.cz/en/

mit freundlicher und grosszügigerUnterstützung durch Herrn Bernhard Schilling von www.prag-urlaub.de

Text und Bilder:www.leonardwuest.ch

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