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lucerne festival im sommer 2012: konzert lucerne festival academy orchestra, 7. september 2012, besucht und rezensiert von gabriela bucher - liechti

Das Lucerne Festival Orchestra

 

Konzert mit dem Lucerne Festival Academy Orchestra
Die Bühne ist bis auf den letzten Platz besetzt mit jungen Musikern, die sich aufs Konzert einstimmen. Sie üben ihre Läufe, ihre Solis, es wird immer lauter, hektischer, aufgeregter, ein Vorgeschmack auf das kommende Programm?

Erstaunlicherweise – für einen Laien der zeitgenössischen Musik mindestens – ist der Saal gut besetzt, obwohl Pierre Boulez wegen eines Augenleidens nicht dirigieren wird und auch der Altersdurchschnitt scheint nicht tiefer zu liegen als sonst. Auf dem Programm stehen Philippe Manourys „Sound and Fury“ (1998/1999), Jonathan Harveys „Speakings“ (2007/2008) und Arnold Schönbergs „Erwartung“ (1909).
Das Programm beginnt mit „Sound and Fury“ von Manoury. Das Werk basiert auf dem gleichnamigen Roman von William Faulkner und erweist sich als erstaunlich melodisch, mit spannenden Passagen, wo brummende Bässe, sirrende Streicher und schreiende Bläser den Saal füllen. Spannungen bauen sich auf, bleiben in der Schwebe, scheinen vorübergehend in ein Chaos zu verfallen, um sich wieder in unerwarteter Harmonie aufzulösen. Das Stück endet mit einem unerwarteten Akzent, der durchaus wieder Beginn sein könnte. Genau das habe er beabsichtigt, erklärt der anwesende Komponist während des kurzen Pausen-Gesprächs, eine nicht endende Geschichte solle es sein, mit einem Fragezeichen aufhören, ein Schnitt wie im Film, der es dem Publikum überlasse, sich den weiteren Verlauf auszudenken. Er öffne lieber Türen als dass er sie schliesse. Mit der Aufführung des jungen Orchesters sei er sehr zufrieden gewesen. Er habe nun 3 Wochen mit den Musikern gearbeitet und gesehen, wie das Orchester von morgen aussehen werde.
Als zweites Stück folgte Jonathan Harveys „Speakings“, eine musikalische Auseinandersetzung mit dem Spracherwerb. Er versucht, das Orchester gleichsam sprechen lernen zu lassen, von den ersten Babylauten im ersten Satz über die Erwachsenensprache im zweiten bis hin zum Tod, zur Läuterung und Erlösung im dritten Satz. Dazu setzt er elektronische Mittel ein, welche er am Pariser Forschungsinstitut IRCAM kennenlernte. Auch dieses Stück erweist sich in weiten Teilen einfacher im Zugang als erwartet. Geigen flüstern, Blasinstrumente hauchen, die Töne werden durch die Elektronik aufgenommen und über die Bühne hin und hergeschoben, dazu über 8 Lautsprecher im Saal verteilt. Faszinierend, wie sie sich teilweise im Kreis zu bewegen scheinen und sich verweben mit dem Orchester, sodass oft nicht mehr zu erkennen ist, wo die Instrumente aufhören und die Elektronik beginnt. Eine Diskussion entsteht, unendliche Glissandis driften seufzend ab und verlieren sich im Nichts, streckenweise furiose Dissonanzen, der Klangteppich schwillt an bis ins beinahe Unerträgliche, überrollt den Saal wie eine riesige Welle, zieht sich zurück und löst sich auf in einer Art Violinzittern. Die Überlagerungen sind spannend, die Dialoge zwischen Instrumenten und Elektronik Neuland, ein spezielles Erlebnis, auch dies ein Werk, welches sich einem ungeübten Zuhörer nicht verschliesst.
Nach der Pause dann Schönbergs „Erwartung“ , ein Monodram in einem Akt für Sopran und grosses Orchester mit der Sopranistin Deborah Polaski. In diesem Werk sucht eine Frau nachts ihren untreuen Geliebten im Wald und findet ihn schliesslich tot auf. Ein sehr viel anspruchsvolleres Stück, für Laien schwer zugänglich, klar erkennbar aber trotzdem die Anforderungen an Orchester und Solistin. Deborah Polaskis Sopran ist klar, satt, ausdrucksvoll und eindrücklich, trotzdem verliert sie sich phasenweise in diesem Meer von weit über 100 Musikern, vielleicht kommt es auch daher, dass sie in der Sektion der ersten Geiger steht und nicht am Bühnenrand.
Der junge britische Dirigent Clement Power hatte das Orchester fest in der Hand. Die drei Wochen intensiver Zusammenarbeit mit Pierre Boulez und dem Orchester trugen nun schneller als erwartet Früchte.

Text: www.gabrielabucher.ch   Foto: www.lucernefestival.ch

www.leonardwuest.ch    www.irenehubschmid.ch www.literatur.li

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lucerne festival im sommer 2012: pollini perspectives 3, 24. august 2012

Maurizio Pollini

 

lucerne festival im sommer 2012: pollini perspectives 3

maurizio pollini und das jack quartett, KKL luzern, 12. august 2012

 

wie hinlänglich bekannt, ist der pianovirtuose maurizio pollini (*1942 in mailand) auch ein grosser anhänger und förderer zeitgenössischer musik. folgerichtig bezieht er dies auch ein in seiner reihe der perspectives, diesmal mit dabei das jack quartett (eine formation junger amerikanischer musiker).

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blueballsfestival 2012 melody gardot im kkl, montag, 23. juli

blueballsfestival 2012 melody gardot im kkl, montag, 23. juli

 

melody gardot

 

 

nachdem am vortag eine gasflaschenexplosion bei einem imbissstand 5 personen verletzt hatte, war mir beim schlendern durchs blueballsgelände zugegebenermassen doch ein bisschen mulmig. entgegen der letzten paar jahre zeigte sich dafür das wetter an diesem montag von seiner besten seite und man war sogar sehr dankbar, für die erfrischende brise, die am seebecken wehte.

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Oper Schloss Hallwyl : Rezension der Première von Irène Hubschmid

 

Gutgelauntes Publikum, grandiose Kulisse, Operleckerbissen

 

 

 

Allgemeine Informationen der Open Air Produktion der Oper Schloss Hallwyl:

«Il Barbiere di Siviglia»
«Fiiigaro, Figaro, Figaro, Fiiigaro…»: So schallt es im Sommer 2012 durch den Hof von Schloss Hallwyl . Zur vierten Festspielsaison im schönsten Wasserschloss der Schweiz gelangt «Il Barbiere di Siviglia» zur Aufführung. Gioachino Rossinis Meisterwerk gehört seit 200 Jahren zu den beliebtesten Opern überhaupt. Von der mitreissenden Ouvertüre bis zum jubilierenden Finale reiht sich eine Perlenkette herrlicher Melodien. Am berühmtesten sind die Auftaktarie des Figaro, die verführerischen Koloraturen der Rosina und der polternde Bass des Dottore Bartolo.

Rezension der Première, 27. Juli 2012 durch Irène Hubschmid:

IL BARBIERE DI SIVIGLIA,
Oper von Gioachino Rossini, im Schloss Hallwyl
„Ich gebe zu, dreimal in meinem Leben geweint zu haben: als meine erste Oper durchfiel, als ich Paganini die Violine spielen hörte und als bei einem Bootspicknick ein getrüffelter Truthahn über Bord fiel.“ Gioachino Rossini (1792-1868)
Beschwingt, gut gelaunt, wandelte ich bei lauer Sommernacht durch die Schlossallee nach der wunderschönen Opernpremiere im Schloss Hallwyl. Der Ausflug von Zürich in diese Idylle lohnte sich allemal. Nicht alleine des gräflichen Ambientes wegen. Das Schloss mit seinen Türmen bietet vom 27. Juli bis 25. August 2012 auch ein kultureller Leuchtturm, Rossinis Oper, Der Barbier von Sevilla (1816). Auf der geschickt gebauten Tribüne rund um den alten Lindenbaum im Schlosshof, kann das Publikum eine glänzende, humoreske Inszenierung von der Regisseurin Regina Heer, mit einem gelungenen, zeitgenössischen Bühnenbild von Marion Andrea Menzinger, geniessen. Das Aargauer Symphonie Orchester, der bedeutendste Klangkörper des Kulturkantons Aargau, begleitet die szenische Leistung der Sänger. Die musikalische Leitung der göttergleichen Komposition Rossinis führte mit Verve der in Saanen/CH geborene Dirigent Philippe Bach.
Die Krönung erbrachte als FIGARO der Bariton Gabriel Urrutia in seiner stimmlichen und komödiantischen Umsetzung. Seine nuancierte Verspieltheit entlockte dem Publikum viele Lacher. Trine Bastrup Moller entzückte in der Rolle ROSINA. Die etwas undankbare Rolle der BERTA verkörperte Alessandra Boer mit Präsenz und wohlklingender Stimme. Auch die anderen Darsteller überzeugten mit ihren hervorragenden Leistungen. Für die phantasievollen choreographischen Einlagen des Ensembles und des Chors (Sänger der Zürcher Sing-Akademie) zeichnet Norbert Steinwarz.
Ein zahlreiches Produktionsteam sorgt für den reibungslosen Ablauf des wahrlich sommerlichen Open-Air Kulturvergnügens. Ein an Sevilla erinnernder Fächer wird vorsorglich ans Publikum verteilt gegen die Hitze und ein Regenschutz gegen den hoffentlich selten eintretenden Regen.

Generationsunterschiede, gesellschaftlicher Status, Beruf, Kleiderzwang, opportunistische Anpassungsfähigkeit, und Maskerade werden den ganzen Abend gezielt eingesetzt und spielerisch zelebriert. Gioachino Rossini, ein ausgesprochen humorvoller Mensch, hätte sicher seine hellste Freude gehabt an dieser Aufführung. Ich hatte diese Freude ebenfalls.
Irène Hubschmid

Text:  www.irenehubschmid.ch , Fotos Oper Schloss Hallwyl (Copyright Vermerk: Ingo Höhn)

die Premièrenfotos finden Sie über diesen Link:

http://innerschweizonline.ch/wordpress/premierenfotos-der-oper-schloss-hallwyl/

Homepages der andern Kolumnisten:  www.leonardwuest.ch  

www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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