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Gesundheit

Engagiert sich für mehr Aufklärung über den Herzinfarkt, das Broken-Heart-Syndrom und die Rolle von Stress dabei: Lisa Ortgies, Journalistin und „Frau tv“-Moderatorin.  Foto: Andreas Kueppers / www.andreaskueppers.com

Tückisch uneindeutig: Herzinfarkt-Symptome bei Frauen

Engagiert sich für mehr Aufklärung über den Herzinfarkt, das Broken-Heart-Syndrom und die Rolle von Stress dabei: Lisa Ortgies, Journalistin und „Frau tv“-Moderatorin.  Foto: Andreas Kueppers / www.andreaskueppers.com
Engagiert sich für mehr Aufklärung über den Herzinfarkt, das Broken-Heart-Syndrom und die Rolle von Stress dabei: Lisa Ortgies, Journalistin und „Frau tv“-Moderatorin. Foto: Andreas Kueppers / www.andreaskueppers.com

Zum Weltfrauentag: Herzspezialistin appelliert an Frauen, Herzinfarkt-
Symptome zu kennen. Herzstiftungs-Interview mit „Frau tv“-Moderatorin Lisa
Ortgies über ihren Herzinfarkt und die Rolle von Stress

Der Herzinfarkt kommt plötzlich, aber nicht aus heiterem Himmel. Umso
tragischer, dass pro Jahr über 46.000 Herzinfarkttote in Deutschland zu
beklagen sind. Denn viele der Sterbefälle wären zu verhindern, weil etwa
30 Prozent der Patienten am akuten Herzinfarkt versterben, noch bevor sie
die Klinik erreichen. In den ersten Minuten und Stunden nach Verstopfung
der Herzkranzarterie ist das Sterberisiko beim Infarkt besonders hoch.
„Fatalerweise zögern Betroffene bei einem Herzinfarkt immer noch zu lange,
den Notruf 112 abzusetzen, damit ein Rettungswagen mit Notarzt kommt.
Frauen zögern dabei häufiger als Männer“, berichtet die Kardiologin Prof.
Dr. Christiane Tiefenbacher vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen
Herzstiftung. „Häufiger als bei Männern können bei Frauen weniger
eindeutige Symptome auftreten, etwa Atemnot, ein Ziehen in den Armen,
unerklärliche Müdigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch
oder Rücken. Symptome wie der klassische Brustschmerz etwa können bei
Frauen fehlen“, erklärt die Chefärztin für Kardiologie am Marien-Hospital
Wesel. Prof. Tiefenbacher appelliert deshalb an alle Frauen, sich
frühzeitig über die Symptome des Herzinfarkts, seine Ursachen und wie man
dem Infarkt vorbeugt, zu informieren. Unter www.herzstiftung.de/interview-
herzinfarkt bietet die Herzstiftung ein Interview mit Lisa Ortgies. Die
Journalistin und Moderatorin der WDR-Sendung „Frau tv“ wurde mit 51 Jahren
von einem Herzinfarkt völlig aus ihrem Leben gerissen. Weitere hilfreiche
Beiträge für Frauen zu Herzinfarkt und anderen Herzerkrankungen sind unter
www.herzstiftung.de abrufbar.

„Habe nur auf eine Magenverstimmung oder ein Kreislaufproblem getippt“
Auch für Lisa Ortgies waren während einer Amerikareise die Symptome ihres
Broken-Heart-Syndroms mit einer verengten kleineren Herzkranzarterie, auf
das ein Jahr später ein Herzinfarkt folgte, nicht sofort dem Herzen
zuzuordnen. „Selbst, als ich schon im New Yorker Krankenhaus war, habe ich
nur auf eine Magenverstimmung oder ein Kreislaufproblem getippt – und das,
obwohl ich eindeutige Herzinfarkt-Symptome hatte“, erinnert sie sich. Ein
Grund für die falsche Zuschreibung der Symptome: Ortgies erkannte
Herzkrankheiten weniger als ein Problem für Frauen ihres Alters. „Ich
stellte mir einen Herz-Patienten ganz anders vor“, so die Journalistin.
„Für mich waren das eher ältere Männer. Deshalb habe ich damals auch so
lange gebraucht, um meine Symptome einzuordnen.“ Aber auch die Ärzte in
der New Yorker Klinik dachten bei den Symptomen zuerst an Sodbrennen.
Dabei sind der Herzinfarkt und andere Herzkrankheiten keineswegs eine
reine Männerkrankheit. Von den ca. 46.200 an Herzinfarkt Gestorbenen im
Jahr 2018 waren etwa 19.300 Frauen (Deutscher Herzbericht 2019). Bei Lisa
Ortgies kam es beim Broken-Heart-Syndrom neben einem starken
Schwächegefühl auch zum infarkttypischen Vernichtungsschmerz, „so große
Schmerzen, dass ich panische Angst bekam“ und die strahlten auch bei ihr
in den Arm aus. „Jeder Mensch sollte die häufigsten Symptome für einen
Herzinfarkt unbedingt gut kennen, um im Notfall gleich den Notarzt unter
der 112 zu rufen. Das spart lebensrettende Minuten“, weiß Ortgies heute.
Infos zu den Alarmzeichen sind abrufbar unter www.herzstiftung.de
/herzinfarkt-frauen-symptome

Broken-Heart-Syndrom: Warnschuss vor dem Herzinfarkt
Der Herzinfarkt folgte dann ein Jahr nach dem Broken-Heart-Syndrom. Für
Ortgies kam der Infarkt daher mit Ansage. Auch Stress-Kardiomyopathie
genannt, ist das Broken-Heart-Syndrom eine plötzlich auftretende
Herzmuskelerkrankung, die vor allem durch emotionalen Stress – sowohl
negativ als auch positiv – ausgelöst wird. „Die Krankheit tritt sehr
selten auf. Frauen erkranken häufiger als Männer“, erklärt Prof.
Tiefenbacher. Beim Broken-Heart-Syndrom lässt die Pumpleistung des Herzens
akut nach, es kommt zu einer lebensbedrohlichen Situation. „Die Symptome
ähneln denen eines Herzinfarkts, es liegt allerdings kein Verschluss eines
Herzkranzgefäßes vor“, so die Kardiologin aus Wesel. Hingegen hat der
Herzinfarkt, bei dem ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Herzkranzgefäß
vollständig verschließt, häufig eine längere Vorgeschichte. Ihm geht eine
chronische Verengung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) über
viele Jahre voraus. Nach ihren beiden schweren Herznotfällen und mit zwei
Stents im Herzen hat Lisa Ortgies ihr Leben umgestellt.

Krank sein durch Stress wird Männern, aber nicht Frauen zugestanden
Im Interview berichtet sie, welche Bedeutung ihr Umgang mit beruflichem
und privatem Stress für ihre Herzereignisse hatte und was daraus für sie
folgte. Den Alltag bewusster zu gestalten kann helfen, Stress abzubauen.
Für Ortgies zum Beispiel sich gezielt Zeit zu nehmen, um länger mit
Freundinnen zu telefonieren und dabei spazieren zu gehen. „Ich achte seit
dem Herzinfarkt auch nochmal stärker auf genügend Bewegung in meinem
Leben.“ Krank sein durch Stress, sagt Ortgies, werde auch heute noch vor
allem Männern zugestanden, nicht Frauen. „Es heißt nicht ohne Grund
Managerkrankheit und nicht Managerinnenkrankheit.“ Frauen sollten deshalb
ihre Mehrfachbelastung durch Job, Haushalt, Erziehung anerkennen und auch
ernstnehmen – noch bevor, es zu Herzproblemen kommt.

Was kann man gegen Broken-Heart-Syndrom und Herzinfarkt tun?
Ein Broken-Heart-Syndrom kann jeden ereilen. Nicht die klassischen
Herzinfarkt-Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes oder
Bewegungsmangel spielen eine Rolle, sondern emotionaler Stress. Eine
sinnvolle Prävention sind Entspannungstechniken (Meditation, progressive
Muskelentspannung, Atemtherapie, Yoga). „Wichtig ist es, Stress-Momente im
Alltag zu erkennen und geeignete Strategien zu entwickeln, die diesen
Stress reduzieren“, sagt die Ärztin Prof. Tiefenbacher. Um sich vor einem
Herzinfarkt zu schützen, ist es vor allem wichtig, den eigenen Lebensstil
kritisch unter die Lupe zu nehmen. Wer etwa Sport treibt, nicht raucht,
sich ausgewogen ernährt und in Maßen oder gar keinen Alkohol trinkt, beugt
am gezieltesten vor.

Das vollständige Interview mit Lisa Ortgies lesen Sie unter
www.herzstiftung.de/interview-herzinfarkt

Infos zum Thema Herzinfarkt-Symptome bei Frauen sind abrufbar unter
www.herzstiftung.de/herzinfarkt-frauen-symptome

HERZ heute zum Themenschwerpunkt Frauenherzen: Probeexemplar anfordern!
Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Ein kostenfreies
Probeexemplar der Ausgabe HERZ heute 4/2020 „Schlagen Frauenherzen
anders?“ ist unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

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Frauen sind anders krank als Männer

Im Sommersemester 2021 richtet die Universitätsmedizin Mainz erstmals die
Klara Marie Faßbinder-Gastprofessur für Frauen- und Geschlechterforschung
Rheinland-Pfalz aus. Im Fokus des Semesterprogramms der Gastprofessorin
Dr. Ute Seeland, Habilitandin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin,
wird ein hochaktuelles Thema stehen: die Gendermedizin. Die überwiegend
digitalen Veranstaltungen richten sich sowohl an Studierende und
Mitarbeitende der Universitätsmedizin Mainz als auch an die interessierte
Öffentlichkeit. Eröffnet wird die Gastprofessur am Mittwoch, 5. Mai 2021,
um 16.00 Uhr mit der Antrittsvorlesung „Exzellente Medizin ist
geschlechtersensibel“.

„Ich freue mich sehr, dass mit Frau Dr. Seeland eine so exzellente
Forscherin an die Mainzer Universitätsmedizin gekommen ist. Der Bereich
der Gendermedizin beleuchtet ein Fachgebiet der Medizin, das von großer
Bedeutung ist, um die Unterschiede in der medizinischen Behandlung von
Männern und Frauen besser verstehen zu können“, so Dr. Denis Alt,
Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur
sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz anlässlich
der Antrittsvorlesung.

Frauen und Männer können bei ein und derselben Erkrankung unterschiedliche
Symptome entwickeln und auch verschieden auf die Behandlung reagieren.
Frauen zeigen beispielsweise andere Herzinfarkt-Symptome als Männer und
sind nach der Einnahme von Arzneimitteln in vielen Fällen stärker von
Nebenwirkungen betroffen. Aktuell werden Geschlechteraspekte im
Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie und -Impfung untersucht.

Medizinisch relevante Unterschiede zwischen Frauen und Männern können auf
vielfältige Ursachen zurückgeführt werden. Dabei spielen insbesondere
biologische Faktoren, wie geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich
Hormonhaushalt, Stoffwechsel, Körpergröße und Genetik eine Rolle. Zudem
können auch gesellschaftliche Faktoren, wie Rollenzuschreibungen oder
Erziehung zu Geschlechterunterschieden bei Erkrankungen führen. Das erst
in den 1990er Jahren entwickelte Fachgebiet der Gendermedizin befasst sich
mit der Bedeutung dieser geschlechtsspezifischen Unterschiede für die
Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten.

Die internationale und interdisziplinäre Klara Marie Faßbinder-
Gastprofessur für Frauen- und Geschlechterforschung Rheinland-Pfalz wird
sich im Sommersemester 2021 allen Aspekten des Themas Gendermedizin in
Klinik, Forschung und Lehre widmen. Als Gastprofessorin hat die
Universitätsmedizin Mainz die Gendermedizinerin und Fachärztin für Innere
Medizin Dr. Ute Seeland gewonnen. Die international renommierte
Wissenschaftlerin ist Habilitandin an der Charité – Universitätsmedizin
Berlin.

Neben der Grundlagenforschung zur Herzinsuffizienz und Präventiv- und
Versorgungsforschung auch unter Geschlechteraspekten widmet sich Dr.
Seeland der geschlechtersensiblen Lehre. Hierfür erstellt sie Curricula
für den deutschsprachigen und den europäischen Raum. Für ihre
Forschungsarbeit zu Geschlechterunterschieden und dem Einfluss von
Sexualhormonen bei der arteriellen Pulswellenreflektion hat sie 2019 den
Wissenschaftspreis des Deutschen Ärztinnenbundes e. V. (DÄB) und den
ersten Posterpreis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
erhalten. Dr. Seeland ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für
Geschlechtsspezifische Medizin e.V. (DGesGM) und Sprecherin der DGK-
Arbeitsgruppe „Gendermedizin in der Kardiologie“.

Im Rahmen der zum ersten Mal von der Universitätsmedizin Mainz
ausgerichteten Klara Marie Faßbinder-Gastprofessur werden – vorwiegend
digitale – Lehrveranstaltungen zu Genderaspekten in verschiedenen
medizinischen Fachbereichen, beispielsweise der Pharmakologie, der
Kardiologie und weiteren Fächern der Inneren Medizin angeboten. Die
Organisation und Durchführung der Gastprofessur liegt in den Händen des
Frauen- und Gleichstellungsbüros der Universitätsmedizin Mainz.

Teilnehmen können neben den Studierenden auch Mitarbeitende der
Universitätsmedizin Mainz und Interessierte aus der Öffentlichkeit. Den
Auftakt des Programms bildet die Online-Antrittsvorlesung zum Thema
„Exzellente Medizin ist geschlechtersensibel“ am Mittwoch, 5. Mai 2021, um
16.00 Uhr.

Eine Anmeldung zur Teilnahme an der Antrittsvorlesung ist per E-Mail
an gleichstellung@unimedizin-mainz.de möglich.

Weitere Informationen zur Gastprofessur, zu Dr. Ute Seeland und zum
Semesterprogramm im Internet: www.unimedizin-mainz.de/gleichstellung

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Wie Fluoride Kinderzähne schützen

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über die aktuelle Strategie zum
Vorbeugen von Karies im Kindesalter.

Zahnkaries ist eine der häufigsten Gesundheitsstörungen von Kindern auf
der ganzen Welt. Bei diesem langsam fortschreitenden Verfall der harten
Zahnsubstanzen bilden bestimmte Mundbakterien aus Kohlenhydraten
organische Säuren, die den harten Zahnschmelz auflösen und Löcher in die
Zähne fressen können. Dabei fördern in erster Linie Zucker, Süßigkeiten
und zuckerhaltige Getränke, z. B. in Nuckel-Fläschchen, den Zahnverfall,
berichtet die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme.

Die wissenschaftlichen Gesellschaften von Zahnärzten und Kinder- und
Jugendärzten weisen immer wieder auf die drei Säulen der Zahngesundheit
hin:

•       Auf zahngesunde Ernährung (vor allem mit Verzicht auf Süßes
zwischendurch),

•       auf regelmäßiges Zähneputzen schon bei älteren Säuglingen und
Kleinkindern, und

•       auf den Einsatz von Fluoriden.

„An der schützenden Wirkung dieser natürlichen Salze aus der Erdkruste
gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Zweifel“, betont Professor Dr.
Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Fluoride
härten den Zahnschmelz und machen die Zähne widerstandsfähiger. Sie hemmen
gleichzeitig die Ansiedlung und den Stoffwechsel von Bakterien im
Zahnbelag und schützen so den Zahnschmelz vor Zerstörung. Deshalb
empfehlen wir Kinder- und Jugendärzte in großer Einmütigkeit mit
Zahnärzten und Ernährungsexperten die Anwendung von Fluoriden schon für
Babys, Kleinkinder und Vorschulkinder zur Vorbeugung gegen Karies“.

Zu viel des Guten ist nicht gesund

Wie so oft, gilt aber auch hier: Zu viel des Guten ist nicht gesund. Nimmt
ein Kind zu viele Fluoride auf (z.B. weil es immer wieder große Mengen von
fluoridhaltiger Zahncreme beim Zähneputzen schluckt), können auf den
Zähnen weißliche bis gelblich-braune Verfärbungen entstehen. Manchmal sind
nur schmale, weiße Linien zu sehen, in anderen Fällen dagegen kalkige,
bräunliche Flecken. Die Verfärbungen werden als Zahnfluorose,
Schmelzfluorose oder Dentalfluorose bezeichnet.

Um diese meist harmlose, aber unter Umständen kosmetisch störende
Verfärbungen zu vermeiden, und gleichzeitig einen optimalen Schutz vor
Karies zu erzielen, haben jetzt wissenschaftliche Gesellschaften von
Kinder- und Jugendärzten, Zahnärzten und Ernährungswissenschaftlern mit
dem bundesweiten Netzwerk „Gesund ins Leben“ gemeinsame
Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen
Kindesalter erarbeitet.

Die empfohlenen Fluoridmengen sollen wirksam und zugleich sicher sein. Aus
diesem Grund enthalten die neuen Handlungsempfehlungen zum ersten Mal
nicht nur abstrakte Dosierungsangaben für die Zahncreme in Milligramm-
Mengen, sondern für alle Eltern verständliche und bildhafte Mengenangaben,
abgestimmt nach Altersstufen:

Von der Geburt bis zum Durchbruch der Milchzähne
Babys sollten bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns täglich ein
Kombinationspräparat aus Fluorid und Vitamin D in Tablettenform erhalten.
Das Vitamin D schützt das Kind vor der gefährlichen Knochenerweichung
Rachitis. Professor Berthold Koletzko: „Mit der Einnahme dieser Tablette
kann die empfohlene und sichere Dosis von Fluorid am zuverlässigsten
eingehalten werden“.

Vom Durchbruch der Milchzähne bis 12 Monate
Zusätzlich zur Fluoridtablette sollten die Eltern von den ersten Zähnchen
an das Kind allmählich und spielerisch an das Zähneputzen heranführen,
damit das Kind es gern geschehen lässt und sich an ein regelmäßiges
Zähneputzen gewöhnt.
Wichtig: Fluoridhaltige Tabletten sollten nicht mit einer fluoridhaltigen
Zahnpasta kombiniert werden!

Die neuen Handlungsempfehlungen bieten dazu zwei Vorgehensweisen an:

•       Bekommt das Kind weiterhin die kombinierte Tablette aus Fluorid
und Vitamin D, sollten die Zähne entweder ohne Zahnpasta oder nur mit
einer geringen Menge Zahnpasta ohne Fluorid geputzt werden.

•       Die zweite Möglichkeit: Die Rachitis-Prophylaxe wird mit einer
täglichen Tablette Vitamin D ohne Fluorid fortgeführt und die Zähne des
Kindes bis zu zweimal täglich mit einer sehr geringen Menge einer
Kinderzahnpasta mit Fluorid (mit 1.000 ppm Fluorid) geputzt. Doch Achtung:
wenn diese Option gewählt wird, ist genau darauf zu achten, lediglich eine
„reiskorngroße“ Menge (also höchstens 0,125 Gramm Zahnpasta) zu verwenden!

„Wird eine Zahnpasta mit Fluoridzusatz verwendet, ist eine genaue
Dosierung der empfohlenen Zahnpastamenge entscheidend, um eine zu hohe
Fluoridaufnahme und unerwünschte Wirkungen zu vermeiden“, betont Professor
Dr. Berthold Koletzko mit großem Nachdruck. „Babys und Kleinkinder können
Zahnpasta nämlich noch nicht ausspucken und verschlucken deshalb einen
großen Teil. Hinzu kommt die Gewohnheit vieler Eltern in Deutschland, beim
Putzen der Zähne ihres Kindes reichlich Zahnpasta zu verwenden, oft mehr
als das Vierfache der empfohlenen Mengen. Beim zweimal täglichen Putzen
können so zu große Mengen an Fluoriden im Kindermagen landen.“

12 bis 24 Monate: „Reiskorngroße“ Menge genau dosieren!
Es bleibt auch jetzt beim zweimal täglichen Putzen mit einer
reiskorngroßen Menge einer Kinderzahnpasta (mit 1.000 ppm Fluorid). Sie
sollte von den Eltern in einer möglichst korrekt dosierten Menge
aufgetragen werden, um eine zu hohe Aufnahme zuverlässig zu vermeiden.

Wünschenswert wäre jetzt auch eine fachliche Beratung und Schulung der
Familien über Mundhygiene, zahnschonende Ernährung, behutsame Zahnpflege
und korrekt dosierte Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta. Den geeigneten
Rahmen dazu bieten die Vorsorgetermine U6 und U7 beim Kinder- und
Jugendarzt sowie die zahnärztlichen Früherkennungs-Untersuchungen zwischen
dem 13. und 24. Lebensmonat, heißt es dazu in den neuen
Handlungsempfehlungen für das Netzwerk „Gesund ins Leben“.

24 Monate bis 72 Monate: Nun eine „erbsengroße“ Menge Zahncreme
In diesem Alter kommt zum morgendlichen und abendlichen Zähneputzen für
die meisten Kinder ein weiterer Putztermin in der KiTa oder im
Kindergarten hinzu. So bekommen neben den Eltern auch die dortigen
Betreuungspersonen die wichtige Aufgabe, beim Putzen auf die korrekte
Dosierung der Zahnpasta zu achten, nämlich auf eine lediglich
„erbsengroße“ Menge.

Karies auf dem Rückzug, trotzdem noch viel zu tun

Dank einer guten Versorgung durch Pädiater und Zahnärzte und dem breiten
Einsatz von Fluoridtabletten, später fluoridierten Zahncremes, sowie der
Verwendung von fluoridiertem Kochsalz im Haushalt, geht die
Karieshäufigkeit bei Kindern in Deutschland schon seit geraumer Zeit
eindrucksvoll zurück, berichtet die Stiftung Kindergesundheit erfreut. So
haben 12jährige Kinder heute im Mittel nur noch 0,5 kariöse, wegen Karies
gefüllte oder fehlende Zähne. 1997 lag dieser Wert noch bei 1,7. Im
internationalen Vergleich steht Deutschland damit sogar an einer
Spitzenposition, was die Zahnqualität von Kindern und Jugendlichen angeht.
Häufiger sind jedoch die Milchzähne angegriffen, die einen viel dünneren
Zahnschmelz aufweisen. Eine Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für
Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) zeigte bei jedem zehnten Dreijährigen (11,4
Prozent) ein behandlungsbedürftiges Gebiss.

Soziales Gefälle in der Zahngesundheit

Ein erhöhtes Kariesrisiko besteht nach allen aktuellen Studien für Kinder
aus Familien mit problematischem Ernährungs- und Mundhygieneverhalten und
mit niedrigem sozioökonomischem Status, außerdem für Kinder mit
Behinderungen und chronischen Krankheiten, betont die Stiftung
Kindergesundheit.

So zeigen die Ergebnisse der großen Kindergesundheitsstudie KiGGS Welle 2,
dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien seltener die Empfehlungen
zum täglichen Zähneputzen befolgen. Auch Kinder aus Familien mit
Migrationshintergrund erreichen seltener das empfohlene tägliche
Zähneputzen und nehmen auch seltener Fluoridsupplemente ein als Kinder aus
Familien ohne Migrationshintergrund.

Werbung verführt zu Überdosierung

Die Einhaltung der aktuellen Handlungsempfehlungen ist keine leichte
Aufgabe, betont die Stiftung Kindergesundheit. In der Werbung für
Zahncreme und sogar in Aufklärungsbroschüren werden immer wieder ganze
Zahnpasta-Stränge auf Zahnbürsten abgebildet (vgl. Bild). Dies sei eine
übertriebene Darstellung, die als Vorbild zu einer Überdosierung von
Fluoriden führen kann. Außerdem sind die vorgeschlagenen Mengen wie
„reiskorngroß“ (0,125 g) oder „erbsengroß“ (0,25 g) mit den derzeit
üblichen Tuben von Zahncremes nicht genau abmessbar.

Wünschenswert wären deshalb Produkte, die eine genaue Dosierung der
empfohlenen Höchstmenge an Zahnpasta ermöglichen:

•       Tuben für Kinderzahnpasta mit einem sehr kleinen Loch, sodass nur
ein sehr dünner Strang (Reiskorndurchmesser) aufgetragen werden kann;

•       eine klare, maßstabsgerechte Darstellung eines Reiskorns und einer
Erbse auf der Tube von Kinderzahncremes;

•       die feste Anbringung eines Dosierspenders an der Tube, um eine
präzise und richtige Dosierung zu ermöglichen.

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Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom

Das Forschungsteam der Molekularen Neurologie an der Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) hat einen unmittelbaren Zusammenhang
zwischen der Schädigung des Kleinhirns und Gleichgewichts- sowie
Gangstörungen beim atypischen Parkinson-Syndrom aufgezeigt. Die Ergebnisse
wurden kürzlich im Fachjournal Acta Neuopathologica Communications
veröffentlicht.

Wer am atypischen Parkinson erkrankt ist, leidet neben den klassischen
Symptomen wie Muskelsteifheit und Zittern noch an weiteren Symptomen, die
bisher unheilbar und nur begrenzt symptomatisch behandelbar sind.
Betroffene leiden vor allem unter schweren Gleichgewichts- und
Gangstörungen sowie niedrigem Blutdruck, Inkontinenz und Verstopfung.

Ein FAU-Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Winkler,
Molekular-Neurologische Abteilung in der Neurologischen Klinik, und Prof.
Dr. Stephan von Hörsten, Professur für Experimentelle Biomedizin, haben
zusammen mit einem Team der Universität Regensburg einen wichtigen
Zusammenhang aufgezeigt: Sie stellten fest, dass beim atypischen Parkinson
ein instabiler Gang mit speziellen Nervenzellverlusten im Kleinhirn
assoziiert ist. Außerdem entdeckten sie, dass bestimmte Gangmuster mit der
Schwere der Erkrankung einhergehen und somit zur Vorhersage des
Krankheitsverlaufs geeignet sind. Das Wissen könnte zukünftig eingesetzt
werden, um neue Therapieansätze zu testen.

Zur Originalpublikation:
DOI: 10.1186/s40478-021-01166-x
Human alpha-synuclein overexpressing MBP29 mice mimic functional and
structural hallmarks of the cerebellar subtype of multiple system atrophy.

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