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Gesundheit

Vereinen, nicht verschließen

Das 1995 am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden gegründete „Interdisziplinäre Zentrum für die Behandlung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“ feiert am Sonnabendvormittag (12. Dezember) mit Patienten, einweisenden Ärzten und Experten anderer Kliniken sein
20-jähriges Bestehen. Das Spaltzentrum, in dem vor allem die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie die Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und die Poliklinik für Kieferorthopädie zusammenarbeiten, hat bis heute 853 Kinder operiert, die an verschiedenen Formen der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte leiden. Zudem werden derzeit rund 300 Patienten in der interdisziplinären Spaltsprechstunde betreut.


Für die meisten Eltern ist es erst einmal ein Schock, wenn sie im Rahmen der Schwangerschafts-

Ultraschalluntersuchung erfahren, dass ihr Kind mit einer Form der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zur Welt kommen wird. Wenige Klicks im Internet reichen aus, um Bilder von Babys zu sehen, in deren Gesichtern eine fingerbreite Spalte klafft, die oft von einem der Nasenflügel bis zur geteilten Oberlippe führt. Auch für Familie Eisold aus der Oberlausitz folgte der Diagnose eine schlaflose Nacht. Doch der erste Schrecken verflog schnell. „Es war ein kleiner süßer Knirps“, erinnert sich Bastians Mutter heute daran, wie sie ihren Sohn zum ersten Mal in die Arme nahm. Zuversicht nach der ersten Diagnose vermittelt in solchen Situationen auch Prof. Günter Lauer, seit 2011 Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Dresdner Uniklinikums. Gemeinsam mit seinem Team sorgt der erfahrene Chirurg dafür, dass bei einem Kind mit dieser Form der Gesichtsfehlbildung bereits zum ersten Geburtstag die in Nase, Lippe, Kiefer und Gaumen verlaufene Spalte verschlossen ist. So auch bei dem heute eineinhalbjährigen Bastian, der nach einer Kontrolluntersuchung im Klinikum vergnügt über den Spielplatz tollt.

Um diese Fehlbildungen umfassend und mit den größten Erfolgsaussichten zu behandeln, gründeten die Kliniken Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie die Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und die Poliklinik für Kieferorthopädie 1995 das „Interdisziplinäre Zentrum für die Behandlung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten“. „Dieser Zusammenschluss mehrerer Kliniken zur fachübergreifenden Versorgung von Patienten war damals ein Novum am Uniklinikum. Heute ist es in vielen Fachgebieten eine Selbstverständlichkeit, in Zentren zusammenzuarbeiten. So ist das 2003 gegründete Universitäts KrebsCentrum in Deutschland Vorreiter und Vorbild einer interdisziplinären Versorgung von Tumorpatienten geworden. Von unserem Know-how beim Aufbau verbindlicher, fachübergreifender Strukturen profitieren heute sehr viele Patienten. Das ist ein wichtiger Aspekt einer gelebten Maximalversorgung auf universitärem Niveau“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Universitätsklinikums. Heute versorgen mehr als zehn solcher Zentren die Patienten des Klinikums. Das Spektrum erstreckt sich dabei von der Allergologie über die Gefäßmedizin und Schmerztherapie bis zu den seltenen Erkrankungen und die Protonentherapie.
Tieferes Verständnis der Gewebestrukturen leitet die Operateure
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zählen zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Sie treten bei einer von 500 Geburten auf. Die Spalten entstehen zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft. Ursache ist vermutlich das Zusammentreffen von Umwelteinflüssen, Erblichkeit oder andere innere Faktoren, die die Entwicklung des Embryos stören: Eigentlich wachsen die beiden embryonalen Segmente im Bereich der Lippen und des Kiefers bereits in der fünften und siebten Schwangerschaftswoche zusammen; im zweiten oder dritten Schwangerschaftsmonat folgt der Gaumen. Abhängig vom Zeitpunkt einer Störung kommt es zu einer mehr oder weniger unvollständigen Vereinigung dieser Bereiche, so dass verschiedene Spaltformen entstehen.
Die chirurgische Versorgung dieser Fehlbildungen hat in den vergangenen dreißig bis vierzig Jahren enorme Fortschritte gemacht. Früher wurde die Spalte als Lücke interpretiert, die es mit Gewebe zu verschließen galt. Von diesem Verständnis haben sich Prof. Lauer und sein Vorgänger und Zentrumsgründer Prof. Uwe Eckelt von Beginn an verabschiedet: „Bei einer Spalte fehlt eigentlich nichts, man muss eigentlich nur alle Strukturen miteinander vereinigen – also Schleimhaut zu Schleimhaut, Muskel zu Muskel, Haut zu Haut“ erläutert Prof. Lauer. Deshalb werden am Dresdner Zentrum operative Techniken benutzt, die die vorhandenen Gewebestrukturen anatomisch korrekt miteinander vereinigen, statt die Spalte durch Verschiebung von ortsfremdem Gewebe zu verschließen. Insbesondere bei der Nase korrigieren die Spalt-Experten die Scheidewand, heben die Nasenspitze an und schaffen einen Nasenboden sowie -eingang und bringen den zur Seite abgewichenen Nasenflügel in die richtige Position. Weil die Kinder in den ersten Lebensjahren schnell wachsen, hilft sich der Körper danach zum großen Teil selbst. Zudem lässt sich durch bestimmte OP-Verfahren das Wachstum der Mittelgesichtsregion stimulieren. Ist zum Beispiel ein Gaumen samt darunterliegendem Knochen offen, reicht es oft aus, Knochenhaut, Muskeln und Schleimhaut zusammenzuführen. Die Verknöcherung darunter geschieht dann ohne weiteres Zutun der Ärzte. Nur in schweren Fällen kann es unter Umständen nötig sein, etwas Knochengewebe aus dem Beckenkamm zu entnehmen und in den Oberkiefer einzufügen. Dank aktueller Forschungsprojekte, an denen auch die Dresdner Hochschulmedizin beteiligt ist, könnten künftig auch Biomaterialien und körpereigene Zellen genutzt werden.

Dank der modernen, ausgereiften Behandlungsmethoden lassen sich diese Fehlbildungen heute so korrigieren, dass sich Nahrungsaufnahme, Sprache und Gehör in den ersten Lebensjahren normalisieren. „Spätestens zur Einschulung sollten möglichst alle Voraussetzungen geschaffen sein, um die weitere ungestörte Entwicklung des Kindes in der normalen Schulumgebung zu gewährleisten. Idealerweise fallen dann Unterschiede zu gleichaltrigen Mitschülern kaum noch auf“, erklärt Prof. Lauer. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten Ärzte und medizinisches Fachpersonal der Fächer Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, der HNO mit der dazugehörigen Phoniatrie sowie Pädaudiologie, der Kieferorthopädie und Sprachtherapie zusammen. Das Behandlungsteam trifft sich regelmäßig mit den kleinen Patienten und deren Eltern in der Spaltsprechstunde zu regelmäßigen Kontrollterminen, um die Entwicklung des Kindes zu verfolgen. So lassen sich zum Beispiel Zahnfehlstellungen oder Sprachentwicklungsstörungen frühzeitig erkennen und entsprechende Therapien einleiten.

Kontakt
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Direktor: Prof. Dr.med. Dr. med. dent. Günter Lauer
Tel. +49 (0)351 458-3382
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Web: www. uniklinikum-dresden.de/mkg
Weitere Informationen finden Sie unter
uniklinikum-dresden.de/mkg

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Kosten für Physiotherapie wachsen um ein Drittel in fünf Jahren

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Physiotherapie sind in den vergangenen Jahren um 33,7 Prozent von 3,05 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf 4,08 Milliarden Euro im Jahr 2014 gestiegen. Dies geht aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion an die Bundesregierung hervor, die der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" vorliegt.

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Ist ein Studium der Zahnmedizin das richtige für mich? - Schnuppern in Witten hilft entscheiden

Am 21. und 22. April 2016 können Interessierte an der UW/H probeweise Zahnmedizin studieren / Bewerbungen ab dem 16. Januar 2016 möglich


Reicht meine Fingerfertigkeit aus, um mit dem Bohrer neben dem Absauger in der engen Mundhöhle präzise zu arbeiten? In einer mehrstündigen Praxisübung können 50 Schnupperstudierende den manuellen Selbsttest am Phantomkopf machen. Um das eigene Geschick in puncto Bohren, Füllen und Präparieren auszuprobieren, steht den Teilnehmern das Übungsmodell mit Gebiss als geduldiger und schmerzfreier Testpatient zur Verfügung.

Den Beruf des Zahnarztes oder der Zahnärztin kennen die meisten nur aus der Patientenperspektive. Wie es sich auf der anderen Seite des Bohrers anfühlt und ob ein zahnmedizinisches Studium tatsächlich den eigenen Vorstellungen entspricht, will diese Veranstaltung vermitteln und klären.

Die Schnupperstudierenden nehmen während der zwei Tage an fachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen teil, probieren sich in praktischen Übungseinheiten und bekommen Einblicke in die speziellen Angebote der Universität, wie zum Beispiel dem interdisziplinärem Studium fundamentale. Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer Gelegenheit, sich mit Professoren und Oberärzten der Zahnklinik auszutauschen. Zahnmedizinstudierende aus verschiedenen Semestern betreuen das Schnupperstudium und stehen mit Rat und Tat zur Seite, um alle Fragen der Teilnehmer zu beantworten.

„Ich habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt. Die Betreuung war gut, ebenso wie die gesamte Gruppe. Besonders viel Spaß hat mir die praktische Arbeit gemacht. Toll war auch, dass jeder immer ansprechbar war“, berichtet Emma Puhl, die im letzten Oktober am Schnupperstudium teilgenommen hat. „Ich sehe sehr viel klarer auf meinen zukünftigen Weg. Die zwei Tage waren dafür sehr hilfreich. Ich bin mir ganz sicher, mich um einen Studienplatz für Zahnmedizin an der UW/H zu bewerben, um mein Studium dort zu absolvieren.“

50 begehrte Teilnehmerplätze vergibt die Universität Witten/Herdecke in einem Auswahlverfahren an alle interessierten Schüler und Quereinsteiger. Die Kosten (inkl. Verpflegung, Unterbringung und Materialkosten) betragen 475 Euro. Zehn Plätze werden für Bildungs-Pioniere als Stipendien zur Verfügung stehen. „Bildungs-Pioniere sind für uns Menschen, die als Erste in ihrer Familie studieren“, erläutert Prof. Zimmer. „Ich komme selbst aus einer Arbeiterfamilie und begrüße die Regelung, zehn Interessenten ohne akademischen Hintergrund die Teilnahme zu ermöglichen. Damit möchten wir die gewünschte Heterogenität bei der Schnupperveranstaltung und auch später im Studium sicherstellen.“ Das Schnupperstudium organisiert das Team Campus Relations mit dem Departement Zahnmedizin und über 20 aktuellen Studierenden.

Interessierte können sich vom 16. Januar bis zum 29. Februar 2016 auf der Webseite www.uni-wh.de/schnupperstudium für die Teilnahme am Schnupperstudium Zahnmedizin bewerben.

Weitere Informationen:
zum Schnupperstudium: www.uni-wh.de/schnupperstudium
zum Studium der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: www.uni-wh.de/zmk
zum Studium fundamentale: www.uni-wh.de/stufu

Weitere Informationen außerdem bei Sabine Stratmann unter 02302 / 926-901 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.200 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uni-wh.de/schnupperstudium

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Deutsche Leberstiftung veröffentlicht Real World-Daten aus dem Deutschen Hepatitis C-Register

Um die Behandlung der chronischen Hepatitis C zu optimieren, hat die Deutsche Leberstiftung im Herbst 2014 das „Deutsche Hepatitis C-Register“ gestartet. Mit über 9.000 Patienten ist es eines der weltweit größten Register zu dieser Erkrankung. Nach nur einem Jahr liegen die ersten Auswertungen zu Sicherheit und Effektivität der neuen Therapien vor. Diese belegen weitestgehend die hohe Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit der neuen Medikamente gegen Hepatitis C.


Die chronische Hepatitis C kann inzwischen gut therapiert werden. Zum optimalen Einsatz der neuen Medikamente sind allerdings noch Daten aus dem „Real World-Setting“ notwendig. Diese Daten werden im Deutschen Hepatitis C-Register erhoben. Mit den so gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen kann die Versorgung der Patienten mit einer Hepatitis C enorm verbessert werden.

Um das Register zu führen, hat die Deutsche Leberstiftung eine GmbH gegründet, deren alleinige Gesellschafterin sie ist. Die „Leberstiftungs-GmbH Deutschland“ ist für das Deutsche Hepatitis C-Register verantwortlich. Die Durchführung des Registers erfolgt in Kooperation mit dem Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands e. V. (bng).

Die Dokumentation im Register läuft sehr erfolgreich und deutlich besser als erwartet. In den ersten zehn Monaten der Dokumentation wurden über 7.600 Patienten mit mindestens einer abgeschlossenen Visite und zusätzlich über 1.700 Patienten, bei denen noch keine Visite abgeschlossen wurde, im Register angelegt. So liegen bereits ein Jahr nach Start des Registers viele wichtige Daten vor, die ausgewertet werden können.

Wie wichtig das Register ist, zeigen die ersten Datenauswertungen. Bereits auf dem Kongress „Viszeralmedizin 2015“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) im September 2015 konnten in einem Kurzvortrag erste Daten präsentiert werden. Für das Liver Meeting® 2015 der AASLD (American Association for the Study of Liver Diseases) wurde ein Poster mit den Register-Daten angenommen.
Für die ersten Auswertungen zur Effektivität und Sicherheit der neuen Therapien konnten Daten von 7.422 Patienten berücksichtigt werden, die von 233 Praxen und Kliniken im Register erhoben wurden. Diese Auswertungen bestätigen grundsätzlich die hohe Wirksamkeit der neuen direkt antiviralen Medikamente im „Real World-Setting“. Dabei wurden die HCV-Genotypen, besondere Patientengruppen und Therapiedauern berücksichtigt.

Patienten mit HCV-Genotyp 1
Die größte Gruppe der dokumentierten Patienten sind mit dem HCV-Genotyp 1a oder 1b infiziert. Für diese Patienten wurde die hohe Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit der neuen Medikamente gegen Hepatitis C bestätigt. Mit den verschiedenen Therapiekombinationen konnten zwischen 79% und 92% der ausgewerteten Patienten mit einer Genotyp 1-Virusinfektion geheilt werden (Intention-to-Treat-Analyse – ITT), wobei zu berücksichtigen ist, dass die Patienten-Charakteristika für die einzelnen Therapiekombinationen unterschiedlich sind.

Patienten mit HCV-Genotyp 2
Nicht bei allen Betroffenen wurden die Ergebnisse der Zulassungsstudien in vollem Umfang bestätigt. Patienten, die mit dem Genotyp 2 des Hepatitis C-Virus infiziert sind, zeigten in der breiten Anwendung eine schlechtere Heilungsrate als in den klinischen Phase III-Studien, wie die Daten aus dem Register belegen. Bei der am häufigsten verwendeten Therapiekombination Sofosbuvir und Ribavirin konnte nur für 89 von 119 Patienten (75%) eine Ausheilung dokumentiert werden. Die Heilungsrate war insbesondere bei Genotyp 2-Patienten mit Leberzirrhose (63%) und bei vorbehandelten Patienten (68%) schlechter als im Durchschnitt (ITT). „Hier werden wir weitere Auswertungen vornehmen, um herauszufinden, welche Faktoren für den Erfolg der Therapie wichtig sind“, stellt Dr. Stefan Mauss vom Medizinischen Versorgungszentrum Düsseldorf, einer der Koordinatoren dieser Auswertung, klar. „Damit haben wir die Chance, die Behandlung auch für die Patienten mit dem HCV-Genotyp 2 zu verbessern, zumal hierfür bald neue, bessere Medikamente zugelassen werden.“

Patienten mit HCV-Genotyp 3
Die Behandlung von Patienten mit dem HCV-Genotyp 3 stellt weiterhin eine große Herausforderung dar. Interferon-freie Therapien zeigten Ausheilungsraten zwischen 70,9% (ITT) und 88,2% (PP), abhängig von der Therapiekombination und Adhärenz des Patienten und bestätigen somit auch für diesen Subtyp die hohe Effektivität dieser Behandlungen. Weiterhin kann für den HCV-Genotyp 3 auch die Therapie mit pegyliertem Interferon von Bedeutung sein. Im Register zeigt sich eine Effektivität der Therapie von Sofosbuvir mit pegyliertem Interferon und Ribavirin. 91,7%, also 132 von 144 Patienten konnten mit dieser Kombination über zwölf Wochen geheilt werden (Per-Protocol-Analyse – PP).

Patienten mit HCV-Genotyp 4
Im Register wurden bereits über 200 Therapien von Patienten mit dem seltenen HCV-Genotyp 4 dokumentiert. Die Auswertungen zeigen, dass die Heilungsraten zwischen 69,2% und 92,3%, abhängig von der Therapie lagen (ITT).
Besonders für die seltenen Subtypen der Hepatitis C, die in den Zulassungsstudien nur unzureichend dargestellt sind, ist das Deutsche Hepatitis C-Register elementar, um entsprechende Daten zu generieren.

Patienten, die älter als 70 Jahre sind
Die Auswertung zu Patienten, die älter als 70 Jahre sind, zeigt, dass für diese Gruppe die
neuen Behandlungen ebenfalls wirksam und sicher sind. Da die Patientengruppe bei den Zulassungsstudien nur in kleiner Zahl berücksichtigt wurde, ist dies eine wichtige Erkenntnis. Bei Patienten, die über 70 Jahre alt sind, betrug die durchschnittliche Heilungsrate 88,6%. Jüngere Patienten heilten in 90,3% der Fälle aus (PP). Entscheidend für den Therapieerfolg ist die individualisierte Therapie, die Auswahl der für den jeweiligen Patienten am besten passenden Therapiekombination. „Das Register bietet wegweisende Erfahrungswerte für den klinischen Alltag und steigert unser Vertrauen in die neuen Therapien auch für ältere Menschen“, betont Priv. Doz. Dr. Tania M. Welzel vom Universitätsklinikum Frankfurt, die diese Auswertung betreut hat, die Bedeutung der vorliegenden Daten.

Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose
Eine weitere und besondere Patientengruppe sind Menschen mit fortgeschrittener Leberzirrhose. Im Register wurden Behandlungen von mehr als 550 dieser schwerkranken Patienten dokumentiert. Es konnte eine Ausheilung in durchschnittlich 82,8% der Fälle erreicht werden. Abhängig ist die Heilungsrate u. a. vom HCV-Genotyp. Beim Genotyp 1 lag die Heilungsrate beispielsweise bei 86,3%, beim Genotyp 3 bei 68,5% (ITT). Die Auswertungen der Registerdaten zeigen, dass sich die Leberfunktion auch bei fortgeschrittener Zirrhose bereits im Therapie-Verlauf und danach deutlich verbessert. Prof. Dr. Thomas Berg vom Universitätsklinikum Leipzig erläutert die Bedeutung der Daten: „Damit können wir bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose durch die Behandlung der zugrundeliegenden Hepatitis C die Lebensqualität und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Es werden deutlich seltener Lebertransplantationen notwendig werden.“

Verkürzte Therapiedauer
Neben besonderen Patientengruppen wurde eine verkürzte Therapie mit Ledipasvir/Sofosbuvir untersucht, die deutlich kostengünstiger als die Standard-Therapie wäre. Die ersten Auswertungen dazu belegen den hohen Erfolg der Hepatitis C-Therapien auch bei einer kürzeren, acht Wochen dauernden Therapie. Von 262 Patienten, die mit verkürzter Dauer behandelt wurden, heilten 232 Patienten ihre Hepatitis C aus und 13 Patienten hatten einen Rückfall nach Therapieende (ITT). Bei 17 Patienten lagen keine Daten für den Kontrollzeitpunkt (Woche 12 nach Therapieende, SVR 12) vor. „Die Möglichkeit einer kürzeren Behandlung besteht für viele Patienten. Das Deutsche Hepatitis C-Register umfasst bereits jetzt eine große Anzahl von Patienten, die erfolgreich in acht Wochen behandelt werden konnten. Damit sind wesentliche Analysen möglich, die zeigen, unter welchen Bedingungen die Therapie verkürzt werden kann“, erklärt Dr. Peter Buggisch vom ifi-Institut für interdisziplinäre Medizin. „Das wird auch in Zukunft ein spannendes Thema sein, zu dem wir mehr Daten erheben müssen.“

„Es ist ein großer Erfolg, dass wir bereits ein Jahr nach dem Beginn der Dokumentation so viele gut auswertbare Daten haben“, betont Dr. Dietrich Hüppe, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Hepatitis C-Registers. „Wir danken allen Ärzten in Kliniken und Praxen sowie allen Studienassistenzen, die in diesem Register mitwirken und so einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Hepatitis C-Therapie leisten.“

Das Deutsche Hepatitis C-Register ist weltweit eine der wichtigsten Datenquellen für die Beurteilung der Hepatitis C-Therapie. Das zeigen auch diese Auswertungen.
Finanziell unterstützt wird das Register von den Firmen AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG, Bristol-Myers Squibb GmbH & Co.KGaA, Gilead Sciences GmbH, Janssen-Cilag GmbH, MSD Sharp & Dohme GmbH und Roche Pharma AG. Die inhaltlichen Vorbereitungen für die Durchführung des Registers erfolgten mit finanzieller Unterstützung des DZIF (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung).
Die Abbildung „Deutsches Hepatitis C-Register: Behandlungserfolg der neuen Therapien bei Patienten mit dem HCV-Genotyp 1, Auswertung vom 15.09.2015“ stellen wir Ihnen gern in druckfähiger Auflösung zur Verfügung (siehe Anhang dieser Mail).

 
www.deutsche-leberstiftung.de

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