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Gesundheit

Berliner Institut für Gesundheitsforschung fördert neue Anwendungen in der Medizintechnik

Vom Prototyp zum Medizinprodukt: Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) unterstützt Forscherinnen und Forscher bei der Prototypentwicklung von Medizinprodukten. Drei Vorhaben werden jetzt vom BIH mit jeweils bis zu 50.000 Euro gefördert.


Mit dem ersten Projekt wird der Bau eines Prototypen zur Blutdruckmessung bei Patientinnen und Patienten unterstützt, bei denen die gebräuchlichen Messsysteme nicht angewendet werden können – zum Beispiel Thalidomidgeschädigte. Thalidomid ist vor allem unter dem Namen „Contergan“ bekannt. Dr. Ulrich Kertzscher vom Labor für Biofluidmechanik (Charité) hat ein nicht-invasives Messverfahren für diese Patientinnen und Patienten entwickelt. Das neu entworfene Blutdruckmessgerät soll an Thalidomidgeschädigten validiert werden, langfristig soll es auch für Patientinnen und Patienten mit anderen Indikationen nutzbar sein.

Die Entwicklung eines „intelligenten“ intravenösen Katheters wird mit dem zweiten Projekt aus der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Campus Benjamin Franklin gefördert. Um die Versorgung zu verbessern, entwickelten Dr. Michael Notter und sein Team einen technologisch vernetzten Katheter, der es ermöglicht, Prätransfusionsproben in der Routineversorgung und am Unfallort automatisiert, schnell und verwechslungsfrei zu gewinnen. Radiofrequenz- und mobile Computertechnik unterstützen das ärztliche Personal am Krankenbett darin, Fehler bei der Verabreichung zu vermeiden; Prozessschritte werden automatisch dokumentiert. Michael Notter erwartet, dass die so verbesserten Prozesse nicht nur die Patientensicherheit erhöhen, sondern auch das Personal entlasten werden.

Aus dem Bereich der Intensivmedizin stammt das dritte geförderte Projekt. Dabei geht es darum, dem Delir vorzubeugen, einer akuten Funktionsstörung des Gehirns. Sie tritt insbesondere bei Patientinnen und Patienten sehr häufig auf, die intensivmedizinisch behandelt werden. Präventionsmaßnahmen von Delirien können sich nachweislich positiv auf das Überleben und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten im Anschluss an die Behandlung auswirken. Mit den gewährten Fördermitteln wird Dr. Alawi Luetz (Charité) die notwendige Steuersoftware eines optischen Bespielungssystems weiter verbessern, um diese zur Marktreife zu bringen.

Die drei vom BIH Technologietransferfonds Medizintechnik 2015 geförderten Projekte wurden Ende Juni 2015 von einer externen Expertenkommission in Rahmen eines zweistufigen Verfahrens ausgewählt. Antragsberechtigt waren Forscherinnen und Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC).

Über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH)

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) wurde 2013 gegründet. Es ist ein Zusammenschluss der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) mit dem Ziel, translationale Medizin basierend auf einem systemmedizinischen Ansatz und durch die beschleunigte Übertragung von Forschungserkenntnissen in die Klinik sowie die Rückkoppelung klinischer Befunde in die Grundlagenforschung voranzubringen. Seit April 2015 ist das BIH selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts, Charité und MDC sind darin eigenständige Gliedkörperschaften. Das Institut wird mit neuen wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen in der Biomedizin neue diagnostische, therapeutische und präventive Ansätze in der Medizin und damit für die Gesundheit der Menschen schaffen.
 
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.bihealth.org

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Macht Krankheit arm oder Armut krank?

Medizinsoziologe referierte über soziale Einflüsse auf gesundheitliche Versorgung

Oldenburg. Macht Krankheit arm oder Armut krank? Über „Soziale Einflüsse auf die gesundheitliche Versorgung“ berichtete Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck vom Institut für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf Einladung von Dr. Frauke Koppelin, Professorin für Gesundheitswissenschaften beim Master-Studiengang Public Health an der Jade Hochschule am Studienort Oldenburg.


Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, ob alle gesundheitlichen Ungleichheiten ungerecht sind? Doch wie entstehen Ungleichheiten überhaupt? Dass Bildung und Einkommen dabei eine Rolle spielen, ist unbestritten, sagt der Medizinsoziologe. Aber es gibt noch weitere Ursachen, wie zahlreiche Studien belegen. Denn in skandinavischen Ländern, die ein staatliches organisiertes Gesundheitssystem haben, treten vergleichbare Phänomene auf wie in Deutschland.

Einkommen und Lebenserwartung zeigen einen sozialen Gradienten. Je mehr jemand verdient, umso länger lebt man statistisch gesehen. Das kann einen Unterschied von bis zu elf Jahren ausmachen, wie der Referent anhand von Studien darstellte. Das gilt auch für den Bildungsstand. „Je niedriger die Bildung, umso höher ist das Risiko früher zu sterben“, berichtet von dem Knesebeck. Aber auch innerhalb einer Stadt kann die Lebenserwartung sehr unterschiedlich sein. Im Glasgower Stadtteil Calton ist die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern 54 Jahre, im Glasgower Stadtteil Lenzie hingegen 82 Jahre.

Tatsächlich wird über die Lebenserwartung auch im Mutterleib entschieden. Schwangere mit niedrigem Sozialstatus haben nicht selten ein ungünstigeres Gesundheitsverhalten und rauchen häufiger als Schwangere mit höheren Sozialstatus. Folge: Sie bringen kleinere und leichtere Kinder zur Welt. Sind wir dann auf der Welt, entwickeln wir andere gesundheitsschädigende Verhaltensweisen. Wir rauchen, essen zu viel und falsch, wir bewegen uns zu wenig und trinken Alkohol, wobei der vor allem von höheren Bildungsschichten konsumiert wird. Schließlich wirken sich auch familiäre und berufliche Belastungen und unsere sonstigen sozialen Beziehungen auf unsere Gesundheit aus.

Entscheidend für unsere Gesundheit sind zudem der Zugang und die Inanspruchnahme unseres gesundheitlichen Versorgungssystems. So ist bewiesen, dass Präventionsangebote vor allem höhere Bildungsschichten in Anspruch nehmen. Vor und nach einer Präventionskampagne in Hamburg wurden Menschen zu ihrem Wissensstand befragt. Nach Abschluss der Kampagnen wussten diejenigen, die ohnehin schon viel wussten, noch mehr. Offenbar, so bemerkte von dem Knesebeck, finden die Kampagnen an Orten statt, die eher höhere Bildungsschichten ansprechen.

Auch Wartezeiten, Zuzahlungen oder die Kommunikation zwischen Arzt und Patient wirken sich aus. Denn je schneller ein Kranker behandelt wird und dabei möglichst genau versteht, was er hat und wie er sich idealerweise verhalten sollte, umso größer ist seine Chance auf Gesunderhaltung. Gleichwohl stellte der Medizinsoziologe abschließend klar, dass es keine Indikatoren gibt, die den Einfluss des Versorgungssystems umfassend und valide abbilden.

Die Veranstaltung war im weiterbildenden Master-Studiengang Public Health angesiedelt und ist Teil des Curriculums.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://tgm.jade-hs.de/web/file/Weiterbildungsmaster_Public_Health.php
http://www.jade-hs.de/jadewelt/vermischtes/detailseite/article/macht-krankheit-arm-oder-armut-krank/

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Herzgesund reisen – neueste Ausgabe des Magazins „herzblatt“ der Deutschen Herzstiftung erschienen

Die aktuelle Ausgabe von „herzblatt“, der Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) und deren Angehörigen, nimmt sich des Schwerpunktthemas Reisen an.
Ob Kinder mit angeborenem Herzfehler in den Urlaub fahren können, ist eine der häufigsten Fragen, die Eltern im Alltagsleben stellen. Was ist dabei zu beachten? Gibt es Urlaubsländer, die man bevorzugen und andere, die man aus gesundheitlichen Gründen besser meiden sollte. Welche Medikamente und Unterlagen müssen die Reisenden mitnehmen? Prof. Dr. med. Michael Hofbeck vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Tübingen erläutert in der neuesten „herzblatt“-Ausgabe, wie Betroffene herzgesund reisen können. In einem weiteren Beitrag zum Schwerpunktthema schildern eine herzkranke Austauschschülerin und deren Mutter, welche Erfahrungen sie mit der Organisation eines Auslandsjahres und dem Aufenthalt der Schülerin im fremden Land gemacht haben und geben praktische Tipps.

Wenn das Herz aus dem Takt kommt – moderne Behandlungsstrategien
Im medizinischen Hauptbeitrag der aktuellen Ausgabe von „herzblatt“ erklärt Prof. Dr. med. Gabriele Hessling vom Deutschen Herzzentrum München, wie Herzrhythmusstörungen bei Kindern und Jugendlichen heute behandelt werden: Bei einem von 100 ansonsten herzgesunden Kindern lassen sich Rhythmusstörungen nachweisen. Zumeist sind sie harmlos und beeinträchtigen das Wohlbefinden nicht. Bei Herzrhythmusstörungen, die sich als gesundheitlich bedenklich erweisen, verfügt die Medizin heute über verschiedene Therapieverfahren – von Medikamenten über die Katheterablation bis hin zu implantierbaren elektronischen Hightech-Geräten. Eine große Infografik lässt die Leser in ein elektrophysiologisches Herzkatheterlabor blicken und veranschaulicht moderne Diagnose- und Therapieverfahren.

Aus der Forschung – Freizeittipps – Aktuelles aus der Kinderherzstiftung
Beiträge der Rubrik „Aus der Forschung“ erläutern, wie Verschlechterungen der Kreislaufsituation bei der sogenannten Fontan-Zirkulation frühzeitig festgestellt und inwieweit schwere angeborene Herzfehler die kognitiven Fähigkeiten beeinflussen, wie sie rechtzeitig erkannt und wirksam behandelt werden können.
Weitere Artikel beschreiben den erfolgreichen Weg von jungen EMAH-Patienten in den Beruf oder berichten von der „Skifreizeit“, einem Projekt der Kinderherzstiftung, an dem in diesem Jahr über 20 herzkranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen elf und 21 Jahren teilgenommen haben. Ein Comicstrip eigens für kleine herzkranke Kinder, Freizeittipps für die Familie und aktuelle Nachrichten aus der Kinderherzstiftung – etwa, was der kürzlich erschienene Deutsche Herzbericht zur Situation der Kinderkardiologie in Deutschland sagt – runden das über 60 Seiten starke Magazin ab.

Das Magazin „herzblatt“ erscheint viermal jährlich. Es wendet sich an Eltern, deren Kind mit einem Herzfehler zur Welt kam, an die heranwachsenden Kinder und an junge Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). Das Magazin erhalten Mitglieder der Kinderherzstiftung kostenfrei. Interessierte Nicht-Mitglieder erhalten die aktuelle Ausgabe 2/2015 als Probeheft kostenfrei bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Bockenheimer Landstr. 94-96, 60323 Frankfurt a. M., Tel. 069 955128-0, oder per E-Mail unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.


www.herzstiftung.de
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.kinderherzstiftung.de/herzblatt_online.php

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Seltene hochkontagiöse und lebensbedrohliche Krankheiten sind Thema im Bundesgesundheitsblatt

Infektionserreger wie zum Beispiel Ebolaviren oder Pestbakterien, die lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen und von Mensch zu Mensch übertragen werden können, werden sehr selten in Industrieländer eingeschleppt. Würden in Deutschland solche seltenen Erkrankungen rasch erkannt? Welche Maßnahmen sind bei begründeten Verdachtsfällen zu treffen? Was sollten Ärzte über das im Südosten Europas vorkommende Krim-Kongo-Fieber wissen? Seltene hochkontagiöse und lebensbedrohliche Krankheiten sind mit insgesamt zehn Beiträgen Schwerpunktthema der soeben erschienenen Juli-Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts.

Bei Verdacht auf eine gefährliche übertragbare Krankheit ist es primär die Aufgabe des Gesundheitsamtes, die Bevölkerung zu schützen und Maßnahmen zur Verhinderung der Weiterverbreitung der Infektionskrankheit zu veranlassen. Das Gesundheitsamt bezieht situationsabhängig die Landesgesundheitsbehörden, spezialisierte Zentren und weitere Experten ein. „Für eine rasche und kompetente Reaktion müssen Gesundheitsämter ausreichend ausgestattet und vernetzt sein“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. Das Robert Koch-Institut ist als nationales Public-Health-Institut und Forschungseinrichtung Leitinstitut und Ratgeber für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Das RKI ist Ansprechpartner für die Landesbehörden und für die internationalen Akteure wie Weltgesundheitsorganisation und Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten.

Die Behandlung begründeter Verdachts- und bestätigter Erkrankungsfälle sollte primär in Behandlungszentren mit Sonderisolierstation erfolgen. Bewährt hat sich hier ein Netzwerk von Kompetenz- und Behandlungszentren der Länder, das 2003 als Arbeitsgemeinschaft gegründet und seit 2014 als Ständiger Arbeitskreis für hochkontagiöse lebensbedrohliche Erkrankungen (STAKOB) organisiert ist. Sieben Kompetenzzentren bilden die spezielle Expertise im öffentlichen Gesundheitsdienst ab, in sieben Behandlungszentren stehen Sonderisolierstationen mit trainiertem Personal zur medizinischen Versorgung von Erkrankten zur Verfügung, hinzu kommt ein Trainingszentrum in Würzburg. Die STAKOB-Geschäftsstelle ist am RKI angesiedelt.

„In der Fläche jedoch besteht bei Arztpraxen und Kliniken eine deutliche Unsicherheit im Umgang mit hochkontagiös lebensbedrohlich Erkrankten“, schreiben René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamtes von Frankfurt am Main, und Christian Herzog, am Robert Koch-Institut Leiter der Informationsstelle des Bundes für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene, im Editorial. Daher wollen die Autoren mit ihren insgesamt zehn Beiträgen Wissenslücken bei den Angehörigen der Gesundheitsberufe schließen.

Im ersten Teil des Schwerpunktheftes geht es um das grundsätzliche Vorgehen beim Auftreten einer hochkontagiösen lebensbedrohlichen Erkrankung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem STAKOB, den Kompetenz- und Behandlungszentren der Länder. Themen des zweiten Teils sind einsatztaktische Herausforderungen bei einer außergewöhnlichen biologischen Gefahrenlage durch einen Pulverfund und die Erfahrungen einer Übung mit dem Fallszenario einer reiseassoziierten fiebrigen Erkrankung an einem Flughafen. Im dritten Teil geht es um Informationen zu besonderen Erkrankungen: Krim-Kongo hämorrhagisches Fieber, Pest und eine Analyse der Pockenausbrüche in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Weitere Informationen: www.rki.de & www.stakob.de

Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

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