Zum Hauptinhalt springen

Gesundheit

Unstatistik des Monats: Macht uns eine vegetarische Lebensweise zu besseren Menschen?

„Vegetarier und Veganer sind die besseren Menschen, denn sie haben weniger Vorurteile und widersetzen sich eher autoritären Strukturen.“ So oder ähnlich kommentierten viele Medien – wie zum Beispiel die Allgemeine Zeitung (http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/studie-in-mainz...) oder die NWZ Online (http://www.nwzonline.de/panorama/studie-vegetarier-vorurteilsfreier_a_30,0,13728...) – eine am 24. Juli publizierte Studie der Universitäten Mainz und Wuppertal.


Mehr oder weniger deutlich wird dabei formuliert, dass die vegetarische Lebensweise ein bestimmtes soziales Verhalten fördere oder sogar die Ursache dafür sei. Damit wird aber wie so oft kein Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität gemacht. Schon bei dem Mythos, Vegetarier lebten länger als andere, hat sich die vegetarische Lebensweise als solche – Vegetarier greifen seltener als andere zur Zigarette und treiben öfter Sport – als irrelevant herausgestellt (Studie: Vegetarian diet, Seventh Day Adventists and risk of cardiovascular mortality: A systematic review and meta-analysis. International Journal of Cardiology 176(3): 680-6). Und im vorliegenden Fall ist zu vermuten, dass unkonventionelle und antiautoritäre Charaktere auch bei der Ernährung zu eher unkonventionellen Methoden neigen. Dann gäbe es zwar eine Kausalbeziehung, aber eine in die umgekehrte Richtung: nicht von der vegetarischen Ernährung zum Charakter, sondern vom Charakter zur vegetarischen Ernährung.

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de.
Weitere Informationen finden Sie unter
- Weitere Informationen, Kontakte & Archiv
Mitteilung hat die folgenden Anhänge:
Pressemitteilung im PDF-Format

  • Aufrufe: 313

Parkinson-Krankheit und Risiko Straßenverkehr: Wer darf noch ein Auto steuern?

Das Autofahren ist für viele Menschen mit Morbus Parkinson ein wichtiges Stück ihrer Unabhängigkeit. Allerdings führt die Erkrankung zu körperlichen, psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen, die das Autofahren gefährlich machen können – für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Wer darf also noch fahren, wer nicht mehr?


Vor allem Männer hängen an ihrem Führerschein. Erster Ansprechpartner ist immer der behandelnde Arzt. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hin. „Über die Fahreignung wird immer im Einzelfall entschieden. Es gibt keine allgemein gültigen Richtlinien“, sagt Privatdozent Dr. Carsten Buhmann, Ärztlicher Leiter des Bereichs Neurologie am Ambulanzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Der Neurologe hat aber festgestellt: Nach einer Tiefen Hirnstimulation (THS) fahren Parkinsonpatienten im Fahrsimulator besser Auto.

Carsten Buhmann wird diese Ergebnisse und ihre Konsequenzen für den Lebensalltag von Parkinsonpatienten auch auf dem 88. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 23. bis 26. September in Düsseldorf (http://www.dgnkongress.org) diskutieren.

Bestimmte Symptome stehen sicherem Autofahren entgegen

Bei Menschen mit Morbus Parkinson sterben im Gehirn langsam jene Nervenzellen ab, die den Neurotransmitter Dopamin produzieren. In der Substantia nigra – der schwarzen Substanz im Mittelhirn – kommt es zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin. Die Folgen sind verschiedenste körperliche und psychische Symptome. Beispiele sind schwere motorische Beeinträchtigungen wie Zittern (Tremor) oder Bewegungsstarre (Freezing), Demenz, Aufmerksamkeitsstörungen, Halluzinationen oder Sehstörungen (z.B. Doppelbilder). „Schon eines dieser Symptome reicht, um seine Fahreignung zu verlieren“, sagt Buhmann. Auch die Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit können die Fahrfähigkeit einschränken. Sie machen zum Teil müde, führen zu Schlafattacken, zum Verlust der Impulskontrolle oder fördern aggressives Verhalten. Doch so einfach ist es nicht mit der Feststellung der Fahreignung, denn es gibt keinen standardisierten Test, der zuverlässige Aussagen darüber bei Parkinsonpatienten treffen kann. „Wer zum Beispiel morgens seine Medikamente einnimmt und danach kurz müde wird, kann abends durchaus fahrtauglich sein, weil die Nebenwirkungen nach einigen Stunden abnehmen“, erklärt Buhmann.

Parkinson – viele sind aktive Autofahrer

Mehr als 80 Prozent aller Parkinsonpatienten haben laut einer Studie aus dem Jahr 2005 einen Führerschein und 60 Prozent davon sind aktive Autofahrer. „Nicht alle davon dürften sich ans Steuer setzen“, meint Buhmann. Menschen mit Parkinson fahren generell unsicherer als Gesunde in ähnlichem Alter. Bei einer Befragung von mehr als 3.000 Parkinsonpatienten gaben 15 Prozent an, in den letzten fünf Jahren einen Unfall gehabt zu haben – 11 Prozent davon waren selbst der Unfallverursacher.
Parkinsonpatienten dürfen nur bei erfolgreicher Therapie, oder wenn die Krankheit noch leicht verläuft, selbst ein Auto führen. Dies besagen die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung der Bundesanstalt für Straßenwesen. Alle ein bis vier Jahre muss ein Arzt oder Psychologe beurteilen, ob die Fahreignung bezogen auf die Krankheit noch besteht.

Angehörige sind wichtig für die Einschätzung der Fahrtauglichkeit

Eine wichtige Rolle bei der Einschätzung der Fahrtauglichkeit spielen auch die Angehörigen. „Ihnen fällt schnell auf, wenn ihr Partner plötzlich unsicher fährt, zu nah an parkenden Autos entlang steuert, zu langsam reagiert oder eine rote Ampel erst spät erkennt – das sind Warnsignale“, sagt der Neurologe.

Eigenverantwortung der Parkinsonpatienten gefragt

Personen mit Parkinson sollten unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt über die Einschränkungen beim Autofahren sprechen. Buhmann findet: „Alles andere wäre fahrlässig. Hier ist die Eigenverantwortung des Parkinsonpatienten genauso gefragt wie bei jedem anderen Menschen.“ Allerdings ist die Selbsteinsicht bei manchen Patienten begrenzt. „Bei Männern häufiger als bei Frauen“, weiß der Arzt. Aus Angst vor dem Verlust ihrer Selbstständigkeit sprächen viele Patienten das Thema „Autofahren“ gar nicht erst bei ihrem Arzt an. Umgekehrt hat der Arzt eine Aufklärungspflicht des Patienten, die er auch dokumentieren muss. Tut er dies nicht, macht er sich potenziell haftbar, wenn ein Unfall passiert.

Manchmal schätzen aber auch die Neurologen ihre Patienten aufgrund ihrer Beschreibungen fahrtüchtiger ein, als sie es sind, denn mögliche Schwierigkeiten beim Steuern eines Autos sind nicht immer offenkundig beim Arztgespräch. „Das Problem ist, dass der Arzt nicht mitfährt und sich selbst kein Bild von der Fahrfähigkeit des Patienten machen kann.“ Auch Fahrsimulatoren können das reale Autofahren in der Stadt oder auf der Autobahn nicht exakt abbilden.

Fahrtauglichkeit in der Fahrschule oder beim TÜV prüfen lassen

Parkinsonpatienten können aber ihre Fahrtauglichkeit in Fahrschulen prüfen lassen, die speziell auf Menschen mit Handicap ausgerichtet sind. Auch der TÜV bietet solche Fahrstunden mit einem Fahrlehrer an. Über das Ergebnis der Fahrstunde herrscht Schweigepflicht. „Die Befürchtung ist, dass das Dokument in der Schublade landet, wenn das Ergebnis schlecht ist. Hier appelliere ich wiederum an die Eigenverantwortlichkeit“, sagt Buhmann. Es gibt auch bestimmte technische Hilfsmittel, die Parkinsonpatienten das Autofahren ermöglichen, zum Beispiel ein Auto mit Automatikgetriebe. Auch breitere Bremspedale und anders angeordnete Armaturen und Sitze können die Koordination beim komplexen Vorgang „Autofahren“ verbessern.

Besser Autofahren dank Hirnschrittmacher?

Möglicherweise kann sich auch die Tiefe Hirnstimulation (THS) positiv auf die Fahrsicherheit und die generelle Fahrtauglichkeit von Parkinsonpatienten auswirken. In einer Studie fanden Buhmann und Mitarbeiter heraus, dass Patienten mit einem Hirnschrittmacher sicherer Auto fuhren und weniger Fehler machten als Parkinsonpatienten ohne ein Implantat. Im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Gesunden fuhren die Patienten mit dem Hirnschrittmacher zwar langsamer und vorsichtiger, aber ähnlich sicher. „Die Aussicht auf ein besseres Autofahren ist allerdings keine Indikation für die Implantation eines Hirnschrittmachers“, betont der Neurologe.

Rund 360 Patienten haben bislang in Hamburg im Universitätsklinikum-Eppendorf einen Hirnschrittmacher erhalten – weltweit gibt es rund 100.000 Patienten, die sich einer THS unterzogen haben. „Der Anteil der Patienten, die das Fahren nach der THS-Operation wieder aufnehmen, liegt bei knapp 23 Prozent, der Anteil derer, die das Fahren nach OP aufgeben, bei knapp 11 Prozent“, sagt Buhmann.

Quellen

Meindorfner C., Korner Y., Moller J.C. et al. Driving in Parkinson’s disease: mobility, accidents, and sudden onset of sleep at the wheel. Mov Disord 2005;20:832–842
Buhmann C. und Gerloff C. Autofahren bei Morbus Parkinson. Akt Neurol 2013;40:315–320, DOI

Buhmann C., Maintz L., Hierling J. et al. Effect of subthalamic nucleus deep brain stimulation on driving in Parkinson disease. Neurology, 2014;82:32-40 Published online December 18, 2013

Rund 6000 Experten für Gehirn und Nerven tagen im September in Düsseldorf. Von Demenz bis Epilepsie, von Schlaganfall bis Multiple Sklerose – der DGN-Kongress ist das zentrale Wissenschafts-, Fortbildungs- und Diskussionsforum der neurologischen Medizin in Deutschland. Journalisten bietet er Gelegenheit zur Recherche sowie für persönliche Gespräche mit den führenden Köpfen der deutschen und internationalen Neuromedizin. Die DGN bietet ein gut ausgestattetes Pressezentrum. Die Pressekonferenzen finden statt am Mittwoch, 23. September, 10.00 bis 11.00 Uhr, sowie Freitag, 25. September, 11.30 bis 12.30 Uhr (terminliche Änderungen vorbehalten). 
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dgn.org/presse/pressemitteilungen/3088-parkinson-krankheit-und-risiko-strassenverkehr-wer-darf-noch-ein-auto-steuern

  • Aufrufe: 410

Welt-Hepatitis-Tag Hepatitis B - Impfquote in NRW zu niedrig

In Nordrhein-Westfalen (NRW) sind in der ersten Jahreshälfte bereits 101 Menschen neu an einer Hepatitis B-Infektion erkrankt. Gegenüber den insgesamt 166 Infektionen im letzten Jahr zeichnet sich jetzt schon ein deutlicher Aufwärtstrend ab. Umso wichtiger ist laut der Techniker Krankenkasse (TK) in NRW die von der Ständigen Impfkommission empfohlene Schutzimpfung im Säuglings- und Kindesalter. Sie wird aber zu wenig genutzt.

Bei den Schuleingangsuntersuchungen 2013 war die Impfquote in NRW mit 86,4 Prozent deutschlandweit die drittniedrigste. Damit liegt sie unter dem Bundesschnitt von 88 Prozent, den das Robert-Koch-Institut (RKI) auch für unzureichend hält. In NRW hat die Stadt Aachen mit 64,9 Prozent die schlechteste, der Kreis Herford mit 97,1 Prozent die beste Impfquote.

Bis zu 500.000 Menschen in Deutschland tragen nach Schätzungen des RKI das Hepatitis-B-Virus in sich und leiden unter einer chronischen Leberentzündung. Die Infektion wird häufig durch Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen. Um eine Ansteckung zu vermeiden, sind daher Kondome beim Geschlechtsverkehr Pflicht. Zahnbürsten und Rasierer sollten nicht gemeinsam benutzt werden. Der beste Schutz sei jedoch eine Impfung, die von der TK unter bestimmten Voraussetzungen auch bei Erwachsenen gezahlt wird. Bei einigen Berufsgruppen, vor allem aus dem Gesundheitsbereich, ist der Arbeitgeber in der Pflicht. Mehr Informationen finden Interessierte unter www.tk.de, Webcode 35896.
Der Welt-Hepatitis-Tag wird international von der World Hepatitis Alliance und in Deutschland von der Deutschen Leberhilfe getragen. Der Aktionstag soll die Bevölkerung für das Thema Hepatitis sensibilisieren und zu Vorbeugung, Diagnose und Behandlung motivieren. Mehr zum Welt-Hepatitis-Tag findet sich im Internet unter www.worldhepatitisalliance.org und welthepatitistag.info.

Die TK bezieht sich auf Zahlen des Robert-Koch-Instituts und des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Die Impfquoten für die NRW Städte und Kreise finden Sie in der beigefügten Tabelle.

 

Abgeschlossene Hepatitis-B Grundimmunisierung
der NRW-Schulanfänger im Schuljahr 2013/2014,
Berechnung durch das LZG.NRW   
       
Kreis/Kommune                          Impfquote
Aachen                                       64,9
Kreis Heinsberg                          69,5
Bielefeld                                     71,3
Rheinisch Bergischer Kreis         75,5
Ennepe-Ruhr-Kreis                    76,2
Köln                                            80,3
Hochsauerlandkreis                    81,3
Bottrop                                       81,7
Bonn                                           82,4
Kreis Mettmann                          82,8
Kreis Aachen                              82,9
Hamm                                         83,1
Düsseldorf                                  83,3
Kreis Steinfurt                            83,3
Krefeld                                       83,6
Kreis Düren                                83,8
Märkischer Kreis                        84,2
Solingen                                    84,8
Kreis Coesfeld                           84,8
Dortmund                                  84,9
Münster                                     85,2
Kreis Kleve                                86,1
Kreis Gütersloh                         86,1
NRW                                         86,4
Essen                                        86,7
Remscheid                                86,8
Kreis Euskirchen                       86,9
Kreis Unna                                87,4
Kreis Viersen                             88,8
Kreis Soest                               89;0
Mönchengladbach                    89,2
Rhein-Sieg-Kreis                       89,3
Wuppertal                                89,4
Kreis Wesel                              89,5
Oberbergischer Kreis               89,8
Bochum                                    90;0
Kreis Neuss                              90,1
Duisburg                                   90,5
Kreis Borken                             90,5
Kreis Lippe                               90,5
Oberhausen                            90,7
Kreis Siegen-Wittgenstein       90,8
Kreis Höxter                            91,1
Kreis Minden-Lübbecke            91,4
Gelsenkirchen                         91,5
Hagen                                     91,6
Kreis Recklinghausen              92,1
Kreis Paderborn                      92,1
Mühlheim                                92,4
Leverkusen *)                        92,5
Kreis Olpe                               92,9
Erftkreis                                 93,4
Herne                                     93,6
Kreis Warendorf                     95,2
Kreis Herford                          97,1

  • Aufrufe: 427