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Luzerner Sinfonieorchester 2017 Foto Vera Hartmann

Hochschule Luzern , Master-Abschlusskonzerte 2018 Klassik im KKL Luzern, 19. Juni, besucht von Léonard Wüst

Luzerner Sinfonieorchester 2017 Foto Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester 2017 Foto Vera Hartmann

Besetzung und Programm:

Julia Köhl, Flöte
Lucie Kanková, Gesang
Yu-Hsuan Kuo, Flöte
Marija Bokor, Klavier
Andrey Cholokyan, Oboe
Anna Zaychenko, Klavier

Luzerner Sinfonieorchester 
James Gaffigan, Leitung
 

Werke von Wolfgang Amadé Mozart, Antonín Dvořák, Carl Reinecke, Peter I. Tschaikowsky, Bernd Alois Zimmermann, Frank Martin, Gaetano Donizetti und Robert Schumann

Grundsätzliche Informationen:

Das Solistenkonzert ist der Höhepunkt der künstlerischen klassischen Ausbildung an der Hochschule Luzern – Musik: Nach Abschluss des sehr anspruchsvollen Studiengangs «Solo Performance» treten die Absolventinnen und Absolventen ins Berufsleben. Ausgewählte Studierende erhalten die Möglichkeit, sich mit dem Luzerner Sinfonieorchester im Konzertsaal des KKL Luzern zu präsentieren.

Dargeboten wurden folgende Werke durch nachgenannte Interpretinnen:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), Konzert  für Flöte und Orchester
Julia Köhl, Querflöte
Klasse Pirmin Grehl

Antonín Dvořák (1841 – 1904), Arie „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“
Lucie Kanková, Gesang Sopran
Klasse Barbara Locher

Carl Reinecke (1824 – 1910), Ballade g – Moll für Flöte und Orchester
Yu – Hsuan Kuo, Querflöte
Klasse Pirmin Grehl/Sarah Rumer

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 – 1893), 1. Satz des Klavierkonzert Nr. 1 b – moll Marija Bokor, Klavier

Klasse Konstantin Lifschitz

Bernd Alois Zimmermann (1918 – 1970), Konzert für Oboe und kleines Orchester
Andrey Cholokyan, Oboe
Klasse Ivan Podyomov

Frank Martin (1890 – 1974), Ballade für Flöte und Orchester

Yu – Hsuan Kuo, Querflöte
Klasse Pirmin Grehl/Sarah Rumer

Gaetano Donizetti (1797 – 1848), Arie „Ah! Tardai troppo – o luce di quest`anima“ aus „Linda di Chamounix“

Lucie Kanková, Gesang Sopran
Klasse Barbara Locher

Robert Schumann (1810 – 1856), Klavierkonzert a – Moll

Anna Zaychenko, Klavier

Klasse Konstantin Lifschitz

Rezension:

Dirigent James Gaffigan
Dirigent James Gaffigan

Das Solistenkonzert der HSLU im Konzertsaal des Kunst – und Kongresszentrum Luzern (KKL) ist für mich immer so etwas wie die ultimative Einstimmung auf das ungefähr einen Monat später beginnende Lucerne Festival im Sommer, ist es doch sehr gut möglich, dass eine der Solistinnen, als Mitglied eines renommierten Orchesters wieder einmal hier auftreten, wird im Rahmen eben dieses, oder eines anderen Lucerne Festivals. Das diesjährige Programm listete je zwei Solistinnen mit der Querflöte und dem Piano, sowie eine Sopranistin und einen Oboisten.

Basis für die musikalischen Höhenflüge der Solisten ist die kongeniale, freundschaftliche Begleitung durch das Residenzorchester des KKL Luzern (früher Luzerner Sinfonieorchester) unter der Leitung von James Gaffigan, welches die Musikschüler optimal unterstützt und mitträgt.

Julia Köhl, Querflöte  mit dem Konzert  für Flöte und Orchester von
Wolfgang Amadeus Mozart

Julia Köhl, Solistin Flöte
Julia Köhl, Querflöte

Einen stimmigen Auftakt des Abends bereitete uns Julia Köhl mit ihrer Interpretation des typisch Mozartschen Gassenhauers. Sie gestaltete den Solopart klar strukturiert, der Dialog mit dem hier klein besetzten ­Orchester wurde klangvoll ausgereizt, und in den Kadenzen liierte die Solistin stupende Virtuosität mit schwebenden Kantilenen. Besonders erwähnenswert die tänzerischen Passagen im Rondo, die sie, im kongenialen Zusammenspiel mit dem Orchester, besonders eindrücklich interpretierte.

Lucie Kanková, Gesang Sopran mit der Arie „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“ und im 2. Konzertteil mit der Arie „Ah! Tardai troppo – o luce di quest`anima“ aus „Linda di Chamounix“.

Solistin Gesang, Lucie Kanková
Solistin Gesang, Lucie Kanková

Die, in ein türkisfarbenes Abendkleid gehüllte Sopranistin überzeugte mit der (schwierigeren) Donizetti Arie weit mehr als mit Dvořáks Rusalkalied. War sie vorher noch etwas gehemmt, agierte sie jetzt selbstbewusster, war auch in hohen Lagen und in den Koloraturen bombensicher, unterstrich das auch mit Mimik und Gestik, spielte so auch ihr darstellerisches Talent aus.

Yu – Hsuan Kuo, Querflöte, Kompositionen von Carl Reinecke und Frank Martin

Solistin Flöte, Yu-Hsuan Kuo, Foto Alice Moraz
Solistin Flöte, Yu-Hsuan Kuo, Foto Alice Moraz

Die Flötistin Yu-Hsuan Kuo (auch sie mit zwei Auftritten),  überzeugte mit höchst variablem Ton in Carl Reineckes Ballade g-Moll, aus dem dunklen Beginn mit Pauken und Horn entwickelte sie die hochromantischen Themen zart und weich. Aus innerster Empfindung spielte sie auch die Ballade von Frank Martin, kostete jeden Ton voll aus, und die virtuosen Läufe klangen so durchsichtig wie strahlend glänzend: eine grandiose Interpretation über dem grossartigen Klangteppich des Orchesters.

Marija Bokor, Klavier , 1. Satz aus Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll

Solistin am  Piano Marija Bokor
Solistin am Piano Marija Bokor

Marija Bokor setzte ihr kraftvolles Spiel in den gewaltigen Akkordfolgen in Szene, variierte, für meinen Geschmack, etwas zu wenig bei den leiseren Tönen, die der Komponist auch in die Partitur geschrieben hat. Natürlich agierte die Künstlerisch technisch überragend, liess aber etwas das Herz vermissen, sodass die Wiedergabe etwas blutleer wirkte. Das Publikum hatte aber Gefallen am mächtigen Tschaikowsky und applaudierte dementsprechend.

Andrey Cholokyan, Oboe, Konzert für Oboe und kleines Orchester von Bernd Alois Zimmermann

Andrey Cholokyan, Solist Oboe
Andrey Cholokyan, Solist Oboe

Er, einziger Mann unter den Solistinnen, war die Entdeckung des Abends, trotz, oder eben, wegen des eigentlich eher unspektakulären Instruments das er spielt, auch, weil er quasi ununterbrochen gefordert war in dieser Komposition von Bernd Alois Zimmermann mit seiner Zwölftonreihe und Dissonanzen und nicht bloss in kurzen Solopassagen. Hier boten Solist und Orchester ein rhythmisch verbundenes Zusammenspiel, in dem sie die vielschichtigen Klangfarben von atonal bis impressionistisch exemplarisch intonierten.

Anna Zaychenko,Klavier, Klavierkonzert a – Moll von Robert Schumann

Solistin am Klavier, Anna Zaychenko
Solistin am Klavier, Anna Zaychenko

Um etliches weicher und differenzierter, im Gegensatz zu Marija Bokor vorher mit dem Tschaikowsky, kam das Spiel der jungen Russin daher. Dennoch überzeugte sie schon beim Intro, setzte die Harmonien mit der richtigen Dosis an Dynamik, lauschte der Replik durch die Oboe (eine Tonfolge, welche wahrscheinlich die mexikanische Komponistin Consuelo Velázquez zu ihren Welthit „Besame mucho“ inspiriert hat). Die Solistin blieb ihrer Linie treu, sichtlich auch zur Freude des Dirigenten, welcher sie mit seinem Klangkörper nachhaltig beim ihren Vortrag supportierte.

Alle Solisten wurden vom Auditorium mit verdientem grossem Applaus belohnt, in dem natürlich auch das souveräne Orchester unter der Leitung von James Gaffigan eingeschlossen war.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home     und www.hslu.ch     

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Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, Foto Ruedy Hollenwäger

Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, besucht von Léonard Wüst

Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, Foto Ruedy Hollenwäger
Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, Foto Ruedy Hollenwäger

Besetzung:

Bryan Adams und Band

Rezension:

Konzerte ohne „Support Act“ sind eher selten, deshalb aber nicht weniger attraktiv. Auf einen solchen verzichtete die Legende Bryan Adams im sehr gut gefüllten Hallenstadion an diesem Abend, nahm sich aber die Freiheit, 15 Minuten später als angekündigt die Bühne zu entern. Im Zusammenspiel mit seinen ausgezeichneten Mitmusikern legte er aber unmittelbar ein forsches Tempo aufs Parkett, bot fadengraden Rock ’n‘ Roll vom Feinsten und reihte grad mal fünf Songs, von „Ultimate Love“, „Can`t stop this“, über „Run to you“ und „Go down rockin‘“  bis zu „Haeven“ aneinander zum Anfang, heizte dadurch das Publikum so richtig an.

Angenehmer Verzicht auf bombastisch aufgeblähte Bühnenshow und Playback

Bryan Adams bei seinem energiegeladenen Auftritt © Juergen Fuchs
Bryan Adams bei seinem energiegeladenen Auftritt © Juergen Fuchs

Anstelle einem heute so üblichen, meines Erachtens gar betrügerischem Playbackeinsatz, rifften Adams, Leadgitarrist Keith Scott und der Bassist Norm Fisher ihre Wanderbalken (im Fachjargon Gitarren genannt), strapazierte Drummer Mickey Curry seine diversen Schlagunterlagen, die vor ihm aufgebaut waren. Dazu legte Keyboarder Gary Breit einen breitaufgefächerten, unaufdringlichen Notenteppich, auf dem die andern virtuos zu spazieren wussten. Im Kontext mit des Kanadiers unverwechselbaren Stimme, waren so die besten Voraussetzungen für einen tollen Konzertabend gegeben, was er denn auch wurde. Bryan Adams arbeitet mit einer simplen Stage, die nur vom Licht und den Schwarz/Weiß-Projektionen im Hintergrund lebt – und natürlich von der Energie des Rockers und seiner erstklassigen Band, der nach wie vor Leadgitarrist Keith Scott aus Vancouver angehört.

Überraschende Metamorphose vom Balladeninterpreten zum Power – Rocker

Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott
Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott

Im ersten Konzertdrittel war nichts mit Balladen, da wurde auf der Bühne gepowert, ein vorwärtstreibender Sound, gespickt mit kurzen Gitarrensoli eines bestens aufgelegten Leadgitarristen Keith Douglas Scott, der auch seinen Part als Backgroundsänger souverän wahrnahm.

Etwa in der Mitte des Konzertes dann der zeitlose Ohrwurm „Summer of ’69“, den er sich nicht für die Zugaben aufhob, sondern damit das Publikum zum Mitsingen – und Klatschen animierte. Darauf wurde es wieder rockiger mit zwei akustischen Stücken, bevor mit dem Intro zu „Everything I do“, dann das Schwenken tausender beleuchteter Handydisplays und von einigen wenigen, nicht mehr zeitgemässen, angezündeter Feuerzeuge begann.

Tolle Stimmung im proppenvollen Hallenstadion

Brian Adams Szenenfoto HallenstadionTrotzdem mutierte das Konzert nie zu einem Mainstream-Happening, war aber trotzdem eine runde Sache, ohne Ecken und Kanten – aber die hat ohnehin niemand erwartet. Die Songs von Adams haben keine Widerhaken, sondern sind feine Delikatessen, für die das Publikum seit Jahrzehnten dankbar ist.

Obwohl seine Balladen einfach und gefällig gestrickt sind, ohne hochkomplizierte Akkorde, sind es doch nicht bloss seichte Weichspüler, einige sind/wurden gar Ecksteine der Pop/Rockmusik der letzten drei Dekaden.

Auch reine Akustiknummern hatten ihren Platz

Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott
Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott

Zwischendurch präsentierten die Musiker auch mal rein akustische Nummern, die sie gekonnt und engagiert nutzten, um ihr instrumentales Können zu demonstrieren. Einen seiner allergrössten Hits, „Please forgive me“,  hat er erstaunlicherweise nicht performt. Nach fast 30 Songs, einem „Best of Bryan Adams“, war Schluss, natürlich nicht, ohne die vom gutaufgestellten Auditorium vehement herbei geklatschte Zugabe.

Ein paar Videotrailer der Show:

www.youtube.com/watch?v=aLgI44GWJQo&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=zOY_eyaw9uI&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=wwpB2-4OOGE&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=snoQaADGHR8&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=l41nbiH3HnA&feature=youtu.be

Fotos: Léonard Wüst www.leonardwuest.ch

http://www.abc-production.ch/index und

https://www.bryanadams.com/

Kleine Fotodiashow des Events:

fotogalerien.wordpress.com/2018/06/21/bryan-adams-the-ultimate-tour-2018-hallenstadion-zuerich-20-juni-besucht-von-leonard-wuest

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Lucerne Festival Strings

Lucerne Festival Strings, 4. Saisonkonzert Konzert Reihe Luzern KKL Konzertsaal,Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung Daniel Dodds, Violine & Leitung (Orchesterwerke) , 17. Juni 2018, besucht von Léonard Wüst

Lucerne Festival Strings
Lucerne Festival Strings

Besetzung und Programm:

Lucerne Festival Strings, Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung
Daniel Dodds, Violine & Leitung (Orchesterwerke)

  • Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73
  • Stephan Hodel: Auftragswerk, UA
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36

 

Rezension:

Grundsätzliches über den Solisten Rudolf Buchbinder

Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung Klavierkonzert
Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung Klavierkonzert

Der ausgewiesene Beethoven Spezialist wurde als Fünfjähriger jüngster Student an der Hochschule für Musik in Wien. Sein erstes öffentliches Konzert gab er mit neun Jahren. 1958 wurde er an der Musikhochschule Wien in die Meisterklasse von Bruno Seidlhofer aufgenommen, der auch Friedrich Gulda angehörte. 1961 gewann er, 15-Jährig, mit dem Wiener Klaviertrio den 1. Preis beim ARD Musikwettbewerb des Bayerischen Rundfunks, München. 1962 erhielt er die Lipatti-Medaille.

1. Konzertteil Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73

Als Beethoven im Jahr 1809 sein 5. Klavierkonzert schrieb, war er von Kriegslärm umgeben. Napoleon Bonaparte stand mit seinen Truppen vor Wien. Das wirkte sich in zweierlei Hinsicht auf die Arbeit des Komponisten aus. Zum einen war die wirtschaftliche Existenz Beethovens unsicher geworden, weil sein Mäzen, Erzherzog Rudolf, die Stadt verlassen hatte und als Geldgeber nicht mehr zur Verfügung stand. Zum anderen nahm der Kriegslärm unmittelbar Einfluss auf Beethovens Schaffensprozess. Am Ende war ein Stück entstanden mit einer für das Genre ungewöhnlich neuen Form, in der der Solist zwischen heroischen und friedfertigen Momenten wechselt.

In England trägt das Konzert den Beinamen „Emperor“, also „Kaiser“ oder „Herrscher“. Der Pianist Lars Vogt sieht darin die „Befreiung des Individuums“: Kühn und wild kann sich der Solist am Klavier Freiheit erkämpfen. Freies Fantasieren bestimmt auch die lyrischen Teile.

Das 5. Klavierkonzert widmete Beethoven seinem grossen Gönner Erzherzog Rudolph, der bei der Uraufführung am 13. Januar 1811, bei einem halböffentlichen Konzert im Wiener Palais des Fürsten Joseph Lobkowitz,  auch gleich als Solist agierte.

Die „Strings“ hatten sich auf der Bühne eingerichtet, die Instrumente noch justiert und begrüssten dann, gemeinsam mit dem Publikum den Solisten des Abends, einen der ausgewiesen weltbesten Beethoven Klavier Interpreten, Rudolf Buchbinder.

Der Kopfsatz beginnt mit einer für die Wiener Klassik völlig neuen Einleitung – mit einem Es-Dur-Dreiklang des Orchesters, worauf das Klavier mit einer virtuosen auskomponierten Kadenz einsetzt. Hier schon setzte Buchbinder eine markante Duftnote und liess seine rechte Hand nur so über die Tasten fliegen, mittels Kopfbewegungen mit dem Orchester korrespondierend.

Schon bald nach dem Thema des ersten Satzes, das sich an die explosive Einleitung anschließt, wandelt sich das musikalische Wechselspiel zwischen Solist und Orchester in fast intime, kammermusikalische Momente.

Vor allem im langsamen Satz finden sich ungemein zarte, lyrische und suchende Momente, „Ausblicke in die Ewigkeit“ (Zitat Lars Vogt). Die weit ausschweifenden Kantilenen lassen den romantischen Klavierstil Frédéric Chopins vorausahnen. Auch zu Franz Liszt ist es nicht mehr weit. Entfernte Tonarten, rhythmisch herausfordernde Motive und dynamische Extreme bestimmen die musikalische Entwicklung. Unerwartet entpuppt sich ein absichtslos aufgefächerter Es-Dur-Dreiklang als triumphales Rondo-Thema des dritten Satzes. Die aufsteigende Bewegung überschlägt sich geradezu vor Freude.

Es gibt in dem Konzert noch eine ganz andere Seite. Ein Pianissimo im Solopart gegenüber Pizzicato bei den Streichern oder gegenüber einem einzelnen Blasinstrument. Diese Intimität ist sehr extrem. Ein Kontrast zu dem volltönenden symphonischen Charakter. Und das ist die Schwierigkeit bei der Interpretation. Nämlich diese beiden Gegensätze überzeugend herauszuarbeiten. So, dass sie auch zusammen funktionieren. (Paul Lewis, Pianist.)

Solist Rudolf Buchbinder überzeigt mit seinem virtuosen Spiel

Im Adagio un poco moto gleiten die Töne des Klaviers schwebend leicht über dem Klangteppich des Orchesters dahin, womit sich eine einzige große Idylle erschliesst.

Das Finale greift nicht mehr die martialische Seite des ersten Satzes auf. Es hat, ähnlich wie die Schlusssätze der anderen Klavierkonzerte Beethovens, tänzerischen Charakter. Die große Spannung, die dem Anfang des Konzerts innewohnte, hat sich gelöst. Buchbinder überzeugte durchwegs, ob mit den wuchtigen Harmoniesetzungen, den fulminanten, perlenden Läufen, ob mit den  filigranen Tremoli, den kraftvollen Staccati. Er spielte präzis, gefühlvoll und doch voller Dynamik, mit der nötigen Zurückhaltung oder energischem Vorantreiben,  wo geboten.

Gebannt, fast berauscht beeindruckt applaudierte das Auditorium dieser Interpretation durch den brillanten Solisten, der von einem ausgezeichneten Orchester supportiert und getragen wurde.

Als vehement geforderte Zugabe gab der österreichische Virtuose dann noch das Finale von Beethovens – Sonata op.31/2 „Sturmsonate“, was wiederum mit langanhaltendem Applaus und einigen Bravorufen gewürdigt wurde.

2.Konzertteil: Uraufführung PC 24, ein musikalischer Alpenflug (Stephan Hodel *1973)

Konzertmeister Daniel Dodds Foto DorotheeFalke
Konzertmeister Daniel Dodds Foto DorotheeFalke

Nachdem im ersten Konzertteil der Solist gleich auch die Leitung innehatte, übernahm für den zweiten Teil Daniel Dodds das Zepter, respektive den symbolischen Taktstock. Er tat dies ausnahmsweise stehend, nicht sitzend, wie man das sonst von ihm gewohnt ist. Wahrscheinlich war das der Uraufführung des Werkes von Stephan Hodel geschuldet.

David Dodds hatte den Geistesblitz über die Entstehung des ersten Schweizer Businessjets PC 24 der Pilatus Werke Buochs ein Musikstück schreiben zu lassen, als er bei einem Spaziergang durch Luzern, ein Plakat mit dem Foto des Jets sah.

PC-24, ein musikalischer Alpenflug von Stephan Hode
PC-24, ein musikalischer Alpenflug von Stephan Hode

Wie Konzertmeister Daniel Dodds erläuterte, beschreibt das Werk musikalisch die Entstehung des Flugzeugs, von den ersten Skizze, über die Planung, den Bau, die Testflüge  bis zum Flug über die  Alpen und das Verschwinden in ferne Welten. Dodds beschrieb die Komposition so gut, dass auch wir Nichtmusikwissenschafter anschliessend diese Intuitionen des Komponisten problemlos nachvollziehen konnten.

Komponist Hodel lässt die Düsentriebwerke aufheulen, die Luft flirren, den Flieger beschleunigen, sich majestätisch in die Lüfte erheben. Die Strings konnten die Ideen des Komponisten perfekt umsetzen, sodass man die ganze Tondichtung vor dem geistigen Auge präsent hatte. Hätte man noch Kerosin gerochen, wär die Illusion perfekt gewesen.

Auch diese eher ungewöhnlichen  Klänge gefielen dem Publikum im gutbesetzten Konzertsaal und es spendete dementsprechend Applaus, sodass sich am Schluss auch noch Komponist  Stephan Hodel auf der Bühne feiern lassen konnte.

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36

Für diese kehrt  Daniel Dodds  wieder auf seinen Stuhl zurück und leitet die Sinfonie von  seinem Pulte aus, so auch demonstrierend, welch grosses Vertrauen er in seine Mitmusiker hat.

Das Orchester spielte sich souverän durch die Partitur, in der Beethoven im ersten Satz viel Lebensfreude und Euphorie vermittelt, während er die Musiker sich im zweiten Satz, dem Larghetto,  menuettartig, tänzerisch, aber bedächtig bewegen lässt.

Der Konzertmeister gewährte den einzelnen Instrumenten für ihre jeweiligen Solosequenzen auch genügend Raum und die Strings unterlegten dieselben immer mit einem kongenialen Klangteppich.

Die beiden finalen Sätze waren dann ein Schaulaufen für die Musiker, die für diesen tollen Konzertabend einen langanhaltenden, stürmischen Applaus ernten durften.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos http://www.festivalstringslucerne.org/de/home

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Wiener Symphoniker Foto Andreas Balon

Migros – Kulturprozent – Classics, Tournee VII Wiener Symphoniker, Tonhalle Maag Zürich, 9. Juni 2018, besucht von Léonard Wüst

Wiener Symphoniker Foto Andreas Balon
Wiener Symphoniker Foto Andreas Balon

Besetzung und Programm:

Wiener Symphoniker

 

Rezension:

Philippe Jordan Chefdirigent der Wiener Symphoniker
Philippe Jordan Chefdirigent der Wiener Symphoniker

Wir wollen nicht die zweiten Philharmoniker sein“ – dieser Satz des c zeigt, wohin die Reise für die Wiener Symphoniker gehen soll. In ihrer Eigenschaft als Konzertorchester der Stadt Wien mangelte es den Symphonikern lange am eigenen Profil, nicht aber an der Qualität. Die Uraufführungen bedeutender Werke wie Bruckners Neunter oder Mahlers Sechster beweisen es, ebenso die langjährige Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch oder Georges Prêtre. Das grosse spätromantische Repertoire ist bei den Wiener Symphonikern in den besten Händen Als Kulturbotschafter Wiens unternimmt das Orchester jährlich mehrere Konzerttourneen ins europäische und aussereuropäische Ausland. Auch das Engagement beim Theater an der Wien (seit 2006) soll zur erwähnten Profilschärfung beitragen.

Die Wiener sind auch das Residenzorchester der Bregenzer Festspiele, dort hört man sie auf der Seebühne nur, sieht sie aber nicht, da sie unter der Bühne platziert sind.

Grundsätzliches zum Konzertprogramm:

Strauss ist,  ebenso wie Beethoven,  ein «Orchester-Komponist», dessen bisweilen üppige Partituren aufzufächern für jeden Dirigenten eine anspruchsvolle Tätigkeit darstellt. Das zweite Werk , Strauss’ «Heldenleben», trägt mit Klangfarben und seinem oft als egomanisch verschrieenen Strauss’schen Klangpathos vielleicht noch dicker auf als der dürre Ritter von der traurigen Gestalt.

1. Konzertteil mit Richard Strauss – Don Quixote op. 35,

Gautier Capuçon Solist am Cello
Gautier Capuçon Solist am Cello

Die, im Jahre 1897 in München komponierten phantastischen Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters, wurden am 8. März 1898 in Köln unter der Leitung von Franz Wüllner uraufgeführt. Die Partitur enthält ursprünglich kein Programm, doch hat der Komponist zu den einzelnen Abschnitten des Werks nachträglich kurze programmatische Erläuterungen zum besseren Verständnis verfasst.

Anton Sorokov  1.  Konzertmeister der Wiener Symphoniker
Anton Sorokov 1. Konzertmeister der Wiener Symphoniker

Feines Intro mit Holzbläsern und weichen Violinen, Übernahme des Motivs durch die Klarinette, die abgelöst wird durch die Violinen, die ihrerseits durch die Oboe abgelöst wird, bevor die Blechbläser kurz das Kommando übernehmen, gefolgt vom Piccolo, der Oboe, die zurückführt in den Schoss des Gesamtorchesters

Die zweite Variation schildert eine Episode, in der Don Quijote (dargestellt vom Cello) einer Schafherde begegnet und sie für eine herannahende Armee hält. Strauss setzt dissonantes Flatterzungenspiel ein, um das Blöken der Schafe nachzuahmen. Dies ist eines der ersten Vorkommen dieser Spieltechnik. Der Solist am Cello, Gautier Capuçon, bringt vor allem in lyrischen Passagen sein Violoncello zum Singen, kann als Ritter von der traurigen Gestalt auch mal ungestüm brummen, mal quietschen, findet sich dann wieder in fast glückseliger Traurigkeit.

Solist mit der Viola Herbert Müller
Solist mit der Viola Herbert Müller

Eingebettet im souveränen Orchester, magistral geleitet von Philipp Jordan, spielten sich die drei Solisten zu wahrer musikalischen Magie, es entstanden subtile Dialoge von Cello, 1. Geige (Anton Sorokow) und Viola (Herbert Müller), bei denen alle drei gleichberechtigt agieren konnten, mit Capuçon als „Primus inter Pares“. In der Folge unterordneten sich die Solisten und standen wieder ganz im Dienste des Ganzen als solches, als vollwertige Bestandteile des Gesamtklangkörpers. Nach einer kurzen Soloüberführung der Oboe driftet der Komponist fast etwas ins ungarisch, zigeunerhafte ab, wird fast rührselig, was wiederum Capuçon sehr gut ausdrücken kann, ohne ins Weinerliche zu verfallen, sondern einfach schön traurig.

2. Konzertteil mit Richard Strauss – Ein Heldenleben op. 40

Dirigent Philippe Jordan
Dirigent Philippe Jordan

Das Thema des Helden, das erstmals unisono von den Hörnern und Celli gespielt wird, erinnert mit seiner schnell aufsteigenden Melodieführung an das Eingangsthema der dritten Sinfonie von Ludwig van Beethoven (Eroica): Der Es-Dur-Dreiklang überstreicht fast vier Oktaven und wird von den Hörnern während des gesamten Themas parallel aufgegriffen. Ein kontrastierendes, lyrisch geprägtes Thema taucht erstmals in H-Dur in den hohen Streichern und Bläsern auf, gefolgt von einem zweiten heroischen Motiv, das von einer stufenweise absteigenden Quarte eingerahmt wird. Trompetensignale verkünden den Aufbruch des Helden zu seinen Abenteuern mit einem Dominant-Septakkord, gefolgt von einer unerwarteten, dramatischen Generalpause, der einzigen ausgedehnten Stille Periode des gesamten Werks.

In dieses Werk hat Strauss ungewöhnlich viele Solosequenzen für die 1. Geige hineingeschrieben, die vom russisch stämmigen Konzertmeister Anton Sorokow (*1978 in Moskau) technisch perfekt und sehr ausdrucksstark vorgetragen wurden. Notabene alles sitzend und lächelnd, als ob dies die leichteste Sache der Welt wäre.

Anton Sorokow mit einem Cellisten, Foto aus der Sendung Stars von Morgen des ORF 2002
Anton Sorokow mit einem Cellisten, Foto aus der Sendung Stars von Morgen des ORF 2002

Anton Sorokow spielt auf einer Violine von Giuseppe Guarneri del Gesù, Cremona 1731, mit dem Beinamen „Ex Sorkin“ aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbank. Nebenbei ist er auch noch Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Auch in diese Komposition lässt Strauss immer etwas tsiganhaftes einfliessen. Reminiszenzen an die, auch distanzmässige, Nähe zur ungarischen Volksmusik? Der Dirigent geleitete souverän, voll engagiert, teilweise auch, trotz Frack,  mit vollem Körpereinsatz durch die Partitur, motivierte seine Mitmusiker mittels Gesten, Mimik und energischem Führen des Taktstockes zur Höchstleistung. Das Publikum, mehrheitlich eher gesetzteren Alters in der ausverkauften Tonhalle Maag, erfreute sich beim Schweizer Dirigenten Philippe Jordan an präzise herausgearbeiteten Details der Interpretation, die nicht Selbstzweck sind, sondern die er schlüssig in die Gesamtdramaturgie seiner Interpretation einbindet, sowie an den aussergewöhnlichen musikalischen Leistungen von Solisten und Orchester. Es belohnte diese denn auch mit langem, nicht endendem Applaus, der die Protagonisten noch zur Zugabe animierte, die mit dem „Ungarischen Tanz“ von Johannes  Brahms fulminant ausfiel und erneut Applauskaskaden auslöste.

Tonhalle Maag Konzertsaal Foto Hannes Henz
Tonhalle Maag Konzertsaal Foto Hannes Henz

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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