Stadt Bochum Infos:Schöffen gesucht: „Einblick in Schicksale“
Justitia, heißt es, ist blind. Katja Hüskes dagegen kann gut sehen. Die diplomierte Raumplanerin, die im Bochumer Tiefbauamt Projektleiterin für den RS1 – den Radschnellweg Ruhr – ist, arbeitet ehrenamtlich als Schöffin. Sie wirkt seit vier Jahren als so genannte Laien-Richterin und entscheidet mit einem Berufsrichter und einem weiteren Schöffen über die Taten von und gegebenenfalls das Strafmaß für Jugendliche, wenn sie straffällig geworden sind.
Jetzt hat sich die 49-Jährige für die nächste Amtszeit beworben. Denn die Stadt Bochum sucht 701 Frauen und Männer, die am Amtsgericht und am Landgericht Bochum zusammen mit hauptamtlichen Richtern Urteile fällen. Juristische Kenntnisse sind nicht notwendig. Auch Akten müssen die Schöffen vor den Gerichtsterminen nicht wälzen: „Wir treffen uns am Tag der Verhandlung und besprechen jeden Fall“, erzählt Katja Hüskes. „Dabei wird man sehr gut informiert und kann alles fragen.“ Gut vorbereitet geht sie dann in die anschließende Verhandlung.
Katja Hüskes: „Schöffe ist ein wichtiges Amt. Man entscheidet über das Leben anderer Menschen.“ Warum sie sich ehrenamtlich engagiert? „Ich habe einen guten Job, die Gesellschaft hat mir viel ermöglicht. So kann ich etwas zurückgeben.“
Zusammen mit einem anderen Schöffen und einem hauptamtlichen Richter fällt Katja Hüskes Urteile. Dabei bringen sie „den gesunden Menschenverstand ein“. Pro Jahr hat sie etwa acht bis zehn Tage, an denen Verhandlungen stattfinden. Drei bis vier Fälle seien es pro Verhandlungstag. Die Stadt Bochum stellt sie für diese Arbeit frei. Auch andere Arbeitgeber müssen dies tun, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Ehrenamt ausüben. „Die Sitzungstermine erfahre ich immer schon im Dezember, so dass ich sie gut für das neue Jahr einplanen kann“, sagt Katja Hüskes. Kollidiert ein Sitzungstermin bei Gericht mit einem geplanten Urlaub, ist dies kein Problem: „Dann teile ich dies dem Gericht mit und wir stimmen einen passenden Termin ab.“ Genauso funktioniere es, wenn eine Verhandlung sich doch mal über mehrere Tage erstrecken sollte, was aber sehr selten vorkomme.
Was Katja Hüskes an ihrer Tätigkeit als Schöffin schätzt: „Man bekommt Einblick in Schicksale anderer Menschen. Das erdet.“
Derzeit läuft die Bewerbungsfrist für Schöffinnen und Schöffen. „Leider ist es dieses Mal sehr schwierig, genug Interessierte für dieses wichtige Ehrenamt zu finden“, bedauert Marco Friederich, Justiziar im Bochumer Rechtsamt. Die Stadt Bochum hat daher den Bewerbungsschluss verlängert: Bis zum 28. Mai können sich Bürgerinnen und Bürger noch informieren und bewerben.
Weitere Infos gibt es unter www.bochum.de/schoeffenwahl.
