„Bestattungskultur in Hamm“ Vortrag morgen „Sonntag, 17. Juni 2018, um 11.30 Uhr
Die erfolgreiche Sonderausstellung „Mumien - der Traum vom Ewigen Leben“ im Gustav-Lübcke-Museum geht nach einer Laufzeit von nun fast sieben Monaten am 17. Juni 2018 zu Ende. An der Finissage wird Markus Klüppel, Landschaftsarchitekt und Mitarbeiter des Grünflächenamtes der Stadt Hamm, um 11.30 Uhr in seinem interessanten Vortrag zu seinem Spezialgebiet, der Bestattungskultur, spannende Fragen stellen. Wie sieht die Friedhofslandschaft in Hamm aus? Warum gibt es 34 Friedhöfe? Was hat es mit privaten Bestattungsplätzen auf sich? Ist es bekannt, dass neben Christen auch Konfessionslose, Muslime und Hindus ihre eigenen Begräbnisplätze haben? Gibt es Gräber mit „ewigem Ruherecht“? Findet Mumifizierung auch auf unseren Friedhöfen statt?
Die Geschichte der Friedhöfe in Hamm ist bis weit in das 19. Jahrhundert hinein eng verknüpft mit den beiden großen Volkskirchen. Die katholische Kirche und seit der Reformation im 16. Jahrhundert auch die evangelische Kirche hatten jahrhundertelang das sogenannte Bestattungsmonopol inne: Die Friedhöfe gehörten den Kirchen. Die Kirchen bestimmten, wer wo bestattet werden durfte. Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, wuchs die Kritik an den Zuständen der Friedhöfe, die oftmals ungepflegt und wüst waren. Der heute geläufige Begriff der Friedhofskultur war bis in das 18. Jahrhundert hinein unbekannt. So wurden Kirchhöfe nicht nur für Bestattungszwecke genutzt, sondern das Gelände wurde auch als Viehweide verpachtet oder diente den Anwohnern als Wäschetrockenplatz. Immer wieder wurde auch beklagt, dass auf den frisch aufgeworfenen Grabhügeln die kaum verwesten Gebeine der nur wenige Jahre zuvor Bestatteten den Ekel der Betrachter hervorriefen. Um diese unhaltbaren hygienischen und ästhetischen Mängel abzustellen, wurde in Preußen durch das neue Landrecht von 1794 – eine Wende im Bestattungswesen – eingeläutet: Nunmehr wurde gesetzlich vorgeschrieben, dass Friedhofsneuanlagen nicht mehr innerhalb der Stadtmauer, sondern außerhalb der Stadttore anzulegen seien. Die daraus resultierende Trennung von Kirche und Friedhof war ein wichtiger Schritt hin zu einem kommunal organisierten Friedhofswesen.
Wie sich das Friedhofswesen in der Folgezeit weiterentwickelte und wie die Friedhofslandschaft heute in Hamm aussieht wird ebenso Thema des Vortrags sein wie aktuelle Trends in der Bestattungskultur.
