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Neuer Webshop für BAM-Referenzmaterialien: Über 600 Produkte schnell und sicher bestellen

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
(BAM) hat ihr Angebot für Referenzmaterialien vollständig überarbeitet.
Über 600 Produkte – von Referenzmaterialien, Prüfmitteln bis zur Teilnahme
an Ringversuchen – können im neuen Webshop online bestellt werden. Die BAM
ist eine der wichtigsten Herstellerinnen von Referenzmaterialien in Europa
und beliefert damit Kund*innen auf der ganzen Welt.

Referenzmaterialien sind für Industrie, Wissenschaft und Forschung
unverzichtbar, wenn es darum geht, das Leben sicherer zu machen. Sie
dienen der Rückführung von Messergebnissen auf anerkannte Bezugsgrößen,
zur Kalibrierung von Messinstrumenten oder zur Validierung von
wissenschaftlichen Methoden. Sie spielen daher eine fundamentale Rolle bei
der Qualitätssicherung in Wissenschaft, Forschung und in der industriellen
Produktion. Mit ihrer Hilfe lässt sich etwa prüfen, ob Spielzeug
krebserregende Schadstoffe enthält, Solarzellen Licht effizient
verarbeiten oder auf welchen Wegen Mikroplastik in die Umwelt gelangt.
Die BAM entwickelt und vertreibt seit über 100 Jahren Referenzmaterialien
und ist in diesem Bereich von der International Organization for
Standardization (ISO) akkreditiert.
Jetzt hat die BAM ihren Webshop für Referenzmaterialien modernisiert und
mit zahlreichen neuen Funktionen versehen. Eine übersichtliche
Produktpräsentation erleichtert die Navigation. Kund*innen können sich ab
sofort aus ihrem Warenkorb heraus ein unverbindliches Angebot erstellen
lassen, jederzeit den Status ihrer Bestellung einsehen und Rechnungen
online abrufen.
Zur Auswahl stehen künftig auch Zahlungsmöglichkeiten per Kreditkarte,
Giropay oder SEPA-Lastschrift. Neu ist außerdem der Express Versand sowie
die Möglichkeit, Lieferungen per Track-and-Trace zu verfolgen. Bei Fragen
können Mitarbeiter*innen im Vertrieb der BAM kontaktiert werden.

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Deutsche Leberstiftung zum Tag der Organspende: Leberzirrhose ist häufigster Grund für eine Lebertransplantation

Nach zwei Jahren, in denen zum Tag der Organspende virtuelle
Veranstaltungen stattfanden, wird 2022 auf das lebenswichtige Thema wieder
mit einer Präsenzveranstaltung hingewiesen. Am 4. Juni 2022 sollen in der
diesjährigen Partnerstadt Mainz mit der Aufforderung „Zeit, Zeichen zu
setzen“ Menschen motiviert werden, eine individuelle Entscheidung zur
Organspende zu treffen.

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers, das zahlreiche
lebenswichtige Aufgaben erfüllt. Wenn die Leber versagt, ist die
Lebertransplantation bis heute die einzige Therapiemöglichkeit.

Der häufigste Grund für eine Transplantation der Leber in den westlichen
Ländern ist die Leberzirrhose, die durch verschiedene Lebererkrankungen
verursacht sein kann. Während in den letzten Jahren die chronische
Hepatitis C immer seltener die Ursache für eine Leberzirrhose ist, nimmt
die durch die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis (NASH) bedingte
Leberzirrhose immer stärker zu. Auch andere Erkrankungen, übermäßiger
Alkoholkonsum oder Vergiftungen können Gründe für eine Leberzirrhose sein.

Bei einer fortgeschrittenen chronischen Lebererkrankung vernarbt die Leber
immer stärker, das gesunde Lebergewebe wird verdrängt. Dieser Vorgang kann
in einer Leberzirrhose münden. Die chronischen Schädigungen der Leber
führen zu einer Zerstörung der Leberzellen. So verliert die Leber immer
mehr die Fähigkeit, ihre Aufgaben zu erfüllen. Anfangs reicht das
restliche Lebergewebe noch aus, um die Funktion der Leber in normalen
Lebenssituationen aufrechtzuerhalten. Wenn aber immer mehr Leberzellen
zugrunde gehen, kann die Leber ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend
bewältigen und es kommt zu einem Leberversagen.

Im ersten Quartal 2022 ist nach Angaben der Deutschen Stiftung
Organtransplantation (DSO) ein starker Rückgang von Organspendern und
Organentnahmen zu verzeichnen. Die Zahl der Organspenden ist um fast ein
Drittel gesunken. Eine unerwartete Entwicklung, da Deutschland im
Vergleich zu den meisten anderen Ländern bislang ohne negative
Auswirkungen auf die Organspende durch die Corona-Pandemie gekommen ist.
Ein Grund für den Rückgang könnte laut DSO unter anderem die angespannte
Situation in den Kliniken sein.

Auch die Zahl der postmortalen Lebertransplantationen ist im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum von Januar bis April um 25,7 Prozent reduziert. Diese
Entwicklung ist besonders dramatisch, da das lebenswichtige Organ Leber
zahlreiche Funktionen im Körper hat, die so vielfältig und komplex sind,
dass sie nicht über einen längeren Zeitraum mit medizinischen Apparaten zu
ersetzen sind.

Die Relevanz des Themas Organspende kennt auch Egbert Trowe,
Vorstandsmitglied Lebertransplantierte Deutschland e. V.: Trowe wurde 2002
im Alter von 57 Jahren eine Spenderleber transplantiert, nachdem eine
unerkannte Virushepatitis seine Leber so stark unumkehrbar geschädigt
hatte, dass sie ihre lebenswichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen
konnte. Seit mehreren Jahren ist Trowe Mitorganisator und Teilnehmer der
Aktion „Geschenkte Lebensjahre“, die beim Tag der Organspende zum festen
Programm zählt.

„Es freut mich, dass wir in diesem Jahr erstmalig seit dem Beginn der
Corona-Pandemie den Tag der Organspende am ersten Samstag im Juni wieder
mit einer Vor-Ort-Veranstaltung begehen können. Mit der Aufforderung
‘Zeit, Zeichen zu setzen‘ sollen die Menschen in ganz Deutschland
motiviert werden, eine persönliche Entscheidung zur Organspende zu
treffen“, erklärt Egbert Trowe und ergänzt: „Der coronabedingte Rückgang
der Organspendezahlen in Deutschland im ersten Quartal 2022 zeigt uns, wie
wichtig es ist, dass alle Akteure im Prozess der Organspende trotz
widriger Umstände die schwer kranken Menschen auf den Wartelisten nicht
aus den Augen verlieren. Wir brauchen weiterhin die aktive Zustimmung aus
der Bevölkerung und auch das engagierte Handeln der Kliniken und
Organisationen.“

Auf der Warteliste für eine Lebertransplantation standen in Deutschland im
Jahr 2021 fast 1.400 Menschen – transplantiert wurden 834 Spenderorgane.
Noch immer sterben täglich Menschen, denen mit einer Transplantation hätte
geholfen werden können.

Vor den 1950er-Jahren war das Ersetzen von kranken oder verletzten
Körperteilen nur eine Szenerie in fantastischen Romanen oder Science-
Fiction-Filmen. Doch seit Mitte der 50er-Jahre in den USA die erste
Nierentransplantation und 1967 in Kapstadt die erste Herztransplantation
gelang, übersteigt der Bedarf an Organen, die schwer kranken Menschen das
Leben retten könnten, die Zahl der verfügbaren Organe. Und seit jeher wird
versucht, mehr Menschen zu einer (positiven) Entscheidung in Bezug auf die
Organspende zu motivieren.

Die Gesundheitsbehörde in Hamburg machte am 3. November 1971 mit der
Ausgabe des ersten Organspendeausweises erstmalig einen Vorstoß, die
Spendebereitschaft zu erhöhen. Das kleine Kärtchen feierte also im letzten
Jahr bereits seinen fünfzigsten Geburtstag, doch angesichts der sinkenden
Transplantationszahlen ist es so aktuell und wichtig wie nie.

Das erläutert auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung,
Prof. Dr. Michael P. Manns: „Es ist wirklich an der Zeit, Zeichen zu
setzen. Jeder sollte seine Entscheidung entweder in einem
Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung schriftlich
dokumentieren. Ich hoffe, dass mit dem am 1. März 2022 in Kraft getretenen
Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende
tatsächlich mehr Menschen aktiv werden. Eine Transplantation ist zwar ein
hochkomplexes Verfahren, aber wir sind in der Lage, durch die
interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr gute Heilerfolge erzielen – und
könnten noch mehr Menschen heilen, wenn ausreichend Organe zur Verfügung
stehen würden.“

Die Deutsche Leberstiftung bietet ein Informationsfaltblatt zum Thema
„Leber und Transplantation“ an. Bestellmöglichkeiten und Download auf der
Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstiftung.de.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D]. Weitere
Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch. Sie
können ein Rezensionsexemplar per Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> (Frau M.
Asche) anfordern.

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Durch Steuern zu mehr Nachhaltigkeit: Wie neue Strategien Wirtschaft und Gemeinwohl fördern

Zwar werden Steuern und Steuerpolitik in der öffentlichen Wahrnehmung eher
als Themen für Fachleute wahrgenommen, doch haben sie unmittelbare
Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt – auch im Hinblick
auf Nachhaltigkeit. Gerade die Verknüpfung von ökonomischen, ökologischen
und gesellschaftlichen Lösungsansätzen steht im Mittelpunkt des neuen
Bachelorstudiengangs „Sustainability in Business and Economics“ der
Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Er vermittelt
Expertise auch an Absolventinnen und Absolventen, die künftige
Steuerpolitik mitgestalten oder etwa Unternehmen zu steuerlichen Aspekten
beraten wollen.

Zum Dozierendenteam gehört unter anderem Prof. Dr. Reinald Koch, der an
der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Ingolstadt (WFI) der KU den
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre innehat. „Nachhaltigkeit
in steuerlicher Hinsicht bedeutet auch, Unternehmen krisenfest zu machen“,
betont Koch. So hat sich der Wissenschaftler zusammen mit seiner Kollegin
Prof. Dr. Dominika Langenmayr damit beschäftigt, welche steuerlichen
Maßnahmen Unternehmen in der langwährenden Coronakrise dabei helfen, um
liquide zu bleiben und auch weiterhin Luft für Investitionen zu haben. Als
ein Instrument haben sie dabei den sogenannte Verlustrücktrag
identifiziert. Generell haben Unternehmen schon länger die Möglichkeit,
Verluste mit Gewinnen des Vorjahres zu verrechnen. Zu viel gezahlte
Steuern auf diese Gewinne wurden dann erstattet. Dieser sogenannte
Verlustrücktrag war jedoch auf eine Millionen Euro gedeckelt. Die
Beschränkung auf Gewinne des Vorjahres hat jedoch zur Folge, dass ein
ohnehin geschwächtes Unternehmen keine Verluste geltend machen könnte,
wenn es im Verlauf der Krise weiterhin keine Gewinne erwirtschaftet hat.
Koch und Langenmayr haben simuliert, welche Wirkung es hätte, wenn
Unternehmen auch weiter zurückliegende Gewinne mit Verlusten verrechnen
lassen können, die vor Corona erwirtschaftet wurden, bzw. die Summe des
möglichen Verlustrücktrages erhöht wird. Der Sachverständigenrat zur
Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die sogenannten
„Wirtschaftsweisen“, haben darauf Bezug genommen.

„Auch jenseits der Krise kann der Verlustrücktrag ein Instrument sein, das
Anreize für Innovation bietet – im Hinblick auf Produkte und
Dienstleistungen, die zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Auch andere
steuerliche Instrumente zeigen hier Wirkung: Durch entsprechende Anreize
sind die Zulassungszahlen für Dienstwagen mit Hybridantrieb oder
Investitionen für klimafreundliche Infrastruktur angetrieben worden“,
schildert Professor Koch. Generell seien Wirtschaft und Gesellschaft an
einem Punkt angekommen, wo Konsens über die Notwendigkeit eines
grundlegenden Umdenkens in Sachen Nachhaltigkeit bestehe.

Dabei gehe es auch um Fragen von Gerechtigkeit, Fairness und Transparenz.
So habe die EU kürzlich einen Vorschlag veröffentlicht, der Unternehmen
dazu verpflichten soll, ihre Steuerzahlungen und Wirtschaftstätigkeit
länderweise zu veröffentlichen. „Hintergrund dieser Idee ist, dass die
Öffentlichkeit aggressive Steuervermeidung von Unternehmen durch Konsum-
und Investitionsentscheidungen sanktionieren und eine stärkere Transparenz
somit zu einer gerechteren Verteilung der Unternehmenssteuerlast beitragen
kann“, erläutert Koch.

Nachhaltigkeit im Bereich der Steuern bedeutet aber auch, den steuerlichen
Rahmen effizient zu gestalten – für den Staat und die Unternehmen. Obwohl
bereits einige Hindernisse für den Binnenmarkt in anderen Bereichen
beseitigt wurden, ringen Unternehmen, die in der EU tätig sind, nach wie
vor mit bis zu 27 verschiedenen nationalen Steuersystemen. „Der
Flickenteppich aus nationalen Steuervorschriften verursacht unnötige
Kosten für Unternehmen und erschwert grenzüberschreitende Investitionen im
Binnenmarkt. Dies gilt nicht nur für größere Unternehmen, sondern auch für
kleine und mittelständische Firmen, Start-ups und andere Unternehmen, die
wachsen, expandieren und grenzüberschreitend Handel treiben wollen“, so
Koch. Gleichzeitig entstünden Schlupflöcher und eine Komplexität, die
Möglichkeiten für aggressive Steuerplanung eröffnen und die Herstellung
gleicher Wettbewerbsbedingungen behindern. „Politische Entscheidungen im
Bereich der Unternehmensbesteuerung beeinflussen außerdem die
Investitionsfreundlichkeit des Steuersystems.“

Langfristig will die Kommission bis 2023 einen neuen Rahmen für die
Unternehmensbesteuerung vorlegen. Dieser steht unter dem Titel „Business
in Europe: Framework for Income Taxation“ (BEFIT). Während Konzerne
aktuell die Gewinne der einzelnen Tochtergesellschaften einzeln ermitteln
und im jeweiligen Land versteuern, soll mit BEFIT der Konzerngewinn als
Ganzes ermittelt und auf die einzelnen Länder nach einer Formel aufgeteilt
werden. Als eine Folge müssten Unternehmen sich künftig nicht mehr mit 27
Steuersystemen in der EU auseinandersetzen, sondern nur noch einem
entsprechen.

„Im Rahmen unseres neuen Studiengangs ,Sustainability in Business and
Economics‘ ist es uns ein Anliegen, dass die Studierenden nicht nur das
Handwerkszeug zum Verständnis der steuerlichen Regelungen erhalten,
sondern insbesondere die komplexen Zusammenhänge durchdringen, um dann zu
Lösungen für mehr Nachhaltigkeit beizutragen“, betont Professor Koch.

Eine Bewerbung für den zulassungsbeschränkten sechssemestrigen
Bachelorstudiengang „Sustainability in Business and Economics“ ist noch
bis 15. Juli möglich. Weitere Informationen finden sich unter
<www.ku.de/sbe>.

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Kein Hirntumorrisiko durch Handystrahlung

Nahezu jeder Bundesbürger hat ein Handy. Es wird immer wieder
diskutiert, ob die elektromagnetische Hochfrequenzstrahlung Risiken birgt.
Die größte Sorge besteht hinsichtlich Hirntumoren. Nach aktueller
Studienlage ist davon auszugehen, dass die Handynutzung das
Hirntumorrisiko nicht erhöht. Auch die nun publizierte Follow-up-Analyse
der prospektiven, seit über 20 Jahren laufenden „UK Million Women Study“
[1] konnte keinen Anhalt für ein höheres Hirntumorrisiko durch
Handystrahlung liefern.

Die kabellose Kommunikation über Mobiltelefone geht mit einer Emission von
elektromagnetischen Feldern („radiofrequency electromagnetic fields“/RF-
EMF) einher. RF-EMF gab es im Alltag bereits vor dem Mobilfunk durch Radio
und Fernsehen; dies sind jedoch keine Geräte, die in Kopfnähe verwendet
wurden. Die ausgesendete elektromagnetische Strahlung liegt im
hochfrequenten Spektrum zwischen FM-Radiowellen und Mikrowellen; sie ist
wie auch sichtbares Licht und Wärmestrahlung nicht-ionisierend – im
Gegensatz zu ionisierenden Strahlen wie UV-, Röntgen-, und γ-Strahlung.
Die Energie der Handy-Strahlung reicht nicht aus, um die DNA in den
Zellkernen direkt zu schädigen und somit Krebs auszulösen. Hohe Dosen von
RF-Wellen können jedoch Zellen und Gewebe erwärmen; dabei gilt: je
niedriger die Frequenz, desto tiefer dringen die Strahlen ein. Innerhalb
der vorgeschriebenen Grenzwerte reicht die Energie von Mobiltelefonen aber
nicht aus, um beispielsweise die Körpertemperatur zu erhöhen. Lange Zeit
wurde diskutiert, dass es auch unterhalb dieser Grenzwerte biologische
Nebenwirkungen von Mobiltelefon-Nutzung geben könnte, möglicherweise durch
andere Mechanismen als die Wärmeabgabe. Viele Studien untersuchten die
Assoziation zwischen Handynutzung und Hirntumoren – nach der aktuellen
Evidenz erhöht eine normale Nutzung von Mobiltelefonen das Hirntumorrisiko
nicht [2].

Ein Update der „UK Million Women Study“ [1] berichtet nun über die Follow-
up-Phase (ab 2013) zur möglichen Assoziation zwischen Mobiltelefon-Nutzung
und Hirntumoren. Die großangelegte, prospektive Studie begann 1996 in
England und Schottland mit der Rekrutierung jeder vierten, zwischen
1935-1950 geborenen Frau in UK an 66 Brustkrebs-Screeningzentren des NHS
(National Health Service). Primär sollte die Assoziation von
Brustkrebsrisiko und menopausalen Hormontherapien evaluiert werden – sowie
anderer potenziell modifizierbarer Faktoren, die die Gesundheit von Frauen
im späteren Leben beeinträchtigen könnten. Bis 2001 wurden 1,3 Millionen
Frauen in die Studie eingeschlossen. Im Jahr 2001 wurden erstmals Fragen
zur Nutzung von Mobiltelefonen gestellt, dann wieder 2011.

Von 776.156 Frauen, die 2001 den Fragebogen vollständig beantwortet
hatten, erkrankten im Follow-up über 14 Jahre 3.268 an einem Hirntumor.
Das adjustierte relative Risiko bei Handy-Nutzung („ever“) versus keine
Handynutzung („never“) betrug für alle Arten von Hirntumoren 0,97; für
Gliome 0,89 und für Meningeome, Hypophysentumoren und Akustikusneurinome
jeweils 1,0. Daher besteht kein erhöhtes Hirntumorrisiko bei Handynutzung.
Verglichen mit Teilnehmerinnen, die angaben, nie Mobiltelefone zu nutzen,
gab es auch keine statistisch signifikanten Assoziationen für Hirntumoren
bzw. Tumor-Subtypen bei den Untergruppen mit „täglichem Gebrauch des
Mobiltelefons“ oder mit „Gebrauch des Mobiltelefons seit mindestens zehn
Jahren“. Wenn man die Handy-Nutzung von 2011 zugrunde legt, gab es
gegenüber „Nie-Nutzerinnen“ auch keine statistisch signifikanten
Assoziationen bei Teilnehmerinnen, die „mindestens eine Minute pro Woche“
oder „mindestens 20 Minuten pro Woche mobil telefonierten“ oder „seit
mindestens zehn Jahren ein Mobiltelefon nutzten“: Für alle Gruppen lag das
relative Risiko für Gliome in den Gehirnbereichen, die potenziell der
stärksten Handystrahlung ausgesetzt sind (Temporal- oder Parietallappen),
ungefähr bei 1,0. Auch kommt hinzu: Die Strahlungsemission hat mit immer
neueren Handy-Generationen deutlich abgenommen, so dass man heute bei
exzessiver Nutzung wahrscheinlich der gleichen Menge an RF-EMF-Exposition
ausgesetzt ist wie bei moderater Nutzung von Mobiltelefonen der ersten
Generation.

„Auch wenn in dieser Studie ausschließlich Daten zu Frauen erhoben wurden,
unterstützen die Ergebnisse die zunehmende Evidenz, dass eine
Mobiltelefon-Nutzung unter den üblichen Bedingungen Risiko und Inzidenz
für Hirntumoren nicht erhöht“, kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Christoph
Diener, der Pressesprecher der DGN. „Eine weitere seit über 10 Jahren
laufende internationale prospektive Kohortenstudie [6] zu den
gesundheitlichen Auswirkungen der Mobilfunk-Nutzung bei beiden
Geschlechtern könnte demnächst weitere Erkenntnisse bringen“, ergänzt
Prof. Dr. med. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

[1] Schüz J, Pirie K, Reeves GK et al.  Cellular Telephone Use and the
Risk of Brain Tumors: Update of the UK Million Women Study. J Natl Cancer
Inst 2022 May 9; 114 (5): 704-711  doi: 10.1093/jnci/djac042.
[2] Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks
(SCENIHR). Opinion on Potential Health Effects of Exposure to
Electromagnetic Fields (EMF). European Commission; 2015
https://ec.europa.eu/health/scientific_committees/emerging/docs/scenihr_o_041.pdf.
Accessed January 20, 2022
[3] Baan R, Grosse Y, Lauby-Secretan B et al.; for the WHO International
Agency for Research on Cancer Monograph Working Group. Carcinogenicity of
radio frequency electromagnetic fields. Lancet Oncol 2011; 12 (7): 624–626
[4] Falcioni L, Bua L, Tibaldi E et al. Report of final results regarding
brain and heart tumors in Sprague-Dawley rats exposed from prenatal life
until natural death to mobile phone radiofrequency field representative of
a 1.8GHz GSM base station environmental emission. Environ Res 2018; 165:
496–503 doi:10.1016/j.envres.2018.01.037.
[5] National Toxicology Program (NTP). NTP Technical Report on the
Toxicology and Carcinogenesis Studies in Hsd:Sprague Dawley SD Rats
exposed to Whole-Body Radio Frequency Radiation at a Frequency (900 MHz)
and Modulations (GSM and CDMA) Used by Cell Phones. National Institutes of
Health, Public Health Service, US Department of Health and Human Services;
November 2018
https://ntp.niehs.nih.gov/publications/reports/tr/500s/tr595/. Accessed
March 8, 2022
[6] Schüz J, Elliott P, Auvinen A et al. An international prospective
cohort study of mobile phone users and health (Cosmos): design
considerations and enrolment. Cancer Epidemiol 2011; 35 (1): 37–43

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