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Weltgesundheitsorganisation erneuert Zusammenarbeit mit Bundesamt für Strahlenschutz

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Bundesamt für Strahlenschutz
(BfS) erneut als WHO-Kooperationszentrum (WHO Collaborating Centre, CC)
benannt. Damit wird das BfS die WHO für weitere vier Jahre mit seiner
Expertise im Strahlenschutz unterstützen.

„Mit ihrer erneuten Entscheidung für das BfS als Kooperationszentrum
unterstreicht die WHO die Bedeutung aktueller Forschung und Expertise im
Strahlenschutz für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung“, betont BfS-
Präsidentin Inge Paulini.

„In Deutschland ist die Wahrnehmung von Strahlung stark durch die Risiken
der Atomkraft geprägt“, erläutert Paulini. „So unverzichtbar es ist, auf
radiologische Notfälle vorbereitet zu sein, überdeckt die Dominanz dieses
Themas oft, wie wichtig Strahlenschutz auch für viele andere Bereiche
unseres alltäglichen Lebens ist: Zum Beispiel in der Medizin, bei der
Einführung neuer Funktechnologien oder bei der Bewertung der Qualität
unseres Trinkwassers.“

Die erneuerte Zusammenarbeit mit der WHO umfasst vier
Kooperationsbereiche, in denen sich das BfS an der Ermittlung und
Bewertung von Strahlenrisiken, ihrer Kommunikation, der Entwicklung
internationaler Sicherheitsstandards und technischer Leitlinien sowie an
der Durchführung internationaler Workshops und internationaler
Ausbildungsprogramme beteiligt:

•       nichtionisierende Strahlung,
•       medizinische und gesundheitliche Aspekte des radiologischen
Notfallschutzes,
•       medizinische Strahlenanwendungen,
•       bestehende Expositionssituationen.

Hintergrund: Die Kooperationsbereiche

Nichtionisierende Strahlung
Zur nichtionisierenden Strahlung gehören unter anderem elektromagnetische
Felder, wie sie beispielsweise beim Mobilfunk und anderen Funkanwendungen
entstehen, sowie die optische Strahlung. Die optische Strahlung umfasst
die für unsere Augen nicht wahrnehmbare ultraviolette (UV) Strahlung, das
sichtbare Licht und Infrarotstrahlung.

Als WHO-Kollaborationszentrum trägt das BfS zur Entwicklung allgemeiner
Sicherheitsstandards für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei.
Es beteiligt sich an der Entwicklung von Forschungsprogrammen, die den
Zusammenhang zwischen nichtionisierender Strahlung und Gesundheit
untersuchen. Das BfS unterstützt die WHO bei der Durchführung von WHO-
Webinar-Reihen und bei der fachlichen Erarbeitung von WHO-Publikationen
zum Thema „nichtionisierende Strahlung und Gesundheit“. Auf Vermittlung
der WHO steht das BfS anderen Mitgliedstaaten in fachlichen Fragen
beratend zur Seite.

Medizinische und gesundheitliche Aspekte des radiologischen
Notfallschutzes
Eine adäquate gesundheitliche Versorgung nach einem Unfall, bei dem
radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen, setzt eine vorausschauende
Planung voraus. Neben der körperlichen spielt dabei die psychische
Gesundheit eine wichtige Rolle.

Das BfS bringt seine Expertise in diesem Bereich unter anderem in die
Entwicklung von Praxisleitfäden ein, die die Gesundheitsbehörden der WHO-
Mitgliedstaaten dabei unterstützen sollen, psychosoziale Folgen
radiologischer Notfälle so weit wie möglich zu minimieren.

Bereits seit etlichen Jahren etabliert ist die Zusammenarbeit zwischen BfS
und WHO in der biologischen Dosimetrie. Dieses Verfahren ermöglicht, eine
zurückliegende, erhöhte Strahlenbelastung anhand von Biomarkern in
Blutzellen nachzuweisen. Auf diesem Weg lassen sich nach einem Unfall
beispielsweise diejenigen Personen identifizieren, die wegen einer
erhöhten Strahlenexposition einer besonderen medizinischen Beobachtung
oder Nachsorge bedürfen – denn entsprechende Symptome können auch durch
psychischen Stress ausgelöst werden. Das BfS bringt sich in diesem Bereich
weiterhin maßgeblich in die Durchführung von internationalen Ringversuchen
zur Qualitätssicherung und zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragen ein.

Medizinische Strahlenanwendungen
In der Medizin wird ionisierende Strahlung zum Beispiel bei
konventionellen Röntgenaufnahmen und Computertomographien, aber auch zur
Bestrahlung von Tumoren eingesetzt. Auch radioaktive Stoffe werden zu
diagnostischen oder therapeutischen Zwecken am Menschen angewendet.

Jeder Fehler bei der Anwendung kann Patient*innen schaden. Im Rahmen der
WHO-Kooperation stellt das BfS Analysen und Best-Practice-Beispiele zur
Vermeidung von Fehlern und zur Verbesserung der Sicherheitskultur bereit.
Außerdem erarbeitet das BfS fachliche Grundlagen zu Nutzen und Risiken von
medizinischen Strahlenanwendungen und stellt diese zu Aufklärungszwecken
zur Verfügung.

Bestehende Expositionssituationen
Als bestehende Expositionssituation gelten Strahlenbelastungen des
Menschen, deren Ursachen sich nicht oder nur eingeschränkt beeinflussen
lassen. Dazu zählt in vielen Fällen natürlich vorkommende ionisierende
Strahlung, wie sie etwa vom radioaktiven Gas Radon oder von radioaktiven
Stoffen im Trinkwasser und in Lebensmitteln ausgeht.

Das BfS beteiligt sich innerhalb dieses Themenschwerpunkts an der
Überarbeitung des Radon-Handbuchs der WHO sowie der Trinkwasser-Leitlinien
der WHO und wirkt an der Entwicklung von Materialien für die
Risikokommunikation für beide Bereiche mit. Darüber hinaus trägt das BfS
zur Entwicklung von Empfehlungen für die Risikokommunikation hinsichtlich
des sicheren Konsums von Lebensmitteln nach einem radiologischen Notfall
bei und forscht zu den biologischen Mechanismen, die die
gesundheitsschädigende Wirkung von Radon genauer erklären könnten.

WHO-Kooperationszentren
Die Kooperationszentren der WHO sind vom Generaldirektor ernannte
Forschungseinrichtungen oder Institute, die der WHO als Teil eines
internationalen Kooperationsverbundes in Gesundheitsfragen zuarbeiten. Das
BfS ist als „WHO-Kooperationszentrum für ionisierende und
nichtionisierende Strahlung und Gesundheit“ eines von weltweit 24
Kooperationszentren im Themenbereich Strahlung. Zwei davon haben ihren
Sitz in Deutschland. Die Zusammenarbeit der Zentren mit der WHO soll auch
den Austausch der einzelnen Institutionen untereinander fördern.

Weitere Informationen über die Kooperation mit der WHO stellt das BfS in
seinem Internetauftritt bereit.

Bundesamt für Strahlenschutz
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) arbeitet für den Schutz des
Menschen und der Umwelt vor Schäden durch Strahlung. Das BfS informiert
die Bevölkerung und berät die Bundesregierung in allen Fragen des
Strahlenschutzes. Die über 550 Beschäftigten bewerten Strahlenrisiken,
überwachen die Umweltradioaktivität, unterstützen aktiv im radiologischen
Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im
medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und
strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind
weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde
betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen
Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter www.bfs.de.

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Nach Kinderherz-OP: Wie Eltern ihre Kinder stärken und stützen

Frühe Herzoperation belastet Kinder und Eltern. Kinderherzstiftung bietet
hilfreiche Informationen für betroffene Familien

Eine Herzoperation im frühen Kindesalter ist belastend – nicht nur für die
Kinder selbst, sondern auch für deren Eltern und Geschwister. Da
inzwischen ein Großteil der betroffenen Kinder das Erwachsenenalter
erreicht, befassen sich Wissenschaftler zunehmend mit den psychischen
Langzeitfolgen früher Herzoperationen. Pro Jahr erfolgen hierzulande etwa
8.000 kinderherzchirurgische Eingriffe zur Behandlung angeborener
Herzfehler, darunter etwa die Hälfte bei Kindern unter einem Jahr
(Deutscher Herzbericht 2020). „Zwar sind dank des medizinischen
Fortschritts Komplikationen heute selten und Sterberaten nach einer
Herzoperation im Kindesalter sehr niedrig. Aber ein diagnostizierter
Herzfehler und ein operativer Eingriff beim eigenen Kind können die Psyche
des Kindes und seine Familie sehr belasten“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Daher
sollten vermehrt die psychischen Langzeitfolgen sowie die Lebensqualität
der Betroffenen in den Fokus rücken, fordert der Kardiologe. Erste
Ergebnisse einer von der Herzstiftung geförderten Studie zeigen, dass sich
ein Großteil der Kinder gut entwickelt und kaum Beeinträchtigungen zeigt.
Das Erleben und Verhalten der Mütter können dabei die psychisch gesunde
Entwicklung der Kinder unterstützen.

Wie Eltern ihre Kinder in der schwierigen Zeit nach der Operation stärken
können, schildern die Psychologinnen PD Dr. Anna Eichler und Jennifer
Gerlach an der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit in
der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik am
Universitätsklinikum Erlangen in der aktuellen “herzblatt”-Ausgabe 4/2021.
Ein Probeexemplar dieser Ausgabe kann kostenfrei bei der Herzstiftung
angefordert werden unter Tel. 069 955128-400 oder per Mail unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Informationen für Eltern herzkranker Kinder
bietet die Kinderherzstiftung kostenfrei unter www.herzstiftung.de/leben-
mit-angeborenem-herzfehler


Eltern unter Dauerstress
Eltern von Kindern mit angeborenen Herzfehlern sind mit besonderen
emotionalen Herausforderungen konfrontiert: In der Regel löst die Diagnose
starke Gefühle aus, die nicht selten in einem „emotionalen Zusammenbruch“
münden. Mehr als 80 Prozent der Eltern berichten in dem Zeitraum vor und
nach der Operation von Symptomen einer Posttraumatischen
Belastungsstörung. Bis zu 50 Prozent entwickeln Anzeichen einer Depression
oder einer Angststörung. Nicht selten kommen zu den Ängsten und der Sorge
ums Kind finanzielle oder partnerschaftliche Probleme. „Eltern von
herzkranken Kindern stehen unter Dauerstress“, betont die Psychologin
Jennifer Gerlach. Dabei hätten Studien gezeigt, dass Mütter von den
Belastungen stärker betroffen sind als ihre Partner. Sie litten häufiger
unter Stress, Angst und Depressionen als die Väter. „Die Mutter-Kind-
Beziehung wird durch belastende Klinikaufenthalte und invasive
medizinische Behandlungen wie Operationen gestört“, erläutert Gerlach. Die
mütterliche Feinfühligkeit werde durch die eigene Belastung beeinträchtigt
– und damit auch die Art und Weise, wie sie auf die Bedürfnisse des Kindes
reagiere.

Stabile Mütter als Schutzfaktor für Kinder
Welche psychischen Folgen eine frühe Operation möglicherweise haben kann,
untersucht eine Studie des Universitätsklinikums Erlangen, die 2015
startete und von der Deutschen Herzstiftung gefördert wird. Sie untersucht
und begleitet 39 Kinder, die mit einem Ventrikulären Septumdefekt (VSD),
also einem Loch in der Herzscheidewand, geboren wurden, sowie deren
Mütter. Alle Kinder wurden in den ersten drei Lebensjahren operiert. Die
Ergebnisse der ersten Erhebungswelle machen Mut: Im Durchschnitt waren die
39 beteiligten Kinder im Grundschulalter kognitiv und motorisch
altersgerecht entwickelt. Auch psychisch waren die meisten Kinder stabil,
ihr Wohlbefinden glich dem der nicht-betroffenen Kontrollgruppe.
Allerdings beobachteten die Forscherinnen vereinzelt stärkere Ängste bei
Kindern, deren Mütter vermehrt von eigenen Ängsten berichtet hatten. „Das
bedeutet, dass die Ängste der Mütter einen Risikofaktor darstellen, der
mit mehr Ängsten bei den operierten Kindern einhergeht“, erläutert
Studienleiterin und Psychologin Priv.-Doz. Anna Eichler. In der
Kontrollgruppe sei dieser Zusammenhang weniger zu beobachten. Eine
Unterstützung der betroffenen Familien, insbesondere der Mütter, kann
daher die weitere Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen.

Informieren, austauschen, Unterstützung annehmen
Um die Sorgen und Ängste möglichst gering zu halten, raten die
Psychologinnen dazu, sich über die Diagnose und die Behandlung so gut wie
möglich zu informieren. „Eltern, die die Diagnose und das Prozedere
verstehen, können den Stress in der Situation reduzieren“, betont Anna
Eichler. Doch auch der Austausch mit anderen Betroffenen sowie die
psychosoziale Unterstützung sind wichtige Schutzfaktoren, um Eltern zu
stabilisieren und damit auch die Ängste bei den Kindern zu reduzieren.
Hier sind die Info-Angebote der Kinderherzstiftung unter
www.herzstiftung.de/leben-mit-angeborenem-herzfehler hilfreich:

- Informationen einholen: Wer über Diagnose und Behandlung Bescheid weiß,
empfindet weniger Unsicherheit und Stress. In der Online-Sprechstunde der
Kinderherzstiftung beantworten Experten Fragen von Eltern herzkranker
Kinder.
- Austausch mit anderen Betroffenen: Das Gespräch über Erfahrungen und
Gefühle wie Ängste, Trauer, Sorgen und Wut kann entlasten. Andere
betroffene Eltern finden Sie zum Beispiel über Elterninitiativen oder
Selbsthilfegruppen.
- Psychologische Hilfe annehmen: Auf vielen kinderkardiologischen
Stationen gibt es Psychologen, die Eltern und Kinder während der
Behandlung begleiten und beraten. Nach der Zeit im Krankenhaus haben
Familien schwerkranker Kinder zudem Anspruch auf sozialmedizinische
Nachsorge, die auch die Unterstützung der Eltern umfasst.

Die Forscherinnen betonen, dass eine soziale Unterstützung sowie der
Zusammenhalt in der Familie den Stress der Mütter und Väter herzkranker
Kinder reduzieren kann. Zudem trage ein „proaktiver Erziehungsstil“, bei
dem sich Eltern im Alltag eng mit dem Kind austauschen, zu einer gesunden
Entwicklung der Kinder bei.

Erlanger Studie erforscht Risiko- und Schutzfaktoren herzkranker Kinder
Die erste Erhebung der 39 Familien VSD-operierter Kinder im Jahr 2015
konnte bereits verschiedene Schutz- und Risikofaktoren für die kindliche
Entwicklung nach einer Herzoperation aufzeigen. Bei der zweiten Erhebung,
die im Jahr 2020 startete, werden auch die inzwischen jugendlichen Kinder
selbst zu ihrem Befinden befragt. Das Forschungsprojekt zielt unter
anderem darauf ab, Familien vor einer Operation angemessen zu beraten. Der
Titel der von der Herzstiftung mit 58.000 Euro geförderten Studie lautet
„Psychische Gesundheit und Entwicklungsstand nach früher operativer
Ventrikelseptumdefekt (VSD)-Korrektur: Risiko- und Schutzfaktoren im
Kindes- und Jugendalter“.

(CME)

Weiterführende Infos für Eltern herzkranker Kinder und Erwachsene mit
angeborenem Herzfehler sind abrufbar unter
www.herzstiftung.de/leben-mit-angeborenem-herzfehler
www.herzstiftung.de/leben-mit-angeborenem-herzfehler/jemah-und-emah
Newsletter herzblatt-Express: www.herzstiftung.de/herzblatt-express

herzblatt: Jetzt Probeexemplar anfordern!
Das Magazin für ein Leben mit angeborenem Herzfehler „herzblatt“ erscheint
viermal im Jahr. Mit ihrer Publikation „herzblatt“ richtet sich die
Kinderherzstiftung der Deutschen Herzstiftung gezielt an die betroffenen
Kinder, Jugendlichen und deren Eltern sowie an Erwachsene mit angeborenem
Herzfehler. Weitere Infos zu den psychischen Langzeitfolgen nach früher
Kinderherz-OP sowie zum Thema Schwangerschaft mit angeborenem Herzfehler
und vielen weiteren Themen bietet die Ausgabe 4/2021 von „herzblatt“. Ein
kostenfreies Probeexemplar ist unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail
unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

Video-Clip zur neuen herzblatt-Ausgabe:
www.youtube.com/watch?v=URgcpt6o0h4

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Waisenkinder entwickeln Animationsfilm FH Dortmund unterstützt weiteres Corona-Präventionsprojekt in Afrika

Nach dem erfolgreichen Corona-Malbuch für afrikanische Kinder in der Muttersprache isiZulu setzt die Fachhochschule Dortmund mit ihren Partnern vor Ort das nächste Projekt zur Pandemie-Aufklärung in Ländern des globalen Südens um. Gemeinsam mit Waisenkindern wurde ein Animationsfilm entwickelt und produziert.

 

„Der große Erfolg des Malbuchs zeigt, dass Aufklärung auf diesem Weg funktioniert und wir die Kinder vor Ort unmittelbar erreichen können“, sagt Prof. Dr. Michael Boecker vom Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften an der FH Dortmund. Gemeinsam mit südafrikanischen Hochschulen forscht er seit 2019 zu Fragestellungen im Kontext von Globalisierungsfolgen. Für das Projekt war der Prozess zur Entstehung des Films ebenso wichtig wie der fertige Film selbst.

 

Gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen in KwaZulu-Natal fanden Kinder-Workshops in drei Waisenheimen statt, darunter auch im Siyabathanda Don Bosco Haus, das Michael Boecker und seine Frau mit dem gleichnamigen Entwicklungshilfeverein seit 2004 betreuen. Dabei zeigte sich, dass die Kinder bereits sehr gut über Schutzmaßnahmen gegen COVID-19 informiert waren, die psychosozialen Belastungen durch die Pandemie sie aber weiter vor große Herausforderungen stellen – etwa im Umgang mit infizierten Bezugspersonen.

 

„Entstanden ist daraus die Geschichte von Nsimu“, berichtet Michael Boecker. „Sie ist kein Opfer der Pandemie, sondern eine Heldin, die bei der Genesung ihrer von COVID-19 betroffenen Oma mithilft.“ Dabei greift der Film auch die Sorgen und Ängste der Kinder auf, macht sie zum Thema und vermittelt zugleich, wie auch die Kleinsten einen wichtigen Beitrag in ihren Familien und ihrem Bezugskreis leisten. Das macht Mut.

 

„Corona hat in den afrikanischen Ländern andere Auswirkungen als in Europa und erfordert auch einen anderen Umgang“, erklärt Michael Boecker. „Unsere Aufklärung hilft dabei nicht nur in der aktuellen Pandemie, sondern vermittelt auch grundlegende Konzepte – und das von Kindern für Kinder.“ Den Figuren im Animationsfilm verleihen die Kinder selbst ihre Stimmen.

 

Das Projekt wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst finanziell unterstützt. Die Fachhochschule Dortmund hat das Konzept bei einem Ideenwettbewerb erfolgreich vorgestellt. Der Film wird nun an mehr als 100 Schulen und Organisation gezeigt und vom National Medical Research Institut in Südafrika genutzt werden. Zugleich wurde eine Webseite zu dem Projekt freigeschaltet: www.uhambolwami.org/projects/. Dort lässt sich der Film ebenfalls herunterladen. Er ist in der Sprache isiZulu mit englischen Untertiteln verfügbar.

 

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Mobilität: Geh- und Radwegbrücke spart 24 Stunden Wartezeit pro Jahr

Bauingineurwesen-Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Recht
Berlin entwerfen Brücke über Bundesstraße Alt-Friedrichsfelde.
Konstruktionen im neuen mobilen Zeitgeist, zu sehen am Campus Lichtenberg.

Berlin, den 11. Februar 2022. Morgens zur Arbeit, an die Hochschule oder
zum Amt und später den gleichen Weg zurück in Richtung S-Bahn. Um die
Bundesstraße Alt-Friedrichsfelde an der in zwei Phasen geschalteten
Fußgängerampel in Höhe des Bildungs- und Verwaltungszentrums zu
überqueren, benötigen Hunderte von Fußgängerinnen und Fußgängern,
Radfahrerinnen und Radfahrern in einem Arbeitsjahr insgesamt einen ganzen
Tag – und starke Nerven.

Die Bundesstraße B1 zieht sich hier wie eine dicke Hauptschlagader durch
den Berliner Bezirk Lichtenberg, es pulsiert der Verkehr. Autos und
tonnenschwere Lkw donnern stadtein- und stadtauswärts oder stehen im Stau.
Auf beiden Straßenseiten und auf der schmalen Mittelinsel warten Menschen
darauf, die per pedes oder Pedale unterwegs sind, dass die Ampel für sie
auf Grün springt. Dafür brauchen sie einen langen Atem, wegen der
Emissionen jedoch besser nicht einen zu tiefen.

Studentinnen und Studenten des dualen Studiengangs Bauingenieurwesen der
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) wollten Abhilfe
schaffen. Sie planten für den Weg zum Areal und ihrem Campus eine Geh- und
Radwegbrücke. Dafür erstellten sie Lage- und Baupläne, entwarfen
Konstruktionen, berechneten in einem ersten Entwurf die Statik und Kosten
und nahmen die Bauplanung vor für einen „Lichtenberger Bogen zur Bildung“.
Zu sehen sind die vielfältigen Entwürfe für einen innovativen und
nachhaltigen Kompromiss in Form einer Überführung, die dem
Bildungsstandort und dem Zeitgeist gerecht wird, im Foyer des Hauses 6b
der HWR Berlin, Alt-Friedrichsfelde 60 in 10315 Berlin.

Das Projekt im Rahmen des Brückenbau-Seminars im dualen Studiengang
Bauingenieurwesen selbst war eine in jeder Hinsicht praktische
Alternativlösung. Wegen der Covid19-Pandemie und den damit verbundenen
Beschränkungen waren Lehre und Klausuren in Präsenz lange nicht möglich.
Die künftigen Bauingenieurinnen und -ingenieure und ihr Dozent schwenkten
deshalb um auf eine umfangreiche Abschlussarbeit zu diesem Bauvorhaben mit
reellem Potenzial. Der langjährige Lehrbeauftragte am Fachbereich Duales
Studium der HWR Berlin, Diplomingenieur Robert Geyer, gab seinen
Studierenden die Aufgabe, den Stadt- und Straßenverkehr durch eine Geh-
und Radwegbrücke langfristig zu entlasten, den multifunktionalen
Gebäudekomplex aus Ämtern und Hochschule nachhaltig und für alternative
Mobilität anzubinden. Denn damit würde im doppelten Wortsinne auch eine
Brücke geschlagen zur geplanten Radschnellstraße, die die östlichen und
südöstlichen Bezirke Berlins mit dem Berliner Ring im Norden und der A 113
im Süden verbindet – ein Gewinn für das Image und die verkehrstechnische
Vernetzung des Bezirks Lichtenberg.

Rechts und links entlang der achtspurigen Fahrbahn ragen bis zu
zwanziggeschossige Hochhäuser in der für die DDR typischen Plattenbauweise
empor, nach der Bauhaus-Maxime „form follows function“. Zwischen den
Großwohnsiedlungen, errichtet bis in die 1990er Jahre, befindet sich der
weitläufige Bildungs- und Verwaltungskomplex. Hier, nördlich des
Tierparks, sind Büros des Statistik-, Gesundheits-, Sozial- und Umwelt-
und Naturschutzamtes untergebracht. Alt-Friedrichsfelde 60 ist auch die
Adresse des Standorts Lichtenberg der Hochschule für Wirtschaft und Recht
Berlin. An diesem Campus studieren rund 5 000 angehende
Verwaltungsinformatiker*innen, Verwaltungsrechtler*innen,
Rechtspfleger*innen, Immobilienrechtler*innen, künftige Kriminal- und
Polizeikommissarinnen und -kommissare sowie dual Studierende in 18
betriebswirtschaftlichen und technischen Disziplinen.

Die neue Geh- und Radwegbrücke soll all den Passantinnen und Passanten
jährlich nicht nur 24 Stunden Wartezeit ersparen, sondern als stilvoller
Kontrast auch einen optisch positiven Akzent im Stadtteil setzen.
Studierende entwarfen zum Beispiel eine Fachwerkbrücke mit tragenden
Holzelementen. Der nachhaltige und nachwachsende Werkstoff soll aus
regionalen Forstwirtschaft stammen, ein hochwertiger Holzschutz eine
Nutzungsdauer von 80 Jahren garantieren. Ein anderes Modell besticht durch
eine ausladende Rampenkonstruktion, will visuelle Verbindungen zu den
Gebäudekomplexen entlang der Straße schaffen. In jedem Fall wird die
Brücke barrierefrei.

Ein Student designte eine Röhre mit ovalen Holzbögen oberhalb des
Tragwerks, die sich wie eine Knospe öffnen. Er sieht darin den
Hochschulcampus versinnbildlicht, Bildung und Wissen als „Blüten der
Zukunft“. Alle vorgeschlagenen Konstruktionen gliedern sich funktional und
architektonisch in städtebauliche Umgebung ein und sind zugleich Ausdruck
der Weiterentwicklung in der Denkweise über Architektur und Mobilität –
eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Zum dualen Studiengang Bauingenieurwesen der HWR Berlin
https://www.hwr-berlin.de/hwr-berlin/fachbereiche-und-
zentralinstitute/fb-2-duales-studium/studieren-am-
fachbereich/studiengaenge/detail/59-bauingenieurwesen/

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ist mit über 11 500
Studierenden eine der großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften –
mit ausgeprägtem Praxisbezug, intensiver und vielfältiger Forschung, hohen
Qualitätsstandards sowie einer starken internationalen Ausrichtung. Das
Studiengangsportfolio umfasst Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts- und
Sicherheitsmanagement sowie Ingenieurwissenschaften in über 60
Studiengängen auf Bachelor-, Master- und MBA-Ebene. Die HWR Berlin
unterhält 195 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen
Kontinenten und ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for
Excellence“. Als eine von Deutschlands führenden Hochschulen bei der
internationalen Ausrichtung von BWL-Bachelorstudiengängen und im Dualen
Studium belegt die HWR Berlin Spitzenplätze in deutschlandweiten Rankings
und nimmt auch im Masterbereich vordere Plätze ein. Die HWR Berlin ist
einer der bedeutendsten und erfolgreichen Hochschulanbieter im
akademischen Weiterbildungsbereich und Gründungshochschule. Die HWR Berlin
unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz „Weltoffene
Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“.

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