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Digital für den Ruhestand vorsorgen

Videoberatung hat auch in der Versicherungsbranche an Bedeutung gewonnen. Foto: Unsplash
Videoberatung hat auch in der Versicherungsbranche an Bedeutung gewonnen. Foto: Unsplash

Die Pandemie beschleunigt die Digitalisierung. Vieles geht im Netz
schneller, vieles billiger. Aber überall dort, wo Vertrauen und Sicherheit
die Basis des Geschäfts sind, ist der persönliche Kontakt entscheidend. In
seiner preisgekrönten Abschlussarbeit an der Hochschule Coburg hat
Betriebswirt Michael Martin digitale Umsetzungskonzepte für die private
Altersvorsorge untersucht.

In den Werbepausen der Vorabendserien verkörperte fast 40 Jahre lang ein
Mann mit Aktenkoffer den idealen Versicherungsvertreter: „Hallo Herr
Kaiser“, tönte es noch vor zehn Jahren durch deutsche Wohnzimmer – die
Werbefigur stand für Vertrauen, Nähe, persönlichen Kontakt. Heute werden
Lieblingsserien gestreamt und auch das Geschäftsleben ist digital
geworden. „Bei einem Chatbot will aber niemand eine wichtige Versicherung
abschließen“, sagt Michael Martin. „Die Kunden wünschen bei Rückfragen
persönliche Beratung.“ Das hat sich nicht geändert – allerdings muss der
Versicherungsberater dafür heute nicht an der Tür klingeln.

Ein Produkt, bei dem es um ein gutes Gefühl geht

„Durch die Corona-Pandemie haben sich die Leute mehr an digitale Formate
gewöhnt. Auch in der Versicherungsbranche hat zum Beispiel die
Videoberatung deutlich an Stellenwert gewonnen“, erklärt Martin. Damit und
mit anderen digitalen Möglichkeiten hat er sich in seiner Masterarbeit an
der Hochschule Coburg beschäftigt. Martin arbeitet in der
Produktentwicklung des Versicherungsunternehmens HUK Coburg, und im
Studiengang Betriebswirtschaft hat er in seiner Abschlussarbeit
analysiert, welche Anforderungen für digitale Umsetzungskonzepte speziell
beim Vermögensaufbau durch private Altersvorsorge erfüllt werden müssen.
„Das ist etwas anderes als eine einfache Kfz-Versicherung. So etwas wie
eine Lebensversicherung ist ein Produkt, bei dem es auch um ein gutes
Gefühlt geht.“

Der Betriebswirt hat anhand von Befragungen die Kundenerwartungen
definiert. Sicherheit ist bei Vermögensanlagen für die Altersvorsorge mit
Abstand das wichtigste Kriterium – auch online. Erst dann kommen Faktoren
wie Flexibilität, gute Rendite, Nachhaltigkeit oder Liquidität. Während
der Pandemie gewannen Online-Broker und Investitionen in ETF-Sparpläne
starke Zuwächse. „Es gibt insgesamt großes Potenzial, dass Leute digital
abschließen wollen“, sagt Martin. „Die private Rentenversicherung ist die
einzige private Anlage, die ein Leben lang ausgezahlt wird. Ich halte sie
für einen wichtigen Baustein.“ Eine der zahlreichen ausgewerteten Studien
legt nahe, dass mehr als ein Drittel der Befragten auch eine solche
Versicherung online abschließen würde. Aber nur acht Prozent haben es
getan. Es fehlt vor allem an Angeboten.

Vertrauen und guter Service

Der Hochschul-Absolvent erklärt, was Verbraucherinnen und Verbraucher
heute wollen: Kundenservice, vertrauenswürdige Marke und seriöse
Informationsangebote – und das gerne online. Herrn Kaisers Vorzüge in
einer digitalen Variante. „Die Nutzerinnen und Nutzer wollen zum Beispiel
online eingeben, welches Versorgungsziel sie später haben, und dann
erfahren, was sie dafür tun müssen.“ Bei der digitalen Umsetzung kommt es
Martin zufolge auf Einfachheit, Verständlichkeit und Transparenz an. „Ohne
das nützt eine tolle, bunte App-Lösung nichts“, sagt der 26-Jährige.
„Große digitale Player wie Amazon wissen, wie das geht und haben bereits
angedeutet, dass sie Interesse an der Versicherungsbranche haben. Die
klassischen Versicherungen müssen jetzt innovativ sein und sich etwas
zutrauen“, resümiert der Betriebswirt. „Sonst werden es andere tun.“

Prof. Dr. Uwe Gail, der die Master-Arbeit an der Hochschule Coburg betreut
hat, überzeugten die praktischen Ansätze und die hohe Aktualität des
Themas. Michael Martin wurde dafür bereits mit dem Forum V-Preis 2021
ausgezeichnet. Das Netzwerk aus nordbayerischen Versicherungsunternehmen,
Hochschulen und Verbänden würdigt damit exzellente Abschlussarbeiten im
Versicherungsbereich.

Mehr über Forum V findet sich hier: http://www.forum-v.de/

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Power-to-Gas: Das Forschungsprojekt „ORBIT“ geht in die nächste Runde

Der für das Forschungsprojekt „ORBIT“ an der OTH Regensburg entwickelte Bioreaktor wird um einen Elektrolyseur erweitert und in eine skalierbare Containerlösung umgebaut.  Michael Heberl
Der für das Forschungsprojekt „ORBIT“ an der OTH Regensburg entwickelte Bioreaktor wird um einen Elektrolyseur erweitert und in eine skalierbare Containerlösung umgebaut. Michael Heberl

"Ein wichtiger Beitrag zur nationalen Wasserstoffstrategie": Power-to-Gas
Technologie soll in die industrielle Umsetzung gebracht werden.

Die erfolgreichen Arbeiten aus dem Projekt „ORBIT“ zur Speicherung von
Strom aus erneuerbaren Quellen in Form von Methan gehen weiter. Unter der
Leitung der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH
Regensburg) arbeiten zehn Partner im Rahmen von „ORBIT II“ an der
Weiterentwicklung und dem industriellen Einsatz einer Power-to-Gas Anlage
und damit an der Zukunft der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Das
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWi) fördert das
Projekt mit 1,8 Millionen Euro.

In Zeiten von Klimastreiks und ambitionierten neuen Klimazielen spielt die
Stromgewinnung aus erneuerbaren Quellen eine wichtige Rolle für die
Eindämmung des Klimawandels. Ein essentieller Baustein für eine
erfolgreiche Energiewende ist die Speicherung dieser Energie. Im
Verbundvorhaben „ORBIT II“ (Erweiterung eines hocheffizienten Rieselbett-
Bioreaktors und Optimierung der Methanisierungsanlage für den
kommerziellen industriellen Einsatz) arbeiten zehn Partner an der
Erweiterung einer Power-to-Gas Anlage, um diese Technologie an einen
wirtschaftlichen Einsatz in relevanten Maßstäben heranzuführen.

Wie schon im ersten „ORBIT“ Projekt übernehmen Archaeen die zentrale
Aufgabe der Methanisierung und wandeln Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff
in Methan und Wasser um. Archaeen sind Mikroorganismen und zählen zu den
ältesten Lebewesen der Erde. Der im Vorgängerprojekt aufgebaute Bioreaktor
wird in „ORBIT II“ u. a. um einen Elektrolyseur erweitert und in eine
skalierbare Containerlösung umgebaut. Durch den zweijährigen
Erprobungsbetrieb mit verschiedenen Industriegasen und dem Feldtest in
einem Klärwerk gewinnen die Partner neue Erkenntnisse für den
wirtschaftlichen Betrieb im industriellen Umfeld der Anlage. Durch
Versuche im mikrobiologischen Labor und einer Anpassung des Reaktors
sollen für verschiedene Industrieanwendungen passende
Anlagenkonfigurationen entwickelt werden, wodurch maßgeschneiderte
Lösungen entwickelt werden können.

Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner leitet das Projekt an der OTH Regensburg:
„Wir bringen damit die Power-to-Gas Technologie in die industrielle
Umsetzung und leisten dadurch einen wichtigen Beitrag zur nationalen
Wasserstoffstrategie.“ Projektpartner sind die Universität Regensburg mit
dem Lehrstuhl für Mikrobiologie und dem dort angesiedelten
Archaeenzentrum, der Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik an der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie die
Industrieunternehmen Ostermeier H2ydrogen Solutions GmbH
(Schweitenkirchen) und Schott AG mit dem Standort Landshut.

Darüber hinaus beteiligen sich die Firmen Electrochaea GmbH, MicrobEnergy
GmbH (Hitachi Zosen INOVA) und MicroPyros BioEnerTec GmbH als assoziierte
Partner am Projekt und bringen ihr Knowhow im Bereich biologische
Methanisierung ein. Weitere assoziierte Partner sind das
Kommunalunternehmen Stadtwerke Pfaffenhofen a. d. Ilm und die
Bürgerenergiegenossenschaft im Landkreis Pfaffenhofen a. d. Ilm eG. Die
beiden Pfaffenhofener Partner unterstützen bei der Integration von
erneuerbarem Strom in die Power-to-Gas Anlage, deren Betrieb in einem
Klärwerk und der Bürger*innenbeteiligung.

Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg, bezeichnete das
Projekt als „wichtigen Beitrag auf dem Weg in die Wasserstoff-Gesellschaft
und damit zum Ziel einer CO2-freien Zukunft“. Das Erreichen industrieller
Maßstäbe sei ein zentraler Schritt zur Reduzierung der vergleichsweise
hohen Kosten der Erzeugung von grünem Wasserstoff. Die OTH Regensburg
arbeite in unterschiedlichen Forschungsprojekten mit an der
„Wasserstoffrepublik Deutschland“.

„ORBIT II“ wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
(BMWi) mit einer Summe von 1,8 Millionen Euro gefördert, rund 870.000 Euro
davon gehen an die OTH Regensburg. Das Projekt startete zum 1. Dezember
2021 und hat eine Laufzeit von drei Jahren.

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Eine Hierarchie auf der Hühnerleiter beobachtete Herbert Huber

Stau auf der Hühnerleiter
Stau auf der Hühnerleiter

Für einmal erklettern wir die Sprossen der Hühnerleiter. Vom Kleinsten bis hinauf zum entmannten Chef der Familie. Hinauf zu den „Truten“, die auch zur Familie gehören. Erzähle Ihre Geschichten und wie man mit dem Federvieh umgeht. Eigentlich habe ich eine sehr intensive Beziehung zur gackernden Familie. Wenn sich in den 50ger Jahren sonntags mein Vater in den Nadelstreifenanzug stürzte, die Krawatte umband, meine Mutter das eleganteste „Jüpli“ anzog und klein Herbertli anstelle der „Knickerbocker“ die eleganteren Röhrlihosen anziehen durfte, war bei Hubers auswärts essen angesagt. Gehörig luxuriös damals.

So ging es ins „Orsini“, wo die „Nonna Mercier“ die hervorragendsten  Güggeli, nach Familienrezept im Ölbad, herrlich knusprig buk. Mit Safran Risotto dazu, weissen Tischtüchern und äusserst kinderliebender Atmosphäre mit viel Italianità.

Viele Jahre später um 1980, erlebten die Orsini Güggeli (die kleinsten der Hierarchie) eine Wiedergeburt. Nach Originalrezept im Restaurant Taverne im Motel Rex in Stans zubereitet als mein Freund Norbert Schmidiger (langjähriger Sekretär des Schweizer Kochverbandes) dort Küchenchef war. Das Rezept im Originalton im Kasten.

 

Im Schangnau wurde gehörig gehühnert.  

Diverse Hühnerleitern
Diverse Hühnerleitern

So vergingen die Jahre. Bis eines Tages ein Name in der „Hühnergastroszene“ auftauchte. D’s Hadorn Rösi mit ihrer Wirtschaft zum Wald im Schangnau. Wo selbst Bundesräte hinpilgerten, respektive mit dem Helikopter flogen. Ob auf Staatskosten sei heute dahingestellt. So wurden Rösi’s Poulets „Hierarchie Stufe zwei“, im Ofen gebraten. Und diese waren mehr als nur eine Reise wert. Denn das ganze „drumherum“ zum Beispiel. Wie vor dem Hühnerzeremoniell von der Chefin mit träfen bärndeutschen Wortfetzen gespickt, der „Esslatz“ den Gästen umgebunden wurde. Dann kam eine Schüssel Salat. Dann wurde nicht „gejufelt“, sondern gütigst gewartet, bis die Hühner innen gar und aussen herrlich knusprig waren. Los ging’s erst auf Rösi’s Kommando : „jetzt cheuter gnaage u schmatze u eifach d’Finger abschläcke, s Zeiche dass es guet esch“ kommentierte Rösi. Denn Besteck gab es keines, dafür Fingerbowlen. So wurde Hadorn Rösi  zur Schangnauer Hühner Legende. Und musste einmal, so erzählte man sich, notfallmässig ins Spital geflogen werden. Weil ihr beim Verzehr ihrer eigenen Hühner ein Knöchlein im Halse stecken geblieben war.

Die Poularde pochée 

Sogar begrünte  Hühnerleitern gibts
Sogar begrünte Hühnerleitern gibts

An meiner Kochlehrabschlussprüfung, war meine Aufgabe eine „poularde pochée“ der grösseren Stufe drei, zu zubereiten. Süferli wurde die Poularde in einem Geflügelfond gekocht. Etwa ¾ Std. Dann aus dem Fond genommen und von der Haut befreit. Rüüdig heiss war dieses Schälprozedere. Dann korrekt zerlegt (Brust und Schenkel) diese an die Wärme gestellt. In der Zwischenzeit eine liebevollst abgeschmeckte „sauce suprême“ (nach Kochbuchlehrbuch Pauli) aus dem Geflügelfond hergestellt.  So geht’s:

Aussen  Hühnerleiter steil gehts rauf
Aussen Hühnerleiter steil gehts rauf

Aus dem kräftigenGeflügelfond wird zuerst eine „Veloute de vollaile“ (weisse Sauce) mit einem Roux (Mehlschwitze) zubereitet. Achtung wegen Knollengefahr heissen Roux immer mit kaltem Fond oder umgekehrt ablöschen. Am Schluss wird die „velouté“ durch Zugabe einer „Liason oder Legierung“ (Rahm und Eigelb vermischt) zur sämigen    „sauce suprême“. Diese darf man am Schluss auf keinen Fall mehr aufkochen weil sie wegen der Eier gerinnen würde. Ausprobieren und sich über den Erfolg freuen lohnt sich mehr als nur. Mir hat es die Note 1,2 eingebracht.

Der entmannte Güggel

Guter Ausblick von der  Hühnerleiter  aus
Guter Ausblick von der Hühnerleiter aus

Eine ganz besondere Bekanntschaft schloss ich vor Jahren mit dem „entmannten“ Güggel, dem Kapaun. Noch heute gibt es dieses Essvergnügen im Restaurant Blasenberg, oberhalb Zug. www.blasenberg.ch und auf dem Schrofenhof in Kreuzlingen ist Kapaun auf Vorbestellung erhältlich. Vor allem für Weihnachten eine herrliche Alternative. www.schrofen.chDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Vom Truthahn und den Truthennen.

Stolzieren auf der  Hühnerleiter
Stolzieren auf der Hühnerleiter

Und wie ist es mit den Truthennen und dem Truthahn? Diese sind hierzulande eindeutig weniger bekannt und begehrt. Ausser für die hier lebenden Engländer und Amerikaner. Bei ihnen kommt dieses Federvieh einem kulinarischen „Kultobjekt“ gleich. Sehr aufwändig bei der Zubereitung ist das schon, und für ein „Ding“ von 8 kg braucht es den entsprechenden Ofen und die zuverlässige Rezeptur. Und viel Geduld! Bei uns ist Truthahnfleisch als „günstig“ Schnitzel sehr belieb. Für Piccata oder paniert. Oder mit Pilzrahmsauce.

Tips beim Einkauf von „ganzem“ Geflügel

Hochbetrieb auf der  Hühnerleiter
Hochbetrieb auf der Hühnerleiter

Grundsätzlich empfehle ich das Gefiedervieh „pfannenfertig“ zu kaufen. Ich bevorzuge die Marke Optigall von Migros oder „Naturaplan“ von Coop. Schweizer Hühner liegen mir besonders am Herzen. Im Internet gibt es auch immer mehr Anbieter „direkt“ vom Bauernhof. Gefrorene Poulets empfehle ich nicht (schlechter sind sie nicht) aber den kleinen Unterschied merkt man schon. Die Knöchelchen sind beim frischen Poulet heller – beim Gefrorenen eher dunkel. Versuchen sie auch einmal ein frisches „Pouletleberli“ zu erhalten, kurz in Butter sautiert, als Vorspeise mit etwas Salat, schmeckt herrlich. Oder auf dem Beilage Risotto angerichtet. Poulets vor der Zubereitung abwaschen? Ich tu es, aber dann gut abtrocknen – innen und aussen. Beim „Ganz braten“ lege ich immer einen Rosmarinzweig ins Poulet Innere. Würzen nur mit Salz und „weissem“ Pfeffer. Oder eben à la Orsini.

 

Die Poulet Hierarchie des hellen Mastgeflügels

Quelle: Lehrbuch der Küche Pauli

 

1 Hühnchen in der Schweiz als Mistchratzerli, in Frankreich als Coquelet bekannt. Zwischen 400 und 700 g schwer. Pfannenfertig

 

2 Masthähnchen – Poulet / Poulet reine. Hähne und Hennen werden oft als Griller bezeichnet. Zwischen 800 g und 1,3 kg.

 

3 Masthuhn / Poularde. Besonders gemästete Hennen. Bekannteste Sorte ist die Bresse Poularde. Feinknochig und sehr fleischig. Das besondere Merkmal sind die blauen Füsse (pates bleues). Die mit Mais gefütterten gehören ebenfalls in diese Kategorie. Deren Fleisch ist logischerweise eher gelblich.

1,3 – 1,8 kg

 

4 Kapaun/ Masthahn. Ist als kastrierter Hahn das Gegenstück zur Poularde.

2 – 3 kg schwer

 

5 Suppenhuhn / Poulet. Ausgewachsenes Huhn meistens nach der ersten Legeperiode geschlachtet. Wird zur Herstellung von Hühnersuppe verwendet und für Terrinen, Galantinen, Ballotinen und Co.

1,2 – 1,8 kg.

 

6 Junger Truthahn oder Truthenne. Die Sehnen der Schenkel müssen vor der Zubereitung herausgezogen werden. Grössere Tiere werden „roh“ zerlegt und weiter verarbeitet. Brust, Schnitzel, Voressen, Rollbraten

Die Stammheimat ist Nordamerika. Hauptlieferländer sind Frankreich und Ungarn.

Drei Gewichtsstufen: 2 – 3 kg. 3- 6 kg. 5 – 12 kg.

 

Und nun Schmidiger’s Rezept im Originalton: „Die Orsini Güggeli wurden1980 auf die Karte des „Restaurant Taverne“ im Motel Rex gesetzt. Madame Mercier, die ehemalige Patronin des Restaurant Orsini in Luzern, (Hertensteinstrasse) , zeigte uns die Zubereitung dieser in Luzern einmaligen „Sonntagsspezialität“

In einer großen Kupferbraisiere (ein Bräter mit höherer Wandung) wurden Backfett und Erdnussöl gegeben, so dass eine ca 10-12 cm hohes Fritüre Bad zur Verfügung stand.

Dieses wurde mit Gas beheizt,  so konnte auch die Temperaturregelung fein abgestimmt werden. Dann wurden mehre Rosmarinzweige beigefügt, sowie zwei bis drei rohe und halbierte Kartoffeln, um damit sichtbar die Temperatur im Griff zuhaben.

Die frischen Güggeli ca 350 – 450 gr schwer, welche wir pro Woche zweimal frisch geliefert bekamen, wurden dann „à l’americaine“ aufgeschnitten. Das heisst das Rückgrat herausgeschnitten, den feinen Brustknochen herausgedrückt und dann das Güggeli flachgedrückt.

Diese Güggeli wurden mit Senf ordentlich eingeschmiert und abgedeckt kühl gelagert. Mariniert also.

Auf Bestellung wurde pro Person ein ganzes Güggeli in der beschrieben Fritüre während rund 15 Minuten knusprig gebacken, gut abgetropft, halbiert und angerichtet. Dazu gab’s einen Risotto zafferano.

Dieses Rezept ist mit einer „neuzeitlichen“ Friteuse nachkochbar.

Und zwar etappenweise die Mistchratzerli ca. 10 – 15 Min backen und bei 80° im Ofen auf dem Kuchen Blech abstehen lassen.

Oder direkt im Ofen braten und dabei stets arrosieren. Rosmarinzweige auf das Blech legen. Mistchratzerli rausnehmen – halbieren – anrichten und mit Risotto servieren.

Und nun wie immer: Bon Appetit et large soif

 

Text www.herberthuber.ch

Fotos: www.pixelio.de

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Nordische Weihnacht— Daniel Hope, Tonhalle Zürich, 14.12.2021, besucht von Léonard Wüst

Zürcher-Kammerochester Foto Harald Hoffmann
Zürcher-Kammerochester Foto Harald Hoffmann

Besetzung und Programm:
Daniel Hope (Music Director)
Zürcher Kammerorchester
Jean Sibelius Humoresques op. 89
Carl Nielsen Little Suite op. 1, FS 6
Irving Berlin White Christmas, bearbeitet von Paul Bateman
Thad Jones A Child is born for Violin and Strings, bearbeitet von Paul Bateman
Ron Sexsmith Maybe this Christmas, bearbeitet von Paul Bateman
Bob Wells The Christmas Song, bearbeitet von Paul Bateman
Hugh Martin Have Yourself a Merry Little Christmas, bearbeitet von Paul Bateman
Traditionell Adeste Fidelis, bearbeitet von Paul Bateman

Helene Eller Foto Harald Hoffmann
Helene Eller Foto Harald Hoffmann

Nach einer kurzen Begrüßung durch Helene Eller, kaufmännische Geschäftsführerin und der künstlerischen Leiterin des ZKO, Lena-Catharina Schneider, starteten die 17 Musiker, ausschliesslich Streicher, davon drei Celli und zwei Kontrabässe, mit dem Andante festivo von Jean Sibelius beschwingt in den Konzertabend.

 

 

 

 

Sibelius von seiner eher unbekannteren Seite

Lena Catharina Schneider Foto Harald Hoffmann
Lena Catharina Schneider Foto Harald Hoffmann

Zu den besten Werken von Jean Sibelius zählen seine Kompositionen von 1917, die Humoresken. Dieses fabelhafte und bezaubernde Konzert wurde zur Veröffentlichung in zwei Gruppen unterteilt, Opus 87 und Opus 89, und zeigt seine erhabenen Fähigkeiten mit der Violine. In diesem Werk lernt man den, sonst eher unterkühlt wirkenden finnischen Komponisten, von seiner humorvollen Seite her kennen, Und das ist genau die Art, die die versierten Zürcher Orchestermusiker mögen und kongenial umzusetzen wissen. Besonders Daniel Hope, dem der Schalk dauernd irgendwie im Nacken sitzt, blüht jeweils auf und zieht seine Mitmusiker mit in eine fantastische Spielfreude, eine Freude, die unweigerlich auch das Auditorium erfasst, das diese Interpretation mit stürmischem, langanhaltendem Applaus zu würdigen weiss.

Carl Nielsen Little Suite op. 1, FS 6

Music Director Daniel Hope Foto Inge Prader
Music Director Daniel Hope Foto Inge Prader

Die Suite für Streichorchester komponierte Nielsen bereits mit 22 Jahren und studierte noch Komposition bei Orla Rosenhoff , seiner ehemaligen Lehrerin am Konservatorium . Es wurde am 8. September 1888 in der Tivoli-Halle in Kopenhagen uraufgeführt, wo das Tivoli-Orchester von Balduin Dahl , einem anerkannten Förderer junger Talente, dirigiert wurde . Es war ein großer Erfolg. Nielsen, der im Orchester spielte, wurde mehrmals zurückgerufen und der Mittelsatz als Zugabe gespielt. Die Pressestimmen waren gemischt, aber Avisen war sehr positiv: “Der junge Mann hat offensichtlich sehr viel auf seinem musikalischen Kopf, was er sagen will, und was er uns am Samstag erzählt hat, wurde in schöner, prägnanter Form, bescheiden und ansprechend präsentiert, mit exzellenter Stimmführung und einem ansprechende Klangfülle, die ein ausgezeichnetes Auge für das Saitenmaterial offenbart.” Das Werk war ein wichtiger Meilenstein in Nielsens Karriere, denn es war nicht nur sein erster richtiger Erfolg, sondern auch das erste seiner selbst dirigierten Stücke, als es einen Monat später in Odense gespielt wurde .Der eher kurze elegische Kopfsatz der Suite erinnert an die skandinavische Romantik, wie sie Grieg und Svendsen zum Ausdruck bringen . Das Intermezzo, ein Walzer, lässt die Liebe des Komponisten zum Dreifachtakt erahnen und enthält gelegentliche flache Septimen-Vorschläge, die später für Nielsens Musik so charakteristisch werden sollten. Das vergleichsweise ausladende Finale beginnt feierlich mit dem Elegie Thema, bricht aber bald in eine bewegte Sonatenform aus, in der Nielsen das Eröffnungsthema wieder einführt.

In der zweiten Gruppe verwendete er eine wesentlich kleinere Orchesterbegleitung zur Violine, behielt jedoch die Subtilität von Tiefe und Textur bei. Obwohl alle Teile dieses Werks traditionelle Elemente enthalten, erinnert Humoreske Nr. 4 am meisten an die Vergangenheit und erinnert an die Feinheit der musikalischen Miniaturen der Mitte des 19. Jahrhunderts. Virtuos und herausfordernd hat der Solist die Möglichkeit, sich einer traditioneller Exhibitionistischen Darstellung hinzugeben. Das Zürcher Renommierorchester hatte, bei dem eher selten aufgeführten Werk, die Möglichkeit, seine ausgeprägte Vielseitigkeit zur Geltung zu bringen, geleitet von ihrem souveränen musikalischen Leiter Daniel Hope.

Kurt Atterberg, Suite für Violine, Viola und Streichorchester

Atterberg, aufgrund seiner offensichtlichen Sympathie zum Naziregime nicht überall wohlgelitten, war er aber zu seiner Zeit sehr erfolgreich. Auch seine Rehabilitation durch die Alliierten bei der «Entnazifizierung» änderte nichts daran, dass der Makel des Opportunisten an ihm hängen blieb.

Anspruchsvoller, eindrücklicher Dialog zwischen Violine und Viola

Ryszard Groblewski Solo Bratschist Foto Harald Hoffmann
Ryszard Groblewski Solo Bratschist Foto Harald Hoffmann

Nach einem unscheinbar- unspektakulären  Auftakt im tutti entwickelte sich ein wundervoller Dialog zwischen Daniel Hope, Violine und dem Solobratschisten des ZKO, Ryszard Groblewski, auf dem, von den anderen Streichern ausgelegten Klangteppich.

 

 

 

 

Dem Auditorium gefiel dieses, um 1917 komponierte, heute relativ unbekannte Werk, und dessen Interpretation durch die Protagonisten. Dementsprechend langanhaltend fiel der Applaus aus.

Music Director  Daniel Hope Foto Harald Hoffmann
Music Director Daniel Hope Foto Harald Hoffmann

Dann richtete Daniel Hope ein paar launige Worte an das Auditorium, listete auf, welche Konzerte das ZKO in den kommenden Wochen geben wird und fügte noch einige Anekdoten über die Entstehung der nun zu spielenden bekannten Weihnachtslieder an.

Dann kam der Übergang in die Vorweihnachtszeit

Irving Berlins White Christmas werde man nicht, wie im Programmheft gelistet am Anfang, sondern erst gegen Schluss spielen bemerkte Hope noch, bevor die Weihnachtshits in Angriff genommen wurden.

Thad Jones A Child is born

A Child Is Born ist ein Jazz-Instrumentalstück von 1969, das später auch mit Gesang aufgenommen wurde. Nach den Urheberrechtsangaben wurde es von dem Jazz-Trompeter Thad Jones geschrieben; der Text wurde später von Alec Wilder hinzugefügt.[Das Stück ist zum Jazzstandard geworden und wurde von vielen Musikern gespielt. Das Werk , im Original, ist 32 Takte lang und im Drei-Viertel-Takt verfasst, wurde in B-Dur aufgenommen und hat eine langsame Einleitung auf dem Klavier, die über eine Minute dauert. Die Bigband-Version von A Child is Born von 1970 wurde in der Haltung einer Kammermusiknummer aufgeführt, wobei die ersten acht Takte ausschließlich am Klavier gespielt werden, bevor Bass und Schlagzeug hinzukommen. Dann stellte Jones auf dem Flügelhorn die Melodie abermals vor, bevor das gesamte Orchester mitwirkte, und spielte die Melodie noch einmal, um das Stück zum Abschluss zu bringen. In seinem Buch A Short History of Jazz bezeichnet Bob Yurochko das Stück als „schöne Ballade des Mainstream-Jazz“.

Bob Wells und Mel Tormé The Christmas Song

Einer der bekanntesten und erfolgreichsten amerikanischen Weihnachtsschlager ist das Lied “The Christmas Song”. Mit gerade mal 20 Jahren gehört Mel Tormé 1945 schon zu den angesagten Showgrößen Amerikas. Er ist nicht nur als Sänger und Schauspieler erfolgreich, sondern auch als Songschreiber.

Idee bringt Altersversorgung

An einem brütend-heißen Juli-Tag im Jahr 1945 will er ein neues Lied komponieren. Wie so oft mit seinem Kumpel Bob Wells. Der scheint aber nicht zu Hause zu sein, zumindest antwortet niemand auf Mel Tormés Klopfen. Er schaut um die Ecke und geht schließlich ins Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Auf dem Klavier findet er einen Notizblock, auf dem folgende Zeilen mit Bleistift geschrieben wurden: “Kastanien werden über dem Feuer geröstet. Väterchen Frost zwickt in deine Nase. Weihnachtslieder werden von einem Chor gesungen. Und die Leute sehen aus wie Eskimos.”

In diesem Augenblick kommt Bob Wells um die Ecke – nur mit Tennis-Shorts und einem T-Shirt bekleidet. Mel hält den Notizblock hoch und fragt ihn, was das für ein Gedicht sei. Bob antwortet, dass er sich wegen der Hitze den Kopf abkühlen wolle und deswegen ein paar Zeilen über Weihnachten geschrieben habe. Da hat Mel eine Idee. Er setzt sich an das Klavier und hat sofort eine markante Melodie im Kopf. In seiner Autobiografie wird sich Mel Tormé später an den Moment erinnern, in dem der damals 20-Jährige seine Altersversorgung klarmacht.

Nat “King” Cole singt “The Christmas Song”

“So unglaublich das klingen mag, aber wir brauchten nur 45 Minuten, um ‘The Christmas Song’ fertig zu schreiben. Wir boten das Lied daraufhin Nat ‘King’ Cole an, der sich sofort in den ‘Christmas Song’ verliebte. Zwar dauerte es noch ein  ganzes Jahr, bis Nat es auf endlich auf Platte brachte. Aber dann bescherte uns das Lied einen wahren Geldsegen!”

Denn nicht nur Nat “King” Cole nimmt “The Christmas Song” auf. Auch andere große Stars wie Frank Sinatra, Bob Dylan, Ella Fitzgerald, Connie Francis und Andy Williams bis hin zu Celine Dion und Michael Bublé singen das Lied und machen es zu einem der erfolgreichsten amerikanischen Weihnachtsschlager.

Hugh Martin Have Yourself a Merry Little Christmas

Seit Jahrzehnten verbreitet “Have Yourself a Merry Little Christmas” Weihnachtsstimmung. Dabei war der Song ursprünglich mehr als deprimierend. Bis Judy Garland einschritt. Eine Kitschversion spielte auch Coldplay ein. Oh nein, diese Zeilen wollte Judy Garland auf keinen Fall singen. “Mach dir eine schöne nette Weihnacht, es könnte deine letzte sein. Nächstes Jahr können wir alle Vergangenheit sein”, heißt es zu Beginn des Weihnachtsklassikers “Have Yourself a Merry Little Christmas” aus dem Jahr 1943. Auf Garlands Wunsch änderten die Songerfinder Hugh Martin und Ralph Blane die deprimierenden Stellen – immerhin tobte gerade der Zweite Weltkrieg. Sie verliehen dem Lied mehr weihnachtlichen Frohsinn: “Lass dein Herz leicht sein. Nächstes Jahr sind alle unsere Sorgen vergessen.” In dieser Form sang Garland den Song schließlich im Musicalfilm “Meet Me in St. Louis”. Und machte ihn berühmt. 1957 coverte Frank Sinatra das Lied und meldete vorher ebenfalls Änderungsbedarf an. Diesmal textete Hugh Martin das Ende um. Ursprünglich hieß es dort: “Bis dahin müssen wir irgendwie sehen, wie wir zurechtkommen.” Die neue Fassung lautet: “Hänge einen strahlenden Stern an den höchsten Ast.” Diese neue Kitschversion fand so großen Anklang, dass sie 2001 auch die Pop-Rocker von Coldplay einspielten.

Irving Berlin, einer der berühmtesten Songschreiber des amerikanischen Showbiz, verkündete im August 1940, er haben “den besten Song, der je geschrieben wurde” komponiert. Auch wenn Berlin hier vielleicht etwas übertreibt, eines steht fest: Mit über 500 Adaptionen in Dutzenden von Sprachen, mit über 30 Millionen verkauften Singles allein in der Version von Bing Crosby ist “White Christmas” das erfolgreichste Weihnachtslied aller Zeiten und einer der weltweit bekanntesten Songs überhaupt.

War Irving Berlin gar nicht der Komponist des Mega Hits?

So bekannt der Song “White Christmas”, so unbekannt sein Schöpfer, stellt Rezensent Helmut Mauro fest, “das Unterhaltungsgenie” Irving Berlin nämlich. Jody Rosen verwebe dessen Biografie und Erfolgsgeschichte hier nun “klug und unterhaltsam” mit der amerikanischen Zeitgeschichte zu “einem spannenden Sachbuch”, in dem man zudem “eine Menge” über die Musikindustrie erfahre. Und über das Selbstbewusstsein von Berlin. Dieser sagte, wie man erfährt, über seinen erfolgreichsten Song nämlich: “Es ist nicht nur das beste Lied das ich je geschrieben habe, sondern das überhaupt jemals geschrieben wurde.” Und tatsächlich ist es, wie man weiter erfährt, bis heute immerhin – das meistverkaufte Musikstück.

Zum Abschluss noch Adeste fideles, ein Weihnachtslied, dessen Cantio seit der Mitte des 18. Jahrhunderts überliefert ist.

All diese bekannten Melodien, dargeboten vom souveränen Ensemble erfreuten das Publikum im vollbesetzten grossen Tonhalle Saal und wurden mit dementsprechendem Applaus verdankt.

Nicola Mosca Solocellist Foto Harald Hoffmann
Nicola Mosca Solocellist Foto Harald Hoffmann

Daniel Hope gratulierte dann noch Nicola Mosca, Violoncello (Stimmführung), der sein Jubiläum von 20 Jahren Mitglied des ZKO feiern könne und animierte die Zuhörer, bei der nun folgenden Zugabe «O Tannenbaum» kräftig mitzusingen, was denn auch von etlichen getan wurde. Ein schönes, stimmungsvolles Konzert in gediegenem Ambiente der altehrwürdigen, frischrenovierten Zürcher Tonhalle.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:    www.zko.ch

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