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Von klein auf im Blick

Wie die Risikobewertung die besonderen Bedürfnisse von Kindern
berücksichtigt, zeigt das neue „BfR2GO“-Wissenschaftsmagazin

Kinder sind ein spezieller Fall für die Risikobewertung – und
Schwerpunktthema im neuen BfR2GO. Heranwachsende gehören wie auch ältere
oder immungeschwächte Menschen zu den besonders gefährdeten
Verbraucherinnen und Verbrauchern. „Kinder sind keine kleinen
Erwachsenen“, sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung
(BfR), Professor Andreas Hensel. „Ihr Organismus hat ganz eigene
Bedürfnisse und besondere Empfindlichkeiten. Diese muss die
gesundheitliche Risikobewertung berücksichtigen.“ Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler am BfR erforschen, in welchen Mengen Kinder welchen
Stoffen in Lebensmitteln, Produkten und Chemikalien ausgesetzt sind. Ihre
Ergebnisse sind Teil der Risikobewertungen des BfR und damit
Entscheidungsgrundlage für die Politik.

https://www.bfr.bund.de/de/publikation/bfr2go__ausgabe_1_2024__schwerpunkt__kinder-316097.html

Da der Körper eines Kindes noch wachsen muss, können Organe und Gewebe
empfindlicher auf unerwünschte Substanzen reagieren. „Kinder haben,
bezogen auf ihr Körpergewicht, einen wesentlich höheren Energiebedarf als
Erwachsene, bedingt durch Wachstum und Bewegungsdrang. Entsprechend müssen
sie mehr Nahrung zu sich nehmen – und damit möglicherweise auch mehr
problematische Stoffe“, sagt Professorin Tanja Schwerdtle, Vizepräsidentin
des BfR. Auch ihre Neugier kann Kinder gefährden, wenn sie Dinge wie
Haushaltschemikalien oder Knopfzellen in den Mund nehmen und verschlucken.
Mehr zu gesundheitlichen Risiken für die Jüngsten und neue
Forschungsansätze gibt es im Interview mit Tanja Schwerdtle im neuen
BfR2GO.

Neben dem Schwerpunktthema nimmt das neue Heft auch
Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin in den Blick – ebenso wie
gesundheitliche Risiken, die beim Haltbarmachen von Lebensmitteln, etwa
aus dem eigenen Garten, entstehen können.

Der Artikel zur MEAL-Studie beschreibt, wie das BfR 356 Lebensmittel und
Gerichte zubereitet hat, um herauszufinden, wie viele unerwünschte Stoffe
Menschen in Deutschland eigentlich durch die Nahrung aufnehmen. Dabei hat
das BfR 90 % des Speiseplans der Bevölkerung abgedeckt.

Den rückläufigen Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung beleuchtet das
neue BfR2GO ebenso wie die Wege, die ein Pflanzenschutzmittel nehmen muss,
bevor es in der Europäischen Union auf den Markt kommen kann. Dabei geht
es auch um die aufwendige Genehmigung von Pflanzenmittelwirkstoffen.

Wie das BfR bei der Begutachtung durch den Wissenschaftsrat abgeschnitten
hat ist ebenso Thema im neuen BfR2GO wie Nanomaterialien in Pflege- und
Beautyprodukten, die Regulierung bestimmter gesundheitsschädlicher
Phthalate sowie tierversuchsfreie Methoden bei der Erforschung des
Einflusses von Chemikalien auf die Schilddrüse. Damit liefert das aktuelle
Wissenschaftsmagazin BfR2GO wie immer kompakt und bis zum Rand gefüllt mit
Wissen aktuelle und fundierte Informationen über die Forschung und deren
Bewertung im gesundheitlichen Verbraucherschutz sowie zum Schutz von
Versuchstieren.

Jede BfR2GO-Ausgabe stellt ein Thema aus einem aktuellen Arbeitsbereich
des BfR in einem Schwerpunkt vor. Daneben gibt es Berichte, Interviews und
Meldungen aus sämtlichen Arbeitsgebieten des BfR. Das aktuelle Heft wartet
auch mit einer Umfrage auf, die Leserinnen und Leser dazu einlädt, ihre
Meinung zu BfR2GO abzugeben.

Das Magazin wird auf der BfR-Webseite auf Deutsch und auf Englisch
veröffentlicht und kann von dort kostenlos heruntergeladen oder zum darin
Blättern direkt kostenlos bestellt werden. Wer BfR2GO dauerhaft beziehen
möchte, kann sich für ein Gratis-Abonnement anmelden:
https://www.bfr.bund.de/de/wissenschaftsmagazin_bfr2go.html

Die Umfrage zum Magazin ist bis 30. September 2024 hier zu finden:
https://www.soscisurvey.de/BfR2GO/


Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich
unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die
Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und
Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in
engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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Sturzrisiko als Nebenwirkung: Wie KI-basierte Systeme älteren Menschen bei der richtigen Medikation helfen

Stürze sind die Hauptursache für Verletzungen und verletzungsbedingte
Todesfälle bei älteren Menschen. Einen maßgeblichen Anteil daran haben die
Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, die das Sturzrisiko erhöhen. Diese
sogenannten „Fall risk increasing drugs“ (FRIDs) werden zum Beispiel zur
Behandlung von kardiovaskulären Erkrankungen oder Depressionen
verschrieben. Um eine personalisierte Sturzprophylaxe im klinischen Alltag
zu ermöglichen, untersucht Professorin Nathalie van der Velde (Foto) vom
Amsterdam University Medical Center (Amsterdam UMC), wie Prognosemodelle
oder klinische Entscheidungshilfesysteme dazu eingesetzt werden können.

Derzeit arbeitet die Geriaterin an KI-basierten Entscheidungshilfesystemen
zum Umgang mit FRIDs für die klinische Praxis. Über diese Entwicklung und
weitere zukunftsweisende Themen spricht Natalie van der Velde in ihrer
Keynote-Lecture beim Gerontologie- und Geriatrie-Kongress, der vom 11. bis
14. September an der Universität Kassel stattfindet. Jetzt Kongress-Ticket
sichern unter: https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org

Einen Meilenstein stellen die 2022 erschienenen World Falls Guidelines
dar, an deren Entwicklung van der Velde in führender Funktion beteiligt
war. Diese beinhalten auch ein Kapitel zum Thema FRIDs. „Ziel war es,
gemeinsam evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen zur Sturzprävention
und zum Sturzmanagement für ältere Menschen zu entwickeln, die von
Angehörigen der Gesundheitsberufe und anderen Fachleuten angewendet werden
können. Dabei haben wir einen personenzentrierten Ansatz gewählt, der die
Perspektive älterer Erwachsener, von Pflegepersonen und anderen
Interessensvertretern einbezieht“, erklärt Nathalie van der Velde. In
einem modifizierten Befragungsverfahren nach der Delphi-Methode hat sie
dafür zusammen mit einer weltweit agierenden Gruppe von Expertinnen und
Experten sowie Interessensgruppen dezidierte Empfehlungen entwickelt, über
die sie ebenfalls beim Kongress in Kassel sprechen wird.



Wird aktuell erforscht: Gemeinsame Entscheidungsfindung mit KI-
Unterstützung

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten für medizinische Informatik und
Kommunikation haben Nathalie van der Velde und ihr Team an der Entwicklung
von KI-basierten personalisierten Prognosemodellen in elektronischen
Gesundheitsakten gearbeitet – sowohl für Hausarztpraxen als auch für
Sturzkliniken. Diese wurden in klinische Entscheidungshilfesysteme und
Patientenportale aufgenommen, die leitlinienbasierte Entscheidungsregeln
für die Verschreibung von FRIDs und Unterstützung bei der gemeinsamen
Entscheidungsfindung enthalten.

Diese werden im Rahmen der niederländischen Studien „SNOWDROP“
(Primärversorgung) und „_IT RCT“ getestet, über die van der Velde beim
Kongress in Kassel ebenfalls berichten wird. Ziel dieser multizentrischen
Studien ist es, die Verschreibung von Medikamenten zu personalisieren und
die gemeinsame Entscheidungsfindung zu optimieren, um so Stürze mit
Verletzungen zu verhindern und die Gesundheitskosten zu senken. „Die
Ergebnisse werden wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie digitale
Gesundheitsinformatik-Tools, die sich an Ärztinnen und Ärzte sowie ältere
Erwachsene richten, Verordnungen optimieren können, zum Beispiel durch
eine angemessene Entschreibungspraxis und die Unterstützung gemeinsamer
Entscheidungen“, sagt die Geriaterin.

Zur Person:

Nathalie van der Velde ist seit 2010 praktizierende Geriaterin und leitete
von Juni 2014 bis Juni 2017 die Geriatrieabteilung des Amsterdam
University Medical Center (Amsterdam UMC), Standort Academic Medical
Center (AMC). Derzeit ist sie Principal Investigator und Leiterin der
Forschungslinie „Falls & Fracture Prevention“ am Amsterdam UMC. 2019 wurde
sie zur ordentlichen Professorin ernannt. Außerdem ist sie Co-Vorsitzende
des Forschungsprogramms „Aging and Later Life“ der Amsterdam Public Health
Institutions. Seit 2021 ist sie Sprecherin der Special-Interest-Gruppe
„Falls & Fracture prevention“ der European Geriatric Medicine Society
(EuGMS). Außerdem ist sie seit 2020 Co-Vorsitzende der World Falls
Prevention Guidelines Task Force und Co-Leiterin der Polypharmacy Working
Group. Seit 2023 ist van der Velde Mitglied des Vorstands der kürzlich
gegründeten World Falls Prevention Society. Seit 2021 ist sie außerdem
stellvertretende Herausgeberin einer Zeitschrift für Altersmedizin mit dem
Titel Age & Ageing, seit 2024 ist sie Akademische Direktorin der EuGMS.

Jetzt Termin vormerken:

Professorin Nathalie van der Velde

Kongress-Keynote: „Falls and medication“

Gerontologie- und Geriatrie-Kongress

11. bis 14. September 2024

Universität Kassel

Alle Infos unter: https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org

Interviewmöglichkeit und Kongress-Akkreditierung:

Sie wünschen ein Interview mit Professorin Natalie van der Velde – vorab
oder vor Ort beim Kongress in Kassel? Gerne helfen wir bei der
Terminkoordination mit der Expertin für Sturzprävention. Hier finden Sie
zudem eine Übersicht aller Keynotes. Akkreditieren Sie sich zudem schon
jetzt für den Gerontologie- und Geriatrie-Kongress in Kassel. Einfach mit
Kopie ihres Presseausweises oder einer Redaktionsbestätigung per E-Mail
an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Fachhochschule feiert SommerFHest

Wann: Freitag, 28. Juni 2024, ab 16 Uhr

Wo: Campus Sonnenstraße 96-100, 44139 Dortmund

 

Die Fachhochschule Dortmund feiert ihr SommerFHest in diesem Jahr wieder auf dem Campus Sonnenstraße – mit einem bunten Programm, musikalischer Unterhaltung und kulinarischen Köstlichkeiten. Beginn ist am Freitag, 28. Juni 2024, um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

„Unsere Fachhochschule lebt von Begegnungen, verbindenden Erlebnissen und dem Austausch“, sagt Rektorin Prof. Dr. Tamara Appel. Ihre Einladung an alle: „Das SommerFHest ist eine tolle Gelegenheit, mit uns zusammen einen besonderen Tag voller Spaß und Musik zu erleben. Kommen Sie zu uns ins Dortmunder Kreuzviertel und lassen Sie uns den Sommer gemeinsam genießen!“

 

Umrahmt wird das SommerFHest von einem Familienprogramm, dazu gehören Hüpfburg, Torwandschießen, Tischkicker, FHotoaktion, Kinderschminken, Buttonmaschine sowie Mal- und Bastelstände. Außerdem locken ein Rennwagensimulator des „Race-Ing. Teams“ und ein Bobbycar-Parcours.

 

Auf der Outdoor-Bühne startet um 18 Uhr die Sängerin Mirjam von Eigen in Begleitung von Bobby van den Bergh, um 19.30 Uhr folgt die Coverband „The Tweens“ mit dem Frontmann Michael Wurst. Um 22 Uhr öffnen zeitgleich zwei Dancefloors: Im Bereich der studentischen Arbeitsplätze legt DJ Max Berk auf. An den Turntables beim „Race-Ing. Team“ stehen die FH-eigenen DJs Ruth Kaesemann und Oliver Seifert.

 

Das Catering für das SommerFHest übernimmt das Studierendenwerk Dortmund, das unter anderem Getränkestände und eine Grillstation beisteuert. Vorhanden sind auch vegane Angebote.

 

Termin im Überblick:

www.fh-dortmund.de/sommerfhest

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Den männlichen Fruchtbarkeitscode entschlüsselt: DGA würdigt Münsteraner Forschungserfolg

Es ist ein wissenschaftlicher Meilenstein: Einer Forschungsgruppe vom
Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) der Medizinischen
Fakultät der Universität Münster ist es gelungen, einen weiteren Teil des
genetischen Codes zu entschlüsseln, der für die Produktion von Spermien
notwendig ist. Die Deutsche Gesellschaft für Andrologie e.V. (DGA) würdigt
den Forschungserfolg der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr.
Sandra Laurentino und Prof. Dr. Nina Neuhaus als Durchbruch in der
Epigenetik der Reproduktion und sieht den Forschungsstandort Münster
einmal mehr gestärkt.

„Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser translationalen Studie sind
von enormer Tragweite und nicht zuletzt von großer klinischer Relevanz, da
sie auch auf eine bisher unbekannte Ursache männlicher Unfruchtbarkeit und
damit perspektivisch auf einen möglichen neuen Therapieansatz hinweisen“,
betont Dr. Jann-Frederik Cremers, Pressesprecher der DGA.

Die Münsteraner Studie, jüngst hochrangig in der renommierten
Fachzeitschrift American Journal of Human Genetics veröffentlicht,
analysierte den Prozess der Spermienproduktion im Hoden, bei dem bestimmte
DNA-Muster korrekt etabliert sein müssen, und konnte herausfinden, welcher
konkreten Anweisungen es für die beteiligten Gene bedarf, damit die
sogenannte Spermatogenese erfolgreich funktioniert. Um diesen Code zu
identifizieren, legten die Forschenden ihren Fokus auf die sogenannte DNA-
Methylierung, eine chemische Modifikation in der DNA, welche die Aktivität
von Genen während der Spermienproduktion reguliert. Ähnlich wie bei einem
Computerprogramm müssen die Gene in verschiedenen Zellen "ein- und
ausgeschaltet" werden, damit die Spermatogenese einwandfrei ablaufen kann,
berichtete das Forschungsteam. Aufgrund der, in Zusammenarbeit mit dem
Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin in Münster, erstmals
gelungenen Trennung von spermienproduzierenden Zellen vom restlichen
Hodengewebe, konnten die Forschenden mithilfe innovativer
Sequenzierungstechniken den "Fruchtbarkeitscode" entschlüsseln und einen
Meilenstein in der Epigenetik der Reproduktion setzen, welche potenziell
vererbbare Veränderungen der Aktivität von Genen untersucht. „Die
Studienerkenntnisse liefern einen detaillierten Einblick in die
genomweiten Veränderungen der DNA-Methylierung während der menschlichen
Spermatogenese“, resümiert Dr. Jann-Frederik Cremers. Damit habe Münster
seinen Ruf als Leuchtturm der Reproduktionsforschung erneut unter Beweis
gestellt, ergänzt die Forschungsbeauftragte der DGA, Dr. Corinna
Friedrich.

Darüber hinaus entdeckte die Forschungsgruppe, dass der Code bei Männern,
die unter einer extrem geringen Spermienproduktion, medizinisch
Kryptozoospermie, leiden, nicht richtig funktioniert. „Die Entdeckung
dieser bislang unbekannten Ursache männlicher Infertilität könnte
potenzielle neue translationale Therapieansätze für unsere Patienten
bieten, die nun weiter erforscht werden und hoffentlich den Weg in die
klinische Anwendung finden können“, sagt der DGA-Pressesprecher.

Dass mit Dr. Sandra Laurentino eine der Letztautorinnen dieser Top-
Publikation auf der 36. Jahrestagung der DGA vom 14. bis 16. November 2024
in Köln erwartet wird, ist eine weitere gute Nachricht. „Wir freuen uns
auf einen spannenden Highlight-Vortrag zu dieser Studie“, sagt
Kongresspräsident Dr. Alexander Sahi und lädt die Fachwelt sowie
Medienschaffende herzlich zu der wichtigsten andrologischen Fachtagung des
Jahres in die Domstadt ein.

Die Studie „Genome-wide DNA methylation changes in human spermatogenesis“
entstand im Rahmen der Klinischen Forschungsgruppe „Male Germ Cells“, die
seit 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird und die
Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit untersucht.

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