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Arbeitsplätze in der Massivumformung erhalten

Prof. Dr. Michael Marré: Wie substituiert man in der Industrie für Massivumformung den Wegfall von Bauteilen wie beispielsweise einen Pleuel?  Fachhochschule Südwestfalen
Prof. Dr. Michael Marré: Wie substituiert man in der Industrie für Massivumformung den Wegfall von Bauteilen wie beispielsweise einen Pleuel? Fachhochschule Südwestfalen

Im Projekt TuWAs unterstützt die FH Südwestfalen die Transformation für
umformtechnische Wertschöpfungsketten im Antriebsstrang

Iserlohn. Die Umstellung des Individualverkehrs auf Elektromobilität hat
Folgen auch für die Industrie der Massivumformung. Im Vergleich zu
Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren verändern sich Bauteile radikal. Im
Projekt TuWAs unterstützt die Fachhochschule Südwestfalen als Teil eines
Konsortiums die Transformation für umformtechnische Wertschöpfungsketten
im Antriebsstrang. Ein Ziel ist es, Arbeitsplätze in der Branche zu
erhalten.

Elektrofahrzeuge benötigen im Unterschied zu Fahrzeugen mit
Verbrennungsmotor keine Kurbelwelle und kein Pleuel mehr. Diese
üblicherweise in der der Industrie der Massivumformung gefertigten
Komponenten entfallen. „Dafür braucht es Ersatz“, erklärt Projektleiter
Prof. Dr. Michael Marré, der an der Fachhochschule Südwestfalen in
Iserlohn das Labor für Massivumformung betreibt. „Im Projekt TuWAs wollen
wir Arbeitsplätze erhalten und die Unternehmen bei der Transformation
unterstützen.“ Hierzu stellen die im Projekt beteiligten Hochschulen und
Institute Wissen und Ressourcen bereit und helfen, Transfer-Formate zu
entwickeln.

„Dazu haben wir verschiedene Ansätze entwickelt, wie zum Beispiel ein
Self-Assessment Center, in dem ich als Unternehmen schauen kann, was fehlt
mir, um den nächsten Transformationsschritt zu gehen“, so Marré. „Wir
haben ein Trend- Radar aufgebaut, in dem wir für die Branche wesentliche
und wichtige Faktoren darstellen können und wir haben eine Branchen-
Strukturanalyse durchgeführt.“
Unternehmen könnten hieran prüfen, wie sie selbst als Betrieb aufgestellt
sind und welche Entwicklungsmöglichkeiten sich ergeben.

„Unser Projekt ist immer dann ein Erfolg, wenn Unternehmen auf uns
zukommen und sagen: Ich will, ich habe Bedarf, ich muss mich verändern“,
erklärt der Maschinenbauprofessor Marré. Angesichts der Erfahrungen im
Projekt und im Hinblick auf das Projektende im Juni 2025 arbeitet das
Projektteam an einer Verstetigung des Konzepts. „Und da laden wir alle
Unternehmen, Verbände, Akteure der Transformation ein, sich daran zu
beteiligen und mit uns ein Netzwerk für die Dauer aufzubauen, um Wissen zu
vermitteln und Ressourcen für Transformation bereitzustellen.“

Projektbeteiligte und Förderung
Das Projekt TuWAs ist ein Konsortialprojekt. Neben dem Labor für
Massivumformung der Fachhochschule Südwestfalen sind beteiligt: das
Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Chemnitz,
die Fachgruppe Advanced System Engineering des Heinz-Nixdorf-Instituts der
Universität Paderborn, der FIR e. V. an der RWTH Aachen und der Lehrstuhl
für Produktentwicklung und Leichtbau der Technischen Universität München.
Die einzelnen Standorte bilden Transformations-Hubs als Schaufenster und
Ansprechpartner für die Industrie in ganz Deutschland, um in regionalen
Betrieben Transformationsprozesse zu unterstützen. Das Projekt wird durch
das Bundeswirtschaftsministerium in Höhe von rund drei Millionen Euro
gefördert.
Die Laufzeit beträgt zweieinhalb Jahre, beginnend Ende des Jahres 2022.

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Expertentreff 4. Symposium ESI bot neueste Erkenntnisse aus Forschung und Praxis

Fabian Barth (Texas Instruments Deutschland GmbH) sprach zum Thema „Power over Data Lines (PodL) für Automotive Ethernet“.  Florian Karow  Hochschule Landshut
Fabian Barth (Texas Instruments Deutschland GmbH) sprach zum Thema „Power over Data Lines (PodL) für Automotive Ethernet“. Florian Karow Hochschule Landshut

Die Fachtagung Symposium Elektronik und Systemintegration bot Einblick in
aktuelle Entwicklungen und zeigte die gute Vernetzung der Hochschule
Landshut. Rund 100 Teilnehmer aus Unternehmen, Hochschulen,
Forschungseinrichtungen, Verbänden, Dienstleistern sowie aktuelle und
ehemalige Studierende informierten sich über aktuelle Forschungsergebnisse
und Entwicklungen aus den Bereichen der Elektro- und Mikrosystemtechnik
sowie Systemintegration.

Am 17. April 2024 öffnete das „4. Symposium Elektronik und
Systemintegration (ESI)“ seine Türen an der Hochschule Landshut. Dieses
mittlerweile institutionalisierte Event bot einen faszinierenden Einblick
in die aktuellsten Entwicklungen der Elektronik- und Elektrotechnikbranche
und verdeutlichte eindrucksvoll die hervorragende Vernetzung der
Hochschule in diesem Bereich.

„Es freut mich zu sehen, dass das Symposium einmal mehr zum
Wissensaustausch und intensiv zum Aufbau von Beziehungen zum Vorteil von
Wissenschaft und Wirtschaft genutzt wurde. Wie sollte es funktionieren,
wenn nicht bei Diskussionen um Wissen, Trends und Entwicklungen der
Elektrotechnik”, gab dementsprechend Prof. Dr. Artem Ivanov zu Protokoll,
der wissenschaftliche Leiter der Veranstaltung und Sprecher des
Forschungsbereichs Elektronik und Systemintegration der Hochschule ist.
Vernetzung und Beschäftigungseffekte

An der Hochschule Landshut mit seinem Cluster Mikrosystemtechnik finden
seit mittlerweile 15 Jahren Fachveranstaltungen aus dem Bereich
Elektronik, Mikrosystemtechnik und Systemintegration statt, ein breites
Netzwerk an Experten ist entstanden. Die zahlreichen „Ehemaligen“ der
Hochschule Landshut, Absolventinnen und Absolventen die mittlerweile in
verschiedenen Unternehmen der Branche tätig sind, tragen zusätzlich zur
starken Vernetzung bei. Auch den Plenums-Vortrag des Fachforums hielt ein
solcher Alumnus: Fabian Barth, System Engineer bei der Texas Instruments
Deutschland GmbH, sprach zum Thema „Power over Data Lines (PodL) für
Automotive Ethernet“. Für fortschrittliche Fahrzeugarchitekturen mit hohen
Datenmengen, die in Hochgeschwindigkeit übertragen werden müssen, biete
die Integration von PodL, die parallele Übertragung von Strom im
Datenkabel, erhebliche Vorteile bei der Integration von elektronischen
Komponenten und Sensoren; dies in Bezug auf Kosten, Effizienz und
Leichtbau. Wichtig sei dabei, die Auswahl des passenden Filternetzwerks
(CDN). PoDL bieten für Barth eine maßgeschneiderte, effiziente Lösung, die
kostengünstig implementiert werden kann.

Breites Themenspektrum und praxisnahe Einblicke

Das Symposium bot ein breites Spektrum an Themen aus unterschiedlichen
Technologien und Branchen. In weiteren 24 hochkarätigen Vorträgen in zwei
parallelen Sessions präsentierten die vom Fachkomitee ausgewählten
Experten innovative Lösungen, Forschungsergebnisse und Dienstleistungen.

Einen Schwerpunkt bildeten Themen rund um das Energiemanagement: dies von
der SSPC (Solid-State-Power Contactor) als halbeiterbasierte DC-
Schutztechnologie (Maik Hohmann, Temes Engineering GmbH), über DC-
Schutzkonzepte der Zukunft (Fabian Bernedikt Witt, TU Braunschweig),
Schutz von Hochvoltsystemen in der E-Mobilität (Dr. Stefan Müller,
Dräxlmaier Group, Vilsbiburg) oder dem Vergleich von hybriden PV-/Solar-
Modulen mit konventionellen PV Modulen  (Prof. Dr. Stefan-Alexander Arlt,
Hochschule Landshut).

Auch Komponenten und Systemen für Anwendungen der Elektromobilität war
eine eigene Session gewidmet. Herausforderungen der Halbleitertechnologie
für den Hochvolt-Traktionsinverter  (Ralf Eckhardt, Michael Daimer, Texas
Instruments EMEA Sales GmbH), Hochintegrierte Leistungselektronik
(Johannes Schweizer, Compact Dynamics GmbH), das Gesamtsystem eines
elektrischen Antriebs mit Axialflussmaschine (Prof. Dr. Alexander
Kleimaier, Hochschule Landshut) oder die 3-Level-Flying-Capacitorschaltung
für ein Leistungsmodul mit 800 Volt DC (Bernhard Jahn, Hochschule
Landshut) lauteten die Themen.

Viele aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen rund um Sensorsysteme wurden
ebenfalls präsentiert: Silizium Drift Detektoren für die
Röntgenflureszenzanalyse (Dr. Andreas Pahlke, Ketek GmbH) wurden ebenso
thematisiert wie ein miniaturisierter Wasserstoffsensor basierend auf der
3-Omega-Methode (Julian Eiler, OTH Regensburg) oder ein akustisches
Verfahren zur Erfassung von Oberflächenschwingungen (Prof. Dr. Artem
Ivanov, Hochschule Landshut). Daneben zeigten Referenten auch neue
Entwicklungen in der Aufbau- und Verbindungstechnik sowie im Bereich der
Embedded Systems und der industriellen Lösungen.

Neben dem Vortragsprogramm bot das Symposium eine begleitende
Fachausstellung sowie eine Postersession, bei der zahlreiche Projekte aus
Forschung und Entwicklung vorgestellt wurden und die zum Netzwerken
einluden. Themen und Erkenntnisse aus Vorträgen der Veranstaltung werden
im ONLINE-Tagungsband dokumentiert, der wissenschaftliche Beiträge (peer-
reviewt) enthält, die erst den Teilnehmern des Symposiums und später der
gesamten Fachwelt zur Verfügung gestellt werden. Für die Qualität der
Tagungsprogramms sowie der wissenschaftlich ausgearbeiteten Beiträge
sorgte ein Auswahlprozess durch das Fachkomitee der Veranstaltung

Symposium ESI: Zukunftsweisende Fachtagung mit Tradition

Das Symposium Elektronik und Systemintegration findet alle zwei Jahre
statt und wird vom Cluster Mikrosystemtechnik und dem Forschungsbereich
Elektronik und Systemintegration der Hochschule Landshut organisiert.
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Artem Ivanov bietet es
eine Plattform für den fachlichen Austausch und die Weiterentwicklung des
Feldes.

„Das Symposium Elektronik und Systemintegration stellt eine bedeutende
Säule in der Förderung des Wissensaustauschs und der
Innovationsentwicklung an der Hochschule Landshut dar. Der Dialog zwischen
Wissenschaft und Wirtschaft trägt im Besonderen auch zur weiteren
technologischen Entwicklung unserer Hochschule bei: Es profitieren der
Forschungsbereich Elektronik und Systemintegration, Studium und Lehre
sowie die regionale Wirtschaft gleichermaßen“, so Marc Bicker, Leiter des
Instituts für Transfer und Zusammenarbeit.

Und viele Referenten/-innen kommen gerne immer wieder zum Symposium, um
ihr Netzwerk zu erweitern und zu intensivieren. Auch ehemalige Studierende
nutzen immer wieder die Gelegenheit zu ihrer Almer Mater zurückzukehren.
Auch Fabian Barth, der den Eröffnungsvortrag hielt, kommt nach eigener
Aussage gerne an die Hochschule Landshut zurück, die für ihn die perfekte
Wahl darstellte. „Sie ist nicht nur räumlich nah an Texas Instruments
gelegen, sondern bietet auch eine enge soziale Verbindung. Das
Masterstudium in Landshut hat mich wirklich ideal auf den Einstieg in den
Job vorbereitet“, ist Fabian Barth überzeugt. Aussagen wie diese
verdeutlichen ebenso wie die vielen von Vertretern der Hochschule
präsentieren Fachthemen die hohe Qualität von Ausbildung und Forschung an
der Hochschule sowie die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft weit über
die Region hinaus.
Weitere Informationen zum Symposium unter www.symposium-esi.de

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Natürlicher Sonnenschutz für Parkett und Möbel

Ohne Beschichtung kann UV-Licht mit Holzoberflächen interagieren und zu Verfärbungen und Schäden führen.  Naturhaus Naturfarben GmbH
Ohne Beschichtung kann UV-Licht mit Holzoberflächen interagieren und zu Verfärbungen und Schäden führen. Naturhaus Naturfarben GmbH

Täglich kommen wir damit in Berührung: Holz. Kinder toben und spielen auf
dem Parkett, und auch beim Arbeiten oder Schlafen spielen Holzmöbel eine
wichtige Rolle. Damit das Material nicht vorzeitig altert, ist es wichtig,
es vor UV-Strahlung zu schützen. Zugleich sollen Optik und Haptik der
Holzoberfläche erhalten bleiben. Transparente Schutzlacke, die im Handel
erhältlich sind, enthalten allerdings oft gesundheitsschädliche chemische
Verbindungen. Um den Einsatz dieser Stoffe zu vermeiden, entwickelt das
Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV gemeinsam mit
der Naturhaus Naturfarben GmbH eine Formel für einen transparenten und zu
100 Prozent biobasierten UV-Holzschutz.

Offene Architekturen mit Glasfassaden und großen Fensterfronten, die viel
natürliches Licht ins Haus lassen, erfreuen sich großer Beliebtheit –
genau wie der Wunsch nach ökologischem und naturnahem Wohnen. Wenn es um
den Schutz von Holzoberflächen im Innenraum geht, lassen sich beide
Bedürfnisse bisher allerdings nur schlecht vereinen: Ohne Beschichtung
kann UV-Licht der Wellenlängen 330 bis 380 Nanometer mit Holzoberflächen
interagieren und durch Photooxidation zu Verfärbungen und Schäden führen.
Doch die derzeit auf dem Markt erhältlichen transparenten Schutzlacke
enthalten als UV-Blocker chemische Additive wie etwa Benzophenone,
Benzotriazole oder Phenyltriazinderivate, die gesundheitsbedenklich sind.
Besonders kritisch dabei ist, dass diese flüchtigen Substanzen über die
Atmung direkt in den Körper gelangen können, etwa während des
Trocknungsvorgangs. Bisher sind alle biobasierten Alternativen zum Schutz
von Holz vor der Alterung durch Sonnenlicht farbig und damit
lichtundurchlässig.

Proteine für die Bindung, Pflanzenextrakte für den UV-Schutz

Vor diesem Hintergrund entstand in der Zusammenarbeit zwischen dem
Fraunhofer IVV und der Naturhaus Naturfarben GmbH die Idee, eine Lösung
für dieses Problem zu entwickeln. Mit dem Auftrag, geeignete pflanzliche
Komponenten für eine natürliche Holzbeschichtung zu finden, welche das
Material vor UV-Strahlung schützt und gleichzeitig dessen Struktur
sichtbar lässt, begann am Fraunhofer IVV 2021 die Arbeit im Projekt
»ProTann«. Dafür erschlossen sich die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler einen komplett neuen Forschungsbereich: »Zur natürlichen
Bindung in Beschichtungssystemen nutzen wir am Fraunhofer IVV schon seit
Längerem sehr erfolgreich Proteine«, erzählt Melanie Platzer,
wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Verfahrensentwicklung
Pflanzliche Rohstoffe. »Neu für uns war die Kombination mit sekundären
Pflanzenstoffen, die als UV-Schutz für einen wasserbasierten Lack dienen
sollten.« Eines der Projektziele bestand dementsprechend darin, die
entstehende Vernetzung zwischen Proteinen und sekundären Pflanzenstoffen
im Lack herauszuarbeiten und letztlich dafür zu sorgen, dass sich die
beiden Substanzen fest miteinander verbinden.

Herausfordernder Entwicklungsprozess

Der Entwicklungsprozess für den Lack war mehrstufig angelegt. Zunächst
testeten die Forschenden ihre erste Formulierungsidee, die auf einem
Vorprojekt am Fraunhofer IVV aufbaute, mit mehreren Proteinen, etwa aus
Erbsen oder Soja. Melanie Platzer: »Entscheidend für uns war in dieser
Phase: Haftet die entstehende Beschichtung auf Holz? Zieht sie ein? Und
kann man sie abziehen, damit die UV-blockende Wirkung überhaupt gemessen
werden kann?« Anschließend wählte das Projektteam zwei Proteine aus und
mischte verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe bei, die einen guten Schutz
vor UV-Strahlung bieten. Eine Herausforderung dabei stellte unter anderem
der pH-Bereich dar, denn Holzlacke müssen einen bestimmten pH-Wert
aufweisen, um das Material zu schonen. Auch die Zugabe der
Pflanzenextrakte selbst war ein entscheidender Punkt für das
Forschungsteam, da vorab kaum vorherzusehen war, wie gut sich die
unterschiedlichen Extrakte lösen, ob sie mit den Proteinen interagieren
und wie sich im gesamten Prozess die Färbung der entstehenden Beschichtung
verändern würde.

Welche Zusammensetzung ist am besten geeignet?

Während der etwa zweijährigen Projektlaufzeit erprobten die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler viele Kombinationen und
arbeiteten auch mit Mischungen unterschiedlicher sekundärer Pflanzenstoffe
sehr erfolgreich: »Letztlich hatten wir viele Treffer, was mögliche
Protein-Additiv-Kombinationen für den UV-Schutzlack anging, und konnten
uns der Frage widmen, welche Formulierung sinnvoll ist, wenn man in
Richtung Produktion denkt – auch was die Regionalität und Verfügbarkeit
der verwendeten Rohstoffe angeht«, fasst Melanie Platzer zusammen. »Wo es
möglich ist, beziehen wir in unsere Entwicklungsarbeit Reste aus der
Agrar- und Lebensmittelindustrie mit ein, etwa Schalen aus der
Apfelsaftherstellung oder Trester aus der Weinproduktion.« Unbedenklich
sind die gefundenen Optionen allesamt: Der direkte Kontakt oder das
Einatmen schaden weder Mensch noch Tier.

Weiterentwicklung nicht nur für den Holzschutz

Die ausgewählte Modellformel befindet sich nun in der Weiterentwicklung
bei der Naturhaus Naturfarben GmbH. Ziel ist es, die Zusammensetzung so
anzupassen, dass sie in größerem Maßstab hergestellt werden kann, um
letztlich einen neuen Markt im Bereich der natürlichen Holzschutzmittel zu
erschließen. In der Anwendung könnte die wasserbasierte Formel dann in
mehreren Schichten aufgetragen und durch einen weiteren Naturlack
versiegelt werden, um langanhaltenden Schutz für Parkett und Möbel zu
bieten. Um die Vielzahl der Forschungsergebnisse aus Pro-Tann
weiterzuentwickeln und ihr Potenzial zu erschließen, wurde am Fraunhofer
IVV bereits ein Folgeprojekt angestoßen: Weitere Anwendungsmöglichkeiten
der UV-abweisenden Protein-Pflanzenstoff-Kombinationen könnten
beispielsweise in der Verpackungsbeschichtung oder auch im Hautschutz
liegen.

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Wasser im Boden – genaue Daten für Landwirtschaft und Klimaforschung

Neutronen aus der Atmosphäre werden je nach Feuchtigkeitsmenge im Boden in unterschiedlichem Maße reflektiert. Die reflektierten Neutronen lassen sich mit Detektoren messen, die z. B. direkt auf einem Feld stehen.  PTB
Neutronen aus der Atmosphäre werden je nach Feuchtigkeitsmenge im Boden in unterschiedlichem Maße reflektiert. Die reflektierten Neutronen lassen sich mit Detektoren messen, die z. B. direkt auf einem Feld stehen. PTB

Die PTB präsentiert auf der Woche der Umwelt, wie sich die Bodenfeuchte
mithilfe von Neutronenstrahlung messen lässt.

Die Bodenfeuchte hat nicht nur Auswirkungen auf die Landwirtschaft,
sondern ist als Teil des globalen Wasserkreislaufs ein wichtiger
Schlüsselfaktor für Wetter und Klima. Für ein besseres Verständnis dieser
Zusammenhänge braucht man genaue Messdaten: Die PTB stellt ein noch junges
Verfahren zur Messung der Bodenfeuchte auf der Woche der Umwelt im Schloss
Bellevue vor.  Zur Veranstaltung – mit ihrem Fokus auf Projekten für eine
nachhaltige Zukunft – laden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und
die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein. Zu der öffentlichen
Veranstaltung, ist eine Anmeldung bis zum 15. Mai 2024 zwingend
erforderlich.

Die Bodenfeuchte ist Teil des globalen Wasserkreislaufs. Nur ein gesunder
und ausreichend feuchter Boden kann dafür sorgen, dass Landökosysteme
einen großen Teil des Kohlendioxids der Luft langfristig in Form von
Kohlenstoff speichern und so die die globale Erwärmung verlangsamen.
Deshalb gehört die Bodenfeuchte zu den wesentlichen Klimavariablen
(Essential Climate Variables), die die Weltorganisation für Meteorologie
(WMO) definiert hat.  Die kontinuierliche Messung der Bodenfeuchte hat
weltweit Bedeutung für die Landwirtschaft. Sie liefert aber auch neue
Daten für die Klimaforschung, die Klimafolgenanpassung und das
Wassermanagement. Doch vielfach sind die unterschiedlichen Messverfahren
nicht direkt vergleichbar oder interoperabel.

„Unser Ziel ist, die verschiedenen Messverfahren für Bodenfeuchte auf die
gemeinsame Basis internationaler Standards zu stellen, damit sie
vergleichbar und aussagekräftig werden“, erklärt Dr. Miroslav Zboril,
Physiker in der PTB und Koordinator des europäischen Forschungsprojekts
SoMMet (Soil Moisture Metrology, siehe Infokasten).  Denn bisher werden
hauptsächlich zwei sehr unterschiedliche Verfahren genutzt: Sensoren im
Boden, die punktgenaue Informationen liefern sowie die Messung per
Satellit, die mehrere Quadratkilometer abdeckt. Ein drittes Verfahren
könnte in Zukunft den Größenbereich dazwischen abdecken – um
beispielsweise Aussagen über den Feuchtezustand eines bestimmten Ackers zu
machen: die Bodenfeuchtemessung mit kosmischen Neutronen (CRNS = Cosmic-
Ray Neutron Sensing).

„Mit dem CRNS will die wissenschaftliche Community die Lücke zwischen den
beiden etablierten Verfahren schließen, und in der PTB erschaffen wir die
notwendige metrologische Grundlage dafür“, erklärt Zboril. Letztendliches
Ziel des SoMMet-Projektes ist, dass Bodenfeuchtemessungen effektiv,
metrologisch gesichert und konsistent über alle Längenskalen hinweg
funktionieren. Zusätzlicher Vorteil ist, dass das Verfahren kostengünstig
weltweit eingesetzt werden kann – auch in weniger wohlhabenden Ländern,
die stark von Wassermangel betroffen sind.

Das Messprinzip des CNRS nutzt die natürliche kosmische Strahlung, die
fortlaufend aus dem Weltraum auf unsere Erde trifft und in Wechselwirkung
mit der Atmosphäre dort Neutronenstrahlung erzeugt. Abhängig von der Menge
an Wasser im Boden werden die Neutronen an der Landoberfläche reflektiert
und mit einem über dem Boden stehenden Detektor gemessen. Mit CRNS kann
die mittlere Bodenfeuchte im Bereich der Wurzelzone innerhalb eines Radius
von etwa 100 Metern rund um den Detektor erfasst werden.

„Wir hoffen, dass wir bei Projektende im September des kommenden Jahres
der Weltorganisation für Meterologie handfeste Ergebnisse zur Verfügung
stellen können, die dann in ihre Empfehlungen zur Messung der Bodenfeuchte
einfließen“, sagt Zboril. Das würde die Messungen weltweit deutlich
aussagekräftiger machen und Klimamodellen ebenso zugutekommen wie einem
besseren Verständnis aller Zusammenhänge zwischen Boden, Wetter und Klima.

Ohne Rückführung keine aussagekräftige Feuchtemessung

Der Begriff „Rückführung“ ist den meisten Menschen nicht geläufig, aber
sehr wichtig, wenn es um Vertrauen in Messungen geht. Stellen Sie sich
vor: Eine Forscherin misst die Bodenfeuchte mit drei verschiedenen
Messverfahren und erhält drei unterschiedliche Ergebnisse. Was nun?
Aussagekräftig werden die Ergebnisse erst, wenn man die Verfahren
rückführt, also mit einem gemeinsamen Standard höchster Güte vergleicht.
Dann weiß man, wie sehr die Ergebnisse der einzelnen Verfahren von denen
des Standardverfahrens abweichen und kann sie entsprechend korrigieren.
Erst dann sind die Ergebnisse der unterschiedlichen Messverfahren
vergleichbar.  Der höchste Standard kann unterschiedlich aussehen, mal ist
es beispielsweise ein einzigartiges Gerät (z. B. in der PTB), mal eine
Standardflüssigkeit oder aber die Definitionen der physikalischen
Einheiten selbst, wie sie im internationale Einheitensystem (SI)
beschrieben sind.

Forschungsprojekt SoMMet (Soil Moisture Metrology)

Am europäischen Forschungsprojekt SoMMet (Soil Moisture Metrology) sind 18
Forschungseinrichtungen aus elf Ländern beteiligt. Ihr Ziel ist die
verbesserte Vergleichbarkeit und Interoperabilität unterschiedlicher
Messungen, um bestmögliche Informationen über die Bodenfeuchte zu
gewinnen. Das Projekt wird von der Europäischen Partnerschaft für
Metrologie gefördert, die aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm
Horizont Europa der Europäischen Union und von den teilnehmenden Staaten
kofinanziert wird.

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