Zum Hauptinhalt springen

EU-Wahl 2024: "Wir müssen aufpassen, dass Medizin und Wissenschaft nicht politisiert oder instrumentalisiert werden."

Anlässlich der heute beginnenden EU-Wahl 2024 erklärt der Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
(DGKL), Harald Renz, warum Brüssel in Zukunft auf mehr Transparenz setzen
muss - und weswegen Medizin und Wissenschaft das Thema "Dual Use" ganz
oben auf die Agenda setzen sollten. Der Mediziner Renz ist Direktor sowie
Professor am Institut für Labormedizin und Pathobiochemie, Molekulare
Diagnostik der Philipps Universität Marburg.

DGKL News: Herr Prof. Renz, gehen Sie am 9. Juni zur Wahl?

Renz:  Selbstverständlich, das ist demokratische Ehrensache!

DGKL News: Wählen zu gehen, ist zweifelsohne wichtig, nur: Warum sollte
man das als Labormediziner aus Deutschland tun?

Renz: Neben vielen anderen Gründen müssen wir realisieren, dass auch die
Labormedizin zunehmend EU-weit geregelt wird. Lösungen auf nationaler
Ebene nehmen ab. Auch deswegen ist EU für uns wichtig.

DGKL News: Trotzdem kann man den Eindruck gewinnen, die EU kümmere sich im
Bereich der Gesundheitspolitik eher marginal um die Belange der Branche.
Die Zahlen jedenfalls sprechen für sich: Ende 2020 hat die Europäische
Kommission beschlossen, die sogenannte Gesundheitsunion aufzubauen.
Finanziert wird das Vorhaben durch das Programm EU4Health. Dafür stehen
zwischen 2021 und 2027 gerade Mal 5,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Wie
kommt Ihnen diese Summe, verglichen mit anderen Ausgaben der EU, vor?

Renz: Ehrlich gesagt, ist selbst für mich schwer in Erfahrung zu bringen,
was die EU alles fördert, plant und unterstützt. Wir brauchen eine bessere
Transparenz und Übersicht über jene Themen, welche die EU abdeckt. Bei den
Programmen, die EU-weit auferlegt werden, verhält es sich ähnlich.

DGKL News: Warum können wir auf Transparenz nicht verzichten?

Renz: Ganz einfach: Wir benötigen mehr Transparenz um zu erkennen, wie
diese Programme konkret genutzt werden können, um bestimmte Projekte in
der Labormedizin auch hierzulande voranzubringen.

DGKL News: Was den meisten Politikern gar nicht bewusst ist, dürfte die
Systemrelevanz der Labormedizin sein. Was passiert konkret, wenn - rein
theoretisch - EU weit alle Medizinlabore für eine ganze Woche ausfallen
würden?

Renz: Stellen Sie die nächste Frage, denn daran möchte ich gar nicht
denken! Eine Woche europaweit keine in-vitro-Diagnostik, unvorstellbar!
Das System der Gesundheitsversorgung, auch in der Notfallmedizin, würde
zusammenbrechen.

DGKL News: Nun ist das sicherlich lediglich ein Worst-Case-Szenario. Doch
welche Forderung hätten Sie an die Adresse der EU-Kommission, um den
Blackout im Gesundheitswesen zu verhindern?

Renz: Um einen Blackout zu verhindern, braucht es Vorsorge. Das haben wir
in der Pandemie gesehen. Hier muss natürlich kritisch diskutiert werden,
bis zu welchem Grad Vorsorge betrieben werden kann und muss. Aber allein
schon diese Diskussion wäre extrem hilfreich, denn auch hier werden
deutschlandweite Insellösungen nicht weiterhelfen.

DGKL News: Problematisch dürfte sein, dass die EU-Kommission derzeit viel
mit sich selbst zu tun hat. Die EU-Generalanwältin Laura Kövesi ermittelt
gegen Ursula von der Leyen, wobei auch hier natürlich zunächst die
Unschuldsvermutung gilt. Trotzdem: Hat die Kommissionschefin durch die
SMS-Affäre nicht die gesamte Gesundheitsbranche in eine peinliche Lage
gebracht?

Renz: Was diese SMS-Affäre anbelangt, muss zunächst einmal die Faktenlage
geklärt werden. Ich möchte mich hier mit einer Bewertung vorerst
zurückhalten, bis auch hier mehr Transparenz und Klarheit existiert.

DGKL News: Schwärzungen von Dokumenten oder verschwundene SMS dienen nicht
dem Interesse der Pharmahersteller, sondern in erster Linie dem
Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Was sollte die EU nach der Wahl in
diesem Bereich besser machen?

Renz: Eine Art Verhaltenscodex gibt es ja schon für Parlamentarier, deren
Mitarbeiter und für EU-Beamte. Jedoch – und das ist genauso der Fall auf
Ebene des Deutschen Bundestages - muss das Ganze transparent gehandhabt
werden.

DGKL News: Das klingt sehr theoretisch….

Renz: …was es nicht ist. Denn für die Bevölkerung müssen die
Entscheidungen und Vorgänge völlig durchsichtig sein. Brüssel ist für die
meisten Menschen „weit weg“. Da kann es schon mal sein, dass die Prozesse
in Brüssel „zu Hause“ gar nicht in der Öffentlichkeit ankommen.

DGKL News: Was von der Öffentlichkeit als Selbstverständlichkeit
wahrgenommen wurde und wirklich bestens funktionierte, war die
Labordiagnostik während der Pandemie. Wie haben Sie das als Branche
geschafft, neben Millionen von Coronatests auch noch die "normale"
Labordiagnostik zu stemmen?

Renz: Die Pandemie hat in der Labormedizin zu einer drastischen
Umorientierung geführt. Die Vorgänge waren komplex. Natürlich stand
zunächst einmal die Akutversorgung der Erkrankten mit Labortests,
einschließlich Corona-Tests, im Mittelpunkt. Dann haben wir beispielsweise
in den Krankenhäusern gesehen, dass bestimmte Patientengruppen weniger zu
Untersuchungen kamen. Dadurch fiel in diesen Bereichen weniger Diagnostik
an. Zudem mussten wir auch mit den eigenen Personalausfällen kämpfen.

DGKL News: Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Renz: Dass wir innerhalb der Labormedizin als medizinische Fachdisziplin
äußerst versatil und agil sind. Wir sind außerordentlich beweglich
aufgestellt und können uns in kürzester Zeit auf neue Herausforderungen
einstellen. Das erfüllt mich mit enormen Stolz für unsere Fachgruppe!

DGKL News: Müsste dann nicht ein Vertreter oder eine Vertreterin der
Labormedizin in Brüssel sitzen?

Renz: Wir brauchen in Brüssel sicherlich noch ein besseres Lobbying. Hier
müssten wir auch als Deutsche Fachgesellschaft - das merke ich ganz
selbstkritisch an - uns noch besser aufstellen. Natürlich gemeinsam mit
der Europäischen Fachgesellschaft.

DGKL News: Derzeit stehen ja wichtige Vorhaben auf der Agenda. Der
europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) beispielsweise. Wie tangiert der
die Labormedizin?

Renz: Zu den wichtigsten Gesundheitsdaten zählen die Labordaten. Diese
verfügbar zu machen, ist eine Herkulesaufgabe. Das sehen wir, wenn es
darum geht, Labordaten aus einzelnen Forschungsprojekten
standortübergreifend innerhalb von Deutschland auf einen Nenner zu
bringen. Dieser Aufgabe sollten wir uns stellen.

DGKL News: Die EU wäre aber nicht die EU, wenn sinnvolle Vorhaben nicht
durch eine enorme Bürokratie flankiert würden. Haben Labormediziner im
Alltag die Zeit, um alle Vorschriften lesen zu können?

Renz: Die einzelnen Labormediziner sind damit sicherlich überfordert. Und
haben auch gar nicht die Zeit oder die Ressourcen dafür. Woher soll man
also all diese Informationen beziehen?

DGKL News: Ihre Frage ist gut. Also stellen wir sie: Woher sollen
Labormediziner die nötigen Informationen beziehen? Der Web-Auftritt der EU
bereitet selbst uns als investigative Journalisten gewisse
Schwierigkeiten. Schnell findet man dort so gut wie nichts.

Renz: Ich könnte mir vorstellen, dass wir hier über die DGKL ein
Informationsportal mittelfristig aufbauen könnten.

DGKL News: Wenn wir uns heute die politische Landschaft in Deutschland und
in der EU ansehen, erkennen wir vor allem eine Spaltung. Gibt es auch
innerhalb der Labormedizin Fissuren?

Renz: Bisher nehme ich keine Spaltung in der Labormedizin wahr. Aber
natürlich gibt es auch innerhalb der Labormedizin bestimmte Gruppen, die
bestimmte Interessen verfolgen. Das ist legitim. Wichtig dabei ist, dass
wir einen guten Interessensausgleich hinbekommen. Beispielsweise zwischen
Laborärzten, die mehr im Krankenhaus sind und jenen, die mehr in der
Praxis tätig sind. Ein weiterer Aspekt: Wir müssen auch den kleineren,
labormedizinischen Einheiten noch „Luft zum Atmen“ lassen, und auf eine
starke Regionalisierung setzen.

DGKL News: Wir gehören, ebenso wie Sie, einer Generation an, die den
Kalten Krieg bewusst miterlebte. Wir selbst auf der einen Seite des
damaligen Eisernen Vorhangs, Sie auf der anderen. Heute haben wir das
Gefühl, das man damals - trotz aller Bedrohungen und Kriege - zumindest
auf wissenschaftlicher und medizinischer Ebene stets einen respektvollen
Dialog führte, und zwar jenseits von Ideologien und Grenzen. Was ist heute
schiefgelaufen?

Renz: Wir müssen aufpassen, dass Medizin und Wissenschaft nicht
politisiert oder instrumentalisiert werden. Natürlich ist es bedauerlich,
dass der internationale Austausch mit bestimmten Ländern nicht mehr so
funktioniert, wie wir das noch vor ganz kurzer Zeit kannten. Ich denke
dabei beispielsweise an China und Russland, aus naheliegenden Gründen.

DGKL News: Worauf müssen Mediziner heute im Umgang mit diesen Staaten
achten?

Renz: Ich möchte auf eine wichtige Thematik hinweisen: Der „ Dual-Use“ von
Forschungsergebnissen. Als Wissenschaftler muss man selbstkritisch die
Frage stellen, ob die eigenen Forschungsergebnisse gegebenenfalls von
anderen zweckentfremdet und missbraucht werden könnten – etwa im Sinne
einer militärischen Anwendung. Das ist für Deutschland eine relativ neue
Diskussion, die vor allen Dingen an den Universitäten und in den
Forschungseinrichtungen geführt wird. Das halte ich für sehr wichtig.

DGKL News: Die Polarisierung der Gesellschaft hat demnach auch die
akademischen Bereiche erfasst?

Renz: Ich würde das nicht als Polarisierung bezeichnen. Es ist im Grunde
genommen die selbstbewusste Antwort auf das, was um uns herum in der Welt
passiert.

DGKL News: Wobei wir neulich darüber berichten mussten, dass Anfeindungen
gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunehmen. Wie wollen Sie
Menschen mit Argumenten überzeugen, wenn diese gar nicht gewillt sind, zu
reflektieren?

Renz: Anfeindungen aus ethischen, religiösen und anderen Gründen sind
strikt abzulehnen. Wir sind eine offene Gesellschaft, die auf
demokratische Grundwerte baut. Grade haben wir 75 Jahre Grundgesetz
gefeiert. Hier heißt es auch für Labormediziner: Haltung zeigen!

DGKL News: Zum Schluss noch die Bitte um eine ganz unpolitische Europa-
Prognose: Wer gewinnt die Fußball EM 2024?

Renz: Deutschland selbstverständlich!

DGKL News: Herr Prof. Renz, vielen Dank für Ihre Zeit.

Die Fragen stellten Marita Vollborn und Vlad Georgescu.
Abdruck bei Nennung der Quelle (www.dgkl.de) honorarfrei.

  • Aufrufe: 51

Deutsche Leberstiftung informiert zum Global Fatty Liver Day: Das globale Problem Fettleber wird unterschätzt

Unter der Leitung des Global Liver Institute (GLI) findet am
13. Juni 2024 der Global Fatty Liver Day, früher bekannt als International
NASH Day, statt. Die globale Aufklärungskampagne wurde 2018 ins Leben
gerufen, um das Bewusstsein für die Fettlebererkrankungen, auch als
steatotische Lebererkrankung (SLD) bezeichnet und die dramatisch
steigenden Erkrankungszahlen zu schärfen. Mit dem diesjährigen Motto „Act
Now, Screen Today!“ („Jetzt handeln, heute testen!“) wird auf die
Dringlichkeit hingewiesen, Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennung zu
fördern.

Die Deutsche Leberstiftung, zu deren Aktionsfeldern der Kampf gegen SLD
und die Aufklärung über die Gesundheitsrisiken zählen, unterstützt diese
Initiative ausdrücklich.

Nach Angaben des GLI sind weltweit circa 115 Millionen Menschen von einer
SLD betroffen und bis 2030 soll die verborgene globale Epidemie auf 357
Millionen Betroffene anwachsen. Auch in Deutschland gibt es mindestens
fünf Millionen Leberkranke. Häufigste Ursache für eine Leberentzündung ist
die SLD, auch Fettlebererkrankung genannt, aufgrund von Übergewicht,
Diabetes mellitus oder Alkohol. Bei der ehemals als (nicht-)alkoholische
Fettlebererkrankung (NAFLD) bezeichneten Störung handelt es sich um eine
komplexe metabolische Erkrankung, bei der daher auch der Name angepasst
wurde.

Neue Struktur, neue Bezeichnungen

Mehrere internationale hepatologische Fachgesellschaften haben im Juni
2023 eine präzisere Nomenklatur / Struktur für die bisher sogenannten
Fettlebererkrankungen beschlossen. Der neue Überbegriff für die angepasste
Terminologie und die Einteilungserweiterung von Fettlebererkrankungen
lautet SLD. Die angepasste Nomenklatur umfasst unterschiedliche
Diagnosestellungen und verschiedene Ursachen der Erkrankungen. Das früher
als NAFLD bezeichnete Krankheitsbild wird jetzt als Metabolische
dysfunktions-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) bezeichnet.
Dadurch sollen die Ursachen und Komplexität der Erkrankung besser zum
Ausdruck gebracht und eine mögliche Stigmatisierung vermieden werden. MASH
(metabolisch-assoziierte Steatohepatitis) ist die Bezeichnung für die
entzündete Fettleber, die in Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom
entstanden ist.

80 bis 90 Prozent der MASLD-Patienten sind adipös

„Mittlerweile entstehen die meisten Leberschäden durch eine Verfettung der
Leber. Neue Erkenntnisse zeigen, dass es sich bei Fettlebererkrankungen um
eine komplexe metabolische Erkrankung handelt, die mit der aktualisierten
Nomenklatur unterschiedlichen Subgruppen zugeordnet werden können. An der
MASH leiden in Deutschland mindestens vier Prozent der Bevölkerung. Auch
adipöse, also fettleibige Kinder haben ein großes Risiko an pädiatrischer
MASLD und MASH zu erkranken“, erklärt Prof. Dr. Michael P. Manns,
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung, und warnt vor
schwerwiegenden Folgeerkrankungen: „Bei der MASH kann sich ein
Hepatozelluläres Karzinom (HCC) entwickeln – schon bevor eine
Leberzirrhose vorliegt. Aus aktuellen Erhebungen wissen wir, dass 80 bis
90 Prozent der MASLD-Patienten adipös sind. Und es ist erwiesen, dass die
systemischen Entzündungsreaktionen bei Übergewicht und Adipositas vom
Fettgewebe – insbesondere im Bauchbereich – ausgehen und damit langfristig
auch das Risiko für Diabetes und Herzinfarkt erhöhen. Diese großen
Gesundheitsrisiken sind nur wenigen Menschen bekannt, deswegen ist es sehr
wichtig, über die Risikofaktoren für die Entwicklung einer SLD aufzuklären
und Aufmerksamkeit dafür zu generieren. Die Deutsche Leberstiftung, zu
deren Aktionsfeldern der Kampf gegen SLD durch Aufklärung über
Gesundheitsrisiken, Prävention und Früherkennung zählt, unterstützt den
Global Fatty Liver Day ausdrücklich. Dem Motto ‘Act Now, Screen Today!‘
sollten auch in Deutschland möglichst viele Menschen, die zu einer
Risikogruppe zählen, folgen. Störungen der Leberzellen sowie der
Leberleistung, die auf eine Erkrankung hinweisen, kann man in der Regel
gut an verschiedenen Leberwerten im Blut erkennen.“

Therapie: Lebensstiländerung und Ernährungsumstellung

Eine Behandlung der lange Zeit meist symptomarmen SLD ist mit Medikamenten
bislang noch nicht möglich. Eine MASLD, auch eine MASH, kann sich
zurückbilden – vorausgesetzt, die Betroffenen ändern ihren Lebensstil:
Abhängig von der Ursache der Fettleber umfasst der veränderte Lebensstil
eine kontrollierte Gewichtsreduktion, eine Ernährungsumstellung, mehr
Bewegung und einen Alkohol-Verzicht.

SLD-Aktionsfelder der Deutschen Leberstiftung

Um den Betroffenen beim wichtigen Therapie-Baustein Ernährung
Hilfestellungen zu geben, hat die Deutsche Leberstiftung „Das große
Kochbuch für die Leber“ herausgegeben, das Betroffene bei der richtigen
Ernährung unterstützen kann. Eine gesunde und der Situation entsprechenden
Ernährung ist enorm wichtig. Sie kann den Gesundheitszustand der
Betroffenen entscheidend verbessern, bei den Fettlebererkrankungen sogar
zur Heilung beitragen.

Die Deutsche Leberstiftung bietet Kurzbroschüren zu den Themen „Leber und
Fett“ sowie „Leber und Leberwerte“ für Betroffene und ihre Angehörigen an.
Bestellmöglichkeiten und Download auf der Serviceseite unter https://www
.deutsche-leberstiftung.de.

Um einen weiteren Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Betroffenen
zu leisten, betreibt die Deutsche Leberstiftung seit 2020 über die
Leberstiftungs-GmbH ein Register zur Erforschung von
Fettlebererkrankungen. Das dafür gegründete „Deutsches NAFLD-Register“
wurde zum 1. Januar 2024 an die aktualisierte Struktur für
Fettlebererkrankungen angepasst und in „Deutsches SLD-Register“ umbenannt.

Deutsche Leberstiftung

Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung, Forschungsvernetzung und wissenschaftliche Projekte
zu verbessern. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung in medizinischen Fragen. Auf der Website
finden Sie umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für Betroffene,
Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter: https://www
.deutsche-leberstiftung.de.

  • Aufrufe: 30

„Erfolgsrezepte für zukunftsfähige Erde“

„Woche der Umwelt“ von Bundespräsident und DBU zu Ende

Osnabrück/Berlin. Die „Woche der Umwelt“ auf Einladung des
Bundespräsidenten und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gestern
und heute (Mittwoch) hat nach den Worten von DBU-Generalsekretär Alexander
Bonde „Mut für Lösungen und Kompromisse beim Umweltschutz“ gemacht. Zum
Abschluss der Innovationsschau im Park von Schloss Bellevue mit insgesamt
rund 12.000 Gästen, einem umfangreichen Programm von Klimaneutralität über
Klima- und Ressourcenschutz bis zur Biodiversität sowie etwa 190
Ausstellenden sagte Bonde: „Das sind Erfolgsrezepte für ein nachhaltiges
Wirtschaften und Leben auf eine zukunftsfähige Erde.“

Bonde: Panik ist ein schlechter Motor für notwendige Veränderungen

Mit Dank an alle Beteiligten für das Gelingen des Mega-Events im
Schlosspark sagte Bonde, zwar seien wegen der drohenden Gefahren für
Umwelt und Natur Warnungen wichtig, weil oft Herausforderungen „nicht
immer ausreichend anerkannt“ werden. Er warnte aber vor „non-stop-
Mahnungen“ angesichts der vielfältigen ökologischen Krisen. „Wir müssen
stattdessen die Chancen und Potenziale viel besser nutzen“, so Bonde.

Praxisbeispiele mit DBU-geförderten Projekten

Solche Praxisbeispiele haben die 190 Ausstellenden an ihren Ständen im
Schlosspark präsentiert, der sich an zwei Tagen in eine Zelt- und
Bühnenstadt verwandelt hat. Darunter waren auch einige Projekte, die
seitens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert worden sind, etwa
die Pflanzentheke GmbH. Das Startup entwickelt in Kooperation mit der
Hochschule Osnabrück gewissermaßen eine Mini-Farm für Gemüsepflanzen in
einem hydroponischen System – also nicht in der Erde, sondern vertikal und
in nährstoffreichem Wasser. Ein anderes Beispiel, das Bundespräsident
Frank-Walter Steinmeier bei seinem Rundgang zur Eröffnung der „Woche der
Umwelt“ in Augenschein genommen hatte: Der in Wolfsburg geplante
Woodscraper der Berliner Firma „Partner und Partner Architekten“. Bonde:
„Das ist eine echte Zukunftsvision, wie klimagerechtes Bauen mit einem
wertschätzenden Umgang von Ressourcen einhergehen kann. Es werden die
ersten zirkulären Hochhäuser aus Holz und Stroh.“

Pionierinnen und Pioniere auf vielen Ebenen gefragt

Solche Woodscraper-Pionierinnen und -Pioniere seien auf vielen Ebenen
gefragt, sagte Bonde. „Auf solche Menschen, die vor Zuversicht sprühen,
anpacken und etwas bewegen wollen kommt es an, wenn wir Klimaneutralität
und damit einen besseren Schutz der Erde erreichen wollen. Bonde: „Auf dem
Weg dorthin will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wie bisher eine
verlässliche Wegbegleiterin bleiben, damit Inspiration und Innovation
eines Tages Wirklichkeit werden.“

  • Aufrufe: 44

Studentische Poliklinik feiert 10. Geburtstag: Initiative mit Vorbildcharakter für Medizinstudium und Stadtgesellschaft

Die Studentische Poliklinik der Goethe-Universität im Gesundheitsamt der
Stadt Frankfurt feiert heute zehnjähriges Bestehen. Eine Initiative mit
vielfachem Nutzen: Die Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung
wird von Studierenden unter Aufsicht erfahrener Ärztinnen und Ärzte
angeboten.

Ein solches Wahlpflichtfach hätte sich Prof. Robert Sader als Student auch
gewünscht: „Zu meiner Studienzeit vor 40 Jahren war die medizinische Lehre
extrem theorielastig, und richtigen Patientenkontakt hatten wir erst im
Praktischen Jahr“, erinnert sich der Direktor der Klinik für Mund-,
Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt
in einem Interview zum Jubiläum. Die Idee, dass der Fachbereich Medizin
sich in die Versorgung Bedürftiger einbringen könnte, hatte der
Frankfurter Anatom Prof. Helmut Wicht. Sader, damals Studiendekan, griff
sie auf und entwickelte sie gemeinsam mit Studierenden weiter. Nachdem –
auch mit Hilfe des Frankfurter Gesundheitsamtes – so manche Hürde
beseitigt werden konnte, ging die Studentische Poliklinik am 17. Juni 2014
als bundesweit erstes Angebot dieser Art in Betrieb. Seither wurde hier
vielen Patientinnen und Patienten geholfen. Und auch von studentischer
Seite war das Interesse stets groß. Eine besondere Bestätigung für das
Projekt: 2017 erhielt es den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in
der Lehre, der mit 60.000 Euro dotiert war.

Elke Voitl, Frankfurts Dezernentin für Soziales und Gesundheit, stellt die
Initiative in die Tradition des berühmten Frankfurter Stadtarztes und
Stifters Johann Christian Senckenberg: „Noch immer haben Menschen ohne
Krankenversicherung in Deutschland lediglich in absolut akuten Notlagen
einen Anspruch auf medizinische Hilfe. Das ist ein Problem. Wir brauchen
dringend eine kostenlose Grundversorgung für jede:n in unserer
Gesellschaft. Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Teilhabe,
sie ist die Basis für ein gutes Leben. Diese Basis allen zu ermöglichen,
stärkt auch die Gemeinschaft. Andernfalls schreitet die Spaltung weiter
voran, nehmen gesellschaftliche Verwerfungen und Spannungen unaufhaltsam
zu“, warnt Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl. „Die StuPoli
setzt hier einen ganz entscheidenden Impuls, denn sie ergänzt vorbildlich
die Humanitäre Sprechstunde unseres Gesundheitsamts. Beide Angebote wurden
über die Jahre hinweg ausgebaut – und die Nachfrage ist weiterhin enorm.
Dies bestätigt unseren politischen Handlungsansatz und zeigt: Wir sind auf
dem richtigen Weg“, sagt die Stadträtin.

„Das Präsidium der Goethe-Universität gratuliert der Studentischen
Poliklinik zum zehnjährigen Bestehen. Die StuPoli ist ein besonders gutes
Beispiel dafür, wie sich Wissenschaft direkt in die Gesellschaft
einbringen kann – so wie es in der Gründungs-DNA der Goethe-Universität
festgeschrieben ist. Auf Solidarität angewiesene Menschen in unserer Stadt
profitieren davon; die Studierenden gewinnen durch ihre Mitarbeit in der
StuPoli Praxiserfahrung und – vielleicht noch wichtiger – erleben das
Gefühl großer Sinnhaftigkeit. Wir sind stolz auf dieses rundum gelungene
Projekt“, sagt Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin für Lehre an der
Goethe-Universität.

„Der Kontakt mit Patientinnen und Patienten ohne festen Wohnsitz, ohne
Krankenversicherung und mit Problemen, die in Deutschland nicht im
Mittelpunkt der Gesellschaft stehen, fordert nicht nur fachliche
Kompetenzen unserer Ärztinnen und Ärzte von morgen, sondern regt
insbesondere auch zur Reflexion über die eigene Rolle, das eigene
Verhalten und Engagement an. Die jungen Menschen erhalten im Vergleich zu
ihrem regulären Studium eine ganz neue Perspektive auf ihre zukünftige
Tätigkeit und erweitern dabei ihren Erfahrungsschatz und ihre
kommunikativen Fähigkeiten erheblich“, erklärt Prof. Miriam Rüsseler,
Studiendekanin des Fachbereichs Medizin.

„Das Spektrum an Erfahrungen bereichert die Arbeit von Ärztinnen und
Ärzten“, sagt PD Dr. Peter Tinnemann, Amtsleiter des Gesundheitsamtes
Frankfurt. „Dass die Studentinnen und Studenten viele unterschiedliche
praktische Erfahrungen bereits während des Medizinstudiums sammeln können,
ist ein Gewinn für die Menschen in Frankfurt, für die Patientinnen und
Patienten sowie natürlich für die Studenten und Studentinnen. Vielen Dank
für zehn Jahre Stupoli. Es ist ein bemerkenswertes Projekt.“

Dr. Dr. Lukas Seifert, einer der studentischen Initiatoren, erinnert sich
an die Planungsphase: In Europa habe es damals nichts Vergleichbares
gegeben. Die amerikanischen Student-run Free Clinics dienten als Vorbild,
eine studentische Delegation machte sich u.a. in Harvard ein Bild von
Ablauf und Organisation. Seifert entwickelte auf dieser Basis im Rahmen
einer Doktorarbeit das Konzept für das Frankfurter Wahlpflichtfach. Auf
dem Weg zur Realisierung der StuPoli habe es vor allem zwei Hürden
gegeben, schildert Prof. Sader: Zum einen die versicherungsrechtliche
Problematik – sie sei gelöst worden, indem das Gesundheitsamt zur
akademischen Lehreinrichtung der Universität akkreditiert, das klinische
Wahlfach der StuPoli entwickelt und im Studium implementiert wurde. Zum
anderen gestaltete sich die Suche nach Räumlichkeiten schwierig, aber
dieses Problem wurde mit Hilfe des Gesundheitsamtes gelöst, das zunächst
provisorisch mit Räumen aushalf. Aus dem Provisorium wurde eine
Dauerlösung, die sich bewährt hat.

Von Beginn an als ärztliche Supervisorin dabei ist Dr. Petra Tiarks-Jungk.
Sie leitete die Humanitäre Sprechstunde und gab den ersten StuPoli-
Studierenden die Gelegenheit, dort zu hospitieren. Ihre Skepsis in Bezug
auf die Qualität der studentischen Medizinkenntnisse sei rasch verflogen,
berichtet sie: Von deren Engagement und Versiertheit sei sie „hellauf
begeistert“ gewesen. Deshalb habe sie die StuPoli gern als ärztliche
Supervisorin unterstützt und tue das auch heute noch – nach dem aktiven
Berufsleben.

Die Studierenden treffen nicht unvorbereitet auf Patienten. Erst nach
einem Semester und einem erfolgreich absolvierten Untersuchungskurs und
Fallseminaren können sie praktisch in der StuPoli arbeiten – begleitet von
einem „Senior“ und unter ärztlicher Supervision. Die Sprechstunden der
Studentischen Poliklinik finden dienstags von 17 bis 19 Uhr und mittwochs
von 18 bis 20 Uhr statt. Jeweils zwei Teams aus zwei Studierenden – ein
Junior und ein Senior – untersuchen die Patienten, stellen die Anamnese,
nehmen Blut ab oder machen einen Ultraschall. Oft geht es um akute Leiden,
aber auch chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck kommen
vor. Robert Sader zufolge haben sich nicht wenige StuPoli-Engagierte für
eine Tätigkeit in einer Hausarztpraxis entschieden. „Durch meine Mitarbeit
in der StuPoli ist mein Interesse an der Allgemeinmedizin gestärkt
worden“, bestätigt Petra Sporerova vom aktuellen StuPoli-Team. „Es macht
viel Freude, den Patienten helfen zu können. Man erhält so viel
Dankbarkeit zurück“, so die Medizinstudentin.

  • Aufrufe: 33