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Health.AI Zukunftskonferenz 2024

Wie kann Gesundheit künftig besser gefördert, erhalten und wieder
hergestellt werden? Wie können künstliche Intelligenz, neue Technologien
und vernetztes Wissen regional das Gesundheitswesen und die Medizin
hierbei sinnvoll unterstützen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der
Zukunftskonferenz, die das Innovationsnetzwerk Health.AI am 12. und 13.
Juni in Saarbrücken veranstaltet. Während am 12. Juni Expertinnen und
Experten netzwerkintern im co:hub66 tagen (Neumarkt 15), öffnet Health.AI
am zweiten Tag die Veranstaltung für Publikum: Interessierte sind am 13.
Juni eingeladen zu Vorträgen und Workshops im Saarrondo (Europaallee 4a).

„Technik und Systeme dort nutzen, wo sie sinnvoll, nachhaltig und
unterstützend sind“: Unter diesem Motto lädt das Innovationsnetzwerk
Health.AI zu seiner Zukunftskonferenz 2024 ein. „Die Konferenz richtet
sich an Expertinnen, Experten wie auch Interessierte aus dem
Gesundheitswesen, der Technologiebranche und der interdisziplinären
Wissenschaft. Wir wollen eine Plattform bieten, um innovative Ansätze zur
Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit mittels Methoden
der künstlichen und auch der kollektiven Intelligenz zu diskutieren“, sagt
Professor Tobias Hartmann vom Deutschen Institut für Demenzprävention der
Universität des Saarlandes (DIDP). Der Neurologe und Alzheimerforscher ist
einer der Initiatoren von Health.AI. Bei Health.AI arbeitet sein Institut
mit dem K8 Institut für strategische Ästhetik und dem Netzwerk cc-
NanoBioNet zusammen.

Netzwerkinterner Austausch und „Speed-Matchmaking“ am 12. Juni

Beim „Speed-Matchmaking“ besprechen die Netzwerkmitglieder fach- und
institutionsgreifend aktuelle Herausforderungen. „Die angeschlossene
Health.AI-Lounge bietet Raum für Nachbesprechungen und den Austausch mit
unserem wissenschaftlichen Beirat, den anderen Mitgliedern, der
Netzwerkkoordination und den Projektkonsortien von Health.AI“, erklärt
Netzwerkkoordinatorin Julia Hartnik von K8.

Innovationstrends, Vorträge und Workshops am 13. Juni

Der zweite Tag steht allen Interessierten offen. „Aktuelle Trends und
technologische Entwicklungen werden aus der regionalen Perspektive
betrachtet und im intensiven Austausch neue Thesen und zukunftsweisende
Ideen zur Nutzung vorhandener Gesundheitsdaten erarbeitet“, fasst Dr.
Ralph Nonninger, der Bündnissprecher von Health.AI und Geschäftsführer von
cc-NanoBioNet e.V., zusammen.

Neben aktuellen Innovationstrends lernen die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer in Vorträgen und Workshops „Datenschätze“ aus der Region
kennen. Zudem wird beleuchtet, wie es gelingen kann, die Bedürfnisse der
späteren Nutzerinnen und Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen, in
Innovationsprozessen erfolgreich zu kommunizieren und angesichts
steigender Personalengpässe eine regionale Gesundheitsversorgung zu
erhalten. Auch rechtliche Neuerungen wie der EU-AI-Act und seine
Auswirkungen auf technologische Entwicklungen im Gesundheitswesen werden
im Kontext der regionalen Schwerpunkte diskutiert.

Programm und Informationen zur Anmeldung:
<https://health-ai.de/zukunftskonferenz-2024>
Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projektes „Health.AI Hub“ statt,
ein gemeinsames Projekt des Deutschen Instituts für Demenzprävention der
Universität des Saarlandes, des K8 Instituts für strategische Ästhetik
gGmbH und des cc-NanoBioNet e.V.  Das Projekt wird gefördert durch das
Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderprogramms
WIR! – Wandel durch Innovation in der Region. Die Veranstaltung wird in
Kooperation mit der Health.AI eG durchgeführt.

Health.AI ist ein Netzwerk, das sich die Förderung und Implementierung
innovativer Technologien im Gesundheitswesen zur Aufgabe gemacht hat.
Durch die Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten aus verschiedenen
Bereichen werden nachhaltige und zukunftsweisende Lösungen unterstützt und
entwickelt, die das Gesundheitswesen verbessern und die Lebensqualität der
Menschen erhöhen.

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Innovationserhebung: Berlin bleibt bundesweit KI-Vorreiter

Die Verbreitung von Unternehmen, die Künstliche Intelligenz einsetzen, ist
in der Hauptstadt etwa doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt – das
belegt die heute veröffentlichte Innovationserhebung der
Technologiestiftung Berlin. Die Daten zeigen, dass die KI-Nutzung in
Berlin vor allem bei Dienstleistungen verbreitet ist, insbesondere in der
Branche Software und Datenverarbeitung. Mit der Innovationserhebung Berlin
gibt die Technologiestiftung Berlin bereits im elften Jahr Detaileinblicke
zum Innovationsverhalten der Berliner Wirtschaft – die deutsche
Innovationserhebung wurde dafür vom ZEW mit 2446 Berliner Unternehmen aus
Industrie und wissensintensiven Dienstleistungen aufgestockt.

Die Berliner Wirtschaft ist im bundesweiten Vergleich führend beim Einsatz
von Künstlicher Intelligenz – in welchen Bereichen die Technologie
tatsächlich schon eingesetzt wird, zeigt die aktuelle Innovationserhebung
der Technologiestiftung Berlin. Diese wertet seit mehr als zehn Jahren die
Innovationsdaten der Hauptstadt aus und macht sie zugänglich. Die
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe fördert die
Innovationserhebung seit 2021 im Rahmen einer Zuwendung an die
Technologiestiftung Berlin.

Laut der Daten ist der Einsatz von KI in Berlin – über fast alle
Anwendungsgebiete hinweg – nahezu doppelt so stark verbreitet wie im
Bundesdurchschnitt. Das betrifft sowohl KI-Verfahren wie Sprachverstehen
als auch KI-Anwendungen wie Chatbots. Insgesamt setzten fast 20 Prozent
der befragten Unternehmen KI ein, wobei der Schwerpunkt in Berlin mit 23
Prozent auf dem Dienstleistungssektor liegt. Bemerkenswert ist, dass ein
Drittel der Unternehmen auch selbst KI-Lösungen entwickelt.

Künstliche Intelligenz allgemein hat in den Medien zuletzt große Beachtung
gefunden. Die Innovationserhebung Berlin erlaubt nun Detaileinblicke für
einzelne Anwendungsgebiete und Branchen. Vor allem bei Texterkennung und
Sprachverstehen ist eine Zunahme von KI-Anwendungen zu beobachten. Die
Branche Software und Datenverarbeitung führt beim KI-Einsatz mit 41
Prozent.
Zudem hat sich der Anteil der Branche Software und Datenverarbeitung an
der Forschung der Wirtschaft in den letzten zehn Jahren etwa verdoppelt,
wie die Zeitreihen der Innovationserhebung Berlin zeigen. Insgesamt hat
die Berliner Wirtschaft 2022 3,4 Mrd. € für Forschung und Entwicklung
ausgegeben, knapp 20 Prozent davon entfallen auf die Branche Software und
Datenverarbeitung.

Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Berlin
ist heute der führende KI-Standort in Deutschland. Hier wird an
Künstlicher Intelligenz geforscht, hier kommen die neusten Entwicklungen
in die Anwendung, hier nutzen Tausende kleine und mittlere Unternehmen und
Start-ups Künstliche Intelligenz für ihre Dienstleistungen und Produkte.
Die Innovationserhebung Berlin veranschaulicht diese hohe Dynamik. Wir
müssen uns aber auch im internationalen Wettbewerb behaupten und arbeiten
daran, Berlin zu Europas Innovationsstandort Nummer Eins zu machen. Für
das Land Berlin heißt das vor allem: Die Rahmenbedingungen und die
Infrastruktur für Forschung und Entwicklung verbessern, die Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern und die Sichtbarkeit des KI-
Standorts Berlin für internationale Investitionen und Talente weiter zu
erhöhen. Deshalb arbeiten wir auch daran, einen KI-Hub in Berlin zu
etablieren. Dieser Hub soll die vielfältigen Aktivitäten im Berliner KI-
Ökosystem koordinieren und strategisch weiterentwickeln, die dezentrale
Akteurs-Landschaft miteinander vernetzen, mehr internationale Sichtbarkeit
schaffen sowie den Technologie- und Wissenstransfer zwischen der
Wissenschaft und der Wirtschaft stärken.“

Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin: „Mit
beeindruckenden 3,4 Mrd. € Ausgaben für Forschung und Entwicklung zeigt
die Innovationserhebung den weiter gestiegenen Umfang der Forschung der
Berliner Wirtschaft. Obwohl Künstliche Intelligenz fast täglich
Schlagzeilen macht, sind in der Praxis nur wenige KI-Anwendungen jenseits
von Chatbots in größerem Umfang verbreitet.“

Die Innovationserhebung Berlin 2023 steht frei zum Download zur Verfügung.
Die zugrundeliegenden Datensätze können ebenfalls heruntergeladen werden.

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DGS und HTW Berlin starten pv-wissen.de – Die neue Wissensplattform für Photovoltaik-Fachkräfte

Der Landesverband Berlin Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für
Sonnenenergie e.V. (DGS) und die Hochschule für Technik und Wirtschaft
Berlin (HTW Berlin) gehen mit ihrer kürzlich veröffentlichten Online-
Plattform pv-wissen.de neue Wege der Wissensvermittlung. Von der Planung
über die Installation bis hin zur Inbetriebnahme von Photovoltaik-Anlagen
(PV-Anlagen): Die digitale Plattform pv-wissen.de versorgt das Solar- und
Elektrohandwerk sowie Planungsbüros mit dem notwendigen Praxiswissen.

Grundlagen für Photovoltaik-Neulinge

Die von der Deutschen Bundestiftung Umwelt (DBU) geförderte
Wissensplattform richtet sich nicht nur an Fachleute aus der
Energiebranche, sondern unterstützt zukünftige PV-Fachkräfte bei ihrem
Neu- und Quereinstieg. Worin unterscheiden sich die marktgängigen
Solarzelltechnologien? Wie viel Kilowattstunden liefert die Sonne jährlich
auf einem Quadratmeter in Deutschland? Antworten auf diese und weitere
Fragen finden Neueinsteiger*innen in den Grundlagen auf pv-wissen.de.

Profiwissen zu Solarmodulen, Wechselrichtern und Batteriesystemen

Darüber hinaus richtet sich die Plattform mit Praxiswissen zu PV-Modulen,
Wechselrichtern, Batteriesystemen und weiteren Komponenten an das Solar-
und Elektrohandwerk. „Wir geben nicht nur eine grundlegende Einführung,
sondern bereiten komplexe Inhalte mit übersichtlichen Grafiken und Bildern
aus der Praxis verständlich auf“, unterstreicht Frederic Hirschmüller,
Geschäftsführer der DGS Berlin Brandenburg. Neben den beim Transport und
bei der Installation von Batteriespeichern zu beachtenden Vorschriften
werden weitere Spezialthemen wie zum Beispiel die Verschattungstoleranz
von sogenannten Halbzellenmodulen detailliert beschrieben.

Praxistipps und Hilfsmittel unterstützen bei der Planung von PV-Anlagen

Worauf bei der Planung von PV-Anlagen zu achten ist, wird in einem
weiteren Schwerpunkt der Wissensplattform ausführlich erläutert. Hier
erfährt man, warum die Auslegung des PV-Generators und die des
Wechselrichters gemeinsam gedacht werden müssen. Zum Download stehen
praktische Hilfsmittel wie Checklisten zur Standort- und Gebäudeaufnahme
zur Verfügung. Nützliche Planungshinweise, unter anderem zur
Leitungsverlegung und zur Wahl des Wechselrichterstandorts, erleichtern
die spätere Installation der PV-Anlagen.

pv-wissen.de macht die Aus- und Weiterbildung in der Photovoltaikbranche
attraktiver

Ziel der Wissensplattform pv-wissen.de ist es, nicht nur die PV-Branche,
sondern auch das SHK- und Dachdeckerhandwerk mit frei zugänglichem
Praxiswissen zur Technik, Planung und Installation von PV-Anlagen zu
unterstützen. Die Inhalte basieren auf der bekannten DGS-Publikation
„Leitfaden Photovoltaische Anlagen“ und wurden von Expert*innen der DGS
und der HTW Berlin weiterentwickelt. „Durch interaktive Inhalte, animierte
Grafiken und anschauliche Videos soll die Plattform besonders
Auszubildende und Studierende für Photovoltaikthemen begeistern“, betont
Johannes Weniger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HTW Berlin.

Wissensplattform wird kontinuierlich erweitert

Zum Start liegt der inhaltliche Fokus der Wissensplattform auf den
Themengebieten Grundlagen, Komponenten und Planung. In den nächsten
Monaten wird pv-wissen.de sukzessive erweitert, unter anderem um Inhalte
zur Montage und Elektroinstallation von PV-Anlagen sowie um weitere
praxisrelevante Themengebiete.

Über die DGS Berlin Brandenburg

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) ist ein gemeinnütziger
Verein, der sich seit 1975 für die Förderung der Nutzung erneuerbarer
Energien und die Verbreitung von Wissen und Technologie im Bereich der
Solarenergie einsetzt. Der Landesverband Berlin Brandenburg wurde im Jahr
1982 gegründet und verfolgt die Ziele der DGS auf regionaler und
überregionaler Ebene.

Über die HTW Berlin

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) bildet im
Studiengang Regenerative Energien seit über 30 Jahren Fachkräfte für die
Energiewende aus. Die HTW Berlin arbeitet zudem eng mit führenden
Photovoltaikforschungseinrichtungen zusammen.

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Aktionstag gegen den Schmerz: DGAI setzt sich für Behandlung von Schmerzpatienten ein

Anlässlich des heutigen bundesweiten „Aktionstages gegen den
Schmerz“ betont die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und
Intensivmedizin e.V. (DGAI) die bedeutende Rolle der Schmerzmedizin
innerhalb des Fachgebiets der Anästhesiologie. Die Schmerzmedizin, eine
der fünf Säulen des Fachgebiets, hat eine lange Tradition in der
Anästhesiologie, aus der sie maßgeblich entstand und in der sie
kontinuierlich weiterentwickelt wird, um den Bedürfnissen von Patientinnen
und Patienten gerecht zu werden. Dennoch wird das aufgrund der
gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen zunehmend schwieriger.

Chronische Schmerzen betreffen in Deutschland Millionen von Menschen und
haben erhebliche Auswirkungen auf deren Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit
und Existenzgrundlage. Konkret berichten 23 Millionen Deutsche, also rund
28 Prozent der Bevölkerung, von chronischen Schmerzen. Legt man den Grad
der Beeinträchtigung durch diese Schmerzen als Maßstab an, erfüllen sechs
Millionen Deutsche die Kriterien für chronische, nicht tumorbedingte,
beeinträchtigende Schmerzen. Immerhin 2,2 Millionen Deutsche sind
schmerzbedingt zudem erheblich psychisch belastet.

Nicht zuletzt deshalb erfordern chronische Schmerzen spezialisierte und
interdisziplinäre Therapieansätze, die maßgeblich von Fachärztinnen und
Fachärzten für Anästhesiologie vorangetrieben werden. In Deutschland
stellen sie dementsprechend den größten Anteil der ärztlichen Spezialisten
in schmerzmedizinischen Praxen, Schmerzambulanzen sowie in stationärer und
teilstationärer Behandlung im Rahmen interdisziplinärer, multimodaler
Therapieprogramme. Entscheidend für den Erfolg der Schmerzbehandlung ist
dabei das Zusammenwirken der verschiedenen Therapieverfahren und
beteiligten Fachdisziplinen. Notwendig ist deshalb ein strukturierter
Austausch über jeden Patienten in den Behandlungsteams, um gemeinsame
Therapieziele festzulegen und die Behandlung koordiniert und individuell
abgestimmt auszurichten.

Schmerztherapeut frühzeitig einbinden, um Chronifizierung zu vermeiden

Ein entscheidender Aspekt bei der Behandlung chronischer Schmerzen ist
zudem die frühe Einbindung von Schmerztherapeuten. Die möglichst zeitige
Behandlung von wiederkehrenden Schmerzen, bevor sie chronisch werden, ist
entscheidend. Im Idealfall sollten hier präventive Konzepte, die auf einem
ganzheitlichen Ansatz aus Medizin, Psychologie und Physiotherapie beruhen,
zum Einsatz kommen. „Es ist wichtig, Personen mit einem erhöhten Risiko
für die Entwicklung einer chronischen Schmerzerkrankung frühzeitig zu
identifizieren und gezielt schmerzmedizinisch zu behandeln“, betont Prof.
Dr. Joachim Erlenwein, Sprecher der Sektion Schmerzmedizin der DGAI.

Die DGAI als Fachgesellschaft, die Sektion Schmerzmedizin sowie der
Wissenschaftliche Arbeitskreis Schmerzmedizin innerhalb der DGAI setzen
sich gemeinsam mit ihren Partnerverbänden dafür ein, dass Patientinnen und
Patienten Zugang zu solchen hochwertigen und individualisierten
Schmerztherapien haben – und machen auf Probleme aufmerksam: Insgesamt
besteht ein erheblicher Bedarf an mehr niedergelassenen
Schmerztherapeutinnen und Schmerztherapeuten. Bezogen auf die maximale
Zahl der Fälle, die durch derzeit ca. 1.200 niedergelassene spezialisierte
ärztliche Schmerztherapeutinnen und -therapeuten behandelt werden, ist
bestenfalls eine Versorgung von ca. einer halben Million Betroffener
gewährleistet.

Der Bedarf ist jedoch deutlich höher. Hinzu kommt, dass gerade die
derzeitige gesundheitspolitische Diskussion rund um die Krankenhausreform
mit ihrer unklaren Perspektive für die Schmerzmedizin und die
Insolvenzwelle von Krankenhäusern dazu führt, dass schmerzmedizinische
Versorgungsangebote bedroht sind oder geschlossen werden.

Zu wenige ambulante Angebote in der Fläche

Berücksichtigt man außerdem, dass die Patientinnen und Patienten durch
ihre Belastung meist auch in der Mobilität eingeschränkt sind, wird
besonders deutlich, dass für die zukünftige Planung der Versorgung von
Schmerzpatientinnen und -patienten auch die realistische Erreichbarkeit
der Angebote betrachtet und diskutiert werden muss. Vollstationäre
interdisziplinäre multimodale Schmerzbehandlung sei zwar aktuell in ca.
380 Einrichtungen verfügbar, so Professor Erlenwein, es müsse aber bedacht
werden, dass für den Großteil der Menschen mit chronischen Schmerzen
sicherlich keine medizinischen Gründe eine vollstationäre Behandlung
rechtfertigen würden.

Ein Blick auf die Zahlen der alternativen Angebote verdeutlicht das
Dilemma: Für Deutschland besteht die größte regionale
Versorgungsheterogenität in der Verfügbarkeit von Schmerztageskliniken.
Von den etwa gut 90 Schmerztageskliniken liegen immerhin 45 Prozent in
Bayern. Für Menschen aus etwa 50 Prozent der Wohnorte in Deutschland ist
es schon aufgrund der Entfernung schlicht nicht möglich, täglich eine
Schmerztagesklinik zu erreichen.

Auch die gesundheitspolitische Diskussion einer Ambulantisierung sei für
die schmerzmedizinische Versorgung ein zweischneidiges Schwert, so
Professor Erlenwein. Auf der einen Seite könnten mehr regional verteilte
Anbieter die Erreichbarkeit verbessern. Allerdings liefe dies sämtlichen
Bemühungen anderer medizinischer Bereiche entgegen – und natürlich auch
den Zielen der aktuellen Krankenhausreform, für die gilt: Qualität vor
Masse.

Politik muss aktiver handeln, um Schmerzpatienten nicht allein zu lassen

„Für mich persönlich ist es völlig widersprüchlich, dass man in einem
Versorgungsangebot mit hochkomplexen Patientinnen und Patienten und
hochkomplexer therapeutischer Versorgung diskutiert, eine Ambulantisierung
anzustreben und damit mehr in die Breite zu gehen, während man in anderen
Bereichen eher auf Qualität durch Routine und häufige Umsetzung von
Therapieverfahren setzt“, erklärt Erlenwein und fragt: „Warum geht man
nicht eher den Weg, Lösungen zu finden – zum Beispiel, die Betroffenen in
weniger, aber dafür hochspezialisierte und routinierte Zentren zu bringen,
um eine möglichst gute Versorgungsqualität zu erreichen?“ Wenn
Sektorengrenzen überwunden und Übernachtungen im Krankenhaus reduziert
werden sollten, könnte man auch andere Wege gehen, Menschen eine
Unterbringung nahe des Behandlungsstandorts zu ermöglichen.

Zudem wäre es sinnvoller, wirklich flächendeckend Schmerztageskliniken
anzubieten. Die Politik, so der Schmerzexperte, müsse hier deutlich
aktiver handeln, um die vielen betroffenen Menschen nicht mit ihrem Leid
alleine zu lassen.

Gerne stehen die Expertinnen und Experten der Sektion Schmerzmedizin der
DGAI für Rückfragen und vertiefende Informationen zur Verfügung.
Kontaktieren Sie uns und wir vermitteln gern Kontakt zu bundesweiten
Schmerzexpertinnen und -experten für Ihre Fragen.

Um die schmerzmedizinische Fortbildung und Forschung voranzutreiben,
veranstaltet die DGAI ihre Wissenschaftlichen Arbeitstage Schmerzmedizin
am 7. und 8. Juni 2024 in Göttingen.

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