Gruppenfoto des Taifun-Team der THWS um Prof. Dr. Johannes Paulus (4. v. l.) THWS/Roland Oppelt
Leichtflugzeug als Pionierprojekt zur Nutzung von Wasserstoff im Flug- verkehr – THWS-Team plant vorläufige Flugzulassung für 2024
Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) hat bei der Luftfahrt-Messe „AERO 2024“ in Friedrichshafen ihr Leichtflugzeug Taifun 17 H₂ mit Brennstoffzellen-Antrieb präsentiert und beim „aerokurier Innovation Award 2024“ den ersten Preis in der Kategorie Aviation gewonnen. „Im letzten Jahr wurden wir auf der Messe AERO 2023 bereits mit dem ,Sustainable Aviation Award 2023‘ ausgezeichnet.“, sagt Prof. Dr. Johannes Paulus, Dekan der Fakultät Maschinenbau und Leiter des Forschungsprojekts. „In diesem Jahr sind wir für die Weiterentwicklung unseres Wasserstoff-Flugzeugs von der Redaktion der Fachzeitschrift aerokurier für die Leserwahl ausgewählt worden. Bei der Leserwahl konkurrieren etablierte Hersteller und Zulieferer aus der Luftfahrtindustrie in mehreren Kategorien. Die Auszeichnung mit dem 1. Preis ist für uns daher ein ganz besonderer Erfolg.“
Die Entwicklung einer ersten Version des Brennstoffzellen-Antriebsstrangs für Flugzeuge erfolgte von 2021 bis 2023 im THWS-Labor für Wasserstofftechnik im Rahmen des von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekts „HyFly“ mit einer Fördersumme von mehr als 1,1 Mio. Euro. Ab 2022 begannen Studierende der THWS, den Brennstoffzellenantriebsstrang in einen Reisemotorsegler zu integrieren. Das THWS-Team verantwortet die Weiterentwicklung des Antriebssystems, die Systemintegration in das Flugzeug und die Entwicklung weiterer Details bis hin zur Erprobung im Reisemo-torsegler Taifun 17 H₂.
Das Wasserstoffsystem des zweisitzigen Flugzeugs besteht aus einem Hochdruck-Wasserstofftank sowie der Wasserstoff-PEM-Brennstoffzelle mit einer elektrischen Leistung von 50 kW. Der weitere Antriebsstrang baut sich aus einem 6 kWh Li-Ionen-Hochleistungs-Akku als Pufferbatterie, einem elektri-schen Laderegler, einem Elektromotor, einer selbstentwickelten Systemsteuerung und einem elektrisch verstellbaren Propeller auf. Die Taifun 17 H₂ besitzt eine Spannweite von 17 Metern, eine maximale Flugmasse von 820 kg und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 205 km/h.
Durch die Verwendung von Solarenergie für die Elektrolyse kann zukünftig der benötigte Wasserstoff direkt am Hangar emissionsfrei und kostengünstig hergestellt werden. „Damit wurde ein alltagstaugliches und wirtschaftliches Antriebssystem für einen flugfähigen Reisemotorsegler auf Basis grüner Wasserstofftechnologie entwickelt“, erklärt Prof. Dr. Paulus. Nach der Messe sind weitere Boden- tests geplant, um die vorläufige Verkehrszulassung (Permit to fly) vom Luft-fahrt-Bundesamt zu erhalten.
Wasserstofftechnik an der THWS
Seit dem Wintersemester 2021 bietet die THWS den deutschlandweit einzig- artigen Bachelorstudiengang Wasserstofftechnik an. Der Studiengang be- handelt die Wasserstoffwertschöpfungskette von der klimaneutralen Was- serstofferzeugung bis hin zu Wasserstoffnutzung in der industriellen Produk-tion, zur Wärmeerzeugung oder für die Mobilität. Intensive Betreuung der Studierenden, eine praxisorientierte Ausrichtung sowie viele Praktika und Projekte zeichnen den Studiengang aus.
Beim „Tag der Wissenschaft“ am Freitag, 26. April, in Schweinfurt können Interessierte die Taifun 17 H₂ sowie das Wasserstofflabor der THWS besichtigen und mit den Studierenden und Professoren persönlich ins Gespräch kommen.
Über die AERO-Messe
Auf der AERO-Messe in Friedrichshafen zeigen mehr als 650 Ausstellerinnen und Aussteller aus 35 Nationen mehr als 500 Journalistinnen und Journalis- ten sowie rund 35.000 Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt ihre neuesten Entwicklungen. Präsentiert werden Segel- und Ultraleichtflugzeu- ge, ein- und zweimotorige Kolbenflugzeuge, Flugzeuge mit Elektroantrieb, Drohnen, Helikopter, Business-Jets sowie die Bereiche Avionik (alle elektri-schen und elektronischen Geräte an Bord eines Fluggerätes) und Wartung.
Dr. Margit Jekle ist Professorin für Lebensmitteltechnologie und pharmazeutisches Qualitätsmanagement an der SRH Fernhochschule – The Mobile University. SRH Fernhochschule
Hopfen und Malz – Gott erhalt’s. Trotz rückläufigem Bierkonsum ist Bier nach wie vor sehr beliebt bei den Deutschen. Am 23. April feiern wir des Tag des Bieres und nehmen dies zum Anlass, um zu klären, was eigentlich drin ist im Gerstensaft, wie der Geschmack zustande kommt und warum so viele Menschen das Getränk so sehr lieben.
Deutschland. Wenn man im Ausland jemanden fragt, wie man sich Deutschland vorstelle, werden dabei oft die gleichen Bilder umschrieben. Bier ist eines davon und in der Tat gibt es in unserem Land eine sehr alte und reiche Brautradition, eine Vielfalt lokaler Brauereien, unzählige Biersorten und mindestens genau so viele Anlässe, um Bier zu konsumieren.
In der Tat gehören die Deutschen zu den größten Biertrinkern der Welt. Auch wenn der Konsum seit einigen Jahren zurückgegangen ist, kamen wir im Jahr 2020 laut einer Studie des Statistischen Bundesamtes auf einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 93,3 Litern. Das entspricht in etwa 200 Flaschen Bier. Doch was macht sie aus, die Faszination zum Gerstensaft? Wie bekommt man den Alkohol aus dem Bier und wie kann man mit so wenigen Zutaten so viele Geschmäcker erzeugen? Dr. Margit Jekle ist Professorin für Lebensmitteltechnologie und pharmazeutisches Qualitätsmanagement. Im Interview beantwortet sie die spannendsten Fragen rund ums Bier.
Was ist drin im Bier?
Jekle: „Gemäß dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 darf zur Bierherstellung nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden. Das Reinheitsgebot gilt als die älteste, heute gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. Deutsche Brauereien dürfen, im Gegensatz zu internationalen Brauereien, daher keine Zusatzstoffe wie Aromen oder Farbstoffe außer diesen vier Zutaten dazu geben, da sie ein geschütztes „Traditionelles Lebensmittel“ herstellen.“
Wie ist es möglich, dass man mit so wenigen Zutaten so viele Geschmäcker erzeugen kann?
Jekle: „Mit nur vier Zutaten 40 verschiedene Sorten Bier mit rund 7000 einzelnen Biermarken herzustellen erfordert kurz gefasst viel Fachwissen, Zutatenqualitäten und verschiedenste Herstellungsprozesse. Bei Schwarzbier, einem dunklen Vollbier, wird das Braumalz länger geröstet, damit es die dunkle Farbe und Aromen nach Kaffee- und Kakaonoten erhält. Das untergärige Pilsner Bier (Pils) hat im Vergleich zu anderen Biersorten einen erhöhtem Hopfengehalt und bietet daher den herberen Biergenuss. Bei Weizenbier werden die Biere mit einen höheren Weizengehalt (durch Weizenmalz) hergestellt.“
Was macht gutes Bier aus?
Jekle: „Wie bei jedem Lebensmittel ist auch bei Bier der Geschmack sowie alle weiteren sensorisch erfassbaren Qualitäten wie Schaumstabilität und das Mundgefühl verschieden. Neben individuellen sensorischen Aspekten gibt es bekannterweise auch regionale Unterschiede. So ist das beliebteste Bier in Deutschland das Pils, während vor allem in Bayern und auch Baden- Württemberg auch gerne Weißbier (Weizenbier) getrunken wird. Auch hier gilt, dass die Zutaten und der Brauprozess wesentlichen Einfluss auf die Qualität eines Bieres haben. Damit zeichnen die besten Biere auch gute Brauer aus.“
Gibt es besondere Biere? Regionale Unterschiede?
Jekle: „Jeder, der in Köln einmal verweilte, kennt das Altbier, das traditionell in schlanken, zylinderförmigen Gläsern, im Kölschglas oder der Stange, serviert wird. Diese Variante wirkt für den Bayern eher „zierlich“ der mit seinem 1L Maßbier gerne das süffige Helle trinkt. Auch hier zeichnet der Name die Herstellung aus. Beim Hellen wird von hellen Lagerbieren gesprochen, die malzaromatisch und süßlich sind, zugleich aber auch fruchtig-frisch. Also ja. Es gibt eine Vielzahl besonderer Biere und regionaler Unterschiede.“
„Wie lange dauert der Brauprozess und kann man das wirklich auch in der Badewanne machen?“
Jekle: „Der Brauprozess dauert in der Regel circa einen Tag. Und ja, der Brauprozess könnte technisch, jedoch wohl mit Qualitätseinbußen, in der Badewanne ablaufen. Der sich anschließende Lagerprozess dauert jedoch Wochen bis Monate, bevor das Bier trinkbar ist und erfolgt in größeren Tanks bzw. Fässern oder in der Flasche. Während der Lagerung reift der Geschmack des Bieres und erwünschte Aromen bilden sich weiter auf. Unerwünschte Aromen wie z.B. Diacetyl (Butteraroma) baut sich ab. Weiterhin setzen sich während der Lagerung des Bieres Schwebstoffe am Boden des Behälters ab und das Bier wird klarer (Klärung). Als weitere Vorgang entwickelt sich Kohlensäure durch natürliche Nachgärung oder auch Karbonisierung.“
Alkoholfreie Biere sind immer weiter auf dem Vormarsch. Doch wie funktioniert das eigentlich? Wie bekommt man den Alkohol aus dem Bier?
Jekle: „Prinzipiell gibt es zwei Verfahren um den „Alkohol aus dem Bier zu bekommen“. Zum einen wird nach einer normalen Bierherstellung inklusive der Alkoholproduktion und einer Bierreifung im Lagertank der Alkohol im Anschluss daran wieder aus dem Bier entzogen. Hierfür kann eine Vakuumdestillation oder Membrantrennverfahren angesetzt werden. Durch das Ansetzen eines Vakuums unter 50 °C kann der Alkohol schonend bei niedriger Temperatur verdampft und so aus dem Bier herausgelöst werden. Dem Bier wird so viel Alkohol entzogen, dass alkoholfreie Biere mit maximal 0,5%vol Restalkohol vorhanden ist. Beim zweiten Verfahren, der gestoppten Gärung wird der Brauprozess klassisch gestartet, also Hefe der Bierwürze beigesetzt. Die Hefe verstoffwechselt den in der Würze vorhandenen Zucker v.a. zu Alkohol. Bei der gestoppten Gärung wird die Gärung gemäß der Bezeichnung bei einem Alkoholgehalt von maximal 0,5%vol gestoppt, indem die Würze kurz stark erhitzt wird. Die Temperatureinwirkung inaktiviert die Hefe und die Hefe kann keinen weiteren Zucker mehr in Alkohol umwandeln. Da bei diesem Prozess mehr Zucker im Bier vorhanden ist, da die Hefe diesen Zucker nicht in Alkohol umwandeln konnte, wie beim ersten Verfahren, schmeckt das Bier auch deutlich süßer.“
Was ist der Unterschied zwischen Pils und Weizen?
Jekle:“ Biere werden grundsätzlich ich zwei Kategorien aufgeteilt, und zwar in obergärig und untergärige Biere. Die Bezeichnung klingt zunächst etwas sperrig, jedoch gibt es einen ganz einfachen Unterschied, und zwar liegt der in der Hefe. Um aus der Bierwürze und dessen Zucker durch Gärung Alkohol entstehen zu lassen, wird Hefe zugesetzt. Prinzipiell kann man die Hefe unterscheiden in obergärige und untergärige Hefe. Daher auch die Bezeichnung von unter- und obergärigem Bier. Die obergärige Hefe bildet bei der Hefevermehrung Sprossverbände die verbunden bleiben und durch aufsteigende Kohlensäure im Bier noch oben treiben. Demnach liegt die Hefe bei der Gärung oben auf, also OBERgärig. Die untergärige Hefe bleibt während der Gärung nicht verbunden und setzt sich unten am Boden ab. Demnach UNTERgärig Die obergärige Hefe benötiget im Übrigen für die Gärung wärmere Temperaturen als die untergärige Hefe, die bei niedrigeren Temperaturen aktiv ist. Warum nun diese Ausführung? Pils schmeckt intensiver nach Hopfen und ist bitterer als Weizenbier, es ist ein untergäriges Bier. Weizenbier hingegen ist ein obergäriges Bier, wie auch Kölsch oder Alt. Weizenbier verdankt seinen Namen im Übrigen seinen Inhaltsstoffen. So wird bei der Herstellung von Weizenbier mit einem höheren Anteil an Weizenmalz gebraucht im Vergleich zu Pils. Typisch für Weizenbier ist auch sein weiches Geschmacksprofil und einer fruchtigen oder würzigen Frische. Einige Weizenbiere zeichnen auch die Besonderheit aus, dass sie Bananen- oder Nelkenleitaromen aufweisen. Diese Aromen werden neben der alkoholischen Gärung durch spezifische Hefestämme gebildet. Auch zeichnet die höhere Weizenmenge im Weizenbier das eher cremigere und vollere Mundgefühl beim Trunk, durch eine erhöhte Viskosität des Bieres, aus.“
Und noch eine Frage zum Abschluss: Warum überhaupt Bier? Das ist doch bitter! Wieso stehen da so viele drauf?
Jekle: „Bier gilt als eines der ältesten alkoholischen Getränke. Getreide wurde gesammelt und zufällig mit Wasser stehen gelassen bis durch eine Spontanfermentation (Hefen gibt es überall, auch in der Luft) diese Maische nach einigen Tagen zu gären begonnen hat. Aktuellen Daten nach soll das Bier älter als 9000 Jahre sein. Die Hintergründe zur Beliebtheit sind vielzählig. Zum einen war und ist Bier nahrhaft durch den Getreideanteil. Diesen Vorteil nutzten gerade Klöster im Mittelalter während der Nahrungseinschränkungen in der Fastenzeit. So wurde die Regel übertragen „Was flüssig ist, bricht kein Fasten“. Daher rührt auch die Herkunft der Starkbiere. Weiterhin konnten einige krankheitserregende Keime durch den Alkoholgehalt im Getränk reduziert werden. Trinkwasser war oftmals mit Fäkalien verunreinigt. Somit war Bier damals, zumindest in Teilen und mikrobiologisch gesehen, das „gesündere“ Getränk. Auch wurde in manchen Epochen Bier als Medizin ausgelobt. Und natürlich war die berauschende Wirkung von Alkohol schon jeher für den Menschen interessant.“
Und daran wird sich auch in naher Zukunft so schnell nichts ändern. In dem Sinne: Zum Wohl!
Plakat zur Podiums- und Vortragsreihe „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“ Exzellenzcluster „Religion und Politik“
Exzellenzcluster „Religion und Politik“ befasst sich im Sommersemester mit dem digitalen Wandel religiöser Praxis – Podiums- und Vortragsreihe „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“ startet am 30. April – Podiumsdiskussion bringt Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft ins Gespräch mit religiösen Akteuren
Ob virtuelle Gebete, Online-Beichtstühle oder Fatwas im Internet: Mit Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels für Religionsgemeinschaften befasst sich der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster im Sommersemester des Themenjahres „Die Digitalisierung der Religion“. Am 30. April startet eine Podiums- und Vortragsreihe unter dem Titel „Religiöse Praxis im digitalen Wandel“, die neue religiöse Formen in Web und Social Media, Apps und KI aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, wie Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt vom Exzellenzcluster ankündigte. „Religion und digitaler Wandel werden häufig als Gegensatz betrachtet. Doch religiöse Organisationen, Autoritäten und Gruppierungen gehen ganz unterschiedlich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung um: Das Spektrum reicht von einem widerständigen Verharren im Analogen bis zum umfassenden Einsatz neuer digitaler Mittel.“
„Manche Religionsgemeinschaften sehen vor allem die Herausforderungen oder gar Gefahren, die sich durch eine mögliche Auflösung etablierter Strukturen und die Konkurrenz durch neue religionsähnliche Sinnsysteme in der digitalen Welt ergeben“, erläutert Thorsten Quandt. „Andere betonen dagegen die Chance für Kirchen und religiöse Gemeinschaften, mit digitalen Mitteln neuen Raum für Begegnungen und religiöse Teilhabe zu erschließen. Digital übertragene Gottesdienste und Gebete, personalisierte Online- Auskünfte zur korrekten Interpretation religiöser Quellentexte, die automatisierte Beratung in spirituellen Fragen sowie Online-Beichtstühle und religiöse Chatgruppen sind nur einige der neuen Möglichkeiten, mit denen Religionsgemeinschaften innovative Formen von Teilhabe und Zugehörigkeit erschließen.“
Auf dem Podium am 25. Juni diskutieren die Technikphilosophin und katholische Theologin Anna Puzio, der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz Matthias Kopp, die Islamwissenschaftlerin Natalie Kraneiß und der evangelische Theologe Gerald Kretzschmar. Der Historiker Marcel Bubert führt in die Veranstaltung ein. Die Moderation des Abends übernimmt Joachim Frank vom Kölner Stadt-Anzeiger. Die Podiumsdiskussion sowie die Vorträge am 30. April und am 7. Mai finden in Raum JO 1 im Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters (Johannisstraße 4, 48143 Münster) statt. Eine Teilnahme per Videoplattform Zoom ist nach einer Anmeldung unter veranstaltungenEXC@uni-muenster.de möglich.
Wie verschiedene religiöse Organisationen mit den Herausforderungen des digitalen Wandels umgehen, ist die zentrale Frage der Podiumsdiskussion. „Religionsgemeinschaften befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation“, erläutert Historiker Marcel Bubert, der an diesem Abend in die Veranstaltung einführt. „Neue digitale Möglichkeiten können zwar einerseits genutzt werden, um Gläubige zu mobilisieren und neue Formen religiöser Teilhabe zu ermöglichen, aber sie können auch als Gefahr für konventionelle rituelle und religiöse Praktiken wahrgenommen werden.“
Die Vorträge der Reihe nähern sich dem digitalen Wandel religiöser Praxis ebenfalls aus unterschiedlichen Perspektiven. „So stellt der Sozialanthropologe Martin Slama die Frage, welche Rolle die Nutzung sozialer Medien durch Musliminnen und Muslime bei der Veränderung religiöser Praxis in Indonesien spielt“, erläutert Sozialanthropologin Dorothea Schulz, die in den ersten Vortragsabend einführt. „Der evangelische Theologe Thomas Schlag beleuchtet in seinem Vortrag dagegen die Auswirkungen religiöser Transformationsphänomene, etwa auf die öffentliche Präsenz religiöser Organisationen, sowie die neuen Anforderungen, die sich daraus für religiöse Gemeinschaften ergeben.“ (fbu/pie/vvm)
Vorträge: 30. April 2024, 18.00 Uhr – Muslim religious practice and social media in Southeast Asia Martin Slama (Sozialanthropologe, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien)
07. Mai 2024, 18.00 Uhr – Tradition – Innovation – Transformation. Beobachtungen zur öffentlichen Religionspraxis in postdigitalen Zeiten Thomas Schlag (evangelischer Theologe, Universität Zürich)
Podiumsdiskussion: 25. Juni 2024, 18.00 Uhr – Religiöse Praxis im digitalen Wandel. Neue Herausforderungen für Kirchen und Religionsgemeinschaften Matthias Kopp (Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn), Natalie Kraneiß (Islamwissenschaftlerin, Universität Münster), Gerald Kretzschmar (evangelischer Theologe, Universität Tübingen), Anna Puzio (Technikphilosophin und katholische Theologin, Universität Twente)
Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat den DZD-Forscher Prof. Dr. med. Robert Wagner mit dem Werner-Creutzfeldt-Preis ausgezeichnet. Die Fachgesellschaft ehrt mit dem Preis seine außerordentlichen Leistungen auf dem Gebiet der Erforschung der Pathogenese des Prädiabetes und Typ-2-Diabetes aus unterschiedlichen Aspekten des Organ-Crosstalks. Die Verleihung findet im Rahmen des diesjährigen Diabetes Kongresses (8.-11. Mai) in Berlin statt.
Prof. Wagner leitet beim DZD-Partner Deutsches Diabetes Zentrum in Düsseldorf die Arbeitsgruppe “Klinisches Studienzentrum” und ist W3-Professor für klinisch-diabetologische Stoffwechselforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Der wissenschaftliche Fokus der Arbeit von Prof. Wagner liegt in der klinisch-translationalen Erforschung der Pathogenese des Typ-2-Diabetes und seiner Komplikationen. Einer seiner Schwerpunkte ist das Verstehen der Heterogenität des Diabetes, die perspektivisch zur Entwicklung von präzisionsmedizinischen Ansätzen zur Vermeidung von späten Komplikationen führen wird.
Heterogenität des Prädiabetes Seine Forschung führte zu wichtigen Erkenntnissen über die Heterogenität des prädiabetischen Stoffwechsels. So konnte er zeigen, dass es sechs Subtypen des Prädiabetes gibt, die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen unterscheiden.
Die Erkenntnisse basieren auf Daten von 899 Diabetes-gefährdeten, aber noch nicht erkrankten Personen, die über 25 Jahre an der Tübinger Familienstudie und der Studie des Tübinger Lebensstilprogramms des DZD- Partners Institut für Diabetes und Metabolismus Forschung (IDM), teilnahmen. Auf Basis von oralen Glukose-Toleranztests, Magnetresonanz- Messungen des Körper- und Leberfetts sowie genetischen Untersuchungen identifizierte Wagner zusammen mit seinem Team drei Prädiabetes-Subtypen, die ein eher geringes Risiko für Typ-2-Diabetes haben – aber auch drei Subtypen mit hohem Progressionsrisiko. Letztere entwickeln auch häufiger schwere Verläufe und Folgeerkrankungen.
Auf dem Weg in eine präzisere Diabetologie Typ-2-Diabetes ist eine Erkrankung, die sehr unterschiedlich verläuft. Gemeinsam mit DDZ-Forschenden wandte Wagner einen innovativen Algorithmus an, um Menschen mit Typ-2-Diabetes anhand von Routinedaten zu stratifizieren und so die stoffwechselbedingte Vielfalt einer Diabetes- Erkrankung darzustellen. Diese Erkenntnisse zur Subtypisierung des Diabetes und des Prädiabetes könnten künftig dazu beitragen, individuelle Risiken und Verläufe des Typ-2-Diabetes besser und frühzeitiger beurteilen zu können. Eine praktische Anwendungsmöglichkeit wäre, auf die einzelnen Subtypen zugeschnittene Überwachungs-, Präventions- und Therapieprogramme zu etablieren.
Werner-Creutzfeldt-Preis Den Werner-Creutzfeldt-Preis vergibt die DDG für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Pathophysiologie und Therapie des Diabetes mellitus an deutschsprachige forschende Medizinerinnen und Mediziner. Der von der Firma Lilly zu Ehren und im Gedenken an Prof. Dr. med. Dr. h. c. Werner Creutzfeldt initiierte und geförderte Preis wurde zum ersten Mal im Jahre 2007 vergeben. Der Preist ist mit 10.000 € dotiert.