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Nachhaltigkeit mit Minecraft besser verstehen | Projekt SUSTAIN entwickelt digitale Spielwelten für den Unterricht

Zweites Ziel erreicht: Nach Lehrplänen und einer Handreichung für
Lehrkräfte – wie diese in unterschiedlichen Fächern das Thema
Nachhaltigkeit in den Unterricht einbringen können – sind nun auch
digitale Spielewelten umgesetzt worden. Innerhalb des Onlinespiels
Minecraft konnte das Team entsprechende Serious Games – also Spiele,
welche Informationen und Bildung vermitteln – entwickeln. Das Projekt
SUSTAIN – „Biodiversity Education for Sustainable Development“ hatte das
Ziel, Schülerinnen und Schüler im Alter von 9 bis 12 Jahren für Themen wie
die Luftverschmutzung, den Klimawandel und Nachhaltigkeit zu
sensibilisieren. Im März konnte es erfolgreich beendet werden.

Im Fokus der Entwicklung der Serious Games standen drei Welten, durch die
die Kinder spielerisch einen Zugang zum Thema Nachhaltigkeit bekommen
können. In der ersten Welt, mit dem Titel „Verschmutze Stadt“ geht es
darum, eine Stadt, die mit saurem Regen und Smog zu kämpfen hat, durch
nachhaltiges Handeln zu säubern. In der zweiten Welt, auf Deutsch
„Tierheim“ genannt, müssen Spielende eine verschwundene Katze finden und
eine Obstwiese sowie einen Wald von Verschmutzung und Gestrüpp befreien,
damit diese für die Tiere wieder lebenswert werden. In der dritten Welt,
dem „Remote-Flora-Kontrollzentrum“, wird die Hilfskraft eines
Wissenschaftlers gesteuert, welche Felder, auf denen Pflanzen wachsen, mit
Hilfe einer Drohne bewässern und abernten muss. Alle drei Spiele sind so
aufgebaut, dass durch kleine Aufgaben – wie beispielsweise einem Quizz
oder das Aufsammeln von Müll – der Ablauf vorangebracht wird. Die Spiele
stehen in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Griechisch und
Niederländisch zur Verfügung und können auf der Seite des Sustain-Projekts
(https://www.sustainplatform.eu/results) heruntergeladen werden. Zum
Spielen wird eine Microsoft Education Lizenz benötigt, die einige
Bildungseinrichtungen für ihre Mitarbeitenden bereits haben.

„Parallel zur Spielentwicklung wurden Artikel und Infografiken
veröffentlicht“, erläutert Lisa Grützmacher. „Insgesamt ist das Projekt
mit Erfolg zum Abschluss gekommen. Die Zusammenarbeit mit den
Organisationen der anderen Länder war ausgesprochen bereichernd!“, fasst
es die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Vechta zusammen.

„Wie die Ergebnisse des Projekts von der Öffentlichkeit angenommen und
genutzt werden, bleibt abzuwarten. Doch aufgrund der Vielzahl an
Materialien und der Unterstützung für Lehrkräfte bei dem Umgang mit den
Spielen und der Vermittlung an die Schüler*innen, bin ich zuversichtlich,
dass die Materialien von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen genutzt
werden“, sagt Prof. Dr. Marco Rieckmann.

Das Projekt wurde durch das EU Erasmus+ Programm (Key Action 2) finanziert
und seit 2022 von der Universität Vechta in Zusammenarbeit mit Asociación
Mundus und Formative Footprint (Spanien), Atermon (Niederlande) und der
Schule Themistoklis und Asserted Knowledge – AKNOW (Griechenland)
umgesetzt.

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Umfrage integrierter Pflanzenschutz – Vor welchen Herausforderungen steht die Praxis?

Das Julius Kühn-Institut sucht Landwirtinnen und Landwirte, die sich an
der Befragung zu ihren Pflanzenschutzstrategien im Weizen- und
Kartoffelanbau beteiligen.

(Kleinmachnow) Das Horizon Europe Projekt SUPPORT möchte europaweite
Hindernisse und Zielkonflikte im integrierten Pflanzenschutz (IPS)
identifizieren und dazu beitragen, diese abzubauen. Als Projektpartner
sucht das Julius Kühn-Institut (JKI) daher Landwirtinnen und Landwirte mit
Weizen- und Kartoffelanbau, die an einer zweiteiligen Umfrage teilnehmen.
Ziel ist es herauszufinden, welche konkreten Faktoren die
landwirtschaftliche Praxis bei der Wahl ihrer Pflanzenschutzverfahren
beeinflussen.

„Mögliche Hindernisse könnten darin bestehen, dass nicht-chemische
Pflanzenschutz-Alternativen in aktuellen Produktionssystemen unzureichend
wirken. Hinzu kommen die zusätzlichen Arbeitsbelastungen und der
ökonomische Druck seitens der Betriebe,“ erklärt Lars Ole Hingst, der das
Projekt am JKI begleitet, „Die gewonnenen praktischen Erkenntnisse und
Erfahrungen mit dem integrierten Pflanzenschutz müssen stärker in Politik
und Forschung, aber auch Beratung und Öffentlichkeit thematisiert werden.
Das wurde bisher nur in einzelnen Fallstudien, aber nicht umfassend
untersucht.“

Das Leitbild des europaweit geltenden IPS kombiniert verschiedene
Pflanzenschutzverfahren und -maßnahmen. Viele dieser Maßnahmen werden in
der Praxis bereits erfolgreich umgesetzt. Dennoch wird auf europäischer
Ebene kritisiert, dass der aktuelle Stand der Umsetzung nicht ausreicht.

Um herauszufinden, welche konkreten Faktoren Landwirtinnen und Landwirte
bei der Wahl ihrer Pflanzenschutzverfahren beeinflussen und wie
Landwirtschaft hier künftig besser unterstützt werden kann, sucht das JKI
Praktikerinnen und Praktiker.

Wenn Sie Weizen- und Kartoffel anbauen und die Projektarbeit unterstützen
möchten, laden wir Sie herzlich ein, an unserer zweiteiligen Umfrage
teilzunehmen.

Links zur zweiteiligen Umfrage (Dauer ca. 25 min) unter "Weitere
Informationen" im Verlauf.Weitere Informationen finden Sie unter
https://survey-aecp.ethz.ch/index.php/492463?lang=de (Umfrage Weizenerzeuger)
https://survey-aecp.ethz.ch/index.php/238541?lang=de (Umfrage Kartoffelerzeuger)
https://he-support.eu/ (Webauftritt des EU-Projekts SUPPORT)

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Diabetes-Medikament kann womöglich Parkinson verlangsamen

Bei M. Parkinson kommt es zu pathologischen Proteinablagerungen im Gehirn,
zur fortschreitenden Neurodegeneration und Dopaminmangel. Bei den
Pathomechanismen spielen nach heutigem Wissen aber auch chronische
Inflammation, oxidativer Zellstress und Störungen des zellulären
Energiehaushaltes eine Rolle. An diesen Mechanismen setzt die
neuroprotektive Wirkung von manchen Diabetesmedikamenten an, insbesondere
der GLP-1-(„Glucagon-like Peptid-1“)-Rezeptoragonisten: In einer Studie
konnte die Substanz Lixisenatid die motorische Verschlechterung bei
Parkinson-Betroffenen signifikant verlangsamen. Das ist ein interessanter
Befund, zumal Diabetes mellitus ein Risikofaktor für M. Parkinson ist.

Die Parkinson-Krankheit (PD) ist eine chronische neurodegenerative
Erkrankung, die mit fortschreitender motorischer Symptomatik und
Behinderungen einhergeht. Typische Symptome sind Ruhetremor, Rigor und
Hypokinese, hinzu kommen vegetative Symptome und in manchen Fällen auch
eine Demenz. Der Verlauf ist interindividuell sehr variabel. In
Deutschland leben aktuell ca. 300.000 Betroffene.

Histopathologisch kommt es zur Ablagerung von krankheitsspezifischen
Proteinaggregaten (α-Synuclein) in den Nervenzellen in bestimmten
Gehirnregionen sowie zum Nervenzelluntergang. Neben bekannten genetischen
Ursachen scheint auch eine Vielzahl von „Lifestyle-Faktoren“ oder
Umwelttoxinen eine Bedeutung für die Parkinsonentwicklung zu haben. Obwohl
die ursächlichen komplexen molekularen Pathomechanismen immer besser
erforscht und verstanden werden, ist die PD bisher noch nicht kausal
behandelbar. Die symptomatische medikamentöse Therapie (z. B. mit L-Dopa
und Dopaminagonisten) kann lediglich bis zu einem gewissen Grad den
entstehenden Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen. Daher wird nach
Therapieansätzen geforscht, die die Erkankung aufhalten oder zumindest den
Progress verlangsamen können. Dafür werden auch Medikamente, die für
andere Indikationen zugelassen sind, evaluiert – wie z. B. aktuell das
Diabetes-Medikament Lixisenatid. Es gehört zur Substanzklasse der GLP-1
-(Glucagon-like Peptid-1) Rezeptoragonisten (auch: GLP-1-Analoga), ebenso
wie das aus den Medien bekannte Semaglutid („Abnehmspritze“), das
gleichfalls primär als Antidiabetikun entwickelt wurde.

Nachdem man für Lixisenatid im Parkinson-Tiermodell neuroprotektive
Eigenschaften gezeigt hatte, wurde es in einer doppelblinden,
randomisierten, placebokontrollierten Phase-2-Studie [1] bei Menschen mit
PD im Frühstadium evaluiert. Eingeschlossen waren Betroffene, deren PD-
Diagnose maximal drei Jahre zurück lag, und die stabil auf Parkinson-
Medikamente eingestellt waren. Die Teilnehmenden erhielten ein Jahr lang
entweder täglich subkutan 20 μg Lixisenatid (n=78) oder Placebo (n=78),
gefolgt von einer zweimonatigen Auswaschphase. Der primäre Endpunkt waren
die MDS-UPDRS-Werte („Movement Disorder Society – Unified Parkinson's
Disease Rating Scale“ Teil III), deren initialer Score in beiden Gruppen
ca. 15 betrug (0-132 Punkte, höhere Werte bedeuten eine schwerere
motorische Behinderung). Zu den sekundären Endpunkten gehörten MDS-UPDRS-
Subscores und die Levodopa-Äquivalenzdosen.

Nach 12 Monaten betrugen die mittleren Scores in der Lixisenatid-Gruppe
-0,04 Punkte und in der Placebo-Gruppe +3,04 Punkte (Differenz 3,08;
p=0,007). Zwei Monate nach Beendigung der Studienmedikation lagen die
mittleren MDS-UPDRS-Scores in der ehemaligen Placebo-Gruppe bei 20,6 und
in der ehemaligen Lixisenatid-Gruppe bei 17,7. Bei den sekundären
Endpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede. Typische
Nebenwirkungen von Lixisenatid waren Übelkeit (bei 46%) und Erbrechen (bei
13%).

Die Parkinson-Erkrankung geht auf zellulärer Ebene mit Prozessen einher
wie chronische Entzündung, oxidativem Stress und Störungen im
Energiehaushalt (mitochondriale Dysfunktion). Die Wirkweise von
GLP-1-Analoga bei M. Parkinson könnte daher mit deren bekannten
Eigenschaften zusammenhängen, Entzündungen zu reduzieren und den
zellulären Energiestoffwechsel und so das neuronale Überleben zu
verbessern. An diesen Pathomechanismen scheinen übrigens auch andere
Antidiabetika anzugreifen, wie aktuelle tierexperimentelle Daten zeigen
(im einzelnen für Metformin [2], für Sitagliptin, einen
Dipeptidylpeptidase 4-(DPP-4)-Inhibitor [3], und für GIP „Glucose-
dependent insulinotropic polypeptide“ [4]).

Bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes ist neben Adipositas und
Insulinresistenz ebenfalls eine chronische subklinische Inflammation von
Bedeutung. Interessanterweise zeigen epidemiologische Daten, dass Diabetes
mellitus ein Risikofaktor für Parkinson ist [5] und den Parkinson-Verlauf
verschlechtert [6]. Diabetes erhöhte in einer Studie das PD-Risiko um 34
%. In der GBD-Studie [7] steht der Diabetes mellitus an zehnter Stelle der
Risikofaktoren für neurologische Erkrankungen.

Bei der Progression der PD spielt nach aktuellem Wissenstand auch die
Ernährung eine Rolle. So werden z. B. durch die sogenannte mediterrane
Ernährung antiinflammatorische Mechanismen aktiviert [8]. Die mediterrane
Diät ist auch reich an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren („PUFAs“
wie Eicosapentaensäure/EPA und Docosahexaensäure/DHA), enthalten z. B. in
Fisch und Nüssen. PUFAs schützen nicht nur das kardiovaskuläre System und
vor Krebserkrankungen, sondern weisen auch neuroprotektive Eigenschaften
auf [9].

„Dass Diabetes-Prävention auch eine Parkinson-Prävention zu sein scheint,
ist eine relativ neue Erkenntnis. Der Verlauf beider Erkrankungen lässt
sich durch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung zusätzlich
günstig beeinflussen“, erklärt DGN-Präsident Prof. Dr. med. Lars
Timmermann.

[1] Meissner WG, Remy P, Giordana C et al. Trial of Lixisenatide in Early
Parkinson’s Disease. N Engl J Med 2024; 390: 1176-85 DOI:
10.1056/NEJMoa2312323
[2] Wang M, Tian T, Zhou H, Jiang SY, Jiao YY, Zhu Z, Xia J, Ma JH, Du RH.
Metformin normalizes mitochondrial function to delay astrocyte senescence
in a mouse model of Parkinson's disease through Mfn2-cGAS signaling. J
Neuroinflammation. 2024 Apr 2;21(1):81. doi: 10.1186/s12974-024-03072-0.
PMID: 38566081; PMCID: PMC10986112.
[3] Yu SJ, Wang Y, Shen H, Bae EK, Li Y, Sambamurti K, Tones MA, Zaleska
MM, Hoffer BJ, Greig NH. DPP-4 inhibitors sitagliptin and PF-00734,200
mitigate dopaminergic neurodegeneration, neuroinflammation and behavioral
impairment in the rat 6-OHDA model of Parkinson's disease. Geroscience.
2024 Apr 2. doi: 10.1007/s11357-024-01116-0. Epub ahead of print. PMID:
38563864.
[4] Li Y, Vaughan KL, Wang Y, Yu SJ, Bae EK, Tamargo IA, Kopp KO, Tweedie
D, Chiang CC, Schmidt KT, Lahiri DK, Tones MA, Zaleska MM, Hoffer BJ,
Mattison JA, Greig NH. Sitagliptin elevates plasma and CSF incretin levels
following oral administration to nonhuman primates: relevance for
neurodegenerative disorders. Geroscience. 2024 Mar 27. doi:
10.1007/s11357-024-01120-4. Epub ahead of print. PMID: 38532069.
[5] Manuello J, Min J, McCarthy P, Alfaro-Almagro F, Lee S, Smith S,
Elliott LT, Winkler AM, Douaud G. The effects of genetic and modifiable
risk factors on brain regions vulnerable to ageing and disease. Nat
Commun. 2024 Mar 27;15(1):2576. doi: 10.1038/s41467-024-46344-2. PMID:
38538590; PMCID: PMC10973379.
[6] Komici K, Femminella GD, Bencivenga L, Rengo G, Pagano G. Diabetes
Mellitus and Parkinson's Disease: A Systematic Review and Meta-Analyses. J
Parkinsons Dis. 2021;11(4):1585-1596. doi: 10.3233/JPD-212725. PMID:
34486987.
[7] GBD 2021 Causes of Death Collaborators. Global burden of 288 causes of
death and life expectancy decomposition in 204 countries and territories
and 811 subnational locations, 1990-2021: a systematic analysis for the
Global Burden of Disease Study 2021. Lancet. 2024 Apr
3:S0140-6736(24)00367-2. doi: 10.1016/S0140-6736(24)00367-2. Epub ahead of
print. PMID: 38582094.
[8] Gardener H, Caunca MR. Mediterranean Diet in Preventing
Neurodegenerative Diseases. Curr Nutr Rep. 2018 Mar;7(1):10-20. doi:
10.1007/s13668-018-0222-5. PMID: 29892785; PMCID: PMC7212497.
[9] Dyall SC. Long-chain omega-3 fatty acids and the brain: a review of
the independent and shared effects of EPA, DPA and DHA. Front Aging
Neurosci. 2015 Apr 21;7:52. doi: 10.3389/fnagi.2015.00052. PMID: 25954194;
PMCID: PMC4404917.

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Gemeinsame Stellungnahme von EbM-Netzwerk und Cochrane Deutschland zur Auflösung des ÄZQ

Mit großen Bedenken haben das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin
(EbM-Netzwerk) und Cochrane Deutschland die Meldung von der zum Jahresende
geplanten Auflösung des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin
(ÄZQ) aufgenommen. Sollte diese Entscheidung nicht revidiert werden
können, muss sichergestellt sein, dass die Aufgaben des ÄZQ in neuen
Strukturen nach den bewährten methodischen Standards der evidenzbasierten
Medizin unabhängig von Einflussnahme durch einzelne Interessensgruppen
umgesetzt werden.

Nach bisher bekannt gewordenen Informationen wurde die Auflösung von den
Trägern des ÄZQ, d. h. der Bundesärztekammer (BÄK) und der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Anfang April beschlossen [1].

Nach seiner Gründung im Jahr 1995 als gemeinsames Institut von BÄK und KBV
zur Unterstützung bei Aufgaben im Bereich der Qualitätssicherung der
ärztlichen Berufsausübung entwickelte sich das ÄZQ in kürzester Zeit zum
Kompetenzzentrum der Ärzteschaft für Leitlinien, Patienteninformationen,
Patientensicherheit und Wissensmanagement und damit zu einer der zentralen
EbM-Institutionen in Deutschland. Das ÄZQ ist Initiator und Mitglied des
EbM-Netzwerks und langjähriger Kooperationspartner von Cochrane
Deutschland.

Das EbM-Netzwerk und Cochrane Deutschland sehen durch den aktuellen
Entschluss den Fortbestand der vom ÄZQ herausgegebenen und koordinierten
Nationalen VersorgungsLeitlinien und Patientenleitlinien in der bisherigen
Qualität, Zugänglichkeit und Unabhängigkeit in Gefahr. Diese auf hohem
methodischem Niveau und unabhängig von politischer oder
interessengeleiteter Einflussnahme entwickelten und regelmäßig
aktualisierten evidenzbasierten Wissensressourcen stellen eine wesentliche
Säule für die Patientensicherheit und Versorgungsqualität in Deutschland
dar. Sie ermöglichen Entscheidungsträgern im Gesundheitssystem, den
klinisch Handelnden sowie allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu
einfach verständlichen, aktuellen und wissenschaftlich begründeten
Informationen über Vor- und Nachteile verschiedener Versorgungsoptionen.
Die sektorenübergreifenden Nationalen VersorgungsLeitlinien für bestimmte
chronischen Erkrankungen wie Asthma bronchiale, Diabetes mellitus oder
Herzinsuffizienz sind Grundlage von Disease Management-Programmen,
Qualitätsindikatoren und Patientenleitlinien und bieten allen an der
Versorgung Beteiligten wichtige und einheitliche Orientierung bei der
Entscheidung über erforderliche diagnostische und therapeutische
Maßnahmen.

Bisher sind die sachlichen Gründe für die Entscheidung zur Auflösung des
ÄZQ unklar. Das EbM-Netzwerk und Cochrane Deutschland fordern, dass bei
allen weiteren Entscheidungen in Bezug auf das ÄZQ sichergestellt wird,
dass die Aufgaben des ÄZQ, insbesondere die Koordination und
Bereitstellung der Nationalen VersorgungsLeitlinien und die Entwicklung
und Bereitstellung hochwertiger evidenzbasierter Patientenleitlinien, auch
bei einer Überführung in andere Strukturen weiterhin nach den bewährten
methodischen Standards unabhängig von Einflussnahme durch einzelne
Interessensgruppen umgesetzt werden. Darüber hinaus halten wir es für
wichtig, dass die Gründe für die Entscheidung zur Auflösung des ÄZQ
transparent gemacht werden.



[1.]    Ärztliches Zentrum für Qualität wird aufgelöst. Deutsches
Ärzteblatt, 16.04.2024, https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/150717
/Aerztliches-Zentrum-fuer-Qualitaet-wird-aufgeloest
[16.04.2024]

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