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Speicherung, Nutzung, Infrastruktur: Leopoldina empfiehlt Schlüsselelemente des Kohlenstoffmanagements

Um in Deutschland und Europa Klimaneutralität bis 2045 bzw. 2050 zu
erreichen, wurden bisher Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und
zum Ausbau der erneuerbaren Energien verstärkt in den Fokus genommen.
Jedoch reichen Emissionsreduktionen nicht mehr aus, um die Klimaziele zu
erfüllen. Der Atmosphäre muss zusätzlich auch das wichtigste Treibhausgas
CO2 aktiv und dauerhaft entzogen werden. So wird ein dritter
Handlungsbereich auf dem Weg zur Klimaneutralität bedeutend: das
Kohlenstoffmanagement, zu dem die heute veröffentlichte Ad-hoc-
Stellungnahme „Schlüsselelemente eines Kohlenstoffmanagements“ der
Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Empfehlungen gibt.

Die Ad-hoc-Stellungnahme skizziert verschiedene Möglichkeiten der
Speicherung und langfristigen Nutzung von CO2. Die Autorinnen und Autoren
empfehlen zudem Maßnahmen zur technischen Umsetzung, für ökonomische
Anreize und zur internationalen Zusammenarbeit. Die Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler sprechen sich dafür aus, Forschung und Entwicklung zur
CO2-Abtrennung in industriellen Prozessen und zur direkten Entnahme aus
der Atmosphäre (Direct Air Capture, DAC) zu fördern. DAC sollte vor allem
an Standorten, an denen die klimatischen Bedingungen (z. B. eine niedrige
Luftfeuchte) oder die Energiekosten aus regenerativen Quellen günstig
sind, etabliert werden.

Die Fachleute betonen, dass CO2-Speicherung im Untergrund (Carbon Capture
and Storage, CCS) nicht dafür eingesetzt werden sollte, die Nutzung
fossiler Energieträger zu verlängern, sondern für nicht vermeidbare
CO2-Emissionen beispielsweise aus der Landwirtschaft und Industrie. Zudem
empfehlen sie, CCS-Verfahren nicht nur im marinen Bereich, sondern auch
auf dem Festland zu nutzen. Auch das Potenzial einer natürlichen
Speicherung von CO2, vor allem durch Wiederaufforstung und die
Wiedervernässung von Mooren, sollte weiter erforscht und wissenschaftlich
gefördert werden, so die Fachleute. Neben der Speicherung ist auch der
Aufbau einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft für Kohlenstoff notwendig,
um CO2 stofflich zu nutzen und dauerhafte oder möglichst langlebige Güter
herzustellen (Carbon Capture and Utilization, CCU).

Die Ad-hoc-Stellungnahme schlägt vor, ökonomische Rahmenbedingungen für
die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre zu etablieren, die Entwicklung
entsprechender Märkte zu fördern und privates Kapital dafür zu aktivieren.
Die Transportinfrastruktur für CO2 und CCU-Produkte muss im europäischen
Verbund ausgebaut, durch Investitionsanreize gefördert und mit
vergleichbaren Planungen für Wasserstoff und andere stoffliche
Energieträger zusammengeführt werden. Vorhandene Infrastrukturen, wie das
Gasnetz, sollten möglichst umfassend genutzt und daher nicht vorschnell
aufgegeben werden.

Für die CO2-Entnahme aus der Atmosphäre müssen Rahmenbedingungen etabliert
werden, damit sich darauf aufbauend Geschäftsmodelle und stabile Märkte
entwickeln können, so die Fachleute. Dafür könnten beispielsweise eigene
Zertifikatmärkte entwickelt werden. Wichtig wäre ein Regelwerk, das
europaweit die Entnahme und ökonomische Bewertung von CO2 organisiert. Die
Fachleute empfehlen zudem internationale Kooperationen in Forschung,
Entwicklung und Pilotprojekten. Insbesondere Ländern des Globalen Südens
kommt auf Grund ihrer Lage und der günstigen Bedingungen für die Nutzung
erneuerbarer Energien eine herausragende Stellung zu.

Die Ad-hoc-Stellungnahme wurde von der Leopoldina-Fokusgruppe „Klima und
Energie“ erarbeitet. Diese gibt Impulse für die mittelfristige Gestaltung
des deutschen und europäischen Energiesystems und nimmt kurzfristig zu
aktuellen Entwicklungen Stellung.

Das demnächst erscheinende Papier „Kohlenstoffmanagement integriert
denken: Anforderungen an eine Gesamtstrategie aus CCS, CCU und CDR“ der
Initiative der Wissenschaftsakademien „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS)
wird sich dem Thema ausführlich widmen. Weitere Informationen zu ESYS:
https://energiesysteme-zukunft.de/

Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina:
Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina
unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich
relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre
Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In
diesen Veröffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu
entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die
Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten
ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche
Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der
wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7- und G20-Gipfel. Sie hat
rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus
nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur
Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die
Leopoldina ist als unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl
verpflichtet.

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Bauchfellkrebs: Große Fortschritte bei der Behandlung einiger Patientengruppen

Krebs des Bauchfells ist eine besonders bösartige Erkrankung mit oft
tödlichem Ausgang. Meist handelt es sich um Metastasen von Krebs des
Dickdarms, Mastdarms, Magens oder der Eierstöcke. Doch bei einzelnen
Betroffenen kann die Kombination mehrerer Therapieverfahren die
Überlebensdauer deutlich verbessern. Die Behandlung ist jedoch äußerst
belastend und komplikationsträchtig. Damit es möglichst gar nicht erst zu
den sogenannten peritonealen Metastasen komme, sei es zentral, den
streuenden Krebs (Ersttumor) möglichst frühzeitig zu erkennen und
umfassend zu entfernen. Deshalb solle man seine Krebserkrankung in Zentren
behandeln lassen, die auf chirurgische Onkologie spezialisiert sind.

Jedes Jahr erhalten zehntausende Menschen die Diagnose Bauchfellkrebs.
Dies bedeutet meist, dass ihre Krebserkrankung schon weit fortgeschritten
ist. Dann haben sich Zellen von bösartigen Geschwülsten aus Magen, Darm
oder Eierstöcken auf das Bauchfell, Peritoneum genannt, ausgebreitet und
dort Tochtergeschwülste gebildet. Das Bauchfell kleidet den gesamten
Bauchraum aus und umhüllt die inneren Organe. Es produziert eine
Flüssigkeit, die die Organe gleiten lässt und sie versorgt. Gleichzeitig
erleichtert diese „Gleitschmiere“ das Ausbreiten von Krebszellen im
Bauchraum.
Fast alle Bauchtumore können in das Bauchfell metastasieren
„Grundsätzlich können fast alle Bauchtumore Metastasen am Bauchfell
verursachen“, sagt Piso, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und
Viszeralchirurgie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg und
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie
(DGAV). „Am häufigsten ist dies beim Magenkarzinom der Fall. Fast die
Hälfte der Rückfallerkrankungen nach der Operation finden sich hier.“ Auch
bei etwa 10 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Darmkrebs treten
Metastasen im Bauchfell auf. „Aber selbst Tumore außerhalb des
Bauchraumes, etwa Brustkrebs, können im Verlauf Bauchfellkrebs
verursachen“, so Piso. In seltenen Fällen können auch Zellen des
Bauchfells selbst bösartig entarten.
In der Vergangenheit galt Bauchfellkrebs als nicht heilbar. Die Operation
wurde abgebrochen und die Betroffenen wurden rein palliativ behandelt. Die
Restlebenszeit betrug nur wenige Monate.
Multimodale Behandlung von Krebs des Bauchfells
Doch mittlerweile gibt es für Patienten mit wenigen und gut operierbaren
Metastasen im Bauchfell Therapieangebote, die ihre Prognose deutlich
verbessern können. Meist werden mehrere Behandlungen miteinander
kombiniert. Der erste und wichtigste Schritt ist dabei die sogenannte
zytoreduktive Chirurgie (CRS). Hier entfernen Chirurginnen und Chirurgen
das Bauchfell und alle sichtbaren Tumoren so radikal wie möglich aus dem
Körper. Dies CRS wird begleitet durch die sogenannte hypertherme
intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC). Dabei handelt es sich um eine
maschinelle Spülung des Bauchraums mit einer auf 42 Grad Celsius erwärmten
Lösung. Sie enthält Zytostatika, die weitestmöglich auf die Merkmale des
Tumors zugeschnitten sind. „Gegenüber einer intravenösen Chemotherapie
können die Medikamente viel höher dosiert werden, weil die eingesetzten
Therapeutika kaum in den Blutkreislauf gelangen“, so Piso. Daher ist mit
weniger Nebenwirkungen zu rechnen. Ein weiterer Pluspunkt betrifft die
Wärme der Spülung, sie verstärkt die Wirkung der Zellgifte. OP und Spülung
können zusätzlich mit einer intravenösen Chemotherapie kombiniert werden.
Personalisierte Therapie von Anfang an
Piso betont die Notwendigkeit einer personalisierten Krebstherapie von
Anfang an, denn: „Krebs ist nicht gleich Krebs.“ Eine Generalisierung der
Therapie sei deshalb nicht möglich: „Die Prognose und beste Behandlung
variieren stark und erfordern eine Diskussion in einem fachübergreifenden
Tumorboard.“ Wichtig sei die Orientierung an den vielfältigen genetischen
Merkmalen der Tumortypen und den individuellen Patientenfaktoren. Zu
letzteren zählen die spezifischen anatomischen Gegebenheiten, etwa
Ausbreitung des Tumors und Voroperationen, Begleiterkrankungen und der
Patientenwille. Piso empfiehlt deshalb allen Betroffenen mit
Bauchfellkrebs, eine zweite Meinung in einem anerkannten Kompetenz- oder
Referenzzentrum einzuholen.
Bessere Prognose in auf Krebschirurgie spezialisierten Zentren
Professor Dr. med. Christiane Bruns, Direktorin der Klinik für Allgemein-,
Viszeral-, Tumor- und Transplantationschirurgie der Uniklinik Köln und
Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) 2023/2024,
betont: „Es ist wichtig, zur Erstbehandlung in ein auf Krebschirurgie
spezialisiertes Zentrum zu gehen. Dort können alle Möglichkeiten der
Behandlung auf die Erkrankten maßgeschneidert und zielgerichtet
ausgeschöpft und mit den Möglichkeiten einer modernen Chirurgie – von KI-
gestützter Vorhersage der Erfolgsaussichten bis hin zu robotisch
unterstützter Chirurgie – kombiniert werden“.
Sind Metastasen erst einmal da, kehren sie oft zurück
Denn sind Metastasen erst einmal da, sei die Gefahr groß, dass sie
zurückkehren. „Aber auch wenn bei Bauchfellkrebs eine Heilung eher selten
ist, können wir die Erkrankung je nach Tumorart heute deutlich häufiger so
kontrollieren, dass eine gute Lebensqualität über die verbleibende
Lebenszeit möglich ist“, so die Viszeralchirurgin, die auch
stellvertretende Direktorin des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO)
Köln ist.
Auf dem 141. Deutschen Chirurgie Kongresses (DCK 2024) diskutieren
Expertinnen und Experten über den aktuellen Stand der chirurgischen
Optionen und perioperativen Therapien bei Krebs und wie diese, eingebettet
in multimodale Behandlungspläne, die Überlebenschancen verbessern können -
von der Analyse der molekularen Besonderheiten des jeweiligen Tumors über
KI-gestützte Einschätzung von Risiken, virtuelle Operationsplanung bis hin
zu robotergestützter Chirurgie. Sessionplaner:
https://apps.m-anage.com/dck2024/de-DE/pag
Auch auf der Online-Pressekonferenz am 15. April von 10.00 bis 11.30 Uhr
des teilhybriden 141. Deutschen Chirurgie Kongresses (DCK 2024) sind
Therapiefortschritte durch Präzisionschirurgie und perioperative Medizin
bei der Behandlung von Tumoren von Speiseröhre und Magen ein Thema. Ebenso
auf der Agenda stehen Bauchfellmetastasen. Der DCK 2024 findet ab dem 24.
April 2024 im CCL-Congress Center Leipzig statt. Zuvor, vom 16. bis 18.
April 2024, läuft jeweils nachmittags und abends der digitale Präkongress,
DCKdigital. www.dck2024.de

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Vortragsreihe des Offenen Hörsaals richtet Fokus auf Repräsentation von Vielfalt in Demokratien

Demokratie braucht Repräsentation. Doch wie gelingt Repräsentation?
Sollten Geschlechter, soziale Schichten oder Altersgruppen gemäß ihrer
Bevölkerungsanteile im Parlament vertreten sein? Oder kommt es eher darauf
an, dass sich soziale Gruppen in den verabschiedeten Gesetzen
repräsentiert fühlen? Fragen wie diese stehen im Fokus einer öffentlichen
Ringvorlesung im Rahmen des Offenen Hörsaals der Freien Universität Berlin
mit dem Titel „lt's representation, stupid?! Das Gleichheitsversprechen in
modernen politischen Demokratien“ im Sommersemester 2024.

Vom 17. April an halten Forschende aus unterschiedlichen Disziplinen immer
mittwochs ab 18 Uhr Vorträge im Otto-Suhr-Institut der Freien Universität
Berlin, Ihnestr. 21, 14195 Berlin (Hörsaal A) – etwa über „Demokratische
Repräsentation und Populismus“ oder „Wahlen als Form politischer
Repräsentation“. Den Auftakt am 17. April bildet ein Vortrag von Prof. Dr.
Armin Schäfer von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz über das Thema
„Vertreter des ganzen Volkes? Über Repräsentativität und Repräsentation“.
Geplant sind im Rahmen der Reihe zwei Podiumsdiskussionen mit
Vertreter*innen politischer Parteien. Organisiert wird die Reihe von den
Politikwissenschaftler*innen Prof. Dr. Gülay Caglar, Prof. Dr. Miriam
Hartlapp, Prof. Dr. Thorsten Faas und Dr. Julia Reuschenbach. Der Eintritt
ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Viel spricht dafür, dass das Gleichheitsversprechen in modernen
politischen Demokratien die Repräsentation von Vielfalt voraussetzt. Doch
wie lässt sich Vielfalt politisch abbilden? Wie müssen sich Institutionen
wie Parlamente und ihre Verfahren wandeln? Welche identitätspolitischen
Herausforderungen bringt eine angemessene Repräsentation von Vielfalt mit
sich? Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt der interdisziplinären
Vortragsreihe. Um Antworten zu geben, verknüpfen Vortragende die innerhalb
der Politikwissenschaft bisher unverbunden Bereiche Wahlforschung,
vergleichenden lnstitutionenlehre sowie Geschlechterforschung mit
Perspektiven aus anderen Disziplinen. (jkr)

Zeit, Ort und Themen der Vorlesungen

Alle Vorlesungen beginnen mittwochs um 18.00 Uhr im Otto-Suhr-Institut,
Ihnestr. 21, 14195 Berlin (Hörsaal A), (U3 Freie Universität /
Thielplatz).

17. April 2024
Vertreter des ganzen Volkes? Über Repräsentativität und Repräsentation
Prof. Dr. Armin Schäfer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

24. April 2024
Elitäres Parlament und demokratische Wahlen. Die kontingente Geschichte
der Demokratisierung
Prof. Dr. Hedwig Richter (Universität der Bundeswehr München)

8. Mai 2024
A Table too small: Why effective Politics needs many voices
Dr. L.M. Liza Mügge (Universität of Amsterdam)

15. Mai 2024
Institutionelle Rahmenbedingungen und Herausforderungen von Repräsentation
Prof. Dr. Silke Ruth Laskowski (Universität Kassel)

22. Mai 2024
Demokratische Repräsentation und Populismus
PD Dr. Aiko Wagner (Freie Universität Berlin)

29. Mai 2024
Wahlen als Form politischer Repräsentation
Prof. Dr. Christoph Möllers (Humboldt-Universität zu Berlin)

5. Juni 2024
Podiumsdiskussion I: Parteien und Repräsentation
Gemeinsam mit Vertreter*innen politischer Parteien der Bundesebene
diskutieren wir Fragen politischer Repräsentation. Die
Diskussionsteilnehmenden werden noch bekanntgegeben.

12. Juni 2024
Wer sitzt (nicht) im Parlament? Innerparteiliche Nominierungsprozesse und
die ungleiche Klassenzusammensetzung des Bundestages
Dr. Lea Elsässer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

26. Juni 2024
Podiumsdiskussion II: Parteien und Repräsentation mit
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes und ehem.
Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin (Bündnis
90/Die Grünen) und
Manja Schreiner, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
des Landes Berlin (CDU)

3. Juli 2024
Demokratie im Dialog: Wie wir uns durch Sprache positionieren
Dr. Marc Dang-Anh (Leibnitz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim)

WEITERE INFORMATIONEN
- zum Offenen Hörsaal: https://www.fu-
berlin.de/sites/offenerhoersaal/index.html
zur Ringvorlesung „It’s representation, stupid?! Das
Gleichheitsversprechen in modernen politischen Demokratien“: https://www
.fu-berlin.de/sites/offenerhoersaal/representation/index.html
- zur Ringvorlesung „Intervenierende Künste. Politische und ästhetische
Potentiale“: https://www.fu-
berlin.de/sites/offenerhoersaal/potentiale/index.html
zur Ringvorlesung „Hinter dem Bauzaun. Schätze des Vorderasiatischen
Museums neu entdeckt“: https://www.fu-
berlin.de/sites/offenerhoersaal/vorderasien/index.html

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Deutschlands größte Gesundheitsstudie NAKO startet nach zehn Jahren in die dritte Runde

Last-Minute-Chance für Teilnahme an zweiter Untersuchungswelle der NAKO in
MV

„Gemeinsam forschen für eine gesündere Zukunft“ ist das Motto der bislang
größten Gesundheitsstudie Deutschlands. Seit 2014 werden zufällig aus den
Melderegistern gezogene Erwachsene bundesweit in 18 Studienzentren
medizinisch untersucht und nach ihren Lebensumständen befragt.

Vor zehn Jahren wurde auch in Neustrelitz und kurz darauf in
Neubrandenburg das erste Studienzentrum der NAKO in Mecklenburg-Vorpommern
eröffnet. Bevor die dritte Phase der NAKO Gesundheitsstudie bundesweit
eingeläutet wird, besteht noch bis Juni in Mecklenburg-Vorpommern die
Möglichkeit der Zweituntersuchung. Diese läuft seit 2018 und soll in Kürze
abgeschlossen werden.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele der Eingeladenen die
erste Folgeuntersuchung wahrnehmen würden“, sagte der Studienleiter und
Leiter der Abteilung SHIP/Klinisch-Epidemiologische Forschung am Institut
für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Henry
Völzke: „Bislang haben 13.370 die Zweituntersuchung bereits absolviert.
Eingeladen waren mehr als 20.000 der Erstuntersuchten. Je mehr
Teilnehmende wir gewinnen, um so aussagekräftiger werden unsere
Ergebnisse. Gerade die regelmäßigen Folgeuntersuchungen helfen uns,
gesundheitliche Veränderungen zu erkennen.“

Ziel der Langzeitstudie ist es, chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel
Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma, Infektionen und
Depression genauer zu erforschen, um Prävention, Früherkennung und
Behandlung dieser in der Bevölkerung weit verbreiteten Krankheiten zu
verbessern. Auch Möglichkeiten der Früherkennung von Krankheiten sollen
identifiziert werden. Die Koordination in MV liegt in der Verantwortung
der Universitätsmedizin Greifswald, die über langjährige Erfahrungen in
der Epidemiologie und Versorgungsforschung verfügt.

Temporäre Zentren als Sonderweg in MV

Die NAKO Gesundheitsstudie hat sich als wertvolle interdisziplinäre und
bevölkerungsbasierte Langzeitstudie und wissenschaftliches
Kompetenznetzwerk etabliert. Seit 2014 haben bundesweit 205.217 Frauen und
Männer an der ersten Untersuchungswelle und bislang rund 130.000 Probanden
davon an der Zweituntersuchung teilgenommen. Die weitere Förderung und
Fortsetzung bis 2028 in einer zweiten Folgeuntersuchung ist bereits
beschlossen. Schon bald werden die Einladungen für die dritte
Untersuchungswelle versendet.
„Auch in Mecklenburg-Vorpommern werden in Kürze mehr als 13.000
Zweitteilnehmende den „grünen Einladungsbrief“ zur Drittuntersuchung
erhalten“, kündigte Dr. Claudia Meinke-Franze, die Leiterin des NAKO-
Studienzentrums in MV an.

Das Hauptuntersuchungszentrum in MV befindet sich seit Januar 2015 im
Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg. Die Vier-Tore-Stadt gehört
bundesweit zu den fünf Standorten, an denen auch zusätzlich einstündige
Ganzkörperuntersuchungen mit einem Magnetresonanztomographen (MRT)
vorgenommen werden. „Als einziges Land hat Mecklenburg-Vorpommern zudem
drei temporäre Standorte eingerichtet. Gestartet wurde in Neustrelitz,
später kamen abwechselnd Waren (Müritz) und Demmin dazu. Dabei wurden die
Erfahrungen der SHIP-Gesundheitsstudie in Vorpommern (Study of Health of
Pomerania) genutzt“, so die Leiterin des Studienzentrums in MV. „Diese
hatte gezeigt, dass bei der persönlichen Entscheidung, an einer so
umfassenden Studie teilzunehmen, die Wohnortnähe eine entscheidende Rolle
spielt. Die zeitweise eingerichteten regionalen NAKO-Anlaufstellen sollen
so eine Teilnahme erleichtern.“

In der Basisuntersuchung von 2014 bis 2019 wurden in Mecklenburg-
Vorpommern 22.009 Teilnehmende aus der Region Mecklenburgische Seenplatte
untersucht, davon erhielten 6.687 eine MRT-Untersuchung. An der noch
laufenden ersten Folgeuntersuchung ab 2018 nahmen 13.370 Probanden teil,
3.931 mit MRT. Deutschlandweit ist das Ziel der NAKO Gesundheitsstudie, in
der Zweituntersuchung 135.000 Teilnehmende zu untersuchen, davon 18.000
mit MRT-Untersuchung.
„Wir sind jedem einzelnen Teilnehmenden wirklich sehr dankbar. Mit ihrer
Teilnahme an der sehr aufwändigen Gesundheitsstudie erarbeiten wir uns ein
umfassendes Basiswissen, um neue Therapie- und Behandlungserfolge für alle
Menschen zu erzielen“, so Völzke, der zugleich Vorstandsvorsitzender der
NAKO ist. „Auch vor Ort, vor allem im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum
erfahren wir große Unterstützung für das ambitionierte Langzeitprojekt“,
hob Völzke hervor. Zum NAKO-Team MV gehören aktuell 30 Mitarbeitende.

Wertvolle Erkenntnisse für den medizinischen Fortschritt

Die Untersuchungsergebnisse sind bei Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern weltweit von großem Interesse. So werden im Laufe der
Studie beispielsweise ca. 28 Mio. Bioproben gesammelt und gelagert und
stehen für die internationale wissenschaftliche Forschung zur Verfügung.
Es gibt mittlerweile mehr als 500 Datennutzungsanträge für die NAKO. In
mehr als 130 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachjournalen wurden
die Erkenntnisse publiziert.
Dabei wurden auch regionale Entwicklungen diskutiert. So wurde durch die
Untersuchungen nochmals bestätigt, dass in Mecklenburg-Vorpommern die
Menschen mit dem höchsten Body-Mass-Index leben. Zugleich wurden die
Grenzen des Body-Mass-Index in der klinischen Routine und Wissenschaft
aufgezeigt und ergänzende Untersuchungen integriert. Ferner wurde
beispielsweise erkannt, dass erstgeborene Kinder ein höheres Risiko haben
an Typ-1-Diabetes zu erkranken als später geborene Kinder.

Menschen mit Migrationshintergrund haben höhere Risiken für Depressionen
als Personen ohne Migrationshintergrund. Ein schlechter sozioökonomischer
Status erhöht dieses Risiko noch einmal. Auch die Corona-Pandemie spielte
eine Rolle. Die körperlichen Aktivitäten wurden während der Pandemie
reduziert, allerdings stärker bei jüngeren als bei älteren Personen.
Während der Pandemie haben ältere Erwachsene weniger Sorgen und Ängste
gehabt als jüngere. Knapp jeder Dritte fühlte sich während der Pandemie
einsam. Frauen und wiederum Jüngere waren häufiger betroffen.

HINTERGRUND

Warum ist die NAKO notwendig?

Die zentralen Fragen der NAKO lauten: Warum wird der eine krank, der
andere aber bleibt gesund? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Ist
es die Umwelt, das soziale Umfeld oder die Situation am Arbeitsplatz? Ist
es die Ernährung? Sind es die Gene? Eine Mischung von allem? Auch wenn
bereits einiges erforscht werden konnte, die genauen Zusammenhänge sind
noch nicht bekannt. Ziel ist es, den Ursachen für die Entstehung von
Volkskrankheiten, wie beispielsweise Krebs, Diabetes,
Infektionskrankheiten und Herzinfarkt, aber auch neuere Erkrankungen wie
Demenz auf den Grund zu gehen.

Wer führt die NAKO durch?

Die NAKO Gesundheitsstudie wird vom Verein NAKO e.V. deutschlandweit in 18
regionalen Studienzentren durchgeführt. Finanziert wird Sie aus
öffentlichen Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der
beteiligten Bundesländer und der Helmholtz-Gemeinschaft. Die Förderung
beträgt seit 2014 insgesamt 127 Mio. Euro. Die NAKO läuft mit der in Kürze
startenden dritten Untersuchungswelle zunächst bis 2028.

Was wird in der NAKO untersucht?

Das Untersuchungsprogramm der ersten Folgeuntersuchung dauert bis zu 4,5
Stunden und beinhaltet neben den Befragungen zur Lebensweise und zu
Vorerkrankungen auch eine Vielzahl an medizinischen Untersuchungen. So
werden zum Beispiel Größe, Gewicht, Körperzusammensetzung, Handgreifkraft,
körperliche Aktivität, Zuckerstoffwechsel, Blutdruck, die Lungenfunktion
und der Herzultraschall gemessen sowie die Augen untersucht und ein EKG
gemacht. Im Labor werden Blut- und Cholesterinwerte ermittelt. Über die
Untersuchungsergebnisse werden die Teilnehmenden, wenn gewünscht,
informiert. Die Folgeuntersuchungen erfolgen in einem zeitlichen Abstand
von vier bis fünf Jahren.

Weitere Informationen unter <https://nako.de>

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