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DIVI-Infektiologiehotline nimmt heute ihren Betrieb auf

Die Deutsche Gesellschaft für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) bündelt
mit einem neuen Projekt die infektiologische Expertise in ihrem
Fachgebiet: Heute geht die DIVI-Infektiologiehotline live. Über diese
zentrale Plattform unter infekthotline.divi.de können ab sofort Anfragen
zu komplexen infektiologischen Fällen auf der Intensivstation gestellt
werden, die als konsiliarische Leistung innerhalb von einem Arbeitstag von
dem derzeit 15-köpfigen Expertenteam beantwortet werden.

„Wir wollten ein sehr niederschwelliges Angebot schaffen, um Expertise zu
bündeln und die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern“, erklären
die medizinisch-wissenschaftlichen Leiter des Projektes, die Sprecher der
Sektion Infektiologie, Prof. Dominic Wichmann und Dr. Klaus-Friedrich
Bodmann.

Stetig steigende Raten bei multiresistenten Erregern gestalten die
erfolgreiche Behandlung von Patientinnen und Patienten zunehmend
komplexer. Zudem sind therapieassoziierte infektiologische Komplikationen
eine zunehmende Bedrohung für die Erfolge der modernen Medizin. „Die
Sektion Infektiologie hat deshalb eine Plattform für die aktive
Unterstützung bei diesen großen infektiologischen Herausforderungen in der
Intensiv- und Notfallmedizin aufgebaut“, fasst es Sektionssprecher Prof.
Dominic Wichmann, Oberarzt in der Klinik für Intensivmedizin am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zusammen.

DIVI-Infektiologiehotline steht jedem offen

Jeder auf einer Intensivstation tätige Mediziner kann sich an die Hotline
wenden. Das Credo der Schöpfer ist: unkompliziert und niederschwellig.
Deshalb ist keine Registrierung notwendig oder gar ein Nachweis einer
DIVI-Mitgliedschaft. Neben der Falldarstellung mit den sich ergebenden
Fragen zu Diagnostik oder Therapie werden entsprechend nur noch die
Kontaktdaten des Ratsuchenden für die Rückmeldung durch das
Infektiologieteam abgefragt.

Mit dem Eingang einer Frage über die Plattform wird über ein Ticket-System
jeder der derzeit 15 Experten informiert. „Jetzt in der Anfangsphase ist
unser Anspruch, spätestens innerhalb eines Arbeitstages zu antworten“, so
Dr. Hartmuth Nowak, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Künstliche
Intelligenz, Medizininformatik und Datenwissenschaften des
Universitätsklinikums Knappschaftskrankenhaus Bochum. Er hat die
Infektiologiehotline technisch entwickelt und ist Teil des Leitungsteams.

Anfrage ist kostenlos und muss schriftlich eingereicht werden

Entsprechend stehe auch hinter dem Namen „Hotline“ keine telefonische
Anfrage. Denn im Klinikalltag sei nicht jeder Experte stetig zu sprechen,
so die Überlegung der DIVI-Sektion. Und auch könne so der Kontakt zu dem
richtigen Experten für diese spezielle Fragestellung länger dauern,
erläutert Nowak, der Medizininformatiker. Deshalb muss bei der Hotline die
Frage über Handy, Tablet oder PC eingegeben werden, um dann auf Antwort zu
warten.

Die Inanspruchnahme der DIVI-Infektiologiehotline ist selbstverständlich
kostenlos. Die Kosten für den Aufbau der Plattform und die technische
Aufrechterhaltung finanziert die DIVI als wissenschaftliche
Fachgesellschaft. Die Schulung des Expertenteams in persönlichen Treffen
und durch eigene Fortbildungsveranstaltungen wird mit freundlicher
Unterstützung der Pharma-Firmen Infectopharm, MSD, Pfizer und Shionogi
unterstützt, da alle im infektiologieschen Bereich tätig sind.

Expertenteam sucht für die Zukunft noch weitere Mitglieder

Selbstverständlich ist das System weiter ausbaufähig, falls die Hotline
gut angenommen wird. „Wir träumen von einem professionellen Team, das 24/7
ansprechbar ist und dessen Leistung abrechnungsfähig ist“, verrät der
technische Leiter Hartmuth Nowak. „Der Start der DIVI-Infektiologiehotline
ist jetzt ein erster und wichtiger Schritt.“

„Auch würden wir uns über weitere Experten im Beratungsteam freuen“,
ergänz der stellvertretende Sektionssprecher Dr. Klaus-Friedrich Bodmann,
leitender Arzt der Infektiologie Kliniken Nordoberpfalz, Klinikum Weiden.
„Je mehr Expertise wir hier bündeln, je besser wir uns innerhalb unseres
Teams dann auch vernetzen und schulen, desto mehr können alle anderen von
der DIVI-Infektiologiehotline profitieren. Der heutige Tag ist für uns
etwas sehr besonderes!“

Entsprechend gilt: Weitersagen! Spread the news! Die Adresse der DIVI-
Infektiologiehotline ist einfach zu merken: https://infekthotline.divi.de

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Zigarren als Investment: So erkennt man ihren Wert

Zigarren als Investment Symbolbild von clipdealer
Zigarren als Investment Symbolbild von clipdealer

Wertanlagen müssen nicht immer Immobilien, Kunst, Edelmetalle, Aktien oder die Kyptowährung Bitcoin sein. Von Schuhen wie Sneakern bis hin zu Genussmitteln wie Wein gibt es viele andere Dinge, die auf lange Sicht im Wert steigen können. Auch Zigarren zählen dazu. Vor allem einige kubanische Sorten gelten als lohnenswerte Investitionen. Was sollten potenzielle Investoren wissen, wenn sie sich für Zigarren als Wertanlage interessieren?

Luxusgut Zigarre: Welche wertsteigernden Faktoren Investoren kennen sollten

Anders als beim Zigarettenrauchen geht es beim Rauchen einer Zigarre nicht um die Befriedigung einer Sucht. Der Genuss steht im Zentrum der Erfahrung. Mehrere Stunden nehmen sich leidenschaftliche Zigarrenliebhaber teilweise Zeit, um jedes Aroma einer handgerollten und erlesenen Zigarre zu genießen. Schon das lässt auf den Luxuswert schließen, der mit den oftmals kostspieligen Genussmitteln verbunden ist. Dabei unterscheiden sich die Zigarren unterschiedlicher Hersteller wesentlich in ihrer Qualität. Bei hochwertigen Marken wird fast alles per Handarbeit erledigt. So neben der Aussaat des Tabaks und der Ernte der Blätter auch das Rollen und Verpacken in oftmals kunstvoll gestalteten Humidoren. Der hohe Produktionsaufwand erklärt die stattlichen Preise vieler weltbekannter Zigarrenmarken. Doch auch die Qualität der jeweiligen Anbaugebiete und ihre klimatischen Bedingungen sind ausschlaggebend. Die qualitativ besten und teuersten Zigarren der Welt kosten pro Stück schon kurz nach ihrem Erscheinen mehrere hundert Euro. Wenn es sich bei einer bestimmten Sorte um eine stark limitierte Auflage handelt, steigen sie als Sammlerstücke mit den Jahren potenziell im Wert und werfen Rendite ab. Im Jahr 2010 wurde eine ursprünglich für um die 50 Euro gekaufte und relativ seltene Romeo y Julieta nach diesem Schema für mehr als 10.000 Euro verkauft. Fälle wie dieser beweisen, dass sich das Investment lohnen kann. Als wertgebend und wertsteigernd gelten dabei zusammengefasst vor allem folgende Faktoren:

  • Stückzahl der Auflage
  • Zigarrenalter
  • Zigarrenzustand
  • Zigarrenherkunft
  • handgemachte Qualität
  • besondere Veredelungen
  • Bekanntheitsgrad des Herstellers

Experten-Tipp zu Zigarren-Investments

Wer sich noch nie im Leben mit Zigarren beschäftigt hat, zieht zur Investition lieber einen Fachmann zu Rat. Nur durch wirklich gute Expertise lassen sich lohnenswerte Investitionen einschätzen. Sich in kürzester Zeit das zur Beurteilung erforderliche Fachwissen anzueignen, ist fast unmöglich.

Qualitätserhalt und Wertsteigerung: Was es bei der Lagerung von Zigarren zu beachten gilt

Als Sachwert sind Zigarren mit geringeren Investitionsrisiken verbunden als beispielsweise Aktien oder Fonds. Bevor sich Verbraucher allerdings an das Investment wagen, sollten sie sich Wissen zu den wesentlichsten Qualitätskriterien aneignen. Wer sich mit der Materie auskennt, kann beispielsweise schon anhand des Deckblatts die Qualität einer Zigarre einschätzen. Doch nicht nur zu den Qualitätsmerkmalen sollten sich potenzielle Investoren informieren. Noch wichtiger sind die Anforderungen an die Lagerung. Denn nur eine richtig gelagerte Zigarre ist nach einigen Jahren der Wertsteigerung noch in einem angemessenen Zustand, um mit Gewinn weiterverkauft zu werden. Wer die Genussmittel falsch lagert, riskiert Beeinträchtigungen des Aromas. Falls die jeweilige Zigarre nicht von vornherein in einem guten Humidor erstanden wurde, ist ein solcher unbedingt erforderlich. Eine trockene und dunkle Umgebung erhält beziehungsweise steigert den Wert einer Zigarre auch bei jahrelanger Lagerung. Sonnenlicht und zu viel Feuchtigkeit können die Genussmittel strukturell beschädigen. Dadurch gehen feine Geschmacksnoten verloren. Davon abgesehen beschädigt bei falschen Lagerbedingungen unter Umständen die Bauchbinde, was ebenfalls zu Wertverlusten führt.

Experten-Tipp zum Zigarren-Aging

Je kräftiger das Zigarrenroma, desto lohnenswerter kann das Aging im Sinne einer langen Lagerung sein. Werden die Genussmittel allerdings zu lange gelagert, braucht man ein angemessenes Befeuchtungssystem. Denn liegt der Feuchtigkeitsgehalt unter 50 Prozent, gelten Zigarren als vertrocknet.

Bekannte Zigarrenmarken: Welche kubanischen Zigarren Investitionen Wert sind

Der Bekanntheitsgrad des Herstellers ist nicht das einzige Kriterium für die erfolgreiche Investition in eine Zigarre. Trotzdem steigt die Wahrscheinlichkeit für eine gute Rendite mit einigen kubanischen Zigarrenherstellern an. Zu den wichtigsten zählen

  • Cohiba
  • Romeo y Julieta
  • Partagas
  • Montecristo

Weil die Seltenheit die Wertsteigerung mitunter am meisten beeinflusst, sieht man sich im Sortiment der genannten Hersteller am besten nach Limited Editions um. Denn bei jenen ist die Nachfrage höher, was die Chancen für eine hohe Rendite weiter steigert. Dabei sollten Verbraucher immer auf der Hut vor gefälschten Zigarren sein. Denn auf dem Zigarrenmarkt gibt es heutzutage viele Betrüger, die Fälschungen der genannten Marken verkaufen. Erkennen kann man solche unter anderem an Bauchbinden auf der falschen Höhe. Um vor einer Investition Sicherheit zu gewinnen, lässt man die Zigarren der Wahl am besten von einem Fachmann prüfen.

Abschluss-Tipp zu Zigarren als Wertanlage

Zeit ist ein wichtiger Punkt, wenn es um erfolgreiche Zigarrenwertanlagen geht. Ein kurzfristiges Investment mit hoher Rendite sind Zigarren nicht. Wer in die Genussmittel investiert, braucht neben etwas Zigarrenwissen vor allem Geduld. Zudem sollte man sich immer bewusst machen, dass eine Wertsteigerung niemals garantiert ist. Daher investiert man idealerweise niemals mehr in Zigarren oder andere Wertanlagen, als man wirklich verschmerzen kann. Weil es auch im Sortiment weltbekannter Zigarrenhersteller Investitionsmöglichkeiten unter 100 Euro gibt, findet sich für jedes Budget eine passende Wertanlage.

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Medienproduktion studieren, Games, Audio und Video gestalten

Neuer Studiengang an der HTWK Leipzig verbindet interaktive
Medienproduktion und Gamedesign – Bewerbung ab 1. Mai möglich

Wie werden auditive und visuelle Welten gestaltet? Wie arbeiten Content
Creators und wie produziert man eine Game-Show? Im neuen und
praxisorientierten Bachelorstudiengang Medienproduktion an der Hochschule
für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) bekommen die
Studierenden das passende Handwerkszeug, um in Ihrem späteren
Betätigungsfeld die „Storywelten“ der Zukunft zu erschaffen– für Filme,
Videospiele, Podcasts, Dokumentarisches, Sport- und Musikvideos oder
Serien. Dabei werden die Stories, also Geschichten über mehrere
Medienkanäle hinweg erzählt und von mehreren Gewerken produziert.
Immersive und interaktive Elemente beziehen das Publikum, die Community,
noch stärker ein als zuvor.
„Medienproduktion umfasst heute mehr als die klassische Audio- und
Videoproduktion“, konstatiert Medienprofessorin Gabriele Hooffacker. „3D-
Produktionen und das Gestalten immersiver Welten im virtuellen Raum sind
hinzugekommen“. An der HTWK Leipzig) hat sie gemeinsam mit einem Team die
bisherigen Bachelor-Studiengänge „Fernsehproduktion“ und „Buch- und
Medienproduktion“ neu aufgestellt und zusammengefasst:
Der neue Studiengang heißt „Medienproduktion“, englisch Media Content
Creation, und schließt mit einem Bachelor of Arts ab. Er startet erstmals
zum Wintersemester 2024/25. Ab 1. Mai kann man sich dafür an der HTWK
Leipzig bewerben.

Crossmediale Storywelten
Dabei ist „Storywelten gestalten“ durchgängiges Thema im Studiengang
Medienproduktion. „Geschichten erzählen kann man im Kurzfilm und in der
Reportage, im Computerspiel und im Bereich der Virtual Reality (VR)“, so
Hooffacker. Das Grundstudium umfasst Audio- und Videoproduktion ebenso wie
Betriebswirtschaftslehre und Marketing und als neuen Schwerpunkt das
Gamedesign hinzu. Da Medien und Medienhäuser heute crossmedial arbeiten,
stehen den Studierenden nach dem Abschluss Jobs in Produktionsfirmen,
Sendeanstalten, Verlagen und Gameentwicklungsstudios, aber auch in der
Öffentlichkeitsarbeit mit klassischen Medien sowie auf Social Media offen.
„Das spätere Betätigungsfeld ist dynamisch, spannend und zukunftsweisend.
Digitale Plattformen und generative KI verändern die Medienproduktion und
-Distribution derzeit grundlegend“, ergänzt Hooffacker.
„Unsere Fakultät Informatik und Medien ist dafür gut aufgestellt“, erklärt
der Dekan der Fakultät, Prof. Dr.-Ing. Uwe Kulisch. „Mit dem neu
konzipierten Studiengang Medienproduktion sind noch mehr Vernetzungen mit
weiteren Studiengängen unserer Fakultät wie Medientechnik und
Medieninformatik möglich. Studierende können damit sehr praxisorientiert
Team-Projekte in AV-Studios und virtuellen Welten umsetzen.“

Die HTWK Leipzig bietet weitere Medienstudiengänge sowie eine große Anzahl
ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge an. Beim Hochschulinformationstag
am 27. April kann man sich dazu vor Ort an der HTWK Leipzig umfassend
informieren.

Für Studieninteressierte ist die Bewerbung ab 1. Mai möglich.
Mehr Informationen zum Studiengang Medienproduktion / Media Content
Creation: http://www.htwk-leipzig.de/mpb
Hochschulinfotag am 27.04.2024 an der HTWK Leipzig:
https://www.htwk-leipzig.de/studieren/vor-dem-
studium/hochschulinformationstag

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PKS 2023: Die Kriminalstatistik ist nichts für Amateure und rechte Brandstifter

Am heutigen Tag wurde von Bundesinnenministerin Nancy Faser (SPD) und dem
Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch die Polizeiliche
Kriminalstatistik (PKS) für 2023 veröffentlicht. Wir haben mit Prof. Dr.
jur. André Schulz, Kriminalwissenschaftler an der Northern Business School
(NBS), zu diesem Thema gesprochen.

Am heutigen Tag wurde von Bundesinnenministerin Nancy Faser (SPD) und dem
Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA) Holger Münch die Polizeiliche
Kriminalstatistik (PKS) für 2023 veröffentlicht. Wir haben mit Prof. Dr.
jur. André Schulz, Kriminalwissenschaftler an der Northern Business School
(NBS), zu diesem Thema gesprochen.

NBS: Herr Professor Schulz, immer mehr Straftaten, immer mehr nicht-
deutsche Tatverdächtige, immer jüngere und brutalere Täter. Beunruhigen
Sie die heute veröffentlichten Zahlen zur Kriminalität in Deutschland?

Schulz: Mich beunruhigen der Russland-Ukraine-Krieg, der Nahost-Konflikt,
die bellizistische Stimmung in den Medien, mich beunruhigt, dass ein Mann
wie Donald Trump erneut Präsident in den USA werden könnte, der
Klimawandel, und der Rechtsruck in der Gesellschaft. Ich ärgere mich über
Rechtspopulismus und unseriöse Medien, die Jahr für Jahr die polizeiliche
Kriminalstatistik versuchen zu ihren Gunsten auszuschlachten und über
konservative Politikerinnen und Politiker, die aus eigenem Interesse gerne
über diese Stöckchen springen. Die Zahlen der Kriminalstatistik
beunruhigen mich hingegen weniger. Auch mir ist jede Straftat eine Tat zu
viel. Aber abgesehen davon, dass es eine soziologische Grundkenntnis ist,
dass es keine Gesellschaft ohne ein gewisses und „normales“ Maß an
Kriminalität gibt, wird die polizeiliche Kriminalstatistik in ihrer
Aussagekraft regelmäßig völlig überschätzt. Es ist ein Arbeitsnachweis der
Polizei, nicht mehr als eine Strichliste, die nichts über die Qualität der
Kriminalität aussagt. Die PKS unterliegt zahlreichen Verzerrungsfaktoren
und kann als Ausgangsstatistik weder aufzeigen, ob jemand tatsächlich
schuldhaft eine Tat begangen hat, noch ob das Verfahren später eingestellt
wurde oder die Person nachweislich unschuldig war.

NBS: Ist Deutschland denn nun unsicherer geworden?

Schulz: Das kann man nicht seriös beantworten. Die Kriminalstatistik ist
kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je
nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität. Die
Zahlen der PKS müssen immer im Kontext bewertet und von Expertinnen und
Experten interpretiert werden. Mit der PKS wird lediglich das Hellfeld
erfasst, also jene Straftaten, die entweder bei der Polizei angezeigt
wurden oder der Polizei durch eigene Ermittlungen bekannt geworden sind.
Darüber hinaus gibt es das Dunkelfeld, das sind die Straftaten, die der
Polizei nicht bekannt geworden sind. Um dieses Dunkelfeld aufzuhellen,
betreiben Kriminologinnen und Kriminologen Dunkelfeldforschung. Man kann
das Dunkelfeld bei zahlreichen Delikten aber auch durch aktivere
Polizeiarbeit aufhellen, bei den sogenannten Kontrolldelikten. Die Zahl
der Delikte hängt also stark von der Kontrollaktivität der Polizei ab. Ein
Beispiel: Wenn ein Innenminister in einem Land möchte, dass die Zahl der
Rauschgiftkriminalität signifikant steigt, weil er eventuell seinem
Ressort mehr Bedeutung verleihen möchte oder um mehr Stellen für die
Polizei zu beantragen, sorgt er dafür, dass die Polizei an entsprechenden
Orten verstärkt Drogenkonsumenten kontrolliert. So steigen nicht nur die
Fallzahlen in diesem Deliktbereich, gleichzeitig steigt auch die
Aufklärungsquote. Möchte ein Innenminister lieber als besonders
erfolgreich wahrgenommen werden, sorgt er dafür, dass die Polizei in
seinem Bundesland keine entsprechenden Kontrollen durchführt. In der Folge
sinken die Fallzahlen. Grundsätzlich muss man die statistische
Kriminalitätsentwicklung stets über einen längeren Zeitraum, mindestens
über 10 Jahre und länger, betrachten, um Aussagen über die Entwicklung
treffen zu können. Das gilt im Besonderen für die Delikte, wo wir gerade
eine Steigerung der Fallzahlen zu verzeichnen haben. Zudem darf man nicht
die absoluten Zahlen vergleichen, sondern muss die registrierten Taten pro
100.000 Einwohner, die sogenannte Häufigkeitszahl, betrachten.

NBS: Bei den Tatverdächtigen hat der Anteil der Kinder und Jugendlichen
deutlich zugenommen.

Schulz: Die Zahl der Straftaten durch Kinder und Jugendliche waren seit
Jahrzehnten rückläufig bzw. stagnierten. Aus der kriminologischen
Dunkelfeldforschung weiß man, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen,
über 90 % Prozent, in ihrer Kindheit oder Jugendzeit zumindest einmal im
strafrechtlichen Sinne auffällig werden. Allerdings kommt nur ein kleiner
Teil der Betroffenen deshalb mit der Polizei in Berührung. Ein Großteil
der Menschen gibt derartige Verhaltensweisen spätestens mit dem Übergang
in das Erwachsenenalter wieder auf und das, obwohl die Taten nicht
entdeckt oder gar sanktioniert wurden. Kriminelles Verhalten ist im
Altersverlauf normal. In der Adoleszenz verknüpfen und entwickeln sich
neue Synapsen und erst ab einem Alter von etwa 25 Jahren ist das Gehirn
vollständig entwickelt. Deshalb ist auch die Debatte um die Absenkung des
Strafmündigkeitsalters eine Phantomdiskussion. Auch die Forderung nach
härteren Strafen ist nicht zielführend. Die abschreckende Wirkung härterer
Sanktionen gilt in der Wissenschaft als widerlegt. Kindertypische
Delinquenz beläuft sich in den meisten Fällen auf sogenannte
Bagatelldelikte, wie Sachbeschädigung, Ladendiebstahl, Körperverletzung
oder Brandstiftung. Bereits im letzten Jahr wurde das Niveau von 2019
übertroffen und ist nun nochmals angestiegen. Das liegt zum einen daran,
dass es bei dieser Personengruppe einen „Nachholbedarf“ nach Corona gab,
das heißt es gibt keine Einschränkungen mehr bei den sozialen Kontakten,
was mehr Tatgelegenheiten schafft. Zum anderen zählt jedes Kleinkind auf
dem Arm der Mutter bei einem Grenzübertritt ohne Visum als tatverdächtig.
Nicht vergessen als Erklärung dürfen wir zudem, dass wirtschaftliche
Aspekte dafür eine Rolle spielen können. Es ist eine Binsenweisheit, dass
eine gute Sozialpolitik die beste Kriminalpolitik ist. Dies zeigt sich
auch durch die Zunahme der Ladendiebstähle und beim Tankbetrug, die
oftmals von Menschen in prekären Lebenslagen begangen werden.

NBS: Die Kriminalstatistik verzeichnet für das vergangene Jahr einen
deutlichen Anstieg bei den Gewaltdelikten. Auch die Fälle der
registrierten Messerangriffe ist 2023 wieder gestiegen.

Schulz: Die Aussage, dass die registrierten Messerangriffe gestiegen sind,
war eine expertisenfreie Aussage eines Polizeigewerkschafters, die einige
Medien übernommen haben. Das BKA hat erst Anfang 2020 mit der Erfassung
der Messerangriffe begonnen. Grund hierfür war hauptsächlich medialer
Druck. Kriminologisch sinnvoll oder erforderlich ist die Erfassung nicht.
Nach der Definition des BKA muss der Angriff mit einem Messer unmittelbar
gegen eine Person angedroht oder ausgeführt werden, das bloße Mitführen
reicht nicht aus. Für das Jahr 2021 konnte diese Art der Gewalt erstmals
vom BKA ausgewiesen werden. Bei der Bewertung muss man als Messerangriff
erfasste Taten der gefährlichen und schweren Körperverletzung sowie des
Raubes zusammenzählen. Dann stellt man fest, dass die Messerangriffe im
Vergleich zu 2022 sogar leicht zurückgegangen sind.
Auch wenn man den Eindruck hat, dass bei einigen die Zündschnur deutlich
kürzer geworden ist, gibt es für eine Verrohung der Gesellschaft oder eine
Zunahme der Brutalität keine empirischen Nachweise. Die Zunahme der Taten
bei der Gewaltkriminalität kann aus einer gestiegenen gesellschaftliche
Sensibilisierung und entsprechend mehr Anzeigen resultieren. Das bedeutet,
dass vielleicht nur das Hellfeld größer und das Dunkelfeld kleiner
geworden ist, während die tatsächlichen Fälle im Dunkelfeld eventuell
sogar insgesamt weniger geworden sind. Die Zunahme bei den registrierten
Gewaltdelikten erfolgte vor allem im öffentlichen Raum, und zwar in einem
erheblichen Maße in ökonomisch schwächeren Regionen, was abermals
verdeutlicht, dass sich wirtschaftliche und soziale Belastungen auch in
Kriminalität manifestieren. Des Weiteren spielt auch die hohe
Zuwanderungsrate eine Rolle. Viele Schutzsuchende weisen mehrere
Risikofaktoren auf, die Gewaltkriminalität wahrscheinlicher machen. Dazu
gehören die Lebenssituation in Erstaufnahmeeinrichtungen sowie
wirtschaftliche Unsicherheit und eigene Gewalterfahrungen.

NBS: Die nicht-deutschen Tatverdächtigen sind laut PKS 2023 um 17,8
Prozent gestiegen.

Schulz: Hier müssen zuerst einmal bestimmte Straftaten wie die unerlaubte
Einreise oder Verstöße gegen das Aufenthalts- und das Asylverfahrensgesetz
herausgerechnet werden, da diese nur von Ausländern begangen werden
können. Damit beträgt der Anstieg dann zwar immer noch 13,5 Prozent. Wie
aber bereits angesprochen, unterliegt die PKS zahlreichen
Verzerrungsfaktoren, so zum Beispiel beim Anzeigeverhalten. Man kann
empirisch belegen, dass Menschen, die „ausländisch“ aussehen, öfter
angezeigt werden als Menschen, die eher „deutsch“ aussehen. Wir hatten
aber – und das ist der Hauptgrund, eine hohe Zahl von Zuwanderern,
hauptsächlich durch die Kriege in Syrien und der Ukraine. Setzt man die
Zahl der ausländischen Tatverdächtigen dann ins Verhältnis zu der durch
Einwanderung deutlich gestiegenen Anzahl nichtdeutscher Personen in der
Gesamtbevölkerung, fällt der Anstieg bei ausländischen Tatverdächtigen
ähnlich, teilweise sogar geringer aus als bei deutschen Tatverdächtigen.
Grundsätzlich hat Herkunft, Ethnie oder Religion nichts damit zu tun, ob
ein Mensch kriminell wird oder nicht. Insgesamt ist die getrennte
Erfassung von deutschen und nicht-deutschen Tatverdächtigen sinnlos und
unheilvoll, sie bedient nur Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.

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