Mit integriertem Navigationssystem Rhythmusstörungen finden: Deutschlandpremiere am HDZ NRW
Von der häufigsten Form der Herzrhythmusstörung, dem Vorhofflimmern, sind
knapp
4 Mio. Menschen betroffen. Dank High-Tech-Medizin können die Rhythmologen
um Professor Dr. Philipp Sommer am HDZ NRW in Bad Oeynhausen der
Erkrankung künftig noch sicherer und schneller als bisher begegnen.
Die erfolgreiche Deutschlandpremiere des ersten Pulsfeldablations-Systems
mit vollständig integriertem Echtzeit 3D-Mapping fand am 2. April 2024 im
Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen statt. Das
System ist eine neue Kombination zweier bewährter Methoden: Die
Pulsfeldenergie erzeugt ein elektromagnetisches Feld im Herzgewebe – und
gleichzeitig können jetzt die Läsionen präzise in der gewohnten „Landkarte
des Herzens“ angezeigt werden. Klinikdirektor Prof. Philipp Sommer und
sein Team setzen diese Medizintechnik der neusten Generation ab sofort im
Herzkatheterlabor ein und können schwere Herzrhythmusstörungen noch
schneller und schonender behandeln.
Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen und wird von
Störimpulsen im Herzgewebe ausgelöst. Wenn bei Patienten trotz
Medikamenten noch erhebliche Beschwerden auftreten, ist eine
Katheterablation derzeit das bewährte Standardverfahren. Hierbei wird ein
dünner, flexibler Katheter meist von der Leiste des Patienten ins
Herzinnere geführt.
Mit „Feuer, Eis oder Strom“ gegen Vorhofflimmern
Es gibt verschiedene Katheterverfahren, um die Störungen mit der Spitze
des Katheters zu beheben. Traditionelle Verfahren benutzen Kälte
(Kryoablation) oder Wärme (Radiofrequenzablation), aber seit ein paar
Jahren steht den Rhythmologen auch die Pulsfeldablation (auch:
„Elektroporation“) zur Verfügung, die mit elektrischen Impulsen sehr
gezielt gegen die Störungen vorgeht. „Durch das gezielte Einbringen
mikroskopisch kleiner Poren in die Zellmembran können wir rhythmusstörende
Impulse ultraschnell eliminieren“, erläutert Professor Sommer diesen
Prozess der Pulsfeldablation. „Diese Methode ist besonders sicher, da nur
sehr geringe Risiken bestehen, umliegendes Gewebe zu schädigen oder
Verletzungen zu verursachen.
Navigationssystem zur Störungsquelle
Ein hochmodernes kardiales Mappingsystem erstellt mithilfe von speziellen
Sensoren eine dreidimensionale detaillierte Karte („Map“) der Herzkammern.
Dadurch können die Herzrhythmusstörungen effizient identifiziert werden.
Bei umfassenden Rhythmusstörungen müssen sich die Spezialisten während der
Untersuchung genauer auf den Weg machen, die Störungsquellen zu
identifizieren. Das komplexe Mapping-Verfahren dient dem Untersucher wie
ein Navigationssystem und weist den Weg.
Sicherheit kombiniert mit gewohnter Genauigkeit
Die Besonderheit des neuen Pulsfeldablations-Systems besteht darin, dass
das bereits bestehende computergestützte dreidimensionale Mappingsystem
integriert ist. Bisher gab es dies nur in Kombination mit
Radiofrequenzablationen.
Auf diese Weise können die Herzspezialisten mit ihrem gewohnten
Mappingsystem, welches schon seit über 15 Jahren im HDZ NRW eingesetzt
wird, sehr präzise die elektrischen Signale identifizieren, die die
Herzrhythmusstörungen auslösen. Von den damit verbundenen effizienteren
Arbeitsabläufen profitieren die Patienten, weil sich mit so integrierter
Technik die Bildgebungszeiten verringern, mögliche Risiken vermieden und
die Aufenthalte im Herzkatheterlabor verkürzen lassen. Eine
wissenschaftliche Studie mit 186 Patienten in Kanada und Europa belegt
eine hohe Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Therapieform (VARIPULSETM),
die jetzt erstmals in Europa zugelassen und in Bad Oeynhausen im Einsatz
ist.
„Ob die Pulsfeldablation das jeweils am besten geeignete Verfahren zur
Behandlung des Vorhofflimmerns ist, das wägen wir im Einzelfall stets nach
sehr sorgfältiger Beurteilung ab“, betonen Prof. Sommer und sein
stellvertretender Klinikdirektor Prof. Christian Sohns. Es wird zukünftig
all den Patienten angeboten, bei denen die Kombination aus Art des
Vorhofflimmerns (anfallsartig oder anhaltend), klinischer Kenngrößen
(Vorhofgröße, Begleiterkrankungen) sowie anatomischer Voraussetzungen
diese Methode als ideal erscheinen lässt. „Beim Vorhofflimmern müssen wir
allerdings davon ausgehen, dass die Erkrankungszahlen auch in Zukunft
weiter steigen werden. Wir sind daher auf ebenso sichere wie effiziente
Behandlungslösungen angewiesen und dankbar, diese innovative Lösung als
erstes Herzzentrum in Deutschland anbieten zu können.“
Hintergrundinformation:
Herzkatheter-Ablationen sind minimalinvasive Spezialeingriffe am
Herzmuskelgewebe, mit denen elektrische Erregungsherde verödet werden
können. In der Regel wird der Katheter über einen kleinen Schnitt in der
Leiste zum Herzen geführt. Je nach Erkrankungsbild kann die Verödung
mittels Strom, Wärme oder Kälte erfolgen. Die Therapie ist angebracht,
wenn sich Rhythmusstörungen mit Medikamenten nicht mehr kontrollieren
lassen.
Die innovative Medizintechnik, die zur Pulsfeldablation bei bestimmten
Formen des Vorhofflimmerns seit April 2024 in Bad Oeynhausen zur Verfügung
steht, ist das erste und einzige in ein Echtzeit-3D-Mapping-System
integrierte Pulsfeld-Ablationssystem, das mit hoher Sicherheit für den
Patienten einen intuitiven und reproduzierbaren Arbeitsablauf im
Herzkatheterlabor ermöglicht. Der Hersteller Biosense Webster, Inc., ist
als Teil des Medizintechnikunternehmens Johnson & Johnson MedTech der
weltweite Marktführer in Wissenschaften und Technologien für die Diagnose
und Behandlung von Herzrhythmusstörungen
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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 36.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.500 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa.
Die Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologi
spezialisiert auf die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit einem
Leistungsspektrum von rd. 1.800 Ablationen jährlich. In der Klinik werden
elektrophysiologische Untersuchungen mittels modernster, strahlungsarmer
Technologie zur Behandlung von Rhythmusstörungen durchgeführt.
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