Neues Leibniz-Lab zu „Umbrüchen und Transformationen“ bewilligt
Das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam erhält
im Rahmen der von der Leibniz-Gemeinschaft ausgeschriebenen Leibniz-Labs
eine Förderung für die Einrichtung eines ambitionierten, neuartigen
Wissenstransfer-Projekts. Das Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“
wird die Forschungen von 28 Leibniz-Einrichtungen zusammenführen,
diskutieren und vermitteln. Es zielt darauf ab, aus früheren Krisen und
Umbrüchen für Gegenwart und Zukunft zu lernen. Besonders die dynamischen
Veränderungen nach 1990 werden mit denen der Gegenwart verbunden. Der
Wandel der Wirtschaft, der Umwelt oder auch politischer Kulturen steht im
Vordergrund.
Das Lab wird das umfangreiche Wissen der beteiligten Institute bündeln, um
den Umgang mit gesellschaftlichen Umbrüchen zu analysieren. Daraus sollen
innovative Transferformate für die Politik, Öffentlichkeit und
Gesellschaft entstehen, etwa durch interaktive Ausstellungen und Beiträge
auf YouTube und TikTok. Zudem ist eine dialogorientierte Kommunikation mit
unterschiedlichen Zielgruppen geplant. Die Bürger*innen werden in den
Forschungs- und Vermittlungsprozess eingebunden.
Das ZZF Potsdam übernimmt im neuen Leibniz-Lab gemeinsam mit dem Leibniz-
Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig eine Führungsrolle. So werden am
ZZF vier neue Stellen zur Synthese des Wissens, zur Kuration von
Ausstellungen sowie für Citizen Science-Projekte eingerichtet. Das Lab
wird mit insgesamt 3 Mio. € in einer Laufzeit von drei Jahren gefördert.
Die insgesamt 28 beteiligten Leibniz-Einrichtungen können hiermit neue
Transferprojekte durchführen.
„Die Analyse früherer Umbrüche, wie nach 1990, erklärt auch heutige
Probleme und hilft, Entscheidungen unter Zeitdruck zu bewerten“ sagt Frank
Bösch, Direktor des ZZF und einer der beiden Sprecher des Labs. „Viele
heutige Herausforderungen, wie die Globalisierung, der Rechtspopulismus
oder der Klimawandel, sind mit der damaligen Transformation verbunden“,
betont der Potsdamer Geschichtsprofessor.
Das Lab untersucht den Umgang mit plötzlichen grundlegenden Umbrüchen, die
die Lebenswelt fundamental verändern und grundlegende
Richtungsentscheidungen zur Gestaltung der Zukunft erzwingen. Drei eng
miteinander verbundene Schwerpunkte bilden dabei:
1. der rasante gesellschaftliche Umbau nach dem Ende des Kalten Krieges
seit 1989, insbesondere in den postsozialistischen Gesellschaften;
2. die gesellschaftlichen Herausforderungen im Zuge der Globalisierung,
wie damit verbundene Umbrüche im Bereich der Ökonomie,
Kommunikation/Digitalisierung, Migration, Bildung und Politik;
3. gegenwärtige Herausforderungen durch Klimawandel und Ressourcenschutz,
die mit Vorstellungen einer gesamtgesellschaftlichen („sozial-
ökologischen“) Transformation zur Nachhaltigkeit verhandelt werden.
Dabei binden die Labs Stakeholder aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft
ein. Ziel ist die Entwicklung innovativer und experimenteller Foren und
Formate für den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Neben
dem Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen“ hat die Leibniz-
Gemeinschaft am gestrigen Tag auch Labs zu „Pandemic Preparedness“ und
„Systemische Nachhaltigkeit“ bewilligt.
Die Labs werden am 16. Mai 2024 im Rahmen des Frühlings-Empfang der
Leibniz-Gemeinschaft vorgestellt.
- Aufrufe: 44