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Geburtenrate fällt auf den tiefsten Stand seit 2009

Innerhalb der vergangenen beiden Jahre ist die Geburtenrate in Deutschland
deutlich zurückgegangen. Sie fiel von 1,57 Kindern pro Frau in 2021 auf
rund 1,36 im Herbst 2023. Damit ist das Fertilitätsniveau so niedrig wie
seit über zehn Jahren nicht mehr. Diese Zahlen basieren auf einer
Veröffentlichung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und
der Universität Stockholm in der internationalen Fachzeitschrift „European
Journal of Population“. Der Beitrag bezieht sich auf Berechnungen der
monatlichen Geburtenzahlen und stellt die Entwicklungen in Deutschland und
Schweden gegenüber.

Nachdem in Deutschland die Geburtenrate während der ersten Zeit der
Coronapandemie stabil geblieben war, sank sie im weiteren Verlauf der
Pandemie ab Januar 2022 auf 1,4 und erholte sich im Sommer 2022 wieder auf
1,5 Kinder pro Frau. Im Jahr 2023 fiel die Geburtenrate erneut weiter ab
und betrug nach vorläufigen Berechnungen im Durchschnitt der Monate Januar
bis November 1,36. Der beobachtete starke Rückgang der Fertilität
innerhalb von zwei Jahren ist deshalb ungewöhnlich, da sich Phasen
sinkender Geburtenraten in der Vergangenheit eher langsamer vollzogen
haben.

Multiple Krisen als mögliche Ursache

Die Autoren der Studie führen das rapide Absinken der Geburtenrate auf
verschiedene mögliche Ursachen zurück: Sie sehen den abrupten Einbruch im
Januar 2022 zunächst als Reaktion auf die beginnende Impfkampagne gegen
das Coronavirus neun Monate zuvor. Demnach könnte es sein, dass viele
Frauen angesichts der damals für Schwangere nicht zugelassenen Impfstoffe
den Kinderwunsch aufgeschoben haben, um sich erst impfen zu lassen. Den
verstärkten Geburtenrückgang ab Herbst 2022 führen die Forscher dann auf
weitere andere Krisen zurück, die sich in der Endphase der Pandemie
entwickelt haben und die sich negativ auf den Kinderwunsch ausgewirkt
haben könnten. „Der Krieg in der Ukraine, die gestiegene Inflation oder
auch der fortschreitende Klimawandel haben die Menschen zusätzlich zur
Pandemie verunsichert. In einer solchen Zeit multipler Krisen setzen viele
ihren Kinderwunsch nicht um“, vermutet Prof. Dr. Martin Bujard vom BiB,
Mitverfasser der Studie. Inwiefern die neuen Zahlen einen generellen Trend
zu sinkenden Geburtenzahlen in Deutschland einleiten oder nur einen
temporären Effekt abbilden, ist derzeit noch nicht absehbar. Dauerhaft
niedrige Geburtenraten tragen zu einer alternden Gesellschaft bei. Im
Zusammenspiel mit zahlreichen anderen Faktoren ergeben sich daraus
Herausforderungen unter anderem durch den Rückgang potenzieller Fachkräfte
auf dem Arbeitsmarkt und für die Sozialsysteme.

Langfristige Betrachtung zeigt Rückgang der Fertilität nach einem
zwischenzeitlichen Hoch

Die Geburtenrate in der Bundesrepublik pendelte nach 1975 für vier
Jahrzehnte im Bereich zwischen 1,2 bis 1,4 Kindern pro Frau und gehörte
lange Zeit zu den niedrigsten in Europa. Von 2015 bis 2021 lag sie dann
deutlich höher mit Werten von 1,5 bis 1,6. Dieser Anstieg wird mit
familienpolitischen Reformen wie dem Elterngeld und dem Ausbau der
Kindertagesbetreuung in Verbindung gebracht. Auch die gestiegene Anzahl
von Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland spielt eine Rolle,
die, sofern sie noch nicht lange in Deutschland leben, im Mittel mehr
Kinder bekommen. „Während die Geburtenrate in Deutschland in den 2010er
Jahren anstieg, haben einige europäische Länder einen Rückgang der
Geburtenraten erlebt. Seit 2015 lag die Geburtenrate in Deutschland im
europäischen Mittelfeld“, so Bujard.

Sinkende Geburtenraten auch in Schweden und anderen europäischen Ländern

Dass der starke Rückgang der Fertilität seit 2022 kein rein deutsches
Phänomen darstellt, zeigt der Blick nach Skandinavien: In Schweden ist die
Geburtenrate in den vergangenen beiden Jahren ebenfalls deutlich
zurückgegangen. Hier fiel sie von rund 1,67 in 2021 auf nunmehr 1,45
Kindern pro Frau in 2023 ab – und damit auf den niedrigsten Wert seit
Beginn der statistischen Erhebung. Obwohl die politischen
Rahmenbedingungen in dem skandinavischen Land als besonders
familienfreundlich gelten, ist die Geburtenrate hier bereits seit 2011 im
Rückgang begriffen. Damals hatten Frauen durchschnittlich knapp zwei
Kinder bekommen. Mit der aktuellen Entwicklung hat sich in Schweden der
langfristige Rückgang der Fertilität nochmals beschleunigt.

Auch in anderen europäischen Ländern macht sich der Geburtenrückgang
bemerkbar: Im EU-Durchschnitt lag die Geburtenrate im Jahr 2022 nach
Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat bei 1,46 – und ist
damit identisch mit dem deutschen Wert. „Wir sehen nicht nur in
Deutschland, sondern in vielen europäischen Ländern sowohl eine große
Verunsicherung durch die zahlreichen internationalen Krisen als auch einen
Geburtenrückgang“, meint der BiB-Wissenschaftler Bujard. In den wenigen
Ländern, in denen die statistischen Ämter bereits Daten für das Jahr 2023
berechnet haben, sind die Werte weiter gesunken. Die Forschenden gehen
davon aus, dass sich das Muster des fallenden Fertilitätsniveaus auch in
weiteren europäischen Ländern zeigen wird.

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Lungenmediziner fordern Aromen-Verbot für E-Zigaretten: Neue Studiendaten zeigen deutliches Schadenspotenzial auf

Neue Daten legen nahe: Aromastoffe in E-Zigaretten müssen schnellstmöglich
verboten werden! Das fordert jetzt die Deutsche Gesellschaft für
Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Grundlage dafür sind aktuelle
Erkenntnisse des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel,
kurz IFT-Nord. Neueste wissenschaftliche Daten zeigen, dass Aromen den
Raucheinstieg erleichtern, das Suchtpotenzial erhöhen oder durch tieferes
Inhalieren die Aufnahme toxischer Substanzen deutlich steigern. „Diese
Aromen haben ein erhebliches Schadenspotenzial und müssen schnellstmöglich
vom Markt genommen werden“, sagt Professor Wolfram Windisch, Präsident der
DGP.

Die Fachgesellschaft stellt heute ein Positionspapier vor, das vor allem
mit Blick auf Jugendliche von der Politik eine strengere Regulierung des
Verkaufs von E-Zigaretten fordert.

Im Kindes- und Jugendalter ist die E-Zigarette mittlerweile das am
häufigsten konsumierte nikotinhaltige Produkt, noch vor der Tabakzigarette
und der Wasserpfeife. „Wir wissen, dass E-Zigaretten-Konsumenten ein
dreimal höheres Risiko haben, später Tabakzigaretten zu rauchen. Wir
ziehen uns also mit der E-Zigarette bei Jugendlichen und jungen Menschen
eine neue Generation Nikotin-Abhängiger heran“, sagt Dr. Alexander Rupp
von der DGP-Arbeitsgruppe Tabakprävention und -entwöhnung. Er ist
federführender Autor des Positionspapiers und meint: „Neben einem Aromen-
Verbot und der Verkaufsregulierung muss auch das Abgabe- und Konsumverbot
für unter 18-Jährige im Sinne des Jugendschutzes besser kontrolliert
werden.“

Blick auf die Zahlen: E-Zigaretten-Nutzung unter Jugendlichen verfünffacht

Was wir wissen: Unter den 14- bis 17-Jährigen hat sich vom Jahr 2021 auf
2022 die Nutzung von E-Zigaretten verfünffacht. Mehr als jeder Dritte –
genauer gesagt 37,5 Prozent – dieser Altersgruppe hatte 2023 schon einmal
E-Zigaretten konsumiert. Die Zahl der erwachsenen E-Zigaretten-Nutzenden
in Deutschland lag zuletzt geschätzt bei mehr als zwei Millionen.
Gleichzeitig erkranken in Deutschland jährlich rund 50.000 Menschen an
Lungenkrebs. Eine der Hauptursache: Rauchen. „Bei der Bewertung von
E-Zigaretten auf die Gesundheit spielten Aromen bisher eine untergeordnete
Rolle. Die Ergebnisse unserer Analyse von mehreren Hundert
wissenschaftlichen Arbeiten zeigen allerdings, dass Aromen sehr wohl eine
wichtige Rolle spielen“, erklärt Professor Reiner Hanewinkel, Leiter des
IFT-Nord. „Aromen vermindern den Hustenreiz. Sie erleichtern daher den
Einstieg ins Rauchen und haben darüber hinaus eine konsumfördernde
Wirkung, gerade für Jugendliche. Aromen ermöglichen ebenfalls ein tieferes
Inhalieren, das die Aufnahme von toxischen Substanzen erhöht. Schließlich
steigern Aromen auch das Suchtpotenzial, weil das Nikotin besser
aufgenommen werden kann“, so Hanewinkel.

Blackbox Aroma-Substanzen: Es fehlen toxikologische Untersuchungen

Was die Datenanalyse auch zeigt: Experimentelle Untersuchungen beim E
-Zigaretten-Konsum weisen auf Entzündungsreaktionen in der Lunge und im
Herz-Kreislauf-System hin. „Gleichzeitig wurden bisher nur für sehr wenige
der zahlreichen unter 16.000 Geschmacksbezeichnungen verwendeten
Aromastoffe toxikologische Untersuchungen durchgeführt. Das heißt, wir
haben eine enorme Blackbox von Substanzen in den E-Zigaretten, von denen
wir noch gar nicht wissen, wie sie auf die Atemwege wirken und wie sie
auch untereinander agieren“, gibt Leitlinienautor Alexander Rupp zu
bedenken. Erschwerend komme hinzu, dass unterstützt durch die öffentliche
Werbung die Aromen als attraktiv und unbedenklich wahrgenommen werden –
insbesondere von jüngeren Menschen.

Dringender Appell an die Politik: Aromen verbieten, Entwöhnungsprogramme
fördern

Deswegen sieht die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin jetzt dringenden Handlungsbedarf auch im Umgang mit
Aromen in E-Zigaretten. „Die Politik muss sich noch stärker damit
auseinandersetzen, dass Rauchen und Dampfen hochgradig
gesundheitsschädlich ist – eben auch der Gebrauch von E-Zigaretten, was
durch die verlockenden Aromen verharmlost wird. Wir müssen alles dafür
tun, um die Verbreitung und die Bewerbung zu reduzieren. Und wir müssen
ausreichend aufklären, damit Betroffene auch wieder vom Rauchen
wegkommen“, fordert DGP-Präsident Wolfram Windisch, Chefarzt der
Lungenklinik an den Kliniken der Stadt Köln. „In puncto Tabakentwöhnung
gehören wir in Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa. Das muss sich
dringend ändern.“ 70 Prozent aller Rauchenden haben den Wunsch aufzuhören.
Die meisten schaffen es nicht, weil passende Unterstützungsangebote zur
Rauchentwöhnung fehlen – aus Kostengründen. Passende Vorschläge zur
Finanzierung solcher Programme hat die DGP der Gesundheitspolitik bereits
gemacht: „Damit könnten wir etwa zusätzliche 40 Prozent unserer
Patientinnen und Patienten vom Tabak entwöhnten“, sagt Windisch.

Über den Link geht es zum Positionspapier „Medizinische Fachgesellschaften
fordern ein Verbot von Aromen in E-Zigaretten“, das von neun weiteren
Fachgesellschaften und Institutionen mitgetragen wird.

Hinweise für Journalistinnen und Journalisten:

Die Studie „Gesundheitsschädliche Wirkungen von Aromen in E-Zigaretten“
des IFT-Nord schicken wir auf Anfrage gerne zu Recherchezwecken kostenfrei
zu. Über den Link ist die Arbeit zudem kostenpflichtig online abrufbar.

Terminhinweis – Möglichkeit für Experten-Gespräche:
Freitag, 22. März, 10.30 bis 11.15 Uhr, Bühne in der DGP-Lounge,
Mozartsaal
Pneumologie-Kongress, Congress Center Rosengarten in Mannheim
Verbot von Aromen in E-Zigaretten: Präsentation neuester Daten zu
gesundheitsschädlichen Wirkungen von Aromen in E-Zigaretten – Forderungen
der DGP – Veröffentlichung neues Positionspapier
Experten: DGP-Präsident Professor Wolfram Windisch, Studienautor Professor
Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und
Gesundheitsforschung, sowie der federführende Positionspapier-Autor Dr.
Alexander Rupp

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Hochschule Hannover zeigt Fotoausstellung in der Landesvertretung Niedersachsen, Berlin

How Are You Hannover?“ ist ein kollaboratives Fotografieprojekt von
Studierenden des Studiengangs Visual Journalism and Documentary
Photography an der Hochschule Hannover und jungen Menschen aus Hannover.
Nun ist es in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin zu sehen.

„How Are You Hannover?“ ist ein kollaboratives Fotografieprojekt von
Studierenden des Studiengangs Visual Journalism and Documentary
Photography an der Hochschule Hannover und jungen Menschen aus Hannover.
In diesem Projekt erarbeiten Studierende gemeinsam mit jungen Menschen
fotografische Formate, um eine persönliche Ausdrucksform zu finden und
sichtbar zu machen, was die jungen Menschen wirklich bewegt. Hierbei
beschäftigen sie sich unter anderem mit den Fragen, welcher Mittel und
Praktiken es Bedarf, um Sichtbarkeit zu generieren und welche Rolle die
Fotograf*innen einnehmen? Für die Studierenden geht es dabei nicht zuletzt
um einen Perspektivwechsel bei der Umsetzung der eigenen fotografischen
Arbeit. Für die jungen Menschen aus Hannover bietet das Projekt die
Möglichkeit, eine Ausdrucksform zu finden und die eigene Sicht auf die
Welt präsent zu machen.

Mit welchem Aspekt von How are you sich die einzelnen Fotograf*innen und
ihre Protagonist*innen auseinandersetzen, sind sehr unterschiedlich. Greta
Martensen porträtiert Menschen mit unsichtbaren Erkrankungen, u.a.
Endometriose. Markus Heft und Tim Kirchhof nähern sich in ihrer
gemeinsamen Arbeit dem Thema Queerness an und inszenieren ihre
Protagonist*innen in von ihnen selbst gewählten Outfits, Posen und
Settings. Deliah El-Chehade geht in ihrer Arbeit der Frage nach, wofür
ihre Protagonist*innen dankbar sind. Pha Croissant erkundet gemeinsam mit
ihren Protagonist*innen, was sie empowered. Hannah Aders beschäftigt sich
mit der Frage, wie es ihren Protagonist*innen nach einem Umzug in ein
neues Land geht. Marius Zweifel stattet für seine Arbeit junge Menschen
mit Einwegkameras aus und gemeinsam erarbeiten sie, was ihnen in ihrem
Leben wichtig ist. Salome Ziermann fotografiert einzelne Körperstellen,
mit denen sich ihre Protagonist*innen besonders gut oder schlecht fühlen,
oder denen sie neutral gegenüber eingestellt sind.

Ausstellung in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin
Die Ergebnisse des kollaborativen Projekts werden in einer interaktiven
Ausstellung im Rahmen von inspektionen // Das neue Wir in der
Landesvertretung Niedersachen in Berlin präsentiert.

Finissage: Freitag, 04.April 2024, um 19 Uhr (Anmeldung über die Website
der Landesvertretung erforderlich)

Gäst*innen: Tobias Rohrberg (Landesvertretung Niedersachsen), Prof.in Dr.
Karen Fromm
(Hochschule Hannover), Miriam Zlobinski (Kuratorin f3 – freiraum für
fotografie, Berlin),
Ragna Arndt-Marić (Fotografin + Initiatorin des Projekts), sowie
ausstellende Fotograf*innen.

Ausstellungszeitraum: 18. März 2024 - 05. April 2024, Mo - Fr. 10-18 Uhr

Ort: Landesvertretung Niedersachsen, In den Ministergärten 10, 10117
Berlin
Der Eintritt ist frei.

Das Projekt wird von der Fotografin und Lehrbeauftragten an der Hochschule
Hannover Ragna Arndt-Marić betreut, die 2022 in Hamburg ein ähnliches
Projekt mit realisiert hat. Tobias Eineder, Fotograf, Projektmanager und
Lehrbeauftragter an der Hochschule Hannover, koordiniert gemeinsam mit
Arndt-Marić die Umsetzung der Projekte als Ausstellung.

Ausstellende Fotograf*innen in alphabetischer Reihenfolge:
● Hannah Aders – Sense of Belonging
● Pha Croissant – Was ermächtigt mich?
● Deliah El-Chedade – Wofür bist du dankbar?
● Markus Heft und Tim Kirchhof – Wir sind hier. Wir sind queer.
● Greta Martensen – Du siehst nicht krank aus
● Salome Ziermann – how are you who you are
● Marius Zweifel – HAY Hannover

Hannah Aders – Sense of Belonging
Jugend ist fragil. Jugend ist aggressiv. Jugend ist schwebend. Sanft &
verwirrend. Stell dir
vor, du musst deinen Heimatort in diesem Alter verlassen. In ein anderes
Land. Mit einer
anderen Sprache. Alles ist anders. Wie hast du dich gefühlt? Wie fühle ich
mich? Jetzt?
Damals? Untersucht werden die Schritte junger Menschen durch unsere
Gesellschaft. Diese Ausstellung ist eine Reise durch verschiedene
Geschichten, Herausforderungen und Erfahrungen. Was bedeutet Heimat, wenn
du für immer in zwei Welten lebst? Wie hat diese Erfahrung deine Identität
beeinflusst, wenn du aus all dem herausgerissen wurdest, was du mit dir
verbunden hast? In einer Zeit, in der Rassismus, Diskriminierung und ein
Mangel an Zusammengehörigkeit grassiert, versuchen diese Geschichten ein
Geschenk zu sein, das du annehmen kannst. Eine Einladung, zuzuhören. Den
Bildern zuzuhören. Den Stimmen zuzuhören.

Pha Croissant – Was ermächtigt mich?
Was lässt mich, mich ermächtigt fühlen? Eine Frage, die uns im Alltag
selten so direkt begegnet, jedoch eine große persönliche Bedeutung haben
kann. Es entstand ein kooperatives Projekt, welches verschiedenen Menschen
die Möglichkeit bieten soll, ihrem eigenen Ermächtigungsansatz Raum zu
geben und fotografisch auszudrücken. Die Porträts wurden individuell mit
den Protagonist*innen konzipiert, um eine Antwort auf die Frage „Was
ermächtigt mich“ zu finden. Porträtiert wurden Menschen in und aus der
Umgebung Hannovers. Bei der fotografischen Umsetzung wurde besonders auf
die Lichtsetzung geachtet. In jedem der Porträts wurde das Licht, als
weiteres Sinnbild der Ermächtigung, auf eine besondere Weise eingesetzt.
Die Texte sind handgeschriebene Texte der fotografierten Person. Die
eigene Handschrift ist ein weiteres Mittel, um den Protagonist*innen die
Möglichkeit zu geben, sich in dem Fotoprojekt wiederzufinden. Zudem ist
Handschrift ein sehr individuelles Markenzeichen und gibt dem Projekt noch
eine weitere Ebene und soll auch einen Selfmade-Charakter repräsentieren,
der aber auch bewusst im Kontrast zu den inszenierten Porträts steht.

Deliah El-Chedade – Wofür bist du dankbar?
Stau, schlechtes Wetter und schon wieder den Anschlusszug verpasst? Es
gibt unzählige
Gründe, um heute mal wieder zu meckern. Und das tun wir auch. Aber was ist
eigentlich mit den ganzen positiven Dingen um uns herum - nehmen sie den
gleichen Raum in unserem Alltag ein wie die negativen? Fünf Minuten habe
ich meinen Protagonistinnen gegeben, um über genau diese positiven Dinge
nachzudenken und sie aufzuschreiben. Wofür bin ich dankbar? Ihre Listen
haben sie anschließend durch eigene Fotos visualisiert. Zuletzt habe ich
sie an einem Ort porträtiert, für den sie besonders dankbar sind. In
Audio-Form werden die Fragen „Wieso hast du ausgerechnet diesen Ort für
das Porträt gewählt?“ und „Wie war es für dich, die Dankbarkeitsliste zu
schreiben?“ beantwortet.

Markus Heft und Tim Kirchhof – Wir sind hier. Wir sind queer.
Wie geht es den anderen Queers? - Mit der Frage begann das Sammeln von
Geschichten der beiden Fotografen Markus Heft und Tim Kirchhof. Gemeinsam
mit zwölf jungen queeren Menschen entstand eine Ausstellung, die ganz
persönlich beantwortet: “Wie geht es mir als queere Person?”. Die
Ausstellung handelt von dem Kampf um die eigene Identität, darum einen
Raum für sich zu finden, um die Frage wie, wo und wann kann ich sicher
sein? Sie erzählt von erlebten Verletzungen. Sie feiert aber auch das
Queer sein, die Freiheit sich auszudrücken und gibt Raum um das Gefundene
auszuleben und zu präsentieren. Die Konzepte hinter den gezeigten Bildern
wurden jeweils gemeinsam auf Grundlage der Erzählungen der
Protagonist*innen entworfen und so entwickelte sich Bild für Bild eine
Sammlung an Geschichten. “Wir als Fotografen sind dankbar für die
Offenheit und das Vertrauen, dass uns von allen Beteiligten
entgegengebracht wurde", so Tim und
Markus.

Greta Martensen – Du siehst nicht krank aus
Die Vorurteile und Missverständnisse, denen Menschen mit unsichtbaren
Krankheiten
gegenüberstehen, sind allgegenwärtig. Kommunizieren sie ihre Krankheit
offen mit ihren
Mitmenschen werden sie oftmals mit Skepsis konfrontiert, da ihre Leiden
nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Ich möchte mit meinem Projekt
diesen Menschen eine Plattform bieten. Ob Endometriosepatientinnen oder
Menschen, die an Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen und
chronischen Krankheiten leiden. Jedes Bild erzählt eine Geschichte, fängt
den Kampf, die Stärke und die Entschlossenheit dieser Menschen ein. Ich
habe gemeinsam mit meinen Protagonist*innen Fotos kreiert, mit denen sie
sich und ihre Krankheit identifizieren können und sich gesehen und
verstanden fühlen. Indem ich Menschen mit unsichtbaren Krankheiten
fotografiere, möchte ich ihre Geschichten erzählen und die
Vielschichtigkeit ihrer Erfahrungen hervorheben. Es geht darum, Empathie
zu wecken, Verständnis zu fördern und Vorurteile abzubauen.

Salome Ziermann – How are you - Who you are
Wenn du an dich und deinen Körper denkst, welche Gedanken kommen dir? Sind
diese wohlwollend, liebevoll und bestärkend? Oder sind sie negativ,
herabwürdigend oder
gar verletzend? Betrachtest du deinen Körper als Ganzes und lässt allen
Teilen die gleiche Aufmerksamkeit zukommen, oder gibt es Regionen, die du
gerne übersiehst oder sogar hoffst, sie wären kein Teil von dir oder
würden mindestens ganz anders aussehen? Diese Fragen stellen sich viele
Menschen täglich, so auch meine Protagonist*innen. Gemeinsam erarbeiten
wir Bilder, die nicht nur das Körperteil in den Fokus nehmen, sondern die
Person im Ganzen beschäftigen. Begleitend zu den Fotografien halten die
Protagonist*innen ihre Gedanken in Textform fest.

Marius Zweifel – HAY Hannover
Häufig wird in der Gesellschaft und Politik über Jugendliche gesprochen
und nicht direkt mit ihnen. Häufig wird so getan, als wisse man, wie es
jungen Erwachsenen geht und man wisse, was sie brauchen und wollen. In
diesem Fotoprojekt soll dieses Gefühl betrachtet und analysiert zu werden
ein Stück weit umgekehrt werden. Die Jugendlichen haben selber
fotografiert. Mit einer analogen Einwegkamera wurde alles aus ihrem Leben,
das sie fotografierenswert fanden, eingefangen. Diese Bilder sind hier
aber vorerst durch einen Vorhang vor direkten Blicken der Besucher*innen
geschützt. Will der/die Betrachter*in die Fotografien sehen, so muss aktiv
der Vorhang zur Seite geschoben werden. Währenddessen wird man von den
jugendlichen Protagonist*innen «beobachtet», die durch einen Bildschirm
scheinbar in den Ausstellungsraum schauen. Mit einem intensiven Blick in
die Kamera und durch die Bewegungen im Bild (da es eine Videoaufnahme
ist,) soll der Betrachter das Gefühl bekommen, hier selber betrachtet zu
werden. Die Protagonist*innen schauen zurück, während man sie anschaut.

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Neue Leitlinie für mehr Klimaschutz im Gesundheitswesen: Lungenärzte unterstützen bewussteren Inhalativa-Einsatz

Beim klimafreundlichen Einsatz von Inhalativa in der Therapie von
Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD ist noch viel Luft nach oben. Die
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) will
diesen Zustand ändern. In federführender Zusammenarbeit mit der Deutschen
Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat sie
jetzt die S2k-Leitlinie „Klimabewusste Verordnung von Inhalativa“
verabschiedet – ein Update der vorherigen S1-Leitlinie, die sich erstmalig
mit dem Thema befasst hat.

Die neue Leitlinie richtet sich vor allem an Ärztinnen und Ärzte sowie
ihre Praxisteams, Apothekerinnen und Apotheker als auch Mitarbeitende
anderer Gesundheitsfachberufe, um passende Wege zu weniger CO2-Emissionen
aufzuzeigen.

In Deutschland ist das Gesundheitswesen für 5,2 Prozent der CO2-Emissionen
verantwortlich, den größten CO2-Fußabdruck im primärärztlichen Bereich
verursachen Medikamente. Einen Beitrag dazu leisten auch Inhalativa zur
Therapie von Atemwegserkrankungen: Im Gegensatz zu sogenannten „Dry Powder
Inhaler“ (DPI) mit Wirkstoff in Pulverform enthalten Dosieraerosole (DA)
klimaschädliche Treibhausmittel. „Hierzulande werden etwa zu 50 Prozent
Dosieraerosole und zu 50 Prozent Pulver-Inhalationssysteme genutzt. Wenn
man sich vor Augen führt, dass in Skandinavien rund 90 Prozent in
Pulverform inhaliert wird, ist das eine schlechte Position. Dafür gibt es
auch keine Rechtfertigung, es ist einfach Verschreibungspraxis in
Deutschland“, sagt Dr. Christian Grah (Foto), Vorsitzender der DGP-
Taskforce „Klimawandel und Gesundheit“ und einer der drei Hauptautoren der
neuen Leitlinie. Insgesamt würden sowohl zu viele als auch die falschen
Inhalativa verschrieben. Salbutamol-Dosieraerosole seien ein Beispiel für
vermeidbare Klimaschäden die durch die Medizin in Deutschland verursacht
werden.

Neue Leitlinie gibt wichtige Entscheidungshilfen bei der Verordnung
Vor diesem Hintergrund soll die neue Leitlinie eine Hilfestellung geben,
um das Verordnungsverhalten zu verändern. Dafür fasst sie zum einen die
vorhandene Evidenz zur Entscheidung zwischen DPI und DA zusammen und
benennt bei der Auswahl auch die potenziellen Klimaschäden. „Dadurch trägt
unsere Leitlinie zum einen dazu bei, dass der durch Dosieraerosole
entstehende Klimaschaden bekannter wird. Zum anderen kann sie helfen, das
Versorgungungleichgewicht in Deutschland zu verändern. Letztendlich helfen
wir damit also nicht nur den einzelnen Menschen, sondern dem Klima und der
Umwelt – und damit auch wieder der Gesundheit“, so Grah. Da durch die
klimatischen Veränderungen Krankheiten wie Asthma und COPD in Zukunft
deutlich häufiger auftreten werden, ist die DGP über die Leitlinien-Arbeit
hinaus mit verschiedenen Interessengruppen im Gespräch, um das Thema
klimafreundliche Inhalativa voranzutreiben. Dazu zählen die Deutsche
Allianz für Klima und Gesundheit mit ihrem Nachhaltigkeitskongress
CleanMedBerlin oder die Dachverbände der Krankenkassen.

Im Link finden Sie die S2k-Leitline „Klimabewusste Verordnung von
Inhalativa“.

Terminhinweis für Journalistinnen und Journalisten:
Freitag, 22. März, 15.30 bis 16 Uhr
Expertengespräch zur klimabewussten Verordnung von Inhalativa: die neue
S2k-Leitlinie von DGP sowie DEGAM
Experte: Leitlinien-Koordinator Dr. Christian Grah. Moderation:
Privatdozent Dr. Christoph Fisser (YoungDGP)
Pneumologie-Kongress im Congress Center Rosengarten Mannheim
Bühne in der DGP-Lounge, Mozartsaal

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