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VHB-Tagung 2024: Betriebswirtschaftslehre als treibende Kraft für gesellschaftliche Transformation

VHB-Jahrestagung 2024
VHB-Jahrestagung 2024

Das Streben nach „Impact“ ist und bleibt ein fester Teil der
Betriebswirtschaftslehre (BWL). Die 84. Jahrestagung des Verbands der
Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft findet vom
6. bis 8.3.2024 an der Leuphana Universität Lüneburg statt. Sie fokussiert
auf Kernthemen, in denen das Fach seine interdisziplinären Stärken
ausspielt: ENTREPRENEURSHIP. DIGITALISIERUNG. NACHHALTIGKEIT. BWL im
Dreiklang der gesellschaftlichen Transformation. Mit rund 530
Referent:innen und Gästen, 130 Veranstaltungen und 250 Beiträgen
verspricht der Kongress ein Ort des fruchtbaren Austauschs zu drängenden
Fragen der ökonomischen, sozialen und ökologischen Transformation zu
werden.

Presse und Medien sind herzlich eingeladen, die Tagung zu besuchen und
sich über die aktuellen Themen zu informieren. Bitte merken Sie sich das
Hintergrundgespräch am Mittwoch, den 6. März 2024 um 11:30 Uhr im
Hauptgebäude der Universität vor. Unter dem Titel „Alles Start-up oder
was? Was die BWL heute leisten kann“ diskutieren Gründerinnen und Gründer
mit Lehrenden aus ganz Deutschland. Gerne vermitteln wir Expertinnen und
Experten als Gesprächspartner für Interviews! Akkreditierungen sind über
die Tagungshomepage und über den Pressekontakt möglich.Weitere
Informationen und das Kongressprogramm gibt es unter www.vhb2024.org.

Gerade in Zeiten des Wandels brauchen Unternehmen eine gute Balance von
Stabilität, Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft. Prof. Dr. Dr. Dr.
h.c. Ann-Kristin Achleitner (TU München) bezeichnet die
Betriebswirtschaftslehre als die Wissenschaft der Stunde. Als
Schmelztiegel verschiedener Disziplinen sei sie bestens geeignet, alle
relevanten Perspektiven für die immer komplexer werdenden
Entscheidungssituationen in Unternehmen zu integrieren - und damit als
Rückgrat für zukunftsorientiertes Handeln zu wirken. Was das insbesondere
für die Ausbildung bedeutet und vor welchen Herausforderungen die
Disziplin steht, darüber spricht Ann-Kristin Achleitner in ihrer
Eröffnungs-Keynote.

Der Präsident der Leuphana, Professor (HSG) Dr. Sascha Spoun, ergänzt:
„Die Studierenden benötigen künftig ein integratives Modell, mit dem die
Transformation von Unternehmen und Organisationen möglich wird. Die VHB-
Tagung 2024 ist hierzu am richtigen Ort. Denn die Universität Lüneburg
verknüpft bereits heute die neue Betriebswirtschaft mit den Perspektiven
der Psychologie, der Informatik und der Ingenieurwissenschaften – und das
geschieht alles in einer Fakultät.“

Der interdisziplinäre Austausch in der Betriebswirtschaftslehre wird drei
Tage lang in integrativen Formaten und praxisnahen Diskussionen gelebt.
Die Energiewende als eine der größten Herausforderungen und Chancen
unserer Zeit ist Thema des gleichnamigen Symposiums mit Vertretern dreier
ganz unterschiedlicher Unternehmen: Shell, Enpal und Ørsted. Der komplexen
Herausforderung der Messung und Bewertung des sozial-ökologischen Impacts
von (grünen) Startups widmen sich mehrere Sessions, darunter eine
Paneldiskussion mit Praxisvertretern.

Auch das Panel „Hätte, hätte, gute Lieferkette“ greift aktuelle Themen
auf. International renommierte Forschende diskutieren hier die
Handlungsmöglichkeiten von Unternehmen und die an sie gestellten
Leistungserwartungen in globalen und lokalen Kontexten. Trends und
Entwicklungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung werden kritisch
diskutiert, u.a. im von Prof. Dr. Patrick Velte moderierten Panel zur
Integration von Nachhaltigkeit in das Management- und Berichtswesen, das
angesichts der aktuell verschobenen Abstimmung über ein europäisches
Lieferkettengesetz von besonderer Relevanz ist.

Anregende Einblicke aus der Unternehmenspraxis verspricht die Inspiration
Keynote von Dr. Kourosh Bahrami, Leiter des Geschäftsbereichs
Industrieklebstoffe der Henkel-Gruppe. Als Weltmarktführer bringt LOCTITE
Geschäftsmodellinnovationen mit Hilfe digitaler Technologien auf den
Markt. Inwiefern diese Innovationen Tradition mit digitaler Erneuerung in
einer deutschen Schlüsselindustrie verbinden und damit Pionierarbeit
innerhalb der Branche leisten, wird Thema der Keynote von Dr. Kourosh
Bahrami sein.

Die Vorstandsvorsitzende des VHB, Prof. Dr. Jutta Geldermann (Universität
Duisburg-Essen), betont die Rolle der Betriebswirtschaftslehre bei der
Bewältigung komplexer Herausforderungen: „Die BWL entwickelt und validiert
Methoden, um auf neue Situationen zu reagieren und aktuelle Probleme in
privaten und öffentlichen Unternehmen zu lösen. In Zeiten der Krise und
des Wandels sollten wir unsere Expertise unter anderem in den Bereichen
Entrepreneurship, Digitalisierung und Nachhaltigkeit bündeln und stärker
nutzen.“

Forschungsergebnisse zu den Themen Kreislaufwirtschaft und ethischer
Konsum, die für einen kraftvollen Wandel hin zu nachhaltiger Entwicklung
in Wirtschaft und Politik stehen, werden ebenso diskutiert wie aktuelle
Erkenntnisse zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen und in
der Hochschullehre.

Ann-Kristin Achleitner und Matthias Schumann diskutieren als erfolgreiche
Gründer:innen, Aufsichtsräte und Hochschullehrende mit den Leuphana-
Organisatoren Monika Imschloß, Markus Reihlen und Matthias Wenzel sowie
der VHB-Vorsitzenden Jutta Geldermann. Dabei geht es um die Frage, wie
Hochschulen durch anwendungsorientierte Forschung und unternehmerisch
geprägte Bildungsangebote zu Motoren der regionalen und nationalen
Innovationsförderung werden.

Das Panel zur Wissenschaftskommunikation mit Best-Practice-Präsentationen
und einem kurzen Medientraining verdeutlicht die Relevanz einer
zielgruppengerechten Kommunikation betriebswirtschaftlicher Forschung.
Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler profitieren
während der gesamten Konferenz von speziellen Nachwuchssessions. Auch der
Nachwuchs der Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker
trifft sich auf der VHB-Tagung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Markus Reihlen, Leuphana Universität Lüneburg, Sprecher des
Organisationskomitees: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Prof. Dr. Jutta Geldermann, Universität Duisburg-Essen, VHB-Vorsitzende:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
https://www.vhbonline.org/fileadmin/user_upload/PM_VHB2024_Tagungsankuendigung.pdf

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Was bringt die Krankenhausreform für Sachsen?

CCS Partnerdialog
CCS Partnerdialog

Der 15. Partnerdialog Carus Consilium Sachsen lädt am 6. März zum
Branchenaustausch. Expertinnen und Experten diskutieren die Zukunft der
Patientenversorgung im Freistaat. Zu Gast ist unter anderem Sachsens
Ministerpräsident Michael Kretschmer. Das Rudolf-Harbig-Stadion gibt als
Veranstaltungsort Basis für sportliche Vergleiche und Bilder.

Die Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen (CCS) feiert in diesem Jahr
das 15-jährige Bestehen. Der Partnerverbund verfolgt seit 2009 das Ziel,
fortschrittliche und flächendeckende medizinische Angebote in Sachsen
sicherzustellen – heute und in Zukunft. Der 15. Partnerdialog, der
jährlich stattfindende Branchentreff, widmet sich im Jubiläumsjahr 2024
der aktuellen Frage im sächsischen Gesundheitswesen: „Zwischen
Aufstiegschancen und Abstiegskampf: Was bringt die Krankenhausreform für
Sachsen?“ Der Partnerdialog findet am 6. März 2024 von 16 Uhr bis 19 Uhr
im Rudolf-Harbig-Stadion statt und bietet zahlreichen Expertinnen und
Experten die Möglichkeit, darüber zu diskutieren, wie die
Patientenversorgung insbesondere im ländlichen Raum auch künftig gesichert
werden kann. „Das Gebot der Stunde ist es, die Chancen von Kooperationen
zu nutzen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, zu dessen
Tochterunternehmen auch die Carus Consilium Sachsen GmbH zählt.

„Das Uniklinikum Dresden ist nicht nur wegen einer exzellenten
Krankenversorgung, sondern auch als Ort der Grundlagen- und klinischen
Forschung ein bedeutender Standortfaktor. Davon profitieren auch andere
Klinikstandorte in Ostsachsen. Kooperationen sind bei uns seit Jahren
gelebte Praxis, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten auch
abseits der Großstädte sicherzustellen. Und sie sind ein entscheidender
Schlüssel, um die Patientenversorgung der Zukunft zu gestalten“, sagt der
Medizinische Vorstand Prof. Michael Albrecht. Die 2009 gegründete Carus
Consilium Sachsen GmbH ist dafür ein wichtiger Impulsgeber. „Das Netzwerk
arbeitet mit verschiedenen Partnern aus dem Gesundheitsbereich und aus der
Politik zusammen und hat seitdem zahlreiche Modellprojekte auf den Weg
gebracht und begleitet. Der Partnerverbund ist damit Vorreiter der
geplanten Krankenhausstrukturreform, die das deutsche Gesundheitssystem
zukunftsfähig machen soll. Dieses steht vor großen Herausforderungen,
wofür die CCS GmbH Lösungen erarbeitet“, ergänzt Johannes Klaus,
Geschäftsführer der CCS GmbH.

Als Dreh- und Angelpunkt im Bereich innovativer Entwicklungen in der
medizinischen Versorgung engagiert sich die CCS GmbH seit über 15 Jahren
für den Transfer von neuen innovativen Versorgungskonzepten in die Fläche,
insbesondere in ländlichen Regionen. Mit dem Weiterbildungsverbund CCS
(WBV) soll unter anderem die wohnortnahe Patientenversorgung weiterhin auf
hohem Niveau sichergestellt werden. Hausärztinnen und -ärzte in Sachsen,
die in Rente gehen, finden oft nur schwer eine Nachfolgerin oder einen
Nachfolger. Ein möglicher Grund: Die Arbeit als niedergelassene Ärztin
oder niedergelassener Arzt scheint für den medizinischen Nachwuchs wenig
attraktiv zu sein. Umso wichtiger ist es, bereits Studierende auf diesen
beruflichen Weg aufmerksam zu machen und dafür zu begeistern. In enger
Kooperation mit meist sächsischen Netzwerkpartnerinnen und -partnern aus
dem ambulanten und stationären Bereich, spricht der WBV daher beständig
angehende Medizinerinnen und Mediziner mit einer strukturierten und
kompetenten Weiterbildung zur Fachärztin und zum Facharzt (FA) für
Allgemeinmedizin an. Im Mittelpunkt der Koordination des Verbundes steht
eine individuell angepasste Gestaltung der Weiterbildung in Praxen und
Krankenhäusern. Der WBV ist dabei eines von zahlreichen Projekten der
Gesundheitsregion CCS, deren Ziel es ist, eine flächendeckende
Gesundheitsversorgung in Sachsen zu etablieren. Ob mit dem
Präventionsprojekt der Familiengesundheitspaten oder auch den zahlreichen
Kooperationen im Bereich der Telemedizin – der Verbund hat damit bereits
in den vergangenen Jahren praktikable Lösungen auf den Weg gebracht, die
nun Bestandteil der Krankenhausreform sind.

Um über das Konzept der Bundesregierung zu diskutieren, lädt der Verbund
am 6. März 2024 Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen zur
Jubiläumsfeier ins Rudolf-Harbig-Stadion ein. Beim 15. Partnerdialog geht
es um die Frage: „Zwischen Aufstiegschancen und Abstiegskampf: Was bringt
die Krankenhausreform für Sachsen?“. Ist es mit dieser Reform möglich, in
Sachsen zukunftsfähige Versorgungsstrukturen und gleichzeitig ein solides
Finanzierungssystem zu etablieren? Dieser Frage widmen sich neben Prof.
Michael Albrecht, der auch Sprecher der Gesundheitsregion CCS ist, weitere
hochkarätige Referenten, darunter Sachsens Ministerpräsident Michael
Kretschmer, Prof. Jochen Schmitt, Mitglied der Regierungskommission für
eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung des
Bundesministeriums für Gesundheit, Jens Bussmann, Generalsekretär vom
Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V. sowie Thomas Lemke,
Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG. Dabei wirft die Expertenrunde
auch einen Blick auf die Versorgungsstrukturen im Nachbarland Thüringen.
Begleitet wird der Partnerdialog von einer Poster-Ausstellung
versorgungsrelevanter Projekte aus der Region.

Aus dem Programm:
CCS-Talk mit dem Publikum und Möglichkeit Fragen zu stellen, Michael
Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen und Prof. Michael
Albrecht, Medizinischer Vorstand Universitätsklinikum Dresden, AöR
Impulsvortrag „Herausforderungen der Krankenhausreform“, Thomas Lemke,
Vorsitzender des Vorstands, Sana Kliniken AG
„Versorgungsqualität und Erreichbarkeit im Kontext der Krankenhausreform“,
Prof. Dr. med. Jochen Schmitt, MPH, Direktor des Zentrums für
Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung am Universitätsklinikum Carl Gustav
Carus Dresden und Mitglied der Regierungskommission für eine moderne und
bedarfsgerechte Krankenhausversorgung des Bundesministeriums für
Gesundheit
„Finanzierungsoptionen – was ist geplant?“, Jens Bussmann,
Generalsekretär, Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V.
„Sächsische Krankenhausplanung – Strategien eines Landkreises“, Dr.
Stephan Meyer, Landrat, Landratsamt Görlitz
„Niedrigschwellige Gesundheitsangebote: Ein Beispiel aus Thüringen“,
Christopher Kaufmann, Projektleiter „Landengel“, Stiftung Landleben
Fachgespräch „Zwischen Aufstiegschancen und Abstiegskampf: Was bringt die
Krankenhausreform für Sachsen?“

Die Anmeldung zum Partnerdialog ist für Interessenten online möglich:
https://ec.europ.eu/eusurvey/runner/PartnerdialogCCS_2024
Interessierte Medienschaffende sind herzlich eingeladen.
Gesprächspartnerinnen und -partner werden gern vermittelt.

Über die Carus Consilium Sachsen GmbH (CCS GmbH)
Die Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen verbindet mehrere hundert
Partnerinnen und Partner aus den Bereichen Forschung, Krankenversorgung,
Gesundheitsvorsorge, Patientenvertretung, Wirtschaft und Politik. Die enge
Zusammenarbeit mit allen Netzwerkpartnern und der sächsischen
Landesregierung ist die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Arbeit der
Gesundheitsregion CCS. Die Koordination liegt bei der gleichnamigen
Managementgesellschaft Carus Consilium Sachsen GmbH, einem
Tochterunternehmen des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der TU
Dresden.

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20 Jahre im Dienst der reinen Luft

Standorte der weltweit 69 Standard-Referenz-Photometer  NIST
Standorte der weltweit 69 Standard-Referenz-Photometer NIST

Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Physikalisch-Technischer
Bundesanstalt und Umweltbundesamt – Ozon wird mehr in den Fokus rücken.

Es ist Segen und Fluch zugleich: Weit oben in der Stratosphäre schützt
Ozon die Erde vor übermäßiger UV-Einstrahlung, aber weiter unten ist es
eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen und für das Klima. Es bildet
sich, wenn Schadstoffe wie etwa Stickoxide in der Luft mit Sonnenlicht
wechselwirken.  In hohen Konzentrationen reizt Ozon bei Menschen die
Atemwege. Für das Klima wirkt es als schädliches Treibhausgas. Es ist
daher immens wichtig, die Ozonkonzentration mit präzisen Messverfahren
feinmaschig zu kontrollieren. Dazu wird die agile Zusammenarbeit zwischen
Behörden, wie sie heute von vielen Bürgerinnen und Bürgern gewünscht wird,
großgeschrieben: Dem Umweltbundesamt (UBA) und der Physikalisch-
Technischen Bundesanstalt (PTB) gelingt diese gemeinsame
Qualitätssicherung der Ozonmessungen bereits seit 20 Jahren. Eine
Erfolgsgeschichte, die immer wieder neue Herausforderungen meistert, wie
die Experten in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Gefahrstoffe
berichten.

Ozon ist eigentlich ein Sommergas. Es bildet sich umso mehr, je intensiver
die Sonne scheint. „So gesehen liegt das 20-jährige Jubiläum der
Zusammenarbeit von PTB und UBA in der falschen Jahreszeit“, scherzt Jantje
Kalin vom Geschäftsführungsteam des PTB-Innovationsclusters Umwelt und
Klima der PTB. „Doch es ist wichtig, jetzt schon darauf hinzuweisen, dass
Ozonmessungen zukünftig noch genauer werden und Ozon mit seinen
schädlichen Wirkungen dadurch wieder öfter in den Fokus der Öffentlichkeit
rücken könnte.“

Der Hintergrund: Der sogenannte Absorptionsquerschnitt von Ozon ist schon
vor einigen Jahren neu vermessen worden. Er wird nun demnächst in alle
Ozonmessungen eingehen, sodass diese genauer, aber damit auch höher
werden. Der Absorptionsquerschnitt ist ein Maß für die Stärke einer
Wechselwirkung zwischen Strahlung und Teilchen. In diesem konkreten Fall
geht es um Ozonteilchen und die Strahlung, die bei ihrer Messung
eingesetzt wird: In einem Photometer wird UV-Licht durch eine
Absorptionszelle mit ozonhaltiger Luft geschickt. Die Ozonteilchen
absorbieren Licht – je mehr Teilchen, desto mehr Absorption.

Durch die neue, metrologische Vermessung des Absorptionsquerschnitts
werden die Messungen des Ozons genauer. Olav Werhahn, ebenfalls vom
Geschäftsführungsteam des PTB-Innovationsclusters Umwelt und Klima,
ergänzt: „Die Einführung des neuen Wertes zum 1. Januar 2025 wird dazu
führen, dass sich weltweit alle Ozonmesswerte, die mittels Standard-
Referenzphotometern bestimmt werden, schlagartig um 1,3 % nach oben
ändern. Das kann zur Folge haben, dass die Grenzwerte häufiger
überschritten werden.“

Dann könnte es im Sommer wieder öfter heißen: Vorsicht vor zu hohen
Ozonwerten! Bitte möglichst keinen Sport im Freien treiben! Laut UBA haben
die Ozon-Spitzenwerte in den letzten Jahren zwar etwas abgenommen –
allerdings bei höherer Dauerbelastung. „Wenn die Grenzwerte jetzt wieder
häufiger überschritten werden, tritt die Belastung durch Ozon wieder mehr
ins Bewusstsein der Bevölkerung. Dies finde ich sehr wichtig, denn mit dem
Bewusstsein des hohen Risikos von Ozon für die Gesundheit kann dagegen
auch mehr getan werden“, erklärt Jantje Kalin. „Darum sind hochgenaue
Messungen so wichtig.“
Zusammen sorgen PTB und UBA dafür, dass die Überwachung der Luftqualität
in Deutschland auf einer sicheren Basis ruht. „Die Zusammenarbeit
verbessert die kontinuierlichen Prüfungen der vielen entsprechenden Ozon-
Messgeräte der Länder, aber auch derjenigen, die in der Industrie im
Einsatz sind. Und es kommt allen Messungen weltweit zugute, denn die
Referenzgeräte von PTB und UBA bringen ihre Messqualität über sogenannte
Ringvergleiche in viele Länder auf allen Kontinenten“, erklärt Olav
Werhahn. Das Ziel ist es, die internationale Vergleichbarkeit und die
hohen Qualitätsanforderungen, wie sie in der Klimabeobachtung gebraucht
werden, überall zu garantieren. Die Ergebnisse solcher Vergleiche werden
vom Internationalen Büro für Maße und Gewicht (BIPM) veröffentlicht. Damit
tragen die beiden Ozon-Standard-Referenzphotometer Deutschlands
federführend zur Sicherstellung der Qualität internationaler Ozon-
Messungen bei.

Für die PTB haben die Standard-Referenzphotometer darüber hinaus eine
besondere Bedeutung. Als Gerätestandard sind sie ein Vorbild für die
Entwicklung neuer optischer Gasstandards. Diese benötigen in Zukunft keine
Vorkalibrierung mehr mit einem Referenzgas, sondern stützen sich wie die
Ozon-Standards nur noch auf Spektraldaten sowie Messungen von Gasdruck und
Gastemperatur. „Messgeräte wie die Ozon-Referenzphotometer sind die
Zukunft für genaue Gasmessungen“, sagt Olav Werhahn. „Und diese werden für
die Messung von Gasen immer wichtiger“.

PTB-Innovationscluster Umwelt und Klima

Sinnvolles Handeln braucht vertrauenswürdige, also qualitätsgesicherte
Daten. Wer verlässliche Aussagen über Ökosysteme oder Klimaveränderungen
machen will, braucht genaue Messungen. Die PTB ermöglicht solche Messungen
in einzigartiger Genauigkeit und macht sie weltweit vergleichbar. Ihr
Innovationscluster Umwelt und Klima ist eines von sechs übergreifenden
Clustern, die die großen Fragen der Gegenwart und Zukunft im Blick haben.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Jantje Kalin und Dr. Olav Werhahn, Geschäftsführende des PTB-
Innovationsclusters Umwelt und Klima, Telefon: (0531) 592-2008,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
H. Gerwig, J. Kalin, C. Meyer, W. Travnicek, O. Werhahn: Ozon-Messungen
mit Standard-Referenzphotometern in Deutschland – eine Erfolgsgeschichte
mit metrologischer Rückführung. In: Gefahrstoffe Reinhaltung der Luft.
2024; Jg. 84, Nr. 1-2. S. 5-13.

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Mit einer neuen High-Tech-Maschine wollen HSBI-Forschende „grüne“ Kunststoffe entwickeln

Erhoffen sich durch die Arbeit mit dem Extruder ein günstigere Verfahren für ihre Forschungsvorhaben: Tessa Strümpfler und Dr. Thomas Zimmermann von der AG Patel.  P. Pollmeier/HSBI
Erhoffen sich durch die Arbeit mit dem Extruder ein günstigere Verfahren für ihre Forschungsvorhaben: Tessa Strümpfler und Dr. Thomas Zimmermann von der AG Patel. P. Pollmeier/HSBI

Wer Kunststoffe umweltfreundlicher herstellen und ihre Recyclingfähigkeit
verbessern will, muss neue Zutaten ausprobieren und die Bestandteile des
„Plastiks“ immer wieder trennen und neu mischen. Hierbei hilft an der
Hochschule Bielefeld neuerdings ein 800.000 Euro teurer
Doppelschneckenextruder. Mit ihm wollen die Forschenden unter anderem
Farbstoffe auf Algenbasis ausprobieren und hartnäckige
Kunststoffverbindungen aufdröseln, um die Grundstoffe wiederverwerten zu
können.

Bielefeld (hsbi). Wenn Johannes Brikmann nicht in der Experimentierhalle
der HSBI stehen würde, könnte man auf die Idee kommen, er arbeite in der
Großküche der benachbarten Cafeteria: „Wir können mit der Anlage
zerkleinern, zerteilen, mischen und portionieren“, berichtet der
37-jährige Ingenieur über seinen Arbeitsplatz. Auch wenn es dabei oft um
Rezepturen oder Zutaten geht, beschäftigen sich Brikmann und die AG
Bielefelder Kunststofftechnik nicht mit der Zubereitung von Speisen,
sondern mit den Kunststoffen der Zukunft. Ihr Arbeitsplatz befindet sich
in der großen Experimentierhalle im Untergeschoss des HSBI-Hauptgebäudes
und hört auf den etwas putzigen Namen Doppelschneckenextruder.

Ziel der aufwändigen Anlage ist die realistische Nachbildung industrieller
Prozesse

Rund fünf Meter lang und drei Meter in der Breite messen die verschiedenen
Komponenten des Extruders, mit dem das Team um Johannes Brikmann und sein
Laborleiter, Professor Dr. Bruno Hüsgen, Prozesse der Kunststoffproduktion
realistisch nachbilden kann. „Mit dem Extruder können wir sowohl neue
Materialien entwickeln als auch vorhandene gezielt verändern, indem wir
beispielsweise neue Stoffe zumischen oder andere abbauen“, erklärt Hüsgen
die Haupteinsatzgebiete der fachsprachlich auch Compounder genannten
Anlage. Er steht vor einem der Träger der Plattform in der Halle und
deutet auf mehrere niedrige Rollwagen, auf denen Pumpen und Trichter
montiert sind. Von hier führen Schläuche in ein kastenförmiges,
langgestrecktes Gehäuse, an dessen Ende ein stattlicher Elektromotor
montiert ist. Unter dieser Hülle findet sich das namensgebende Element der
Anlage: zwei – „Schnecken“ genannte – spiralförmige Drehstäbe, die in
einem mit Heizbändern ummantelten Zylinder rotieren.

Vom Granulat zum Extrudat: das Extrusionsverfahren

In diesen Zylinder wird zu Beginn des Extrusionsverfahrens über einen
Trichter oberhalb der Anlage Kunststoffgranulat eingefüllt, das die
Grundlage jedes Kunststoffprodukts bildet. Durch die Rotation der
Schnecken werden die Granulatkörnchen entlang des Zylinders zu einer Düse
am Ende der Anlage transportiert. Dabei entsteht Reibung. Gleichzeitig
werden Heizbänder zugeschaltet, und so wirken bis zu 450̊ C Hitze auf das
eingefüllte Material. Unter dem Einfluss der beiden Faktoren können die
Granulate in alle denkbaren Aggregatzustände versetzt werden. Häufig
werden sie aufgeschmolzen. Andere Ausgangsstoffe behalten ihre Konsistenz,
werden neu gemischt oder durch Zusätze mit individuellen Eigenschaften
ausgestattet. Am Ende des Vorgangs wird die nun „Extrudat“ genannte Masse
wie beim Formen von Spritzgebäck durch eine Düse gedrückt werden und
erhält so ihre endgültige Form.

Zusatzstoffe geben dem Kunststoff Form und Farbe

Doch zuvor kommen die Rollwagen mit ihren Pumpbehältern ins Spiel: Mit
ihrer Hilfe können dem Kunststoff während des Vorgangs bestimmte Zusätze
beigemischt werden. Durch diese „Additive“ erhält der Kunststoff
individuelle Eigenschaften. Sie garantieren bspw., dass das Endprodukt
sich auch unter Beanspruchung nicht verformt, seine Farbe verliert oder
feuerfest ist. „Das Besondere bei diesem Compounder ist, dass wir nicht
nur alle industriell verwendeten Additive zumischen können, sondern auch
neue Additive auf Pflanzenbasis ausprobieren können, die eine schonende
Temperaturführung benötigen“, weist Bruno Hüsgen auf ein weiteres
Charakteristikum des Extruders hin – er kann für die Entwicklung
nachhaltiger Kunststoffe eingesetzt werden.

Biopolymere und Recycling – wie können Kunststoffe nachhaltig werden?

Ein aktuelles Beispiel für die Forschung der Arbeitsgruppe an nachhaltigen
Kunststoffen ist ein neues Blend aus den beiden natürlich vorkommenden
Rohstoffen Polylactid (Kurz PLA) und Polyhydroxybuttersäure (PHB). Ihren
Einsatz könnte die Verbindung aus Sicht Brikmanns zukünftig in
nachhaltigen Verpackungen finden, die sich unter den richtigen Bedingungen
vollständig biologisch abbauen ließen. Bei der Entwicklung des neuen
Materialmix machte sich das Team ausgerechnet die Schwachpunkte der beiden
Polymere zu eigen: „PHB ist sehr spröde, während PLA nur eine niedrigere
Temperaturbeständigkeit aufweist. Durch die Mischung heben sich die
Nachteile beider Sorten auf. In kombinierter Form werden die Nachteile zu
positiven Eigenschaften eines neuen Rohstoffs, der ohne den Einsatz von
Erdöl auskommt“, illustriert Brikmann, der gerade an seiner Promotion
sitzt, den Entwicklungsprozess. Auch in technischen Bauteilen mit kurzer
Halbwertzeit oder als Verpackung von Medizinprodukten mit meist kurzer
Lebensdauer könnte der gleichermaßen zähe wie hitzebeständige Polymer
Anwendung finden.

Versuche zum Recycling bisher kaum recycelbarer Kunststoffe

Ein weiterer Ansatz des Teams um Hüsgen und Brikmann ist die Verlängerung
von Kunststoff-Lebenszyklen durch Recycling. Dafür haben sie sich mit der
Gruppe der Elastomere einen bisher eher „schwierigen Kandidaten“
ausgesucht. Dieser Grundstoff für Reifen, Dichtungen und Gummibänder hat
durch lange Molekülketten den Vorteil, äußerst dehnbar und elastisch zu
sein. Kommt ein mit Elastomeren hergestelltes Kunststoffprodukt an sein
Lebensende wird aber genau die vernetzte, lange Molekülstruktur zum
Problem. Denn die Ketten eines Elastomers lassen sich nicht durch den
üblichen Recyclingvorgang aus Zerkleinern, Aufschmelzen und Aushärten
wiederherstellen. Genau deshalb bleibt für Elastomerprodukte am Ende ihrer
Nutzung bisher vor allem das Downcycling: Aus einem abgefahrenen
Autoreifen wird so beispielsweise bestenfalls noch ein Bodenbelag oder die
Füllung für Kunstrasenplätze. Meistens werden solche Abfallprodukte jedoch
nur thermisch verwertet, sprich: Sie wandern in die Müllverbrennungsanlage
oder als Brennstoff in ein Zementwerk. Für Bruno Hüsgen und sein Team ein
nicht hinnehmbarer Zustand: „Wir wollen die auf das Material im Compounder
einwirkenden Scherkräfte nutzen, um die Schwefelbindungen im Elastomer zu
trennen,“ erläutert Hüsgen die derzeit laufenden Versuche. „Wenn uns das
gelingt, wäre ein werkstoffliches Recycling möglich und damit eine erneute
Nutzung des Materials.“

Für echte Nachhaltigkeit müssen alle Komponenten betrachtet werden

Um wirklich nachhaltig zu wirken, muss ein solcher Kreislauf aber nicht
nur den Hauptwerkstoff in den Blick nehmen. Auch alle anderen Komponenten
eines Endprodukts müssen dann ohne den Einsatz neuen Kunststoffs auf
Erdölbasis auskommen. Dazu zählt bspw. auch das Einfärben der entstehenden
Kunststoffe. Denn auch Farben und Lacke basieren vielfach auf
Erdölprodukten. Das ist der Einsatz für Tessa Strümpfler und Dr. Thomas
Zimmermann. Die beiden gehören zum Team der AG von Prof. Dr. Anant Patel,
Verfahrenstechniker und HSBI-Vizepräsident für Forschung und Entwicklung,
und beschäftigen sich eigentlich mit der Erforschung neuer
Pflanzenschutzmittel. Häufig dreht sich ihre Arbeit um die
unterschiedlichen Eigenschaften von Algen. Heute interessieren sie sich
aber vor allem für die Technik des Doppelschneckenextruders, weil er der
Gruppe bei ihren aktuellen Forschungsvorhaben ebenfalls gute Dienste
erweisen könnte. In ihrer Forschung an Blaualgen entwickelte die AG ein
Verfahren, mit dem sie aus Algen einen natürlichen und leicht abbaubaren
Farbstoff gewinnen kann. Weil dieser der fehlende Baustein für das
Schließen eines nachhaltigen Kunststoffkreislaufs sein könnte, hat sich
zwischen den beiden Arbeitsgruppen eine innovative Zusammenarbeit
entwickelt: Die AG Patel stellt ihr Wissen rund um pflanzliche Farbstoffe
bereit, während die AG Hüsgen ihr Know-how über die Verfahrenstechnik des
Extruders für die Versuche der Biotechnologiegruppe einbringt.

Die Arbeit mit dem Extruder fördert ungeahnte Synergien

„Nur den Kunststoff zu ersetzen und weiterhin Farben aus der Petrochemie
zu nutzen, ist keine vollständig grüne Lösung. Dafür braucht es auch auf
Seite der Zusätze biobasierte Innovationen“, erklärt Thomas Zimmermann wie
der Stein für die Zusammenarbeit der beiden Forschungsgruppen ins Rollen
kam. „Umgekehrt ermöglicht der Extruder unserer AG, bisher getrennte
Verfahren bei der Formulierung unserer Wirkstoffe in einem einzigen
Prozess zusammenzuführen“, beschreibt Tessa Strümpfler ihr Ziel der
Kooperation. Mit der „Formulierung“ meint die Biotechnologin die Form, in
der ein Wirkstoff an seinen Einsatzort kommt. In ihrem Forschungsfeld
arbeiten Strümpfler und Zimmermann aktuell oft mit Kapseln, die in einem
zweistufigen Verfahren zuerst formuliert und anschließend beschichtet
werden. Dies ist oft kostenintensiv. Aufgrund seiner höheren Produktivität
und Skalierbarkeit könnte der Extruder schon die Formulierung erheblich
günstiger machen. Im besten Fall könnte die abschließende Beschichtung
zukünftig überflüssig werden.

Bisher getrennte Schritte könnten durch den Extruder kombiniert werden

„Wir arbeiten zwar mit unterschiedlichen Zutaten und Anforderungen, aber
wir brauchen beide einen ziemlich teuren Herd, um unsere Produkte in einen
industriellen Prozess zu überführen“, findet Johannes Brikmann zum
Abschluss selbst eine Küchenmetapher für die Kooperation der beiden
Forschungsgruppen. Zukünftig soll die Arbeit mit dem Extruder auch für
weitere Fragen beider AGs oder für thematisch ähnliche Projekte wie
InCamS@BI neue Lösungen eröffnen. Als die Gruppe die Experimentierhalle
verlässt, dreht sich Brikmann wie zum Abschied noch einmal zum Extruder
um: „Am Ende braucht es einen kreativen Koch, der mit der richtigen
Technik und einem guten Rezept ein Produkt schafft, das überzeugt“, verrät
er augenzwinkernd. Ganz wie nebenan in der Cafeteriaküche also.

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