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Angehörigenintegration 2024: Standortbestimmung zur Zusammenarbeit zwischen Betroffenen und Helfern

Neue Gießener Studie stellt Angehörige in den Fokus  © Niklas Günther/TransMIT GmbH über Canva(.)com
Neue Gießener Studie stellt Angehörige in den Fokus © Niklas Günther/TransMIT GmbH über Canva(.)com

Neue Gießener Studie stellt Angehörige in den Fokus
Eine gelungene Angehörigeneinbindung in die Versorgung von kranken,
hilfsbedürftigen und alten Menschen gilt als unverhandelbar. Sie ist eine
der Voraussetzungen, damit die Organisation des Tages, die Bewältigung all
der Defizite, die sich aus bestehenden Einschränkungen ergeben,
erfolgreich umgesetzt werden kann. Nicht umsonst heißt es, dass der größte
Pflegedienst Deutschlands die Familie ist. Allein von den etwa 5 Millionen
Pflegebedürftigen werden rund 80% zu Hause - also maßgeblich von den
Angehörigen - betreut. Zugleich funktionieren bereits heute traditionell-
familiäre Zusammenhalte immer weniger und dies vor einer demographischen
Entwicklung, die zum Ergebnis hat, dass immer weniger junge Menschen einer
zusehends größeren Gruppe alter Menschen gegenüberstehen.

Die Sozialwissenschaft und Psychologie wissen um die Notwendigkeit und
Heilsamkeit lebensnaher, sozialer Unterstützung bzw. um die Auswirkungen
bei deren Ausbleiben. Erschwerend hinzu kommt der sich verstärkende Trend,
dass es immer schlechter gelingt, hinreichend viele Helfer in den
unterschiedlichen sozialen, pflegenden und medizinischen Berufen
auszubilden und dass zu viele den Beruf wieder verlassen.
Umso größer die Notwendigkeit, dass die Zusammenarbeit zwischen den
professionellen Helfern, den Arztpraxen, Krankenhäuern, ambulanten und
stationären Pflegediensten - auf der einen Seite - und den Angehörigen und
Patienten auf der anderen - bestmöglich funktioniert. Die
Verantwortlichkeit für deren Gelingen liegt maßgeblich bei den hierfür
durch die Gesellschaft beauftragten professionellen Partnern.

Eine neue Gießener Studie will nun eine „Standortbestimmung“ der
erreichten Qualität der Zusammenarbeit erstellen. Wesentliches Ziel ist
es, die unterschiedlichen Aspekte einer Angehörigenintegration zu erfassen
und bestehende Unzulänglichkeiten, aber auch Ressourcen aufzuzeigen. Auch
gilt es Organisationen bzw. Versorgungsbereiche zu identifizieren, in
denen die Zusammenarbeit modellhaft funktioniert, denn Ziel der Studie ist
es auch Entwicklungspfade gelungener Integration zu beschreiben.

Der zu diesem Zweck entwickelte Fragebogen richtet sich an berufliche
Helfer, aber auch an betroffene Angehörige. Er ist in 15 Minuten zu
bearbeiten. Der Onlinefragebogen ist ab 20. Januar 2024 unter
www.angehoerigenintegration.de bis zum September 2024 freigeschaltet.
Unter dieser Adresse finden sich auch weiterführende Informationen. Für
die Aussagekraft der Befragung ist es wichtig, dass möglichst viele
Personen teilnehmen.

Prof. Dr. Wolfgang George arbeitet seit über 30 Jahren als Versorgungs-
und Organisationswissenschaftler. Der ausgebildete medizinische Psychologe
und Krankenpfleger hat zahlreiche Artikel und Bücher verfasst. In drei
seiner Bücher wird die Angehörigenintegration theoretisch begründet und
darüber hinaus beschrieben wie es gelingt, diese in der Praxis umzusetzen.
Der von Prof. George geleitete TransMIT Projektbereich für
Versorgungsforschung führt seit 2006 Projekte und Beratungen der
Versorgungsforschung und -gestaltung durch. Neben den Gießener Studien zu
den psycho-sozialen und medizinisch-pflegerischen Sterbebedingungen in
Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wurde das Prinzip der Regionalen
Gesundheitsversorgung initiiert. Zuletzt wurde von 2018 bis 2021 ein durch
den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)-Innovationsfonds gefördertes
Projekt realisiert, im welchem evidenzbasierte Leitlinien zur Reduktion
der Verlegung von Sterbenden entwickelt und diese in einem Krankenhaus und
einer Pflegeeinrichtung eingeführt wurden. Die systematische Einbindung
der Angehörigen in allen Phasen des Vorgehens war erneut ein wichtiges
Teilprojekt.

Weitere Informationen zum TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung
und Beratung unter:
https://www.transmit.de/geschaeftsbereiche/zentren/details/?z_id=144

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DGTHG Jahrestagung 2024: Besondere Forschungsleistungen der Herzmedizin gewürdigt

Verleihung der wissenschaftlichen Preise der DGTHG 2024  David Ausserhofer  DGTHG/
Verleihung der wissenschaftlichen Preise der DGTHG 2024 David Ausserhofer DGTHG/

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)
verlieh am 17. Februar 2024 im Rahmen der 53. Jahrestagung in Hamburg
wissenschaftliche Preise und Stipendien an Mediziner:innen und
Wissenschaftler:innen aus ganz Deutschland.

Anlässlich ihrer Jahrestagung am 17. Februar 2024 in Hamburg hat die DGTHG
die besonderen Leistungen von Ärzt:innen sowie Wissenschaftler:innen mit
renommierten medizinischen Forschungspreisen gewürdigt. Auf der
Eröffnungsfeier der Jahrestagung wurden die Preise und Stipendien durch
den DGTHG-Sekretär Professor Andreas Markewitz überreicht.

Den nach einem Pionier der deutschen Herzchirurgie benannten und mit 7.500
Euro dotierten Ernst-Derra-Preis erhält in diesem Jahr Prof. Dr. Alexander
Assmann (42), Leitender Oberarzt & Leiter der Koronaren Bypasschirurgie in
der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-
Universität in Düsseldorf. Das ausgezeichnete Projekt ist ein weiterer
Meilenstein der Arbeitsgruppe „Cardiovascular Biomaterials Engineering and
Translational Research“ in ihrer Forschungstätigkeit zur Optimierung
biologischer kardiovaskulärer Implantate. Erstmalig konnte in einem
lebenden Organismus demonstriert werden, dass eine Reduktion der
systemischen antioxidativen Aktivität zur kalzifizierenden Degeneration
biologischer Herzklappen- und Gefäßprothesen beiträgt. Hieraus können sich
neue Ansätze für Implantat-protektive Therapien entwickeln.

Der Gefäßchirurgische Forschungspreis der DGTHG, dotiert mit 5.000 Euro,
wurde dieses Jahr an Bianca Hamann (26), wissenschaftliche Mitarbeiterin
am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität
Dresden, für ihre Arbeit „Regulation of CD163 receptor in patients with
abdominal aortic aneurysm an associations with antioxidant enzymes HO-1
and NQO1“ verliehen. Die Forschungsgruppe beschäftigt sich u.a. mit anti-
oxidativen Mechanismen, zu denen das CD163-Hämoxygenase-1 System gehört,
und dessen protektive Wirkung bereits bei arteriosklerotischen
Erkrankungen gezeigt werden konnte, um Degenerationen der Aortenwand
entgegenzuwirken.

Gemeinsam mit Abbott Medical verlieh die DGTHG den mit 5.000 Euro
dotierten Josef Koncz-Preis an Dr. med. Jonas Pausch (35), Assistenzarzt,
Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg-Eppendorf, für seine Arbeit
„Subannular repair in secondary mitral regurgitation with restricted
leaflet motion during systole“. Im Rahmen einer prospektiven,
multizentrischen Registerstudie untersuchte das Team um Dr. Pausch die
Sicherheit, Effektivität sowie Durabilität einer neuartigen,
standardisierten Papillarmuskelrepositionierung (PMR) zur Behandlung der
sekundären Mitralklappeninsuffizienz mit restriktiver, systolischer
Segelbewegung (SMR Typ IIIb).

Der mit 7.500 Euro dotierte Franz-Köhler-Preis für besondere Leistungen in
Forschung oder klinischer Praxis ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Udo
Boeken (57), Oberarzt und Bereichsleiter „Herztransplantation /
Herzinsuffizienz“ der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine langjährige Forschung zielt
auf die Optimierung der Organprotektion durch Modulation des Ischämie-
Reperfusionsschadens in der Herzchirurgie.

Der Dr. Rusche-Forschungsprojekt-Preis wird von der DGTHG zusammen mit der
Deutschen Stiftung für Herzforschung, einer Schwesterorganisation der
Deutschen Herzstiftung, vergeben. Mit einer Gesamtsumme von 60.000 Euro
wird das Forschungsvorhaben von Dr. med. Tim Knochenhauer (30),
Assistenzarzt in der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitären
Herz- und Gefäßzentrums des UKE Hamburg, unterstützt. Mit seinem
Forschungsprojekt „B-ACS – Biomarkers After Cardiac Surgery“ untersucht
Dr. Knochenhauer die perioperative Dynamik kardialer Marker im Rahmen
herzchirurgischer Eingriffe mit den Zielen, die Unterscheidung zwischen
einer prozeduralen Myokardschädigung und einem Myokardinfarkt zu
erleichtern, und die Bedeutung der Biomarker-Dynamik für das postoperative
Outcome von Patient:innen nach herzchirurgischem Eingriff zu beschreiben.

Den Georg Wilhelm Rodewald-Preis erhielt 2023 Dr. med. Christopher
Gaisendrees (34), Assistenzarzt und stellv. Leitung der Arbeitsgruppe
Aortenerkrankungen am Klinikum Herzchirurgie, Universität Köln, für seine
Arbeit „Treatment of acute type A aortic dissection with the Ascyrus
Medical Dissection Stent in a consecutive series of 57 cases“. Die
Forschung analysierte ein spezielles Patientenkollektiv an zwei großen
deutschen herzchirurgischen Zentren, welches im Zuge einer
Aortendissektion mit dem Ascyrus Medical Dissection Stent (AMDS) – einer
neuen hybriden Bogenprothese – versorgt wurde.

Der Werner Klinner-Preis wird für patientennahe wissenschaftliche
Publikationen verliehen, die die chirurgische oder interdisziplinäre
Behandlung angeborener Herzfehler bei Kindern und Jugendlichen zum Inhalt
haben. In diesem Jahr verlieh die DGTHG gemeinsam mit der Asamoah Stiftung
den Preis an Dr. med. Jussli Melchers (45), Fachärztin für Herzchirurgie
an der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie, Campus
Kiel, für ihre Arbeit „Pulmonary valve reconstruction for acquired
pulmonary regurgitation in patients with treated congenital heart
disease“. Mit der Forschung konnte nachgewiesen werden, dass ein ähnliches
Remodeling des rechten Ventrikels erreicht werden kann, wie nach einem
Pulmonalklappenersatz,

Gemeinsam mit der Ulrich-Karsten-Stiftung verlieh die DGTHG den
Forschungspreis für Kardiovaskuläre Medizin, dotiert mit 10.000 Euro, für
hervorragende wissenschaftliche Leistungen mit zukunftsorientierter
Forschungsintention, an Dr. med. Monhanta Sarajo (39),
Forschungsgruppenleiter, Fakultätsmitglied am Klinikum der Ludwig-
Maximilian-Universität München. Seine Forschung konnte zeigen, dass das
Immunsystem, Nervensystem und kardiovaskuläre System miteinander
interagieren, um neuroimmune kardiovaskuläre Schnittstellen bei der
Atherosklerose zu bilden. Im Tiermodell konnte nachgewiesen werden, dass
das Durchtrennen von bestimmten Schnittstellen hier das Fortschreiten der
Atherosklerose verringert.

Der Herzmedizinische Förderpreis, dotiert mit 2.500 Euro, ging in diesem
Jahr an Dr. med. Kun Lu (32), Assistenzarzt an der herzchirurgischen
Klinik und Poliklinik, Ludwig-Maximilians-Universität München, für seine
Arbeit „Maturation of human induced pluripotent stem cell based myocardium
by biomechanical stimulation of three-dimensional tissue cultures“. Der in
seiner Arbeit vorgestellte integrierte biomimetische Ansatz vereinfacht
nicht nur die Herstellung hochreifer menschlicher EHTs, sondern könnte
auch entscheidende Einblicke in die Biomechanik der Herzentwicklung
liefern.

Nach dem Herzchirurgen Hans Georg Borst ist der Preis benannt, mit dem die
DGTHG jährlich das bestbewertete Abstract der Jahrestagung prämiert. In
diesem Jahr erhielt den mit jeweils 1.000 Euro dotierten Preis Dr. med.
Hristo Kirov (42), leitender Oberarzt an der Klinik für Herz- und
Thoraxchirurgie in Jena, Universitätsklinikum Jena. Seine Arbeit „Coronary
artery bypass grafting and percutaneous coronary intervention in patients
with chronic total occlusion“ zeigte das Ergebnis, dass die
Koronararterien-Bypass-Operation im Vergleich zur perkutanen
Koronarintervention im Laufe der Zeit bei Patienten mit chronischer
totaler Okklusion, die für beide Eingriffe geeignet sind, mit einer
überlegenen Überlebensrate verbunden. Zudem ist der Überlebensvorteil mit
weniger Ereignissen von Myokardinfarkten und wiederholten Interventionen
verbunden.

Gemeinsam mit dem Springer Medizin Verlag verlieh die DGHTG den
Publikationspreis, dotiert mit 2.500 Euro, an Dimitrios Stavridis (24),
Medizinstudent an der Medizinischen Fakultät Magdeburg und
Promotionsstipendiat in der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie,
ausgezeichnet. Unter dem Titel „ChatGPT und künstliche Intelligenz – Die
Zukunft ist jetzt!“ erklärt Stavridis, wie die Funktionen des KI-Programms
in der Herzchirurgie und für die die akademische Tätigkeit verwendbar
sind.

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»Von hier nach dort«: Sonderausstellung bringt Navigation auf den Weg

»Von hier nach dort – unterwegs mit Kompass und Navi!« - eine Mitmach-Ausstellung übers Navigieren im Europäischen Hansemuseum.  Lena Morgenstern
»Von hier nach dort – unterwegs mit Kompass und Navi!« - eine Mitmach-Ausstellung übers Navigieren im Europäischen Hansemuseum. Lena Morgenstern

Wie orientiert man sich zur See und auf dem Land? Welche
Navigationstechniken haben die Menschen früher benutzt und woher weiß
Google Maps eigentlich, wo man ist? Diesen Fragen geht das Europäische
Hansemuseum in Lübeck (EHM) vom 18. Februar bis 1. September 2024 in
seiner neuen Sonderausstellung nach. »Von hier nach dort – unterwegs mit
Kompass und Navi!« rückt das Thema Navigation in den Fokus, das auch eng
mit der Geschichte des Hansehandels verbunden ist. Mit ihren zahlreichen
Mitmachstationen richtet sich die Ausstellung speziell an Kinder,
Jugendliche und Familien.

Die interaktive Wanderausstellung »Von hier nach dort« wurde mit dem Ziel
entwickelt, die Themen Navigation und Orientierung kindgerecht und
spielerisch zu vermitteln und geht speziell auf die Lernbedürfnisse von
Kindern und Jugendlichen ein. Nach dem Motto »Verstehen durch
Ausprobieren« bietet sie Kindern ab acht Jahren an zahlreichen
Mitmachstationen Möglichkeiten, ihr Wissen zu testen, zu lernen und zu
verstehen. Die Kernfragen »Wo bin ich?«, »Wo ist mein Ziel?«, »Wie komme
ich dorthin?« und »Wie beschreibe ich den Weg dorthin?« stellen die Essenz
der Navigation dar, die durch das Stellen und Beantworten dieser Fragen in
der Ausstellung erfahrbar wird.

Navigation und Hanse
Und ganz nebenbei zeigt die Sonderausstellung die Geschichte und
Navigationstechniken vom Mittelalter bis heute. Kinder und Erwachsene
erfahren, was ein Sextant ist, wie man Handlot und Kompass benutzt, was
man an einer Seekarte ablesen kann und wie sich Navigationsprogramme bis
heute entwickelt haben. Da das Thema Navigation auch eng mit der
Geschichte des Hansehandels verbunden ist, wurde die Schau für Lübeck
eigens um diesen Aspekt ergänzt. Ein besonderes historisches Objekt – ein
Seebuch aus dem 15. Jahrhundert – mit dem sich die Hansekaufleute lange
Zeit auf See orientierten, veranschaulicht diesen Teil der
Navigationsgeschichte.

Ein Team von besonderen Charakteren begleitet die Entdecker:innen auf
ihrem Weg durch die Ausstellung: Ein mittelalterlicher Steuermann, eine
Astronautin, ein Storch, zwei Seglerinnen und ein Kartograph geben
nützliche und unterhaltsame Tipps, die im Alltag angewendet werden können.
Ihre besonderen Navigationsfähigkeiten helfen zudem dabei, Aufgaben in der
Ausstellung zu lösen. So können Kinder an einem Maltisch eine eigene
Landkarte zeichnen oder an der partizipativen Station im Eingangsbereich
eine Wegbeschreibung zu unserem Museum anfertigen und auf diese Weise
selbst Teil der Ausstellung werden.

Rahmenprogramm mit kostenfreien Angeboten für Schulen und Jugendgruppen
Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Workshops, Vorträgen,
Filmvorführungen und Kindergeburtstagen sowie Angeboten für Schulklassen
ergänzt die Sonderausstellung. Neben dem freien Museumseintritt, der für
Kinder bis 18 Jahre gilt, bietet das EHM auch das Programm zu dieser
Mitmach-Ausstellung für Schulklassen sowie für Jugend- und Sportvereine
kostenfrei an, um so möglichst vielen Kindern und Jugendlichen unabhängig
vom sozialen oder familiären Umfeld eine Teilnahme zu ermöglichen. Zur
Unterstützung wurde auch dieses Mal ein Spendenaufruf gestartet –
gespendet werden kann ganz einfach über die Homepage des Museums.

Die interaktive Wanderausstellung wurde von vier norddeutschen Museen –
dem Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven, dem Focke-Museum Bremen, der
Stiftung Historische Museen Hamburg (Altonaer Museum, Projekt Deutsches
Hafenmuseum) und dem Europäischen Hansemuseum – gemeinsam entwickelt. Nach
der ersten Station in Bremen im März 2022 und einem Sommer in Hamburg ist
»Von hier nach dort« ab Februar 2024 in Lübeck zu erleben, bevor die
Ausstellung im Oktober 2024 ihr Ziel in Bremerhaven erreicht.

Über das Europäische Hansemuseum
Das 2015 eröffnete Europäische Hansemuseum ist das weltweit größte Museum
zur Geschichte der Hanse. Es umfasst einen markanten Museumsneubau, das
denkmalgeschützte, mittelalterliche Burgkloster sowie Außenanlagen mit
Ausblick auf den Lübecker Hafen. In atmosphärischen Rauminszenierungen und
klassischen Museumskabinetten mit Originalobjekten erzählt die
Dauerausstellung in vier Sprachen (DE, EN, RUS, SV) von Wagemut und Alltag
der Kaufleute, vom städtischen Leben und Handel im Mittelalter sowie von
Organisation und Versammlung der Hanse vor 800 Jahren. Sonderausstellungen
sowie ein vielfältiges Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm ergänzen
die Dauerausstellung und bieten ein Forum für aktuelle Fragen. Dem EHM
angegliedert ist die Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des
Ostseeraums (FGHO), die historische und interdisziplinäre Forschung zur
hansischen Geschichte koordiniert.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.hansemuseum.eu/museum/#ansprechpartne

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Wieder keine freien Intensivbetten für kritisch kranke Kinder: DIVI fordert STIKO zum Handeln auf

Professor Florian Hoffmann, Dr. Ellen Heimberg und Prof. Sebastian Brenner  Daniel von Loeper, Uniklinik Tübingen, Uniklinik Dresden
Professor Florian Hoffmann, Dr. Ellen Heimberg und Prof. Sebastian Brenner Daniel von Loeper, Uniklinik Tübingen, Uniklinik Dresden

Eine aktuelle Ad-hoc-Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung
für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) verdeutlicht abermals Engpässe in
der Versorgung kritisch kranker Kinder im Winter. Aufgrund des eklatanten
Pflegemangels sowie akuter Krankheitsausfälle des Personals waren am
Stichtag nur 65 Prozent der pädiatrischen Intensivbetten überhaupt in
Betrieb. Knapp 40 Prozent dieser betreibbaren Betten wurden für Kinder mit
schweren RS-Virusverläufen oder anderen saisonal bedingten Infekten
benötigt. Insgesamt meldeten die Stationen im Schnitt weniger als ein
freies Bett pro Standort.

Die DIVI ist überzeugt: Impfungen der Kinder gegen RSV und Influenza
würden die begrenzten Ressourcen der Kindermedizin schonen und die
kritische Situation im Winter entspannen. „Die Möglichkeiten sind da. Wir
müssen sie nur ergreifen!“, appelliert Professor Florian Hoffmann,
Präsident elect der DIVI und Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital
der LMU München.

Die DIVI fordert deshalb die Ständige Impfkommission (STIKO) auf, nach
kritischer Analyse der Datenlage Empfehlungen für RSV- und Influenza-
Impfungen für Kinder auszusprechen.

„Wir beobachten die Strategien im Ausland gerade sehr genau“, begründet
Hoffmann die Forderung seiner Fachgesellschaft. In Frankreich, Luxemburg,
Spanien und den USA wird bereits seit längerem eine (nasale) Influenza-
Impfung für Kinder empfohlen. Zudem erhalten Säuglinge in den genannten
Ländern seit dieser Saison eine nur einmal notwendige passive
Immunisierung mit einem neu zugelassenen Passiv-Impfstoff gegen RSV. „Hier
gibt es erste Ergebnisse, die sehr vielversprechend sind. „Aus Luxemburg
und Spanien wissen wir, dass bei passiver RSV-Impfung von Neugeborenen und
Säuglingen signifikant weniger Kinder in diesem Winter in der Kinderklinik
und auf einer Kinderintensivstation behandelt werden mussten. Das sind
großartige Nachrichten!“

Möglichst nicht krank werden, ist die Lösung

Wenn die Kinderintensivmediziner weniger Infekt-Patienten im Winter
behandeln müssten, würde das die ohnehin schon knappen Betten-Ressourcen
deutlich schonen. Es gäbe wieder freie Plätze für andere akut oder
chronisch erkrankte Kinder.

„Im Sommer sind wir meist schon voll ausgelastet“, berichtet Dr. Ellen
Heimberg, stellvertretende Sprecherin der DIVI-Sektion Pädiatrische
Intensiv- und Notfallmedizin. „Im Winter werden wir dann durch die
Infektionswellen überrollt und müssen kritisch kranke Kinder zum Teil über
weite Entfernungen hinweg verlegen!“ Kinder, die dann nicht akut
lebensbedrohlich krank sind, müssen zudem hintenanstehen. Auch Operationen
werden immer wieder verschoben.

Ellen Heimberg, Oberärztin der Interdisziplinären Pädiatrischen
Intensivstation am Universitätsklinikum Tübingen, weiß auch mit Blick auf
die Zahlen, warum es derzeit auf den Kinderintensivstationen gar nicht
anders sein kann: In den 629 Betten, die in den 91 rückmeldenden
Kinderintensivstationen* stehen, können derzeit nur in 409 Betten
Patienten behandelt werden. Ursache hierfür sei laut Umfrageergebnissen
insbesondere der Pflegemangel, der sich aufgrund akuter Krankheitsausfälle
des Klinikpersonals im Winter noch weiter verschärfe.

Maximalversorger in Großstädten und Ballungsräumen sind besonders belastet

Vor allem in den Großstädten, in denen das Leben teuer ist, fehlen die
spezialisierten Kinderpflegekräfte. Gerade in den hier lokalisierten
„Maximalversorgern“, wie z.B. großen Universitätskliniken, werden sie
dringend benötigt, um eine umfassende Versorgung durch erfahrene Teams und
Spezialisten gewährleisten zu können. Diese Intensivstationen sind häufig
die letzte Anlaufstelle, wenn kleinere Kinderkliniken eine adäquate
Behandlung nicht mehr garantieren können. Hoffmann, Heimberg und DIVI-
Präsidiumsmitglied Prof. Sebastian Brenner, Bereichsleiter der
interdisziplinären Pädiatrischen Intensivmedizin und der Pädiatrischen
Notaufnahme der Unikinderklinik Dresden, analysierten die
Umfrageergebnisse auch mit Blick auf die Verteilung der Intensivbetten.

Die Stichprobe von Anfang Februar bestätigt: 38 der insgesamt 91
rückmeldenden Stationen verfügen über mehr als acht Kinderintensivbetten.
Sie würden eigentlich insgesamt 443 Betten stellen können. Aktuell sind es
nur 279. Heißt: 37 Prozent der Intensivbetten dort sind gesperrt – im
Durchschnitt 2,7 Betten pro Station.

37,2 Prozent dieser Betten waren zum Zeitpunkt der Stichprobe aufgrund von
schweren Verläufen akuter Infektionserkrankungen wie RSV und Influenza
belegt, in den 53 kleineren Kliniken waren mehr als die Hälfte (57,7
Prozent) der 130 betreibbaren Intensivbetten mit Patienten mit saisonal
bedingten Viruserkrankungen belegt.

Impfkampagnen können die Versorgungssituation direkt entspannen

Der jetzt schon eklatante Pflegemangel wird sich demografiebedingt in
absehbarer Zeit nicht ändern, die Situation in der Kinderintensivmedizin
spitzt sich von Jahr zu Jahr zu. „Wir brauchen in Deutschland für die
Versorgung kritisch kranker Kinder eine grundlegend neue Strategie, die
insbesondere zeitnah zu einer spürbaren Verbesserung führt“, unterstreicht
deshalb auch Sebastian Brenner.

DIVI-Präsident elect Florian Hoffmann braucht daher nur noch wenige Worte:
„Die STIKO ist jetzt gefordert. Durch Impfungen können genau diese raschen
Entlastungen realisiert werden!“

*Für die Umfrage sind 145 Kinderintensivstationen angeschrieben worden, 91
davon haben am 02.02.2024 geantwortet.

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