Neue Gießener Studie stellt Angehörige in den Fokus Eine gelungene Angehörigeneinbindung in die Versorgung von kranken, hilfsbedürftigen und alten Menschen gilt als unverhandelbar. Sie ist eine der Voraussetzungen, damit die Organisation des Tages, die Bewältigung all der Defizite, die sich aus bestehenden Einschränkungen ergeben, erfolgreich umgesetzt werden kann. Nicht umsonst heißt es, dass der größte Pflegedienst Deutschlands die Familie ist. Allein von den etwa 5 Millionen Pflegebedürftigen werden rund 80% zu Hause - also maßgeblich von den Angehörigen - betreut. Zugleich funktionieren bereits heute traditionell- familiäre Zusammenhalte immer weniger und dies vor einer demographischen Entwicklung, die zum Ergebnis hat, dass immer weniger junge Menschen einer zusehends größeren Gruppe alter Menschen gegenüberstehen.
Die Sozialwissenschaft und Psychologie wissen um die Notwendigkeit und Heilsamkeit lebensnaher, sozialer Unterstützung bzw. um die Auswirkungen bei deren Ausbleiben. Erschwerend hinzu kommt der sich verstärkende Trend, dass es immer schlechter gelingt, hinreichend viele Helfer in den unterschiedlichen sozialen, pflegenden und medizinischen Berufen auszubilden und dass zu viele den Beruf wieder verlassen. Umso größer die Notwendigkeit, dass die Zusammenarbeit zwischen den professionellen Helfern, den Arztpraxen, Krankenhäuern, ambulanten und stationären Pflegediensten - auf der einen Seite - und den Angehörigen und Patienten auf der anderen - bestmöglich funktioniert. Die Verantwortlichkeit für deren Gelingen liegt maßgeblich bei den hierfür durch die Gesellschaft beauftragten professionellen Partnern.
Eine neue Gießener Studie will nun eine „Standortbestimmung“ der erreichten Qualität der Zusammenarbeit erstellen. Wesentliches Ziel ist es, die unterschiedlichen Aspekte einer Angehörigenintegration zu erfassen und bestehende Unzulänglichkeiten, aber auch Ressourcen aufzuzeigen. Auch gilt es Organisationen bzw. Versorgungsbereiche zu identifizieren, in denen die Zusammenarbeit modellhaft funktioniert, denn Ziel der Studie ist es auch Entwicklungspfade gelungener Integration zu beschreiben.
Der zu diesem Zweck entwickelte Fragebogen richtet sich an berufliche Helfer, aber auch an betroffene Angehörige. Er ist in 15 Minuten zu bearbeiten. Der Onlinefragebogen ist ab 20. Januar 2024 unter www.angehoerigenintegration.de bis zum September 2024 freigeschaltet. Unter dieser Adresse finden sich auch weiterführende Informationen. Für die Aussagekraft der Befragung ist es wichtig, dass möglichst viele Personen teilnehmen.
Prof. Dr. Wolfgang George arbeitet seit über 30 Jahren als Versorgungs- und Organisationswissenschaftler. Der ausgebildete medizinische Psychologe und Krankenpfleger hat zahlreiche Artikel und Bücher verfasst. In drei seiner Bücher wird die Angehörigenintegration theoretisch begründet und darüber hinaus beschrieben wie es gelingt, diese in der Praxis umzusetzen. Der von Prof. George geleitete TransMIT Projektbereich für Versorgungsforschung führt seit 2006 Projekte und Beratungen der Versorgungsforschung und -gestaltung durch. Neben den Gießener Studien zu den psycho-sozialen und medizinisch-pflegerischen Sterbebedingungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wurde das Prinzip der Regionalen Gesundheitsversorgung initiiert. Zuletzt wurde von 2018 bis 2021 ein durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)-Innovationsfonds gefördertes Projekt realisiert, im welchem evidenzbasierte Leitlinien zur Reduktion der Verlegung von Sterbenden entwickelt und diese in einem Krankenhaus und einer Pflegeeinrichtung eingeführt wurden. Die systematische Einbindung der Angehörigen in allen Phasen des Vorgehens war erneut ein wichtiges Teilprojekt.
Verleihung der wissenschaftlichen Preise der DGTHG 2024 David Ausserhofer DGTHG/
Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) verlieh am 17. Februar 2024 im Rahmen der 53. Jahrestagung in Hamburg wissenschaftliche Preise und Stipendien an Mediziner:innen und Wissenschaftler:innen aus ganz Deutschland.
Anlässlich ihrer Jahrestagung am 17. Februar 2024 in Hamburg hat die DGTHG die besonderen Leistungen von Ärzt:innen sowie Wissenschaftler:innen mit renommierten medizinischen Forschungspreisen gewürdigt. Auf der Eröffnungsfeier der Jahrestagung wurden die Preise und Stipendien durch den DGTHG-Sekretär Professor Andreas Markewitz überreicht.
Den nach einem Pionier der deutschen Herzchirurgie benannten und mit 7.500 Euro dotierten Ernst-Derra-Preis erhält in diesem Jahr Prof. Dr. Alexander Assmann (42), Leitender Oberarzt & Leiter der Koronaren Bypasschirurgie in der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum der Heinrich-Heine- Universität in Düsseldorf. Das ausgezeichnete Projekt ist ein weiterer Meilenstein der Arbeitsgruppe „Cardiovascular Biomaterials Engineering and Translational Research“ in ihrer Forschungstätigkeit zur Optimierung biologischer kardiovaskulärer Implantate. Erstmalig konnte in einem lebenden Organismus demonstriert werden, dass eine Reduktion der systemischen antioxidativen Aktivität zur kalzifizierenden Degeneration biologischer Herzklappen- und Gefäßprothesen beiträgt. Hieraus können sich neue Ansätze für Implantat-protektive Therapien entwickeln.
Der Gefäßchirurgische Forschungspreis der DGTHG, dotiert mit 5.000 Euro, wurde dieses Jahr an Bianca Hamann (26), wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, für ihre Arbeit „Regulation of CD163 receptor in patients with abdominal aortic aneurysm an associations with antioxidant enzymes HO-1 and NQO1“ verliehen. Die Forschungsgruppe beschäftigt sich u.a. mit anti- oxidativen Mechanismen, zu denen das CD163-Hämoxygenase-1 System gehört, und dessen protektive Wirkung bereits bei arteriosklerotischen Erkrankungen gezeigt werden konnte, um Degenerationen der Aortenwand entgegenzuwirken.
Gemeinsam mit Abbott Medical verlieh die DGTHG den mit 5.000 Euro dotierten Josef Koncz-Preis an Dr. med. Jonas Pausch (35), Assistenzarzt, Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg-Eppendorf, für seine Arbeit „Subannular repair in secondary mitral regurgitation with restricted leaflet motion during systole“. Im Rahmen einer prospektiven, multizentrischen Registerstudie untersuchte das Team um Dr. Pausch die Sicherheit, Effektivität sowie Durabilität einer neuartigen, standardisierten Papillarmuskelrepositionierung (PMR) zur Behandlung der sekundären Mitralklappeninsuffizienz mit restriktiver, systolischer Segelbewegung (SMR Typ IIIb).
Der mit 7.500 Euro dotierte Franz-Köhler-Preis für besondere Leistungen in Forschung oder klinischer Praxis ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Udo Boeken (57), Oberarzt und Bereichsleiter „Herztransplantation / Herzinsuffizienz“ der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine langjährige Forschung zielt auf die Optimierung der Organprotektion durch Modulation des Ischämie- Reperfusionsschadens in der Herzchirurgie.
Der Dr. Rusche-Forschungsprojekt-Preis wird von der DGTHG zusammen mit der Deutschen Stiftung für Herzforschung, einer Schwesterorganisation der Deutschen Herzstiftung, vergeben. Mit einer Gesamtsumme von 60.000 Euro wird das Forschungsvorhaben von Dr. med. Tim Knochenhauer (30), Assistenzarzt in der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des UKE Hamburg, unterstützt. Mit seinem Forschungsprojekt „B-ACS – Biomarkers After Cardiac Surgery“ untersucht Dr. Knochenhauer die perioperative Dynamik kardialer Marker im Rahmen herzchirurgischer Eingriffe mit den Zielen, die Unterscheidung zwischen einer prozeduralen Myokardschädigung und einem Myokardinfarkt zu erleichtern, und die Bedeutung der Biomarker-Dynamik für das postoperative Outcome von Patient:innen nach herzchirurgischem Eingriff zu beschreiben.
Den Georg Wilhelm Rodewald-Preis erhielt 2023 Dr. med. Christopher Gaisendrees (34), Assistenzarzt und stellv. Leitung der Arbeitsgruppe Aortenerkrankungen am Klinikum Herzchirurgie, Universität Köln, für seine Arbeit „Treatment of acute type A aortic dissection with the Ascyrus Medical Dissection Stent in a consecutive series of 57 cases“. Die Forschung analysierte ein spezielles Patientenkollektiv an zwei großen deutschen herzchirurgischen Zentren, welches im Zuge einer Aortendissektion mit dem Ascyrus Medical Dissection Stent (AMDS) – einer neuen hybriden Bogenprothese – versorgt wurde.
Der Werner Klinner-Preis wird für patientennahe wissenschaftliche Publikationen verliehen, die die chirurgische oder interdisziplinäre Behandlung angeborener Herzfehler bei Kindern und Jugendlichen zum Inhalt haben. In diesem Jahr verlieh die DGTHG gemeinsam mit der Asamoah Stiftung den Preis an Dr. med. Jussli Melchers (45), Fachärztin für Herzchirurgie an der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie, Campus Kiel, für ihre Arbeit „Pulmonary valve reconstruction for acquired pulmonary regurgitation in patients with treated congenital heart disease“. Mit der Forschung konnte nachgewiesen werden, dass ein ähnliches Remodeling des rechten Ventrikels erreicht werden kann, wie nach einem Pulmonalklappenersatz,
Gemeinsam mit der Ulrich-Karsten-Stiftung verlieh die DGTHG den Forschungspreis für Kardiovaskuläre Medizin, dotiert mit 10.000 Euro, für hervorragende wissenschaftliche Leistungen mit zukunftsorientierter Forschungsintention, an Dr. med. Monhanta Sarajo (39), Forschungsgruppenleiter, Fakultätsmitglied am Klinikum der Ludwig- Maximilian-Universität München. Seine Forschung konnte zeigen, dass das Immunsystem, Nervensystem und kardiovaskuläre System miteinander interagieren, um neuroimmune kardiovaskuläre Schnittstellen bei der Atherosklerose zu bilden. Im Tiermodell konnte nachgewiesen werden, dass das Durchtrennen von bestimmten Schnittstellen hier das Fortschreiten der Atherosklerose verringert.
Der Herzmedizinische Förderpreis, dotiert mit 2.500 Euro, ging in diesem Jahr an Dr. med. Kun Lu (32), Assistenzarzt an der herzchirurgischen Klinik und Poliklinik, Ludwig-Maximilians-Universität München, für seine Arbeit „Maturation of human induced pluripotent stem cell based myocardium by biomechanical stimulation of three-dimensional tissue cultures“. Der in seiner Arbeit vorgestellte integrierte biomimetische Ansatz vereinfacht nicht nur die Herstellung hochreifer menschlicher EHTs, sondern könnte auch entscheidende Einblicke in die Biomechanik der Herzentwicklung liefern.
Nach dem Herzchirurgen Hans Georg Borst ist der Preis benannt, mit dem die DGTHG jährlich das bestbewertete Abstract der Jahrestagung prämiert. In diesem Jahr erhielt den mit jeweils 1.000 Euro dotierten Preis Dr. med. Hristo Kirov (42), leitender Oberarzt an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie in Jena, Universitätsklinikum Jena. Seine Arbeit „Coronary artery bypass grafting and percutaneous coronary intervention in patients with chronic total occlusion“ zeigte das Ergebnis, dass die Koronararterien-Bypass-Operation im Vergleich zur perkutanen Koronarintervention im Laufe der Zeit bei Patienten mit chronischer totaler Okklusion, die für beide Eingriffe geeignet sind, mit einer überlegenen Überlebensrate verbunden. Zudem ist der Überlebensvorteil mit weniger Ereignissen von Myokardinfarkten und wiederholten Interventionen verbunden.
Gemeinsam mit dem Springer Medizin Verlag verlieh die DGHTG den Publikationspreis, dotiert mit 2.500 Euro, an Dimitrios Stavridis (24), Medizinstudent an der Medizinischen Fakultät Magdeburg und Promotionsstipendiat in der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, ausgezeichnet. Unter dem Titel „ChatGPT und künstliche Intelligenz – Die Zukunft ist jetzt!“ erklärt Stavridis, wie die Funktionen des KI-Programms in der Herzchirurgie und für die die akademische Tätigkeit verwendbar sind.
»Von hier nach dort – unterwegs mit Kompass und Navi!« - eine Mitmach-Ausstellung übers Navigieren im Europäischen Hansemuseum. Lena Morgenstern
Wie orientiert man sich zur See und auf dem Land? Welche Navigationstechniken haben die Menschen früher benutzt und woher weiß Google Maps eigentlich, wo man ist? Diesen Fragen geht das Europäische Hansemuseum in Lübeck (EHM) vom 18. Februar bis 1. September 2024 in seiner neuen Sonderausstellung nach. »Von hier nach dort – unterwegs mit Kompass und Navi!« rückt das Thema Navigation in den Fokus, das auch eng mit der Geschichte des Hansehandels verbunden ist. Mit ihren zahlreichen Mitmachstationen richtet sich die Ausstellung speziell an Kinder, Jugendliche und Familien.
Die interaktive Wanderausstellung »Von hier nach dort« wurde mit dem Ziel entwickelt, die Themen Navigation und Orientierung kindgerecht und spielerisch zu vermitteln und geht speziell auf die Lernbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ein. Nach dem Motto »Verstehen durch Ausprobieren« bietet sie Kindern ab acht Jahren an zahlreichen Mitmachstationen Möglichkeiten, ihr Wissen zu testen, zu lernen und zu verstehen. Die Kernfragen »Wo bin ich?«, »Wo ist mein Ziel?«, »Wie komme ich dorthin?« und »Wie beschreibe ich den Weg dorthin?« stellen die Essenz der Navigation dar, die durch das Stellen und Beantworten dieser Fragen in der Ausstellung erfahrbar wird.
Navigation und Hanse Und ganz nebenbei zeigt die Sonderausstellung die Geschichte und Navigationstechniken vom Mittelalter bis heute. Kinder und Erwachsene erfahren, was ein Sextant ist, wie man Handlot und Kompass benutzt, was man an einer Seekarte ablesen kann und wie sich Navigationsprogramme bis heute entwickelt haben. Da das Thema Navigation auch eng mit der Geschichte des Hansehandels verbunden ist, wurde die Schau für Lübeck eigens um diesen Aspekt ergänzt. Ein besonderes historisches Objekt – ein Seebuch aus dem 15. Jahrhundert – mit dem sich die Hansekaufleute lange Zeit auf See orientierten, veranschaulicht diesen Teil der Navigationsgeschichte.
Ein Team von besonderen Charakteren begleitet die Entdecker:innen auf ihrem Weg durch die Ausstellung: Ein mittelalterlicher Steuermann, eine Astronautin, ein Storch, zwei Seglerinnen und ein Kartograph geben nützliche und unterhaltsame Tipps, die im Alltag angewendet werden können. Ihre besonderen Navigationsfähigkeiten helfen zudem dabei, Aufgaben in der Ausstellung zu lösen. So können Kinder an einem Maltisch eine eigene Landkarte zeichnen oder an der partizipativen Station im Eingangsbereich eine Wegbeschreibung zu unserem Museum anfertigen und auf diese Weise selbst Teil der Ausstellung werden.
Rahmenprogramm mit kostenfreien Angeboten für Schulen und Jugendgruppen Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Workshops, Vorträgen, Filmvorführungen und Kindergeburtstagen sowie Angeboten für Schulklassen ergänzt die Sonderausstellung. Neben dem freien Museumseintritt, der für Kinder bis 18 Jahre gilt, bietet das EHM auch das Programm zu dieser Mitmach-Ausstellung für Schulklassen sowie für Jugend- und Sportvereine kostenfrei an, um so möglichst vielen Kindern und Jugendlichen unabhängig vom sozialen oder familiären Umfeld eine Teilnahme zu ermöglichen. Zur Unterstützung wurde auch dieses Mal ein Spendenaufruf gestartet – gespendet werden kann ganz einfach über die Homepage des Museums.
Die interaktive Wanderausstellung wurde von vier norddeutschen Museen – dem Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven, dem Focke-Museum Bremen, der Stiftung Historische Museen Hamburg (Altonaer Museum, Projekt Deutsches Hafenmuseum) und dem Europäischen Hansemuseum – gemeinsam entwickelt. Nach der ersten Station in Bremen im März 2022 und einem Sommer in Hamburg ist »Von hier nach dort« ab Februar 2024 in Lübeck zu erleben, bevor die Ausstellung im Oktober 2024 ihr Ziel in Bremerhaven erreicht.
Über das Europäische Hansemuseum Das 2015 eröffnete Europäische Hansemuseum ist das weltweit größte Museum zur Geschichte der Hanse. Es umfasst einen markanten Museumsneubau, das denkmalgeschützte, mittelalterliche Burgkloster sowie Außenanlagen mit Ausblick auf den Lübecker Hafen. In atmosphärischen Rauminszenierungen und klassischen Museumskabinetten mit Originalobjekten erzählt die Dauerausstellung in vier Sprachen (DE, EN, RUS, SV) von Wagemut und Alltag der Kaufleute, vom städtischen Leben und Handel im Mittelalter sowie von Organisation und Versammlung der Hanse vor 800 Jahren. Sonderausstellungen sowie ein vielfältiges Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm ergänzen die Dauerausstellung und bieten ein Forum für aktuelle Fragen. Dem EHM angegliedert ist die Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO), die historische und interdisziplinäre Forschung zur hansischen Geschichte koordiniert.
Professor Florian Hoffmann, Dr. Ellen Heimberg und Prof. Sebastian Brenner Daniel von Loeper, Uniklinik Tübingen, Uniklinik Dresden
Eine aktuelle Ad-hoc-Umfrage der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) verdeutlicht abermals Engpässe in der Versorgung kritisch kranker Kinder im Winter. Aufgrund des eklatanten Pflegemangels sowie akuter Krankheitsausfälle des Personals waren am Stichtag nur 65 Prozent der pädiatrischen Intensivbetten überhaupt in Betrieb. Knapp 40 Prozent dieser betreibbaren Betten wurden für Kinder mit schweren RS-Virusverläufen oder anderen saisonal bedingten Infekten benötigt. Insgesamt meldeten die Stationen im Schnitt weniger als ein freies Bett pro Standort.
Die DIVI ist überzeugt: Impfungen der Kinder gegen RSV und Influenza würden die begrenzten Ressourcen der Kindermedizin schonen und die kritische Situation im Winter entspannen. „Die Möglichkeiten sind da. Wir müssen sie nur ergreifen!“, appelliert Professor Florian Hoffmann, Präsident elect der DIVI und Oberarzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München.
Die DIVI fordert deshalb die Ständige Impfkommission (STIKO) auf, nach kritischer Analyse der Datenlage Empfehlungen für RSV- und Influenza- Impfungen für Kinder auszusprechen.
„Wir beobachten die Strategien im Ausland gerade sehr genau“, begründet Hoffmann die Forderung seiner Fachgesellschaft. In Frankreich, Luxemburg, Spanien und den USA wird bereits seit längerem eine (nasale) Influenza- Impfung für Kinder empfohlen. Zudem erhalten Säuglinge in den genannten Ländern seit dieser Saison eine nur einmal notwendige passive Immunisierung mit einem neu zugelassenen Passiv-Impfstoff gegen RSV. „Hier gibt es erste Ergebnisse, die sehr vielversprechend sind. „Aus Luxemburg und Spanien wissen wir, dass bei passiver RSV-Impfung von Neugeborenen und Säuglingen signifikant weniger Kinder in diesem Winter in der Kinderklinik und auf einer Kinderintensivstation behandelt werden mussten. Das sind großartige Nachrichten!“
Möglichst nicht krank werden, ist die Lösung
Wenn die Kinderintensivmediziner weniger Infekt-Patienten im Winter behandeln müssten, würde das die ohnehin schon knappen Betten-Ressourcen deutlich schonen. Es gäbe wieder freie Plätze für andere akut oder chronisch erkrankte Kinder.
„Im Sommer sind wir meist schon voll ausgelastet“, berichtet Dr. Ellen Heimberg, stellvertretende Sprecherin der DIVI-Sektion Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin. „Im Winter werden wir dann durch die Infektionswellen überrollt und müssen kritisch kranke Kinder zum Teil über weite Entfernungen hinweg verlegen!“ Kinder, die dann nicht akut lebensbedrohlich krank sind, müssen zudem hintenanstehen. Auch Operationen werden immer wieder verschoben.
Ellen Heimberg, Oberärztin der Interdisziplinären Pädiatrischen Intensivstation am Universitätsklinikum Tübingen, weiß auch mit Blick auf die Zahlen, warum es derzeit auf den Kinderintensivstationen gar nicht anders sein kann: In den 629 Betten, die in den 91 rückmeldenden Kinderintensivstationen* stehen, können derzeit nur in 409 Betten Patienten behandelt werden. Ursache hierfür sei laut Umfrageergebnissen insbesondere der Pflegemangel, der sich aufgrund akuter Krankheitsausfälle des Klinikpersonals im Winter noch weiter verschärfe.
Maximalversorger in Großstädten und Ballungsräumen sind besonders belastet
Vor allem in den Großstädten, in denen das Leben teuer ist, fehlen die spezialisierten Kinderpflegekräfte. Gerade in den hier lokalisierten „Maximalversorgern“, wie z.B. großen Universitätskliniken, werden sie dringend benötigt, um eine umfassende Versorgung durch erfahrene Teams und Spezialisten gewährleisten zu können. Diese Intensivstationen sind häufig die letzte Anlaufstelle, wenn kleinere Kinderkliniken eine adäquate Behandlung nicht mehr garantieren können. Hoffmann, Heimberg und DIVI- Präsidiumsmitglied Prof. Sebastian Brenner, Bereichsleiter der interdisziplinären Pädiatrischen Intensivmedizin und der Pädiatrischen Notaufnahme der Unikinderklinik Dresden, analysierten die Umfrageergebnisse auch mit Blick auf die Verteilung der Intensivbetten.
Die Stichprobe von Anfang Februar bestätigt: 38 der insgesamt 91 rückmeldenden Stationen verfügen über mehr als acht Kinderintensivbetten. Sie würden eigentlich insgesamt 443 Betten stellen können. Aktuell sind es nur 279. Heißt: 37 Prozent der Intensivbetten dort sind gesperrt – im Durchschnitt 2,7 Betten pro Station.
37,2 Prozent dieser Betten waren zum Zeitpunkt der Stichprobe aufgrund von schweren Verläufen akuter Infektionserkrankungen wie RSV und Influenza belegt, in den 53 kleineren Kliniken waren mehr als die Hälfte (57,7 Prozent) der 130 betreibbaren Intensivbetten mit Patienten mit saisonal bedingten Viruserkrankungen belegt.
Impfkampagnen können die Versorgungssituation direkt entspannen
Der jetzt schon eklatante Pflegemangel wird sich demografiebedingt in absehbarer Zeit nicht ändern, die Situation in der Kinderintensivmedizin spitzt sich von Jahr zu Jahr zu. „Wir brauchen in Deutschland für die Versorgung kritisch kranker Kinder eine grundlegend neue Strategie, die insbesondere zeitnah zu einer spürbaren Verbesserung führt“, unterstreicht deshalb auch Sebastian Brenner.
DIVI-Präsident elect Florian Hoffmann braucht daher nur noch wenige Worte: „Die STIKO ist jetzt gefordert. Durch Impfungen können genau diese raschen Entlastungen realisiert werden!“
*Für die Umfrage sind 145 Kinderintensivstationen angeschrieben worden, 91 davon haben am 02.02.2024 geantwortet.