Das Wichtigste ist die Frage nach der wissenschaftlichen Erkenntnis«
Seit April 2022 leitet Prof. Dr. Julia von Maltzahn an der
Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) das
neue Fachgebiet Stammzellbiologie des Alters. Ihr großes Engagement in
Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung sowie der International Day of
Women and Girls in Science am 11. Februar sind Anlass, die
Wissenschaftlerin vorzustellen.
„Mich hat interessiert, warum Dinge im Organismus und in der Natur in
dieser Form organisiert sind und wie genau sie funktionieren“, blickt
Julia von Maltzahn auf die Anfänge ihrer akademischen Ausbildung zurück.
Folgerichtig absolvierte sie ab 1997 ein Studium der Biologie an der
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Arbeiten aus dem Bereich
der Molekulargenetik aus ihrer Diplomarbeit konnte sie hier im Rahmen der
2008 abgeschlossenen Promotion erfolgreich fortführen. Weitere wichtige
Stationen waren die Tätigkeit als PostDoc am Ottawa Hospital Research
Institute in Kanada sowie die langjährige Leitung einer eigenständigen
Arbeitsgruppe am Leibniz Institut für Alternsforschung in Jena.
Gute Bedingungen, um wissenschaftlich zu arbeiten, sowie ein hohes
Entwicklungspotential für neue Forschungsvorhaben und interdisziplinäre
Kollaborationen motivierten sie, an die BTU nach Senftenberg zu wechseln.
Prof. Dr. rer. nat. Julia von Maltzahn befasst sich hier mit ihrem Team
vom Fachgebiet Stammzellbiologie des Alters insbesondere mit der Frage,
warum der Skelettmuskel im Alter weniger gut regeneriert. Dazu untersucht
sie unter anderem Veränderungen, die im Alter in den Muskelstammzellen
auftreten und wie sich diese auf die Bildung von Muskeln nach Verletzung
auswirken. Außerdem gilt das Interesse der Forschenden den Veränderungen,
die in alternsassoziierten Erkrankungen im Skelettmuskel vorkommen,
beispielsweise bei Krebs-bedingtem Muskelschwund. Ein dritter Schwerpunkt
sind Rhabdomyosarkome – Weichteiltumore, bei denen man davon ausgeht, dass
sie aus Muskelvorläuferzellen entstehen.
„Das Ziel unserer Forschung ist das bessere Verständnis der biologischen
Prozesse, die bei der Muskelregeneration eine Rolle spielen, und wie man
die Regeneration im Alter und bei verschiedenen Erkrankungen verbessern
kann“, erklärt die Wissenschaftlerin.
„Das Wichtigste, um auf diesem Feld zu bestehen, ist meiner Meinung nach
eine Art von kindlicher Neugierde und eine intrinsische Motivation,
herausfinden zu wollen, warum biologische Prozesse so sind, also die Frage
nach der wissenschaftlichen Erkenntnis.“
In kurzer Zeit brachte sich Prof. Julia von Maltzahn in die universitäre
Gemeinschaft der BTU ein und übernahm Verantwortung – so bereits seit
September 2022 als Prodekanin für Forschung der Fakultät für
Gesundheitswissenschaften. Sie wirkt in Gremien der universitären
Selbstverwaltung mit, wirbt kompetitive Drittmittel ein, um weitere
spannende Forschungsprojekte zu bearbeiten, etabliert Kooperationen,
fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs, lehrt in den Studiengängen der
Biotechnologie und betreut in ihrer Arbeitsgruppe Abschlussarbeiten von
Studierenden. Bei der Organisation wissenschaftlicher Tagungen ist sie
ebenso aktiv wie bei der Unterstützung studentischer Veranstaltungen oder
der Betreuung wissenschaftlich interessierter Schüler*innen, die erstmals
Laborluft schnuppern. Gern gibt sie ihr Wissen in öffentlichen Vorträgen
weiter – so in der Seniorenakademie der Universität oder am 4. Mai wieder
im BTU-Programm zum Potsdamer Tag der Wissenschaften.
„Das alles ist eine Herausforderung im Hinblick auf das Zeitmanagement,
erfordert Organisationstalent, macht aber auch sehr viel Spaß“, betont die
Professorin und hebt hervor: „An der BTU fühle ich mich super aufgehoben,
alle Kolleginnen und Kollegen haben mich und meine Arbeitsgruppe, die wir
hier neu etabliert haben, mit offenen Armen empfangen und uns jegliche
Unterstützung geboten, die man sich wünschen kann. Es ist ein Privileg,
jeden Morgen zur Arbeit zu gehen und sich darauf freuen zu können, zum
einen auf die Tätigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten aber genauso auf
die Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen der BTU, mit denen man
jeden Tag zusammenarbeitet.“
Mädchen und Frauen, die studieren, vielleicht eine wissenschaftliche
Laufbahn einschlagen möchten und noch unsicher sind, in welche Richtung es
gehen soll, gibt Prof. Julia von Maltzahn Folgendes auf den Weg:
„Machen Sie ein Praktikum in einem Bereich, der Sie interessiert.
Probieren Sie den Studiengang aus. Oft kommt es aber anders als gedacht,
denn durch das Studium öffnet sich einem eine ganz neue Welt. Ich hatte
nach der Schule gedacht, dass ich auf einer einsamen Nordseeinsel Vögel
kartieren würde und fand das auch spannend – etwas anderes kannte ich aus
der Schule nicht. Dann hat sich mir im Studium die Welt der
Molekularbiologie eröffnet und jetzt untersuche ich mit Hilfe
molekularbiologischer Methoden Regenerationsprozesse.
Solange es Ihnen Spaß macht, ist es das richtige Studium. Wenn Sie gerne
in die Lehrveranstaltungen gehen und danach denken: cool, was ich heute
gelernt habe, und es Ihnen ein Strahlen auf das Gesicht zaubert, dann ist
es das richtige. Wenn nicht, dann nicht. Manchmal muss man es einfach
ausprobieren.“
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