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Ein Plan für nicht planbare Veränderungen – Neuer Forschungsschwerpunkt zu digitaler Transformation an der FH Dortmund

Das Projektteam von
Das Projektteam von "DigiTransPro" an der FH Dortmund (von rechts): Prof. Dr. Jan Christoph Albrecht, Prof. Dr. Carsten Wolff, Hermina Motruk, Prof. Dr. André Dechange und Prof. Dr. Marco Boehle. Benedikt Reichel Fachhochschule Dortmund

Unter dem Namen „DigiTransPro“ entsteht an der Fachhochschule Dortmund ein
neuer Forschungsschwerpunkt zu digitalen Transformationsprozessen. Die
Frage, der Lehrende, Promovierende und Studierende insbesondere der
Fachbereiche Informatik und Wirtschaft nachgehen wollen, lautet: Wie kann
der digitale Wandel in Unternehmen, aber auch in der Gesellschaft
gestaltet werden?

„Digitalisierung ist die technische Automatisierung vorhandener Prozesse“,
erklärt Prof. Dr. Carsten Wolff, Lehrender am Fachbereich Informatik und
im Vorstand des Instituts für die Digitalisierung von Arbeits- und
Lebenswelten (IDiAL) der FH Dortmund. „Transformation ist einen Schritt
größer. Sie beschreibt eine Entwicklung, die bisher so nicht möglich und
damit auch so nicht vorhersehbar war.“ Messenger-Dienste und Social Media
etwa seien eine Transformation der Kommunikation. Ähnliche Umbrüche
durchlaufen aktuell viele Branchen.

Wenn Prof. Wolff über (digitale) Transformation spricht, beginnt er auch
mal bei Leonardo Da Vincis Schuhmacher: „Der konnte sich im 15.
Jahrhundert auch nicht vorstellen, dass wir heute Schuhe irgendwo auf der
Welt produzieren, ohne den Fuß ausgemessen zu haben. Und dass wir diese
Schuhe in Geschäfte stellen, ohne zu wissen, ob sie dort gekauft werden.“
So aber funktioniert der Schuhmarkt heute. Auch die Industrielle
Revolution war eine Transformation. „Die Industrialisierung hat sich
durchgesetzt, denn die Massenproduktion mit standardisierten Verfahren war
effizienter“, erklärt Carsten Wolff. Wenn digitale Transformation die
Effizienz ebenfalls steigert, werde sie sich auch durchsetzen. Was das für
den Schuhkauf bedeutet, weiß auch Professor Wolff heute noch nicht:
„Vielleicht schaue ich bald nur in eine Kamera und eine KI erstellt den
passenden Schuh nach meinen Wünschen – ohne, dass ich diese aussprechen
muss. Wir sind bei der digitalen Transformation noch ganz am Anfang.“

Die Herausforderung liegt darin, Veränderungsprozesse zu gestalten, ohne
vorab schon das Ergebnis zu kennen. „Genau dafür wollen wir Methodiken
generieren, die sich an bestehenden Ideen des Projektmanagements
orientieren, aber auch darüber hinausgehen“, erklärt Dr. Jan Christoph
Albrecht, Professor für Projektmanagement am Fachbereich Wirtschaft. Mit
dem internationalen Studiengang „European Master in Projekt Management“
sei die FH Dortmund dafür bereits gut positioniert. „Wir wollen
Projektmanagement in allen Fachrichtungen und möglichst vielen
Studiengängen der FH Dortmund verankern“, ergänzt Carsten Wolff. Diese
interdisziplinäre Ausrichtung sei wichtig, um den technologischen Wandel
mit neuen Partizipationsansätzen voranzutreiben.

„Digitale Transformation betrifft nicht nur ein einzelnes Unternehmen oder
eine einzelne Branche, sie wirkt in die Gesellschaft“, betont auch Prof.
Albrecht. Darum benötigen Veränderungsprozesse ein gutes Management.
Heißt: den Wandel Schritt für Schritt vorantreiben, dabei alle Beteiligten
mitnehmen und zugleich die große Vision nicht aus den Augen verlieren.
Carsten Wolff: „In vielen Ländern ist Projektmanager*in bereits eine
geschützte Berufsbezeichnung, die eine Ausbildung erfordert. In
Deutschland haben wir noch Nachholbedarf. Mit DigiTransPro werden wir dazu
beitragen, Veränderungsprozesse zu professionalisieren.“

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Hintergrund:
Der Aufbau des Forschungsschwerpunkts wird im Projekt „DigiTransPro –
Digital Transformation Projects: Projektmanagement für digitale
Transformation“ durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des
Landes Nordrhein-Westfalen mit 277.486 Euro im Programm „Focus Forschung –
HAW-Kooperation“ gefördert. Neben Prof. Dr. Carsten Wolff und Prof. Dr.
Jan Christoph Albrecht sind auch Prof. Dr. Marco Boehle mit seinem
Schwerpunkt proaktives Kostenmanagement und digitales Controlling sowie
Prof. Dr. André Dechange mit dem Schwerpunkt Projektmanagement am Aufbau
des neuen Forschungsschwerpunkts beteiligt.

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H₂-Kettenreaktionen gemeinsam im Griff

Prof. Arnold Gillner, Abteilungsleiter Business Development Forschungsmärkte Fraunhofer ILT: »Wir suchen 6 industrielle Partner von kleinen, mittleren, aber auch gerne größeren Unternehmen, die in unserem Netzwerk ›Laser in hydrogen technology‹ mitmachen.«  © Fraunhofer ILT, Aachen.
Prof. Arnold Gillner, Abteilungsleiter Business Development Forschungsmärkte Fraunhofer ILT: »Wir suchen 6 industrielle Partner von kleinen, mittleren, aber auch gerne größeren Unternehmen, die in unserem Netzwerk ›Laser in hydrogen technology‹ mitmachen.« © Fraunhofer ILT, Aachen.

LKH₂ – Laser Colloquium Hydrogen 2023: Denken in Prozessen und Teamwork in
Netzwerken
Rund 70 Fachleute aus Industrie und Wissenschaft trafen sich im September
2023 auf dem LKH₂ – Laser Colloquium Hydrogen auf dem Forschungscampus
Digital Photonic Production (DPP) der RWTH Aachen University. Im
Mittelpunkt des Herbstkongresses des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik
ILT standen Anwendungsmöglichkeiten von Lasern für die
Wasserstoffproduktion. Wie wichtig dabei das Denken in Prozessketten ist,
erfuhren die Teilnehmenden bei vielen Referaten und den Laborvorführungen
am Fraunhofer ILT und dem benachbarten Fraunhofer-Institut für
Produktionstechnologie IPT.

Weltweit haben Hersteller von Güterverkehrsmitteln Wasserstoffantriebe
fest im Blick: »Die Nutzfahrzeuge der Zukunft brauchen nicht nur
Batterien, sie brauchen auch Wasserstoff«, erklärte Martin Daum,
Vorstandvorsitzender der Daimler Truck AG, im Fraunhofer-Magazin 3/23.
Daimler Truck plant mit der Toyota Motoren Corporation eine Zusammenarbeit
bei Wasserstoffantrieben. 2021 startete das Unternehmen aus Leinfelden-
Echterdingen bei Stuttgart mit der Volvo Group das Joint Venture
cellcentric, um eine der größten Produktionsstätten für Brennstoffzellen
in Europa aufzubauen. Eine zentrale Aufgabe hat dabei der Laser, ein
Allroundwerkzeug: Beim batterieelektrischen 19-Tonner eActros kommt er
bereits zum Einsatz.

Die zweispurige Strategie mit Wasserstoff und Batterie von Daimler Truck
deckt sich ebenfalls mit den Entwicklungen, die Prof. Arnold Gillner,
Abteilungsleiter Business Development Forschungsmärkte am Fraunhofer ILT,
auf dem LKH₂ – Laser Colloquium Hydrogen anhand einer »Roadmap Hydrogen
Market« der Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) aus Berlin skizzierte.
Sowohl etablierte als auch potenzielle Anwender, einschließlich der
Prozessindustrie, erkennen zunehmend den Bedarf an Wasserstoff. Dies gilt
ebenfalls für Bereiche wie die Produktion von grünem Stahl.

Die Nachfrage nach grünem Wasserstoff ist immens, ebenso die Ideen, wofür
der nachhaltige Treibstoff verwendet werden kann. Viele Branchen
beschäftigen sich daher mit Verfahren zur Serienproduktion von
Brennstoffzellen und Elektrolyseuren. Laser sind dafür hervorragend
geeignet aufgrund ihrer hohen Präzision, Flexibilität und Skalierbarkeit
der Prozesse sowie die Integrierbarkeit in bestehende Produktionsanlagen.
Weiterer Vorteil: Lasern ist ein grüner Prozess, denn er senkt CO₂-
Emissionen und den Verbrauch von Ressourcen. Laut Gillner gewinnen Laser
daher auch in der Wasserstoffproduktion zunehmend an Bedeutung. Zwei
Beispiele von vielen: Ultrakurzpulslaser erzeugen Wasserstoff direkt aus
Salzwasser; das Trennen von Methan mit Laserverfahren soll dreimal
schneller ablaufen als der konventionelle thermokatalytische Prozess.

All diese Verfahren haben einen gemeinsamen Nenner: Sie erfordern
Prozessdenken in Ketten. Das gelingt am besten, wenn alle Akteure an einem
Strang ziehen. Gillner sprach daher erneut seine Vision vom Aufbau einer
gemeinsamen Wasserstoff-Plattform an, die der Experte für Forschungsmärkte
mit einem Aufruf an die H₂-Community konkretisierte: »Wir suchen sechs
industrielle Partner von kleinen, mittleren, aber auch gerne größeren
Unternehmen, die in unserem Netzwerk »Laser in hydrogen technology«
mitmachen.« Die verlockenden Angebote aus Aachen: gemeinsame Forschungs-
und Entwicklungsprojekte, kontinuierlicher Know-how-Austausch sowie
Zusammenarbeit im 2022 eröffneten Wasserstofflabor, Deutschlands bisher
größtes Testfeld für die gesamte H₂-Prozesskette.

Vorbild Aachen – Gestern Tagebau, heute Laser-Netz

Vorbilder für das Netzwerken lernten die Teilnehmenden in Aachen mehrfach
kennen: So berichtete Edwin Büchter, geschäftsführender Gesellschafter der
Clean-Lasersysteme GmbH aus Herzogenrath und Projektkoordinator vom
Bündnis LASER.region.AACHEN, von den Chancen lokaler Partnerschaft, die
das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert. Im Projekt
KoLa (kombinierte Laserverfahren in der industriellen Fertigung)
beispielsweise entwickeln Unternehmen und wissenschaftliche Partner
zusammen neue Verfahrenskombinationen, um die Lasertechnik im
elektrifizierten Antriebsstrang oder in der Wasserstoffindustrie zu
etablieren.

KI-geregeltes Schneiden: Eine Sekunde pro Anoden-Kathoden-Paar

Bei einem anderen Netzwerk steht das Hypethema Künstliche Intelligenz (KI)
im Mittelpunkt: Vier Industrieunternehmen und zwei Forschungsinstitute
entwickeln seit 2021 im BMBF-Verbundprojektes DIPOOL zwei Demonstratoren
für das Laserschneiden und das Laserschweißen. Eine zentrale Rolle
übernimmt hier ein digitaler Prozess-Onlineoptimierer für intelligente
Lasermaschinen, bei dem die Aachener erstmals die zeitliche und räumliche
Programmier- und Kontrollierbarkeit von Laserwerkzeugen mit maschinellem
Lernen (ML) kombinieren.

Beim Benchmark mit anderen ML-Verfahren schnitt ein Convolutional Neural
Network (CNN) mit einer Genauigkeit von 98 Prozent am besten ab. Bewährt
hat es sich laut Dr. Frank Schneider, Leiter der Gruppe Trennen am
Fraunhofer ILT, bereits als prozesssichere Schnittsteuerung beim
Hochgeschwindigkeitsschneiden von 0,5 bis 3 mm dünnen Bipolarplatten aus
Metall und Verbundwerkstoff. Damit ergeben sich für die Serienproduktion
interessante Perspektiven. Schneider: »Bei geeigneter Gestaltung und
Verteilung der Schneidvorgänge lässt sich die Bearbeitungszeit für ein
geschweißtes Anoden-Kathoden-Paar auf eine Sekunde senken.«

Die Sensorik übernimmt im DIPOOL-Projekt eine wichtige Funktion: Die
Precitec Optronik GmbH aus Neu-Isenburg hat eine Sensorik mit KI-Software
und DIPOOL-Ansatz entwickelt und in einen Laserschneidkopf der neuesten
Generation integriert, inklusive Datenschnittstelle. Erfahrungen aus
derartigen Gemeinschaftsprojekten nutzt Precitec auch bei
Weiterentwicklungen wie der neuen patentierten Enovasense-Sensortechnik,
die nach dem Prinzip der Laser-Photo-Thermo-Radiometrie arbeitet. Das
geschickte Zusammenspiel von Laser und Infrarotsensor erlaubt es,
kontaktlos die Schichtdicke von Materialien unterschiedlichster Art exakt
zu messen.

Eine typische nur 10 µm dünne Beschichtung einer Bipolarplatte misst das
System – so Dr. Markus Kogel-Hollacher, Leiter der F&E-Projekte bei
Precitec – mit einer möglichen Abweichung von nur 0,1 µm. Für das
Verfahren spricht außerdem, dass es den Kalibrieraufwand deutlich senkt.
Kogel-Hollacher: »Schon bekannte Materialien und Schichten müssen nicht
erneut kalibriert werden – nur unbekannte Coatings, Schichten oder
Materialien.«

Die Messtechnik für das Laserschweißen stammen von der 4D Photonics GmbH
aus Isernhagen. Es handelt sich um eine innovative multispektrale
Sensorik, die sich bereits als Prototyp beim Überwachen des Fügeprozesses
von Bipolarplatten bewährt hat. Das neue System 4D.TWO haben die
Niedersachsen laut Technologiemanager Sören Hollatz bei intensiven
Versuchen am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg optimiert.
Das Besondere: Es überwacht den Laserprozess nicht nur optisch im
sichtbaren und nicht sichtbaren Nahinfrarot-Bereich, sondern belauscht ihn
auch mit dem Mikrofon. Echtzeitfähig erfasst es Laserprozesse in drei
Kanälen und macht dazu bis eine Million Messungen in der Sekunde, um so
Schweißfehler zuverlässig zu erkennen und zu klassifizieren. Im nächsten
Schritt ist die Einführung einer KI geplant, um Fehler noch genauer und
zuverlässiger zu detektieren. Hier profitiert 4D Photonics sicherlich
ebenfalls von den Erfahrungen aus dem DIPOOL-Projekt.

Alle 13 Referate könnten problemlos ein kleines Fachbuch füllen. Einblicke
in den Stand der aktuellen Forschungen des Fraunhofer ILT in Sachen
Wasserstoffproduktion und Batterietechnik erhalten Interessierte auf dem
LSE'24 - Laser Symposium Elektromobility vom 23. bis 24. Januar 2024 in
Aachen.

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Langfristig bessere Versorgung von Neugeborenen bei bekannten Risiken vor der Geburt

Juliane Fischer und ihr Partner Marko Ott freuen sich über Töchterchen Marta. Dank der Unterstützung von Prof. Mario Rüdiger und Prof. Cahit Birdir aus dem Uniklinikum Dresden geht es der Kleinen langsam besser.  UKD / Michael Kretzschmar
Juliane Fischer und ihr Partner Marko Ott freuen sich über Töchterchen Marta. Dank der Unterstützung von Prof. Mario Rüdiger und Prof. Cahit Birdir aus dem Uniklinikum Dresden geht es der Kleinen langsam besser. UKD / Michael Kretzschmar

Anlässlich des Welt-Frühgeborenentages am 17. November weisen Experten und
Expertinnen darauf hin, dass nicht nur Frühgeborene von einer
zentralisierten Versorgung profitieren. Interdisziplinäres Pränatal-Board
am Uniklinikum Dresden sorgt für optimale Betreuung während der
Schwangerschaft und nach der Geburt.

Die Grundlagen einer langfristigen Gesundheit werden bereits vor der
Geburt gelegt. Wenn Kinder schon im Mutterleib umfassend versorgt sind und
es den Müttern ebenfalls gut geht, ist eine gesunde Entwicklung
wahrscheinlicher. Auf diesen Zusammenhang machen die Expertinnen und
Experten des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden anlässlich des Welt-
Frühgeborenentages (17. November 2023) aufmerksam. Denn nicht nur zu früh,
sondern auch krank geborene Kinder haben oft eine verzögerte Entwicklung.
„Dank modernster pränatalmedizinischer Diagnostik ist heute ein
frühzeitiges Erkennen kindlicher Erkrankungen bereits im Mutterleib
möglich. Dann ist es wichtig, dass die Schwangere von einem
interdisziplinären Team versorgt wird, welches die weitere Betreuung der
Schwangerschaft und des Neugeborenen plant,“ sagt Prof. Mario Rüdiger,
Direktor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am
Universitätsklinikum Dresden. Deshalb kommen am Uniklinikum regelmäßig
Expertinnen und Experten aus den Bereichen Pränatalmedizin, Neonatologie,
Kinderradiologie, Kinderchirurgie, Genetik, Psychologie, Kinderkardiologie
und Neuropädiatrie zusammen, um Schwangere zu besprechen, die im Rahmen
der Pränataldiagnostik aufgefallen sind. Durch diese Boards kann Eltern
und ihren ungeborenen Kindern frühzeitig, gezielt und individuell geholfen
werden.

Marta macht ihren Eltern Freude. Noch ist das Mädchen ein wenig zu leicht.
Sie muss das Trinken über das Fläschchen noch lernen und dann genügend zu
sich nehmen. Das macht sie aber schon prima. Bald kann sie mit ihren
Eltern nach Hause umziehen. Marta ist Anfang November in der 36.
Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen – einen Monat vor dem errechneten
Geburtstermin. Ihre Mama, Juliane Fischer, hatte sich Ende September im
Universitätsklinikum mit Zeichen einer Schwangerschaftsvergiftung
(Präeklampsie) vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt bestand bei Marta auch der
Verdacht auf eine schwere Zwerchfellhernie, die mit einer zu kleinen Lunge
einhergeht. Nach intensiven Untersuchungen sowie der Diskussion des Falles
im Interdisziplinären Pränatal-Board am Uniklinikum Dresden konnte diese
Diagnose entkräftet werden. „Zum Glück durfte ich dann wieder nach Hause“,
sagt die 33-Jährige. Als es ihr jedoch Ende Oktober schlechter ging, wurde
sie im Uniklinikum aufgenommen und schließlich der Kaiserschnitt
durchgeführt. Nach der Geburt wurde Marta dann nochmals genau untersucht,
wobei sich zeigte, dass die Gefäße der Lunge teilweise falsch einmünden –
ein Krankheitsbild, welches erst nach der Geburt erkannt und im ersten
Lebensjahr operativ behandelt werden muss. Aber jetzt hoffen Juliane
Fischer und ihr Partner Marko Ott zunächst, dass sie gemeinsam mit ihrem
Baby bald nach Hause dürfen.

„Der Fall zeigt deutlich, wie wichtig eine große Expertise und das
Zusammenwirken verschiedener Disziplinen bei Risikoschwangerschaften und
Frühgeburten ist“, sagt Prof. Mario Rüdiger, Direktor Zentrum für feto-
neonatale Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden. Deshalb sind ihm und
dem Team der Geburtshilfe die gemeinsamen Boards so wichtig. Hier werden
die Patientinnen von der Pränataldiagnostik um Prof. Cahit Birdir,
Leitender Oberarzt für Geburtshilfe und Pränataldiagnostik, oder aus den
kooperierenden niedergelassenen Praxen vorgestellt. Gemeinsam diskutieren
Expertinnen und Experten aus der Pränatalmedizin, Neonatologie
Kinderradiologie, Kinderchirurgie, Genetik, Psychologie, Kinderkardio-
oder -nephrologie sowie Neuropädiatrie, wie die optimale Betreuung während
der Schwangerschaft beziehungsweise nach der Geburt aussehen sollte. „Die
Pränataldiagnostik kann heute sehr viel entdecken, wichtig ist aber auch
zu besprechen, wie die weitere Versorgung erfolgen sollte“, so Prof.
Birdir.

„Diese Versorgung aus einer Hand ist ein wichtiger Bestandteil am
Universitätsklinikum Dresden. Hier zeigt sich wieder exemplarisch, dass
eine Konzentration von Expertise sowie eine Zentralisierung der Versorgung
erforderlich ist, um eine langfristig bessere Versorgung dieser Kinder zu
realisieren“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am
Universitätsklinikum Dresden.

Ein Zeichen der Solidarität
Einmal im Jahr machen betroffene Familien, sowie Expertinnen und
Expertinnen aus der Neonatologie und Pränatalmedizin auf die besonderen
Bedürfnisse von Frühgeborenen aufmerksam. Am Welt-Frühgeborenentag, der
regelmäßig am 17. November begangen wird, finden Infoveranstaltungen statt
und werben Betroffene für eine adäquate Versorgung der kleinen Patienten.
In diesem Jahr steht insbesondere die zentralisierte Versorgung extrem
unreif geborener Kinder im Mittelpunkt des Interesses. „Die Geschichte von
Marta zeigt, wie wichtig eine Zentralisierung der Versorgung ist. Diese
umfangreiche Expertise können nur Zentren vorhalten, die im Jahr sehr
viele Frühgeborene betreuen; alles andere wäre eine
Ressourcenverschwendung,“ so Prof. Rüdiger. Von Frühgeborenen spricht man
bei einer Geburt vor der 37. Woche. Etwa jedes zehnte Kind wird so zeitig
geboren. Sehr unreif, das heißt vor der 32. Schwangerschaftswoche, kommen
etwa ein Prozent aller Kinder zur Welt.

Im Uniklinikum wurden im vergangenen Jahr (2022) 71 Kinder mit einem
Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm geboren. Zahlenmäßig ist das Uniklinikum
damit das größte Perinatalzentrum in Sachsen – neben Dresden werden
Frühgeborene auch in Leipzig und Chemnitz behandelt. Die große Erfahrung
ermöglicht es, dass auch Kinder, die bei Geburt weniger als 500 Gramm
wiegen, gesund überleben. Sachsen hat die niedrigste
Säuglingssterblichkeit in Deutschland. Das Universitätsklinikum Dresden
ist das einzige ostsächsische Perinatalzentrum der höchsten
Versorgungsstufe – dem sogenannten ‚Level 1‘. Dies garantiert Müttern und
Vätern die Sicherheit einer optimalen ärztlichen wie pflegerischen
Versorgung, vor, während und nach der Geburt, unabhängig davon, ob es sich
um eine Risiko- oder Mehrlingsschwangerschaft handelt oder um eine ganz
normal verlaufende Schwangerschaft.

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Der Wettbewerb geht in die nächste Runde: Medienpreis Urologie 2024 ausgeschrieben

Auch 2024 vergibt die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) den
Medienpreis Urologie: Medienschaffende sind herzlich eingeladen, sich an
dem bekannten Wettbewerb zu beteiligen. Der mit 2500 Euro dotierte Preis
zeichnet einen herausragenden Beitrag zu einem urologischen Thema in einem
deutschsprachigen Publikumsmedium aus. Die Preisverleihung erfolgt im
Rahmen des 76. DGU-Kongresses, der vom 25. bis 28. September 2024 unter
der Präsidentschaft von Prof. Dr. Jürgen Gschwend im Congress Center
Leipzig stattfindet.

„Angesichts der Vielfalt und Häufigkeit urologischer Erkrankungen, die
Frauen, Männer und Kinder jeden Alters betreffen, bleibt es unserer
Fachgesellschaft ein wichtiges Anliegen, Anreize für seröse Aufklärung zu
setzen und qualitativ hochwertige Berichterstattung zu würdigen. Wir
danken allen bisherigen Teilnehmenden, die mit ihren bemerkenswerten
Wettbewerbsbeiträgen dazu beigetragen haben, urologisches Wissen zu
vermitteln und Tabus zu brechen und freuen uns, den Medienpreis Urologie
nun bereits zum elften Mal in Folge auszuschreiben“, sagt DGU-
Pressesprecher Prof. Dr. Axel Merseburger.

Das Themenspektrum in der Urologie reicht von Volkskrankheiten wie
Harninkontinenz und Harnsteinerkrankungen, wie gutartiger
Prostatavergrößerung oder erektiler Dysfunktion bis hin zu seltenen
urologischen Erkrankungen wie der Interstitiellen Zystitis. Die
Fruchtbarkeit des Mannes stellt ein zunehmend wichtiges urologisches
Forschungs- und Handlungsfeld dar. Bei der Jungengesundheit haben
Urologinnen und Urologen den Hodenhochstand, das Klinefelter-Syndrom, die
HPV-Impfung und den Hodencheck im Blick. Sie transplantieren Nieren und
behandeln rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland, deren
Häufigkeit aufgrund der demografischen Entwicklung erwartbar zunimmt. Hier
bedarf es Aufklärung über Prävention, Symptome sowie aktuelle Diagnostik
und Therapiemöglichkeiten urologischer Tumorerkrankungen von Prostata,
Harnblase und Nieren, von Hoden und Penis. Auch im Bereich
Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit ist
seriöses Wissen gefragter denn je.

Die Fülle relevanter Themen spiegelt sich nicht zuletzt in den bisher
ausgezeichneten Wettbewerbsbeiträgen, die auf dem Urologenportal unter
diesem Link abrufbar sind. Im Jahr 2023 ging der Medienpreis Urologie an
Niels Walker vom NDR für seinen TV-Beitrag zur Früherkennung von
Hodenkrebs, der am 15. November 2022 in der Sendung „Visite“ ausgestrahlt
wurde.

Der Medienpreis Urologie richtet sich ausschließlich an Medienschaffende.
Ob klassischer Artikel, Bewegtbild, Rundfunkbeitrag oder Podcast – für den
Wettbewerb können alle laienverständlichen Beiträge zu einem urologischen
Thema eingereicht werden, die zwischen dem 16. Juli 2023 und dem 15. Juli
2024 in einem deutschsprachigen Publikumsmedium gedruckt, in Radio oder TV
gesendet oder im Internet veröffentlicht wurden. Alle Wettbewerbsbeiträge
werden von einer Jury aus Urologinnen und Urologen sowie erfahrenen
Journalistinnen und Journalisten unter Aspekten wie Qualität der Recherche
und journalistischer Aufbereitung bewertet.

Wettbewerbsbeiträge müssen bis zum 31. Juli 2024 samt Kontaktdaten des
Autors oder der Autorin sowie des Datums der Veröffentlichung oder der
Ausstrahlung schriftlich - postalisch oder online - übermittelt werden an:
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V., Stichwort „Medienpreis Urologie
2024“, Uerdinger Str. 64, 40474 Düsseldorf, E-Mail: preise(at)dgu.de

Für weitere Fragen steht die DGU-Pressestelle unter Tel. 040-79140560 zur
Verfügung.

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