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Mikrobe des Jahres 2024: Kabelbakterium Electronema - Lebender Stromleiter

Stromleitende Bakterien: das klingt wie Science-Fiction. Doch vor zwölf
Jahren fanden Forschende am Grund von Meeren und Seen mikrobielle Ketten,
die Strom über mehrere Zentimeter leiten können. Diese Kabelbakterien
(lat. Electronema) stimulieren den Schadstoffabbau und reduzieren die
Bildung von Treibhausgasen. Eines Tages können sie möglicherweise als
biologisch abbaubare Stromkabel genutzt werden. Die Vereinigung für
Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) ernennt mit Electronema
erstmals eine Bakterienart zur Mikrobe des Jahres, für deren vollständige
Beschreibung die Reinkultur noch fehlt.

Kabelbakterien können zwar in der Natur nachgewiesen, aber noch nicht
isoliert im Labor vermehrt werden. Ihr wichtigster Vertreter trägt daher
den vorläufigen Namen Candidatus Electronema. Kabelbakterien bilden bis zu
fünf Zentimeter lange Ketten aus Zehntausenden von Bakterienzellen. Diese
sind durch stromleitende Proteinfasern in ihrer Zellhülle verbunden. Ihre
Kettenform ermöglicht dem mehrzelligen "Körper" der Kabelbakterien eine
einzigartige Arbeitsteilung: Während in unserem Körper jede einzelne Zelle
„essen“ (Nahrung oxidieren) und „atmen“ (Sauerstoff reduzieren) muss,
teilen Kabelbakterien diese lebenserhaltende Redoxreaktion auf. Tausende
von Zellen jedes einzelnen Kabels leben im tieferen Teil des Sediments, wo
es zwar reichlich Sulfid, aber keinen Sauerstoff gibt - dieser ist
Zentimeter entfernt an der Sedimentoberfläche. Dennoch können die
Kabelbakterien das Sulfid zu Sulfat oxidieren, indem sie die dabei
anfallenden Elektronen über die stromleitenden Fasern auf den Sauerstoff
am anderen Ende des Kabels übertragen. Dank ihrer Zentimeter-langen
Stromleiter können Kabelbakterien Elektronen vom Ort der Oxidation (im
Sediment) zum Sauerstoff (an der Sedimentoberfläche) hin fließen lassen -
und damit als einzige Organismen das Sulfid in einer Zone verbrauchen, wo
es keinen Sauerstoff gibt: ein großer Vorteil gegenüber konkurrierenden
Mikroorganismen.

Kabelbakterien reduzieren Schadstoffe und Treibhausgase
Kabelbakterien produzieren im Sediment nicht nur Sulfat, sondern stellen
durch ihre Stromleiter eine Art Verlängerungskabel als indirekte
Verbindung zum Sauerstoff an der Sedimentoberfläche zur Verfügung. Damit
stimulieren sie mikrobielle Aktivitäten, die sonst nur mit Sauerstoff
möglich sind, und Populationen, die dort sonst nicht leben könnten. So
finden sich Kabelbakterien häufig in Gewässern, die mit
Kohlenwasserstoffen belastetet sind – etwa nach Benzin- oder
Ölkontamination. Die Aktivität der Kabelbakterien kann den Schadstoffabbau
erheblich ankurbeln: Sie steigern den Abbau aromatischer
Kohlenwasserstoffe oder organischer Stoffe wie Faulschlamm in den
Sedimenten überdüngter Seen. Es gibt bereits Ideen, Kabelbakterien gezielt
zur Wiederaufarbeitung kontaminierter Standorte zu nutzen. Beispielsweise
lässt sich die Wirkung der Kabelbakterien gezielt durch Elektroden im
Sediment stimulieren. Kabelbakterien könnten auch helfen, Treibhausgase zu
verringern. So entsteht in überfluteten Reisfeldern jährlich eine große
Menge des klimaschädlichen Methans. Kabelbakterien leben im Wurzelbereich
von Reispflanzen und können dort die Methanbildung verringern. Versuche im
Gewächshaus zeigen, dass sich nach der Zugabe von Candidatus Electronema
zum Boden die Methanemissionen um über 90 Prozent verringern. Vermutlich
zapfen die Bakterien die Sauerstoffversorgung der Reiswurzel an. So
ermöglichen die Kabelbakterien ein ständiges Recycling von Sulfat im
Boden. Dies verhindert die Bildung von Methan. Es gilt nun herauszufinden,
wie Kabelbakterien im Reisanbau oder etwa in Mooren gezielt stimuliert
werden können, um den Methanausstoß zu verringern.

Biokabel statt Elektroschrott?
Die Stromleitung in den Proteinfasern der Kabelbakterien ähnelt der eines
metallischen Kabels. Damit sind sie für eine auf Biomaterialien basierende
Elektronik äußerst interessant. Weltweit wird nur ein Fünftel der jährlich
über 50 Millionen Tonnen Elektroschrott recycelt. Biologisch abbaubare
Stromleiter könnten einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit
leisten. Die leitfähigen Strukturen der Kabelbakterien wurden bereits
patentiert, doch von einer kommerziellen Umsetzung ist die Entwicklung
noch weit entfernt.
Die spanische Künstlerin Anna Pasco Bolta nutzt die elektrische
Leitfähigkeit der Kabelbakterien bereits in ihren Projekten: Mit
Electronema-Filamenten verbindet sie Mikrofon und Verstärker für ihre über
Kabelbakterien gelesene Gedichte. Mittlerweile sind zwölf Kabelbakterien-
Arten beschrieben. Wie Candidatus Electronema können sie noch nicht als
Reinkulturen im Labor vermehrt werden, aber dank genauer Genomdaten sind
sie sehr gut charakterisiert. Vermutlich über 99 Prozent der Mikroben
unserer Welt wurde noch nicht im Labor isoliert und beschrieben; viele
spannende Eigenschaften dieser unsichtbaren Lebenswelt bleiben uns daher
bisher verborgen.
Anja Störiko (VAAM)

*****
Die Mikrobe des Jahres weist auf die bedeutsame Rolle der Mikroorganismen
für die Ökologie, Gesundheit, Ernährung und Wirtschaft hin. Die
Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) wählt sie
aus, um auf die Vielfalt der mikrobiologischen Welt aufmerksam zu machen.
Alle Informationen sind auch auf Englisch verfügbar
https://microbeoftheyear.org/.

*****
Die VAAM ist Gründungsmitglied im VBIO und vertritt über 3400
mikrobiologisch orientierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus
Forschung und Industrie. Die Bandbreite der Forschung reicht von
Bakterien, Archaeen und Pilzen in allen Ökosystemen und in Lebensmitteln
über Krankheitserreger bis hin zu Genomanalysen und industrieller Nutzung
von Mikroorganismen, ihren Enzymen und Stoffwechselprodukten.

Informationen, Experten-Kontakte, Bildmaterial:
Dr. Anja Störiko |Tel. +49 6192 23605 | <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.> |
http://mikrobe-des-jahres.de/ | http://microbeoftheyear.org/
Dr. Katrin Muth | Geschäftsstelle der VAAM | Mörfelder Landstraße 125 |
60598 Frankfurt am Main | Tel: +49 69 66056720 | https://vaam.de
Dr. Kerstin Elbing | Geschäftsstelle Berlin des VBIO | Luisenstraße 58/59
| 10117 Berlin | Tel: +49 30 27891916 | https://www.vbio.de/

Weitere Informationen:
http://mikrobe-des-jahres.de | http:/microbeoftheyear.org/ – Unter
Kontakt/Pressebilder finden Sie weiteres Bildmaterial und Videos zur
Mikrobe des Jahres.

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Bessere Blutdruckbestimmung Absolventin der FH Dortmund erforscht Methode für dauerhaftes Monitoring

Eine neue, bessere Methode zur Blutdruckmessung hat Fabienne Sahl entwickelt und damit den ersten Master-Abschluss des jungen Studiengangs Biomedizinische Informationstechnik erreicht.

 

Zunächst eine Korrektur: „Blutdruckmessung“ ist genau genommen der falsche Begriff, denn für eine Messung müsste der Blutdruck direkt innerhalb der Arterie ermittelt werden. Das passiert aber nur während Operationen und auf Intensivstationen. Alle anderen Methoden, die den Blutdruck von außen abnehmen, heißen deshalb korrekt „Schätzung“.

 

Das gilt auch für die bekannteste Methode mit der aufblasbaren Manschette um den Oberarm. Die besitzt einen großen Nachteil: Der für die Schätzung nötige Luftdruck presst die Arterie zusammen, sodass zwischen einzelnen Schätzungen mehrere Minuten vergehen müssen, damit die Gefäße sich wieder auf die normale Größe ausdehnen können. Die Ermittlung einer Blutdruckkurve, also die lückenlose zeitliche Abbildung des pulsgetriebenen Blutkreislaufs, ist damit nicht möglich.

 

Weil diese Kurve aber viele wichtige Informationen über das Herzkreislaufsystem und den Gesundheitszustand der untersuchten Person bergen würde, wäre eine einfache und zuverlässige Methode zu ihrer Schätzung für Ärzt*innen sehr hilfreich.

 

Ihre Aufgabe: Die Formel finden

 

Hier setzt Fabienne Sahls Forschungsidee an. Als Signalempfänger dienen drei Sensoren am Oberarm. Diese messen den Druck, der sich beim Puls durch das Ausdehnen der Arterie durchs Gewebe nach außen ausbreitet. Sahls Aufgabe bestand unter anderem darin, eine Formel (mathematisch: eine „Übertragungsfunktion“) zu finden, mit deren Hilfe sich die empfangenen Signale in eine medizinisch brauchbare Blutdruckkurve umwandeln lassen.

 

Fabienne Sahl bediente sich dafür eines „tiefen neuronalen Netzwerks“ der künstlichen Intelligenz, kurz: einer KI. Vereinfacht gesagt, speiste sie die KI mit den Daten der Drucksensoren. Die KI passte dann die Übertragungsfunktion an, sodass diese wiederum auf Grundlage der Drucksignale den Blutdruck schätzen konnte. Gleichzeitig ermittelte Fabienne Sahl den Blutdruck mit der bereits anerkannten, zuverlässigen „Volume-Clamp-Methode“. Anschließend verglich sie die Blutdruckschätzung mit den Volume-Clamp-Werten und justierte die Funktionsweise der KI nach – sodass die Übertragungsfunktion Blutdruckschätzungen durchführen kann, die mit den Volume-Clamp-Werten übereinstimmten.

 

Viele Vorteile und ein Hindernis

 

Die Suche nach einer einfachen, zuverlässigen Methode zur Schätzung der Blutdruckkurve beschäftigt viele Forscher*innen weltweit. So wurden in den vergangenen Jahren einige hoffnungsvolle Methoden gefunden, darunter auch einige KI-gestützte, doch sie alle haben den einen oder anderen Nachteil: zum Beispiel einen zu großen Datenhunger oder intransparente Rechenwege.

 

Fabienne Sahls Methode besitzt den Charme, von diesen Nachteilen deutlich weniger stark betroffen zu sein. Zudem erlaubt die Übertragungsfunktion Rückschlüsse auf die individuelle Beschaffenheit des Oberarmgewebes, die aus medizinischer Sicht wertvoll sind.

 

Die Methode ist ein vielversprechender Ansatz – und das Ergebnis einer erfolgreichen Masterarbeit –, aber noch nicht ausgereift. Als Pferdefuß erwiesen sich die Sensoren, deren Daten sehr störanfällig sind. Doch das könnte sich bald ändern: In ihrer Promotion an der FH Dortmund möchte Fabienne Sahl die Lösungsansätze, die sich aus ihrer Masterarbeit ergeben, ausarbeiten.

 

Referenz: Die Volume-Clamp-Methode
In ihrer Arbeit diente Fabienne Sahl die Volume-Clamp-Methode als Referenz. Diese funktioniert über eine Blutdruckmanschette am Finger, die sich mit Luft füllt. Anders als bei der Oberarmmanschette passt sich der Luftdruck dem Pulsschlag an, sodass er den Schwankungen in der Arterie präzise entgegenwirkt und dadurch der Druck zwischen Manschette und Arterie durchgehend gleichbleibt. Doch auch diese Methode, die unter den nicht-invasiven Varianten als genaueste gilt, hat Nachteile: So ist mit ihr zum Beispiel kein dauerhaftes Monitoring möglich, weil auch durch sie die Arterien zusammengedrückt werden.

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Wie die Energiewende in der Stadt gelingt: Fortsetzung der Smart-East- Erfolgsstory im EU-Projekt WeForming

Das Reallabor Smart East hat sich in drei Jahren zu einer Blaupause für
städtische Energiewendeprojekte entwickelt: Im Osten Karlsruhes entstand
unter Konsortialführung des FZI Forschungszentrum Informatik ein smartes,
energieoptimiertes und klimaschonendes Quartier, in dem durch
Digitalisierung und Erweiterung von PV-Anlagen 270 Tonnen CO2 jährlich
gespart wurden, innovative Ladekonzepte für E-Mobilität und zwei Startups
im Bereich Smart Charging sowie Mieterstrom entstanden. Das Konzept wird
bald auch auf einen Durlacher Gewerbepark übertragen. Durch eine
Weiterführung im Rahmen des EUHorizon-Projektes WeForming kann das Projekt
zukünftig auf europäischer Ebene wirken.

Karlsruhe, 19.12.2023 – Unter dem Motto „Wir bringen die Energiewende in
die Stadt“ startete das Reallabor-Projekt Smart East im März 2021 mit
einer 1 Million Euro Förderung durch das Ministerium für Umwelt, Klima und
Energiewirtschaft Baden-Württemberg. In drei Jahren gelang es den
Projektpartnern aus den Bereichen Forschung, IT- und Energie-Unternehmen,
die Bestandsgebäude eines gemischten Gewerbequartiers um die Hoepfnerburg
in der Karlsruher Oststadt in ein smartes, energieoptimiertes und
klimaschonendes Stadtquartier zu transformieren – und damit auch
erfolgreich über den Reallaboransatz Forschungswissen in die Praxis zu
übertragen.

Mission erfüllt: Eine Vision wird Realität

Am 23. September fand in Anwesenheit von Staatsekretär Dr. André Baumann
(MdL) vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-
Württemberg, im Rahmen der landesweiten Energiewendetage, im iWerkX Smart
Production Park in der Karlsruher Oststadt die öffentliche
Abschlussveranstaltung statt, an der die umfassenden Ergebnisse des
Projekts vom Konsortium präsentiert wurden.

Nicht nur die Vision einer klimafreundlichen Energieversorgung für sowohl
Gewerbe- als auch Wohnflächen wurde Realität, auch über das Projekt hinaus
hat Smart East nachhaltig Strahlkraft und Wirkung entfaltet.

Zunächst wurden die Bestandsgebäude – FZI House of Living Labs,
Technologiefabrik, Cyberforum Netzwerk, Mehrgenerationenhaus Hoepfner
Areal, iWerkx und Hoepfner-Villa – mit Smart Metern digitalisiert. Dann
folgte in der Smart-East-Quartiersplattform von Seven2one die Vernetzung,
in der nun alle Energieströme und Ladevorgänge des Quartiers – ob Strom,
Wärme oder Mobilität – digital live erfasst und mit Blick auf
Energieverbrauch und -erzeugung optimiert werden können.

Emissionen im Quartier um 270 Tonnen CO2 jährlich reduziert

Durch Investitionen in Höhe von circa 750.000 Euro für PV-Anlagen (640
kWp) konnte der PV-Anteil am Stromverbrauch im Quartier auf beachtliche 22
Prozent gesteigert werden, wodurch die CO2-Emissionen im Quartier um 270
Tonnen jährlich reduziert werden konnten – das entspricht 17 Prozent des
gesamten CO2-Ausstoßes des Quartiers (beziehungsweise 22 Prozent der
CO2-Emissionen aus dem Stromverbrauch) und ist somit ein bemerkenswertes
Ergebnis für mehr Klimaschutz.

Für die Integration der E-Mobilität in das Konzept bauten die Partner
zudem eine Ladeinfrastruktur mit fast 50 Ladepunkten auf.

Neue Geschäftsmodelle und zwei Start-ups aus Smart East hervorgegangen

Ein weiteres wichtiges Ziel auf dem Weg zum Modellcharakter des Reallabors
Smart East war die Entwicklung neuer, lohnenswerter digitaler
Geschäftsmodelle für Energieversorger und Quartiersbetreiber, die auf
Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit zielen und unter der Einbeziehung
aller Akteure im Quartier erprobt werden können. Auch durch die Expertise
der Stadtwerke Karlsruhe konnten zwei neue Geschäftsmodelle für den
wirtschaftlichen Betrieb von Ladeinfrastruktur sowie die wirtschaftliche
Nutzung der Photovoltaik nach ihrer Erprobung in Zusammenarbeit mit der
BES (Badische Energie-Servicegesellschaft) am Markt angeboten werden.

Zwei im Verlauf des Projektes entstandene Start-ups stellen die notwendige
IT-Infrastruktur zur Verfügung, damit die Quartiersenergieversorger den im
Quartier erzeugten Strom auch in Zukunft optimal vermarkten können:
InnoCharge mit einer SaaS-Lösung für Smart Charging zum optimierten Laden
von E-Fahrzeugen und Solarize mit einer Mieterstrom-SaaS-Lösung für
Gewerbe.

Partizipation großgeschrieben: Einbeziehung aller Beteiligten im Quartier

Auch Partizipation, ein unabdingbarer Faktor für das gesellschaftliche
Gelingen der Energiewende, spielte bei Smart East eine wichtige Rolle: In
fünf Anwender-Workshops wurden alle Beteiligten im Quartier – ob
Eigentümer, Mieter, Anlagenbetreiber oder Energieversorger – einbezogen
und konnten ihre Erfahrungen sowohl untereinander als auch mit der
Fachwelt teilen. Und ein besonderer Erfolg in der Projektlaufzeit: die
Gewinnung der RaumFabrik Durlach als erster, weiterer Gewerbepark, der das
Smart-East-Konzept übernimmt.

Mit dieser Bilanz hat Smart East nach drei Jahren als Leuchtturmprojekt
ein neues, skalierbares Konzept für nachhaltigen, städtischen Klimaschutz
in Deutschland definiert.

Die nächste Dimension: das kommende Projekt WeForming mit europäischem
Horizont

Am 17. Oktober startete in Athen mit einem Kick-Off-Meeting das Projekt
WeForming, das im Rahmen des EU-Programms Horizon im Call "Sustainable,
secure and competitive energy supply" unter dem Topic "Smart grid ready
and smart network ready buildings, acting as active utility nodes"
gefördert wird. In diesem Rahmen wird das Reallabor Smart East in den
nächsten drei Jahre zum Netzstabilisator weiterentwickelt und in ein
Netzwerk mit Partnern in elf europäischen Ländern gestellt werden, die
weitere fünf Reallabore betreiben.

Im neuen Projekt wird es um Themen wie Batteriespeicher, bidirektionales
Laden von E-Fahrzeugen mit Rückspeisung, dynamische Stromtarife, Green
Carsharing, Sektorkopplung sowie die optimierte Wärmeversorgung gehen, zum
Beispiel mit Wärmepumpen.

Über das Projekt Smart East

Die vier Verbundpartner Karlsruher Institut für Technologie (KIT),
Seven2one Informationssysteme und Stadtwerke Karlsruhe unter
Konsortialführung des FZI Forschungszentrum Informatik haben im Projekt
gezeigt, wie sich die Energiewende in der Stadt realisieren lässt.

Als assoziierte Partner engagierten sich die Technologiefabrik Karlsruhe,
Smart Grids-Plattform Baden- Württemberg e.V., fokus.energie e.V., das
Cyberforum, Hoepfner Bräu, die Hochschule Karlsruhe und die Badische
Energie Servicegesellschaft im Projekt.

Smart East war ein Leuchtturmprojekt der TechnologieRegion Karlsruhe für
nachhaltige und innovative Energielösungen und wurde durch das Ministerium
für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg gefördert.
Schirmherr war Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.

Auf den praktischen Erfahrungen aus Smart East und weiteren Projekten
aufbauend entstanden im Projektverlauf die zwei Start-ups InnoCharge mit
den Gründern Dr.-Ing. Manuel Lösch und Dr. Andreas Fischer sowie Solarize
mit den Gründern Frederik Pfisterer, Florian Feigenbutz und Andi Weiß.

Über das FZI Forschungszentrum Informatik

Das FZI Forschungszentrum Informatik mit Hauptsitz in Karlsruhe und
Außenstelle in Berlin ist eine gemeinnützige Einrichtung für Informatik-
Anwendungsforschung und Technologietransfer. Sie bringt die neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnisse der Informationstechnologie in Unternehmen
und öffentliche Einrichtungen und qualifiziert für eine akademische und
wirtschaftliche Karriere oder den Sprung in die Selbstständigkeit. Betreut
von Professorinnen und Professoren verschiedener Fakultäten entwickeln die
Forschungsgruppen am FZI interdisziplinär für ihre Auftraggeber Konzepte,
Software-, Hardware- und Systemlösungen und setzen die gefundenen Lösungen
prototypisch um. Mit dem FZI House of Living Labs steht eine einzigartige
Forschungs-umgebung für die Anwendungsforschung bereit. Das FZI ist
Innovationspartner des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und
strategischer Partner der Gesellschaft für Informatik (GI).

Smart East und WeForming sind Projekte des FZI-Forschungsschwerpunktes
Climate Action Innovation, in dessen Rahmen das FZI zum Wohle der
Gesellschaft mehrere transferorientierte Forschungsprojekte rund um
Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorantreibt.

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Uniklinikum Dresden als „Rauchfreies Krankenhaus“ zertifiziert

Auditorium bescheinigt Erfolge bei der Reduzierung des Tabakkonsums im
Klinikum. // Silberzertifikat „rauchfrei plus“ für nachhaltige
Beratungsangebote und Rauchfrei-Programme für Patientinnen und Patienten
sowie Mitarbeitende. // Uniklinikum nach Standards des Global Network for
Tobacco Free Healthcare Services zertifiziert.

Das Universitätsklinikum Dresden ist seit Mai 2022 Mitglied im „Deutschen
Netz Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen“ (DNRfK e.V.).
Mit der erfolgreichen Silberzertifizierung „rauchfrei plus“ unterstreicht
das Klinikum seine Zielstrebigkeit hin zu einem rauchfreien Krankenhaus.
Hierbei wird nicht auf Verbote, sondern auf aktive Unterstützung gesetzt:
Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende werden für das Thema
Rauchfreiheit sensibilisiert und Tabakkonsumenten gezielt angesprochen und
beraten.

„Das Rauchen ist nach wie vor eine der häufigsten, gleichzeitig aber auch
am einfachsten vermeidbaren Ursachen für schwere Lungen- und
Herz-/Kreislauferkrankungen. Deswegen ist es uns wichtig und absolut in
unserem Interesse, unsere Expertise in Beratungsangebote zur
Tabakentwöhnung zu investieren“, sagt Prof. Michael Albrecht. „Wir freuen
uns sehr, dass unsere Aktivitäten und Programme so gut angenommen werden.
Die erfolgreiche Zertifizierung zeigt uns, dass wir damit auf dem
richtigen Weg sind“, so der Medizinische Vorstand des Dresdner
Uniklinikums.

Was zunächst mit der Bronzezertifizierung der Pilotklinik MK1 im Jahr 2021
begonnen hat, findet nun in der Silberzertifizierung „rauchfrei plus“ des
gesamten Universitätsklinikums seine Fortsetzung. Die Anforderungen sind
klar definiert: Um die Zertifizierung zu erhalten, wird das Krankenhaus in
der Umsetzung acht zentraler Standards des „Network for Tobacco Free
Healthcare Services“ überprüft. Diese umfassen das klare Bekenntnis der
Führung des Hauses zur systematischen Implementierung einer Tabakfrei-
Strategie, eine umfassende Kommunikation der Tabak-Entwöhnungsprogramme,
Schulungen und Trainings für Mitarbeitende, eine systematische
Identifizierung und Ansprache von Tabakkonsumierenden, ein rauchfreies
Klinikgelände, ein betriebliches Gesundheitsmanagement zum Schutz und zur
Förderung der Gesundheit aller Beschäftigten, ein öffentliches Engagement
zur Tabakkontrolle und Tabakprävention sowie entsprechende Monitoring- und
Evaluationssysteme, um all die genannten Punkte nachvollziehbar zu
bewerten.

Beim Audit unter der Leitung von Christa Rustler, Geschäftsführerin des
Deutsches Netzes Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen
e.V., wurden die vom Uniklinikum ergriffenen Maßnahmen nun systematisch
geprüft und bewertet. Das Herzstück bildet die Kombination der
Rauchstoppberatung - dem „rauchfrei ticket“ der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) - mit Gruppenangeboten des klinikeigenen
Rauchfrei-Zentrums.  Speziell geschulte Multiplikatoren tragen diese
Angebote gezielt an Tabakkonsumenten heran und unterstützen sie aktiv bei
den ersten Schritten in ein rauchfreies Leben.

Damit möglichst viele Personen die Erstgespräche mit Rauchenden führen
können, werden kontinuierlich Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor
allem aus dem ärztlichen Dienst und der Pflege ausgebildet. Sie sorgen
dafür, dass das „rauchfrei ticket“ auf allen Stationen des Uniklinikums
präsent ist, indem sie Patientinnen und Patienten auf die Themen
Tabakkonsum, Rauchstatus sowie Rauchstopp ansprechen und darüber hinaus
die Vorgehensweise des „rauchfrei ticket“ erläutern. Wecken sie bei diesen
Motivationsgesprächen das Interesse der Rauchenden für eine weitergehende
Beratung, wird auf die telefonische Rauchstoppberatung der Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie die direkt am UKD durch das
Rauchfrei-Zentrum angebotenen Entwöhnungskurse hingewiesen.

Eine richtungsweisende Rolle spielt hierbei die im Rahmen des Projekts
zunächst in der Medizinischen Klinik 1 als Pilotprojekt gestartete
standardmäßige Abfrage des Tabakkonsums bei der Patientenanamnese. Durch
die standardisierte Identifikation von Tabakkonsumentinnen und
-konsumenten ist es möglich, die Angebote zur Raucherentwöhnung nicht im
Gießkannenprinzip – und mit entsprechenden Streuverlusten - sondern ganz
gezielt an Personen heranzutragen.

„Uns überzeugte insbesondere das hohe Maß an Integration der vom
Klinikvorstand beschlossenen Rauchfrei-Strategie in den klinikweiten
Qualitäts- und Managementprozess“, so Christa Rustler, die gemeinsam mit
Dr. Sebastian Karmann (Vivantes Berlin) und Prof. Dr. med. Wulf Pankow
(Pulmologe und vorm. Chefarzt am Klinikum Neukölln) das Audit zur
Zertifizierung durchführte. „Mit dem erfolgreichen Audit zum Silberlevel
hat das Uniklinikum Dresden nachgewiesen, wie ein Rauchstoppangebot
schrittweise und systematisch in einem Haus der Maximalversorgung mit
zahlreichen unterschiedlichen Fachrichtungen etabliert werden kann,“
würdigt Frau Rustler die Ergebnisse der Arbeit, die das
multiprofessionelle Team der Arbeitsgruppe „Rauchfrei“ um Prof. Dr. med.
Dirk Koschel, Leiter des Fachbereichs Pneumologie an der Medizinischen
Klinik I und Initiator der Zertifizierung, geleistet hat. Neben Prof.
Koschel war Frau Prof. Dr. Maria Eberlein-Gonska ein wichtiges Bindeglied
der Arbeitsgruppe zu den Gremien des Universitätsklinikums und leistete
einen großen Beitrag zur Koordination des engagierten,
multiprofessionellen Teams mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen
Medizin, Psychologie, Arbeitsmedizin, Prävention und Kommunikation, die
das Projekt letztlich zum Erfolg geführt haben.

Auf dieser Basis sind weitere Schritte wie das flächendeckende digitale
Monitoring des Rauchstatus der Patientinnen und Patienten bei Aufnahme,
die weitere Implementierung von Tabakentwöhnungsprogrammen, der weitere
Ausbau des rauchfreien Klinik-Campus und auch noch mehr
Öffentlichkeitsarbeit geplant: „Neben unseren kurativen
Behandlungsangeboten auf höchstem Niveau müssen wir uns auch noch mehr in
der Prävention vieler chronischer Erkrankungen und insbesondere
Tumorerkrankungen engagieren. Das Projekt ‚Rauchfreies Krankenhaus‘ trägt
relevant dazu bei und ist damit auch deutschlandweit beispielgebend. Wir
unterstützen damit letztlich auch die Strategie des Deutschen
Krebsforschungszentrums (DKFZ), dass Deutschland im Jahre 2040 tabakfrei
sein soll“, beschreibt Prof. Koschel die Strategie für die weitere Arbeit
an dem Projekt.

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