Verschleiß- und Energiereduktion wie geschmiert
Nahezu ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs werden allein auf
Reibungsverluste zurückgeführt. Durch verbesserte Schmiermittellösungen,
zum Beispiel bei technischen Kunststoffbauteilen, könnte dieser
Energieverbrauch deutlich reduziert werden. Dr. Alexandra Latnikova vom
Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP im Potsdam Science
Park und Moritz Grünewald vom SKZ - Das Kunststoff-Zentrum in Würzburg
haben schmierstoffgefüllte Mikrokapseln entwickelt, die bei hohen
Temperaturen in Kunststoffe eingearbeitet werden können. Die Forschenden
gehören zu den drei Finalistenteams für den Otto von Guericke-Preis 2023.
Nahezu ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs werden allein auf
Reibungsverluste zurückgeführt. Durch verbesserte Schmiermittellösungen,
zum Beispiel bei technischen Kunststoffbauteilen, könnte dieser
Energieverbrauch deutlich reduziert werden. Dr. Alexandra Latnikova vom
Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP im Potsdam Science
Park und Moritz Grünewald vom SKZ - Das Kunststoff-Zentrum in Würzburg
haben schmierstoffgefüllte Mikrokapseln entwickelt, die bei hohen
Temperaturen in Kunststoffe eingearbeitet werden können. So entstehen
selbstschmierende Verbundmaterialien, die besonders langlebig sind. Die
Forschenden gehören zu den drei Finalistenteams für den Otto von Guericke-
Preis 2023. Die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes mit dem Titel
„Tribologisch wirksame Pseudofeststoffe für mechanische und thermisch hoch
belastete Thermoplastbauteile“ ermöglichen einen Verschleißrückgang von
bis zu 85 Prozent beispielsweise bei Kunststoff-Stahl-Paarungen.
Das Forschungs- und Transfernetzwerk AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller
Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. vergibt den mit 10.000
Euro dotierten Preis seit 1997 an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
für besondere Innovationsleistungen auf dem Gebiet der Industriellen
Gemeinschaftsforschung (IGF), die vom Bundesministerium für Wirtschaft und
Klimaschutz (BMWK) mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. Die
vorwettbewerbliche IGF wird in Forschungsvereinigungen wie den Mitgliedern
der AiF organisiert.
Gesundheits- und umweltschädliche Stoffe ersetzt
Durch starke Reibungskräfte, die einen erhöhten Energieverbrauch und
erheblichen Verschleiß verursachen, können unter anderem Zahnräder in
elektronischen Bauteilen verfrüht ausfallen. Eine externe Schmierung durch
Öl ist hier schlicht nicht möglich. Stattdessen werden derartige Produkte
mit Polytetraflourethylen (PTFE), besser bekannt als Teflon, modifiziert.
PTFE gehört zur sogenannten Gruppe der per- und polyflourierte Chemikalien
(PFAS), die als besonders gesundheits- und umweltschädlich gelten.
Eine echte Alternative zur Herstellung von selbstschmierenden
Verbundwerkstoffen sind Schmierstoffmikrokapseln. „Dabei handelt es sich
um winzige, 5 bis 50 Mikrometer große Öltröpfchen, die mit einer sehr
dünnen Polymerschale umhüllt sind. Von Reibung und Verschleiß beeinflusst,
brechen die Kapseln auf und setzen Schmierstoff frei. So entsteht ein
selbstschmierendes System“, erklärt Latnikova. Die Kapselwände müssen bei
der Einarbeitung in den Kunststoff sehr hohe Temperaturen überstehen, ohne
sich zu öffnen. Um Bauteile mit hohen mechanischen und thermischen
Eigenschaften zu erhalten, wurden verschiedene technische Kunststoffe
sowie eine zusätzliche Faserverstärkung untersucht. Forschungsziel war die
Entwicklung besonders langlebiger und energiesparender Kunststoffe.
Potenzial für zahlreiche weitere Anwendungen
Das Prinzip der Mikroverkapselung hat sehr viel Potenzial für zahlreiche
weitere Anwendungen, wie zum Beispiel sogenannte selbstheilende Bauteile
oder Materialien. Das bedeutet, die Materialien sind in der Lage, sich
selbst zu reparieren, nachdem sie beschädigt oder Umweltbelastungen
ausgesetzt wurden.
Grünewald hebt hervor: „Mit unseren schmierstoffgefüllten Mikrokapseln
können wir Kunststoffbauteile herstellen, die über eine hohe Energie- und
Ressourceneffizienz verfügen. Gleichzeitig verzichten wir vollständig auf
das problematische PTFE/PFAS und erzeugen weniger Mikroplastik.“ Diese
Schmierstoffmikrokapseln können, laut den beiden Forschenden, in
technische Kunststoffe bei bis zu 260 Grad eingearbeitet werden. Damit
wären sogar Metallbauteile ersetzbar. Infolge dieser Forschungsergebnisse
wurden Verfahrensparameter für den Industriemaßstab abgeleitet.
Klarer Vorteil im internationalen Wettbewerb
Innerhalb von IGF-Projekten forschen Wissenschaft und Wirtschaft immer
gemeinsam. Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer bringen ihre
langjährige Expertise aus der Praxis ein und sind ein Garant für
anwendungsnahe und vor allem bedarfsgerechte Forschung. Jürgen Zöh,
Geschäftsführer der HESA Kunststofftechnik GmbH & Co. KG, erklärt: „Als
Hersteller von Kunststoffbauteilen für die Medizin- und Antriebstechnik,
den Maschinenbau und Automotiv-Bereich haben wir das IGF-Projekt mit
großem Interesse begleitet. Das Compound mit seinen selbstschmierenden
Eigenschaften ermöglicht Kunststoffbauteile mit bisher unerreichten
Reibwerten und Lebensdauern.“ Der mittelständische Unternehmer sieht damit
einen klaren Marktvorteil gegenüber Wettbewerbern aus Fernost.
Etwa 70 Prozent weniger Reibung und 85 Prozent weniger Verschleiß mit
Hilfe solcher Produkte sind gewaltige Verbesserungen. Professor Martin
Bastian, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft für das Süddeutsche
Kunststoff-Zentrum e.V. – FSKZ beschreibt diese Zahlen so: „In der
Wissenschaft reden wir von Sprunginnovationen. Solche Sprunginnovationen
braucht die Wirtschaft, braucht der Mittelstand.“ Sie führten dazu, dass
Energiekrisen oder auch die Klimakrise bewältigt werden können. „Dieses
Projekt ist also ein Paradebeispiel für vorwettbewerbliche Forschung, die
echten Nutzen in unserer Gesellschaft stiftet“, würdigt er das Engagement
des ausgezeichneten Forschungsteams. Das AiF-Mitglied FSKZ hat das IGF-
Projekt koordiniert.
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