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EU-Projekt „META BUILD“: Mit digitalen Zwillingen Universitätsgebäude elektrifizieren

Ein Team unter der Leitung des Informatikers Prof. Dr.-Ing. Herrmann de
Meer beteiligt sich am EU-Horizon-Projekt „META BUILD“: Anhand von
Gebäuden der Universität Passau testen Informatikerinnen und Informatiker
Möglichkeiten, wie sich der CO2-Ausstoß von akademischen Einrichtungen
reduzieren lässt.

Der Gebäudesektor ist ein Bereich, der die Klimavorgaben jedes Jahr reißt.
In der Europäischen Union ist er für 40 Prozent des Energieverbrauchs und
36 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Hier setzt das EU-
Projekt „META BUILD” an, das zum Januar 2024 startet. Das Akronym steht
für „Powering the METAmorphosis of BUILDings towards a decarbonised and
sustainable energy system”. Der europaweite Forschungsverbund umfasst 38
Partner aus 13 Ländern und will in den nächsten vier Jahren die
Verwandlung des Gebäudesektors weg vom Klimasünder hin zu einer
energieeffizienten Zukunft vorantreiben.

Beteiligt ist auch ein Team der Universität Passau unter der Leitung von
Prof. Dr.-Ing. Hermann de Meer, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik mit
Schwerpunkt Rechnernetze und Rechnerkommunikation. Es untersucht, wie sich
Bestandsgebäude elektrifizieren lassen, zunächst am Beispiel des
Universitätscampus in Passau. Aufgabe der Informatikerinnen und
Informatiker ist es zudem sicherzustellen, dass sich die entwickelte
Lösung auch auf andere akademische Einrichtungen übertragen lässt.

Elektrifizierung meint dabei die Verdrängung fossiler Energieträger
zugunsten grünen Stroms, um den CO2-Ausstoß der Gebäude zu minimieren.
„Für die Energiewende brauchen wir vor allem eines: Flexibilität“, betont
Prof. Dr.-Ing. de Meer. Das beziehe sich sowohl auf die
Energiebereitstellung als auch auf den Verbrauch: „Die Energie kann durch
elektrische und thermische Speicher flexibel bereitgestellt werden, der
Verbrauch kann durch variable Tarife gesteuert werden, beispielsweise für
das Laden von Elektroautos, und durch die Sensibilisierung der Nutzerinnen
und Nutzer.“

Erweiterte digitale Zwillinge der Universitätsgebäude

Um nachvollziehen zu können, wo sich diese Punkte optimieren lassen,
erstellen die Informatikerinnen und Informatiker erweiterte digitale
Zwillinge der Universitätsgebäude. Dazu statten sie die betreffenden
Gebäude mit Sensoren aus, die den bisherigen Energieverbrauch, die lokale
Energieerzeugung, die vorhandene thermische Abwärme und die gespeicherte
thermische und elektrische Energie erfassen. Diesen digitalen Zwilling
erweitern sie um externe Daten wie etwa zum Wetter. Die gesammelten Daten
analysieren sie mit Hilfe von Methoden der Künstlichen Intelligenz.

Es soll nicht beim digitalen Zwilling bleiben: Über verschiedene
Schnittstellen werden die Nutzerinnen und Nutzer der Gebäude über die
Verfügbarkeit erneuerbarer Energien und den energetischen Zustand
informiert. So sollen sie für eine flexible Energienutzung sensibilisiert
werden. „Wir verfolgen in dem Projekt keinen rein technischen, sondern
einen ganzheitlichen Ansatz“, erklärt Prof. Dr.-Ing. de Meer. Denn nur
wenn alle Betroffenen die Maßnahmen akzeptieren und umsetzen, haben diese
auch Erfolg.

Nachhaltiger Campus, als Nachhaltigkeit noch kaum Thema war

Die Universität Passau eignet sich Prof. Dr.-Ing. de Meer zufolge
besonders für das Projekt, denn sie hat sich zum Ziel gesetzt, Vorbild für
eine nachhaltige akademische Einrichtung zu werden. Bereits bei der
Gründung 1978, als das Thema noch nicht so im Fokus stand, war der Campus
ein Pionierprojekt in Sachen Nachhaltigkeit. Die malerische Lage am Inn
nutzt die Architektur, um mit dem Wasser des Gebirgsflusses die Server-
und Rechneranlagen im IT-Zentrum zu kühlen. Aktuell treibt die Universität
das Thema in mehreren Projekten voran. Um diese Aktivitäten zu bündeln,
hat die Universitätsleitung einen Nachhaltigkeitshub gegründet, der auch
in dem EU-Projekt eine zentrale Rolle spielt: „Ich freue mich sehr über
das neue Projekt“, sagt Prof. Dr. Werner Gamerith, Beauftragter für
Transfer und interne Vernetzung mit der Querschnittsaufgabe
Nachhaltigkeit. „Wir stehen vor der spannenden Aufgabe, aus den
wissenschaftlichen Aktivitäten der Forscherinnen und Forscher
Handlungsempfehlungen abzuleiten und diese dann mit den Praktikerinnen und
Praktikern zu diskutieren und umzusetzen.“

Die Europäische Union fördert das Projekt im Rahmen des Horizon-Europe-
Programms für Forschung und Innovation mit 12,5 Millionen Euro. Davon
gehen 321.875 Euro an die Universität Passau.

Förderhinweis

Gefördert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und
Meinungen sind jedoch nur die des Autors/der Autoren und spiegeln nicht
unbedingt die der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission
wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können
dafür verantwortlich gemacht werden.

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„Smart Cities“ als „Lebensräume der Zukunft“ – zdi.NRW stellt innovative Lebensräume in den Fokus

m kommenden Jahr richtet die Gemeinschaftsoffensive Zukunft durch
Innovation.NRW (zdi.NRW) den Fokus auf das Schwerpunktthema „Smart Cities
– Städte als Lebensraum der Zukunft“. Das Nordrhein-Westfalen-weite
Netzwerk für außerschulische MINT-Bildung (Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften, Technik) setzt damit ein Zeichen für die
Zukunftsrelevanz der MINT-Bildung.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bis 2050 zwei Drittel der
Weltbevölkerung in Städten leben wird. Diese Entwicklung stellt die
Gesellschaft vor soziale, ökologische und ökonomische Herausforderungen.
In einer Welt, die sich ständig weiterentwickelt, sind Städte Zentren der
Veränderung. Dabei hat sich das Konzept der „Smart Cities” als eine
vielversprechende Entwicklung für die Zukunft urbaner Lebensräume
herauskristallisiert. Nordrhein-Westfalen (NRW) zeichnet sich durch eine
Vielzahl an Großstädten aus und ist mit ca. 18 Millionen Einwohner:innen
das bevölkerungsreichste Bundesland. Die Bauwirtschaft stellt eine
Schlüsselindustrie für Nordrhein-Westfalen dar. Sie ist auch
Innovationstreiberin für Nachhaltigkeit in den diversen Teilbranchen und
ein entscheidender Hebel, um die nordrhein-westfälischen Klimaziele zu
erreichen. Die NRW-weite zdi-Community zeigt mit ihren Aktivitäten im Jahr
2024, wieviel MINT-Kompetenz zur Bewältigung der zentralen
Herausforderungen in urbanen Lebensräumen notwendig ist.

zdi.NRW unterstützt das Land NRW seit rund 18 Jahren in der MINT-
Nachwuchsförderung. Dabei stellt sich die Gemeinschaftsoffensive immer den
aktuellen Herausforderungen. Im kommenden Jahr richtet die zdi-Community
deshalb besondere Aufmerksamkeit auf das zdi-Jahresthema „Smart Cities –
Städte als Lebensraum der Zukunft“.

Viele zdi-Akteur:innen setzen sich bereits mit Teilbereichen zukünftiger
Lebensräume auseinander, um dadurch junge Menschen für multidisziplinäre
Berufsfelder zu motivieren, die zukunftsrelevant sind.
Ein Beispiel kommt aus Krefeld: Dort kommt das Spiel „Minetest“ zum
Einsatz, um mit Jugendlichen zukunftstaugliche Städtemodelle zu
entwickeln. Beim Projekt „MINE Krefeld und Co.“ können die Jugendlichen
ihre eigene Stadt im Online-Spiel „Minetest“ nachbauen.
Das zdi-Schüler:innenlabor GeoIT der Universität Wuppertal nutzt
Geoinformationssysteme, um gemeinsam mit Schüler:innen
Einsatzmöglichkeiten für Digitaltechnik in der Landwirtschaft zu erkunden.

Auch durch innovative Wettbewerbe begeistert die zdi-Community junge
Menschen, die sich mit zukunftsträchtigen Technologien und
Anwendungsmöglichkeiten auseinandersetzen möchten. Neben dem zdi-
Roboterwettbewerb findet die zdi-Science League statt, in der aktuell 13
Teams innerhalb eines Schuljahres ein Modell eines „Stadtviertels der
Zukunft“ entwickeln. Im Rahmen der ersten Aufgabe haben die Teams ihre
Lösungsansätze zu Herausforderungen wie Sicherheit, Klimatauglichkeit und
Barrierefreiheit im intelligenten Stadtviertel bereits vorgestellt.

Auf der Landingpage https://zdi-portal.de/smart-cities-lebensraeume-der-
zukunft/
stellt zdi.NRW das ganze Jahr über die Aktivitäten rund um das
Jahresthema 2024 vor.

Über zdi.NRW:
zdi.NRW steht für „Zukunft durch Innovation.NRW“ und ist mit über 5.000
Partner-schaften mit Akteur:innen aus den Bereichen Wissenschaft,
Wirtschaft, Schule, Politik und Gesellschaft europaweit das größte
Netzwerk zur Förderung des MINT-Nachwuchses. Flächendeckend gibt es zdi-
Angebote in allen Kreisen und kreisfreien Städten in NRW. In über 15
Jahren hat zdi.NRW über 2 Millionen junge Menschen erreicht. Über 100
Schüler:innenlabore bieten Kindern und Jugendlichen Räume, um MINT zu
erleben, ihrer Begeisterung für MINT nachzugehen und sich über MINT-
Ausbildungs- und Studiengänge zu informieren. Die Kurse und Angebote von
zdi.NRW tragen auch zum Transfer aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse
aus den Hochschulen heraus bei. Koordiniert wird zdi.NRW vom Ministerium
für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Landesweite
Partner:innen sind unter anderem die Ministerien für Schule und Bildung
und für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes
Nordrhein-Westfalen sowie die Regionaldirekti-on NRW der Bundesagentur für
Arbeit.

Weitere Informationen: www.zdi-portal.de und https://mint-community.de

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Schader-Preis 2024 für die Politikwissenschaftlerin Silja Häusermann

Die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Silja
Häusermann erhält im Jahr 2024 den Schader-Preis. Der Senat der Schader-
Stiftung hat sich am 21. November 2023 in seiner Sitzung für die Vergabe
an die Professorin für Schweizer Politik und Vergleichende Politische
Ökonomie an der Universität Zürich ausgesprochen.

„Mit Silja Häusermann zeichnen wir eine international renommierte und
versierte Politikwissenschaftlerin mit komparativer Perspektive aus“,
begründete der Sprecher des Senats, Prof. Dr. Otfried Jarren, die Wahl.
Die Preisträgerin habe wichtige Beiträge zu neuen gesellschaftlichen
Konfliktlinien und zur sozialen Fragmentierung geleistet, sie „analysiere
den Wandel des Wohlfahrtsstaats in allen seinen Facetten mit methodischer
Raffinesse und analytischer Präzision“. Als Wissenschaftlerin sei sie
international wie im deutschen Sprachraum sehr sichtbar und ausgezeichnet
vernetzt. „Mit ihren Erkenntnissen über den langfristigen Wandel von
Arbeitsmärkten und der Sozialstruktur moderner Gesellschaften bereichert
Silja Häusermann nicht nur die Gesellschaftswissenschaften, sondern ebenso
den gesellschaftlichen Diskurs“, so der Kommunikationswissenschaftler
Jarren weiter. Dabei setze sie bei der Vermittlung in die Gesellschaft
eigene Akzente und rege damit die Debatte sowohl in Fachkreisen als auch
die Diskussion in der Öffentlichkeit an.

Silja Häusermann selbst reagierte auf die Nachricht hocherfreut: „Der
Schader-Preis ist für mich eine ganz besondere Ehre und Freude, weil er
die gesellschaftliche Wir-kung der wissenschaftlichen Arbeit würdigt.“ Der
mit 15.000 Euro dotierte Schader-Preis ehrt
Gesellschaftswissenschaftlerinnen und Gesellschaftswissenschaftler, die
aufgrund ihrer wegweisenden wissenschaftlichen Arbeit und durch ihr
vorbildliches Engagement im Dialog mit der Praxis einen Beitrag zur Lösung
gesellschaftlicher Probleme geleistet haben.

Silja Häusermann, geboren 1977, studierte Politikwissenschaft an der
Universität Genf und absolvierte den Master of Public Administration am
Institut de hautes études en administration publique in Lausanne. Dort
sowie anschließend an der Universität Zürich war sie als Assistentin
tätig, wo sie schließlich 2007 promovierte. Die Dissertation wurde mit dem
ECPR Jean Blondel Prize und dem APSA Ernst B. Haas Prize in European
Politics ausgezeichnet. Als Gastwissenschaftlerin war sie am Government
Department der Harvard Universität und als Max Weber Fellow am
Europäischen Hochschulinstitut in Florenz aktiv, lehrte und forschte als
Juniorprofessorin an der Universität Konstanz und war Fellow am
Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 2012 ist sie Professorin an der
Universität Zürich und hat den Lehrstuhl für Schweizer Politik und
Vergleichende politische Ökonomie am Institut für Politikwissenschaft
inne. 2016 erhielt sie vom Europäischen Forschungsrat einen ERC Starting
Grant für ihre herausragende wissenschaftliche Forschung zu
sozialstaatlichem Wandel zugesprochen. 2018 wurde ihre Lehre mit dem UZH
Teaching Award ausgezeichnet.

Die gebürtige Luzernerin forscht im Bereich der Vergleichenden
Politikwissenschaft, der Vergleichenden Politischen Ökonomie und des
politischen Verhaltens. Ihr Fokus liegt dabei auf soziostrukturellem
Wandel, Ungleichheit, Veränderungen von Wahlverhalten und Parteiensystemen
sowie deren Einfluss auf distributive Politik. Auch die Transformation
westlicher Sozialstaaten und Arbeitsmarktpolitiken ist einer ihrer
Schwerpunkte.

Der Schader-Preis wird am 26. Juni 2024 in Darmstadt überreicht. Die
Laudatio hält der Publizist Roger de Weck, ehemaliger Generaldirektor der
Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft und früherer Chefredakteur
des Tages-Anzeigers (Zürich) und der Wochenzeitung Die Zeit. Verliehen
wird er vom Senat der Schader-Stiftung, dem die Preisträgerinnen und
Preisträger der vergangenen Jahre angehören: Prof. Dr. Steffen Mau (2023),
Prof. Dr. Lisa Herzog (2022), Prof. Dr. Armin Nassehi (2021), Prof. Dr.
Dorothea Kübler (2020), Prof. Dr. Christoph Möllers (2019), Prof. Dr.
Otfried Jarren (2018) und Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (2017). Mit der
Verleihung des Schader-Preises im Juni 2024 gehört Silja Häusermann dann
sieben Jahre lang dem Senat der Schader-Stiftung an.

Die Schader-Stiftung fördert seit 1988 den Dialog zwischen
Gesellschaftswissenschaften und Praxis. Mehr Informationen zur Stiftung
und zum Schader-Preis sind unter www.schader-stiftung.de/schader-preis/ zu
finden.

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Altersmediziner empfehlen Senioren dringend Doppelimpfung gegen Grippe und Corona

Corona ist für viele Senioren und vor allem hochaltrige Patienten gerade
wieder ein Problem. Kombiniert mit saisonalen Infekten wie Grippe,
Pneumokokken oder auch Keuchhusten werden derzeit viele Ü60-Jährige
stationär in den Kliniken behandelt. Auch die sehr schweren Verläufe sehen
Mediziner derzeit vor allem bei älteren Menschen – der durchschnittliche
COVID-19-Patient auf der Intensivstation ist 75 Jahre und älter, denn 85
Prozent der Patienten sind hochbetagt.

„Der Schutz dieser vulnerablen Gruppe durch Impfungen bedarf deshalb noch
größerer Aufmerksamkeit“, fordert Dr. med. Anja Kwetkat, Chefärztin der
Klinik für Geriatrie und Palliativmedizin am Klinikum Osnabrück und
Leiterin der Arbeitsgruppe Impfen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie
(DGG). Und weist darauf hin, dass es auch jetzt für den wichtigen Piks
noch nicht zu spät ist!

Generell sollte die jährliche Grippe-Impfung für Senioren ab 60 Jahren zur
Routine werden, wie das Reifen-Wechseln zur Saison am eigenen Auto – so
empfiehlt es auch die STIKO. „Der quadrivalente (vierfache) Hochdosis-
Impfstoff, der vor gut zwei Jahren eingeführt wurde, hat sich gut
etabliert und zeichnet sich durch einen stärkeren Wirkschutz aus als der
Standard-Impfstoff“, erklärt Dr. Anja Kwetkat. „Verlangen Sie mit über 60
Jahren unbedingt diesen Impfstoff, um eine gute Immunantwort zu erhalten.“

Insbesondere älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen rät sie
deshalb unbedingt zur jährlichen Grippe-Impfung. Zu relevanten
Vorerkrankungen zählen die koronare Herzkrankheit (KHK), eine Herz- oder
Niereninsuffizienz, Schlaganfall oder Diabetes. „Insbesondere bei den
Herz-Kreislauf-Erkrankten besteht bei einer Grippeinfektion ein erhöhtes
Risiko für das Auftreten kardiovaskulärer Komplikationen – und das auch
noch nach überstandener Grippeinfektion“, so Kwetkat. Geimpfte Menschen
sind gegenüber solch schweren Folgeerkrankungen deutlich besser geschützt.

Neu: Doppelimpfung gegen Grippe und Corona möglich

Wichtig zu wissen: Aufgrund der aktualisierten Datenlage wird die
Influenza-Impfung jetzt gleichzeitig mit der COVID-19-Impfung empfohlen –
vor allem für Ü60-Jährige, so die STIKO. „Für Senioren mit Basisimmunität
wird eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Im Moment geht man davon aus,
dass diese jährlich benötigt wird und bevorzugt im Herbst verabreicht
werden soll. Der Abstand zur letzten Auffrischungsimpfung sollte dann
mindestens zwölf Monate her sein und zur letzten Infektion mindestens
sechs Monate“, erklärt Impfexpertin Kwetkat.

Zur Erinnerung: Eine Basisimmunität besteht bei Personen, die drei
Impfungen bekommen haben oder zwei Impfungen und eine COVID-Infektion
durchgemacht haben.

Auch Empfehlung für Pneumokokken-Impfung

Alle Ü60-Jährigen sollten sich zudem mit dem 20-valenten Konjugatimpfstoff
gegen Pneumokokken impfen lassen – egal ob mit Vorerkrankungen oder ohne
Vorerkrankungen. Für Senioren mit Vorerkrankungen, die vor mindestens
sechs Jahren mit dem älteren Polysaccharidimpfstoff geimpft wurden, wird
eine einmalige Auffrischung mit dem neuen 20-valenten Konjugatimpftstoff
empfohlen.

„Wir Altersmediziner hoffen, dass sich hier die Impfquote noch deutlich
steigern wird, denn die Impfquote bei Pneumokokken ist leider noch
vergleichsweise gering“, weiß Dr. Kwetkat. „Der Hausarzt sollte den
Impfstatus überprüfen. Fragen Sie unbedingt danach, wenn Sie sich unsicher
sind!“ Denn weiterhin ist eine Lungenentzündung, ausgelöst durch
Pneumokkoken, eine sehr schwere Erkrankung, vor der man sich aber einfach
schützen kann.

Impfen ist fast immer möglich – außer bei Fieber

Mit Blick auf den Kalender wäre der Gang zum Hausarzt und zur Impfung
bereits im Oktober sicherlich sehr gut gewesen. „Aber es ist jetzt kurz
vor Weihnachten trotzdem nicht zu spät“, fordert Dr. Anja Kwetkat auf,
Versäumtes nachzuholen.
Einzig und allein gilt es, nicht während eines Infektes zu impfen. „Fieber
ist eine echte Gegenanzeige zum Impfen“, so Kwetkat. Also selbst wenn man
nach einer rauschenden Familienfeier jetzt doch etwas Sorge vor Ansteckung
hat, es vielleicht schon im Hals kratzt, kann geimpft werden. „Je mehr
Senioren sich jetzt noch zur Impfung entschließen, desto weniger Patienten
werden wir Altersmediziner in den nächsten Wochen auf unseren Stationen
und Intensivstationen sehen“, ist Frau Dr. Kwetkat überzeugt. „Es ist
wirklich wichtig!“

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