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Hochschule Hof will mit Künstlicher Intelligenz den Winterdienst revolutionieren

Noch ist es zu warm, aber bald begünstigen die Bodentemperaturen die Bildung von Eis – das Projekt von Prof. Dr. Heike Markus und Dr. Ali Fallah Tehrani setzt hier an und will den Winterdienst effektiver machen;  Hochschule Hof
Noch ist es zu warm, aber bald begünstigen die Bodentemperaturen die Bildung von Eis – das Projekt von Prof. Dr. Heike Markus und Dr. Ali Fallah Tehrani setzt hier an und will den Winterdienst effektiver machen; Hochschule Hof

Einen effektiveren Winterdienst, weniger glättebedingte Unfälle und einen
schonenderen Einsatz von Streusalz – das versprechen sich
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Hof von einem
derzeit laufenden Forschungsprojekt. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz und
unter Einbeziehung aktueller Wetterdaten erstellen sie tagesaktuell für
ganz Bayern Prognosen darüber, auf welchen Straßenabschnitten es zuerst
gefriert und wo der Einsatz von Streudiensten deshalb besonders vorrangig
ist. Die Prognosen sind für die bayerischen Straßenwinterdienste künftig
kostenlos über das Wetterdatenmanagement-System der Bayerischen
Landesbaudirektion erhältlich, welche als Projektpartnerin fungiert.

Um mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz verlässliche Werte über künftige
Eisglätte generieren zu können, bedienen sich die Forschenden zunächst der
Daten von über 600 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes für ganz
Bayern. „Wir füttern damit automatisiert unsere Rechner und beziehen in
unseren Modellen ausdrücklich auch Erfahrungswerte der Vergangenheit mit
ein. Auch Faktoren wie Windgeschwindigkeit, Taupunkttemperatur,
Tiefentemperatur und Lufttemperatur werden berücksichtigt. Erstellt werden
damit dann Glätte-Szenarien für den jetzigen Zeitpunkt, für in 3 Stunden
und in 18 Stunden – und das auf 500 Meter-lange Straßenabschnitte genau“,
erläutert Projektleiterin Prof. Dr. Heike Markus das Prinzip. Dies
erfordere enorm hohe Rechnerleistungen. In Testläufen wurden die Prognosen
im letzten Winter allerdings bereits anhand von Bodentemperatur-Sensoren
an einzelnen Winterdienstfahrzeugen getestet und bestätigt.

KI-Prognosen sparen Zeit und Geld

Auf einer übersichtlichen Benutzeroberfläche können Verantwortliche des
Winterdienstes dann erkennen, an welchen Stellen zuerst mit Problemen
durch Eisglätte zu rechnen ist und ihre Fahrzeuge und Mitarbeitenden
entsprechend vorausschauend einsetzen. Dies hat nach Einschätzung von
Prof. Dr. Markus insbesondere im ländlichen Bereich seine Vorteile: „Im
städtischen Bereichen werden in der Regel ganz generell zunächst
Hauptverkehrsstraßen, Straßen mit Steigungen und Kreuzungen beräumt und
viele Winterdienst-Fahrer haben ganz genaue Erfahrungswerte, welche
Stellen in diesem engen Umfeld besonders kritisch sind. Im ländlichen
Bereich können die Stellen, an denen Eisglätte auftritt, durch
unterschiedlichste Faktoren deutlich mehr variieren und auch echte
Winterdienst-Profis überraschen. Besonders hier liefern unsere
Rechenmodelle einen unschätzbaren Zeitvorteil – gerade auch angesichts der
weiten Strecken, die hier zurückgelegt werden müssen.“ Die KI ermöglicht
es nicht nur künftig schneller zu reagieren und so Unfälle zu vermeiden.
Zeitgleich liefern die Prognosen auch Daten darüber, wo mit wenig Gefahr
durch Eisglätte zu rechnen sei. „Dies erlaubt es, an diesen Stellen auch
gezielt Streusalz einzusparen, was wiederum gut für die Umwelt und die
kommunalen Haushalte ist“, so Projektmitarbeiter Ali Fallah Tehrani.

Praxis-Text im anstehenden Winter

Natürlich müsse sich das System im kommenden Winter nun bewähren und
gegebenenfalls weiter angepasst werden: „Unter Künstlicher Intelligenz
versteht man maschinelles Lernen. Das bedeutet, dass das Modell
idealerweise mit jedem bekanntwerdenden Fehler dazulernt und sich selbst
perfektioniert – eben so lange, bis es dauerhaft zuverlässig arbeitet“, so
Prof. Dr. Heike Markus.

Eine potentielle Fehlerkorrektur erfolgt dann abermals über eine
umfangreiche Datensammlung, welche parallel zur Lieferung der Prognose
läuft. „Sollte die Qualität der Prognose für bestimmte Wetterstationen
nicht mehr ausreichend sein, wird das Modell mit zusätzlichen Daten
trainiert. Darüber hinaus beeinflussen andere Faktoren wie die Qualität
der Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes stark die
Straßenglätteprognose, weil unsere Modelle diese Daten verwenden“, so
Prof. Markus.
Letztlich aber dürften die neuen technischen Möglichkeiten den
Winterdiensten die Arbeit deutlich erleichtern.

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Regelmäßig Blutdruck messen bedeutet effiziente Prävention und optimale Therapieüberwachung

Wer Bluthochdruck rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, senkt effektiv
die hohe Last an Herz- und Gefäßerkrankungen. Bluthochdruck zu
diagnostizieren, ist im Prinzip sehr leicht. Denn Blutdruckmessungen geben
einen guten Anhaltspunkt. Doch nur wenige Menschen nehmen die Messangebote
in Praxen oder Apotheken wahr. Am aussagekräftigsten ist ohnehin die
Selbstmessung zu Hause. Doch die wird, wenn überhaupt, nur von Menschen
mit bestätigter Bluthochdruckdiagnose durchgeführt. Die
Blutdruckselbstmessung sollte daher als wichtige Vorsorgemaßnahme
bekannter gemacht werden, so die Forderung der Deutschen Hochdruckliga,
die dabei auf politische Unterstützung hofft.

Mit dem Impulspapier „Früherkennung und Versorgung von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen“ vom 5. Oktober 2023 [1] lenkt das
Bundesgesundheitsministerium den Fokus auf Krankheiten des Herz-Kreislauf-
Systems und unterbreitet Vorschläge für eine verbesserte Prävention.
Allein ein Drittel aller Todesfälle in Deutschland gehen auf ihr Konto,
hinzu kommt: Mit rund 57 Milliarden Euro verursachten Krankheiten des
Kreislaufsystems im Jahr 2020 die höchsten Kosten für das
Gesundheitssystem. In dem Papier des Ministeriums wird daher der Ausbau
von Präventionsmaßnahmen vorgeschlagen und in diesem Kontext auch das
Potenzial der Blutdruckmessung betont.
Zum einen wird auf die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über
die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten verwiesen.
In den „Check-up-Untersuchungen“ bei Erwachsenen hat die Blutdruckmessung
bereits einen fest verankerten Platz. Nun soll sie auch in die
Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen implementiert
werden. Darüber hinaus wird in dem Papier angeregt, Apotheken im Rahmen
von Vorfelduntersuchungen zu den Check-ups einzubinden und auch dort –
neben anderen Früherkennungstests – Blutdruckmessungen durchführen zu
lassen.

Diese Vorhaben unterstützt die Deutsche Hochdruckliga. „Die
Blutdruckmessung ermöglicht ein sehr effektives Screening. Sie ist relativ
kostengünstig und kann viele Fälle von Bluthochdruck aufdecken, dessen
Dunkelziffer noch immer hoch ist. Da ein unbehandelter Bluthochdruck
gefährliche kardiovaskuläre Erkrankungen nach sich zieht, ist die
Blutdruckmessung als Ausgangspunkt zentral für jedes Bemühen, die Rate an
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Wer Bluthochdruck rechtzeitig
diagnostiziert und behandelt, senkt effektiv die hohe Last an Herz- und
Gefäßerkrankungen. Die Deutsche Hochdruckliga steht hier mit Rat und Tat
zur Seite – sie hat bereits vor Jahren damit angefangen, auch das
Apothekenpersonal in Sachen Blutdruckmessung zu schulen“, erklärt Prof.
Dr. Markus van der Giet, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Hochdruckliga. „Doch noch wichtiger ist die regelmäßige
Blutdruckselbstmessung.“

Warum ist die regelmäßige Selbstmessung zu Hause wichtig?
Für Menschen, die an einer arteriellen Hypertonie leiden und
blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, ist die regelmäßige Selbstmessung
obligat und gehört zu den wichtigen Therapieempfehlungen: Nur so kann
sichergestellt werden, dass die Medikamente optimal eingestellt sind.

Doch auch für die Erstdiagnose hat die Selbstmessung eine hohe Bedeutung,
wie auch in den aktuellen Leitlinien der European Society of Hypertension
[2] dargelegt wird. Sie kann bluthochdruckbedingte Organschäden,
kardiovaskuläre Folgekrankheiten und sogar die kardiovaskuläre Mortalität
besser vorhersagen als die Messungen in der Praxis, da gerade auch die
Blutdruckvariabilität eine prognostische Aussagekraft hat. Darüber hinaus
können durch die regelmäßigen Heimmessungen auch die Weißkittelhypertonie
und die sog. maskierte Hypertonie entlarvt werden. Bei Erstgenannter sind
die Blutdruckwerte nur in der Arztpraxis erhöht, aber sonst eher nicht –
bei der maskierten Hypertonie handelt es sich um das gegenteilige
Phänomen: Die Ärztin/der Arzt misst normale Werte, aber außerhalb des
Praxisumfelds (oft auch nachts) sind die Werte dauerhaft erhöht. „Problem
ist, dass diese Form des Bluthochdrucks bei alleinigen Praxismessungen
nicht erkannt und behandelt wird und die Betroffenen dann ein hohes
kardiovaskuläres Risiko haben. Daher ist die regelmäßige Messung zu Hause
nicht nur ein Tool für das Therapiemonitoring von Menschen mit
diagnostiziertem Bluthochdruck, sondern auch für das Erkennen der
ansonsten stummen Erkrankung“, betont Prof. van der Giet.

Denn wie der Experte weiter erklärt, führt Bluthochdruck meistens zu
keinerlei Beschwerden und selbst Symptome wie Schwindel oder Kopfschmerzen
werden oft auf andere Ursachen, wie z. B. Überarbeitung oder Stress,
zurückgeführt. Die eigentliche Ursache bleibt dann über eine lange Zeit
unerkannt und unbehandelt. Die Blutdruckmessung zu Hause sollte daher nach
Ansicht der Deutschen Hochdruckliga als wichtige Vorsorgemaßnahme
bekannter gemacht werden – „hier ist auch die Gesundheitspolitik gefordert
und wir hoffen, dass sich das Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung
in der Medizin (BIPAM), das derzeit aufgebaut wird, dieser Aufgabe
annehmen wird“, erklärt Prof. van der Giet.

Selbst Blutdruck messen – so geht’s!
Die Messung zu Hause ist also wichtig, muss aber auch korrekt durchgeführt
werden. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei ein zuverlässiges Messgerät,
die Deutsche Hochdruckliga hält eine Liste aller durch sie zertifizierten
Geräte vor [3]. Darüber hinaus bietet die Deutsche Hochdruckliga Material,
das die Messung anschaulich erklärt – vom Erklärvideo [4] über das
Infoblatt „Richtig messen in 5 Schritten“ bis hin zu einer Kurzanleitung
im „Blutdrucktagebuch“ (im Anhang dieser Pressemeldung als PDF).

Wichtig zu wissen ist, dass eine Blutdruckmessung nicht jeden Tag
durchgeführt werden muss, auch nicht von Menschen, die an Bluthochdruck
erkrankt sind. Es reicht, einmal pro Monat an sieben aufeinanderfolgenden
Tagen zu messen, morgens und abends jeweils zwei Messungen. Dann soll aus
allen Werten (die Messungen von Tag 1 sollen verworfen werden, da sie
meist höher liegen) der Mittelwert berechnet werden. Liegt er unter dem
Zielwert, ist alles in Ordnung, liegt er darüber, sollte ärztlicher Rat
eingeholt werden.

Der Zielwert liegt lt. ESH-Leitlinie [2] bei älteren Menschen ab 65 Jahren
unter 140/80 mm Hg und bei Menschen zwischen 18 und 64 Jahren unter 130/80
mm Hg. Diese in den Leitlinien angegebenen Werte beziehen sich immer auf
die Messung in der Arztpraxis. Wer zu Hause misst, muss von beiden Werten,
dem oberen und dem unteren, jeweils 5 mm Hg abziehen.

„Mit der einen ‚Messwoche‘ pro Monat gibt die Leitlinie eine
alltagstaugliche Empfehlung, auch die Orientierung an einem Mittelwert aus
allen Messungen ist pragmatisch und sorgt dafür, dass ‚Ausreißer‘ nicht
überbewertet werden. Wir hoffen, dass viele Menschen dieser Empfehlung
folgen und auch die Gesundheitspolitik an die regelmäßige Messung
erinnert“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Hochdruckliga
abschließend.

[1] https://www.bio-m.org/fileadmin/Webdata/digimed/Dokumente/2023-11-08
-hke-impuls-d.pdf

[2] Mancia G et al. 2023 ESH Guidelines for the management of arterial
hypertension. The Task Force for the management of arterial hypertension
of the European Society of Hypertension: Endorsed by the International
Society of Hypertension (ISH) and the European Renal Association (ERA). J
Hypertens. 2023 Dec 1;41(12):1874-2071. doi: 10.1097/HJH.0000000000003480.
Epub 2023 Sep 26. PMID: 37345492.
[3] https://www.hochdruckliga.de/betroffene/blutdruckmessgeraete
[4] https://www.youtube.com/watch?v=YwYG_eiTn6s

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Gender- und altersspezifische Aspekte von Bluthochdruck

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. Dennoch tritt sie nicht in allen
Altersklassen gleich häufig auf, die Prävalenz steigt mit dem Alter. Auch
das Geschlecht spielt eine Rolle und führt zu einem unterschiedlichen
Risikoprofil. Viele verschiedene Faktoren begünstigen die Erkrankung,
einige liegen sogar vor der Geburt. Dennoch wird Bluthochdruck einem nicht
als unabwendbares Schicksal in die Wiege gelegt, sondern das Risiko für
Bluthochdruck lässt sich beeinflussen. Die Prävention sollte aber so früh
wie möglich beginnen.

Die arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) ist eine häufige Erkrankung. Die
Gesamtprävalenz beträgt etwa 30 Prozent, insgesamt sind in Deutschland
also 20–30 Millionen Menschen betroffen. Die Krankheitshäufigkeit ist
allerdings stark altersabhängig, die Zahl der Erkrankten steigt mit den
Lebensjahren. In jungen Jahren ist die Hypertonie (noch) sehr selten, nur
etwa 3 Prozent der Kinder sind betroffen, bei betagten Seniorinnen und
Senioren über 80 Jahren liegt die Rate bei bis zu 80 Prozent [1].

Bei den meisten Kindern besteht eine sog. sekundäre Hypertonie, also ein
Bluthochdruck, der Folge einer anderen Erkrankung ist. Erst mit dem
Schulalter und bei Jugendlichen tritt dann die primäre (essenzielle)
Hypertonie in den Vordergrund, ein Bluthochdruck, der „einfach so“
entsteht und nicht Folge einer anderen Krankheit ist.

Hypertonie – die Vorsorge kann nicht früh genug beginnen!
Das Blutdruckniveau im Kindes- und Jugendalter ist prädiktiv für die
Blutdruckgesundheit im Erwachsenenalter. Das bedeutet: Kinder mit
Hypertonie nehmen ihre hohen Blutdruckwerte meistens mit ins
Erwachsenenalter [2]. Die Schlussfolgerung, die Frau Prof. Elke Wühl,
Heidelberg, Kongresspräsidentin des 47. Wissenschaftlichen
Jahreskongresses der Deutschen Hochdruckliga 2023, daraus zieht, lautet:
„Man kann mit der Vorsorge nicht früh genug beginnen.“

Erst recht, wenn man weiß, dass es verschiedene Einflussfaktoren gibt, die
bereits vor der Geburt die Weichen auf „Bluthochdruck“ stellen können.
Dazu zählen ein niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburtlichkeit, mütterliche
Risikofaktoren während der Schwangerschaft, wie z. B. eine Präeklampsie,
Bluthochdruck, Übergewicht oder Nikotinkonsum der Mutter, aber auch
genetische Faktoren. Dadurch, dass das kardiovaskuläre Risiko teilweise
intrauterin festgelegt wird, haben Kinder bereits bei ihrer Geburt
unterschiedliche Startpunkte, was ihre Gesundheitsperspektive angeht [3].
„Wer ungünstige Voraussetzungen hat und später nicht dagegenarbeitet, hat
ein großes Risiko, dass es zu frühzeitigen kardiovaskulären Ereignissen
kommt. „Gerade wenn es um die Themen gesunde Ernährung, Rauchentwöhnung
und Bluthochdruck geht, müssen wir junge Frauen dafür sensibilisieren,
dass sie damit nicht nur in die eigene, sondern auch in die Gesundheit
ihrer Kinder investieren“, erklärte Prof. Wühl. Die Kongresspräsidentin
verwies auch auf entsprechende Beiträge zum Thema „Hypertonie in der
Schwangerschaft“ auf dem Kongress, da immer noch Unsicherheit bzgl. der
Blutdruckeinstellung und Blutdrucktherapie in der Schwangerschaft bestehe.

Doch auch wenn das Risiko für Bluthochdruck bereits in die Wiege gelegt
wird, kann man trotzdem viel dagegen tun, betonte Prof. Wühl. „Durch
äußere Umstände kann die Aktivierung des Erbguts beeinflusst werden, man
nennt das Phänomen epigenetische Modifikation. Wir können mit der
richtigen Lebensführung Einfluss darauf nehmen, ob eine bestimmte
Erbinformation vermehrt oder vermindert ausgelesen wird.“ Für das
Hypertonierisiko heißt das: Wer vorbelastet ist, kann z. B. durch
Ernährung und Bewegung gegensteuern.

Ein weiteres Thema auf dem Kongress ist daher auch die kardiovaskuläre
Prävention bei Kindern und Jugendlichen, u. a. wird die neue AWMF-
Leitlinie [4] diskutiert. Da mit Zunahme der Prävalenz von Übergewicht
auch das Hypertonierisiko bei Kindern zunimmt, ist es wichtig, frühzeitig
gegenzusteuern. Zu den Kernempfehlungen gehören u. a. ausreichend
körperliche Bewegung, eine gesunde Ernährung (mit 2–3 Portionen Gemüse und
Obst pro Tag), ausreichend Schlaf (9–12 Stunden) sowie ein auf 30–60
Minuten täglich begrenzter Medienkonsum.

Auch syndromale Erkrankungen, wie z. B. das Turner-Syndrom, sowie
genetische Krankheiten, die zu einer Hypertonie führen können, sind
Gegenstand des Kongresses. Denn oft ist unklar, welche Diagnostik
erforderlich ist. Perspektivisch ist eine genaue Diagnose wichtig, da
zielgerichtet behandelt werden sollte. „Bei monogenetischen
Bluthochdruckerkrankungen sehen wir beispielsweise, dass die klassischen
Antihypertensiva gar nicht wirken. Zum Beispiel beim Liddle-Syndrom: Dabei
handelt es sich um einen Bluthochdruck aufgrund einer Funktionsstörung der
Nierenkanälchen, die mit einem Diuretikum wie Amilorid behandelt werden
sollte.“

Genderspezifische Aspekte von Bluthochdruck
Die Hypertonieprävalenz ist außer vom Alter auch abhängig vom Geschlecht.
In jungen Jahren sind deutlich mehr Männer als Frauen betroffen, doch in
den mittleren Lebensjahren holen die Frauen auf. Nach den Wechseljahren
sind gleich viele Frauen wie Männer betroffen, im höheren Alter sind dann
sogar die Frauen in der Überzahl [1].

Man unterscheidet zwischen biologischem Geschlecht (engl. „sex“) und
sozialem Geschlecht („gender“) – und beide können Einfluss auf die
Entstehung und den Verlauf kardiovaskulärer Erkrankungen nehmen. Während
das biologische Geschlecht Frauen sogar einen Vorteil verschafft – sie
haben bis zum 75. Lebensjahr z. B. weniger Gefäßverkalkungen als Männer
und weniger kardiovaskuläre Risikofaktoren –, sind es die „Gender-
Faktoren“, die das Pendel in die andere Richtung ausschlagen lassen: Die
Krankheitspathophysiologie ist bei Frauen schlechter untersucht, die
Diagnose- und Behandlungsstrategien sowie die medikamentösen Therapien
sind oft nicht auf Frauen ausgelegt. Daher erhalten Frauen immer wieder
eine schlechtere medizinische Behandlung mit weniger invasiven und
intensivmedizinischen Behandlungen [5]. Auch die Studien zu den
etablierten Bluthochdruckmedikamenten sind an mehr männlichen Patienten
als weiblichen Patientinnen durchgeführt worden. „Wir streben eine
personalisierte Medizin an, haben aber lange Zeit nicht einmal nach
Geschlecht differenziert. Zum Glück hat hier nun ein Umdenken eingesetzt“,
erklärte Prof. Elke Wühl abschließend.

[1] Versorgungsatlas.de; Diagnoseprävalenz der Hypertonie in der
vertragsärztlichen Versorgung.
[2] Theodore RF, Broadbent J, Nagin D et al. Childhood to Early-Midlife
Systolic Blood Pressure Trajectories: Early-Life Predictors, Effect
Modifiers, and Adult Cardiovascular Outcomes. Hypertension
2015;66(6):1108-15
[3] Kruger R, Gafane-Matemane LF, Kagura J. Racial differences of early
vascular aging in children and adolescents. Pediatr Nephrol
2021;36(5):1087-1108
[4] S2k-Leitlinie „Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen im Kindes- und
Jugendalter“. AWMF-Registernummer 023–049. Abrufbar unter:
https://www.awmf.org/service/awmf-aktuell/praevention-kardiovaskulaerer-
erkrankungen-im-kindes-und-jugendalter

[5] Regitz-Zagrosek V, Gebhard C. Gender medicine: effects of sex and
gender on cardiovascular disease manifestation and outcomes. Nat Rev
Cardiol 2023;20(4):236-247

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Symposium und Konzert zu elektroakustischer Musik und Klangkunst

Die Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik (DEGEM) ist mit
ihrer Jahrestagung am 9. Dezember zu Gast in der Musikhochschule Lübeck
(MHL). Die Öffentlichkeit kann dabei Einblick nehmen in die aktuelle Szene
elektroakustischer Musik und Klangkunst: Im Symposium „Artistic and
Artificial?“ geht es ab 13 Uhr um Musik und künstliche Intelligenz und im
Konzert der DEGEM präsentieren ab 20 Uhr zeitgenössische Musikschaffende
ihre elektroakustischen Werke für verschiedene Besetzungen.

Internationale Fachleute stellen beim Symposium am Samstag, 9. Dezember ab
13 Uhr im Kammermusiksaal im Rahmen der Jahrestagung der DEGEM ihre
aktuellen Perspektiven auf künstliche Intelligenz und Musik vor. Unter dem
Motto „Artistic and Artificial?“ geben Robert Lieck, Claudia Robles, Luc
Döbereiner und Artemi Maria Gioti Einblicke in Denkweisen und Projekte an
der Schnittstelle von Komposition, Klangkunst und Informatik. Eine Keynote
ist von Esmeralda Conde Ruiz zu hören, 2022 Artist in Resident zum Thema
Künstliche Intelligenz an der TU Dresden.

Methoden aus der Forschung zur künstlichen Intelligenz und aus dem Bereich
Machine Learning fließen verstärkt in alle Bereiche der Musik ein – seien
es generative Prozesse zur Klang- oder Notationserstellung, audiobezogene
Analyseverfahren oder Vorschlagsalgorithmen für Musikplattformen. Für
künstlerische Prozesse scheint dies einerseits anregend und synergiereich
− andererseits bedrohlich, da diese Technik grundlegende Prozesse der
Musikgestaltung zu übernehmen vermag. Die Referentinnen und Referenten
gehen der Frage nach, was künstliche Intelligenz und Machine Learning in
musikbezogenen Arbeiten leisten und wie Kunstschaffende praktisch damit
umgehen können.

Im Konzert der DEGEM sind ab 20 Uhr im Großen Saal elektroakustische Werke
zu hören, unter anderem von Natasha Barrett, die in diesem Jahr mit dem
Thomas-Seelig-Fixed-Media-Musikpreis ausgezeichnet wird. Für ihr Werk, das
überwiegend dem Genre „Fixed media music“ (Akusmatik) zuzurechnen ist, hat
Barrett mehr als zwanzig internationale Auszeichnungen erhalten, darunter
den Nordic Council Music Prize. Sie präsentiert „Impossible Moments from
Venice“, ein Auftragswerk der DEGEM, mit verfremdeten Klängen aus Venedig.
Weitere Stücke, unter anderem für Lautsprecherorchester sind von James
Anderson, Youngjae Cho, Rainer Bürck, Tobias Hagedorn, Leon Focker, Marc
Behrens und Malte Giesen zu hören. Im Werk „Deep dreams in the garden of
melted memory“ von Daniel Bisig, Thomas Wenk und Ephraim Wegner für
Smartphone, Kassettenrecorder und Videoprojektion ist auch das Publikum
zur Mitwirkung aufgefordert. Weitere Ausführende sind Marko Kassl
(Akkordeon) und Sarah Proske (Orgel).

Die DEGEM fördert elektroakustische Musik und Klangkunst und veranstaltet
Fachtagungen, Kurse und Konzerte. Kuratiert von MHL-Professor Nicola
Leonard Hein, der die Veranstaltung gemeinsam mit Jun.-Prof. Dr. Miriam
Akkermann (beide DEGEM Vorstand) organisiert hat, erscheint eine neue CD
mit dem Titel „Listening Machines – Ecological Perspectives“, die im
Rahmen des Konzertes vorgestellt wird. Der Eintritt zum Symposium und zum
Konzert ist frei.

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