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„Bochumski Dialog“ mit polnischem Bürgerrechtler Prof. Adam Bodnar

Adam-Bodnar Foto Agencja-Wyborcza
Adam-Bodnar Foto Agencja-Wyborcza

Am Dienstag, 19. September, findet ab 17.30 Uhr in der Zentralbücherei im BVZ, Gustav-Heinemann-Platz 2–6, die Veranstaltung „Bochumski Dialog“ statt, bei der der polnische Verfassungsrechtler und Menschenrechtsaktivist Prof. Adam Bodnar zu Gast sein wird. Bei einem Vortrag berichtet er über die politische Situation in Polen und lädt anschließend zu einem offenen Gespräch über den gegenwärtigen deutsch-polnischen und europäischen Dialog sowie mögliche Entwicklungen und Perspektiven ein. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Anmeldungen sind bis Montag, 18. September, über die E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. möglich.

 

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„Kindeswohl sollte in unserer Gesellschaft Priorität haben“

Mit 62279 festgestellten Fällen von gefährdetem Kindeswohl erreichte
Deutschland 2022 einen Höchststand. Ana Laura Edelhoff, akademische
Mitarbeiterin im Fachbereich Philosophie der Universität Konstanz, schult
angehende Lehrkräfte darin, Fälle von Kindeswohlgefährdung zu erkennen,
und zeigt ihnen auf, wie sie eingreifen können.

In Deutschland stirbt alle drei Tage ein Kind an den Folgen von
Misshandlung. Als Ana Laura Edelhoff im Rahmen ihrer Habilitation über
Kinderrechte und Kinderschutz auf dieses Ausmaß stößt, ist sie schockiert.
„Der Rechtsmediziner Michael Tsokos geht davon aus, dass zusätzlich noch
einmal so viele Tötungsdelikte im Dunkeln bleiben“, sagt die
Wissenschaftlerin. Diese Delikte kämen in allen gesellschaftlichen
Schichten vor. Und häufig seien Kinder dem hilflos ausgeliefert.

Kindeswohlgefährdung umfasst körperlichen – auch sexuellen – und
psychischen Missbrauch sowie Vernachlässigung. „Die tragische Wahrheit
ist, dass es sich selten um eine einzelne todbringende Gewalttat handelt,
sondern solche Kinder ihr Leben lang schon Gewalt erfahren haben. Nicht
selten werden bei Obduktionen Knochenbrüche festgestellt, die zu
unterschiedlichen Zeiten erlitten wurden“, betont Edelhoff und fährt fort:
„Solche Gewalt findet im familiären Bereich statt, Tötungsdelikte gehen in
den meisten Fällen von den Eltern aus.“

Fälle von Kindeswohlgefährdung auf Höchststand
2022 wurden in Deutschland 62279 Fälle von Kindeswohlgefährdung
festgestellt, ein Höchststand, etwa 4% über dem Vorjahr. „Konkret heißt
das, dass diese Kinder laut Überprüfung der Jugendämter so gefährdet sind,
dass sie nicht bei ihren Eltern bleiben können“, erläutert Edelhoff.
Hauptursache von Kindeswohlgefährdungen generell sieht sie in der
Überforderung von Eltern. Die Steigerung im vergangenen Jahr führt sie auf
die Corona-Pandemie zurück, als Familien überaus gefordert und zudem
isoliert gewesen und gleichzeitig wegen geschlossener Schulen und Kitas
weniger Fälle entdeckt worden seien.

Expert*innen gehen davon aus, dass in jeder deutschen Schulklasse zwei
betroffene Kinder sitzen. Deshalb begann Edelhoff, an der Universität
Konstanz Seminare über Kindeswohlgefährdung anzubieten, die sich an
Lehramtsstudierende richten. Bislang wurden diese während des Studiums
nicht an das Thema herangeführt – ein deutschlandweites Manko – mit der
Folge: Wenn sie während eines ihrer Unterrichtspraktika oder im späteren
Berufsleben mit Fällen von Kindeswohlgefährdung konfrontiert wurden,
fehlten ihnen wichtige Informationen und das Handwerkszeug, damit
umzugehen. Tatsächlich berichteten sämtliche Seminarteilnehmer*innen von
Verdachtsfällen während Unterrichtspraktika, von Fällen, bei denen sie
oftmals nicht wussten, wie sie sich zu verhalten haben.

Anzeichen von Kindeswohlgefährdung
Woran kann man Kindeswohlgefährdung erkennen? „Auf körperliche
Misshandlungen können Wunden an Körperteilen hinweisen, die ein Kind sich
normalerweise nicht durch Stürze zuzieht, etwa blaue Flecken an der
Innenseite der Oberschenkel, an Bauch und Rücken, an den Augen“, erläutert
die Wissenschaftlerin. „Es gibt eine sehr gut aufbereitete Abbildung des
Deutschen Kindervereins zum Thema, die in jedem Lehrerzimmer hängen
sollte.“ Auf psychische Misshandlung kann hinweisen, wenn ein Kind
plötzlich sein Verhalten ändert: wenn beispielsweise ein offenes Kind
plötzlich sehr eingeschüchtert wirkt, oder ein ruhiges Kind auf einmal
sehr aggressiv auftritt und andere grundlos schlägt.

Alle im Schulwesen Tätigen haben, so Edelhoff, rechtlichen Anspruch
darauf, sich von einer sogenannten „insoweit erfahrenen Fachkraft“ (IeF)
vertraulich beraten zu lassen, die ausgebildet ist, Kindeswohlgefährdung
zu erkennen und einzuschätzen. Bei einem Verdachtsfall rät Edelhoff ihren
Studierenden, sich zunächst mit anderen Lehrkräften auszutauschen, ob sie
Ähnliches festgestellt hätten. Einer Lehramtsstudentin fiel beispielsweise
auf, dass ein Kind nie Essen dabeihatte und ständig zu hungern schien.
Andere Lehrkräfte wussten, dass das Kind auch vom Mittagstisch abgemeldet
worden war, weil die Eltern sagten, sie hätten kein Geld mehr dafür.

„Wenn sich ein Verdacht erhärtet, müssen Lehrkräfte sich bei akuter Gefahr
an das Jugendamt wenden. Beispielsweise, wenn ein Kind mit blauem Auge in
die Schule kommt und von seiner Angst spricht, nach dem Unterricht nach
Hause zu gehen“, sagt die Wissenschaftlerin. „Wenn keine unmittelbare
Gefahr für das Kind besteht, suchen sie zunächst das Elterngespräch.
Solche Elterngespräche sind äußerst brisant. Lehrkräfte wie
Lehramtsstudierende sollten daher besonders geschult sein, damit eine
Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus auch danach gewährleistet
ist.“

Das Recht auf gewaltfreie Erziehung
Erst seit Anfang 2001 ist das Recht auf gewaltfreie Erziehung im
Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben. Körperliche Bestrafungen,
seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind laut Gesetz
unzulässig. Jedoch hält Edelhoff weitere Gesetze für nötig: zum Beispiel
eine gesetzlich vorgeschriebene Obduktionspflicht bei Todesfällen von
Kindern und Jugendlichen, damit mehr Delikte entdeckt werden; und eine
Weiterbildungspflicht zum Thema „Kindeswohlgefährdung“ für alle Personen
und Berufsgruppen, die mit Kindern zu tun haben. Kinderärzt*innen seien
erst seit einem Jahr zu einer solchen Weiterbildung verpflichtet, während
sie für Richter*innen am Familiengericht noch nicht bestehe.

„Ein Gesetz wie das bestehende Recht von Kindern, in den sie betreffenden
Gerichtsverhandlungen und Verwaltungsprozessen gehört zu werden, bringt
allerdings nur etwas, wenn es auch umgesetzt wird“, darauf weist die
Wissenschaftlerin hin. „So eine kindliche Befragung ist sehr kostspielig,
wenn sie von professionellen Kräften durchgeführt wird, und unterbleibt
daher häufig. Hier müsste viel mehr Geld in eine kindgerechte Justiz
investiert werden.“

Edelhoff wünscht sich, eine Kinderschutzausbildung für alle
Lehramtsstudierenden verpflichtend zu machen – idealerweise in ganz
Deutschland. Und, an die Gesamtgesellschaft gewandt, dass alle besser
hinsehen. „Das Kindeswohl sollte in unserer Gesellschaft unbedingt eine
Priorität haben. Jeder Einzelne muss genauer hinsehen und Verantwortung
übernehmen. Wer denkt, Erziehung sei Privatsache, muss wissen: Dies hört
dort auf, wo das Kindeswohl gefährdet ist. Eine einzelne Handlung kann das
ganze Leben eines Kindes zerstören“, sagt Edelhoff. „Auch hier rate ich
bei Verdachtsfällen, sich mit anderen im Umfeld auszutauschen, ob sie
Ähnliches beobachtet haben, und sich gegebenenfalls durch das Jugendamt
beraten zu lassen. Und offensichtlich überforderten Eltern auch Hilfe
anzubieten.“

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Top 7 der beliebtesten Berufe in Deutschland im Jahr 2023

Die-gefragtesten-Berufe-in-Deutschland Symbolbbild
Die-gefragtesten-Berufe-in-Deutschland Symbolbbild

Als größte Volkswirtschaft Europas und globaler Innovationsstandort steht Deutschland seit jeher an der Spitze der beruflichen und beruflichen Entwicklung. Bis 2023 wird der Arbeitsmarkt durch technologische Fortschritte, demografische Veränderungen, Umweltbedenken und Veränderungen in der Weltwirtschaft geprägt sein. Werfen wir einen Blick auf die sieben Berufe, die in diesem Jahr in Deutschland stark an Popularität gewonnen haben. Derzeit sind die meisten dieser Stellenangebote auf jobsora - jobs in deutschland zu finden.

 

  • Softwareentwickler und IT-Spezialisten:
    • Überblick: Da die Welt zunehmend digitalisiert wird, ist die Nachfrage nach Tech-Fachkräften stark gestiegen. Deutschlands Fokus auf Industrie 4.0 – die Initiative des Landes zur Förderung der Computerisierung traditioneller Industrien – hat zu einer hohen Nachfrage nach Softwareentwicklern geführt.
    • Warum es beliebt ist: Deutschlands robuster Industriesektor, gepaart mit dem Aufstieg von KI und IoT, macht Tech-Experten unverzichtbar. Darüber hinaus entwickelt sich Berlin zum europäischen Silicon Valley, in dem sich zahlreiche Tech-Start-ups niederlassen.
  • Ingenieure für erneuerbare Energien:
    • Überblick: Die deutsche Energiewende zielt darauf ab, von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzusteigen.
    • Warum es beliebt ist: Die Verpflichtung des Landes, bis 2022 alle Kernkraftwerke abzuschalten, und seine ehrgeizigen Ziele für erneuerbare Energien führen zu einem steigenden Bedarf an Experten für Wind-, Solar- und andere erneuerbare Technologien.
  • Medizinische Fachkräfte (Ärzte und Krankenschwestern):
    • Überblick: Eine alternde Bevölkerung bedeutet einen größeren Bedarf an Gesundheitsdienstleistungen.
    • Warum es beliebt ist: Der demografische Wandel hat zu einem erhöhten Bedarf an medizinischen Fachkräften geführt. Darüber hinaus ziehen Deutschlands starke Gesundheitsinfrastruktur und Forschungseinrichtungen Talente aus der ganzen Welt an.
  • Fachkräfte für Altenpflege:
    • Überblick: Mit einem der höchsten Durchschnittsalter weltweit benötigt Deutschland Fachkräfte, die sich auf die Altenpflege spezialisiert haben.
    • Warum es beliebt ist: Die alternde Bevölkerung hat zu einem steigenden Bedarf an betreuten Wohneinrichtungen und häuslichen Pflegediensten geführt.
  • Umweltwissenschaftler:
    • Überblick: Da Deutschland eine führende Rolle in der Umweltpolitik anstrebt, hat die Rolle der Umweltwissenschaftler an Bedeutung gewonnen.
    • Warum es beliebt ist: Diese Experten sind von entscheidender Bedeutung für die Durchführung von Forschungen, die Beeinflussung von Richtlinien und die Sicherstellung, dass das Land seine Umweltziele erreicht.
  • E-Commerce-Spezialisten:
    • Überblick: Der E-Commerce-Sektor verzeichnete ein exponentielles Wachstum, da immer mehr Verbraucher Online-Einkäufe bevorzugen, insbesondere nach der COVID-19-Pandemie.
    • Warum es beliebt ist: Von der Logistik bis zum digitalen Marketing sorgen Profis dieser Branche für den reibungslosen Betrieb von Online-Marktplätzen.
  • Fachkräfte in der Landwirtschaft:
    • Überblick: Der Agrarsektor wird modernisiert, wobei der Schwerpunkt auf nachhaltiger Landwirtschaft und fortschrittlichen Agrartechnologien liegt.
    • Warum es beliebt ist: Da Urban Farming, Vertical Gardening und biodynamische Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen, besteht ein Bedarf an Arbeitskräften, die diese differenzierten Praktiken verstehen.

Abschluss

Deutschland bietet mit seiner Mischung aus Tradition und Innovation einen dynamischen Arbeitsmarkt, der sich an globale Veränderungen anpasst. Die oben aufgeführten Berufe spiegeln die Prioritäten, Werte und den zukunftsorientierten Ansatz des Landes wider. Ganz gleich, ob Sie Berufseinsteiger sind oder sich beruflich verändern möchten: Die vielfältigen Möglichkeiten in Deutschland sorgen dafür, dass im Jahr 2023 für jeden etwas dabei ist.

 

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Pyrolyseverfahren versprechen nachhaltiges Recycling von Faserverbundwerkstoffen aus Rotorblättern

Nach 20 bis 30 Jahre haben Windenergieanlagen ihre Lebensdauer erreicht.
Anschließend werden sie abgebaut und dem Recyclingverfahren zugeführt.
Allerdings ist das Recycling der Faserverbundwerkstoffe, insbesondere aus
dickwandigen Rotorblattteilen, bislang unzureichend. Stand der Technik ist
die thermische oder mechanische Verwertung. Für einen nachhaltigen und
ganzheitlichen Recyclingprozess bündelt ein Forschungskonsortium unter der
Leitung des Fraunhofer IFAM ihr Know-how, um die eingesetzten Fasern durch
Pyrolyse zurückzugewinnen. Eine anschließende Oberflächenbehandlung und
Qualitätsprüfung der Rezyklate ermöglichen die erneute industrielle
Anwendung.

Windenergieanlagen lassen sich bereits heute zu sehr großen Teilen sauber
recyceln. Bei den Rotorblättern steht das Recycling jedoch erst am Anfang.
Aufgrund der Nutzungsdauer von ca. 20 Jahren sind in den kommenden Jahren
und Jahrzehnten steigende Rotorblattmengen zu erwarten, die einer
möglichst hochwertigen Verwertung zugeführt werden müssen. Im Jahr 2000
wurden beispielsweise ca. 6.000 Windenergieanlagen in Deutschland
errichtet, die jetzt zum Recycling anstehen. Insgesamt waren im Jahr 2022
allein in Deutschland etwa 30.000 Windenergieanlagen an Land und auf See
mit einer Leistung von 65 Gigawatt im Einsatz. [1]

Da die Windenergie die wichtigste Säule für eine klimaneutrale
Stromversorgung ist, hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, den
Ausbau bis 2030 mit größeren und moderneren Anlagen weiter zu steigern.
Die Offshore-Rotorblätter werden länger, der Anteil an eingesetzten
Kohlenstofffasern wird weiter steigen – und somit auch die Abfallmengen.
Zudem ist für die Zukunft zu erwarten, dass der bestehende Materialmix in
den Rotorblättern zunimmt und zum Recycling genaue Kenntnisse über den
Aufbau der Komponenten noch wichtiger werden. Dies unterstreicht die
Dringlichkeit, insbesondere für das Recycling der dickwandigen
Faserverbundwerkstoffe in den Rotorblättern, nachhaltige
Aufbereitungsverfahren zu entwickeln.

Ökonomische und ökologische Recyclinglösung für Faserverbundwerkstoffe in
Sicht

Rotorblätter der jetzt zum Recycling anstehenden Windenergieanlagen setzen
sich mit über 85 Gewichtsprozent aus glas- und kohlefaserverstärkten
Duroplasten (GFK/CFK) zusammen. Ein großer Anteil dieser Materialien
befindet sich im Flansch- und Wurzelbereich sowie innerhalb der
faserverstärkten Gurte als dickwandige Laminate mit Wandstärken von bis zu
150 mm. Die Erforschung des hochwertigen stofflichen Faserrecyclings als
Endlosfaser ist nicht zuletzt wegen des Energiebedarfs zur
Kohlenstofffaserproduktion von besonderer Bedeutung. Hier setzt das vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Projekt
»Pyrolyse dickwandiger Faserverbundwerkstoffe als Schlüsselinnovation im
Recyclingprozess für Rotorblätter von Windenergieanlagen« – kurz »RE SORT«
– an. Ziel des Projektteams ist das vollständige Recycling mittels
Pyrolyse.

Voraussetzung für eine hochwertige Verwertung der Faserverbundwerkstoffe
ist die Trennung der Fasern von der zumeist duroplastischen Matrix. Die
Pyrolyse ist für diesen Prozess zwar ein geeignetes Verfahren, konnte sich
aber bislang nicht durchsetzen. Innerhalb des Projekts untersuchen und
entwickeln die Projektpartner daher Pyrolysetechnologien, die das
Recycling von dickwandigen Faserverbundstrukturen wirtschaftlich
ermöglichen und sich von den heute üblichen Verwertungsverfahren für
Faserverbundwerkstoffe technisch unterscheiden. Dabei werden sowohl eine
quasikontinuierliche Batch- als auch die Mikrowellen-Pyrolyse betrachtet.

Bei der Batch-Pyrolyse, die innerhalb des Vorhabens entwickelt wird,
handelt es sich um einen Pyrolyseprozess, in dem die duroplastische Matrix
dicker Faserverbundbauteile durch externe Erhitzung in ölige und vor allem
gasförmige Kohlenwasserstoffverbindungen langsam zersetzt wird. Bei der
Mikrowellenpyrolyse erfolgt die Energiezufuhr durch die Absorption von
Mikrowellenstrahlung, sodass es zu einer inneren schnellen
Wärmeentwicklung kommt. Die quasikontinuierliche Batch-Pyrolyse als auch
die Mikrowellenpyrolyse erlauben die Abscheidung von Pyrolysegasen bzw. –
ölen. Die geplante Durchlauf-Mikrowellenpyrolyse ermöglicht zudem den
Erhalt und die Wiederverwendung der Fasern in ihrer gesamten Länge.

Wie die Kreislaufwirtschaft gelingt – ganzheitliche Verwertung der
gewonnenen Recyclingprodukte

In einem nächsten Schritt werden die Oberflächen der zurückgewonnenen
Rezyklatfasern mittels atmosphärischer Plasmen und nasschemischer
Beschichtungen aufbereitet, um einer erneuten industriellen Anwendung
zugeführt werden zu können. Anhand von Festigkeitsuntersuchungen lässt
sich schließlich entscheiden, ob die Rezyklatfasern erneut in der
Windenergie oder beispielsweise im Automobilbau oder im
Sportartikelbereich Einsatz finden.

Die in der Batch- und Mikrowellenpyrolyse gewonnenen Pyrolyseöle und
Pyrolysegase werden bezüglich der Nutzbarkeit als Rohstoff für die
Polymersynthese (Pyrolyseöle) oder als Energiequelle zur energetischen
Nutzung in Blockheizkraftwerken (BHKW) (Pyrolysegase) bewertet.

Sowohl die quasikontinuierliche Batch-Pyrolyse als auch die Durchlauf-
Mikrowellenpyrolyse versprechen einen wirtschaftlichen Betrieb und eine
maßgebliche Verringerung des ökologischen Fußabdrucks bei der Entsorgung
von Windenergieanlagen. Daher stehen die Chancen für eine technische
Umsetzung und Verwertung der Projektergebnisse sehr gut, sodass mit diesem
Projekt ein entscheidender Beitrag zum Erreichen der Nachhaltigkeits- und
Klimaziele der Bundesregierung geleistet werden kann.

[1] Bundesverband WindEnergie e. V.

Förderung
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz BMWK
Förderkennzeichen: 03EE3075A-F
Projektträger: Projektträger Jülich (PtJ)

Projektpartner
Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung
IFAM
Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES
Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut WKI
Nordex SE
BioProdukt Uthlede GmbH
Institut für Energie und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen GmbH
ETW Energietechnik GmbH
Fricke und Mallah Microwave Technology GmbH
Plasmatreat GmbH

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