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Start des bürgerwissenschaftlichen Projektes „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“

Vom 15. September bis zum 24. September 2023 startet ein deutschlandweites
Igel- und Maulwurfmonitoring mit einem Aktionszeitraum für
BürgerwissenschaftlerInnen. Das neue Projekt soll erstmals flächendeckend
belastbare Zahlen zu den Beständen von Igel und Maulwurf generieren und
wird wissenschaftlich vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung
(Leibniz-IZW) geleitet. Freiwillige können über die Plattform https
://nabu-naturgucker.de/igel Sichtungen melden und Fotos hochladen.
Organisiert und unterstützt wird das Monitoring durch zahlreiche
Organisationen wie der Deutschen Wildtier-Stiftung, der Deutschen
Gartenbau-Gesellschaft und dem NABU/Naturgucker.

Zur Verbreitung der beiden Insektenfresser-Arten Igel (Erinaceus
europaeus) und Maulwurf (Talpa europaea) gibt es in Deutschland
überraschend wenig Daten. Die versteckte, nachtaktive Lebensweise und die
schwierige Unterscheidung einzelner Tiere anhand ihres Äußeren erschweren
Zählungen von Igeln wie Maulwürfen. Zudem kann die Anzahl der Igel von
Jahr zu Jahr stark in Ihrem Vorkommen schwanken, sodass das Erkennen eines
ernsthaften Bestandstrends erst nach mehreren Jahren der Erfassung möglich
ist. Maulwürfe werden bisher schlichtweg ignoriert und sind ohnehin nur
sehr selten oberirdisch anzutreffen.
Im Rahmen des Projekts „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“ können in
einem ersten Aktionszeitraum vom 15. bis zum 24. September 2023
deutschlandweit Begegnungen mit Igel und Maulwurf mittels Fotos
dokumentiert und auf die Naturgucker-Plattform (https://nabu-
naturgucker.de/igel) hochgeladen werden. Igel lassen sich am besten nach
Anbruch der Dämmerung mit einer Taschenlampe oder mit Wärmebildkameras
finden. Es sollen ausdrücklich auch verunglückte Tiere, etwa
Verkehrsopfer, gemeldet werden. Maulwürfe lassen sich über ihre
charakteristischen Hügel nachweisen, deren Eingang im Gegensatz zu
Wühlmaushügeln nahezu senkrecht in den Boden führt. Maulwurfshügel können
natürlich auch tagsüber gut dokumentiert und gemeldet werden.
Soweit es die bisherigen Informationen vermuten lassen, gehen die Bestände
beider Arten in Deutschland zurück. Gründe dafür gibt es vermutlich viele:
Weniger Insekten und zunehmende Trockenheit führen zu Nahrungsmangel;
Versiegelung von Flächen, Monokulturen, Verluste geeigneter Habitate und
„aufgeräumte“ Gärten lassen geeignete Lebensräume schrumpfen. Zudem sind
beide Arten vielen tödlichen Gefahren ausgesetzt, beispielsweise Autos,
elektrische Gartengeräte, Elektrozäune, Müll oder Gifte. Es ist daher
wichtig, eine sachgerechte Einstufung des Schutzstatus auf der Grundlage
eines langfristigen Monitorings der Bestandsentwicklungen beider Arten
anzustreben. Dies soll zudem dazu beitragen, Umwelteinflüsse auf die
Bestände besser zu verstehen und somit effektivere Schutzmaßnahmen für
Igel und Maulwurf zu entwickeln.
Der Igel zählt zu den beliebtesten Säugetieren in Deutschland, ist ein
Kulturfolger und kommt eigentlich in der Kulturlandschaft und dem
menschlichen Siedlungsraum gut zurecht. Dr. Anne Berger, Leiterin des
Forschungsprojekts „Igel in Berlin“ am Leibniz-IZW hat deshalb Hoffnung,
dass der Rückgang des Bestands aufgehalten werden kann, wenn ihm wieder
gute Lebensmöglichkeiten geschaffen werden: „Um die Bestandsentwicklungen
der Igel zu verstehen, brauchen wir unbedingt deutschlandweite,
mehrjährige Daten. Zurzeit gibt es in Deutschland kein flächendeckendes
Monitoring. In Großbritannien wurde gezeigt, dass ein Monitoring mittels
Bürgermeldungen gelingen kann und dass landesweite Kampagnen die
rückläufigen Bestandszahlen der Igel zumindest in städtischen Regionen
stoppen können.“
In Großbritannien wird seit mehr als 20 Jahren erfolgreich ein
landesweites Igelmonitoring unter breiter Beteiligung von
Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern als „National
Hedgehog Survey“ durchgeführt. Dieses Konzept wird nun auch in Deutschland
umgesetzt: Im September 2023 startet das erste deutschlandweite Monitoring
und wird in den Folgejahren immer zweimal im Jahr, im Mai und im
September, stattfinden. Die gesammelten Daten werden wissenschaftlich
ausgewertet, jährlich veröffentlicht und dienen einer landesweiten,
langfristigen Bestandseinschätzung beider Arten.

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Warum professionelle Fotos ein Muss für Unternehmen sind

Professionelle Fotos Symbolbild von Werner Heiber pixabay
Professionelle Fotos Symbolbild von Werner Heiber pixabay

In der heutigen digitalen Welt gewinnt visueller Content immer mehr an Bedeutung. Fotos sind längst nicht mehr nur schmückendes Beiwerk, sondern ein entscheidender Faktor, der maßgeblich die Wahrnehmung eines Unternehmens beeinflusst. In Zeiten, in denen der erste Eindruck oft online entsteht, spielt hochwertiges Bildmaterial eine Schlüsselrolle.

Dieser Artikel beleuchtet, warum professionelle Fotos für Unternehmen nicht nur wünschenswert, sondern ein absolutes Muss sind. Er wird die vielfältigen Vorteile und Einsatzmöglichkeiten dieser Investition aufzeigen.

 

Der erste Eindruck zählt

Visuelles wird oft als erstes wahrgenommen, daher kann der erste Eindruck entscheidend sein. Ein scharfes, gut komponiertes und ästhetisch ansprechendes Foto kann innerhalb von Sekunden eine positive Wahrnehmung erzeugen. Es vermittelt Professionalität, Sorgfalt und Detailverliebtheit.

 

Stattdessen können unscharfe oder unprofessionelle Bilder das Gegenteil bewirken, selbst wenn die dahinterstehenden Produkte oder Dienstleistungen von hoher Qualität sind. Businessfotografie hilft Unternehmen, von Anfang an das richtige Bild zu vermitteln.

Glaubwürdigkeit und Vertrauen erschaffen

Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind unverzichtbare Währungen in der Geschäftswelt. Unternehmen, die in hochwertige, professionelle Fotos investieren, signalisieren potenziellen Kunden, dass sie ebenso viel Wert auf ihre Produkte und Dienstleistungen legen. Ein Bild, das sorgfältig inszeniert und technisch einwandfrei umgesetzt wurde, strahlt Kompetenz und Zuverlässigkeit aus.

 

Studien zeigen, dass Unternehmen mit qualitativ hochwertigem Bildmaterial als vertrauenswürdiger wahrgenommen werden als jene mit minderwertigen Abbildungen. In einem Meer von Wettbewerbern kann genau dieses höhere Maß an Vertrauen den Unterschied ausmachen, ob ein Kunde sich für ein Unternehmen entscheidet oder sich einem anderen Anbieter zuwendet.

Wiedererkennungswert und Markenbildung

Eine starke Marke wird nicht nur durch Worte, sondern auch durch visuelle Elemente definiert. Professionelle Fotos tragen maßgeblich dazu bei, einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert zu schaffen.

 

Indem Unternehmen konsistent qualitativ hochwertiges Bildmaterial verwenden, prägen sie ein bestimmtes Bild von sich in den Köpfen der Konsumenten. Dies schafft nicht nur Wiedererkennung, sondern auch Verbindung und Bindung zur Marke.

 

Einige der weltweit erfolgreichsten Unternehmen haben sich durch ihre visuelle Präsentation hervorgetan und bleiben so im Gedächtnis. Ein konsistentes und qualitativ hochwertiges Bildmaterial kann daher eine Schlüsselrolle spielen, um eine Marke in einem umkämpften Marktumfeld erfolgreich zu positionieren und abzuheben.

Vielseitige Einsatzmöglichkeiten für hochwertige Bilder

Professionelle Fotos bieten Unternehmen ein vielseitiges Werkzeug, das in zahlreichen Bereichen eingesetzt werden kann. Auf Websites und in Online-Shops verbessern sie die Nutzererfahrung und können die Conversion-Rate signifikant steigern, indem sie Produkte und Dienstleistungen in bestem Licht präsentieren.

 

In sozialen Medien fördern qualitativ hochwertige Bilder die Interaktionen und erhöhen die Reichweite von Posts und Kampagnen. Auch für Werbematerialien, wie Broschüren, Flyer und Banner, sind professionelle Fotos essenziell, um potenzielle Kunden ansprechend zu informieren und zu überzeugen.

 

Selbst in Geschäftsberichten verleihen sie dem Ganzen einen professionellen und ansprechenden Look und betonen die Sorgfalt und den Anspruch des Unternehmens.

Kosteneffizienz auf lange Sicht

Die Investition in professionelle Fotografie mag zunächst als eine zusätzliche Ausgabe erscheinen, die man gerne vermeiden würde. Doch auf lange Sicht zeigt sich oft, dass diese Investition nicht nur gerechtfertigt, sondern auch kosteneffizient ist.

 

Qualitativ hochwertige Fotos sind vielseitig einsetzbar und haben eine längere Lebensdauer als schnell erstellte Schnappschüsse. Sie reduzieren den Bedarf an ständigen Updates und können über Jahre hinweg in verschiedenen Medien und Plattformen verwendet werden.

 

Hinzu kommt, dass eindrucksvolle Bilder eine stärkere Wirkung erzielen und somit den Bedarf an zusätzlichen Werbemaßnahmen verringern können. So kann die anfängliche Investition langfristig zu erheblichen Einsparungen führen.

Fazit

Wie man sieht, sind professionelle Fotos für Unternehmen in der modernen Geschäftswelt unverzichtbar. Sie bieten nicht nur einen hervorragenden ersten Eindruck, sondern fördern auch Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Darüber hinaus spielen sie eine Schlüsselrolle bei der Markenbildung und bieten eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Medien.

 

Die langfristige Kosteneffizienz dieser Investition sollte nicht unterschätzt werden. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und ein professionelles Foto kann den entscheidenden Unterschied machen.

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Zeitzeugen-Interviews als Forschungsdaten

Freie Universität Berlin startet Portal „Oral-History.Digital“ mit
Interviews unter anderem zu NS-Verfolgung, DDR und jüngsten
Flüchtlingsbewegungen

Am 25. September 2023 präsentiert die Freie Universität Berlin die Online-
Plattform „Oral-History.Digital“ (oh.d). Das von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Interviewportal gibt Forschenden
und historisch Interessierten Zugang zu bisher schwer zugänglichen
Zeitzeugen-Interviews aus unterschiedlichen Institutionen und Projekten.
„Oral-History.Digital“ umfasst über 2.000 Interviews unter anderem von
Verfolgten des Nationalsozialismus, aber auch Berliner
Museumsmitarbeiter*innen, Bergarbeitern im Ruhrgebiet, Professor*innen und
Punks, DDR-Bausoldaten oder Geflüchteten aus Syrien und der Ukraine.  Der
Start des neuen Zeitzeugen-Portals kann am 25. September von 14 bis 17 Uhr
per Livestream (https://www.oral-history.digital/eroeffnung/ ) verfolgt
werden.

Museen, Universitäten und Stiftungen können in dieser Erschließungs-
Plattform ihre Audio- und Video-Interviews mit Transkripten und
Begleitmaterialien hochladen, mit Werkzeugen für Transkription oder
Verschlagwortung bearbeiten und für Bildung und Wissenschaft
bereitstellen. Interessierte aus Forschung, Bildung und Öffentlichkeit
können die Interviews über Filter- und Volltextsuche sammlungsübergreifend
durchsuchen, mit Untertiteln ansehen, annotieren und zitieren.

Die narrativen Interviews der Oral History sind eine wichtige Quelle für
die Geschichtswissenschaft und andere Disziplinen, aber auch für
Ausstellungen und Bildungsprojekte. Sie sind aber über viele Institutionen
verstreut und schwer auffindbar, oft schlecht erschlossen und nur vor Ort
zugänglich. „Oral-History.Digital“ macht diese Interviews nun als
audiovisuelle Forschungsdaten auffindbar, zugänglich und nachnutzbar. Eine
differenzierte Zugangskontrolle schützt die Persönlichkeitsrechte der
Interviewten. Die Langzeitarchivierung gewährleistet die dauerhafte
Verfügbarkeit der Dateien.

Sechs Partnerinstitutionen arbeiten in oh.d zusammen. Mit der
Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, dem Archiv
„Deutsches Gedächtnis“ der FernUniversität Hagen und der Werkstatt der
Erinnerung an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg bringen die
größten Oral History-Einrichtungen in Deutschland ihre Sammlungsbestände
ein. An der Universität Erlangen wird das Portal für eine Studie zur
Migrationsgeschichte erprobt. Das Bayerische Archiv für Sprachsignale an
der Universität München bietet Langzeitarchivierung und Spracherkennung,
der Lehrstuhl für Medieninformatik der Universität Bamberg unterstützt die
Schnittstellen zu Normdaten.

Entwickelt wird oh.d gemeinsam mit fast 30 Pilotarchiven, u.a. dem
Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, dem Haus der Geschichte des
Ruhrgebiets, dem Westfälischen Landesmuseum für Industriekultur, den KZ-
Gedenkstätten Buchenwald und Flossenbürg, den Staatlichen Museen zu Berlin
oder den Universitäten Halle, Erfurt und Bochum. Sie bringen ihre jeweils
einzigartigen Interviewsammlungen ebenso ein wie ihre vielfältigen
Erfahrungen und Anforderungen.

Ab 25. September sind über 2.000 Interviews zu verschiedenen historischen
Themen archivübergreifend recherchierbar. Interviewt wurden etwa Verfolgte
des Nationalsozialismus, aber auch Berliner Museumsmitarbeiter*innen,
Bergarbeiter im Ruhrgebiet, Professor*innen und Punks, DDR-Bausoldaten
oder Geflüchtete aus Syrien und der Ukraine. Die Zahl und Vielfalt der
Interviewarchive in oh.d wird künftig weiter ausgebaut.

„Oral-History.Digital“ wird seit 2020 von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft gefördert. In einer zweiten Förderphase bis 2026
wird die User-Community erweitert und die Software konsolidiert; neue
Funktionalitäten werden die Editions- und Suchmöglichkeiten weiter
optimieren. Die Freie Universität Berlin wird die Infrastruktur als
wissenschaftliche Dienstleistung für Forschende und Archivpartner
langfristig anbieten und ausbauen. Mit der Unterzeichnung erster
entsprechender Verträge ist ein nachhaltiges Betriebsmodell eingerichtet.
Über das geschichtswissenschaftliche 4Memory-Konsortium integriert sich
oh.d in die Nationale Forschungsdaten-Infrastruktur.

Vorgestellt wird das Interviewportal am Montag, den 25. September 2023, im
Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin. Auf einem Workshop am
Folgetag diskutieren beteiligte Archive, Forschende und Fachleute über
Nutzungsmöglichkeiten und weitere Perspektiven. Beide Veranstaltungen
können auch als Livestream verfolgt werden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Cord Pagenstecher, Universitätsbibliothek der Freien Universität
Berlin, Abteilung Forschungs- und Publikationsservices, Digitale
Interview-Sammlungen; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.lin.de

Originalpublikation:
Projekt „Oral-History.Digital“: https://www.oral-history.digital
Interviewportal: https://portal.oral-history.digital/de

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Gibt es Alternativen zur Lithium-Ionen-Batterie? Neue Roadmap befasst sich mit alternativen Batterietchnologien

Eine neue Roadmap des Fraunhofer ISI befasst sich mit alternativen
Batterietechnologien für den Zeitraum bis 2045. Deren
technologiespezifische Vorteile, zukünftige Anwendungsgebiete, Märkte und
Lieferketten werden darin genauso analysiert wie die Position Europas, die
Kosten sowie die industrielle Skalierbarkeit. Auch zeigt die Roadmap
Handlungsfelder für die EU und Deutschland im Hinblick auf
Technologiesouveränität auf. Die Roadmap entstand im Rahmen der BMBF-
Begleitforschung BEMA II.

Aufgrund ihres breiten Einsatzspektrums in Elektro-Pkw oder -Lkw sowie in
stationären und mobilen Endgeräten stellen Lithium-Ionen-Batterien (kurz
LIBs) aktuell die auf dem Markt dominierende Batterietechnologie dar. Im
Jahr 2023 wird die globale Marktnachfrage voraussichtlich eine Kapazität
von fast einer TWh erreicht haben. Aufgrund der zunehmenden
Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen wird die Batterie-nachfrage
weiterhin deutlich steigen und sich vervielfachen.

Bei den derzeit international entstehenden Batterie-Ökosystemen spielen
neben der Wettbewerbsfähigkeit besonders Fragen der geopolitischen
Abhängigkeiten und damit der Produktionsstandorte, Lieferbeziehungen und
schließlich der technologischen Souveränität eine zentrale Rolle. In
Deutschland und Europa bestehen noch etliche Herausforderungen, wie die
Verringerung von Rohstoffabhängigkeiten, die Sicherung des Zugangs zu
Batteriezellen und vorgelagerten Lieferketten sowie Anstrengungen zur
Senkung des Ressourcenverbrauchs bis hin zum Aufbau einer
Recyclingwirtschaft. Dabei stellt sich auch die Frage, ob und welche
alternativen Batterietechnologien helfen könnten, die genannten
Abhängigkeiten im Kontext der zukünftig steigenden Bedarfe zu verringern
und zugleich ökonomische, ökologische oder technologische Vorteile
gegenüber den dominierenden LIBs zu erzielen.

Hierzu hat das Fraunhofer ISI in einer neuen Roadmap alternative
Batterietechnologien – insbesondere ausgewählte Metall-Ionen-, Metall-
Schwefel-, Metall-Luft- und Redox-Flow-Batterien – für den Zeitraum bis
2045 betrachtet. Darin werden technologische Vorteile, künftige
Anwendungsgebiete, Märkte und Lieferketten, die Position Europas sowie die
Kosten und die industrielle Skalierbarkeit analysiert. Auch zeigt die
Roadmap Handlungsfelder für die EU und Deutschland in Hinblick auf
Technologiesouveränität auf. Die erlangten Erkenntnisse beruhen auf einer
umfassenden Litera¬turrecherche, einer Online-Umfrage, einer ausführlichen
Expertenbefragung sowie einem Experten-Workshop.

Die Roadmap beantwortet eine Reihe von Fragen, die sich aktuell mit Blick
auf alternative Batterietechnologien stellen:

Welche technologischen Vorteile haben alternative Batterietechnologien?

Viele alternative Batterietypen wie Metall-Ionen- (z.B. Natrium-Ionen-
oder Zink-Ionen-Batterien) oder Metall-Luft-Batterien (z.B. Zink-Luft-
Batte¬rien) bieten hohes Potenzial für mehr Nachhaltigkeit, geringere
Kosten oder weniger Ressourcenverbrauch, weisen aber teilweise auch
Nachteile wie eine geringere Energiedichte oder eine geringe
Technologiereife auf. Metall-Schwefel-Batterien können etwa eine höhere
Ener-giedichte besitzen und ihre Kosten dürften aufgrund der niedrigen
Schwefel-Kosten pro kWh voraussichtlich deutlich geringer als die der LIBs
ausfallen. Redox-Flow-Batterien sind bereits auf dem Markt ver¬fügbar,
müssen sich aber in Punkto Kosten und CO2-Fußabdruck noch verbessern.

Welche Anwendungen kommen für alternative Batterietechnologien in Frage?

Für mobile Anwendungen stehen Natrium-Ionen-Batterien kurz vor der
weitreichenden Kommerzialisierung, erste Natrium-Ionen-Batterien werden
bereits bei elektrischen Zweirädern und Kleinwagen eingesetzt. Lithium-
Schwefel-Batterien könnten ab 2035 in größeren Drohnen und ab 2040 sogar
in weiteren elektrischen Fluggeräten zum Einsatz kommen. Bei stationären
Anwendungen sind die Anforderungen z.B. an die Energiedichte geringer,
hier könnten teilweise schon auf dem Markt verfügbare Speichersysteme wie
Redox-Flow-Batterien, Salzwasser- oder Natrium-Schwefel-Hochtemperatur-
Batterien in naher Zukunft relevanter werden – genau wie Natrium-Ionen-
Batterien, die sich durch eine gute Ressourcenverfügbarkeit, Sicherheit
und Tiefentladefähigkeit auszeichnen oder auch Zink- oder Aluminium-Ionen-
Batterien.

Gibt es alternative Batterietechnologien, die die Abhän¬gigkeit von
Rohstoffen deutlich verringern?

Aufgrund ihrer geringeren Energiedichte gegenüber LIBs benötigen einige
vielversprechende alternative Batterietechnologien zwar größere Mengen an
Rohstoffen, um die gleiche Speicherkapazität zu erzielen. Viele der nicht
auf Lithium basierenden Technologien benötigen dafür jedoch weniger
kritische Rohstoffe als LIBs. Mangels großer Anwendungsgebiete und Märkte
wird die Produktion und Versorgung mit Lithium, Nickel und Kobalt dennoch
vorerst kritisch bleiben – insbesondere in den nächs¬ten 5 bis 10 Jahren.

Sind alternative Batterietechnologien absehbar, die ähnlich wie LIBs
produzier- und skalierbar sind?

Metall-Ionen Batterien, die nicht zu den LIBs zählen, sind hier im
kommenden Jahrzehnt vielversprechend, weil ihre Produktionsschritte denen
von LIB sehr ähnlich sind. Bestehende Produktionstechnologien und
-umgebungen könnten direkt genutzt (Drop-in-Technologien) oder müssten nur
begrenzt angepasst werden.

Können alternative Batterietechnologien günstiger als LIBs werden?

Obwohl alternative Batterietechnologien potenziell niedrigere
Materialkosten als LIBs aufweisen, dürften ihre Zellkosten aufgrund des
geringen Produktionsumfangs anfangs höher liegen. Eine Skalierung der
Produktion bringt erhebliche Kostenvorteile mit sich, wofür aber
ausreichend große Märkte und Anwendungen im GWh-Maßstab notwendig sind.

Wie ist Europa bei alternativen Batterietechnologien aufgestellt?

Patent- und Publikationsanalysen zeigen, dass die EU-Länder zum Beispiel
bei Redox-Flow-Batterien, Lithium-Luft- oder Aluminium-Ionen-Batterien
besser aufgestellt sind als derzeit bei LIBs – Japan und China bleiben
hier aber führend. Bei einigen alternativen Batterietechnologien weisen
die EU-Länder eine hohe Dynamik mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 10
und 50 Prozent auf, bei LIB beträgt das Wachstum etwa 10 Prozent.

Dr. Annegret Stephan, wissenschaftliche Koordinatorin der Roadmap am
Fraunhofer ISI, weist zudem auf den Unterstützungsbedarf seitens der
Politik hin, um das Potenzial alternativer Batterietechnologien zu
erschließen: »Gerade in der Anfangsphase, in der die zukünftige
Marktentwicklung noch ungewiss ist, können Anreize für die Industrie
hilfreich sein. Ein ganzheitlicher politischer Ansatz, der die gesamte
Lieferkette, die Grundlagenforschung zu technologiespezifischen Fragen,
Patenten, Produktionsprozessen, die Sicherung von Ressourcen und die
Perspektiven von Endnutzenden berücksichtigt, ist hier essentiell. Dieser
Ansatz sollte neben großen Unternehmen auch KMUs und Start-ups
einbeziehen.« Laut den Studienautor:innen ist ein solch ganzheitlicher
Ansatz jedoch mit hohen Kosten und Risiken verbunden und kann daher nur
auf eine begrenzte Anzahl von Technologien angewendet werden.
Systematische und regelmäßige Screening-Prozesse für die Auswahl von
Schlüsseltechnologien sowie Kriterien für eine mögliche Been¬digung der
Förderung sind dabei besonders wichtig.

Das Autorenteam der Roadmap zieht folgendes Fazit: LIBs werden auch
weiterhin den Markt dominieren, ausgewählte alternative
Batterietechnologien können aber in bestimmten Märkten und Anwendungen
eine Entlastung von Rohstoff-, Produktions- und Lieferabhängigkeiten
schaffen und damit zur Technologiesouveränität beitragen – dafür sind aber
weitere Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung in Deutschland
sowie der EU notwendig und lohnenswert.

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