TU Ilmenau: Größte europäische Tagung für Simulation in Produktion und Logistik erfolgreich beendet
Die größte Fachtagung Europas für Simulation in Produktion und Logistik
ist heute (15.09.2023) an der Technischen Universität Ilmenau mit
innovativen Konzepten für die Industrie zu Ende gegangen. Besonders
neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Nachhaltigkeit und zum
sogenannten Digitalen Zwilling werden, so das Fazit der Konferenz,
Produktion und Logistik voranbringen. Die Fachtagung der
Arbeitsgemeinschaft Simulation (ASIM), einem Fachausschuss der
Gesellschaft für Informatik, die alle zwei Jahre neueste
Simulationsmethoden und deren Anwendung in Produktion und Logistik
vorstellt, hatte in diesem Jahr – passend zum Themenjahr der TU Ilmenau –
den Schwerpunkt Nachhaltigkeit.
Erstmals an der TU Ilmenau ausgetragen, tauschten sich auf der ASIM-
Fachtagung „Simulation in Produktion und Logistik“ 150 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer aus Hochschulen und Industrie über Themen wie Industrie 4.0,
Künstliche Intelligenz und Digitale Fabrik aus. Mit Simulationen können
Abläufe eines Systems in Produktion und Logistik beschrieben werden, um an
solchen Modellen Experimente vorzunehmen. So entwerfen und analysieren
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Industrieszenarien noch bevor sie
in die Realität umgesetzt werden.
Bislang halfen Simulationen vor allem, klassische betriebswirtschaftliche
Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Auslastung, Lagerbestände usw. zu
verbessern. Aspekte, die helfen könnten, die Produktion nachhaltig zu
gestalten, etwa durch Energieeinsparung oder einen geringeren CO2-Ausstoß,
fanden bislang, wenn überhaupt, nur wenig Beachtung. Dies will die
Arbeitsgemeinschaft Simulation ändern und stellte ihre Fachtagung 2023 an
der TU Ilmenau unter das Motto „Nachhaltigkeit in Produktion und
Logistik“. Neueste Simulationen zur Energieeinsparung und zum Klimaschutz
ermöglichen es Industriekonzernen und Wirtschaftsunternehmen nun,
wirtschaftlichen Erfolg mit ökologischer Verträglichkeit und sozialer
Akzeptanz zu verbinden.
Da die innovativen Simulationsmodelle detaillierte energetische Kennzahlen
berücksichtigen, können Unternehmen künftig beispielsweise simulieren,
wieviel Energie sie im Produktionsprozess benötigen und durch eine
geschickte Planung ihren Energiebedarf senken. Logistikfirmen können den
CO2-Ausstoß ihrer LKWs simulieren und durch eine intelligente
Routenführung Emissionen vermeiden. Unternehmen, die künftig solche
Simulationen zur Energieeinsparung und zum Klimaschutz in ihren
Betriebsprozessen verwenden, haben erhebliche Vorteile gegenüber der
Konkurrenz bei ihrer Außendarstellung; Verbraucher haben die Chance,
nachhaltig produzierte und transportierte Produkte zu bekommen; und der
Politik helfen sie bei ihrer Gestaltung einer nachhaltigen Energie- und
Industriepolitik.
Im Fokus der ASIM-Konferenz standen unter anderem neueste
wissenschaftliche Erkenntnisse zum Digitalen Zwilling. Konventionelle
Simulationen in Produktion und Logistik wurden bislang „offline“
betrieben: Simulationsmodelle wurden erstellt, es wurde mit ihnen
experimentiert, aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen an das
Unternehmen abgeleitet und dem Management präsentiert, das dann entschied,
ob sie umgesetzt werden oder nicht. Mithilfe des Digitalen Zwillings wird
nun das reale Betriebssystem modellhaft und fast in Echtzeit abgebildet.
So können viel schneller als bisher Prognosen erstellt werden, auf deren
Basis die Unternehmen präzisere Entscheidungen treffen und ihre Systeme
besser überwachen können. Verbraucher wiederum müssen nicht so lange auf
Produkte warten und haben verlässlichere Liefertermine.
Die neuesten Simulationsmethoden kommen nun in den verschiedensten
Bereichen von Produktion und Logistik zum Einsatz: zur Planung neuer
Fabriken, um beispielsweise noch vor deren Errichtung zu ermitteln, ob die
Produktionsziele erfüllt werden können oder wie die Auslastung der
Mitarbeiter sein wird; zur Analyse und Verbesserung bestehender
Logistiksysteme, um vorab zu ermitteln, wie viele LKWs ein Spediteur
überhaupt braucht, oder wie sich Lieferverzögerungen vermeiden lassen;
oder auch zur Planung und Verbesserung von Verkehrssystemen, um
festzulegen wie Ampeln geschaltet oder Verkehrsflüsse intelligent gelenkt
werden sollten.
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