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Wie dicht sind die Gehäuse unserer Elektronik?

Im Testbetrieb: Gehäuse eines Photovoltaik-Wechselrichters in einer Klimakammer am Fraunhofer IZM.  © Fraunhofer IZM
Im Testbetrieb: Gehäuse eines Photovoltaik-Wechselrichters in einer Klimakammer am Fraunhofer IZM. © Fraunhofer IZM

Produktionsfirmen von Elektronikequipment, das zum Beispiel in Autos oder
Industriemaschinen eingebaut wird, kennen es: Elektronikgeräte fallen
früher aus als geplant, wenn in das schützende Gehäuse der Bauteile
Feuchtigkeit eindringt. Um das zu verhindern, werden
Zuverlässigkeitsanalysen der Elektronik durchgeführt. Nun haben sich
Forschende am Fraunhofer IZM in Zusammenarbeit mit dem European Center for
Power Electronics (ECPE) auch mit den klimatischen Bedingungen in
Elektronikgehäusen beschäftigt. Mit einem Test-Kit aus Simulationen und
Analyseverfahren können Umwelteinflüsse so schon in der Konstruktion von
Dichtungskonzepten mitgedacht und nachgelagerte Fehleranalysen vermieden
werden.

Damit elektronische Komponenten ungestört von Feuchtigkeit arbeiten
können, brauchen sie ein schützendes Gehäuse, das diese nach Möglichkeit
von den empfindlichen Bauteilen fernhält. Nur so kann eine hohe
Lebensdauer beispielsweise bei Motoren in Autos oder großen
Industriemaschinen gewährleistet werden. Je nach Anwendung müssen die
Gehäuse unterschiedlichen Umwelteinflüssen und wechselnden klimatischen
Bedingungen entsprechend konzipiert werden. Denn durch eine innere
Temperaturverteilung, die sich aus der Verlustleistung der entsprechenden
elektronischen Baugruppen ergibt, können sich Mikroklimas in ihnen bilden.
Durch überlegtes Platzieren der sensitiven Bauteile kann ein
funktionierendes, elektronisches System erzeugt werden, bei dem sich das
Mikroklima im Gehäuse für die Anwendung der Elektronik lokal günstig
ausprägt.

Dass die klimatischen Bedingungen in einem abgeschlossenen Gehäuse je nach
Betrieb nicht konstant sind, konnte im Rahmen des erfolgreich
abgeschlossenen Projekts RoDosH (Relevance of Diffusion of Humidity in
sealed Housings) nun am Beispiel eines Photovoltaik-Wechselrichter-
Gehäuses der Firma SMA gezeigt werden. Ein Wechselrichter wandelt die
erfasste Solarenergie in einem Solarmodul so um, dass er ins Stromnetz
eingespeist werden kann. Die Abteilung Environmental & Reliability
Engineering am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und
Mikrointegration IZM, die schon seit 30 Jahren
Zuverlässigkeitssimulationen und -bewertungen durchführt, hat ihr
Methodik-Knowhow für die Untersuchung des Wechselrichter-Gehäuses in vier
Prozessschritten eingesetzt. Das Besondere dabei ist die Kompetenzvielfalt
der Forscher*innen. Denn um Materialien bis ins Detail charakterisieren
und simulieren zu können sowie den Austausch mit Kolleg*innen aus der
Fertigung des eigenen Instituts einfließen lassen zu können, braucht es
jahrelange Erfahrung aus diversen Forschungs- und Industrieprojekten, die
das Fraunhofer IZM und auch die Arbeitsgruppen mitbringen. Neben der
Vielzahl an Anwendungsfällen, die die Forscher*innen aus vorherigen
Arbeiten mit einfließen lassen, verfügen Sie über modernstes Equipment -
von klassischen Klimakammern über besondere Droptest-Maschinen bis hin zu
speziellen Messgeräten, wie einem sogenannten TGA-SA, gleich
Thermograviations- mit Sorptionsanalyser.

Charakterisierung und Modellierung von Dichtungskonzepten
Den klassischen aber auch spezifischeren Zuverlässigkeitstests
vorgelagert, sind im ersten Schritt am Fraunhofer IZM fast immer
Belastungsprofile oder auch Mission Profiles. In diesem Fall wurden zwei
Belastungsprofile für das Gehäuse des Photovoltaik-Wechselrichters
abgeleitet, die ausführlich darstellen, welchen klimatischen Bedingungen
Gehäuse dieser Art an verschiedenen Orten auf der Welt ausgeliefert sind.
Dabei haben die Expert*innen aus Berlin ein Profil unter harten
klimatischen Bedingungen, z.B. Photovoltaik-Geräten aus Kuala Lumpur und
Mumbai umgesetzt, in dem sie die verfügbaren Wetterdaten aus dem Internet
analysiert und skizziert haben, wie sehr hohe Durchschnittstemperaturen
und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Parallel wurde auch ein Belastungsprofil
aus moderateren Temperaturbereichen der Erde erstellt, in dem Wetterdaten
aus Kassel, Peking und Tromsø ausgewertet wurden.

Im zweiten Schritt testete das Forschungsteam das Gehäuse des
Photovoltaik-Wechselrichters in diversen Durchläufen in Bezug auf die
Temperaturen in und außerhalb des Gehäuses. Neben klassischen Klimakammern
verwendeten sie dafür auch spezielle Messgeräte zur
Materialcharakterisierung, wie den TGA-SA, mit dem besonders kleine Mengen
an Feuchtebelastung durch die Messung der Gewichtszunahme über eine lange
Zeit kontinuierlich gemessen werden können. Um hier über das Klima im
Inneren versus außerhalb des Gehäuses auf die Dichtungskonzepte und
Beschaffenheit einzelner Gehäusematerialien genauer Auskunft geben zu
können, analysierten die Klima-Expert*innen dafür die entsprechenden
Diffussionskoeffizienten. Diese bestimmen die Geschwindigkeit, in der die
Feuchtigkeit durch ein Material ein- oder wieder ausdringt.
Der partielle Wasserdampfdruck, die Luftfeuchtigkeit und weitere
Erkenntnisse wurden im dritten Schritt, der gekoppelten Simulation von
Temperatur- und Konzentrationsfeldern mittels der Software ANSYS®,
modelliert und ermöglichten so die Darstellung der relativen
Luftfeuchtigkeit und die lokale Temperaturverteilung im Gehäuse. Weitere
durchgeführte Simulationen zu Kondensationsrisiken, basierend auf den in
Schritt zwei experimentell ermittelten Materialeigenschaften und eines
Tag-Nacht-Zyklus mit normalen und verlängerten Haltezeiten sowie einer
ungleichmäßigen Temperaturverteilung, wurden ebenfalls erstellt.

Bewertung der Lebenszeitrelevanz
Abschließend in Schritt vier geben die Test- und Simulationsexpert*innen
Hinweise darauf, wie sich eine kummulierende Feuchtebelastung auf die
Lebensdauer der Systeme auswirken kann. Im Fall des Gehäuses des
Photovoltaik-Wechselrichters tritt eine inhomogene Temperaturverteilung
auf, die sich durch lokale Verlustleitungen ergibt und diese führt
ebenfalls zu einer inhomogenen Feuchtigkeitsverteilung.

Das Projekt über eine Laufzeit von 18 Monaten hat gezeigt, dass das
Simulationsmodell realistische Verhalten sehr gut vorhersagen kann und das
Test-Kit des Fraunhofer IZM den Einfluss verschiedener Layout- und
Materialoptimierungen von Gehäusen und elektronischen Komponenten
eindeutig untersuchbar macht. Dieses Vorhaben kann so nun auf diverse
elektronische Bauteile und deren Gehäuse zur Analyse, Bewertung und
Charakterisierung der Lebenszeitrelevanz überführt und bereits in der
frühen Entwicklungs- und Konzipierungsphase angewendet werden.

Besonders für Produktionsfirmen von Elektronikequipment jeder Art ist das
eine Neuheit, denn bisher wurden Ausfälle der Elektronik höchstens durch
Erfahrungswerte analysiert, wenn die Elektronik bereits ausgefallen war.
Mit den Erkenntnissen der Expert*innen vom Fraunhofer IZM hat das ein Ende
und die Dokumentation von Fehlern kann Simulation und Tests vor
Inbetriebnahme der Elektronikgeräte zu sicherer und langlebigerer
Elektronik inklusive ihrer Gehäuse führen.

Mehr zu dem Leistungsangebot der Gruppen finden Sie hier:
https://www.izm.fraunhofer.de/de/abteilungen/environmental_reliabilityengineering.html

Das Projekt wurde durch das gemeinsame Forschungsprogramm der ECPE
finanziert.

(Text: Niklas Goll)

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„Klarer Kompass für die Energiewende“

Auf der DBU-Jahrespressekonferenz forderten (von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser sowie der Leiter der Abteilung Umwelttechnik, Felix Gruber, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Sektorenkopplung voranzubringen.  Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Auf der DBU-Jahrespressekonferenz forderten (von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser sowie der Leiter der Abteilung Umwelttechnik, Felix Gruber, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Sektorenkopplung voranzubringen. Deutsche Bundesstiftung Umwelt

DBU-Jahrespressekonferenz – Beispielhafte Praxislösungen
Angesichts teils heftiger energiepolitischer Debatten fordert
die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) einen „klaren Kompass für die
Energiewende“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Grüner Strom wird
Öl, Kohle und Gas von morgen sein – vom Heizen bis zur Mobilität. Wir
müssen neue Wege wagen mit praxisorientierten Innovationen, neuen
Technologien und visionären Ideen. Sektorenkopplung ist der Schlüssel für
eine nachhaltige Zukunft“, so Bonde heute (Dienstag) auf der digitalen
DBU-Jahrespressekonferenz (JPK), abzurufen unter
https://www.dbu.de/youtubejahrespk2023/.

DBU-Förderstrategie entlang der Sektorenkopplung

Die intensive Verknüpfung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie
ist nach Bondes Worten „unverzichtbar, damit die Energiewende gelingt“.
Der DBU-Generalsekretär erinnerte daran, dass Deutschland bis 2045 und die
Europäische Union (EU) bis 2050 klimaneutral sein wollen, also nicht mehr
klimaschädliche Treibhausgase ausstoßen wollen als gebunden werden kann.
„Uns bleiben nur noch wenige Jahrzehnte, um es richtig anzupacken“, so
Bonde. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt orientiere deshalb ihre
Förderstrategie „entlang der Sektorenkopplung“. Im Blick sind dabei Bonde
zufolge unter anderem die Erzeugung nachhaltiger Energie und die Leistung
von Verteilnetzen ebenso wie „technologisches Neuland“ bei Strom,
E-Mobilität und im Wärmebereich etwa mit der Entwicklung von Speichern.
Zugleich führe Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine neben unsäglichem
menschlichem Leid zu großer Unsicherheit bei Energieversorgung und
-sicherheit. „Die Doppel-Aufgabe besteht darin, Klimaschutzziele zu
erreichen und gleichzeitig die Energieversorgung sicherzustellen“, sagte
Bonde.

„Da müssen wir uns mächtig ins Zeug legen“

Klarer Kompass für die Energiewende: Auf der digitalen
Jahrespressekonferenz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) forderten
(von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser aus dem
DBU-Referat Energie sowie der Leiter der DBU-Abteilung Umwelttechnik,
Felix Gruber, neben dem raschen Ausbau erneuerbarer Energien die Kopplung
der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie voranzubringen. Die DBU
richtet ihre Förderstrategie entlang dieser Sektorenkopplung aus. ©
Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Der DBU-Generalsekretär mahnte einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien
(EE) an, wies zugleich aber darauf hin, „dass es mit einem Turbo-EE allein
nicht getan ist. Energiesparen, Energieeffizienz, und am besten beides in
Kombination mit Circular Economy, also einer umfassenden
Kreislaufwirtschaft, sind ideale flankierende Maßnahmen.“ Im vergangenen
Jahr betrug der gesamte Endenergieverbrauch in Deutschland laut
Umweltbundesamt rund 2.290 Milliarden Kilowattstunden (kWh), also 2.290
Terawattstunden (TWh). Daran hatten erneuerbare Energien einen Anteil von
rund 21,8 Prozent, was 500 TWh entspricht. Die beste EE-Bilanz weist der
Stromsektor mit einem EE-Anteil von 46,2 Prozent auf; starken
Nachholbedarf haben Verkehr mit einem EE-Anteil von 6,8 Prozent sowie
Wärme mit 17,4 Prozent EE-Anteil. „Die erneuerbaren Energien brauchen mehr
Tempo. Da müssen wir uns mächtig ins Zeug legen“, sagt Felix Gruber,
Leiter der DBU-Abteilung Umwelttechnik. Er präsentierte auf der JPK mit
Dr. Katrin Anneser aus dem DBU-Referat Energie einige wegweisende von der
DBU geförderte Energiewende-Projekte. Gruber: „Allein die Stromerzeugung
in Deutschland aus EE-Quellen soll bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent
haben.“

Weiterentwicklung von Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen

Gruber zufolge müssen regenerative Primärenergien wie Wind, Wasser und
Sonne effizienter als bisher genutzt werden. Beim Entwickeln neuer
Technologien unterstütze die DBU auch Forschungseinrichtungen wie das
Helmholtz-Zentrum in Berlin. Ergebnis: die Weiterentwicklung sogenannter
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen. Die Solarzellen bestehen dabei aus
zwei Materialsystemen, Silizium und Perowskit. Denn der Wirkungsgrad der
noch marktbeherrschenden Silizium-Solarzellen ist am physikalischen Limit.
Durch das Tandem-Bauteil lassen sich indes verschiedene spektrale Anteile
des Sonnenlichts in Energie umwandeln. Resultat: Mittlerweile übertreffen
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen mit mehr als 29 Prozent die
Wirkungsgrade von herkömmlichen Silizium-Solarzellen. Im Labormaßstab
wurde gar ein Effizienzweltrekord von knapp 30 Prozent aufgestellt.

Mehrfache Flächennutzung und effizientere Energieausbeute

Ein anderes Beispiel für doppelte Flächennutzung sind hybride PVT-
Wärmepumpensysteme – eine Kombination von solarer Strom- und
Wärmeerzeugung mit moderner Wärmepumpentechnik. Herausgekommen ist in
einem DBU-Förderprojekt ein hocheffizienter PVT-Sole-Luftkollektor namens
Solink, der von oben einem üblichen PV-Modul ähnelt, jedoch auf der
Unterseite mit einem Wärmeüberträger ausgerüstet ist. Vorteile: Selbst
ohne Sonneneinstrahlung kann sowohl die Abwärme des PV-Moduls genutzt als
auch der Umgebungsluft Wärme entzogen werden. Die PVT-Kollektoren sparen
zudem Fläche und versorgen dennoch Gebäude mit Strom und Wärme
gleichzeitig. Die mehrfache Nutzung von Flächen in Verbindung mit einem
dezentralen Versorgungskonzept ist auch Kern eines anderen Sonnen-Projekts
der DBU. Anneser: „Wegen des Flächendrucks sollte beim EE-Ausbau die
bestehende Verkehrsinfrastruktur genutzt werden. Photovoltaik in
Bahngleisen ist zum Beispiel eine ausgezeichnete Option.“ Fahrwegsflächen
seien etwa ohne großen zusätzlichen baulichen Aufwand zu verwenden, um
dann dezentral Energie direkt ins Bahnstromnetz und anliegende
Infrastruktur einzuspeisen. Die Aussichten sind durchaus rosig:
Schließlich sind bundesweit rund 10.000 Kilometer Gleise verlegt – viel
Potenzial für PV-Kraftwerke.

Künstliche Intelligenz kann bei der Energiewende helfen

Und dass Künstliche Intelligenz (KI) bei der Energiewende helfen kann,
stellt der NRW-Betrieb Brinkmann Pumps in einem DBU-geförderten Vorhaben
unter Beweis: Mithilfe von KI soll der Energiebedarf von ungeregelten
Pumpen reduziert werden. Das könnte auch deshalb Schule machen, weil
elektrische Antriebe in Industrie und Gewerbe fast zwei Fünftel des
gesamten Strombedarfs in Deutschland verbrauchen.

Der DBU-Jahresbericht 2022 auch unter
https://cms.dbu.de/doiLanding1699.html.

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HfK-Hochschulpreise verliehen Review: Hochschultage 2023

Am 8. Juli fand die offizielle Amtsübergabe statt. Prof. Roland Lambrette reichte den Staffelstab an Prof. Dr. Mirjam Boggasch weiter.  Lukas Klose
Am 8. Juli fand die offizielle Amtsübergabe statt. Prof. Roland Lambrette reichte den Staffelstab an Prof. Dr. Mirjam Boggasch weiter. Lukas Klose

Ein Wochenende im Zeichen von Kunst, Design und Musik: Rund 5.000
Besucher:innen nahmen am 8. und 9. Juli 2023 an den Hochschultagen der HfK
Bremen teil. Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurden die HfK-Hochschulpreise
für herausragende Leistungen in den Studiengängen verliehen.

In der Schnittmenge von Kunst, Musik, Politik, Philosophie, Gestaltung und
Wissenschaft zeigt sich das Potenzial der HfK. Die Studierenden der
Hochschule für Künste Bremen sind kreative, zukunftsorientierte und
kritische Akteure. Sie begegnen den Herausforderungen, Chancen und Krisen
unserer Zeit durch künstlerische Entwicklungen, Interventionen und
gestalterische Projekte.

Dies hat sich ganz besonders eindrücklich während der Hochschultage
gezeigt: Mit einem interdisziplinären Ansatz und durch das Experimentieren
mit unterschiedlichen Materialien, Medien, Technologien und Arbeitsweisen
sind vielfältige Projektformate entstanden: „Zu erleben waren über 200
Ausstellungen, Installationen, Vorträge, Mode, Technologien, Performances,
Filme, Videokunst und Live-Musik-Darbietungen“, sagt Fabian Brunke,
Absolvent und Veranstaltungsmanager der HfK Bremen. „In diesem Jahr haben
Studierende, PhD-Kandidat:innen und Absolvent:innen sowohl individuell als
auch in Kollektiven ausgestellt“, ergänzt Alumna und
Veranstaltungsmanagerin Sue Wendlandt. Gemeinsam mit Elizaveta (Liza)
Kovalenko, Alumna der Freien Kunst, und Viacheslav (Slava) Romanov,
Masterstudent in den Digitalen Medien, haben sie die Hochschultage
organisiert und kuratiert.

Bei der feierlichen Eröffnung der Hochschultage am Samstagmittag, den 8.
Juli 2023, waren rund 250 Gäste anwesend. Ein Höhepunkt der
Eröffnungsveranstaltung war die Weitergabe des Rektor:innen-Staffelstabs:
Prof. Dr. Mirjam Boggasch ist seit dem 1. Juli 2023 Rektorin der HfK
Bremen. Im Rahmen der Hochschultage fand nun die offizielle Amtsübergabe
statt. Der ehemalige Rektor der Hochschule, Prof. Roland Lambrette,
überreichte Boggasch zwei nautische Flaggen mit dazugehörigem Flaggen- und
Winkeralphabet. Diese seien dazu gedacht, Boggasch in der Ausführung ihres
Amtes zu unterstützen, natürlich in bester Anlehnung an die
Hafengeschichte der Überseestadt. Die wichtigsten Signale wie „nein“ und
„korrekt“ wurden live auf der Bühne geübt. Boggasch betonte, dass die
Hochschultage für sie eine wunderbare Gelegenheit seien, die Bereiche
Kunst, Design, Medien und Musik direkt in ihrer Vielfalt kennenzulernen.
„Ich freue mich darauf, die Zukunft der HfK Bremen gemeinsam mit den
Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden zu gestalten“, so die Rektorin.

Die Verleihung der diesjährigen Hochschulpreise an HfK-Studierende und
Absolvent:innen für herausragende künstlerische, musikalische und
gestalterische Werke wurden mit Spannung erwartet. In jedem der
Studienbereiche Musik, Freie Kunst, Integriertes Design und Digitale
Medien wurden Preise vergeben und Belobigungen ausgesprochen.


Hochschulpreise 2023:
Übersicht aller Kategorien und Preisträger:innen

Musik

Wegen des durchweg sehr hohen Niveaus erachtete die Jury alle
Finalteilnehmer:innen für preiswürdig, sodass dieses Jahr kein erster
Preis vergeben wurde.

Solokünstler:innen:

2. Preise

Violinistin Kalliopi Rizou, sie studiert im 6. Semester, Bachelor of Music
Begründung der Jury: „Kalliopi Rizou nahm das Publikum und die Jury von
Anfang an durch ihre hohe Musikalität gefangen. In Ausdruck und Gestaltung
immer sehr differenziert und fein ausgearbeitet, vermittelte sie
gleichzeitig stets eine hohe Musizierfreude, die den Zuhörer die
Wettbewerbssituation völlig vergessen und in die Musik eintauchen ließ.“

Pianist Kristofer Gjoni, er studiert im 8. Semester, Bachelor of Music
Begründung der Jury: „Kristofer Gjoni beeindruckte durch seine große
Souveränität, mit der er das technisch wie musikalisch höchst
anspruchsvolle Programm gleichsam aus dem Ärmel schüttelte‘. Stilistisch
und klanglich äußerst differenziert wusste er zudem durchgehend eine
musikalisch dichte Atmosphäre zu schaffen, die Jury und Publikum von der
ersten Note an gefangen nahm.“

3. Preis:

Pianistin Wenwen Zhao, sie studiert im 4. Semester, Master of Music
Begründung der Jury: „Wenwen Zhao präsentierte sich als äußerst sensible
Musikerin, die den verschiedenen Werken ihres Programms ihren jeweils
eigenen ‚Ton‘ zu verleihen weiß. Ein hohes stilistisches Verständnis
verbindet sich in ihrem Vortrag mit schöner und geschmackvoller
klanglicher Differenzierung.“

Ensemble-Preis:

Jazz-Duo Magnus Bodzin (Kontrabass) und Moritz Schöwing (Klavier), sie
studieren im 6. und 8. Semester, Bachelor of Music.
Begründung der Jury: „Das Jazz-Duo zeigte eine bemerkenswerte musikalische
Leistung, die das Publikum und die Jury gleichermaßen begeisterte. Die
beiden Musiker harmonierten ausgezeichnet miteinander und schufen mit
ihrem Programm aus Jazz-Standards und Eigenkompositionen eine Atmosphäre
von hoher Intensität und Emotionalität. Sowohl ihre beeindruckende
Virtuosität als auch ihre sensible Interaktion überzeugten auf ganzer
Linie.“

Jury: Andreas Gürsching (HfK-Professor für Musiktheorie), Florian Poser
(HfK-Professor für Popularmusik und Vibraphon im Jazz), Stefan Veselka
(HfK-Professor für Orchester-/Ensembleleitung) und Artem Yasynskyy
(Pianist und HfK-Alumnus).

Freie Kunst

1. Platz

Bahareh Hejrankeshrad für „Knots“ (Video, 2023, Klasse Rosa Barba). Sie
ist auch in der Klasse von Heike Kati Barath.
Jurybegründung: „Gewürdigt wird ihr technisch anspruchsvolles wie
poetisches Video, das sich überwiegend in Schwarz-Weiß präsentiert und
völlig ohne Ton auskommt, mit einigen Referenzen zum Kunstfilm der 1920er
Jahre. Die Arbeit zeigt, wie der Titel bereits anzeigt, taktile
Verknotungen und Verflechtungen von Körpern, vorwiegend von Händen und
Füßen, die sich vom Körper abstrahieren, sich zu traumhaften Bildern
auflösen und einmal mehr eine schon alte Beschreibung der filmischen
Bilder bestätigt: nämlich als Äquivalenz zu unseren inneren mentalen
Bildern – wie umgekehrt.“

2. Platz

Peng Liu für „That day was 0 degrees. They got chills, if you not inside
them” (Video, 2023, Studiengangsübergreifende Klasse Asli Serbest)
Jurybegründung: „Der zweite Preis geht an Peng Lui für seine
beeindruckende Videoarbeit That Day Was 0 Degree: eine völlig unbewegte
Aufnahme eines riesigen Backstein-Speichers gegenüber der HfK zur
Spätwinterzeit, in der sich die Schneereste auf dem steilen Dach so ganz
allmählich auflösen und Schritt für Schritt in die Tiefe rutschen. Das
Video dauert fast sechs Stunden, ist zudem noch in Slow-Motion aufgenommen
und wird wohl kaum von jemanden komplett angesehen werden. Aber wenn man
einen dieser Momente sieht, wenn der Schnee in Zeitlupe herunterfällt, ist
das ein ungemein poetischer Augenblick und macht gerade die langsamen,
kaum sonst wahrgenommen Prozesse in der Zeit sehr plastisch erfahrbar.“

3. Platz

Rui Diao für „Hi, Top“ (Mixed Media, 2023, Klasse Katrin von Maltzahn)
Jurybegründung: „Der dritte Preis geht an Rui Diao für seine humorvolle
wie grotesk strenge Arbeit Hi, Top. Ausgestellt sind zum einen
trichterförmige Halskrausen aus Plastik, die eigentlich Hunden verpasst
werden, wenn sie sich nicht am Kopf kratzen dürfen. Und wie befremdlich
komisch und zugleich selbstverständlich sieht das aus, wenn diese
Hundekrausen, wie in dem großformatigen, streng Frontal Ansichten Foto,
vor Wald- und Wiesenhintergrund zu sehen, von Menschen getragen wird,
deren Gesichter allenfalls noch schemenhaft zu erahnen sind und die
bestenfalls noch nach oben schauen können. Probiert es doch selbst aus
anhand der ausgestellten Hundekrausen, verwandelt Euch und schickt ein
Foto an den Künstler – so die explizite Anleitung. Wie fühlt es sich damit
an und welche Assoziationen habt ihr?“

Lobende Erwähnungen gab es für

Johanna Baumgarts „Pläne und was aus ihnen wurde“ (Mixed Media, 2023,
Klasse Andree Korpys/Markus Löffler), „auf denen polizeiliche Anzeigen und
gerichtliche Vorladungen gedruckt sind, wiederum vor dem Hintergrund aus
geschöpften Papier, das genau aus denjenigen von den Behörden vernichteten
Plakaten entstanden ist, die zu den Aktionen und Demonstrationen
aufriefen, die eben zu diesen staatlichen Repressionen geführt haben –
eine im wörtlichen wie übertragenen Sinn vielschichtige Arbeit“, so die
Jury.

Die kollektive Arbeit „Temporary Archive“ (Klasse Asli Serbest) für „die
sehr subtile, beziehungsreiche und dabei stimmige Präsentation“, so die
Jury.

Harumi Miyatos „Tulpe“ (Malerei/Assemblage, Klasse Stephan Baumkötter)
„als malerisches Experiment mit dem alten Genre des Blumenstilllebens; ein
ohne Frage sehr schönes und fein gemaltes Bild, das aber als Assemblage
aus Alltagspapier zugleich gebrochen ist“ (Jurybegründung).

Kollektive Installation „Garten schaffen, Berge bauen, Wasser
organisieren“ (Klasse Ingo Vetter) „Ihr Material besteht aus bunten
Kleidermüll und Bergen aus Papiermüll, der sonst in den Prozess des
Recyclings gekommen wäre, aber hier herausgenommen und, nicht zuletzt nach
dem Vorbild japanischer Gartenkunst, in einen bewässerten Garten
verwandelt wurde: angesichts des fatalen Anthropozäns und seines
Klimawandels eine zumindest an diesem temporären Ort real werdende Utopie
der Möglichkeit einer neuen Lebenswelt.“ (Jurybegründung)

Jury: Dr. Annett Reckert (Kuratorin Kunsthalle Bremen), Ingo Clauß
(Kurator Weserburg Museum für moderne Kunst), Dr. Frank Schmidt (Direktor
Museen Böttcherstraße) und Nadja Quante (künstlerische Leiterin des
Künstlerhaus Bremen).

Integriertes Design

1. Platz

Yuan Lin für „Die Übersee Tour or The Overseers’ Tour“, ortsspezifische
Performance
Jurybegründung: „Mehrere der in diesem Jahr nominierten Projekte bringen
ein allgemeines Gefühl der Vereinzelung, der Entwurzelung und der
Ratlosigkeit zum Ausdruck. Yuan Lins Performance gehört zu diesen
Arbeiten. In ihrer Guided Tour dieses Gebäudes, seiner Geheimnisse, seiner
hallenden Flure und seiner einen einsamen Dallmayer Kaffeemaschine wird
dieses Grundgefühl jedoch plötzlich sowohl konkret als auch komisch.

Mit einer enthusiastischen Freundlichkeit, die irgendwann ins Unheimliche
kippt, richtet Yuan die Aufmerksamkeit der Tourteilnehmer:nnen auf
dysfunktionale Details, strukturelle Probleme und auf ihre eigenen
hartnäckigen Versuche, einen Sinn in der als grotesk erlebten Wirklichkeit
zu finden.  Aus der Perspektive einer Fremden leistet Die Übersee Tour
eine intelligente Bestandsaufnahme, nicht nur des Studiums an der HfK,
seiner verschachtelten Verwaltung und obskuren Mechanismen, sondern auch
der Desillusion einer Generation. Sie macht komplexe gesellschaftliche und
seelische Zusammenhänge nachvollziehbar und zugänglich. Die Jury war
besonders beeindruckt von der radikal humorvollen Behandlung dieser
Themen. Yuan bricht zu keinem Augenblick mit der Rolle des peinlich
bemühten Tour Guides. Komik wird hier zu einer Ermächtigungsstrategie, die
plötzlich Räume schafft für freies Spiel und poetische Assoziation,
besonders dann, wenn Yuan unvermittelt anfängt zu singen.“

2. Platz

Anna Zineli, Ruben Lyon, Christine Claussen, Qi Jin, Cora Stam, Ilona
Karacsony, Vassilissa Gorbacheva, Vera Tolmatsova, Magdalena Otto, Erik
Wälz, Andrej Denisow, Leona Heerbaart, Guillermo Marcelo Bolentini Bada,
Janusz Kendel, Simon Krüger, Fan, Chen Shao, Joshua Rödel, Ivett Kallai,
Marcel Effner, Markus Meier, Isa Kleinhempel, Lennart Heuser, Louisa
Beßling, Lisa Spetzler, Tristan Keyers, Petra Tjandra, Wahida Soulemane,
Boyang Xia, Hye Sun Yoo, Helise Gomes Oliveira, Josephine Beste u. a. für
„Bunker Requiem - NO MORE WAR“, kollektive Konzertperformance am Denkort
Bunker Valentin.

Jurybegründung: „Dieses außerordentlich ehrgeizige Projekt, das die
Interdisziplinarität der HfK beeindruckend belegt, bringt über 30
Studierende aus verschiedenen Fachbereichen und Studiengängen zusammen.
Unter der künstlerische Leitung von Raphael Sbrzesny, HfK-Professor für
Kreation und Interpretation mit den Schwerpunkten Sound, Performance und
Konzept, und Felix Elsner, HfK-Professor für Musikpädagogik, aktivieren
die Studierenden die monumentalen Hallen des Bunkers Valentin mit einer
sich stetig verändernden Choreographie von Schattenspielen, performative
Gesten und Klangkompositionen. Das Ineinandergreifen der verschiedenen
Disziplinen führt zu einer Vielfalt von überraschenden gestalterischen
Ansätzen. Die Jury war besonders beeindruckt von der ruhigen, fast
kontemplativen Haltung, mit der auf die brachiale Präsenz des Bunkers
geantwortet wird.
In einer Zeit der zunehmenden Normalisierung autoritärer und
nationalistischer Haltungen führt das Bunker Requiem einen sensiblen und
bewegenden Umgang mit einem historischen Ort vor, der die Grausamkeit des
deutschen Faschismus direkt erfahrbar macht.

Das Bunker Requiem vermeidet es dabei, das schon Bekannte didaktisch zu
wiederholen. Auch widersteht es der Versuchung, das gewaltige Gebäude zu
ästhetisieren. Stattdessen bietet es einen neuen Umgang mit und Zugang zu
dem bekannten Denkort. Das Engagement der Studierenden und die große
Dringlichkeit, die dieses Projekt für sie hatte, wurde in der gestrigen
Präsentation für die Jury eindrucksvoll spürbar.“

3. Platz

Mirja Kuberka für „Die Kirche im Dorf“, Fotoarbeit
Jurybegründung: „Durch das Medium der Architekturfotografie und der
Buchpublikation, fängt Mirja Kuberka ein komplexes, und hochaktuelles
Thema mit unaufgeregter Präzision ein: die fortschreitende Säkularisierung
der Gesellschaft, wie sie an der immer üblicher werdenden Umwidmung, oder
auch ,Profanisierung‘, religiöser Gebäude sichtbar wird. An die Stelle
heiliger Orte und Rituale tritt das Fitness Center, die Kita oder das als
hoch-individualisiertes Bohème-Loft gedachte private Domizil.
Mirjas Fotografie ist technisch kompetent und sachlich. Sie kombiniert die
gesellschaftliche Analyse souverän mit Handwerk und ästhetischer
Sensibilität. Bei näherer Betrachtung treten subtile Narrative und
Beobachtungen in den Vordergrund.
Besonders beeindruckt war die Jury von der Übersetzung der fotografischen
Arbeit in eine sorgfältig durchdachte Buchpublikation, die Grafik,
Buchgestaltung und Fotografie einfühlsam und kompetent vereint.“

Eine lobende Erwähnung geht an Anisha Gatters Raum mit „(Männerfantasien)
& Body Boulder Wall“, Installation

Jurybegründung: „In ihrer Installation greift Anisha Gattnar einen
unterrepräsentierten Aspekt der heute allgemein idealisierten Gegenkultur
der 60er Jahre auf: die sexistischen und oft sadistischen Fantasien, die
als Begleiterscheinung der sexuellen Revolution die alternativen
Publikationen dieser Zeit überfluteten. Sie stellt eine überraschende
Verbindung her zwischen dieser dunklen Seite der Befreiung und der von
Klaus Theweleit beschriebenen sexistischen und sadistischen
Konditionierung soldatischer Männlichkeit zwischen den Weltkriegen.

Anisha hat das an der HfK beherbergte Archive of Independent Publishing
nach sexuell eindeutigen Darstellungen durchforstet und diese zu einem
Tapetenmuster kombiniert. Es entsteht dadurch eine visuell beeindruckende
und verstörende Installation. Gleichzeitig tritt dabei eine feministische
Haltung in den Vordergrund, die es sich aus der historischen Distanz
leisten kann und will, die Komik und das Jämmerliche in dieser geballten
Menge von negativen Männerfantasien zu sehen und sie mit Humor zu
entmächtigen.“
Jury: Julia Bulk (Direktorin Wilhelm Wagenfeld Haus, Bremen), Mathias
Lempart (Künstler, Grafik-Designer, Mitbegründer des Shortnotice Studios)
und Anna Bornhold (Schuhdesignerin).

Digitale Medien

1. Platz

Nilufer Musaeva mit „These URLs will save the IRL“, sie studiert im 6.
Semester, Master of Arts

Jurybegründung: „Wir schätzen die Bemühungen, ein wichtiges Thema, mit dem
viele Studierenden konfrontiert sind, in einer umfassenden Recherche, die
mehrere Formate und Medien umfasst, anzugehen. Das Buch ist das Ergebnis
einer Zusammenarbeit mit Studierenden anderer Kunsthochschulen, einer
internen Untersuchung an Kunsthochschulen in Deutschland und einer
Frankenstein-Website, die aus einer Topliste unzugänglicher Module anderer
Kunsthochschul-Websites besteht. Die Schwierigkeit der Zugänglichkeit von
Ressourcen und Wissen in Bezug auf Kunstausbildungseinrichtungen in
Deutschland wird in ihrer Arbeit auf komische und prägnante Weise
transparent gemacht.“

Link zur Webseite: https://these-urls-will-save-the-
irl.de/#:~:text=about%20the%20book,the%20main%20UX%20design%20principles.

2. Platz

Juan Camilo Luque mit „softLimits“, studiert im 6. Semester, Master of
Arts
Jurybegründung: „Juans Werk Soft Limits fällt direkt ins Auge. Die Idee,
eine Garnschlaufe durch einen selbstgebauten Schnurschützen zu schießen,
scheint auf den ersten Blick einfach. Die Interaktion zwischen zweien von
ihnen macht daraus jedoch eine schöne Choreografie, die sich sehr
menschlich anfühlt. Die reduzierte Ausführung des Werks lässt genügend
Raum für Fantasie, Interpretation und Projektion und unterstreicht das
poetische Potenzial der Installation. Auch wenn die Saiten nicht darauf
programmiert sind, sich zu berühren, berührt dieses Kunstwerk einen
selbst.“

3. Platz

Soo Hyun Ryu mit „Phantom Tail“, studiert im 6. Semester, Bachelor of Arts
Jurybegründung: „Das Werk von Soo Hyun spricht den anhaltenden Diskurs
über menschliche und nicht-menschliche Beziehungen auf eine direkte und
fesselnde Weise an. Mit einer einfachen Geste, vom Konzept, das sich auf
das Phänomen der Phantomschmerzen bezieht, bis hin zu seiner komplexen
Ausführung, stellt das Projekt die schwer zu fassende Frage, was es
bedeutet, überhaupt ein Mensch zu sein. Es erinnert uns an unsere
vergangenen Iterationen und spekuliert gleichzeitig über die zukünftige
Koexistenz mit (Nicht-)Menschen.“

Der von der Universität und HfK Bremen ausgelobte Preis für eine
interdisziplinäre Arbeit geht an „WeCookit and WeEatit“ von Asif Md.
Siddiqui, Ravi Kakadiya, Nazia Nusrat Ima, Debaditya Bhowmik (Studierende
Digitale Medien Universität Bremen) sowie Julia Vollmer, Jimmy Dao Sheng
Liu, Nathalie Gebert, Alberto Salgado Harres, Chi Him Chik, Hsun Hsiang
Hsu (Studierende Digitale Medien HfK Bremen) und Meyna Souza (Studierende
Integriertes Design HfK Bremen).

Jurybegründung: „We Cook it drückt eine kohärente Zusammenarbeit zwischen
der Uni und der HfK aus. Das Projekt der Gruppe zeigt einige der
strukturellen Probleme auf, die in der Hochschule nicht angegangen werden,
und wir schätzen die Initiative und das Engagement der Studierenden, eine
Lösung zu finden. Die kontinuierliche Zusammenarbeit, Woche für Woche,
spricht nicht nur durch das Ergebnis, sondern auch durch den Prozess und
den Austausch, der sonst vielleicht nicht stattfinden würde. Durch die
Würdigung des internationalen Kontextes und der gemeinschaftlichen
Betreuung zeigt das Projekt das Potenzial, in verschiedene Richtungen zu
wachsen.“

Lobende Erwähnungen gehen an

Qianxun Chens für „A Message Lies Between the Cracks”
Jurybegründung: „Wir waren fasziniert von Qianxuns kohärentem Prozess und
seiner akribischen Suche nach prophetischen Inhalten durch absichtliche
und doch gewöhnliche Reiskörner.“

Vivian Hernandez für „Liquid Poems”

Jurybegründung: „Wir möchten Vivian Hernandez' Arbeit Liquid Poems
würdigen, da sie die Geschichten der kolumbianischen Flüsse und ihrer
Gemeinden einfühlsam und poetisch mit ihrem eigenen Migrationsprozess
verbindet. Es zeigt ein großes persönliches Engagement für den laufenden
Forschungsprozess sowie eine rücksichtsvolle Reflexion ihrer eigenen
Position innerhalb dieses Prozesses, und wir freuen uns darauf, die
weitere Entwicklung des Werks zu beobachten.“

Jimmy Dao Sheng Lius für „The Memory Radio”

Jurybegründung: „Das Memory Radio präsentiert durch seine interaktive und
spielerische Oberfläche das Gedächtnis in einem ansprechenden und doch
geheimnisvollen Kontext."

Clemens Hornemanns für „Automated Ritual no.1”

Jurybegründung: „Wir schätzen die gute Ausführung und Präsentation des
Werks, insbesondere die Nutzung des Raums, um das Klangerlebnis zu
verbessern. Clemens Arbeit ist eine intensive Reflexion über den Begriff
des Wertes, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet, sowohl
durch den Kontext als auch durch das performative Ergebnis.“

Jury: Bruno Christofoletti Barrenha (Film-, Video-, Installations-, Klang-
und Archivkünstler), Irena Kukrić (Bühnenbildnerin, Medienkünstlerin,
Forscherin), Maximilian Kiepe (Webdesigner und -entwickler), Guida Ribeiro
(digitale Künstlerin und Webentwicklerin), Hakeem Adam (Digitalkünstler
und Autor) sowie Henrik Nieratschker (Künstler, Designer, Kurator).

Über die Hochschule für Künste Bremen

Rund 1.000 Studierende aus über 50 Ländern, 76  Professor:innen, 86
Mitarbeiter:innen der Verwaltung und mehr als 150 Lehrbeauftragte machen
die Hochschule für Künste Bremen zu einem lebendigen Ort.
Die HfK ist eine Hochschule der scheinbaren Gegensätze. Sie ist regional
verankert und doch extrem international ausgerichtet. Sie erstreckt sich
über verschiedene Standorte der Stadt, die sehr unterschiedlich sind, von
klassizistisch bis schwimmend und zeitgenössisch. Sie ist Kunst- und
Musikhochschule zugleich. Dieser Kontext, der die Hochschule ausmacht, ist
von besonderer Qualität und bildet einen Rahmen, der es ermöglicht sowohl
die kollektive als auch die individuelle künstlerische Entwicklung zu
stärken.

Das Studienangebot umfasst die Freie Kunst, Integriertes Design, Digitale
Medien sowie die Künstlerische und Künstlerisch-Pädagogische Ausbildung
Musik. Die HfK bietet darüber hinaus seit 2020 die Möglichkeit, im Rahmen
des künstlerisch-wissenschaftlichen PhD-Programms, insbesondere in den
Schwerpunktbereichen Integriertes Design und Digitale Medien, zu
promovieren. Durch offene Lehrveranstaltungen und gemeinsame
Prüfungsbetreuungen sowie durch die Werkstätten, Studios und thematische
Projekte werden Dialog und Zusammenarbeit gezielt gefördert. Mit rund 400
Veranstaltungen im Jahr gehört die HfK zu einer kulturellen und
gesellschaftlichen Säule der Stadt Bremen.
Die Beziehung zwischen den Mitgliedern der Hochschulgemeinschaft, ihre
vielfältigen Kooperationen, die engmaschige Betreuung sowie die
verschiedenen regionalen und internationalen Kollaborationen, tragen dazu
bei, dass die Studierenden sich zu starken individuellen Charakteren
entwickeln. So entstehen letztendlich Arbeiten, die hohe gesellschaftliche
Relevanz haben.

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Fraunhofer IBMT und htwsaar: Technologietransfer von technischer Idee bis Start-up - Pitches innovativer Businesspläne

Prof. Dr. Ralf Oetinger bei der Begrüßung der studentischen Teams am Fraunhofer IBMT, Sulzbach.  Fraunhofer IBMT
Prof. Dr. Ralf Oetinger bei der Begrüßung der studentischen Teams am Fraunhofer IBMT, Sulzbach. Fraunhofer IBMT

Studentische Teams der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der htwsaar
stellen sich mit ihren innovativen Geschäftsideen für Start-ups in sechs
Pitches einer hochkarätigen Jury

Heutzutage ist es wichtiger denn je, gute Ideen aus der
Hochschullandschaft heraus in die industrielle Umsetzung zu bringen. Nicht
jede Idee eignet sich jedoch tatsächlich dazu, ein Start-up zu gründen. Es
braucht neben einem ausgereiften technischen Ansatz auch einen gut
durchdachten Businessplan und Marktkenntnis, um eine reale Chance auf eine
sich finanziell tragende Umsetzung zu haben.

Eine Schnittstelle der Hochschule für Technik und Wirtschaft des
Saarlandes (htwsaar) mit der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und des
im Saarland langjährig in Forschung und Entwicklung erfahrenen Fraunhofer-
Instituts für Biomedizinische Technik IBMT ist in diesem Zusammenhang in
persona Prof. Dr. Ralf Oetinger. Professor Oetinger hält eine
Brückenprofessur von der htwsaar zum Fraunhofer IBMT inne, wo er den
Bereich Geschäftsprozesse und Technologiebewertung leitet. Er bildet die
Studierenden in der Fakultät der htwsaar nicht nur zu Ingenierinnen und
Ingenieuren aus, sondern vermittelt ihnen in seiner Vorlesung zur
Unternehmensführung zusätzlich die Fähigkeiten, die benötigt werden, gute
Ideen auch in den Markt zu bringen. Technologietransfer ist das
Zauberwort.

Hochkarätige Jury bewertet die Pitches der Businessideen

So fanden sich am 11. Juli 2023 sechs studentische Teams der htwsaar à je
fünf Personen mit ihren im Sommersemester 2023 erworbenen Kenntnissen im
Themengebiet Unternehmensführung im großen Seminarraum des Fraunhofer-
Instituts für Biomedizinische Technik IBMT an dessen Hauptsitz in Sulzbach
ein. Ihre Mission - ihre Businesspläne für eine ausgearbeitete
Geschäftsidee aus ihrem technischen Studium einer sechsköpfigen Jury
vorzustellen und so eine fachkundige Einschätzung/Bewertung ihrer
innovativen Idee hinsichtlich der Technikreife, Marktchance und
Umsetzbarkeit zu erhalten. In den Pitches deckten die angehenden
Ingenieurinnen und Ingenieure der Jury alle relevanten Aspekte ab.

Die Jury bestand aus einem Vertreter der SIKB, Herrn Andreas Wehr,
Investment Management, der seinen Fokus auf die Finanzierung und
Marktchancen der Geschäftsidee richtete, Herrn Peter Hirschmann, Fa. WOLL
Maschinenbau, der den Aspekt der Unternehmensgründungen aus Sicht der
Unternehmensleitung abdeckte, Frau Ass. jur. Melanie Jacobi, am Fraunhofer
IBMT verantwortlich für juristische Dienstleistungen und Personal, Prof.
Dr.-Ing. Moritz Habschied, htwsaar, Fachbereich Werkstoffkunde für die
Technik sowie Prof. Dr. Ralf Oetinger, Leiter Technologiebewertung und
Geschäftsprozesse am Fraunhofer IBMT und Lehrstuhl für Unternehmensführung
an der htwsaar, der die vorgestellten Projekte auf die jeweilige
Geschäftsidee, Innovationshöhe und Marktgängigkeit bewertete.

In den Pitches standen die sechs Teams der Jury Rede und Antwort und so
konnten am Ende des interessanten Tages drei besonders überzeugende
Geschäftsideen mit einer Empfehlung der Jury zur Weiterverfolgung
ausgezeichnet werden.

Die beste Geschäftsidee bestand in der Entwicklung eines Exoskeletts, das
sich beim Sturz versteift und so Motorradfahrer vor Verletzungen im
Bereich der Wirbelsäule schützen soll. Die beiden anderen Geschäftsideen
bezogen sich auf den Aufbau eines Dienstleistungsunternehmen im Bereich
zerstörungsfreier Messverfahren sowie auf die Entwicklung und Produktion
innovativer Bürsten für technische Reinigungsaufgaben ohne Wasserzusatz.

Für das Fraunhofer IBMT nahm darüber hinaus der stellvertretende Leiter
der Abteilung Ultraschall, Dr. Marc Fournelle, teil. In einem
interessanten Vortrag über die zukunftsweisenden Technologien des
Instituts im Bereich des Ultraschalls von biomedizinischen Anwendungen
über technische Einsatzmöglichkeiten bis zum Sonar, zeigte Dr. Fournelle,
wie man in einem Fraunhofer-Institut der angewandten Forschung und
Entwicklung Ideen bis hin zu marktreifen Prototypen und Systemen
entwickelt und einen Technologietransfer in die Industrie bewerkstelligt.

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