Produktionsfirmen von Elektronikequipment, das zum Beispiel in Autos oder Industriemaschinen eingebaut wird, kennen es: Elektronikgeräte fallen früher aus als geplant, wenn in das schützende Gehäuse der Bauteile Feuchtigkeit eindringt. Um das zu verhindern, werden Zuverlässigkeitsanalysen der Elektronik durchgeführt. Nun haben sich Forschende am Fraunhofer IZM in Zusammenarbeit mit dem European Center for Power Electronics (ECPE) auch mit den klimatischen Bedingungen in Elektronikgehäusen beschäftigt. Mit einem Test-Kit aus Simulationen und Analyseverfahren können Umwelteinflüsse so schon in der Konstruktion von Dichtungskonzepten mitgedacht und nachgelagerte Fehleranalysen vermieden werden.
Damit elektronische Komponenten ungestört von Feuchtigkeit arbeiten können, brauchen sie ein schützendes Gehäuse, das diese nach Möglichkeit von den empfindlichen Bauteilen fernhält. Nur so kann eine hohe Lebensdauer beispielsweise bei Motoren in Autos oder großen Industriemaschinen gewährleistet werden. Je nach Anwendung müssen die Gehäuse unterschiedlichen Umwelteinflüssen und wechselnden klimatischen Bedingungen entsprechend konzipiert werden. Denn durch eine innere Temperaturverteilung, die sich aus der Verlustleistung der entsprechenden elektronischen Baugruppen ergibt, können sich Mikroklimas in ihnen bilden. Durch überlegtes Platzieren der sensitiven Bauteile kann ein funktionierendes, elektronisches System erzeugt werden, bei dem sich das Mikroklima im Gehäuse für die Anwendung der Elektronik lokal günstig ausprägt.
Dass die klimatischen Bedingungen in einem abgeschlossenen Gehäuse je nach Betrieb nicht konstant sind, konnte im Rahmen des erfolgreich abgeschlossenen Projekts RoDosH (Relevance of Diffusion of Humidity in sealed Housings) nun am Beispiel eines Photovoltaik-Wechselrichter- Gehäuses der Firma SMA gezeigt werden. Ein Wechselrichter wandelt die erfasste Solarenergie in einem Solarmodul so um, dass er ins Stromnetz eingespeist werden kann. Die Abteilung Environmental & Reliability Engineering am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, die schon seit 30 Jahren Zuverlässigkeitssimulationen und -bewertungen durchführt, hat ihr Methodik-Knowhow für die Untersuchung des Wechselrichter-Gehäuses in vier Prozessschritten eingesetzt. Das Besondere dabei ist die Kompetenzvielfalt der Forscher*innen. Denn um Materialien bis ins Detail charakterisieren und simulieren zu können sowie den Austausch mit Kolleg*innen aus der Fertigung des eigenen Instituts einfließen lassen zu können, braucht es jahrelange Erfahrung aus diversen Forschungs- und Industrieprojekten, die das Fraunhofer IZM und auch die Arbeitsgruppen mitbringen. Neben der Vielzahl an Anwendungsfällen, die die Forscher*innen aus vorherigen Arbeiten mit einfließen lassen, verfügen Sie über modernstes Equipment - von klassischen Klimakammern über besondere Droptest-Maschinen bis hin zu speziellen Messgeräten, wie einem sogenannten TGA-SA, gleich Thermograviations- mit Sorptionsanalyser.
Charakterisierung und Modellierung von Dichtungskonzepten Den klassischen aber auch spezifischeren Zuverlässigkeitstests vorgelagert, sind im ersten Schritt am Fraunhofer IZM fast immer Belastungsprofile oder auch Mission Profiles. In diesem Fall wurden zwei Belastungsprofile für das Gehäuse des Photovoltaik-Wechselrichters abgeleitet, die ausführlich darstellen, welchen klimatischen Bedingungen Gehäuse dieser Art an verschiedenen Orten auf der Welt ausgeliefert sind. Dabei haben die Expert*innen aus Berlin ein Profil unter harten klimatischen Bedingungen, z.B. Photovoltaik-Geräten aus Kuala Lumpur und Mumbai umgesetzt, in dem sie die verfügbaren Wetterdaten aus dem Internet analysiert und skizziert haben, wie sehr hohe Durchschnittstemperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Parallel wurde auch ein Belastungsprofil aus moderateren Temperaturbereichen der Erde erstellt, in dem Wetterdaten aus Kassel, Peking und Tromsø ausgewertet wurden.
Im zweiten Schritt testete das Forschungsteam das Gehäuse des Photovoltaik-Wechselrichters in diversen Durchläufen in Bezug auf die Temperaturen in und außerhalb des Gehäuses. Neben klassischen Klimakammern verwendeten sie dafür auch spezielle Messgeräte zur Materialcharakterisierung, wie den TGA-SA, mit dem besonders kleine Mengen an Feuchtebelastung durch die Messung der Gewichtszunahme über eine lange Zeit kontinuierlich gemessen werden können. Um hier über das Klima im Inneren versus außerhalb des Gehäuses auf die Dichtungskonzepte und Beschaffenheit einzelner Gehäusematerialien genauer Auskunft geben zu können, analysierten die Klima-Expert*innen dafür die entsprechenden Diffussionskoeffizienten. Diese bestimmen die Geschwindigkeit, in der die Feuchtigkeit durch ein Material ein- oder wieder ausdringt. Der partielle Wasserdampfdruck, die Luftfeuchtigkeit und weitere Erkenntnisse wurden im dritten Schritt, der gekoppelten Simulation von Temperatur- und Konzentrationsfeldern mittels der Software ANSYS®, modelliert und ermöglichten so die Darstellung der relativen Luftfeuchtigkeit und die lokale Temperaturverteilung im Gehäuse. Weitere durchgeführte Simulationen zu Kondensationsrisiken, basierend auf den in Schritt zwei experimentell ermittelten Materialeigenschaften und eines Tag-Nacht-Zyklus mit normalen und verlängerten Haltezeiten sowie einer ungleichmäßigen Temperaturverteilung, wurden ebenfalls erstellt.
Bewertung der Lebenszeitrelevanz Abschließend in Schritt vier geben die Test- und Simulationsexpert*innen Hinweise darauf, wie sich eine kummulierende Feuchtebelastung auf die Lebensdauer der Systeme auswirken kann. Im Fall des Gehäuses des Photovoltaik-Wechselrichters tritt eine inhomogene Temperaturverteilung auf, die sich durch lokale Verlustleitungen ergibt und diese führt ebenfalls zu einer inhomogenen Feuchtigkeitsverteilung.
Das Projekt über eine Laufzeit von 18 Monaten hat gezeigt, dass das Simulationsmodell realistische Verhalten sehr gut vorhersagen kann und das Test-Kit des Fraunhofer IZM den Einfluss verschiedener Layout- und Materialoptimierungen von Gehäusen und elektronischen Komponenten eindeutig untersuchbar macht. Dieses Vorhaben kann so nun auf diverse elektronische Bauteile und deren Gehäuse zur Analyse, Bewertung und Charakterisierung der Lebenszeitrelevanz überführt und bereits in der frühen Entwicklungs- und Konzipierungsphase angewendet werden.
Besonders für Produktionsfirmen von Elektronikequipment jeder Art ist das eine Neuheit, denn bisher wurden Ausfälle der Elektronik höchstens durch Erfahrungswerte analysiert, wenn die Elektronik bereits ausgefallen war. Mit den Erkenntnissen der Expert*innen vom Fraunhofer IZM hat das ein Ende und die Dokumentation von Fehlern kann Simulation und Tests vor Inbetriebnahme der Elektronikgeräte zu sicherer und langlebigerer Elektronik inklusive ihrer Gehäuse führen.
Auf der DBU-Jahrespressekonferenz forderten (von oben) DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, Dr. Katrin Anneser sowie der Leiter der Abteilung Umwelttechnik, Felix Gruber, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien die Sektorenkopplung voranzubringen. Deutsche Bundesstiftung Umwelt
DBU-Jahrespressekonferenz – Beispielhafte Praxislösungen Angesichts teils heftiger energiepolitischer Debatten fordert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) einen „klaren Kompass für die Energiewende“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Grüner Strom wird Öl, Kohle und Gas von morgen sein – vom Heizen bis zur Mobilität. Wir müssen neue Wege wagen mit praxisorientierten Innovationen, neuen Technologien und visionären Ideen. Sektorenkopplung ist der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft“, so Bonde heute (Dienstag) auf der digitalen DBU-Jahrespressekonferenz (JPK), abzurufen unter https://www.dbu.de/youtubejahrespk2023/.
DBU-Förderstrategie entlang der Sektorenkopplung
Die intensive Verknüpfung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie ist nach Bondes Worten „unverzichtbar, damit die Energiewende gelingt“. Der DBU-Generalsekretär erinnerte daran, dass Deutschland bis 2045 und die Europäische Union (EU) bis 2050 klimaneutral sein wollen, also nicht mehr klimaschädliche Treibhausgase ausstoßen wollen als gebunden werden kann. „Uns bleiben nur noch wenige Jahrzehnte, um es richtig anzupacken“, so Bonde. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt orientiere deshalb ihre Förderstrategie „entlang der Sektorenkopplung“. Im Blick sind dabei Bonde zufolge unter anderem die Erzeugung nachhaltiger Energie und die Leistung von Verteilnetzen ebenso wie „technologisches Neuland“ bei Strom, E-Mobilität und im Wärmebereich etwa mit der Entwicklung von Speichern. Zugleich führe Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine neben unsäglichem menschlichem Leid zu großer Unsicherheit bei Energieversorgung und -sicherheit. „Die Doppel-Aufgabe besteht darin, Klimaschutzziele zu erreichen und gleichzeitig die Energieversorgung sicherzustellen“, sagte Bonde.
Der DBU-Generalsekretär mahnte einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien (EE) an, wies zugleich aber darauf hin, „dass es mit einem Turbo-EE allein nicht getan ist. Energiesparen, Energieeffizienz, und am besten beides in Kombination mit Circular Economy, also einer umfassenden Kreislaufwirtschaft, sind ideale flankierende Maßnahmen.“ Im vergangenen Jahr betrug der gesamte Endenergieverbrauch in Deutschland laut Umweltbundesamt rund 2.290 Milliarden Kilowattstunden (kWh), also 2.290 Terawattstunden (TWh). Daran hatten erneuerbare Energien einen Anteil von rund 21,8 Prozent, was 500 TWh entspricht. Die beste EE-Bilanz weist der Stromsektor mit einem EE-Anteil von 46,2 Prozent auf; starken Nachholbedarf haben Verkehr mit einem EE-Anteil von 6,8 Prozent sowie Wärme mit 17,4 Prozent EE-Anteil. „Die erneuerbaren Energien brauchen mehr Tempo. Da müssen wir uns mächtig ins Zeug legen“, sagt Felix Gruber, Leiter der DBU-Abteilung Umwelttechnik. Er präsentierte auf der JPK mit Dr. Katrin Anneser aus dem DBU-Referat Energie einige wegweisende von der DBU geförderte Energiewende-Projekte. Gruber: „Allein die Stromerzeugung in Deutschland aus EE-Quellen soll bis 2030 einen Anteil von 80 Prozent haben.“
Weiterentwicklung von Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen
Gruber zufolge müssen regenerative Primärenergien wie Wind, Wasser und Sonne effizienter als bisher genutzt werden. Beim Entwickeln neuer Technologien unterstütze die DBU auch Forschungseinrichtungen wie das Helmholtz-Zentrum in Berlin. Ergebnis: die Weiterentwicklung sogenannter Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen. Die Solarzellen bestehen dabei aus zwei Materialsystemen, Silizium und Perowskit. Denn der Wirkungsgrad der noch marktbeherrschenden Silizium-Solarzellen ist am physikalischen Limit. Durch das Tandem-Bauteil lassen sich indes verschiedene spektrale Anteile des Sonnenlichts in Energie umwandeln. Resultat: Mittlerweile übertreffen Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen mit mehr als 29 Prozent die Wirkungsgrade von herkömmlichen Silizium-Solarzellen. Im Labormaßstab wurde gar ein Effizienzweltrekord von knapp 30 Prozent aufgestellt.
Mehrfache Flächennutzung und effizientere Energieausbeute
Ein anderes Beispiel für doppelte Flächennutzung sind hybride PVT- Wärmepumpensysteme – eine Kombination von solarer Strom- und Wärmeerzeugung mit moderner Wärmepumpentechnik. Herausgekommen ist in einem DBU-Förderprojekt ein hocheffizienter PVT-Sole-Luftkollektor namens Solink, der von oben einem üblichen PV-Modul ähnelt, jedoch auf der Unterseite mit einem Wärmeüberträger ausgerüstet ist. Vorteile: Selbst ohne Sonneneinstrahlung kann sowohl die Abwärme des PV-Moduls genutzt als auch der Umgebungsluft Wärme entzogen werden. Die PVT-Kollektoren sparen zudem Fläche und versorgen dennoch Gebäude mit Strom und Wärme gleichzeitig. Die mehrfache Nutzung von Flächen in Verbindung mit einem dezentralen Versorgungskonzept ist auch Kern eines anderen Sonnen-Projekts der DBU. Anneser: „Wegen des Flächendrucks sollte beim EE-Ausbau die bestehende Verkehrsinfrastruktur genutzt werden. Photovoltaik in Bahngleisen ist zum Beispiel eine ausgezeichnete Option.“ Fahrwegsflächen seien etwa ohne großen zusätzlichen baulichen Aufwand zu verwenden, um dann dezentral Energie direkt ins Bahnstromnetz und anliegende Infrastruktur einzuspeisen. Die Aussichten sind durchaus rosig: Schließlich sind bundesweit rund 10.000 Kilometer Gleise verlegt – viel Potenzial für PV-Kraftwerke.
Künstliche Intelligenz kann bei der Energiewende helfen
Und dass Künstliche Intelligenz (KI) bei der Energiewende helfen kann, stellt der NRW-Betrieb Brinkmann Pumps in einem DBU-geförderten Vorhaben unter Beweis: Mithilfe von KI soll der Energiebedarf von ungeregelten Pumpen reduziert werden. Das könnte auch deshalb Schule machen, weil elektrische Antriebe in Industrie und Gewerbe fast zwei Fünftel des gesamten Strombedarfs in Deutschland verbrauchen.
Am 8. Juli fand die offizielle Amtsübergabe statt. Prof. Roland Lambrette reichte den Staffelstab an Prof. Dr. Mirjam Boggasch weiter. Lukas Klose
Ein Wochenende im Zeichen von Kunst, Design und Musik: Rund 5.000 Besucher:innen nahmen am 8. und 9. Juli 2023 an den Hochschultagen der HfK Bremen teil. Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurden die HfK-Hochschulpreise für herausragende Leistungen in den Studiengängen verliehen.
In der Schnittmenge von Kunst, Musik, Politik, Philosophie, Gestaltung und Wissenschaft zeigt sich das Potenzial der HfK. Die Studierenden der Hochschule für Künste Bremen sind kreative, zukunftsorientierte und kritische Akteure. Sie begegnen den Herausforderungen, Chancen und Krisen unserer Zeit durch künstlerische Entwicklungen, Interventionen und gestalterische Projekte.
Dies hat sich ganz besonders eindrücklich während der Hochschultage gezeigt: Mit einem interdisziplinären Ansatz und durch das Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien, Medien, Technologien und Arbeitsweisen sind vielfältige Projektformate entstanden: „Zu erleben waren über 200 Ausstellungen, Installationen, Vorträge, Mode, Technologien, Performances, Filme, Videokunst und Live-Musik-Darbietungen“, sagt Fabian Brunke, Absolvent und Veranstaltungsmanager der HfK Bremen. „In diesem Jahr haben Studierende, PhD-Kandidat:innen und Absolvent:innen sowohl individuell als auch in Kollektiven ausgestellt“, ergänzt Alumna und Veranstaltungsmanagerin Sue Wendlandt. Gemeinsam mit Elizaveta (Liza) Kovalenko, Alumna der Freien Kunst, und Viacheslav (Slava) Romanov, Masterstudent in den Digitalen Medien, haben sie die Hochschultage organisiert und kuratiert.
Bei der feierlichen Eröffnung der Hochschultage am Samstagmittag, den 8. Juli 2023, waren rund 250 Gäste anwesend. Ein Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung war die Weitergabe des Rektor:innen-Staffelstabs: Prof. Dr. Mirjam Boggasch ist seit dem 1. Juli 2023 Rektorin der HfK Bremen. Im Rahmen der Hochschultage fand nun die offizielle Amtsübergabe statt. Der ehemalige Rektor der Hochschule, Prof. Roland Lambrette, überreichte Boggasch zwei nautische Flaggen mit dazugehörigem Flaggen- und Winkeralphabet. Diese seien dazu gedacht, Boggasch in der Ausführung ihres Amtes zu unterstützen, natürlich in bester Anlehnung an die Hafengeschichte der Überseestadt. Die wichtigsten Signale wie „nein“ und „korrekt“ wurden live auf der Bühne geübt. Boggasch betonte, dass die Hochschultage für sie eine wunderbare Gelegenheit seien, die Bereiche Kunst, Design, Medien und Musik direkt in ihrer Vielfalt kennenzulernen. „Ich freue mich darauf, die Zukunft der HfK Bremen gemeinsam mit den Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden zu gestalten“, so die Rektorin.
Die Verleihung der diesjährigen Hochschulpreise an HfK-Studierende und Absolvent:innen für herausragende künstlerische, musikalische und gestalterische Werke wurden mit Spannung erwartet. In jedem der Studienbereiche Musik, Freie Kunst, Integriertes Design und Digitale Medien wurden Preise vergeben und Belobigungen ausgesprochen.
Hochschulpreise 2023: Übersicht aller Kategorien und Preisträger:innen
Musik
Wegen des durchweg sehr hohen Niveaus erachtete die Jury alle Finalteilnehmer:innen für preiswürdig, sodass dieses Jahr kein erster Preis vergeben wurde.
Solokünstler:innen:
2. Preise
Violinistin Kalliopi Rizou, sie studiert im 6. Semester, Bachelor of Music Begründung der Jury: „Kalliopi Rizou nahm das Publikum und die Jury von Anfang an durch ihre hohe Musikalität gefangen. In Ausdruck und Gestaltung immer sehr differenziert und fein ausgearbeitet, vermittelte sie gleichzeitig stets eine hohe Musizierfreude, die den Zuhörer die Wettbewerbssituation völlig vergessen und in die Musik eintauchen ließ.“
Pianist Kristofer Gjoni, er studiert im 8. Semester, Bachelor of Music Begründung der Jury: „Kristofer Gjoni beeindruckte durch seine große Souveränität, mit der er das technisch wie musikalisch höchst anspruchsvolle Programm gleichsam aus dem Ärmel schüttelte‘. Stilistisch und klanglich äußerst differenziert wusste er zudem durchgehend eine musikalisch dichte Atmosphäre zu schaffen, die Jury und Publikum von der ersten Note an gefangen nahm.“
3. Preis:
Pianistin Wenwen Zhao, sie studiert im 4. Semester, Master of Music Begründung der Jury: „Wenwen Zhao präsentierte sich als äußerst sensible Musikerin, die den verschiedenen Werken ihres Programms ihren jeweils eigenen ‚Ton‘ zu verleihen weiß. Ein hohes stilistisches Verständnis verbindet sich in ihrem Vortrag mit schöner und geschmackvoller klanglicher Differenzierung.“
Ensemble-Preis:
Jazz-Duo Magnus Bodzin (Kontrabass) und Moritz Schöwing (Klavier), sie studieren im 6. und 8. Semester, Bachelor of Music. Begründung der Jury: „Das Jazz-Duo zeigte eine bemerkenswerte musikalische Leistung, die das Publikum und die Jury gleichermaßen begeisterte. Die beiden Musiker harmonierten ausgezeichnet miteinander und schufen mit ihrem Programm aus Jazz-Standards und Eigenkompositionen eine Atmosphäre von hoher Intensität und Emotionalität. Sowohl ihre beeindruckende Virtuosität als auch ihre sensible Interaktion überzeugten auf ganzer Linie.“
Jury: Andreas Gürsching (HfK-Professor für Musiktheorie), Florian Poser (HfK-Professor für Popularmusik und Vibraphon im Jazz), Stefan Veselka (HfK-Professor für Orchester-/Ensembleleitung) und Artem Yasynskyy (Pianist und HfK-Alumnus).
Freie Kunst
1. Platz
Bahareh Hejrankeshrad für „Knots“ (Video, 2023, Klasse Rosa Barba). Sie ist auch in der Klasse von Heike Kati Barath. Jurybegründung: „Gewürdigt wird ihr technisch anspruchsvolles wie poetisches Video, das sich überwiegend in Schwarz-Weiß präsentiert und völlig ohne Ton auskommt, mit einigen Referenzen zum Kunstfilm der 1920er Jahre. Die Arbeit zeigt, wie der Titel bereits anzeigt, taktile Verknotungen und Verflechtungen von Körpern, vorwiegend von Händen und Füßen, die sich vom Körper abstrahieren, sich zu traumhaften Bildern auflösen und einmal mehr eine schon alte Beschreibung der filmischen Bilder bestätigt: nämlich als Äquivalenz zu unseren inneren mentalen Bildern – wie umgekehrt.“
2. Platz
Peng Liu für „That day was 0 degrees. They got chills, if you not inside them” (Video, 2023, Studiengangsübergreifende Klasse Asli Serbest) Jurybegründung: „Der zweite Preis geht an Peng Lui für seine beeindruckende Videoarbeit That Day Was 0 Degree: eine völlig unbewegte Aufnahme eines riesigen Backstein-Speichers gegenüber der HfK zur Spätwinterzeit, in der sich die Schneereste auf dem steilen Dach so ganz allmählich auflösen und Schritt für Schritt in die Tiefe rutschen. Das Video dauert fast sechs Stunden, ist zudem noch in Slow-Motion aufgenommen und wird wohl kaum von jemanden komplett angesehen werden. Aber wenn man einen dieser Momente sieht, wenn der Schnee in Zeitlupe herunterfällt, ist das ein ungemein poetischer Augenblick und macht gerade die langsamen, kaum sonst wahrgenommen Prozesse in der Zeit sehr plastisch erfahrbar.“
3. Platz
Rui Diao für „Hi, Top“ (Mixed Media, 2023, Klasse Katrin von Maltzahn) Jurybegründung: „Der dritte Preis geht an Rui Diao für seine humorvolle wie grotesk strenge Arbeit Hi, Top. Ausgestellt sind zum einen trichterförmige Halskrausen aus Plastik, die eigentlich Hunden verpasst werden, wenn sie sich nicht am Kopf kratzen dürfen. Und wie befremdlich komisch und zugleich selbstverständlich sieht das aus, wenn diese Hundekrausen, wie in dem großformatigen, streng Frontal Ansichten Foto, vor Wald- und Wiesenhintergrund zu sehen, von Menschen getragen wird, deren Gesichter allenfalls noch schemenhaft zu erahnen sind und die bestenfalls noch nach oben schauen können. Probiert es doch selbst aus anhand der ausgestellten Hundekrausen, verwandelt Euch und schickt ein Foto an den Künstler – so die explizite Anleitung. Wie fühlt es sich damit an und welche Assoziationen habt ihr?“
Lobende Erwähnungen gab es für
Johanna Baumgarts „Pläne und was aus ihnen wurde“ (Mixed Media, 2023, Klasse Andree Korpys/Markus Löffler), „auf denen polizeiliche Anzeigen und gerichtliche Vorladungen gedruckt sind, wiederum vor dem Hintergrund aus geschöpften Papier, das genau aus denjenigen von den Behörden vernichteten Plakaten entstanden ist, die zu den Aktionen und Demonstrationen aufriefen, die eben zu diesen staatlichen Repressionen geführt haben – eine im wörtlichen wie übertragenen Sinn vielschichtige Arbeit“, so die Jury.
Die kollektive Arbeit „Temporary Archive“ (Klasse Asli Serbest) für „die sehr subtile, beziehungsreiche und dabei stimmige Präsentation“, so die Jury.
Harumi Miyatos „Tulpe“ (Malerei/Assemblage, Klasse Stephan Baumkötter) „als malerisches Experiment mit dem alten Genre des Blumenstilllebens; ein ohne Frage sehr schönes und fein gemaltes Bild, das aber als Assemblage aus Alltagspapier zugleich gebrochen ist“ (Jurybegründung).
Kollektive Installation „Garten schaffen, Berge bauen, Wasser organisieren“ (Klasse Ingo Vetter) „Ihr Material besteht aus bunten Kleidermüll und Bergen aus Papiermüll, der sonst in den Prozess des Recyclings gekommen wäre, aber hier herausgenommen und, nicht zuletzt nach dem Vorbild japanischer Gartenkunst, in einen bewässerten Garten verwandelt wurde: angesichts des fatalen Anthropozäns und seines Klimawandels eine zumindest an diesem temporären Ort real werdende Utopie der Möglichkeit einer neuen Lebenswelt.“ (Jurybegründung)
Jury: Dr. Annett Reckert (Kuratorin Kunsthalle Bremen), Ingo Clauß (Kurator Weserburg Museum für moderne Kunst), Dr. Frank Schmidt (Direktor Museen Böttcherstraße) und Nadja Quante (künstlerische Leiterin des Künstlerhaus Bremen).
Integriertes Design
1. Platz
Yuan Lin für „Die Übersee Tour or The Overseers’ Tour“, ortsspezifische Performance Jurybegründung: „Mehrere der in diesem Jahr nominierten Projekte bringen ein allgemeines Gefühl der Vereinzelung, der Entwurzelung und der Ratlosigkeit zum Ausdruck. Yuan Lins Performance gehört zu diesen Arbeiten. In ihrer Guided Tour dieses Gebäudes, seiner Geheimnisse, seiner hallenden Flure und seiner einen einsamen Dallmayer Kaffeemaschine wird dieses Grundgefühl jedoch plötzlich sowohl konkret als auch komisch.
Mit einer enthusiastischen Freundlichkeit, die irgendwann ins Unheimliche kippt, richtet Yuan die Aufmerksamkeit der Tourteilnehmer:nnen auf dysfunktionale Details, strukturelle Probleme und auf ihre eigenen hartnäckigen Versuche, einen Sinn in der als grotesk erlebten Wirklichkeit zu finden. Aus der Perspektive einer Fremden leistet Die Übersee Tour eine intelligente Bestandsaufnahme, nicht nur des Studiums an der HfK, seiner verschachtelten Verwaltung und obskuren Mechanismen, sondern auch der Desillusion einer Generation. Sie macht komplexe gesellschaftliche und seelische Zusammenhänge nachvollziehbar und zugänglich. Die Jury war besonders beeindruckt von der radikal humorvollen Behandlung dieser Themen. Yuan bricht zu keinem Augenblick mit der Rolle des peinlich bemühten Tour Guides. Komik wird hier zu einer Ermächtigungsstrategie, die plötzlich Räume schafft für freies Spiel und poetische Assoziation, besonders dann, wenn Yuan unvermittelt anfängt zu singen.“
2. Platz
Anna Zineli, Ruben Lyon, Christine Claussen, Qi Jin, Cora Stam, Ilona Karacsony, Vassilissa Gorbacheva, Vera Tolmatsova, Magdalena Otto, Erik Wälz, Andrej Denisow, Leona Heerbaart, Guillermo Marcelo Bolentini Bada, Janusz Kendel, Simon Krüger, Fan, Chen Shao, Joshua Rödel, Ivett Kallai, Marcel Effner, Markus Meier, Isa Kleinhempel, Lennart Heuser, Louisa Beßling, Lisa Spetzler, Tristan Keyers, Petra Tjandra, Wahida Soulemane, Boyang Xia, Hye Sun Yoo, Helise Gomes Oliveira, Josephine Beste u. a. für „Bunker Requiem - NO MORE WAR“, kollektive Konzertperformance am Denkort Bunker Valentin.
Jurybegründung: „Dieses außerordentlich ehrgeizige Projekt, das die Interdisziplinarität der HfK beeindruckend belegt, bringt über 30 Studierende aus verschiedenen Fachbereichen und Studiengängen zusammen. Unter der künstlerische Leitung von Raphael Sbrzesny, HfK-Professor für Kreation und Interpretation mit den Schwerpunkten Sound, Performance und Konzept, und Felix Elsner, HfK-Professor für Musikpädagogik, aktivieren die Studierenden die monumentalen Hallen des Bunkers Valentin mit einer sich stetig verändernden Choreographie von Schattenspielen, performative Gesten und Klangkompositionen. Das Ineinandergreifen der verschiedenen Disziplinen führt zu einer Vielfalt von überraschenden gestalterischen Ansätzen. Die Jury war besonders beeindruckt von der ruhigen, fast kontemplativen Haltung, mit der auf die brachiale Präsenz des Bunkers geantwortet wird. In einer Zeit der zunehmenden Normalisierung autoritärer und nationalistischer Haltungen führt das Bunker Requiem einen sensiblen und bewegenden Umgang mit einem historischen Ort vor, der die Grausamkeit des deutschen Faschismus direkt erfahrbar macht.
Das Bunker Requiem vermeidet es dabei, das schon Bekannte didaktisch zu wiederholen. Auch widersteht es der Versuchung, das gewaltige Gebäude zu ästhetisieren. Stattdessen bietet es einen neuen Umgang mit und Zugang zu dem bekannten Denkort. Das Engagement der Studierenden und die große Dringlichkeit, die dieses Projekt für sie hatte, wurde in der gestrigen Präsentation für die Jury eindrucksvoll spürbar.“
3. Platz
Mirja Kuberka für „Die Kirche im Dorf“, Fotoarbeit Jurybegründung: „Durch das Medium der Architekturfotografie und der Buchpublikation, fängt Mirja Kuberka ein komplexes, und hochaktuelles Thema mit unaufgeregter Präzision ein: die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft, wie sie an der immer üblicher werdenden Umwidmung, oder auch ,Profanisierung‘, religiöser Gebäude sichtbar wird. An die Stelle heiliger Orte und Rituale tritt das Fitness Center, die Kita oder das als hoch-individualisiertes Bohème-Loft gedachte private Domizil. Mirjas Fotografie ist technisch kompetent und sachlich. Sie kombiniert die gesellschaftliche Analyse souverän mit Handwerk und ästhetischer Sensibilität. Bei näherer Betrachtung treten subtile Narrative und Beobachtungen in den Vordergrund. Besonders beeindruckt war die Jury von der Übersetzung der fotografischen Arbeit in eine sorgfältig durchdachte Buchpublikation, die Grafik, Buchgestaltung und Fotografie einfühlsam und kompetent vereint.“
Eine lobende Erwähnung geht an Anisha Gatters Raum mit „(Männerfantasien) & Body Boulder Wall“, Installation
Jurybegründung: „In ihrer Installation greift Anisha Gattnar einen unterrepräsentierten Aspekt der heute allgemein idealisierten Gegenkultur der 60er Jahre auf: die sexistischen und oft sadistischen Fantasien, die als Begleiterscheinung der sexuellen Revolution die alternativen Publikationen dieser Zeit überfluteten. Sie stellt eine überraschende Verbindung her zwischen dieser dunklen Seite der Befreiung und der von Klaus Theweleit beschriebenen sexistischen und sadistischen Konditionierung soldatischer Männlichkeit zwischen den Weltkriegen.
Anisha hat das an der HfK beherbergte Archive of Independent Publishing nach sexuell eindeutigen Darstellungen durchforstet und diese zu einem Tapetenmuster kombiniert. Es entsteht dadurch eine visuell beeindruckende und verstörende Installation. Gleichzeitig tritt dabei eine feministische Haltung in den Vordergrund, die es sich aus der historischen Distanz leisten kann und will, die Komik und das Jämmerliche in dieser geballten Menge von negativen Männerfantasien zu sehen und sie mit Humor zu entmächtigen.“ Jury: Julia Bulk (Direktorin Wilhelm Wagenfeld Haus, Bremen), Mathias Lempart (Künstler, Grafik-Designer, Mitbegründer des Shortnotice Studios) und Anna Bornhold (Schuhdesignerin).
Digitale Medien
1. Platz
Nilufer Musaeva mit „These URLs will save the IRL“, sie studiert im 6. Semester, Master of Arts
Jurybegründung: „Wir schätzen die Bemühungen, ein wichtiges Thema, mit dem viele Studierenden konfrontiert sind, in einer umfassenden Recherche, die mehrere Formate und Medien umfasst, anzugehen. Das Buch ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit Studierenden anderer Kunsthochschulen, einer internen Untersuchung an Kunsthochschulen in Deutschland und einer Frankenstein-Website, die aus einer Topliste unzugänglicher Module anderer Kunsthochschul-Websites besteht. Die Schwierigkeit der Zugänglichkeit von Ressourcen und Wissen in Bezug auf Kunstausbildungseinrichtungen in Deutschland wird in ihrer Arbeit auf komische und prägnante Weise transparent gemacht.“
Juan Camilo Luque mit „softLimits“, studiert im 6. Semester, Master of Arts Jurybegründung: „Juans Werk Soft Limits fällt direkt ins Auge. Die Idee, eine Garnschlaufe durch einen selbstgebauten Schnurschützen zu schießen, scheint auf den ersten Blick einfach. Die Interaktion zwischen zweien von ihnen macht daraus jedoch eine schöne Choreografie, die sich sehr menschlich anfühlt. Die reduzierte Ausführung des Werks lässt genügend Raum für Fantasie, Interpretation und Projektion und unterstreicht das poetische Potenzial der Installation. Auch wenn die Saiten nicht darauf programmiert sind, sich zu berühren, berührt dieses Kunstwerk einen selbst.“
3. Platz
Soo Hyun Ryu mit „Phantom Tail“, studiert im 6. Semester, Bachelor of Arts Jurybegründung: „Das Werk von Soo Hyun spricht den anhaltenden Diskurs über menschliche und nicht-menschliche Beziehungen auf eine direkte und fesselnde Weise an. Mit einer einfachen Geste, vom Konzept, das sich auf das Phänomen der Phantomschmerzen bezieht, bis hin zu seiner komplexen Ausführung, stellt das Projekt die schwer zu fassende Frage, was es bedeutet, überhaupt ein Mensch zu sein. Es erinnert uns an unsere vergangenen Iterationen und spekuliert gleichzeitig über die zukünftige Koexistenz mit (Nicht-)Menschen.“
Der von der Universität und HfK Bremen ausgelobte Preis für eine interdisziplinäre Arbeit geht an „WeCookit and WeEatit“ von Asif Md. Siddiqui, Ravi Kakadiya, Nazia Nusrat Ima, Debaditya Bhowmik (Studierende Digitale Medien Universität Bremen) sowie Julia Vollmer, Jimmy Dao Sheng Liu, Nathalie Gebert, Alberto Salgado Harres, Chi Him Chik, Hsun Hsiang Hsu (Studierende Digitale Medien HfK Bremen) und Meyna Souza (Studierende Integriertes Design HfK Bremen).
Jurybegründung: „We Cook it drückt eine kohärente Zusammenarbeit zwischen der Uni und der HfK aus. Das Projekt der Gruppe zeigt einige der strukturellen Probleme auf, die in der Hochschule nicht angegangen werden, und wir schätzen die Initiative und das Engagement der Studierenden, eine Lösung zu finden. Die kontinuierliche Zusammenarbeit, Woche für Woche, spricht nicht nur durch das Ergebnis, sondern auch durch den Prozess und den Austausch, der sonst vielleicht nicht stattfinden würde. Durch die Würdigung des internationalen Kontextes und der gemeinschaftlichen Betreuung zeigt das Projekt das Potenzial, in verschiedene Richtungen zu wachsen.“
Lobende Erwähnungen gehen an
Qianxun Chens für „A Message Lies Between the Cracks” Jurybegründung: „Wir waren fasziniert von Qianxuns kohärentem Prozess und seiner akribischen Suche nach prophetischen Inhalten durch absichtliche und doch gewöhnliche Reiskörner.“
Vivian Hernandez für „Liquid Poems”
Jurybegründung: „Wir möchten Vivian Hernandez' Arbeit Liquid Poems würdigen, da sie die Geschichten der kolumbianischen Flüsse und ihrer Gemeinden einfühlsam und poetisch mit ihrem eigenen Migrationsprozess verbindet. Es zeigt ein großes persönliches Engagement für den laufenden Forschungsprozess sowie eine rücksichtsvolle Reflexion ihrer eigenen Position innerhalb dieses Prozesses, und wir freuen uns darauf, die weitere Entwicklung des Werks zu beobachten.“
Jimmy Dao Sheng Lius für „The Memory Radio”
Jurybegründung: „Das Memory Radio präsentiert durch seine interaktive und spielerische Oberfläche das Gedächtnis in einem ansprechenden und doch geheimnisvollen Kontext."
Clemens Hornemanns für „Automated Ritual no.1”
Jurybegründung: „Wir schätzen die gute Ausführung und Präsentation des Werks, insbesondere die Nutzung des Raums, um das Klangerlebnis zu verbessern. Clemens Arbeit ist eine intensive Reflexion über den Begriff des Wertes, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet, sowohl durch den Kontext als auch durch das performative Ergebnis.“
Jury: Bruno Christofoletti Barrenha (Film-, Video-, Installations-, Klang- und Archivkünstler), Irena Kukrić (Bühnenbildnerin, Medienkünstlerin, Forscherin), Maximilian Kiepe (Webdesigner und -entwickler), Guida Ribeiro (digitale Künstlerin und Webentwicklerin), Hakeem Adam (Digitalkünstler und Autor) sowie Henrik Nieratschker (Künstler, Designer, Kurator).
Über die Hochschule für Künste Bremen
Rund 1.000 Studierende aus über 50 Ländern, 76 Professor:innen, 86 Mitarbeiter:innen der Verwaltung und mehr als 150 Lehrbeauftragte machen die Hochschule für Künste Bremen zu einem lebendigen Ort. Die HfK ist eine Hochschule der scheinbaren Gegensätze. Sie ist regional verankert und doch extrem international ausgerichtet. Sie erstreckt sich über verschiedene Standorte der Stadt, die sehr unterschiedlich sind, von klassizistisch bis schwimmend und zeitgenössisch. Sie ist Kunst- und Musikhochschule zugleich. Dieser Kontext, der die Hochschule ausmacht, ist von besonderer Qualität und bildet einen Rahmen, der es ermöglicht sowohl die kollektive als auch die individuelle künstlerische Entwicklung zu stärken.
Das Studienangebot umfasst die Freie Kunst, Integriertes Design, Digitale Medien sowie die Künstlerische und Künstlerisch-Pädagogische Ausbildung Musik. Die HfK bietet darüber hinaus seit 2020 die Möglichkeit, im Rahmen des künstlerisch-wissenschaftlichen PhD-Programms, insbesondere in den Schwerpunktbereichen Integriertes Design und Digitale Medien, zu promovieren. Durch offene Lehrveranstaltungen und gemeinsame Prüfungsbetreuungen sowie durch die Werkstätten, Studios und thematische Projekte werden Dialog und Zusammenarbeit gezielt gefördert. Mit rund 400 Veranstaltungen im Jahr gehört die HfK zu einer kulturellen und gesellschaftlichen Säule der Stadt Bremen. Die Beziehung zwischen den Mitgliedern der Hochschulgemeinschaft, ihre vielfältigen Kooperationen, die engmaschige Betreuung sowie die verschiedenen regionalen und internationalen Kollaborationen, tragen dazu bei, dass die Studierenden sich zu starken individuellen Charakteren entwickeln. So entstehen letztendlich Arbeiten, die hohe gesellschaftliche Relevanz haben.
Prof. Dr. Ralf Oetinger bei der Begrüßung der studentischen Teams am Fraunhofer IBMT, Sulzbach. Fraunhofer IBMT
Studentische Teams der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der htwsaar stellen sich mit ihren innovativen Geschäftsideen für Start-ups in sechs Pitches einer hochkarätigen Jury
Heutzutage ist es wichtiger denn je, gute Ideen aus der Hochschullandschaft heraus in die industrielle Umsetzung zu bringen. Nicht jede Idee eignet sich jedoch tatsächlich dazu, ein Start-up zu gründen. Es braucht neben einem ausgereiften technischen Ansatz auch einen gut durchdachten Businessplan und Marktkenntnis, um eine reale Chance auf eine sich finanziell tragende Umsetzung zu haben.
Eine Schnittstelle der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htwsaar) mit der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und des im Saarland langjährig in Forschung und Entwicklung erfahrenen Fraunhofer- Instituts für Biomedizinische Technik IBMT ist in diesem Zusammenhang in persona Prof. Dr. Ralf Oetinger. Professor Oetinger hält eine Brückenprofessur von der htwsaar zum Fraunhofer IBMT inne, wo er den Bereich Geschäftsprozesse und Technologiebewertung leitet. Er bildet die Studierenden in der Fakultät der htwsaar nicht nur zu Ingenierinnen und Ingenieuren aus, sondern vermittelt ihnen in seiner Vorlesung zur Unternehmensführung zusätzlich die Fähigkeiten, die benötigt werden, gute Ideen auch in den Markt zu bringen. Technologietransfer ist das Zauberwort.
Hochkarätige Jury bewertet die Pitches der Businessideen
So fanden sich am 11. Juli 2023 sechs studentische Teams der htwsaar à je fünf Personen mit ihren im Sommersemester 2023 erworbenen Kenntnissen im Themengebiet Unternehmensführung im großen Seminarraum des Fraunhofer- Instituts für Biomedizinische Technik IBMT an dessen Hauptsitz in Sulzbach ein. Ihre Mission - ihre Businesspläne für eine ausgearbeitete Geschäftsidee aus ihrem technischen Studium einer sechsköpfigen Jury vorzustellen und so eine fachkundige Einschätzung/Bewertung ihrer innovativen Idee hinsichtlich der Technikreife, Marktchance und Umsetzbarkeit zu erhalten. In den Pitches deckten die angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure der Jury alle relevanten Aspekte ab.
Die Jury bestand aus einem Vertreter der SIKB, Herrn Andreas Wehr, Investment Management, der seinen Fokus auf die Finanzierung und Marktchancen der Geschäftsidee richtete, Herrn Peter Hirschmann, Fa. WOLL Maschinenbau, der den Aspekt der Unternehmensgründungen aus Sicht der Unternehmensleitung abdeckte, Frau Ass. jur. Melanie Jacobi, am Fraunhofer IBMT verantwortlich für juristische Dienstleistungen und Personal, Prof. Dr.-Ing. Moritz Habschied, htwsaar, Fachbereich Werkstoffkunde für die Technik sowie Prof. Dr. Ralf Oetinger, Leiter Technologiebewertung und Geschäftsprozesse am Fraunhofer IBMT und Lehrstuhl für Unternehmensführung an der htwsaar, der die vorgestellten Projekte auf die jeweilige Geschäftsidee, Innovationshöhe und Marktgängigkeit bewertete.
In den Pitches standen die sechs Teams der Jury Rede und Antwort und so konnten am Ende des interessanten Tages drei besonders überzeugende Geschäftsideen mit einer Empfehlung der Jury zur Weiterverfolgung ausgezeichnet werden.
Die beste Geschäftsidee bestand in der Entwicklung eines Exoskeletts, das sich beim Sturz versteift und so Motorradfahrer vor Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule schützen soll. Die beiden anderen Geschäftsideen bezogen sich auf den Aufbau eines Dienstleistungsunternehmen im Bereich zerstörungsfreier Messverfahren sowie auf die Entwicklung und Produktion innovativer Bürsten für technische Reinigungsaufgaben ohne Wasserzusatz.
Für das Fraunhofer IBMT nahm darüber hinaus der stellvertretende Leiter der Abteilung Ultraschall, Dr. Marc Fournelle, teil. In einem interessanten Vortrag über die zukunftsweisenden Technologien des Instituts im Bereich des Ultraschalls von biomedizinischen Anwendungen über technische Einsatzmöglichkeiten bis zum Sonar, zeigte Dr. Fournelle, wie man in einem Fraunhofer-Institut der angewandten Forschung und Entwicklung Ideen bis hin zu marktreifen Prototypen und Systemen entwickelt und einen Technologietransfer in die Industrie bewerkstelligt.