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BAMF-Forschungsdatenzentrum: Erweitertes Datenangebot eröffnet neue Möglichkeiten für die Integrationsforschung

Das Forschungsdatenzentrum des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge
(BAMF-FDZ) stellt der Wissenschaftsgemeinschaft künftig ein erweitertes
Datenangebot zur Verfügung: Ab sofort können Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler für ihre Forschungsvorhaben im BAMF-FDZ auch Daten zu
Berufssprachkursen sowie Datensätze aus eigenen Forschungsprojekten des
BAMF-Forschungszentrums anfragen.

Bereits seit Sommer 2021 können Forschungsfragen zu Migrations- und
Integrationsthemen mit Unterstützung des Forschungsdatenzentrums im
Bundesamt mit anonymisierten Mikrodaten des Ausländerzentralregisters
(AZR) beantwortet werden. Zudem können seither für wissenschaftliche
Befragungen auf Antrag auch Kontaktdaten aus dem AZR bereitgestellt
werden. Mit dem jetzt erweiterten Angebot der Datensätze zu
Berufssprachkursen sowie Befragungsdaten des BAMF-Forschungszentrums
eröffnet das FDZ neue Zugänge zu qualitativ hochwertigen und relevanten
Daten als Grundlage für neue Forschungsprojekte zu Migrations- und
Integrationsprozessen.

Erstmals Daten zu Berufssprachkursen für die Forschung zugänglich

Kurse zur berufsbezogenen Deutschsprachförderung werden in Deutschland
seit 2016 von verschiedenen Kursträgern und mit finanzieller Förderung des
BAMF angeboten. Ziel der Berufssprachkurse (BSK) ist es, die
Arbeitsmarktintegration Zugewanderter zu verbessern. Für wissenschaftliche
Studien und Befragungen können im FDZ nun im Kontext der BSK erhobene,
anonymisierte Daten sowie Kontakdaten von BSK-Teilnehmenden zugänglich
gemacht werden.

Neue Perspektiven für die Integrationsforschung

Die anonymisierten BSK-Forschungsdatensätze ermöglichen Analysen zu
individuellen und gemeinsamen Merkmalen der Teilnehmenden in
Berufssprachkursen, beispielsweise können die Kurszusammensetzung oder der
individuelle Kursverlauf betrachtet werden. Durch die Bereitstellung der
Kontaktdaten können eigene wissenschaftliche Befragungen, etwa zum Kurs-
oder Integrationsverlauf unterstützt werden. Der Datenzugang ist aufgrund
der Sensibilität der Daten eingeschränkt und wird im Rahmen des
Antragsverfahrens geprüft.

„Die Forschungsdaten zu Berufssprachkursen ermöglichen detaillierte
Auswertungen mit administrativen Daten zu Integrationskursen in
Deutschland. Die Daten umfassen alle Kursjahre seit 2016. Die zusätzliche
Möglichkeit auch eigene Befragungen durchzuführen verbessert die
Möglichkeiten der Intergrations(kurs)-Forschung und damit den aktuell
hochrelevanten wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn im Bereich der
Integration“, sagt Dr. Marie-Christine Laible, Leiterin des BAMF-FDZ.

Nun auch Datensätze des BAMF-Forschungszentrums im Bestand

Mit der Bereitstellung der Forschungsdatensätze zur Studie „Ausgewählte
Migrantengruppen in Deutschland“ (RAM 2015) nimmt das FDZ erstmals eigene
Befragungsdaten des BAMF-Forschungszentrums in sein Angebot. Mit den RAM
2015-Daten können Forschende Fragen zur Integration von vier verschiedenen
Gruppen von Migrantinnen und Migranten analysieren.

Die Repräsentativuntersuchung aus dem Jahr 2015 nimmt türkische, polnische
und rumänische Staatsangehörige (die nicht zugleich Deutsche sind) sowie
Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund in den Fokus. Mittels einer
bundesweiten und zufallsbasierten Stichprobenziehung aus 89
Einwohnermeldeämter wurden 2.498 Personen der oben genannten Gruppen zu
Themen wie schulische Bildung, Berufsausbildung, Wohnsituation und
Partizipation befragt. Die RAM 2015-Daten ermöglichen beispielsweise die
Untersuchung verschiedener Aspekte der Integration von ausgewählten
Migrantengruppen, eine vergleichende Untersuchung von deutschen
Staatsangehörigen mit türkischem Migrationshintergrund und Personen mit
türkischer Staatsangehörigkeit sowie die Betrachtung der Lebenssituation
polnischer und rumänischer Staatsangehöriger in Deutschland. Zudem stehen
auch Informationen zu den Interviewenden zur Verfügung.

Die sukzessive Aufnahme weiterer Befragungsdaten von Erhebungen des BAMF-
Forschungszentrum ins BAMF-FDZ ist geplant.

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Flaschenpostsendungen: Briefe des Meeres

Nostalgie und Seefahrtsromantik schwingen mit, wenn Menschen im Sand oder
auf See Flaschen mit Botschaften finden. Im Deutschen Schifffahrtsmuseum
(DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte erzählt die
Umwelthistorikerin Dr. Katrin Kleemann in der Impulsvortragsreihe
„Highlight am Sonntag“ am 18. Juni, wie die schwimmenden Briefe einst
halfen, Meeresströmungen zu kartieren. Gäste, die eigene Fundbotschaften
mitbringen und diese vorstellen, erhalten freien Eintritt.

Wenn Andreas Klenck am Strand spaziert, dauert es nicht lange, bis er
einen Stock zur Hand nimmt und im Schlick stochert. Die Sehnsucht ist
stets da, wieder Post zu finden – Flaschenpost. „Als Kind habe ich am
Wremer Tief eine Flasche aus Córdoba gefunden – natürlich habe ich
zurückgeschrieben, allerdings nie eine Antwort bekommen.“ Seither ist
Klencks Jagdfieber entfacht. Er holte sich Tipps von einem „Profi“ und
wurde selbst zum Absender. „Ein Kutterfischer aus Dorum brachte es in
seinem Seemannsleben auf eine ganze Kiste voll mit Flaschenpostbriefen. Er
riet mir, die Flaschen bei ablaufendem Wasser und ablandigem Wind
einzusetzen, damit sie genügend Zug haben, um ins Meer zu ziehen“, sagt
der 58-Jährige, der im DSM an der Kasse arbeitet. Als er vor wenigen
Jahren mit seinen Patenkindern gut verkorkte Weinflaschen mit einer Karte
und der Adresse der Kinder losschickte, freuten sich diese sechs Monate
später über Post aus Großbritannien. „Man weiß nie, ob eine Antwort kommt.
Aber wir blieben dran und verschicken weiter vom Wremer Tief. Eine andere
Flasche schaffte es innerhalb von neun Monaten nach Norwegen. Die Kinder
in Deutschland und Norwegen schreiben sich nun regelmäßig – auf dem
Postweg – und wollen sich mal besuchen.“

Geduld und Entschleunigung gehören zur Flaschenpost wie Wasser und Wind.
2018 stolperte ein Paar am Strand von Wedge Island, etwa 150 Kilometer
nördlich vom westaustralischen Perth über eine Flasche, die am 12. Juni
1886 von der Barke PAULA ins Meer ausgeworfen wurde. Die Absender hatten
nicht in erster Linie den blinden Kontakt in die Welt gesucht, sondern
verfolgten wissenschaftliche Ziele: „Georg Neumayer, Gründer der Deutschen
Seewarte in Hamburg – Vorläufer des Bundesamts für Seeschifffahrt und
Hydrographie (BSH) sowie des Deutschen Wetterdiensts – warf ab 1864
Flaschenpostsendungen in die Ozeane, um die Meeresströmungen
nachzuvollziehen. Das australische Fundstück ist eine von den Flaschen,
die im Namen der Deutschen Seewarte über Bord geworfen wurden. Sie war
also 131 Jahre unterwegs“, weiß Dr. Katrin Kleemann, Expertin für die
Geschichte der Deutschen Seewarte am DSM. Verspätet, aber nicht zu spät
ist die Sendung, denn sie ergänzt die Datensammlung der einstigen
Deutschen Seewarte noch immer.

Das DSM ist in Besitz von historischen Strömungskarten, die früher durch
gefundene Flaschenpostsendungen ermittelt wurden. In einem Kurzvortrag am
Sonntag, 18. Juni, ab 15 Uhr in der Kogge-Halle zeigt Kleemann die
Dokumente und Fotos von Flaschenpostsendungen des Bundesamtes für
Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Teilnehmende, die selbst
Flaschenpostsendungen gefunden haben, können diese mitbringen, zeigen und
von ihren Erfahrungen erzählen – im Gegenzug erhalten sie freien Eintritt.

Das Wissen über die Meeresströmungen und Winde nutzten Schiffe schon
zeitig, um quasi über einen Schnellweg die Ozeane zu überqueren.
„Üblicherweise enthielten die Flaschen Vordrucke, auf denen das Datum des
Auswurfs, der Name des Schiffes sowie des Kapitäns vermerkt waren. Auf der
Rückseite sollte der Finder ausfüllen und dokumentieren, wann und wo die
Botschaft gefunden wurde. Die Person konnte die Antwort in der deutschen
Botschaft eines jeden Landes abgegeben oder direkt an die Deutsche
Seewarte nach Hamburg schicken“, weiß die Wissenschaftlerin. Nicht bekannt
ist, wie viele Flaschen Neumayer damals aussetzte. Die Chancen, an Küsten
und Stränden über eine Flasche zu stolpern, sei in jedem Fall gegeben,
vermutet Kleemann. Das weiß auch Andreas Klenck. Wenn der Sturm sich
draußen legt, dann zieht es ihn an den Strand. „Es ist ansteckend und ich
kann nicht mehr davon lassen. Die Hoffnung ist immer da, dass ich wieder
eine Botschaft finde.“

Vortragsreihe „Highlight am Sonntag“ am Sonntag, 18. Juni, 15 Uhr in der
Kogge-Halle zum Thema Flaschenpost und Strömungskarten. Teilnahme im
Museumseintritt enthalten, 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.

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Im Auftrag der Vielfalt - Neu entdeckte Wespenart nach Ministerpräsident Winfried Kretschmann benannt

Die Wespe Aphanogmus kretschmanni.  Marina Moser  SMNS
Die Wespe Aphanogmus kretschmanni. Marina Moser SMNS

Die Erforschung neuer Arten wird durch den voranschreitenden Verlust der
Biodiversität zum Wettlauf gegen die Zeit. Im Rahmen der Landesinitiative
„Integrative Taxonomie“ widmet sich das Naturkundemuseum Stuttgart der
Erfassung der Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg. Dass es selbst
in Deutschland noch viel zu entdecken gibt, zeigt eine Wespe, die Marina
Moser, Doktorandin am Naturkundemuseum Stuttgart in Baden-Württemberg
entdeckt und nach Ministerpräsident Winfried Kretschmann benannt hat: Die
neue Wespenart trägt den Namen Aphanogmus kretschmanni. Im
Naturkundemuseum Stuttgart wurde die neue Art heute vorgestellt und dem
Ministerpräsidenten ein Modell der Wespe überreicht.

Die Erforschung neuer Arten wird durch den voranschreitenden Verlust der
Biodiversität zunehmend zum Wettlauf gegen die Zeit. Im Rahmen der
Landesinitiative „Integrative Taxonomie“ widmet sich das Naturkundemuseum
Stuttgart verstärkt der Erfassung der Tier- und Pflanzenarten in Baden-
Württemberg. Dass es selbst in Deutschland noch viel zu entdecken gibt,
zeigt eine zuvor unbekannte Wespe, die Marina Moser, Entomologin und
Doktorandin am Naturkundemuseum Stuttgart in Baden-Württemberg entdeckt
und nach Ministerpräsident Winfried Kretschmann benannt hat: Die neue
Wespenart trägt den Namen Aphanogmus kretschmanni. Im Rahmen der
Veranstaltung „Im Auftrag der Vielfalt“ im Naturkundemuseum Stuttgart am
27.04.2023 wurde die neue Art vorgestellt und dem Ministerpräsidenten ein
Modell der Wespe überreicht.

„Neben der persönlichen Ehre der Benennung freut es mich einfach sehr,
dass mit der Entdeckung der neuen Art die Landkarte der bisher noch
unbekannten Insekten nicht mehr ganz so weiß ist. Deshalb haben wir im
Land die Initiative Integrative Taxonomie aufgelegt. Sie hilft uns, Arten
neu zu entdecken, zu bestimmen und Zusammenhänge zwischen ihnen zu
verstehen. Denn wir können die Artenvielfalt nur bewahren, wenn wir
überhaupt wissen, welche Arten wir haben. Darum ist diese Arbeit so
wertvoll“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

„Auch das Wissen um die Artenvielfalt droht auszusterben: Artenkennerinnen
und Artenkenner stehen auf der Roten Liste. Doch Artenwissen ist Grundlage
für einen effektiven Naturschutz und für das gezielte Management unserer
Schutzgebiete. Mit ihrem umfangreichen Programm zur Fort- und
Weiterbildung macht die Umweltakademie Nachwuchs-Artenkennerinnen und
Artenkenner fit für die ehrenamtliche und professionelle Arbeit im
Naturschutz“, erklärte Umweltministerin Thekla Walker.

Auch das Naturkundemuseum Stuttgart und die Universität Hohenheim
engagieren sich stark in der taxonomischen Forschung und Lehre zum Schutz
der biologischen Vielfalt. „Die Sammlungen als Archive des Lebens bilden
die Grundlage unserer Forschung am Naturkundemuseum. Wie spannend die
Forschung an der unbekannten Artenvielfalt vor der Haustür sein kann,
zeigt unsere Entdeckung von Aphanogmus kretschmanni. Doch wir erfassen und
analysieren nicht nur die Artenvielfalt, sondern bilden im Rahmen der
Landesinitiative Integrative Taxonomie auch den wissenschaftlichen
Nachwuchs aus“, so Prof. Dr. Lars Krogmann, der Direktor des
Naturkundemuseums Stuttgart.

Die neu entdeckte parasitoide Wespe ist eine echte Baden-Württembergerin.
Die neue Art wurde von den Wissenschaftler*innen des Museums inzwischen an
drei Standorten auf Streuobstwiesen im Land gefunden. Parasitoide Wespen
halten durch ihre Lebensweise als Gegenspieler anderer Insekten die
Ökosysteme im Gleichgewicht, sind durch die Abhängigkeit von bestimmten
Wirtsinsekten aber überproportional vom Insektensterben betroffen. Umso
mehr freut die Forschenden die Entdeckung der neuen Wespenart, die zudem
durch besondere Merkmale gekennzeichnet ist. Durch eine Reihe auffälliger
Stacheln am Hinterleib unterscheidet sich das kleine Insekt von allen
bisher bekannten Arten. Das Funktionsprinzip solcher ungewöhnlichen
Strukturen könnte in Zukunft, so die Wissenschaftler*innen, beispielsweise
in der Bionik als hocheffizientes Werkzeug zur Anwendung kommen.

„Mit der Benennung der neuen Wespe nach Herrn Ministerpräsidenten
Kretschmann möchten wir seine wissenschaftliche Neugier und seinen
unermüdlichen Einsatz für den Erhalt der Biodiversität ehren. Sein
Engagement für die Landesinitiative „Integrative Taxonomie“ hat die
Biodiversitätsforschung in Baden-Württemberg deutlich vorangebracht. Die
Wespe Aphanogmus kretschmanni ist hoffentlich erst der Anfang von vielen
großen Entdeckungen vor Ort”, sagte Marina Moser.

Die Bedeutung der Vernetzung von Forschung und Lehre im Bereich Taxonomie
sowie der Ausbildung von Artenschutzfachleuten betonten auch Prof. Dr.
Johannes Steidle, Direktor des Biologischen Instituts der Universität
Hohenheim und Vorstand von KomBioTa, Michael Eick, Leiter der Akademie für
Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg, Prof. Dr. Lars Krogmann und
Marina Moser bei einem Podiumsgespräch, das im Rahmen der Veranstaltung
stattfand. Dies seien wichtige Voraussetzungen, um dem dramatischen
Rückgang von Tier- und Pflanzenarten entgegenzuwirken. Die
Landesinitiative „Integrative Taxonomie“ habe hierfür entscheidende
Grundlagen geschaffen.

Über aktuelle Forschungs- und Citizen Science-Projekte haben sich
Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Ministerin Thekla Walker bei
einem anschließenden Besuch der wissenschaftlichen Insektensammlung des
Naturkundemuseums Stuttgart informiert.

Weitere Informationen:

Landesinitative Integrative Taxonomie:
Die Landesinitiative "Integrative Taxonomie" soll dem dramatischen
Rückgang von Tier- und Pflanzenarten entgegenwirken, indem sie die
Artenkenntnisse und die Ausbildung von Artenschutzfachleuten fördert. Die
Landesregierung Baden-Württembergs geht damit eines ihrer zentralen
politischen Anliegen an. Die Initiative, die das Land im November 2019
gestartet hat, besteht aus zwei Säulen: dem Kompetenzzentrum Biodiversität
und integrative Taxonomie (KomBioTa), das von der Universität Hohenheim
und dem Naturkundemuseum Stuttgart getragen wird und die taxonomische
Lehre und Forschung stärkt sowie dem Fort- und Weiterbildungszentrum für
Taxonomie und biologische Vielfalt, zu dem die Akademie für Natur- und
Umweltschutz Baden-Württemberg als praxis- und zielgruppenorientiert
arbeitende Institution ausgebaut wurde. Insgesamt unterstützt die
Initiative Kooperationen zwischen Institutionen, fördert die
Artenkenntnis, verbessert die Identifizierung und Beschreibung neuer Arten
und trägt dazu bei, die Öffentlichkeit für die Bedeutung der Taxonomie und
der biologischen Vielfalt zu sensibilisieren.

https://kombiota.uni-hohenheim.de
https://umweltakademie.baden-wuerttemberg.de
https://www.naturkundemuseum-bw.de

Taxonomie:
Taxonomie ist das wissenschaftliche Fachgebiet der Klassifizierung,
Beschreibung und Benennung von Lebewesen. Taxonom*innen sind
Artenkenner*innen mit besonderem Fachwissen zu einer bestimmten Gruppe von
Tieren, Pflanzen oder Pilzen. Oft arbeiten sie mit Vergleichssammlungen,
die als Grundlage dienen, um Lebewesen richtig zu bestimmen und sie mit
ähnlichen Arten zu vergleichen. In der Vergangenheit erforschten
Taxonom*innen die Arten oft allein anhand des äußeren Aussehens. Modernen
Taxonom*innen stehen heute deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung:
neben dem äußeren (morphologischen) Erscheinungsbild kommen Analysen des
Verbreitungsgebiets und ökologischer Daten, wie beispielsweise Nahrung
oder Nistweise hinzu. Außerdem kommen biochemische Methoden wie die
Analyse von Duftstoffen und molekulare Daten, also Gen-Analysen, zum
Einsatz. Diese multiperspektivische Herangehensweise bezeichnet man auch
als „integrative Taxonomie”.

Entomologie:
Der aus dem Griechischen stammende Begriff “Entomologie” beschreibt die
Insektenkunde, die wissenschaftliche Erforschung der Insekten.

Steckbrief der Wespe Aphanogmus kretschmanni:
Aphanogmus kretschmanni wurde von der Doktorandin Marina Moser und ihren
Kolleg*innen vom Naturkundemuseum Stuttgart und vom Karlsruher Institut
für Technologie (KIT) erstmals entdeckt, formal beschrieben und genetisch
analysiert. Die 1 mm kleine Wespe unterscheidet sich von allen anderen
Wespen durch eine Reihe außergewöhnlicher Stacheln an der Unterseite des
Hinterleibs. Wie alle Parasitoide legen diese Wespen ihre Eier in oder an
ein Wirtsinsekt, welches die Wespenlarve im Laufe ihrer Entwicklung
verzehrt. Was zunächst makaber klingt, gehört zu den wichtigsten
ökosystemaren Dienstleistungen überhaupt: Parasitoide halten unsere
Ökosysteme im Gleichgewicht. Die Wespen der Familie Ceraphronidae, die
keinen deutschen Namen hat und zu der auch die neue Art gehört, sind
bisher so wenig erforscht, dass Informationen zu ihren Wirtsinsekten nur
bei einem Drittel der Arten bekannt sind. Inzwischen fand das Stuttgarter
Team Exemplare von Aphanogmus kretschmanni baden-württembergweit in
Naturschutzgebieten in den Landkreisen Tübingen und Karlsruhe sowie im
Enzkreis. Durch die Beschreibung und die Veröffentlichung der Gensequenz
und des 3D-Modells in online-Datenbanken kann Aphanogmus kretschmanni
zukünftig zuverlässig bestimmt und in internationalen Forschungsprojekten
weiter untersucht werden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Marina Moser
Naturkundemuseum Stuttgart
Abteilung Insektenkunde
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
Moser, M., Ulmer, J. M., van de Kamp, T., Vasilița, C., Renninger, M.,
Mikó, I., & Krogmann, L. (2023). Surprising morphological diversity in
ceraphronid wasps revealed by a distinctive new species of Aphanogmus
(Hymenoptera: Ceraphronoidea). European Journal of Taxonomy, 864(1),
146-166.
DOI: https://doi.org/10.5852/ejt.2023.864.2095

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Forschung für die smarte Mobilitätswende

Intelligent Pendeln – das ist das Logo und das Ziel des Kompetenzclusters IIP. Ein interdisziplinäres Team, darunter Forschende der Hochschule Osnabrück, erarbeitet gemeinsam Lösungen für die smarte Mobilitätswende  Kompetenzcluster IIP
Intelligent Pendeln – das ist das Logo und das Ziel des Kompetenzclusters IIP. Ein interdisziplinäres Team, darunter Forschende der Hochschule Osnabrück, erarbeitet gemeinsam Lösungen für die smarte Mobilitätswende Kompetenzcluster IIP

Acht Partner – darunter die Hochschule Osnabrück – erarbeiten im
Kompetenzcluster „Intelligente Nutzung verschiedener Verkehrsmittel“
Lösungen für die smarte Mobilitätswende.

Intelligenter Verkehr, optimierte Pendlerströme, weniger Stau durch
weniger Individualverkehr – so soll die Mobilität der Zukunft aussehen. Um
diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, fördern das Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) und der Wiederaufbaufonds
NextGenerationEU der Europäischen Union das Kompetenzcluster „Intelligente
Nutzung verschiedener Verkehrsmittel“ (IIP). Acht interdisziplinäre
Partner – darunter die Hochschule Osnabrück – forschen für dieses Projekt
und erarbeiten gemeinsam Lösungen als Basis für die smarte
Mobilitätswende.

In den vergangenen Jahren ist der Individualverkehr insbesondere im
urbanen Raum stark angestiegen. Gleichzeitig wurde der öffentliche
Nahverkehr um Produkte wie Carsharing oder andere Mobilitätsangebote
verschiedener Anbieter ergänzt. Das hat Auswirkungen auf die
Verkehrsflüsse und Staus in einer Stadt. Eine Idee, den Individualverkehr
zu lenken, ist die Optimierung verschiedener Verkehrsmittel.

„IIP soll ermöglichen, dass Menschen anforderungsgerechter und
ressourcenschonender unterwegs sind. Dazu werden vielfältige Daten zur
Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel erfasst und intelligent
kombiniert“, erklärt Prof. Clemens Westerkamp von der Hochschule
Osnabrück. Die entwickelten Lösungen werden unter anderem der
Öffentlichkeit als offene Daten („Open Data“) zur Verfügung gestellt. Dirk
Ohde von der Stadt Osnabrück stellt fest: „Mit den Daten und einer
angepassten Ampelsteuerung will die Stadt den Verkehr künftig nicht nur
verflüssigen, sondern handeln, bevor der Stau entsteht.“

Dazu werden Mobilitätsoptionen angeboten, die beispielsweise auf der
Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel beruhen und aktuelle
Verkehrssituationen einbinden. Die Basis dafür ist die Analyse von
anonymisierten Verkehrsdaten.

Anonymisierte Mobilitätsdaten als Grundlage

Die Forschenden der Hochschule Osnabrück arbeiten gemeinsam mit dem IoT-
Team der SWO Netz GmbH und der Stadt zusammen, um die Mobilitätsdaten
datenschutzkonform zu anonymisieren und zusammenzuführen. Diese Daten, die
zum Beispiel Bewegungsmuster abbilden, können dann
datenquellenübergreifend Objekten wie Autos, Bussen, E-Scootern und
Menschen – wie Radfahrern oder Fußgängerinnen – zugeordnet werden.

Wichtig: Die Privatsphäre der Verkehrsteilnehmenden wird dabei stets
gewahrt. Die vom Forschungsteam entwickelten Lösungen werden der
Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt; Unternehmen und Start-ups können
darauf aufbauend innovative Lösungen für gemeinwohlorientierte
Mobilitätsziele und Anreizsysteme entwickeln. Clusterkoordinator Jan-
Hendrik Worch aus dem IoT-Team beschreibt ein angestrebtes Ergebnis so:
„Auf der Basis unserer aufbereiteten Daten entsteht eine App, welche die
beste und schnellste Anfahrt für den Weg zur Arbeit empfiehlt – und dabei
noch die aktuelle Stau- und Wetterlage berücksichtigt: Zuerst mit dem PKW
zum Bahnhof, dann den Zug nutzen und bei gutem Wetter die letzte Meile mit
einem E-Scooter bis zum Büro fahren.“

Osnabrücker IoT-Tagung

Das Kompetenzcluster veranstaltet am Dienstag, 9. Mai, ab 11 Uhr am Campus
Westerberg und hybrid die Osnabrücker IoT-Tagung zu SmartCity- und
Verkehrslösungen mit Ausstellung. IoT steht dabei für "Internet of
Things". Der Fachbegriff beschreibt ein Netzwerk physischer Objekte
(„Things“), die mit Sensoren, Software und anderer Technologie
ausgestattet sind, um sie mit anderen Geräten und Systemen zu vernetzen.
Themen der Tagung sind unter anderem: „Durch IoT zu intelligenten
Entscheidungsunterstützungssystemen“, „Privacy durch Anonymisierung“ oder
„Verkehrssimulation und Vorhersage auf Grundlage von IoT-Sensorik“.
Interessierte können sich bis 8. Mai online anmelden: www.hs-
osnabrueck.de/iip.

Hintergrund zum Kompetenzcluster IIP

Das Kompetenzcluster IIP ist Teil des Forschungsnetzwerks „Anonymisierung
für eine sichere Datennutzung“ des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung. Das BMBF und der Wiederaufbaufonds NextGenerationEU der
Europäischen Union fördern das 5,5 Mio. Euro umfassende Projekt mit rund
4,35 Mio. Euro. Beteiligte Projektpartner sind neben der Hochschule
Osnabrück und der SWO Netz GmbH die Universität Münster, die Stadt
Osnabrück, die items GmbH & Co. KG aus Münster sowie die drei Osnabrücker
Unternehmen iotec GmbH, Lambus GmbH und cybob communication GmbH.

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