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Erzählte Bergbaugeschichte für den Schulunterricht

m „MiBLabor“ können Schülerinnen und Schüler aus erster Hand erfahren,
wie es war, vom und mit dem Bergbau zu leben.

Die von der RAG-Stiftung geförderte neue digitale Lernplattform „MiBLabor“
will erzählte Bergbaugeschichte in den Schulunterricht bringen. Auf
www.miblabor.de wurden Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen unter
verschiedenen Schwerpunkten für den Schulunterricht aufbereitet. Das
gemeinsame Projekt der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets und des
Deutschen Bergbau-Museums Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für
Georessourcen, und des Arbeitsbereichs „Didaktik der Geschichte und Public
History“ der Ruhr-Universität Bochum richtet sich an die Klassen 9 bis 13
aller Schultypen.

Bergbau wirkt bis heute nach

Auf seinem Höhepunkt ernährte der Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet fast
eine halbe Million Bergleute und ihre Familien. Arbeit im Bergbau war aber
nicht nur ein Broterwerb, sondern prägte die ganze Lebenswelt der
Menschen: ihr Wohnen, ihre Umwelt, ihre sozialen Kontakte, ihren Konsum,
ihre Freizeit – ihre Sicht auf die Welt. Auch nach Ende des Bergbaus
wirken diese Prägungen nach, im positiven wie im negativen Sinne. Von
dieser vergangenen Welt, die auch die Zukunft des Ruhrgebiets weiter
mitbestimmt, erzählen ehemalige Bergbaubeschäftigte in Videointerviews,
die in dem gemeinsamen Projekt „Menschen im Bergbau“ der Stiftung
Geschichte des Ruhrgebiets und des Deutschen Bergbau-Museums Bochum,
Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, geführt worden sind – mal in
verklärender Wehmut, mal in kritischer Distanz.

Die Website menschen-im-bergbau.de, auf der zahlreiche Ausschnitte aus
diesen Zeitzeuginnen- und Zeitzeugen-Interviews abgerufen werden können,
ist nun um einen Baustein erweitert worden. Die Lernplattform MiBLabor
bietet unter www.miblabor.de Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern
unterschiedlicher Schulformen und Altersgruppen auf Grundlage der
erzählten Erinnerungen digitale Lernmodule: Auf diese Weise wird die
Bergbaugeschichte mit Schwerpunkten in Wirtschafts-, Alltags- und
Sozialgeschichte konkret erfahrbar.

Gastarbeiter, Zechenschließungen, Steinstaublunge

Gefördert wurde der Aufbau der Lernplattform durch die RAG-Stiftung.
Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied des Vorstandes der RAG-Stiftung,
begrüßt die Ausrichtung vom MiBLabor: „Die Vermittlung der
Bergbaugeschichte und damit auch der Werte und Traditionen der Bergleute
an jüngere Generationen ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir sind davon
überzeugt, dass gerade die Kombination von digitalem Angebot und
Vermittlung über Zeitzeuginnen und Zeitzeugen dazu einen wertvollen und
nachhaltigen Beitrag leisten wird.“

Entwickelt wurden die Module und der Aufbau des neuen digitalen
Lernangebots beim Arbeitsbereich „Didaktik der Geschichte und Public
History“ der Ruhr-Universität Bochum. Zu den behandelten Themen gehören
beispielsweise türkische Gastarbeiter im Bergbau, Proteste gegen
Zechenschließungen, Männerdomäne Bergbau als Arbeitsplatz für Frauen oder
Auswirkungen der Bergmannskrankheit Steinstaublunge. Außerdem werden die
Interviews im Hinblick auf ihre Potenziale für historisches Lernen
reflektiert. Dabei wird unter anderem danach gefragt, was sich an und mit
den lebensgeschichtlichen Berichten lernen lässt, welche Fragen offen
bleiben und welche Erkenntnisse sich überhaupt aus der Auseinandersetzung
mit lebensgeschichtlichen Interviews erarbeiten lassen.

Theresa Hiller, Arbeitsbereich der „Didaktik der Geschichte und Public
History“ an der Ruhr-Universität, erklärt: „Wir sind überzeugt, mit der
Plattform 'MiBLabor' ein Lern- und Bildungsangebot entwickelt zu haben,
das aktuellen fachwissenschaftlichen und geschichtsdidaktischen Standards
folgt. Es bietet Lehrkräften die Möglichkeit, in ihrem Unterricht sowohl
wichtige Aspekte der deutschen Nachkriegsgeschichte als auch die Rolle von
Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für die Geschichtsvermittlung zu
thematisieren.“

Die Auswahl der Themen für die Module ist an den Kernlehrplänen
orientiert. Daher bietet sich die Arbeit im MiBLabor besonders für den
Einsatz zum Ende der Sekundarstufe 1 und in der Sekundarstufe 2 an.
Lehrkräfte können sich kostenlos auf www.miblabor.de registrieren, eine
Lerngruppe mit personalisierten Zugängen anlegen und die Module für Ihre
Lerngruppe gestalten.
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Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets

Die 1998 gegründete Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets – bis 2015
Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets – fördert die Erforschung der
Geschichte und Gegenwart des Ruhrgebiets und stellt hierzu unentgeltlich
Dienstleistungen bereit. Im Lesesaal des Stiftungsgebäudes an der
Clemensstraße 17-19 in Bochum können die umfangreiche Fachbibliothek und
die Bestände des Archivs genutzt werden. Durch eine enge Kooperation mit
der Ruhr-Universität Bochum über das Institut für soziale Bewegungen ist
sichergestellt, dass Studierende und Fachwissenschaftlerinnen und
Fachwissenschaftler von diesen Dienstleistungen ebenso profitieren wie
Bergbaukundige, Heimat- und Regionalhistorikerinnen und Regionalhistoriker
und Interessenten aus allen Städten des Ruhrgebiets.

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für
Georessourcen

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum – gegründet 1930 – ist eines von acht
Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft. Erforscht, vermittelt und
bewahrt wird epochenübergreifend die Geschichte der Gewinnung,
Verarbeitung und Nutzung von Georessourcen. Zu den forschenden Bereichen
gehören: Archäometallurgie, Bergbaugeschichte, Materialkunde,
Montanarchäologie sowie das Forschungslabor und das Montanhistorische
Dokumentationszentrum (montan.dok). Vier Rundgänge – Steinkohle, Bergbau,
Bodenschätze und Kunst – führen über Tage durch das Haus. Mit dem
Anschauungsbergwerk werden die Einblicke in die Facetten des Bergbaus auch
unter Tage vermittelt. Auf dem gut 1,2 km langen untertägigen Streckennetz
erhalten Besuchende Eindrücke vom Alltag unter Tage und von den
technikhistorischen Entwicklungen im Bergbau.

RAG-Stiftung

Die privatrechtliche RAG-Stiftung wurde 2007 gegründet. Seit Anfang 2019
übernimmt sie die Finanzierung der sogenannten Ewigkeitsaufgaben des
deutschen Steinkohlenbergbaus an Ruhr, Saar und in Ibbenbüren. Mit
zahlreichen Projekten in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur
setzt die Stiftung zudem positive Signale in den ehemaligen
Bergbauregionen. Weitere Informationen zur RAG-Stiftung finden Sie unter:
www.rag-stiftung.de

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Die entscheidende Rolle von Omega-3-Fettsäuren im Lebenszyklus

Die SRH Hochschule für Gesundheit lädt am 28. Juni 2023 zum Online Health
and Study Talk zum neuen Master-Studiengang Medizinische
Ernährungswissenschaft und Ernährungstherapie ein.

„Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Nährstoffe, die für den menschlichen
Körper von hoher Bedeutung sind. Sie spielen eine vielfältige Rolle im
gesamten Lebenszyklus und sind an zahlreichen physiologischen Prozessen
beteiligt. Dabei muss man jedoch pflanzliche und tierische
Omega-3-Fettsäuren unterscheiden“, erklärt Prof. Dr. Dorothea Portius,
Studiengangsleiterin im Bachelor-Studiengang Ernährungstherapie und
-beratung und Professorin im neuen Master-Studiengang Medizinische
Ernährungswissenschaft und Ernährungstherapie am Campus Gera der SRH
Hochschule für Gesundheit. Während pflanzliche Omega-3-Fettsäuren vor
allem in Leinsamen, Walnüssen und Rapsöl vorkommen, findet man tierische
Omega-3-Fettsäuren in fettem Fisch wie Lachs, Makrele und Sardinen, aber
auch in bestimmten Algen. Studien zeigen, dass vor allem tierische
Omega-3-Fettsäuren einen entscheidenden Einfluss auf das Immunsystem und
den Stoffwechsel haben.

Im frühen Lebensstadium sind Omega-3-Fettsäuren für die Entwicklung des
Gehirns und der Augen von großer Bedeutung. Eine ausreichende Zufuhr
während der Schwangerschaft und Stillzeit kann daher die neurologische
Entwicklung und das Sehvermögen des Kindes fördern. Im späteren
Lebensverlauf spielen Omega-3-Fettsäuren eine entscheidende Rolle bei der
Aufrechterhaltung der allgemeinen Gesundheit, da sie entzündungshemmende
Eigenschaften haben und das Risiko chronischer Erkrankungen wie Herz-
Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes verringern. Darüber hinaus können sie
die kognitive Funktion unterstützen und das Risiko von Demenz und
Alzheimer reduzieren. Des Weiteren nehmen sie Einfluss auf die Stimmung
und psychische Gesundheit. So werden sie mit einer Verringerung von
Depressionen und Angstzuständen in Verbindung gebracht und können die
Symptome von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mildern.

„Insgesamt sind Omega-3-Fettsäuren unverzichtbar für ein gesundes Leben.
Die ausreichende Zufuhr, entweder durch eine ausgewogene Ernährung oder
durch Nahrungsergänzungsmittel, ist von großer Bedeutung“, ergänzt Prof.
Dr. Dorothea Portius. Gemeinsam mit Prof. Dr. med. Jörg Spitz, Direktor
der Akademie für menschliche Medizin (AMM), wird sie am 28. Juni 2023 ab
17:30 Uhr in einem Online Health and Study Talk klären, warum Defizite im
Omega-3 Haushalt heutzutage üblich sind, wie der Omega-3-Bedarf adäquat
gedeckt werden kann und unter welchen Bedingungen ein therapeutischer
Nutzen sinnvoll ist. Interessierte erlangen so einen Einblick in die
Inhalte des neuen Master-Studiums, das ab Herbst 2023 an den Campus Gera
sowie Rheinland in Leverkusen angeboten wird. Beide Expert:innen werden am
17. Juni 2023 auch beim 2. Deutschen Omega-3-Kongress der AMM in Potsdam
zu Gast sein.

Interessierte können sich kostenfrei und unverbindlich unter dem folgenden
Link für die Online-Veranstaltung am 28. Juni 2023 anmelden:
https://eveeno.com/290709793

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DFKI entwickelt KI-Systeme für die flugzeuggestützte Erfassung von Plastikmüll in den Meeren

Flugzeuge, die weltweit Gewässer routinemäßig überfliegen, um
Verschmutzungen zu überwachen, könnten künftig nicht nur Öl- und
Chemieunfälle auf Hoher See, in Küstengewässern und am Strand aufspüren,
sondern auch Kunststoffabfälle, die auf der Wasseroberfläche schwimmen. Im
Projekt PlasticObs+ arbeitet ein Konsortium unter der Leitung des
Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) daran,
erstmals eine luftgestützte Überwachung größerer, zusammenhängender
Meeresgebiete zu entwickeln, die kontinuierlich und nicht wie bisher
punktuell Plastik in Gewässern erfasst. Nun liegen erste Ergebnisse vor.

Plastikmüll in Gewässern stellt nach wie vor ein globales, drängendes
Umweltproblem dar, da er das Ökosystem Meer und damit eine lebenswichtige
Ressource für Menschen und Tiere gefährdet. Rund zehn Millionen Tonnen
Plastikmüll landen jährlich in den Weltmeeren. Das entspricht etwa einer
Lkw-Ladung pro Minute. Tütenreste, Einwegverpackungen oder
Getränkeflaschen sind mittlerweile weltweit zu finden, von der Arktis über
die Tiefsee bis zur Nord- und Ostsee.

Müll, der auf der Wasseroberfläche treibt, wurde in der Vergangenheit zwar
schon luftgestützt erfasst, aber bisherige Erkenntnisse beruhen im
Wesentlichen auf zeitlich und räumlich begrenzten Messungen. Hier setzt
das Verbundprojekt PlasticObs+ an. Das langfristige Ziel besteht darin,
Überwachungsflugzeuge, die routinemäßig bereits weltweit im Einsatz sind,
mit KI-gestützter Sensorik auszustatten und so ein Messsystem zu
entwickeln, das die Belastung von Plastikmüll in der Umwelt aus der Luft
erfassen kann. Auf diese Weise könnte erstmals eine kontinuierliche und
umfassende Bestandsaufnahme umgesetzt werden, die Aufschluss über die Art,
Menge und Größe des Abfalls sowie mögliche Verursacherquellen gibt. Das
Ergebnis wäre eine wissenschaftliche Basis, um Maßnahmen, Gesetze und
Investitionen für die Sammlung, das Recycling und schließlich die
Vermeidung von Kunststoffmüll in Gang zu setzen.

Zu den Aufgaben des DFKI, vertreten durch den Forschungsbereich Marine
Perception in Oldenburg, gehört die Entwicklung von insgesamt vier KI-
Systemen. Die ersten beiden sollen Plastikmüll noch während des Überflugs
erkennen und Hotspots näher betrachten. Ein drittes System, das den Müll
nach Art, Größe und Menge klassifiziert, kommt später am Boden zum
Einsatz. Ein Feedback-System, das menschliche Expertise bei der
Betrachtung der Bilder inkludiert, soll schließlich helfen, die ersten
Systeme kontinuierlich zu verbessern und deren Vorhersagen zu optimieren.

Testflüge in Norddeutschland

Die Daten für ihre KI-Systeme erhalten die Forschenden des DFKI aus
Testflügen in Norddeutschland, die die Jade Hochschule
Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth mit ihrem Forschungsflugzeug durchführt.
Dabei nimmt ein Sensor unter der Nase des Flugzeugs Übersichtsbilder der
Region auf. Darauf muss die KI in Sekundenschnelle Müll-Hotspots erkennen,
so dass ein zweiter Sensor, der sich weiter hinten unter dem Rumpf
befindet, Detailaufnahmen von diesen macht. Die Herausforderung, sagen die
DFKI-Forschenden Mattis Wolf und Dr. Christoph Tholen, bestehe einerseits
darin, dass „wir ein großes Gebiet überfliegen und der Übersichtssensor
ein niedrig aufgelöstes Bild der Szene aufnimmt, dass andererseits die
Auswertung innerhalb von Sekunden aber mit einer hohen Treffsicherheit
erfolgen muss“.

Ein erster Test fand im vergangenen Jahr auf der Insel Spiekeroog statt.
Das Projekt-Konsortium legte jeweils am Strand und in den Salzwiesen ein
Versuchsfeld aus Plastik aus. Diese überflog zunächst eine Drohne in Höhen
zwischen 15 und 100 Metern und anschließend das Forschungsflugzeug in
Höhen ab 150 bis teilweise 1200 Metern. Das Versuchsfeld bestand aus einer
exakten Anordnung verschiedener Plastiksorten wie schwarzen PP-
Kaffeedeckeln, PS-weißen und cremefarbenen Lunchboxen sowie LDPE-blauen
und transparenten Mülltüten. Das Team fixierte die Behältnisse in
unterschiedlich großen Ansammlungen unter Netzen, so dass keine Verwehung
stattfinden konnte. Die Kernfrage, die die Forschenden mit der Kampagne
beantworten wollten, lautete: Aus welchen Höhen können die Sensoren an der
Drohne bzw. dem Flugzeug Plastikmüll sicher erkennen?  Die bisherigen
Ergebnisse werten Projektleiter Wolf und sein Kollege Tholen positiv, denn
„sie zeigten, dass Plastik in den von uns angepeilten Höhen mit
zufriedenstellender Genauigkeit erkannt werden kann“.

Es zeigte sich, dass die Farbe und die Größe der Gegenstände sowie der
Untergrund eine wichtige Rolle spielten. So konnten auf Gras alle
Plastiksorten mit hoher Genauigkeit erkannt werden, mit Ausnahme der
schwarzen PP-Kaffeedeckel aus mehr als 700 Metern. Auf Sand nimmt die
Genauigkeit bei allen Plastiksorten bei 750 Metern ab, besonders stark
betroffen waren hier LDPE-transparent und erneut PP-schwarz.

Heutige OCEANS Konferenz

Diese und weitere Ergebnisse haben die DFKI-Forschenden in einem Paper
festgehalten, das sie in diesen Tagen auf der OCEANS Konferenz 2023 in
Limerick, Irland, präsentieren. Carolin Leluschko, die an der
wissenschaftlichen Publikation ebenfalls mitgewirkt hat, sagt: „Um
herauszufinden, wie die KI performt, sind die Bilder aus dem Flugzeug von
jeweils fünf Personen unabhängig voneinander untersucht und beschriftet
worden, ob sie Plastik enthalten oder nicht.“ Die Genauigkeit der KI
betrug 93,3 %, während die Genauigkeit der von Menschen gekennzeichneten
Bilder 92,6 % betrug.

Auch wenn das Konsortium bis zum Ende der Laufzeit des Projektes im
Frühjahr 2025 noch viel Arbeit vor sich hat, belegen die Zahlen, dass die
luftgestützte Fernerkundung in Kombination mit KI-Methoden funktioniert
und ein wichtiges Instrument zur Bewältigung des globalen
Plastikmüllproblems sein kann. PlasticObs+ steht im Einklang mit
politischen Initiativen wie der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und
den UN-Nachhaltigkeitszielen, die darauf abzielen, Verschmutzungen der
Meere zu verringern und die Ozeane zu schützen. Es wird vom
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und
Verbraucherschutz (BMUV) mit 1,9 Millionen Euro über drei Jahre gefördert
und ist Teil der BMUV-Förderinitiative KI-Leuchttürme für Umwelt, Klima,
Natur und Ressourcen.

Neben dem DFKI sind in PlastiObs+ drei weitere Partner beteiligt. Die Jade
Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth setzt ihr speziell für
Forschungszwecke konzipiertes Flugzeug ein, das als Messplattform für die
Aufnahme von Luftbildern dient. Die Optimare Systems GmbH aus Bremerhaven,
deren Kerngeschäft in der Entwicklung und Fertigung von Sensorsystemen und
Missionsausrüstungen für die flugzeuggestützte Meeresüberwachung besteht,
bringt ein Verfahren ein, welches basierend auf Multisensordaten
hochauflösende Detailbilder erzeugt. Darüber hinaus  kümmert sich Optimare
um die Technik und deren Installation auf einem Flugzeug. Die everwave
GmbH, die weltweit Plastikmüll in Gewässern und an Küsten mittels
innovativer Müllsammelboote und stationärer Flussplattformen einsammelt,
sortiert und recycelt, informiert die Öffentlichkeit und sensibilisiert
sie für einen nachhaltigeren Umgang mit Plastik zum Schutz der Ozeane.

Einsatz in Brasilien

Einer der nächsten Schritte im Projekt PlasticObs+ besteht darin, weitere
Daten zu sammeln. Dazu hob das Forschungsflugzeug der Jade Hochschule
kürzlich erneut von Wilhelmshaven ab und überflog ein Gebiet in
Norddeutschland, in dem zuvor Festivals stattgefunden hatten. Weitere
Feldtests fanden bei Friedeburg im niedersächsischen Landkreis Wittmund
statt, wo die Forschenden, ähnlich wie zuvor auf Spiekeroog, einen
künstlichen Müllteppich auf zwei Seen ausgelegt hatten. „Diese Daten
nutzen wir zum Trainieren unserer KI-Modelle, die wir anschließend an der
deutschen Küste mit dem Forschungsflugzeug testen werden“, erläutert Wolf,
der im Projekt u.a. dafür zuständig ist, rechenintensive und langsame
tiefe neuronale Netze effizienter zu machen, so dass die KI-Systeme
während des Überflugs in Sekundenschnelle zuverlässig Müll-Hotspots finden
und erfassen. In einem letzten Schritt sollen die Systeme schließlich in
Überwachungsflugzeugen für Ölverschmutzungen eingebaut und getestet
werden, voraussichtlich in Brasilien.

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Krebsforschung in Bayern wird ausgebaut: Auftakt für das Nationale Tumorzentrum „NCT WERA“

Gesundheitsminister Holetschek: „Herausragender Meilenstein für die
Krebsversorgung in Bayern“ / Verbund der vier Uniklinik-Standorte
Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg

Würzburg. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat den Verbund der
Uniklinik Würzburg mit den Partner-Kliniken in Erlangen, Regensburg und
Augsburg für den neuen Standort des Nationalen Centrums für
Tumorerkrankungen „NCT WERA“ als „herausragenden Meilenstein in der
Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in Bayern“ bezeichnet. Der
Staatsminister war am 2. Juni Festredner bei der offiziellen
Auftaktveranstaltung für das NCT WERA am Würzburger Uniklinikum.

Erstmals NCT-Standort in Bayern

Staatsminister Holetschek betonte in Würzburg: „Dieser bayerische
Uniklinikverbund zeigt die Innovationskraft der Universitätsmedizin im
Freistaat. Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen will
Spitzenforschung mit modernster Patientenbehandlung verbinden. Durch die
enge Zusammenarbeit mit vielen weiteren Partnern können neue
wissenschaftliche Erkenntnisse schnellstmöglich in die klinische
Behandlung übertragen werden – und damit die Behandlungsergebnisse und die
Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten verbessert werden. Und
dabei hat NCT WERA auch die ländlichen Regionen im Blick.“

Das NCT WERA kann zukünftig mit bis zu 14,5 Millionen Euro pro Jahr durch
das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bayerische
Staatministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi)
gefördert werden. Die vier WERA-Partner decken ein Versorgungsgebiet von
rund acht Millionen Menschen ab. Schwerpunkte des NCT WERA werden u.a. der
weitere Ausbau innovativer Immuntherapien, zum Beispiel mit CAR-T-Zellen,
und die Entwicklung neuer molekularer Therapeutika sein. Ein besonderes
Augenmerk liegt auf der personalisierten Onkologie. Zudem soll es gezielte
Angebote für den wissenschaftlichen Nachwuchs und neue Professuren geben
und das bestehende Netzwerk klinischer Studien im ländlichen Raum weiter
ausgebaut werden. Dabei werden auch neue Formate der Patientenbeteiligung
eingeführt. Generell soll die Studieninfrastruktur deutlich erweitert und
verbessert werden, um so Innovationen zukünftig schneller voranzubringen
und sie in die Versorgung vor Ort zu integrieren. Das NCT WERA ist der
erste Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Bayern.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) ist eine langfristig
angelegte Kooperation zwischen dem Deutschen Krebsforschungszentrum
(DKFZ), exzellenten Partnern in der Universitätsmedizin und weiteren
herausragenden Forschungspartnern an verschiedenen Standorten in
Deutschland. Heidelberg bildet seit 2004 den ersten Standort des NCT,
Dresden ist seit 2015 der zweite Standort. Als Teil der Nationalen Dekade
gegen Krebs, die Anfang 2019 durch das BMBF ausgerufen wurde, wurde das
NCT im vergangenen Februar bundesweit nach einem mehrjährigen
Auswahlprozess um vier neue Standorte erweitert. Einer dieser Standorte
ist das NCT WERA, das von Würzburg aus koordiniert wird.

Innovative frühe klinische Studien

„Das NCT schließt kritische Lücken, die in Deutschland insbesondere im
Bereich innovativer früher klinischer Studien bestehen. Mit dem nun auf
sechs Standorte erweiterten NCT schaffen wir eine ideale Plattform, um
eigene Innovationen in wissenschaftlich getriebenen frühen klinischen
Studien zu prüfen und uns auf diesem Gebiet zukünftig mit den führenden
Zentren der Welt auf Augenhöhe zu messen. Zugleich ermöglichen wir damit
deutlich mehr Krebspatientinnen und -patienten in Deutschland den Zugang
zu den Fortschritten der Krebsforschung", erklärt Prof. Dr. Dr. h.c.
Michael Baumann, Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des
Deutschen Krebsforschungszentrums sowie einer der beiden Sprecher des NCT-
Lenkungsausschusses.

Patienten als Forschungspartner

Das NCT WERA wird federführend vom Standort Würzburg koordiniert und
geleitet. Sprecher des NCT WERA ist Prof. Dr. Hermann Einsele, Direktor
der Medizinischen Klinik II am Universitätsklinikum Würzburg.
Stellvertretender Sprecher ist Prof. Dr. Wolfgang Herr, Direktor der
Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Regensburg.
Prof. Einsele: „Für diese Umsetzung von Forschungsergebnissen aus dem
Labor hinaus in die unmittelbare Anwendung am Patienten werden die
Rahmenbedingungen nochmals deutlich verbessert und so werden wir viele
neue innovative Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für die Patienten
in Bayern anbieten können. Gleichzeitig werden wir attraktive Angebote für
junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etablieren.“ Dabei werden
die Patientinnen und Patienten als aktive Forschungspartner eingebunden,
betont Prof. Herr: „Bereits in die Konzeption und Entwicklung künftiger
Studien werden die Patientinnen und Patienten einbezogen. Hier ist der
NCT-Patientenbeirat von besonderer Bedeutung. Auch dafür werden wir hier
die nötigen Strukturen weiter ausbauen.“ Das NCT WERA arbeitet dabei eng
mit den Comprehensive Cancer Centers („CCC“) der beteiligten
Universitätskliniken und Universitäten zusammen.
Gemeinsame Studienkonzepte werden entwickelt

In den kommenden Monaten wird nun zunächst die gemeinsame Infrastruktur
aufgebaut. Dazu zählt auch eine gemeinsame Geschäftsstelle, die in
Würzburg angesiedelt wird. Zudem werden erste gemeinsame Studienkonzepte
entwickelt.
Zum feierlichen Auftakt des NCT WERA kamen rund 140 Gäste. Zur Begrüßung
unterstrich Prof. Dr. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät in
Würzburg: „Das NCT WERA macht deutlich, wie wissenschaftliche Exzellenz
und interdisziplinäre Zusammenarbeit an mehreren Standorten kombiniert
werden kann. Das zählt zu den Kernaufgaben der Universitätsmedizin. Die
erstmalige Ernennung zum NCT zeigt zudem eindrucksvoll die Stärken des
Forschungsstandortes Bayern.“

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