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Feierlicher Auftakt zu Transferprojekt für Digitalisierungskompetenz in Südwestfalen

Begrüßung des Moderators Jochen Heimann zum Auftakt
Begrüßung des Moderators Jochen Heimann zum Auftakt "Digitalise_SWF" Johanna Bömken HSHL

Das Projekt "Digitalise_SWF" ist am Mittwoch, 19. April 2023 offiziell
gestartet. Zum Auftakt luden die beiden Projektpartner Fachhochschule
Südwestfalen und Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) in das IQ Lippstadt,
unweit des Lippstädter Campus der HSHL ein. In einem zweistündigen
Bühnenprogramm, das von Jochen Heimann moderiert wurde, stellten beide
Hochschulen die Ziele des Projektes vor.

Digitalise_SWF wird im Rahmen der von der Gemeinsamen
Wissenschaftskonferenz (GWK) beschlossenen Bund-Länder-Initiative
"Innovative Hochschule" zu 90 Prozent durch das Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent durch das Ministerium für
Kultur und Wissenschaft in NRW (MKW.NRW) finanziert. Mittels virtueller
Institute, die Kompetenzen beider Partnerhochschulen bündeln, soll in den
Bereichen digitale Industrie, digitale Geschäftsmodelle und digitale
Anwendungen die Digitalisierung in der Region Südwestfalen gestärkt
werden. Durch die Aktivitäten sollen kleine und mittelständische
Unternehmen, der Einzelhandel, Kommunen und Städte, aber auch
Bürger*innen, Vereine und Schüler*innen adressiert werden.

"Die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und Akteur*innen hat für
die Hochschule Hamm-Lippstadt einen besonders hohen Stellenwert. Damit wir
alle die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen, ist ein reger
Austausch unerlässlich. Wir freuen uns auf das Projekt "Digitalise_SWF",
um den Transfer in der Region mit spannenden Themen zu verstärken", so
HSHL-Präsidentin Prof. Dr.-Ing. Kira Kastell zu Beginn der Veranstaltung.
Weitere Grußworte zum Start des Projektes hielten der Bürgermeister der
Stadt Lippstadt Arne Moritz und der Parlamentarische Staatssekretär des
BMBF Dr. Jens Brandenburg.

Sieben Virtuelle Institute bündeln Kompetenzen in der Region

Insgesamt gibt es im Rahmen von "Digitalise_SWF" sieben virtuelle
Institute: Virtuelle Realität in der Produktentwicklung, Generative
Fertigung, Digitale und vernetzte Produktion, Digitale Wirtschaft,
Entrepreneurship, Vernetzte Mobilität und Innovative Lichttechnik. Diese
stellten Prof. Dr.-Ing. Andreas Nevoigt, Prorektor für Forschung und
Technologietransfer FH Südwestfalen, und Prof. Dr.-Ing. Klaus Pantke,
Vizepräsident für Forschung und Transfer HSHL, vor. Jedes dieser Institute
werde mit einem Initialprojekt starten, außerdem seien "Pop-up Labs", also
beispielsweise zeitweise Präsenzen in Ladenlokalen in Innenstädten,
geplant. Zudem wird es ein "Lab-on-tour", einen Labortruck geben, der auf
Marktplätzen, vor Unternehmen oder vor Schulen Station machen soll. "Wir
möchten Technikvorbehalte auflösen, indem wir mit unseren Aktivitäten
Technologien gut erklären und in der Region in den Austausch gehen", so
Nevoigt.

Eines der virtuellen Institute konnte sich vor Ort direkt ausführlicher
vorstellen. Prof. Dr.-Ing. Jan-Niklas Voigt-Antons, an der HSHL Professor
für "Angewandte Informatik mit dem Schwerpunkt Immersive Medien", hielt
einen kurzen Vortrag zu "VR/AR in der Produktentwicklung". Hierbei solle
es vor allem um die Bereiche Instandhaltung (hier können z.B. bei
Wartungsarbeiten entsprechende Anleitungen virtuell direkt neben den
Geräten eingeblendet werden), Produktion, Produktplanung oder auch
immersive Medientechnologien gehen. Ganz konkret plant das Institutsteam
im September eine Veranstaltung auf dem Rathausplatz Lippstadt, die
Bürger*innen dazu einlädt, Hardware und Prototypen aus den Bereichen
"Augmented Reality" und "Virtual Reality" selbst zu testen und Fragen an
die Expert*innen des Institutes zu stellen.

Dialog zu Themen rund um Digitalisierung

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Dr.
Dagmar Lehmann, Iserlohn Digital, Prof. Dr. Giuseppe Strina, für das
Projekt "FUSION" der Universität Siegen, Prof. Dr.-Ing. Jörg Kolbe,
Fachhochschule Südwestfalen, Arne Farwick, enra GmbH, Markus Kürpick,
Wirtschaftsförderung Kreis Soest GmbH, und Prof. Dr.-Ing. Klaus Pantke,
HSHL. Die Diskussionsrunde kam schnell überein, dass die Digitalisierung
für alle in den nächsten Jahren große Veränderungen mit sich bringen
werde. "Digitalise_SWF" möchte hierbei besonders in den Dialog gehen,
anstatt dass die Hochschulen als wissenschaftliche Einrichtungen von oben
herab mit Bürger*innen kommunizieren. "Zukünftig soll es durch das Projekt
in der Region Südwestfalen eine kompetente und präsente Anlaufstelle bei
allen Themen der Digitalisierung geben", so Prof. Pantke.

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Biokunststoffe werden attraktiver für die Industrie

Die im Rahmen des RUBIO-Projekts entwickelten Biokunststofffolien aus PBS sind recyclingfähig, biologisch abbaubar und können auf gängigen Extrusionsanlagen verarbeitet werden.  © POLIFILM
Die im Rahmen des RUBIO-Projekts entwickelten Biokunststofffolien aus PBS sind recyclingfähig, biologisch abbaubar und können auf gängigen Extrusionsanlagen verarbeitet werden. © POLIFILM

In dem Projekt RUBIO lassen 18 Partner die Vision einer nachhaltigen
Kunststoffwirtschaft Realität werden. Ihr Ziel: Aus regional verfügbaren
pflanzlichen Reststoffen entstehen vielseitig einsetzbare nachhaltige
Produkte, die recyclingfähig und biologisch abbaubar sind. Das Fraunhofer-
Institut für Angewandte Polymerforschung IAP entwickelt im Rahmen des
Projekts neuartige Typen des Biokunststoffs Polybutylensuccinat (PBS),
damit er für deutlich mehr Anwendungen eingesetzt werden kann. Gemeinsam
mit der Firma POLIFILM EXTRUSION GmbH hat das Fraunhofer IAP ein erstes
marktfähiges Produkt entwickelt.

Biokunststoffe stellen zunehmend eine Alternative zu erdölbasierten
Kunststoffen dar. Diese nachhaltigen Materialien bringen einige Vorteile
mit: Sie werden auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt und tragen
dazu bei, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen und CO2-Emissionen in
die Umwelt zu reduzieren. Sie können biologisch abbaubar sein und verfügen
über Verarbeitungseigenschaften, die mit denen klassischer erdölbasierter
Kunststoffe vergleichbar sind. Wie klassische Kunststoffe können auch
Biokunststoffe sortiert, fraktioniert und recycelt werden.


Warum werden erdölbasierte Kunststoffe nicht einfach durch Biokunststoffe
ersetzt?

Trotz des hohen Potenzials gibt es eine Reihe von Faktoren, die Firmen
davon abhalten, ihre Produkte aus Biokunststoffen herzustellen: Weltweit
gibt es nur wenige Hersteller, die Biokunststoffe auf dem Markt anbieten.
Für Kunststoffverarbeiter verursacht das Probleme bei der
Versorgungssicherheit, höhere Kosten sowie eine zu geringe Auswahl an
verschiedenen Typen von Biokunststoffen, um die Vielzahl möglicher
Anwendungen zu realisieren. Außerdem gibt es technischen
Verbesserungsbedarf und oft ist nicht klar, für welche spezifischen
Anwendungen sich Biokunststoffe eignen. Schließlich werden Biokunststoffe
aktuell häufig aus Zuckerrohr und Mais hergestellt – also potenziellen
Nahrungs- oder Futtermitteln, was eine »Tank-oder-Teller«-Diskussion
aufbringen könnte.


Neue PBS-Typen ermöglichen vielfältigere Einsatzbereiche

Der Entwicklungsbedarf in diesem Bereich ist also groß. Expertinnen und
Experten vom Fraunhofer IAP gehen diese Hürden gemeinsam mit Partnern aus
Wissenschaft und Industrie im vom BMBF geförderten Projekt »Regionales
unternehmerisches Bündnis zum Aufbau von Wertschöpfungsketten für
technische Biokunststoffe in Mitteldeutschland«, kurz RUBIO, an (FKZ:
03RU1U024A). Dipl.-Ing. Thomas Büsse, der bei RUBIO das Verbundprojekt
»Verarbeitung« koordiniert und das Verarbeitungstechnikum Biopolymere
Schwarzheide in Brandenburg des Fraunhofer IAP leitet, erklärt: »Je nach
Anwendung bzw. Verarbeitungsverfahren muss der eingesetzte Kunststoff hart
oder weich, vielleicht auch zähfließend oder dünnflüssig sein. Bisher gibt
es auf dem Markt aber nur drei PBS-Typen, und diese eignen sich lediglich
für eine eingeschränkte Zahl an Verarbeitungsverfahren und Anwendungen.«
Daher entwickelt das Team der Abteilung »Polymersynthese« von Dr. Antje
Lieske am Fraunhofer IAP in Potsdam, Brandenburg, ganz neue Typen von PBS,
die mit einer deutlich breiteren Palette an Verfahren verarbeitet werden
können – vom Blasformen bis zum Spritzgießen. Somit vergrößert das
Forschungsteam auch das Portfolio an möglichen Anwendungen.

Das Know-how der Polymerspezialistinnen und -spezialisten am Fraunhofer
IAP geht dabei deutlich über die reine Entwicklung von Syntheseverfahren
für neue Biokunststofftypen hinaus. Im Synthesetechnikum des Fraunhofer-
Pilotanlagenzentrums für Polymersynthese und –verarbeitung PAZ in
Schkopau, Sachsen-Anhalt, überführt das Team um Dr. Ulrich Wendler, Leiter
der Abteilung »Synthese und Produktentwicklung« am Fraunhofer IAP, die
Ergebnisse aus Labor und Technikum in den industrienahen Pilotmaßstab. Die
Frage, wie die neu entwickelten Kunststofftypen und -mischungen
thermoplastisch verarbeitet werden können, wird im Verarbeitungstechnikum
intensiv untersucht. Hier werden auch die Tests zur Bioabbaubarkeit,
Bedruckbarkeit, Siegelfähigkeit oder Maschinengängigkeit durchgeführt –
Kriterien, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf Wunsch des
Kunden individuell einstellen können. Auch die Recyclingfähigkeit wird im
RUBIO-Konsortium getestet.

Einen ersten Erfolg kann das Fraunhofer IAP im Rahmen des RUBIO-Projekts
gemeinsam mit der Firma POLIFILM EXTRUSION GmbH verzeichnen. Das deutsche
Unternehmen produziert am Standort Weißandt-Gölzau in Sachsen-Anhalt auf
über 80 Extrusionsanlagen Kunststofffolien für unterschiedliche
Anwendungen in der Verpackung-, der Bau-, Agrar- und Automobilbranche und
anderen Bereichen. Die Partner haben eine PBS-Folie entwickelt, die für
Versandtaschen eingesetzt werden kann. »Diese Kooperation ist ein
wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und ermöglicht uns, Produkte
anzubieten, die aus regionalen Reststoffen hergestellt wurden, die
recyclingfähig und bei Verlust in die Umwelt biologisch abbaubar sind. Ein
weiterer Vorteil ist die Verarbeitung auf gängigen Extrusionsanlagen,
wodurch dem Siegesweg der PBS-Materialien nichts mehr entgegen steht«,
erklärt Tobias Otto, Projektmanager R&D bei der POLIFILM EXTRUSION GmbH.


Keine »Tank-oder-Teller«-Diskussion durch regionale pflanzliche Reststoffe

Die Entwicklung der neuen PBS-Folie geht noch weiter, denn bis jetzt
basiert der Biokunststoff noch nicht auf regionalen Rohstoffen. Doch das
wird sich im weiteren Verlauf der Kooperation ändern. Pflanzliche
Reststoffe aus der Region werden künftig der Rohstoff sein. »Grundsätzlich
können alle Materialien verwertet werden, die Cellulose oder
Lignocellulose enthalten. Dazu zählen u.a. nicht verrottende Gärreste aus
Biogasanlagen, in vielfältiger Form anfallende Reste aus
landwirtschaftlichen Betrieben oder theoretisch sogar Abfälle aus der
Papierproduktion«, erklärt Thomas Büsse. Idealerweise hat die Verwendung
regionaler Reststoffe langfristig einen weiteren Vorteil: Kürzere
Transportwege können zu geringeren Preisen und zu mehr Nachhaltigkeit der
produzierten Kunststoffprodukte führen.

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JLU Gießen und Nachhaltigkeit

Die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn bei der Veranstaltung zur Nachhaltigkeit im Botanischen Garten der JLU Gießen.  JLU / Katrina Friese
Die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn bei der Veranstaltung zur Nachhaltigkeit im Botanischen Garten der JLU Gießen. JLU / Katrina Friese

„Das große Ganze im Blick“: Die Justus-Liebig-Universität Gießen
präsentiert am 5. Juni im Botanischen Garten wichtige Entwicklungen im
Hinblick auf Nachhaltigkeit

Wenn wir die Lebensgrundlagen der Menschen langfristig sichern wollen, ist
ein zukunftsorientiertes und reflektiertes Handeln nötig. Dieses muss die
Begrenztheit natürlicher Ressourcen unseres Planeten anerkennen und die
Befriedigung der Bedürfnisse aller Menschen heute und in Zukunft im
Einklang mit der Umwelt ermöglichen. Die Justus-Liebig-Universität (JLU)
treibt ihre nachhaltige Transformation systematisch voran: Sie hat ein
Büro für Nachhaltigkeit (BfN) eingerichtet, die „Nachhaltigkeitsstrategie
JLU 2030“ entwickelt, mit dem Panel on Planetary Thinking das
disziplinübergreifende planetare Denken an der JLU verankert und diverse
wissenschaftliche wie auch betriebliche Projekte zum Thema Nachhaltigkeit
auf den Weg gebracht. Diese wegweisenden Entwicklungen wurden am 5. Juni
2023 im Beisein der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst,
Angela Dorn, im Palmenhaus des Botanischen Gartens präsentiert.

JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee hob in seiner Begrüßung die
Vorbildfunktion der Universität Gießen hervor: „Die JLU unterstützt die
nachhaltige Transformation der Gesellschaft aktiv mit ihren vielfältigen
Forschungs-, Lehr- und Transferaktivitäten. Als zukunftsorientierte
Institution hat die JLU vor allem auch den Anspruch, ihre eigene
nachhaltige Entwicklung voranzutreiben.“ Neben dem institutionellen
Handeln komme es auf die wissenschaftliche Reflexion an, erklärte der
Präsident. „Mit dem Panel on Planetary Thinking haben wir an der JLU einen
offenen Reflexionsraum geschaffen, in dem wir Zukunftsfragen diskutieren
und die Wechselwirkungen zwischen Planet und Mensch aus unterschiedlichen
Perspektiven beleuchten können.“

„Hochschulen spielen eine wichtige Rolle bei der gesamtgesellschaftlichen
Aufgabe Nachhaltigkeit: Als große Einrichtungen fallen ihre
Energieeinsparungen stark ins Gewicht; gleichzeitig bilden sie die
Fachkräfte von morgen aus, die die erforderlichen technischen,
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Innovationen entwickeln und
erforschen“, so Wissenschaftsministerin Angela Dorn. „Beim Umstieg auf
erneuerbare Energien und der Steigerung der Energieeffizienz unterstützen
wir die Hochschulen tatkräftig – zum Beispiel mit einem Sonderprogramm
Photovoltaik sowie Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung und
der Erweiterung unseres COME-Hochschulprogramms zur Verbesserung der
Energieeffizienz und Sanierung von Gebäude und Technik. Die Justus-Liebig-
Universität Gießen nutzt diese Förderungen erfolgreich, um ihre Forschung
zur Nachhaltigkeit zu stärken, Interdisziplinarität zu fördern und den
Austausch mit der Politik und der Gesellschaft voranzubringen.“

Büro für Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsstrategie der JLU

Dr. Alexandra Jungert, Leiterin des Büros für Nachhaltigkeit, erläuterte:
„Das Büro für Nachhaltigkeit stößt als zentrale Koordinationsstelle
universitätsweit partizipative Prozesse und Projekte an, um die
nachhaltige Transformation der Universität voranzutreiben. Es bündelt und
kommuniziert die Nachhaltigkeitsaktivitäten der JLU, vernetzt interne und
externe Akteurinnen und Akteure und unterstützt Initiativen der
Studierenden und Beschäftigten.“ Darüber hinaus begleitet das Büro für
Nachhaltigkeit die Umsetzung der „Nachhaltigkeitsstrategie JLU 2030“, die
am 13. Dezember 2022 vom JLU-Präsidium – nach Befürwortung durch den Senat
– beschlossen wurde. Ausgehend von einem ganzheitlichen Ansatz definiert
die Strategie Ziele, Maßnahmen und Indikatoren für die Handlungsfelder:
Forschung, Studium und Lehre, Transfer, Betrieb inkl. Mobilität,
Individuelles Verhalten und Governance.

Neben der Stärkung von Nachhaltigkeitsbezügen im Forschungsprofil strebt
die JLU den Ausbau des Angebots an Studiengängen mit Nachhaltigkeitsbezug
und die Entwicklung eines interdisziplinären Kurs- und Zertifikatsangebots
an. Auch die administrativen Prozesse sollen im Sinne der Nachhaltigkeit
ausgestaltet werden. Zu den Zielen zählen beispielsweise ein nachhaltiges
Grünflächenmanagement und Maßnahmen zur Dekarbonisierung. Ersteres soll
durch das innovative Projekt „GreenJLU“ unterstützt werden, das unter
anderem eine genaue Kartierung der JLU-Grünflächen und eine Steigerung der
Biodiversität zum Ziel hat. Die Strategie wurde federführend von der von
Senat und Präsidium legitimierten und im Jahr 2021 eingerichteten
Gemeinsamen Kommission für Nachhaltigkeit in Zusammenarbeit mit den
einschlägigen Fachabteilungen und in Rücksprache mit den Fachbereichen und
universitären Gremien erarbeitet.

Panel on Planetary Thinking

Das Panel on Planetary Thinking ist ein Zusammenschluss von Forschenden
aus sozial-, kultur-, geistes-, lebens- und naturwissenschaftlicher
Disziplinen. Seit seiner Gründung im April 2020 werden hier
nachhaltigkeitsbezogene Fragestellungen zur Wechselwirkung von Erdsystem
und Gesellschaften, Biodiversität, Klima und globaler gesellschaftlicher
Ungleichheit behandelt. Im Rahmen von Kunstprojekten, Workshops,
interdisziplinären Kolloquien, Vorträgen und weiteren
öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungsformaten treibt das Panel einen
planetaren Denkstil in Forschung, Lehre und Öffentlichkeit voran. Dr.
Frederic Hanusch, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Panel on
Planetary Thinking, beschrieb Vision und Arbeit des Panels und stellte das
Planetary Scholars & Artists in Residence Program heraus. Die neuen
Stipendiatinnen und Stipendiaten des Panels stellten ihre Projekte vor,
vereint in diesem Jahr durch den Themenschwerpunkt „Planetary Spaces“.

Podiumsdiskussion: Transdisziplinärer Forschung den Weg bereiten

Wie kann transdisziplinärer Forschung der Weg bereitet werden? Diese
Leitfrage erörterten Prof. Dr. Katharina Lorenz, JLU-Vizepräsidentin für
Studium und Lehre, Prof. Dr. Claus Leggewie, Inhaber der Ludwig Börne-
Professur und wissenschaftlicher Direktor des Panel on Planetary Thinking,
und Prof. Dr. Peter Winker, zentraler Nachhaltigkeitsbeauftragte der JLU,
bei einer Podiumsdiskussion, die von Liza Bauer, stellvertretende
Geschäftsführerin des Panels, moderiert wurde. Es ging darum auszuloten,
wie die Interaktion von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft unterstützt
werden kann, denn dieses Zusammenwirken bildet eine Grundvoraussetzung für
die nachhaltige Transformation.

Im Anschluss bestand die Möglichkeit zum Besuch einer Poster-Ausstellung
über Projekte zur nachhaltigen Transformation der JLU und
Forschungsprojekte mit Nachhaltigkeitsbezug. Außerdem konnte die
„Planetary Forest Waldskulptur“ betrachtet werden, die 2022 durch die
Fellows des Panels unweit des Palmenhauses im Botanischen Garten errichtet
wurde.

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) fördert das
Büro für Nachhaltigkeit und das Panel on Planetary Thinking sowie die
Mehrheit der vorgestellten Projekte an der JLU.

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„GOTHA.digital“ schafft neue Perspektiven auf kulturelles Erbe und Wissenschaft

Ostturm von Schloss Friedenstein Gotha  Sergej Tan, Universität Erfurt
Ostturm von Schloss Friedenstein Gotha Sergej Tan, Universität Erfurt

Bei einem gemeinsamen Pressetermin haben die Forschungsbibliothek Gotha,
das Forschungszentrum Gotha, das Forschungskolleg Transkulturelle
Studien/Sammlung Perthes und die Stiftung Schloss Friedenstein mit ihren
Projektpartnern heute das neue Online-Portal „GOTHA.digital“
freigeschaltet. Es ist der integrierte digitale Such-, Präsentations- und
Forschungsraum des Friedenstein Gotha, der außerordentliche Sammlungen in
ihrem historisch überlieferten Zusammenhang bewahrt.

GOTHA.digital bietet Wissenschaftler*innen und Interessierten den
zentralen Einstieg zu allen digitalen Objekten und Daten aus Archiv,
Bibliothek und Museum, die bislang in zahlreichen Datenbanken und Portalen
verteilt sind. Gleichzeitig stellt es den Zugang zu Informationen über die
Sammlungen und die wissenschaftlichen Aktivitäten am Sammlungs- und
Forschungsstandort Gotha bereit.

GOTHA.digital führt digitale Objekte und Daten aus fünf Gothaer
Institutionen zusammen: der Forschungsbibliothek Gotha der Universität
Erfurt, der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und des Thüringer
Landesarchivs – Staatsarchiv Gotha sowie des Forschungszentrums Gotha und
Forschungskollegs Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes der
Universität Erfurt.

GOTHA.digital ist ein Meilenstein für die Sichtbarkeit, weltweite
Zugänglichkeit und Erforschung der Gothaer Sammlungen im Kontext der
digitalen Transformation von Wissenschaft und Kultur.  GOTHA.digital
erlaubt die Vernetzung der Daten und eröffnet zahlreiche Nutzungsszenarien
im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften, zum Beispiel Text- und
Data Mining, Netzwerkanalysen oder Informationsvisualisierungen.

In GOTHA.digital sind derzeit 2,4 Millionen Datensätze und 1,7 Millionen
Scans von Handschriften, gedruckten Werken, Karten, Archivalien und
musealen Objekten nutzbar. Das Portal präsentiert die Online-Sammlung der
Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und enthält Daten aus acht nationalen
und überregionalen Datenbanken, in denen die Forschungsbibliothek Gotha
der Universität Erfurt und das Thüringer Landesarchiv – Staatsarchiv Gotha
ihre Objekte katalogisieren und digitalisieren.

GOTHA.digital ermöglicht die sammlungs- und institutionenübergreifende
Suche nach digitalen Objekten, deren wertvolle Originale seit Gründung des
Herzoghauses Sachsen-Gotha-Altenburg 1647 auf dem Friedenstein
zusammengetragen werden und heute in Gotha verteilt sind und von
verschiedenen Institutionen betreut werden. Das Metaportal unterstützt
sammlungsübergreifendes Arbeiten: Nutzende finden etwa zu einem Thema,
einer Persönlichkeit oder einer Provenienz neben den Digitalisaten
historischer Originale auch weiterführende Literatur aus dem großen
Bücherfundus von Forschungsbibliothek Gotha und Universitätsbibliothek
Erfurt sowie Informationen zu laufenden oder abgeschlossenen Projekten der
Einrichtungen auf dem Friedenstein.

GOTHA.digital ermöglicht kuratierte Sammlungseinblicke, etwa über eine
integrierte digitale Ausstellungsplattform. Beispielhaft für
Sammlungszusammenhänge haben die Partner unter dem Titel „Geprägte
Geschichte – Das Münzkabinett Gotha“ eine Storytelling-Anwendung
entwickelt. Hier können Interessierte in die wechselvolle Geschichte des
Münzkabinetts eintauchen sowie historisches Münzwissen und heutige
Methoden der Münzerschließung und -digitalisierung erkunden.

GOTHA.digital wurde von der Forschungsbibliothek Gotha initiiert und
großzügig vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und
Digitale Gesellschaft gefördert. Das Portal ist das Ergebnis einer
dreijährigen intensiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit der
Institutionen aus Gotha und der technischen Partner, der Thüringer
Universitäts- und Landesbibliothek Jena und der Verbundzentrale des
Gemeinsamen Bibliotheksverbundes, Göttingen.

GOTHA.digital ist mit seiner offenen und modularen Infrastruktur Teil der
dynamischen digitalen Entwicklungen auf dem Feld des kulturellen Erbes und
der Wissenschaften. Es nutzt modernste Suchmaschinen- und
Präsentationstechnologie. Das Portal versteht sich als Motor und
Experimentallabor für die digitale Transformation von Kultur und
Wissenschaft im Land Thüringen. GOTHA.digital ermöglicht gesellschaftliche
Teilhabe. Es bietet künftig Raum für kreative, unkonventionelle
Experimente mit Daten und lädt interessierte Bürgerwissenschaftler*innen
ein, den virtuellen Kulturraum Thüringens zum Beispiel im Rahmen von
Citizen Science-Projekten mitzugestalten.

GOTHA.digital wird ständig um Digitalisate, Metadaten, Informationen und
Sammlungspräsentationen erweitert, die in den Projekten der beteiligten
Institutionen und im Vorhaben „Gotha transdigital“ der Stiftung Schloss
Friedenstein Gotha entstehen, das von der Beauftragten der Bundesregierung
für Kultur und Medien sowie mit Mitteln des Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung (EFRE) über die Thüringer Staatskanzlei gefördert
wird. Die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena hat das
technische Konzept von Gotha.digital mitentwickelt und gewährleistet als
Landesdigitalisierungszentrum für den Kultursektor in Thüringen die
dauerhafte Systembetreuung sowie die Speicherung und Langzeitarchivierung
der digitalen Daten und vielfältigen Digitalisate aus den verschiedenen
Teilportalen. In einem nächsten großen Schritt soll Gotha.digital zu einer
integrierten Forschungsplattform ausgebaut werden.

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