Deutsche Leberstiftung zum „NASH Day“: Übergewicht ist auch für die Leber ein „fettes Problem“
Am 8. Juni 2023 findet unter der Leitung des Global Liver Institute (GLI)
der Internationale NASH-Tag („International NASH Day“, kurz IND) statt.
Seit Juni 2018 wird mit dem IND die Aufmerksamkeit auf die nicht-
alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) und ihre fortgeschrittene Stufe,
die nicht-alkoholische Fettleberentzündung (NASH), gelenkt. Nach Angaben
des GLI ist die Entwicklung dieser Erkrankung dramatisch und mit weltweit
über 115 Millionen NASH-Betroffenen als versteckte Epidemie einzustufen.
Die Deutsche Leberstiftung unterstützt den IND ausdrücklich.
Aktuelle Zahlen belegen, dass ein bereits vor der Corona-Pandemie
bestehendes Gesundheitsproblem – immer mehr übergewichtige oder
fettleibige (adipöse) Erwachsene und Kinder in Deutschland – im Verlauf
der Pandemie noch größer geworden ist. Durch die Einschränkungen während
der Corona-Pandemie sind speziell immer mehr Kinder und Jugendliche
fettleibig geworden. Laut Ergebnissen einer Krankenkassen-Analyse von
Versichertendaten gab es beispielsweise in Niedersachsen im Jahr 2011 etwa
32.000 fettleibige Kinder, zehn Jahre später waren es 43.000 – also ein
Anstieg um gut ein Drittel. Eine noch extremere Entwicklung zeigen die
Zahlen in Bremen: Hier gab es eine Verdoppelung der Zahl von 2.300 auf
4.600 adipöser Kinder.
In dieser Entwicklung sehen Leber-Experten die große Gefahr, dass sich
zukünftig auch die Zahl der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen noch
schneller vergrößern wird als bislang erwartet, denn Übergewicht und
Adipositas begünstigen die Entstehung einer Fettleber.
„Übergewicht und Adipositas sind bereits in jungen Jahren ein Risikofaktor
für viele Folgeerkrankungen wie die NAFLD. Die Leber leidet unter dem
ungesunden westlichen Lebensstil, der häufig gekennzeichnet ist durch
hochkalorische und oftmals kohlenhydratreiche Ernährung bei gleichzeitigem
Bewegungsmangel. Assoziiert mit NAFLD sind oftmals weitere Erkrankungen,
denen auch die Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel zugrunde
liegen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes
mellitus – und leider verstärken sich diese Erkrankungen gegenseitig“,
erläutert Prof. Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Leberstiftung, und ergänzt: „Das Spektrum der NAFLD ist breit: Es reicht
von der einfachen nicht-alkoholischen Fettleber (NAFL) über die chronisch
fortschreitende, nicht-alkoholische Fettleberentzündung und einer
Leberfibrose (Bindegewebsvermehrung) bis zu einer Leberzirrhose
(Vernarbung der Leber). Bei den meisten chronischen Lebererkrankungen ist
das Risiko einer Tumorbildung im Stadium einer Leberzirrhose erhöht: Es
kann sich ein Leberzellkrebs entwickeln (Hepatozelluläres Karzinom, HCC).
Bei der nicht-alkoholischen Fettleberentzündung kann Leberzellkrebs jedoch
schon auftreten, bevor eine Zirrhose vorliegt.“
Damit Übergewicht und Bewegungsmangel nicht ein „fettes Problem“ für die
Leber – und langfristig auch für die Gesellschaft – werden, muss
gegengesteuert werden. Medikamente gegen NASH gibt es aktuell noch nicht,
diese werden zurzeit in Studien untersucht, bislang ist jedoch noch kein
Arzneimittel zugelassen. Die Studien verfolgen verschiedene Ansätze:
Einige Substanzen reduzieren die Entzündungsreaktion, andere Wirkstoffe
beeinflussen direkt den Fettstoffwechsel oder greifen in den Prozess der
Lebervernarbung ein. Momentan ist noch nicht ganz klar, wann mit der
Zulassung von Medikamenten zu rechnen ist. Doch es gibt bereits jetzt eine
wirksame Therapie: Lebensstiländerung durch gesunde Ernährung, Bewegung,
Reduktion von Übergewicht sowie die erfolgreiche Einstellung von Diabetes.
Damit können Betroffene ihrer Fettlebererkrankung in vielen Fällen so
erfolgreich entgegenwirken, dass diese sich ganz oder teilweise
zurückbildet.
Dass die Ernährung dabei ein ganz wichtiger Faktor ist, erklärt Prof.
Manns: „Für die Betroffenen ist eine gesunde und der Situation
entsprechende Ernährung enorm wichtig. Sie kann den Gesundheitszustand der
Betroffenen entscheidend verbessern; bei den Fettlebererkrankungen sogar
zur Heilung beitragen. Aus diesem Grund hat die Deutsche Leberstiftung im
letzten Jahr ‚Das große Kochbuch für die Leber‘ herausgegeben, das
Betroffene bei der richtigen Ernährung unterstützen kann.“
Auch im Bereich NAFLD-Forschung engagiert sich die Deutsche Leberstiftung:
Um einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Betroffenen zu
leisten, hat die Deutsche Leberstiftung das „Deutsche NAFLD-Register“ mit
Unterstützung von zwei Forschungsgruppen (die „NAFLD CSG“ der
universitären Zentren und die „FLAG-Studie“ des bng) initiiert und führt
es seit Dezember 2020 über die Leberstiftungs-GmbH.
Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung, Forschungsvernetzung und wissenschaftliche Projekte
zu verbessern. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
außerdem Information und Beratung in medizinischen Fragen. Auf der Website
finden Sie umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für Betroffene,
Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter: https://www
.deutsche-leberstiftung.de.
NEUERSCHEINUNG: „Das große Kochbuch für die Leber“ – 122 Rezepte mit allen
wichtigen Nährwertangaben; wichtige Küchentipps und Regeln für eine
lebergesunde Ernährung, September 2022. Das Buch ist im Buchhandel
erhältlich: ISBN 978-3-8426-3100-7 € 28,00 [D]. Weitere Informationen:
https://www.deutsche-leberstif
BUCHTIPP: Jetzt in der vierten, aktualisierten und erweiterten Auflage:
„Das Leber-Buch“ informiert umfassend und allgemeinverständlich über die
Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im
Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-8426-3043-7, € 19,99 [D].
Weitere Informationen: https://www.deutsche-leberstif
Rezensionsexemplare können über <
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