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Strände nutzen – nicht verschmutzen

Aufgrund der Ausrichtung der Küstenlinie und
vorherrschenden Richtungen von Wind und Strömungen gelangt nur wenig Müll
vom Meer aus an Schleswig-Holsteins Ostseestrände. Vielmehr ist die
Verschmutzung eine Folge der Strandnutzung. Die Belastung mit kleinsten
Partikeln, dem Mikroplastik, ist dabei moderat, und es konnte kein
direkter Zusammenhang zwischen der Menge Mikroplastik und der
Verschmutzung mit Strandmüll festgestellt werden. Zu diesem Ergebnis
kommen Wissenschaftler:innen des GEOMAR und der Kieler
Forschungswerkstatt. Mit ihrer Veröffentlichung legten sie die erste
systematische Untersuchung zu Müll im Mikro- und Makrospektrum in der
Region vor.

- Gemeinsame Pressemitteilung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
(CAU), der Kieler Forschungswerkstatt, des Forschungsverbunds Future Ocean
und des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel -

Müll an Schleswig-Holsteins Stränden ist Einheimischen wie Gästen ein Dorn
im Auge. Eine Untersuchung im Rahmen des Forschungsverbunds Future Ocean
an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zeigt: Der größte
Teil des Mülls stammt direkt aus der Strandnutzung und wird nicht aus dem
Meer an die Strände gespült. Damit ist diese Verschmutzung leicht
vermeidbar. Interessanterweise fand sich kein eindeutiger Zusammenhang
zwischen der Dichte an Mikroplastik im Sediment und der Menge an
sichtbaren größeren Müll-Teilen. Für ihre Analyse untersuchten die
Wissenschaftler:innen des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
und der Kieler Forschungswerkstatt, einer gemeinsamen Einrichtung der CAU
und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und
Mathematik (IPN), im Frühjahr und im Herbst 2018 zehn Strände entlang der
schleswig-holsteinischen Ostsee. Mit ihrer Veröffentlichung im Fachmagazin
Marine Pollution Bulletin legten die Forschenden jetzt die erste
kombinierte systematische Untersuchung zu Müll im Mikro- und Makrospektrum
an Schleswig-Holsteins Ostseestränden vor.

„Mikroplastik und größerer Müll an Stränden sind ein bekanntes Problem –
und wir können ganz einfach etwas dagegen unternehmen“, erklärt Dr. Mark
Lenz. Der Meeresbiologe am GEOMAR ist Leiter der Untersuchung und Erst-
Autor der Publikation. „Unsere Daten zeigen den Zusammenhang zwischen
Strandnutzung und Verschmutzung überraschend deutlich: Im Herbst, zum Ende
der Saison, sind die Strände doppelt so verschmutzt wie im Frühling. An
Orten, in denen die Strände regelmäßig gereinigt wurden, war die
Steigerung geringer als an denen ohne. Zudem waren im Herbst deutlich mehr
Papier, Pappe und vor allem Zigarettenkippen zu finden als zu Beginn der
Saison. Die schleswig-holsteinischen Strände wären also deutlich sauberer
und die Küstenökosysteme gesünder, wenn alle ihren Müll am Ende eines
Strandbesuches entsorgen.“

Die Auswertungen an den Stränden von Holnis, Falshöft, Boknis,
Schwedeneck, Schönberg, Hohwacht, Flügge, Staberhuk, Kellenhusen und
Travemünde folgten dem einheitlichen Protokoll zur Erfassung von Makro-
Müll des Übereinkommens zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks
(Oslo-Paris Konvention, OSPAR): Drei Personen sammelten systematisch alle
Müll-Teile größer als 2,5 Zentimeter entlang einer 100 Meter langen
Strecke parallel zum Flutsaum auf und ordneten diese einer vorgegebenen
Kategorie zu. Nach dem Trocknen wurde das Gesamtgewicht der Funde erfasst.
Zusätzlich entnahmen die Forschenden Sediment-Proben, extrahierten die
darin enthaltenen Mikroplastik-Partikel und analysierten den Kunststoff-
Typ.

„Im Frühling fanden wir zwischen 38 Müll-Teilen in Holnis und 241 in
Travemünde. Gut 40 Prozent bestand aus Plastik, fast 35 Prozent aus
Papier, Pappe und Zigarettenkippen und 15 Prozent Glas. Im Herbst lag die
Bandbreite zwischen 27 Teilen in Holnis und 713 in Schönberg. Papier,
Pappe und Zigarettenkippen machten dann mehr als 60 Prozent aus, gut ein
Viertel war Plastik und nur 4 Prozent Glas“, fasst Dr. Lenz zusammen.

Insgesamt ließ sich keine Korrelation zwischen der Menge des Makro-Mülls
und des Mikroplastiks feststellen. Deutlich wurde aber auch: Unsere
Strände sind nicht frei von Mikroplastik. Die kleinen Partikel fanden sich
in fast allen Sedimentproben in Mengen zwischen 2 und 28 Partikeln pro
Kilogramm Sand. Auch wenn diese Dichten im Vergleich zu anderen Standorten
noch moderat sind, bedeutet dies trotzdem, dass sich an jedem unserer
Strände wahrscheinlich Millionen der künstlichen Mikropartikel befinden.
Diese werden in der Natur nicht abgebaut und können sich daher im Laufe
der Zeit anreichern. Ob die Menge an Mikroplastik in Zukunft noch weiter
zunimmt, könnten weitere Studien zeigen, die auf der nun vorgelegten
Untersuchung aufbauen. Die Auswirkungen des Mikroplastiks auf die Umwelt
sind noch nicht abschließend untersucht, aber es ist bekannt, dass
Hunderte von Tierarten es mit ihrer Nahrung aufnehmen.

Ein Vergleich mit anderen Orten rund um die Ostsee zeigte, dass die
Müllmengen denen in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt ähnelten.
Strände in Litauen und Polen waren deutlich stärker verschmutzt, Strände
in Dänemark ungefähr so sauber wie die weniger frequentierten schleswig-
holsteinischen. Die geringe Dominanz an angeschwemmtem Plastikmüll in
Schleswig-Holstein führen die Forschenden auf die Ausrichtung der
Küstenlinie und die vorherrschende Richtung von Wind und Strömungen
zurück.

GEOMAR und die Kieler Forschungswerkstatt bieten Informationen und
wissenschaftliche Programme für Schüler:innen und Lehrer:innen zu
Strandmüll und Mikroplastik an. „In der Kieler Forschungswerkstatt
untersuchen wir bereits seit mehr als zehn Jahren die Strände rund um die
Kieler Förde. Die Müllmengen dabei sind trotz Strandreinigung hoch. Jetzt
haben wir zum ersten Mal Daten für die gesamte schleswig-holsteinische
Ostseeküste, auf denen wir aufbauen können – eine gute Basis für
zukünftige Untersuchungen“, sagt der Meeresbiologe Dr. Dennis Brennecke,
der für die Kieler Forschungswerkstatt die Probennahme mit durchgeführt
hatte. Seit der Untersuchung an den Ostsee-Stränden haben die Tourismus-
Orte bereits viele Maßnahmen umgesetzt, um die Müllmengen zu reduzieren.
„Klar ist, wir müssen das Bewusstsein in der Gesellschaft weiter stärken.
In der Forschungswerkstatt beginnen wir damit schon bei den
Grundschülerinnen und Grundschülern“, so Brennecke.

Projekt-Förderung:
Die Untersuchung wurde im Rahmen des Exzellenzclusters „Future Ocean“
sowie über die Projekte „Defining the baselines and standards for
microplastics analysis in European waters (BASEMAN)“ und „Horizontal and
vertical oceanic distribution, transport, and impact of microplastics
(HOTMIC)“ der Joint Programming Initiative Healthy and Productive Seas and
Oceans (JPI Oceans) gefördert.

Originalpublikation:
Lenz, M., Brennecke, D., Haeckel, M., Knickmeier, K., Kossel, E. (2023):
Spatio-temporal variability in the abundance and composition of beach
litter and microplastics along the Baltic Sea coast of Schleswig-Holstein,
Germany. Marine Pollution Bulletin, doi:
https://doi.org/10.1016/j.marpolbul.2023.114830

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Neuer Leitlinienbeauftragter für Altersmedizin: „Wir können für die Bedürfnisse multimorbider Menschen sensibilisieren“

Neuer Leitlinienbeauftragter der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie
(DGG) ist Dr. Klaus Friedrich Becher, Chefarzt der Allgemeinen und
Geriatrischen Rehabilitation an der Klinik Wartenberg in Oberbayern. Er
übernimmt diese Aufgabe zusätzlich zu seiner Funktion als DGG-Beauftragter
der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF).

„Als zentraler Ansprechpartner übernehme ich eine Schnittstellenfunktion,
damit wir uns in Zukunft noch gezielter und effizienter mit geriatrischen
Themen in die Leitlinienarbeit einbringen können. Insbesondere junge
Kolleginnen und Kollegen will ich dazu ermutigen. Wer Interesse an dieser
wissenschaftlichen Arbeit hat und Unterstützung benötigt, kann sich ab
sofort bei mir melden“, sagt Becher. Was er genau vorhat, welche
Herausforderungen und Chancen er sieht, darüber hat er mit uns im
Interview gesprochen.

Herr Dr. Becher, zu welchen Fragen könnten aktive Geriaterinnen und
Geriater den Kontakt zu Ihnen als Leitlinienbeauftragten suchen?

Im Grund zu allen relevanten Fragestellungen und in allen Phasen der
wissenschaftlichen Leitlinienarbeit. Also von der ersten Idee bis zur
Umsetzung eines neuen Leitlinienprojektes. So helfe ich auch bei Fragen zu
Regelwerken und unterstütze bei der Kontaktaufnahme zu Mitarbeitern
anderer Fachgesellschaften, die sich gerne an DGG-eigenen Leitlinien
beteiligen wollen. Die Autoren sollen sich auf das wissenschaftliche
Arbeiten konzentrieren und von abschreckender Verwaltungsarbeit entlastet
werden.

Wie können die Leitlinien-Autorinnen wie -Autoren aus Ihrer Sicht weiter
unterstützt werden?

Insbesondere Nachwuchswissenschaftler, die bisher noch keine oder wenig
Erfahrung mit der Erstellung von Leitlinien haben, kann ich bei formalen
Prozessen unterstützen. Zum Beispiel bei der notwendigen Registrierung
eines Projektes oder bei der Erfassung und Beratung zu Fragen um
Leitlinienentwicklungen oder die Regeln der AWMF. Ich übernehme aber auch
die Koordination der Mitarbeit von erfahrenen DGG-Mitgliedern an
Nationalen Versorgungsleitlinien und an Leitlinienentwicklungen innerhalb
sowie außerhalb unserer Fachgesellschaft.

Wie binden Sie andere Fachgesellschaften in Ihre Aktivitäten ein?

Als Geriater bin ich es schon immer gewohnt, interdisziplinär zu arbeiten
– und so pflege ich auch über mein gut 35-jähriges Berufsleben hinweg den
intensiven Austausch zu Mitgliedern anderer Fachgesellschaften. Diese
Vernetzung wird mir helfen, Leitlinien-Autoren anderer Fachgesellschaften
von der Relevanz geriatrischer Aspekte zu überzeugen. Und so bin ich
natürlich auch Ansprechpartner für fremde Fachgesellschaften, die unsere
Mitarbeit an neuen Leitlinien oder an Updates bereits bestehender
Publikationen anfragen.

Welche konkreten Ziele haben Sie sich für die kommenden zwölf Monate
gesetzt?

Ich will einmal strukturiert erfassen, welche Mitglieder der DGG bereits
jetzt an Nationalen Versorgungsleitlinien, an Leitlinien der DGG oder eben
auch Projekten anderer Fachgesellschaften mitwirken. Ganz egal, ob in
leitender Funktion, koordinierend oder als reiner Autor. Darüber hinaus
will ich ein kontinuierliches Monitoring des aktuellen Standes von
Leitlinien-Projekten innerhalb der DGG und bei anderen Fachgesellschaften
mit Beteiligung von DGG-Mitgliedern einführen. Zudem will ich insbesondere
bei unseren aktiven Arbeitsgruppen-Mitgliedern für eine Mitarbeit an
Leitlinien-Projekten werben und diese beratend unterstützen.

Nun sind Sie auch AWMF-Beauftragter der DGG. Welche Rolle spielt diese
Verzahnung?

Für mich ist das in Personalunion die sinnvolle Verbindung von zwei
Aufgaben, da das umfangreiche Regelwerk der AWMF zur Erstellung von
Leitlinien wichtig für sämtliche Projekte ist. Als AWMF-Beauftragter nehme
ich aber auch zweimal im Jahr an den Mitgliederversammlungen teil –
zuletzt im Mai in Frankfurt am Main. Diese Versammlungen haben für uns als
Mitglied zunächst einen hohen Informationsgehalt, da inzwischen mehr als
180 Mitglieder von Fachgesellschaften und wissenschaftlichen
Organisationen eine Vielzahl von Themen und Aufgaben in sogenannten Ad-
hoc-Arbeitsgruppen abdecken. Hier geht es dann nicht mehr nur um die
Leitlinienarbeit – auch im europäischen Kontext –, sondern auch um Fragen
der Weiterbildungsordnung, der Approbationsordnung, der Krankenhausreform
oder auch um die Fragen der Staatsexamina. Die Neuigkeiten aus den AWMF-
Versammlungen berichte ich dann direkt an den DGG-Vorstand.

In welchen Bereichen sollten sich Geriaterinnen und Geriater verstärkt an
Leitlinien beteiligen?

Das Gute ist: Schon jetzt bringen DGG-Mitglieder ihr Know-how in mehr als
70 Leitlinien ein. Das ist enorm für unser Fach. Auffallend ist für mich
auf den ersten Blick dennoch, dass bei onkologischen und bestimmten
chirurgischen Leitlinien – mit Ausnahme der Unfallchirurgie und
Alterstraumatologie – anscheinend nur wenige Geriater beteiligt sind. Dies
lässt sich bei einzelnen Projekten bestimmt entwickeln.

Welche Herausforderungen und zugleich Chancen sehen Sie hier?

Die größte Herausforderung ist sicherlich, interessierte DGG-Mitglieder zu
finden, die Freude und Zeit an der Leitlinienarbeit haben – und dies neben
ihrer allgemeinen Arbeit in der Klinik oder der Praxis. Motivierend kann
natürlich sein, dass hier eine sehr wichtige Aufgabe wahrgenommen wird,
die letztendlich bei der täglichen Arbeit und somit den hochaltrigen
Patientinnen wie Patienten helfen kann. Als große Chance erkenne ich hier,
dass wir auf diese Weise relevante Inhalte und Ziele der Altersmedizin auf
wissenschaftlicher Ebene bearbeiten und schlussendlich in den
Arbeitsalltag transportieren können. Das heißt konkret: Wir können andere
Fachgesellschaften sowie Kolleginnen und Kollegen für die Fragen und
Bedürfnisse hochbetagter multimorbider Menschen sensibilisieren und diese
in Leitlinien integrieren. Hieraus können neue Fragestellungen entstehen
oder unter Umständen auch alte Zöpfe abgeschnitten werden.

Wie motivieren Sie insbesondere Nachwuchswissenschaftler, sich an der
Leitlinien-Arbeit zu beteiligen?

Darauf gibt es leider keine einfache Antwort, da die individuellen
Ausgangssituationen ganz unterschiedlich sind. Die Leitlinien-Arbeit
beginnt oft zunächst mit der Motivation und Neugierde, sich in einer
Arbeitsgruppe der DGG einem bestimmten altersmedizinischen Thema zu
widmen. Andere Interessierte stoßen über die Arbeit in der eigenen Klinik
oder Praxis auf komplexere Fragestellungen zur Diagnostik und Therapie bei
älteren multimorbiden Menschen – und wollen dann selbst passende Lösungen
finden. Wichtig ist, sich immer wieder einmal Fragen zu stellen. Warum
passen manche Behandlungsschemata nicht? Warum ist der Therapieverlauf bei
unseren Großeltern oder Eltern so und nicht anders? Fakt ist: Bei der
Leitlinien-Arbeit lernt man viele neue Kolleginnen und Kollegen kennen,
die anhand einer gemeinsamen Fragestellung passende Lösungen oder
Empfehlungen erarbeiten möchten. Das gemeinsame Interesse verbindet und
begleitet einen ein Berufsleben lang. Leitlinien-Autoren schauen
sprichwörtlich über den eigenen wissenschaftlichen Tellerrand hinaus.
Dabei entwickelt man nicht nur mehr Beachtung für das Gebiet der
Altersmedizin, sondern insbesondere auch für die eigene Zukunft. Und das
ist eine hervorragende Motivation.

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Von der Methode zur Haltung: Eine Heranführung an die aktive Patientenbeteiligung in der Gesundheitsforschung

Um Gesundheitsforschung bedarfsgerechter zu gestalten, ist es wichtig,
Patientinnen und Patienten aktiv am Forschungsprozess zu beteiligen. Eine
neue Veröffentlichung des DLR Projektträgers bietet hierfür Anregungen und
praktische Tipps. Sie richtet sich insbesondere an Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler aus der klinischen Forschung.

Wenn Patientinnen und Patienten aktiv an Forschungsprojekten beteiligt
sind, kann dies die Qualität der Forschung erhöhen und ihre Ergebnisse
relevanter machen. Die Beteiligungsprozesse sollten dabei professionell
gestaltet werden – von der Zielsetzung über die Identifizierung von
Forschungspartnern bis zur gemeinsamen Kommunikation und die Gestaltung
der Zusammenarbeit. Die vielfältigen methodischen, strategischen und
praktischen Anforderungen sind üblicherweise bisher jedoch nicht Teil der
regulären Ausbildungs- und Karrierewege in der medizinischen Forschung.

Entwicklung einer sinnvollen Beteiligungsstrategie

Die neue Publikation des DLR Projektträgers bietet Forschenden Anregungen
und praktische Hilfestellungen für die Entwicklung einer sinnvollen
Beteiligungsstrategie in der klinischen Forschung bzw. der
Gesundheitsforschung. Sie stellt in einem ersten Teil die
gesellschaftlichen Wurzeln von Beteiligung dar, diskutiert anschließend
die verschiedenen Konzepte, Ansätze und Begriffe und wirft einen konkreten
Blick auf das praktische Vorgehen: von der Suche nach geeigneten
Partnerinnen und Partnern, der Gestaltung der Zusammenarbeit und der
Auswahl geeigneter Formate bis zur Evaluation und zum Reporting. Exkurse,
Denkanstöße und Praxistipps ergänzen die Kapitel.
Verfasst wurde die Publikation von Antje Schütt und Dr. Eva Müller-Fries,
wissenschaftliche Referentinnen im Bereich Gesundheit des DLR
Projektträgers, gemeinsam mit Dr. Sarah Weschke, Projektteam-Leiterin
„Patient & Stakeholder Engagement“ am QUEST Center for Responsible
Research des Berlin Institute of Health. Die Inhalte basieren auf einer
Online-Fortbildung zum Thema, die die drei Autorinnen in den vergangenen
Jahren gemeinsam entwickelt und pilotiert haben. Ein Beitrag von David
Brinkmann von der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung
und Unterstützung von Selbsthilfegruppen ergänzt die Darstellung und gibt
einen Überblick über die Selbsthilfelandschaft in Deutschland.

Partizipation ist wichtig für erfolgreiche und bedarfsgerechte
Gesundheitsforschung

„Die aktive Beteiligung von Patientinnen und Patienten an der Planung,
Durchführung und Auswertung von Forschungsvorhaben wird für eine
erfolgreiche und bedarfsgerechte Gesundheitsforschung immer wichtiger“,
sagt Ko-Autorin Antje Schütt. „Unser Ziel war es, Forschenden eine
praxisnahe Ressource in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen. Dabei
geht es uns vor allem darum zu zeigen, welche Fragen man sich stellen
sollte und wie wichtig eine wertschätzende und offene Haltung für eine
produktive Zusammenarbeit ist.“ Ihre Fachkollegin Dr. Eva Müller-Fries
ergänzt: „Unsere Publikation macht Forschende mit den Methoden und
Prozessen der aktiven Beteiligung von Patientinnen und zu Patienten
vertraut. Standardlösungen gibt es nicht. Wir möchten dazu ermutigen,
erste Schritte zu gehen und dann kontinuierlich weiter zu lernen und zu
optimieren: Anfangen geht vor perfekt sein!“

Hintergrundinformation

Der DLR Projektträger engagiert sich für eine Stärkung der Partizipation
in der Gesundheitsforschung: Eine Expertengruppe erarbeitet Vorschläge,
wie die aktive Patientenbeteiligung in der Gesundheitsforschung
weiterentwickelt und in der Forschungsförderung verankert werden kann. Mit
diesem Wissen unterstützen wir unsere Auftraggeber, zum Beispiel bei der
Konzipierung von Förderprogrammen und bei der Formulierung von
Förderrichtlinien sowie bei der Gestaltung der Auswahlprozesse für
Förderprojekte unter aktiver Beteiligung von Patientinnen und Patienten.

Über den DLR Projektträger

Der DLR Projektträger bietet als einer der größten Projektträger
Deutschlands seit nahezu 50 Jahren umfassende, wissensbasierte
Dienstleistungen rund um das Management von Forschung, Bildung und
Innovation. Zu seinen Auftraggebern gehören Bundesministerien, die
Europäische Kommission, Bundesländer sowie Wissenschaftsorganisationen und
Verbände. Er berät zu Strategien und Programmen, steuert begleitende
Dialogprozesse, plant und übernimmt die operative Umsetzung von
Förderprogrammen, unterstützt den Wissenstransfer und evaluiert die
Wirkung von Programmen und Initiativen der Auftraggeber. Die rund 1.600
hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DLR Projektträgers
betreuen jährlich rund 15.600 Vorhaben mit einem Fördervolumen von 1,98
Milliarden Euro.

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„Der Weg der Sinti und Roma“ – Ausstellung am Fachbereich Soziale Arbeit bis Freitag, 14.07.

Gemeinsam mit dem Landesverband Hessen des Verbandes deutscher Sinti und
Roma präsentiert die Hochschule Darmstadt (h_da) die Ausstellung „Der Weg
der Sinti und Roma“ am Fachbereich Soziale Arbeit (Adelungstraße 51,
Gebäude E 10, in den Gebäudefluren). Die Ausstellung kann bis
einschließlich Freitag, 14.07., montags bis freitags in der Zeit von 8.30
Uhr bis 18 Uhr von der interessierten Öffentlichkeit besucht werden. Der
Eintritt ist frei.

Die Ausstellung „Der Weg der Sinti und Roma - Wie ‚Zigeuner‘-Bilder und
Vorurteile einen Völkermord möglich machen können“ präsentiert auf 37
Tafeln verschiedene Aspekte der Geschichte von Sinti und Roma seit dem 15.
Jahrhundert in Europa. Thematisiert werden einerseits Ausgrenzung,
Diskriminierung und Verfolgung sowie Vorurteile und ihre Wirkung und
Folgen für Sinti und Roma. Andererseits sind Traditionen im Blick, die
Sinti und Roma in die deutsche und europäische Kultur eingebracht haben
sowie die Bürgerrechtsarbeit, um innerhalb Europas als selbständige Gruppe
und nationale Minderheit anerkannt zu werden.

Entwickelt wurde die Ausstellung vom Landesverband Hessen des Verbandes
deutscher Sinti und Roma, der sie nach einer Station in Frankfurt nun in
Darmstadt zeigt. Der Fachbereich Soziale Arbeit der h_da integriert die
Ausstellung in seine Studienprojektwoche und somit direkt in Studium und
Lehre. Unter der Projektleitung von Professorin Julika Bürgin organisiert
der Fachbereich zudem ein Begleitprogramm mit mehreren Fachkonferenzen,
das sich auch an die interessierte Öffentlichkeit richtet. Darunter:

Tagung: Rassistische Diskurse und institutionelle Diskriminierungen am
Beispiel „bandenmäßiger Sozialmissbrauch“ und „Clan-Kriminalität“: (k)ein
Auftrag für Soziale Arbeit? Dienstag, 11.07., 9.30 Uhr bis 13.30 Uhr. Ort:
Adelungstraße 51, Gebäude E 10, Raum 106. Anmeldungen bis 23.06. an
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Abschlussveranstaltung: Antiziganismus und die Geschichte und Rolle
Sozialer Arbeit. Freitag, 14.07., 10 Uhr bis 12 Uhr. Tagung per
Videokonferenz. Anmeldungen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Der Zugangslink wird
dann mitgeteilt.

Hier finden sich ausführliche Infos zur Ausstellung und zum
Begleitprogramm: https://sozarb.h-da.de/studium/projekte/der-weg-der-
sinti-und-roma


Die Ausstellung kann bis einschließlich Freitag, 14.07., montags bis
freitags in der Zeit von 8.30 Uhr bis 18 Uhr von der interessierten
Öffentlichkeit besucht werden. Ort: Fachbereich Soziale Arbeit der
Hochschule Darmstadt (h_da), Adelungstraße 51, Gebäude E 10, in den Fluren
im Hochparterre und im 1. und 2. Obergeschoss. Audio-Guides zur
Ausstellung, darunter sechs Geräte mit Gebärdensprache, können in der
Fachbereichsbibliothek im Hochparterre gegen Vorlage eines
Ausweisdokuments ausgeliehen werden.

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