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Weltpremiere in der Krebstherapie: Klinikum nutzt innovatives Verfahren

Nach dem Einsatz der Testsubstanz (v.l.n.r.) Dr. Anja Braune (NUK), Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, OÄ Dr. Sabine Grosche-Schlee, Schwester Dagmar Weidenhagen (Rad.) und Dr. Robert Freudenberg (NUK)  UKD
Nach dem Einsatz der Testsubstanz (v.l.n.r.) Dr. Anja Braune (NUK), Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, OÄ Dr. Sabine Grosche-Schlee, Schwester Dagmar Weidenhagen (Rad.) und Dr. Robert Freudenberg (NUK) UKD
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Nach dem Einsatz der Testsubstanz (v.l.n.r.) Dr. Anja Braune (NUK), Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, OÄ Dr. Sabine Grosche-Schlee, Schwester Dagmar Weidenhagen (Rad.) und Dr. Robert Freudenberg (NUK)  UKD
Nach dem Einsatz der Testsubstanz (v.l.n.r.) Dr. Anja Braune (NUK), Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, OÄ Dr. Sabine Grosche-Schlee, Schwester Dagmar Weidenhagen (Rad.) und Dr. Robert Freudenberg (NUK) UKD

Bei der Behandlung von Lebermetastasen übernimmt das Universitätsklinikum
Carl Gustav Carus Dresden erneut eine Vorreiterrolle. Anfang Februar 2019
wurde beim ersten Krebspatienten weltweit eine neue Testsubstanz vor der
Therapie der von Metastasen befallenen Leber mit radioaktiv beladenen
Kügelchen eingesetzt. Seit 2017 setzen die Experten der Klinik für
Nuklearmedizin in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Instituts für
Radiologie die mit Holmium-166 radioaktiv beladenen Kügelchen ein – der
weltweit erste Patient damals wurde ebenfalls am Universitätsklinikum
behandelt.

Vor dem Eingriff müssen die Mediziner genau überprüfen, an welchen Stellen
der Leber der Wirkstoff eingesetzt werden kann. Er soll nur an den vom
Krebs befallenen Stellen wirken – im restlichen, gesunden Teil der Leber
würde Holmium-166 großen Schaden anrichten. Bisher haben die Mediziner für
diesen Test eine Substanz eingesetzt, die zwar ähnlich, aber nicht
identisch dem Holmium-166 ist. „Die neue Testsubstanz ist genau wie das
Therapeutikum und gibt uns sowie den Patienten mehr Sicherheit“, sagt
Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Direktor des Instituts für diagnostische und
interventionelle Radiologie am Uniklinikum. Erst im Januar 2019 wurde der
Wirkstoff auf dem Markt zugelassen. „So können wir den Tumor bestmöglich
schädigen, ohne dabei die gesunde Leber anzugreifen.“

Das lebensbedrohliche Wachstum von Tumoren beziehungsweise Metastasen
lässt sich mit der „Selektiven Internen Radio-Therapie“ – kurz SIRT – in
vielen Fällen wirksam bremsen. Mit dem Verfahren lässt sich das
Krebsgewebe gleichzeitig aushungern und bestrahlen. Bei dieser
minimalinvasiven Therapie nutzen die Nuklearmediziner und Radiologen
sogenannte Mikrosphären. Das sind feinste Kügelchen mit einem Durchmesser
von 20 bis 30 Mikrometern – was etwa der drei- bis vierfachen Größe von
Blutplättchen entspricht. Die winzigen Sphären werden über einen Katheter
direkt in die Arterien des betroffenen Organs eingeschleust – das
Verfahren wird aktuell zumeist bei Tumorerkrankungen der Leber angewandt.
Aufgrund ihrer Größe passieren die Kügelchen das gesunde Gewebe,
verstopfen jedoch kleinere Blutgefäße der Tumore oder Metastasen und
verringern so deren Durchblutung. Dieses Prinzip nennen die Mediziner
Embolisation. Gleichzeitig geben die in den Gefäßen steckenbleibenden
Mikrosphären radioaktive Strahlung ab, die das kranke Gewebe so stark
schädigt, dass es abstirbt.

Bis 2017 nutzten die Ärzte weltweit den Beta-Strahler Yttrium-90 mit aus
Glas oder Kunstharz bestehenden Kügelchen als Trägersubstanz. Die nun
eingesetzten Mikrosphären bestehen aus dem Kunststoff Polylactid und sind
mit Holmium-166 markiert. Das weist besondere paramagnetische
Eigenschaften auf, die denen des Eisens weit überlegen sind. Am
Uniklinikum Dresden wurden im April 2017 erstmals weltweit diese Sphären
in der klinischen Routine eingesetzt. Seitdem wurden 15 Patienten damit
behandelt. Die Methode wird ausschließlich bei Patienten eingesetzt, bei
denen der Tumor in der Leber bereits Metastasen gebildet hat und eine
Operation nicht infrage kommt. Die Entscheidung, Krebspatienten mit der
Selektiven Internen Radio-Therapie zu behandeln, fällt im
interdisziplinären Tumorboard des Nationalen Centrums für
Tumorerkrankungen (NCT/UCC). In diesem Gremium diskutieren die Experten
aller mit der Behandlung von Krebsleiden befassten Fachgebiete mehrmals
wöchentlich die Befunde aller Krebspatienten und entscheiden
einvernehmlich über die weiteren Schritte von Diagnostik und Therapie.

Um passgenau nur die vom Krebs befallenen Stellen mit den
Holmium-166-Kügelchen zu therapieren, müssen die Mediziner vorher eine
Testsubstanz verabreichen. Damit können Sie die genaue Verteilung der
Blutgefäße in der Leber und im Tumor erkennen. Bisher stand dafür eine
Testsubstanz zur Verfügung, die zwar dem Holmium-166 ähnelte, jedoch nicht
identisch war. Diese Unsicherheit für die Mediziner ist jetzt behoben. Der
neue Teststoff entspricht dem Therapeutikum in Größe und Dichte; er wurde
erst im Januar 2019 zugelassen. „Nun können wir noch genauer bestimmen,
wie sich das Holmium-166 in der Leber verteilt und ob es genau an die
Stelle in der Leber gelangt, wo wir den Tumor und die Metastasen bekämpfen
wollen“, sagt Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann. Die Testsubstanz erlebte ihre
Weltpremiere Anfang Februar 2019 am Uniklinikum Dresden, als sie einem
65-jährigen Patienten appliziert wurde.

Ein wesentlicher Grund dafür, dass auch diese Premiere in Dresden
stattfand, ist die enge Zusammenarbeit der Experten der Klinik für
Nuklearmedizin mit ihren auf interventionelle Verfahren spezialisierten
Kollegen des Instituts für Radiologie. „Die erneute medizinische Premiere
am Uniklinikum Dresden beweist, das sich die intensive interdisziplinäre
Zusammenarbeit von Medizinern und Wissenschaftlern der Hochschulmedizin
Dresden auszahlt“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des
Dresdner Uniklinikums. „Die Vorreiterschaft beim Einsatz dieser noch
sichereren und für die Patienten schonenderen Methode ist ein Beleg für
Dresdens überragende Position in der Krebsmedizin.“