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Rostocker Forscher entwickeln mit Mecklenburger Unternehmen Medizinprodukt für den Weltmarkt

Hightech aus Mecklenburg-Vorpommern: Das weltweit erste mobile System zur Messung der zerebralen Sauerstoffsättigung.  Thomas Rahr / Universität Rostock
Hightech aus Mecklenburg-Vorpommern: Das weltweit erste mobile System zur Messung der zerebralen Sauerstoffsättigung. Thomas Rahr / Universität Rostock
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Hightech aus Mecklenburg-Vorpommern: Das weltweit erste mobile System zur Messung der zerebralen Sauerstoffsättigung.  Thomas Rahr / Universität Rostock
Hightech aus Mecklenburg-Vorpommern: Das weltweit erste mobile System zur Messung der zerebralen Sauerstoffsättigung. Thomas Rahr / Universität Rostock

Wissenschaftler der Universität Rostock vom Lehrstuhl für Technische
Elektronik und Sensorik entwickeln mit der Medizintechnikfirma Blueprint
Medical ein Messgerät zur kontinuierlichen Messung der Sauerstoffsättigung
im Gehirn ohne Blutentnahme.

Von Selmsdorf in die Welt. In dem kleinen Ort nahe Wismar hat die Firma
Bluepoint Medical ihren Sitz. Ein Unternehmen, das derzeit international
von sich reden macht. Denn es hat gemeinsam mit Forschern von der
Universität Rostock ein sensationelles Medizinprodukt entwickelt. Ein
unscheinbares, etwa 400 Gramm schweres Gerät, das kontinuierlich die
Sauerstoffsättigung im Gehirn des Menschen messen kann. Wichtig ist dies
für Patienten, die bei einer großen Operation an die Herz-Lungen-Maschine
angeschlossen werden. „Dabei besteht die Gefahr, dass das Gehirn zu wenig
Sauerstoff bekommt“, erklärt Bernd Lindner, Geschäftsführer von Bluepoint
Medical. Aus diesem Grund entwickelten Uni-Forscher gemeinsam mit seinem
Team ein Messverfahren, mit dessen Hilfe der Sauerstoffgehalt im Gehirn
kontrolliert werden kann. „Zerebrale Oximetrie“ nennt sich dieses
Verfahren. „Auf diese Weise kann das Risiko von Hirnschäden nach
Operationen mit Herz-Lungen-Maschinen signifikant vermindert werden“, so
Lindner.

Möglich wurde die Neuentwicklung durch die intensive Zusammenarbeit der
Selmsdorfer Medizintechniker mit der Universität Rostock. Professor
Hartmut Ewald vom Lehrstuhl für Technische Elektronik und Sensorik und
sein Assistent Dr. Ulrich Timm arbeiten bereits seit 2009 eng mit dem
Selmsdorfer Unternehmen zusammen und bringen beträchtliche Erfahrungen
mit. Sie haben unter anderem die neue Technologieplattform „SMARTsat“
entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur kontinuierlichen
Bestimmung der arteriellen Sauerstoffsättigung und der
Hämoglobinkonzentration des menschlichen Blutes durch Lichtabsorption,
also ohne eine Blutentnahme.

Jetzt ist es den Wissenschaftlern gelungen, ein Funktionsmuster zu bauen,
mit dem die zerebrale Sauerstoffsättigung im Gehirn bestimmt werden kann.
Bis jetzt beherrschen amerikanische Firmen nach Aussagen der Forscher den
Weltmarkt mit dieser weit entwickelten Medizintechnik. Bluepoint ist damit
die einzige Firma in Europa, die gemeinsam mit der Universität Rostock
solch ein Know How entwickelt hat. „Es ist zudem weltweit das erste mobile
System für die klinische Notfallversorgung“, sagt Dr. Timm nicht ohne
Stolz. Die Markteinführung des neuen Geräts ist für das zweite Quartal
2020 geplant.

Nutznießer sind insbesondere Unfallpatienten oder Menschen nach schweren
Operationen, für die künftig durch diese Entwicklung auch eine Überwachung
außerhalb des OP-Saals möglich wird. Denn Nervenzellen sind anders als
andere Körperzellen nicht in der Lage, ihren Energiebedarf in
ausreichendem Maße ohne Sauerstoff zu decken. Sauerstoffmangel im Gehirn
kann deshalb binnen weniger Minuten zu schwersten Störungen der
Hirnfunktion führen. Aus diesem Grund ist die Überwachung der
Sauerstoffsättigung im Gehirn von größter Notwendigkeit. Durch das neue
Mess-System kann somit eine große Gefahr für Patienten vermindert werden.

Im März findet in Kalifornien die abschließende klinische Validierung,
sprich: klinische Prüfung, statt. „Unsere Forscher sehen bei dieser
technischen Entwicklung sehr konkret, dass ihre Arbeit in ein neues
Produkt mündet“, unterstreicht Professor Ewald. Das sei in der
Grundlagenforschung eher selten der Fall.

Die besondere Herausforderung für die Rostocker Wissenschaftler war die
theoretische Simulierung dieses Sensor-Systems. Die exakte Geometrie des
menschlichen Schädels (Lichtausbreitung, Schweiß, Reflexe und Absorption)
nachzuempfinden, sei äußerst kompliziert, erläutert Professor Ewald. So
hätten die Forscher Soft- und Hardware mit einem speziellen Design und
entsprechend angepassten Algorithmen entwickelt, mit der die Elektrode
zielgenau am Kopf befestigt werden könne. Den dafür notwendigen Sensor
haben die Rostocker Forscher selbst erfunden.

Mecklenburgs Wirtschaftsminister Harry Glawe kommentiert: „Mit dem
Vorhaben wird das Wissen und Können der Universität Rostock und der
Mecklenburger Medizintechnikfirma erfolgreich zusammengeführt. Gerade auf
dem Gebiet der Medizintechnik werden innovative Lösungen gebraucht, die
die Gesundheitswirtschaft bei uns im Land weiter voranbringen.
Entscheidend ist am Ende die erfolgreiche Markteinführung. Mit einer
erfolgreichen Produktion würden viele Arbeitsplätze bei uns im Land
entstehen.“